Samstag, 25. Mai 2019

Freitags für die Zukunft

Anlässlich der Wahl zum Europäischen Parlament am 26.05.2019 gingen am 24.05.2019 bundesweit Menschen auf die Straßen, um im Rahmen der "Fridays for Future"-Bewegung auf die Bedeutung der Wahl für den globalen Klimaschutz aufmerksam zu machen.

In Deutschland kamen die Menschen an 285 Orten zusammen - darunter auch in Bremerhaven - und demonstrierten gemeinsam für eine beschleunigte Umsetzung der Klimawende, damit Deutschland seine im Rahmen des Pariser Abkommens zugesagten Ziele zur Begrenzung des Anstiegs der globalen Temperatur auf maximal 1,5°C einhalten kann.


24.05.2019, "Fridays for Future" Bremerhaven:
Demonstrationszug auf der Columbusstraße in Richtung Kennedy Brücke
"Fridays for Future" ist eine bundesweit von Schülern organisierte Bewegung, welche die Schulstreik-Aktion der Schülerin Greta Tunberg in Schweden ("Skolstrejk för Klimatet") zum Vorbild hat. Frau Thunberg hatte im Sommer 2018 für sich persönlich entschieden, dass es ihr wichtiger ist, jeden Freitag vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm dafür zu demonstrieren, dass Schweden das Klimaschutz-Übereinkommen von Paris einhält, als zur Schule zu gehen. Auf ihren "Schulstreik für das Klima" und ihre Beweggründe dafür machte sie auch in einem selbst aufgenommenen Video im Internet aufmerksam. Obwohl es ursprünglich eigentlich gar nicht ihre Absicht war, hatte sie damit eine internationale Klimaschutz-Bewegung ins Leben gerufen, der sich inzwischen Schüler in immer mehr Ländern rund um die Welt anschließen.


Text auf dem Banner: "Facts do not ceas to exist because they are ignored"
- "Fakten hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden." -
Aldous Huxley (Autor des Romans "Schöne neue Welt")
Ausdrücklich waren auch die älteren Generationen zur Teilnahme an den Demonstrationen am 24.05.2019 aufgefordert worden. Ebenso, wie die jüngeren Generationen, halte auch ich es für wichtig, dass wir älteren Menschen uns aktiv am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen. Das ist allein schon deshalb notwendig, um Politikern wie Herrn Meuthen (AfD, Bundessprecher), der am 19.05.2019 in der Polit-Talk Sendung "Anne Will" sagte, man müsse Frau Keller (Bündnis '90 / Die Grünen, Kovorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parlament) nur lange genug reden lassen, damit klar werde, was die Menschen in Deutschland nicht wollen, klar zu zeigen, dass sie mit ihrer Klima-Politik nicht die Mehrheit der Menschen in Deutschland repräsentieren.

Frau Keller hatte der Bundesregierung zuvor unter anderem Untätigkeit in Sachen Klimaschutz vorgworfen. Die Politik müsse wieder Handlungsfähigkeit beweisen. In der aktuellen Situation sehe es so aus, als könne die Politik für die Lösung der Probleme dieser Zeit, wie beispielsweise die Globalisierungsfrage oder den Klimawandel, keine Antworten mehr liefern (Zitat): ".. Die Bundesregierung, aber nicht nur die, sitzt da und sagt: 'Oh, wir können nichts tun. Wir warten ab, wir tun nichts.', und das ist ein Problem. .."


"Die-in" auf der Stresemannstraße zum Gedenken an die Opfer,
die der Klimawandel bereits heute gefordert hat
Leider finden die regelmäßigen "Fridays for Future"-Demonstrationen aber naturgemäß zu Tageszeiten statt, an denen die meisten Erwachsenen arbeiten müssen. Sie können es sich nicht leisten, wegen der Teilnahme an den Demonstrationen ihren Job zu riskieren - und die Zahl der Urlaubstage, die sie dafür verwenden könnten, ist begrenzt. Trotzdem ist der Rückhalt in der Bevölkerung für die "Fridays for Future" Bewegung groß.

