Donnerstag, 10. November 2011

Parkraumgerangel


Der Wilhelm-Kaisen-Platz im Februar 2009 ...


... und im Juli 2011 (Bildmitte bis rechts: OBI-Baustelle)

Am letzten Sonntag hatten sich 3280 Menschen in der Bremerhavener Stadthalle ein Basketball-Spiel angesehen. Noch während der letzten Spielminuten kamen 3300 Eishockeyfans hinzu, die sich ein Spiel in der neuen, neben der Stadthalle gelegenen "Eisarena Bremerhaven" ansehen wollten.

Bis vor noch nicht allzulanger Zeit wäre das noch kein Problem gewesen. Aber jetzt - der Großen Koalition aus SPD und CDU (Legislaturperiode 2007 bis 2011) sei Dank - baut OBI auf dem größten Teil des Wilhelm-Kaisen-Platzes, auf dem früher einmal die Besucher der Stadthalle und des Eisstadions parkten, einen Großen Baumarkt mit Gartencenter. Dabei ist der neue Baumarkt in direkter Nachbarschaft zu den Baumärkten "Max Bahr" (200 Meter) und "Bauhaus mit Gartencenter" (1000 Meter) so überflüssig, wie ein Kropf.

Wie die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 07.11.2011 schrieb, sei es auf den kostenlosen Parkplätzen schnell eng geworden. Die Zeitung zitiert Herrn Reske (Parkordner) mit den Worten: "Die Situation ist beschissen." Viele Auto stünden direkt vor dem Eingang im Halteverbot, der holprige Teil hinter der Halle sei komplett vollgeparkt. Die Baustelle für den neuen Baumarkt nehme einfach zu viel Platz in Anspruch. Frau Motz (Eishockeyfan) habe gesagt, sie habe um einen Parkplatz kämpfen müssen. Die Vorfreude auf das Spiel sei verdorben und im schlimmsten Fall könnten die neuen Verhältnisse auch dem Sport in der Stadt schaden - Zitat: "Es ist eine Katastrophe, ein absolutes Chaos. ..Für viele Fans ist das sicher ein Grund, sich in Zukunft die Spiele nicht mehr im Stadion anzusehen."


Wenn die Folgen der Politik der Großen Koalition in der vorhergehenden Stadtverordnetenversammlung schon jetzt derart drastisch zu spüren sind, dann fragen sich viele Bürger Bremerhavens wohl zu recht, wie das denn noch funktionieren soll, wenn der Baumarkt erst fertig ist und auch dessen Kundenparkplätze noch zusätzlichen Platz beanspruchen werden.

Wenigstens hat die neue Koalition aus SPD und Grünen dem damaligen Lieblingsprojekt "Kaufland auf dem Phillips-Field" auf der dem neuen Baumarkt gegenüberliegenden Seite der Melchior-Schwoon-Straße, wie in ihrer Koalitionsvereinbarung vereinbat, einen Riegel vorgeschoben. Ob es ihr außerdem gelingen wird, den Discounter-, Bau- und Supermarkt Wildwuchs mit stadtplanerischen Mitteln zu unterbinden, bleibt abzuwarten.

(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 07.11.2011)

Kommentare:

Weserkrabbe hat gesagt…

Hallo Jürgen,
so langsam komme ich zu der Meinung, dass es mir letztendlich egal ist, was die da planen. Mein Mitleid mit den Parkern hält sich da allerdings in Grenzen. Alles war vorher bekannt, aber hast Du einen Protest der Eishockeyfans gesehen oder sind die Handballer auf die Strasse gegangen? Weißt Du, solange die alle nur alles gleichgültig hinnehmen und nicht wirklich Protest machen, ändert sich gar nichts. Guck Dir die vielen neuen Baustellen am neuen Hafen an, die pflastern alles zu und keiner unternimmt was. Und ob die Zeitung dazu schreibt oder wir im Blog oder Leserbriefe, es bringt letztlich alles nichts. Merke: Nur Randale verändert was.

lieben Gruß
Brigitte

juwi hat gesagt…

@Brigitte: Randale verändert immer etwas - ob zum Guten sei dahingestellt. Ich habe da so meine Zweifel und halte mich deshalb lieber ans "Schreiben", "Lautstarken Protest", "Demonstration" und wenn das alles nichts hilft irgendwann auch "Zivilen Ungehorsam". Ich werde jedenfalls auch weiterhin sagen, was ich von dem einen oder anderen Vorhaben unserer Politiker halte. Wenn auch die letzten von uns noch resignieren, dann haben "die da oben" ein für allemal gewonnen und können anschließend endgültig machen was sie wollen.

