Dienstag, 9. Dezember 2008

Dat Johr geit to End


... un de Schip fohrt mit‘n Dannboom no See
(Die "Hansa" im Fischereihafen Bremerhaven)


Klock veer ward all düster, de Wind weiht von Ost,
de Luft schmeckt all bannig no Schnee.
De Straaten sünd schmückt und de Lüd speelt verrückt,
un de Schip fohrt mit‘n Dannboom no See.

Dat Johr geit to End, un de Lichter verbrennt.
Man, de Tied stickt een Licht an in di.
Dat Johr geit to End, un de Lichter verbrennt.
Man, de Tied stickt een Licht an in di.

Un wenn du so markst, nu is Wiehnacht nich wiet,
dor ward di ganz anners tomoot.
Du denkst still bi di: wedder een Johr vörbi,
un wat wür, wür dat schlecht oder good?

Un kümmt denn de Obend, un blinkt denn de Stuv,
denn lücht de lütt Oogen so hill.
Dat Geld nich allens is mookt de Kinner uns wiss,
un in manch een rick Hus ward dat still.


Ich kenne dieses Lied seit einigen Jahren, habe aber keine Ahnung wer
der Verfasser des Textes ist. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass Rolf Zuckowski das Lied mit einen ähnlichen hochdeutschen Text komponiert hat. Da er als Komponist und Textautor genannt wird, vermute ich, dass diese plattdeutsche Version in Anlehnung an den Text von Rolf Zuckowski entstanden ist.

Nachtrag:
Im November 2009 erhielt ich eine E-Mail von einer Leserin, die beim Suchen nach dem Text des Liedes hier gelandet war. Sie schreibt, "Dat Johr geit to End" sei von Rolf Zuckowski für die Finkwarder Speeldeel auf Platt geschrieben worden. Die Weihnachts-CD der Speeldeel "Advent an de Waterkant" von 1979, auf der das Lied zu hören gewesen sei, könne man aber leider nicht mehr kaufen.




Übersetzung für "Nicht-Küstenbewohner":

Um vier wird's schon dunkel, der Wind weht aus Osten,
die Luft schmeckt schon sehr*) nach Schnee.
Die Straßen sind geschmückt und die Menschen spielen verrückt,
und die Schiffe fahren mit einem Tannenbaum zur See.

Das Jahr geht zu Ende, und die Kerzen verbrennen.
diese Zeit zündet ein Licht in dir an ...

Und wenn du merkst, dass es nicht mehr lange hin ist bis Weihnachten,
dann wird dir ganz anders zumute.
Du denkst still bei dir: Wieder ein Jahr vorbei,
und wie war es, war es schlecht oder gut?

Und wenn der Abend dann kommt, und die Stube glänzt,
dann leuchten die kleinen Augen so hell.
Dass Geld nicht alles ist, wird uns durch die Kinder bewusst,
und in so manchem reichen Haus wird es still.


*) Platt für Anfänger: bannig

Lea: Du sag mal, Gerd, was heißt eigentlich bannig?
Gerd: Ohh, das Wort gebrauchen die Plattdeutschen sehr gerne, denn mit mit bannig kann man alles noch 'n büschen größer, stärker, schlimmer oder besser machen. Zum Beispiel: Dat mookt bannig Spoß ...
Lea: Ganz doll Spaß.
Gerd: Jo, oder de is ja bannig groot, oder bannig dösig, he hett bannig Glück hadd, se kann bannig goot seiln, dat deit bannig weh oder auch: Ick bün bannig knapp mit Geld.
Lea: Bannig ist ja wohl so 'n Allerweltswort.
Gerd: Stimmt, und wenn wir das nicht hätten, denn seeg dat bannig slecht ut. So, Lea, nu weeßt Bescheed.
Lea: Jo, nu weet ick Bescheed.

(Diese nette Erklärung habe ich auf der Seite vom NDR Hamburg gefunden)


Kommentare:

zeitcollector hat gesagt…

Plattdeutsch gefällt es mir besser! :-)

juwi hat gesagt…

zeitcollector: Mir auch

Elfe hat gesagt…

Hi, hiii das ist ja schon ein bisschen schwierig für mich. Doch ich habe das meiste verstanden beim langsam lesen. Einige Worte kommen wir recht "spanisch" vor, wie bannig, das hast Du ja schon erklärt, bei uns würde man dem "schaurig" sagen, schaurig schön oder das gefällt mir schaurig gut. Dann die Wörter Tied?, Stuv ist wahrscheinlich Stern und tomoot vermutlich zu mute. Mookt de Kinner ist auch so ein Knüller *lach*. Da spielt wohl das Englisch noch in das Plattdeutsche hinein, vermute ich mal.
Also geschrieben geht es ja gerade noch mit verstehen für mich. Wenn dann das ganze gesprochen wird und sehr schnell, dann bin ich mir nicht so sicher, ob ich da viel verstehen würde.

