Dienstag, 29. November 2011

Keinen Atommüll in meiner Zukunft lagern!

Impressionen aus dem Wendland und Ausschnitte aus den Kundgebungsbeiträgen

Am 26.11.2011 waren den Zählungen der Organisatoren der Kundgebung gegen den Atommülltransport von der Atommüllaufbereitungsanlage bei La Hague (Frankreich) in das Atommülllager bei Gorleben (Deutschland, Wendland) zufolge 23000 Menschen in Dannenberg versammelt, um erneut gegen den Ausbau des sogenannten "Erkundungsbergwerks" im Salzstock bei Gorleben zum Atommülllager für hochradioaktiven Atommüll zu demonstrieren.

Mehrere tausend Atomkraftgegner hielten sich zudem in den umliegenden Camps und im Gelände auf. Zusammen mit den Freunden des französischen Netzwerks "Sortie du Nucléaire" sowie vielen tausend Atomkraftgegnern entlang der Castor-Transportstrecken ist es ihnen gelungen, den Atommülltransport so sehr zu behindern, wie niemals in der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung zuvor. Dafür trotzten sie mit vielfältigen, bunten und friedfertigen Aktionen ebenso der Kälte und dem Regen, wie auch dem massiven Aufgebot der Staatsgewalt.


Atomausstieg? Neubeginn Endlagersuche?
Eine einzige Farce!


Mit der als Atomausstieg getarnten Laufzeitverlängerung für die verbliebenen neun deutschen Atonkraftwerke um insgesamt 30 Jahre, sowie dem unter dem Deckmäntelchen "Neubeginn bei der Endlagersuche" massiv vorangetriebenen Ausbau des unterirdischen Lagers für hochradioaktiven Atommüll im Salz bei Gorleben, ist es den schwarz-gelb-gestreiften Handlangern der Atomkonzerne in Deutschland nicht gelungen, den Widerstand der Atomkraftgegner zu brechen. Herr Stay (.ausgestrahlt, Sprecher) brachte es während der Kundgebung in Dannenberg auf den Punkt: Im Haushalt 2012 des Herrn Röttgen (CDU, Bundesumweltminister) seien 37 Millionen Euro für den Ausbau des Atommülllagers im Salzstock bei Gorleben vorgesehen. - Dem stünde die geradezu lächerlich geringe Summe von 3 Millionen Euro für die Suche nach alternativen Standorten zur langfristigen Lagerung des deutschen Atommülls gegenüber!


Längster Atomtransport ins Wendland

Wie der konsequente Widerstand während des gesamten Atommülltransports im November 2011 zeigt, ist der Widerstand gegen die gefährliche Allianz aus den Atomkonzernen und der wespenfarbenen Bundesregierung stärker als je zuvor.

Die 11 Castoren, deren tödliche Fracht dem 44-fachen der bis zum November 2011 infolge der Super-GAUs in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima-I" freigesetzten Radioaktivität entspricht, waren am Mittwoch, 23.11.2011 am Verladebahnhof bei Valognes (Frankreich) um 16:00 Uhr gestartet. Schon zu Beginn des Transports war es den französischen Atomkraftgegnern gelungen, den Transport erheblich zu verzögern. Erst am Montag, 28.11.2011, erreichte der Zug mit den Castoren um 04:17 Uhr den Verladekran in Dannenberg. Nach weiteren Behinderungen durch Atomkraftgegner auf den Straßen zwischen Dannenberg und der Atommülllagerhalle bei Gorleben erreichten die Castoren am 28.11.2011 um 21:50 Uhr ihr Ziel. Mit 125 Stunden und 30 Minuten wurde der letztjährige "Rekord" von 92 Stunden um mehr als 33 Stunden übertroffen.


