Montag, 14. November 2011

Die Schuldigen sitzen nicht im Wendland

"Atommüll ist ein unverantliches Erbe für unsere Kinder" (Gorleben 2010)
Das Sonntagsjournal berichtete gestern, die Polizei habe anlässlich des bevorstehenden Castortransportes nach Gorleben ein weitreichendes Demonstrationsverbot für einen hundert Meter breiten Korridor entlang der Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg sowie entlang der möglichen Routen für den Straßentransport der Castoren erlassen. Vom 26. November bis zum 6. Dezember seien in diesem Bereich unangemeldete Kundgebungen untersagt.

Im Vorfeld hatte das Bundeskriminalamt (BKA) - wie in jedem Jahr - vor “massiven Krawallen” im Wendland gewarnt und Herr Schünemann (CDU, Niedersachen, Innenminister) hatte - ebenfalls wie in jedem Jahr - seinen bekannten Spruch aufgesagt: Es werde “null Toleranz” geben. Wie in jedem Jahr werden die Atomkraftgegner im Vorfeld des Castor-Transports pauschal kriminalisiert, in der Hoffnung, dass sie sich davon einschüchtern lassen.

Die Menschen im Wendland lassen sich davon allerdings schon lange nicht mehr einschüchtern. Wenn die Wendländer so etwas zu hören bekommen, dann werden die statt dessen irgendwie immer ganz unruhig. Jedenfalls waren am Samstag schon mal gut 400 Menschen im Wendland auf die Straße, um gegen den für Ende November angekündigten Castor-Transport zu protestieren.

Das schreibt die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg auf ihrer Internetseite. 12 spontane Kundgebungen habe es im Wendland gegeben. Rund 70 mit Anti-Atom- Fahnen geschmückte Traktoren hätten an verschiedenen Orten zu einem Stop-an-Go auf den Bundesstraßen gesorgt.
Der “Unruhetag” mit Kaffeetafeln, Straßenmusik, rollenden und stehenden Traktoren, heißer Suppe sei auch von heißen Diskussionen um die Ankündigung des Herrn Röttgen (CDU, Bundesumweltminister) geprägt gewesen. Der hatte ja angekündigt, es solle auf einer "weißen Karte" mit der Suche nach einem Atommülllager von vorn begonnen werden. So lange aber Gorleben von dieser Karte nicht entfernt wird, ist die Karte nicht wirklich "weiß". Bevor der Atommülllagerbau im als "Erkundungsbergwerk" getarnten Salzstock bei Gorleben nicht endgültig und offiziell bendet worden ist, bleibt ein schmutziger Fleck darauf zurück.

Da wird lustig weiter im Salz gebuddelt, obwohl inzwischen mehr als genug Gründe bekannt geworden sind, die jeden verantwortlichen Menschen davon abhalten würden, auch nur in Erwägung zu ziehen, dort eventuell, vielleicht hochradioaktiven Atommüll im Salz zu versenken. - "Asse-II" lässt grüßen ...

Da wird erneut ein Atommülltransport nach Gorleben genehmigt, obwohl allein die Strahlung des bereits dort gelagerten Atommülls den Jahresgrenzwert zu überschreiten droht. Damit das nicht so auffällt werden die Messwerte - vorsichtig formuliert - auf Grundlage fehlerhafter Methoden schön gerechnet. Und wenn die Betroffenen - wie vor jeden Atommülltransport nach Gorleben - ankündigen, sie würden sich dagegen zur Wehr setzen, dann werden sie kollektiver krimineller Machenschaften beschuldigt?

Die Schuldigen und ihre politischen Handlanger sitzen mit Sicherheit nicht im Wendland. Wer allein um des schnellen Profits willen skrupellos die Welt unserer Nachkommen  auf zig Millionen von Jahren hinaus mit seinen gefährlich strahlenden Hinterlassenschaften bedroht, der macht sich eines Vergehens schuldig, für dessen Schwere mir auch nach all den Jahren noch nicht der passende Ausdruck eingefallen ist! Alle die dagegen demonstrieren und die sich dem atompolitischen Irrsinn widersetzen handeln hingegen aus Notwehr.

Zusammen mit vielen anderen Menschen aus der gesamten Bundesrepublik werde ich am 26.11.2011 nach Dannenberg fahren, um den Wendländern meine Solidarität zu bekunden - und um "denen da oben" erneut zu sagen, wass ich von ihrem Strahlenschiet halte, den sie auch während der nächsten 10 Jahren noch weiter anhäufen wollen. Das nennt sich dann auf merkelsch "Atomausstieg". Die Atomkraftwerke gehören abgeschaltet - spätestens bis 2015 ... - falls es dann nicht schon zu spät ist.

Wer für den 26. November noch eine Fahrgelegenheit ins Wendland sucht, der wird hier fündig. Obwohl zwei der von Anti-Atom-Oldenburg organisierte Busse schon ausgebucht sind, gibt es noch einige Plätze in den anderen Oldenburger Bussen. Infos darüber gibt es hier.


Gorleben Castor 2011


(Titelseite des Sonntagsjournals vom 13.11.2011, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg vom 12.11.2011 und vom 06.11.2011)

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