Jens hat gesagt…

Es ist immer wieder ein Jammer mit ansehen zu müssen wie dieser Baumarkt dort auf einem Veranstaltungsgelände hochgezogen wird. Ich bekomme jedesmal Wutgedanken über alle Verantwortlichen und werde dort auch nicht einkaufen gehen. Ja, ich überlege sogar ob ich in Bremerhaven überhaupt noch wählen gehen soll und wenn ja, wen denn überhaupt noch?
S
o wie es aussieht, ist ja auch eine Planung des Frühjahrsmarktes 2012 kaum zu realisieren. Die Nordsee Zeitung schrieb neulich, nach dem Frost sollen nächstes Jahr 450 Parkplätze dort enstehen, also soll der Wilhelm Kaisen Platz (aus meiner Sichtweise) saniert werden. Nur unpraktisch, dass im Mai der Jahrmarkt dort stattfindet und man sicher bis dahin keinen vernünftigen Platz dort vorfinden wird. Es müssen ja zudem auch Stromanschlüsse, Wasser und Abwasserkanäle verhanden sein. Die Krake oder der Scooter geben sich nunmal nicht mit 220 Volt zufrieden...

Ein Lob an die Schausteller, die es in diesem Jahr im Mai dort so gut hinbekommen haben. Der Frühjahrsmarkt war trotz der Baustelle gut beschickt und ein guter Ansatz auf der leider sehr klein gewordenen Fläche.

Was dann 2011 letztendlich aus dem Freimarkt wurde war ein Jammer. Mehr darf / möchte ich dazu nicht sagen...
Ich höre nur ganz still im Hinterkopf: "ich bin mir sicher wir werden für alle eine geeignete Lösung finden..."

Auch ich habe das Eishockey Spiel an dem besagten Sonntag übrigens besucht. Da ich das Chaos dort erahnte, kam ich mit dem Rad. Nur leider kann das nicht jeder. Und unser ÖPNV ist was das angeht für die Katz...

Das beste wäre, man würde den Bereich zwischen Eis Arena, Stadthalle und Geeste befestigen, dort Parkplätze und Marktfläche schaffen, statt für Unsummen die Seebäderkaje mit küsntlichen Fischen und Fontainen zu verunstalten. Dann könnte man auch den Tieren zuliebe, Open Airs an der Geeste veranstalten statt neben dem Zoo. Die Jahrmärkte könnten wie gewohnt stattfinden und die Besucher hätten Parkplätze.

PS: Ich habe u.a. an den Stadtteilkonferenzen bzgl. Kaisen Platz teilgenommen und war auch bei der Demo vor der Stadtverordnetenversammlung dabei. Alles was ich sah, waren arrogant grinsende Politiker, die an uns vorbeigingen und die alle ihr "ja" zur Bebauung gaben.

Mein Fazit:
Leute, lasst Euch nicht weiter von denen zum Narren halten!

juwi hat gesagt…

@Jens: Der Vorschlag, nicht bei OBI einzukaufen, wenn man mit dessen Ansiedlung auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz nicht einverstanden ist, kam ja während einer Stadtteilkonferenz Lehe von Herrn Raschen (CDU). Ich hoffe, das möglichst viele Bremerhavener seiner Aufforderung folgen werden. Vielleicht würde sich das Problem OBI auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz auf diese Weise irgendwann von selbst erledigen, so dass die Halle dann wieder abgerissen werden kann. Ich werde jedenfalls weiterhin bei "Bauhaus" oder bei "Bahr" einkaufen. | Wenn du nicht mehr wählen gehst, dann hast du auch kein Recht mehr zu meckern. Grundsätzlich ist es besser, iregendeiner kleinen Partei seine Stimme zu geben, als gar nicht zu wählen. Der hohe Anteil an Nichtwählern verfälscht das Meinungsbild der Bremerhavener Bevölkerung, begünstigt radikale Parteien, täuscht eine hohe Legitimation für die regierenden Parteien vor und schadet der Demokratie.

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