Gegen Atomkraft - Weltweit

Mit den Aktionen von "Sortie du Nucléaire", dem Kundgebungsbeitrag eines von den Folgen des Uranabbaus in seiner Heimat betroffenen Redners aus Tansania, sowie Redebeiträgen der Gäste aus der Region in der Umgebung der zerstörten Atomkraftanlage "Fukushima-I" in Japan, wurde deutlich, dass es bei den Demonstrationen längst nicht mehr "nur um Gorleben" geht. Nach den inzwischen bekannt gewordenen katastrophalen Zuständen in den Uranabbaugebieten, den Super-GAUs in Tschernobyl und in Fukushima, den GAUs in den USA oder in der Schweiz, sowie den katasrophalen Erfahrungen mit unterirdischen Atommülllagern in Deutschland, wird immer mehr Menschen bewusst, dass die Atom-"Brennstoff"-Kette ein weltweites, tödliches Problem darstellt, und dass die Folgen von Unfällen in Atomkraftwerken keinen Respekt vor Staatsgrenzen kennen.

Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich und absolut inakzeptabel, dass Polen gerade jetzt den Wiedereinstieg in die Nutzung der Atomenergie plant! Dem gilt es von Beginn an international entgegenzuwirken. Es muss endlich Schluss sein mit dem atomaren Irrsinn! Weltweit!!


Ich will Bauer werden ...

Unsere Generationen und die unserer Eltern haben es innerhalb von nur 60 Jahren geschafft, ein strahlendes Erbe anzuhäufen, das für die Gesundheit und das Leben - nach menschlichen Maßstäben - unzählige Generationen unserer Nachkommen eine heimtückische, tödliche Gefahr ist. Nach dem Willen der scharz-gelben Bundesregierung unter Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) sollen 9 deutsche Atomkraftwerke noch bis 2022 tonnenweise weiteren Atommüll produzieren. Und das, obwohl die Atommülllagerpläne dem aus geologischen Gründen ungeeigneten Salzstock bei Gorleben, dem vom Einsturz bedrohten Atommülllager im ehemaligen Salzbergwerk Asse-II etc. gescheitert sind und es keine Alternativen dazu gibt.

Auf einem der Trecker am Auftaktpunkt West des Demonstrationszugs zum Kundgebungsgeländes am Ortsrand von Dannenberg saß ein kleiner Junge mit einem selbstbemalten Pappschild in der Hand. Darauf war zu lesen: "Ich will Bauer werden. Kein Atommüll in meiner Zukunft lagern."
  • Ich würde ihm gerne sagen, dass er sich keine Sorgen um seine Zukunft machen muss, dass er und seine Kinder und Kindeskinder die Menschen in unserer Heimat noch viele Jahrhunderte lang mit gesunder Nahrung versorgen können ...

    Aber das kann ich nicht.

Kommentare:

Frau Momo hat gesagt…

Zweiter Versuch... irgendwie spinnt das hier.
Für Dein Video braucht man ja Zeit, aber schöne Aufnahmen. Du warst offensichtlich auf dem Kran, mir war die Schlange zu lang :-)

juwi hat gesagt…

@Frau Momo: Mir war die Schlange eigentlich auch zu lang. Andererseits hätte ich mich möglicherweise geärgert, wenn ich es nicht zumindest versucht hätte. Leider war die Kundgebung schon zu Ende, so dass die meisten Leute und Trecker sich schon auf den Heimweg gemacht hatten. | Die "Impressionen" bis zum Beginn der Kundgebung nehmen rund 12 Minuten in Anspruch. Der Rest sind die Redebeiträge während der Kundgebung. Ich hatte Anfangs überlegt, ob ich die vielleicht auch zusammenschneiden sollte, habe mich dann aber dagegen entschieden. Wenn ich zum Beispiel die japanischsprachigen Abschnitte herausgeschnitten und nur die Dolmetscherin drin gelassen hätte, dann wäre für mein Gefühl zu viel von der Authentität verloren gegangen. Auch wenn wir die Sprache nicht verstehen, so kann man dennoch die Gefühle heraushören, welche die Sprecherin bewegten.

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