Das ist bestimmt sehr stimmungsvoll die Schiffe mit den beleuchteten Christbäumen im Hafen.
Lieben Gruss
Elfe

juwi hat gesagt…

Elfe:

Tied = Zeit, Stuv = Stube, tomoot hast du gut erkannt.

Plattdeutsch ist regional zum Teil unterschiedlich, aber wenn man das irgendwo verstehen kann, dann kommt man damit auch in einer anderen Gegend zurecht. Ähnlichkeiten mit Englisch gibt es tatsächlich (zumindest in unserer Gegend; z.B. Klock veer = four o' clock = vier Uhr) aber auch mit dem holländischen. Außerdem gibt es Dinge, die lassen sich nur auf platt sagen. Wenn du z.B. zu jemandem auf Hochdeutsch sagen würdest: "Na, min lütten Schieter, wo geit di dat?", dann könnte es passieren, dass der beleidgt wäre (Na, mein kleiner Scheißer, wie geht es dir?). Auf plattdeutsch ist das eine freundschaftliche Anrede, wenn man zum Beispiel seinen kleinen Neffen begrüßt. Ich selbst bin nicht mit plattdeutsch aufgewachsen, aber auf den Dörfern in der Umgebung ist das eine lebendige Sprache. Meine Frau kommt aus einem Dorf nördlich von Bremerhaven, und ihre gesamte Verwandschaft spricht platt. Ich kann besser platt singen als sprechen, aber mit dem verstehen habe ich absolut keine Probleme.

Leher Butjer/Weserkrabbe hat gesagt…

Hallo Jürgen, wunderschön dieses plattdeutsche Lied. Ich kannte das gar nicht, würde es aber gerne mal hören. Mach doch mal 'ne Aufnahme mit Deinem Chor davon und stelle sie dann hier rein. Ist das keine gute Idee?
Habe Dich heute bei der Weihnachtsfeier der Stadtteilkonferenz vermisst.

lieben Gruss
Brigitte

juwi hat gesagt…

Brigitte:

Für eine spontane Aufnahme des Liedes mit "Querbeet" reichen meine technischen Mittel leider nicht aus. Aber wenn ich noch Zeit dazu finden sollte, habe ich vor, eine Solo Aufnahme davon zu machen.

Gestern war ich mit den Leuten von "Querbeet" auf dem Weihnachtsmarkt. Der Bummel über den Weihnachtsmarkt am letzten Probeabend vor dem Jahreswechsel ist inzwischen Tradition bei uns. Da konnte ich ja schlecht fehlen.

Bee hat gesagt…

Hier ist das Lied zu hören http://www.youtube.com/watch?v=6g9koJ_wmWQ Ich mag es sehr....

Lieben Gruß

Bine

juwi hat gesagt…

@Anonym":
Um faire Diskussionen zu gewährleisten, veröffentliche ich keine Kommentare ohne "Identität" in Form einer E-Mail-Adresse, einem Namen oder zumindest einem Nicknamen (siehe Hinweis über dem Kommentar-Eingabefeld). Wenn mehrere Leser einen Kommentar als "Anonym" zu einem Kommentar abgeben, und der eine dem andern antworten möchte, dann weiß am Ende niemand, wer da gerade mit wem "spricht". | Deinen Kommentar vom 25.12.2014 um 17:26 Uhr mit der Einleitung "Hallo moin, habe das Lied auf einer Cassette von meinen Eltern gefunden ..." habe ich deshalb nicht veröffentlicht. Ich würde mich freuen, wenn du deinen Kommentar noch einmal, zumindest mit einem Nicknamen (Fantasie-Name) "unterzeichtet", abschicken würdest. Ich hoffe, du hast dafür Verständnis.

Ani hat gesagt…

Der Langener Gospelchor Church People hat das letztes Jahr beim Adventskonzert im Mediterraneo gesungen - auf platt ! Schönes Lied

Kommentar veröffentlichen



Eigene Meinungen, konstruktive Kritik, Anregungen etc. sind jederzeit willkommen.

Nettikette
Bitte achtet auf den »guten« Ton.
Beschimpfungen und ähnliches werden im Papierkorb veröffentlicht.


Anonyme Kommentare:
Wenn ihr "Anonym" bei "Kommentar schreiben als" auswählt, dann lasst mich und die anderen Leser bitte wissen, wer ihr seid.

Um faire Diskussionen zu gewährleisten, werde ich Kommentare ohne "Identität" in Form einer E-Mail-Adresse, einem Namen oder zumindest einem Nicknamen nicht veröffentlichen!

Zum Schutz vor Spammern müssen die Kommentare erst von mir freigeschaltet werden. Ich bitte dafür um euer Verständnis.