Laut "Deutschlandtrend" der ARD (Stand: 22.03.2019) haben 55 Prozent der Deutschen Verständnis dafür, dass Schüler für die "Fridays for Future"-Demonstrationen darauf verzichten, am Unterricht in der Schule teilzunehmen. 63 Prozent der Bürger würden für einen wirkungsvolleren Klimaschutz höhere Energiekosten akzeptieren. Das sei nicht nur bei den Anhängern der Grünen (89 Prozent), der Linken (76 Prozent) und der SPD (67 Prozent) der Fall, sondern auch bei denen der FDP (71 Prozent) und der CDU/CSU (62 Prozent).


Menschenkette am Weserdeich
im Anschluss an die Abschlusskundgebung auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz
Selbst unter den Anhängern der AfD, die grundsätzlich leugnet, dass die Menschheit für die zunehmende Beschleunigung des Anstiegs der mittleren globalen Temperatur infolge des Klimawandels verantwortlich ist, seien 50 Prozent bereit, mehr Geld für einen besseren Klimaschutz zu auszugeben (Deutschland Trend, Stand: 17.11.2017) und eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent erkenne einen Einfluss der Menschheit auf das Klima (Deutschland Trend, Stand: 17.05.2019).

Man darf gespannt sein, ob es sich dabei nur um Lippen-
bekenntnisse handelt, oder ob die Aussagen der Anhänger
der AfD zum Thema Klimawandel Auswirkungen auf das
Ergebnis der Wahl zu europäischen Parlament haben werden.

(Quellen: Wikipedia - Greta Thunberg, Greta Thunberg auf YouTube, Anne Will - Sendung vom 19.05.2019, Deutschlandtrend vom 17.05.2019, Deutschlandtrend vom 22.03.2019, Deutschlandtrend vom 17.11.2017 )

Freitag, 25. Januar 2019

Es gibt sie noch: Hilfsbereite Mitmenschen

Auf dem Weg mit dem Rad zur Arbeit komme ich morgens an einer Kreuzung mit einer Ampel auf eine Hauptstraße. Als ich in die Hauptstraße einbog, lag neben der Ampel - zwischen Fahrbahn und Radweg - ein Mann auf dem Rücken.

Ich hielt an, stellte mein Fahrrad ab und sprach ihn an. Gleich darauf hielt eine andere Radfahrerin und fragte, ob sie helfen könne. Gemeinsam gelang es uns den schlafenden Mann zu wecken und in eine sitzende Position aufzurichten. Aufheben konnte ich ihn nicht. Dazu war er zu schwer. Aus eigener Kraft war es dem offenbar betrunkenen Mann aber offenbar auch nicht möglich, aufzustehen.

Die Temperatur lag an dem Morgen bei acht Grad minus. Die hilfsbereite Radfahrerin war ebenfalls auf dem Weg zur Arbeit. Wir hatten deshalb beide nicht ewig Zeit, um uns um den Betrunkenen zu kümmern. Über dem Hemd trug er nur eine leichte Fleece-Jacke. Angesichts der frostigen Temperatur konnten wir ihn also auch nicht einfach dort liegen lassen.

Nachdem wir ihn aufgerichtet hatten, hatte ich mich hinter den Mann gehockt, um ihn daran zu hindern, sich wieder hinzulegen. Ich bat die Radfahrerin den Mann für einen kurzen Moment aufrecht zu halten und rief die Polizei um Hilfe.

Man hört und liest ja immer mal wieder, dass die Menschen wegsehen und weitergehen, wenn sie andere Menschen sehen, die Hilfe benötigen. Zumindest an jenem Morgen, während der zehn oder fünfzehn Minuten, als wir auf die Polizei warteten, habe ich aber eine völlig andere Erfahrung gemacht. Abgesehen von vieleicht zwei oder drei Autofahrern hielen alle vorüberkommenden Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger an und fragten, ob wir Hilfe benötigen. Sogar ein Linienbus blieb stehen. Der Busfahrer stieg aus, kam zu uns und bot seine Hilfe an. Wir bedankten uns bei allen Vorüberkommenden für ihre Hilfsbereitschaft, konnten aber jedes Mal sagen, dass Hilfe bereits unterwegs war.

Ich habe nicht mitgezählt, aber es mögen wohl so zehn bis fünfzehn Menschen gewesen sein, die uns ihre Hilfe angeboten hatten. So schlecht, wie es manchmal dargestellt wird, ist es um die Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft also wohl doch nicht bestellt.