Freitag, 28. Mai 2010

Die Geeste - Von der Autobahn zur Franzosenbrücke


Entlang der Geeste von der Autobahn zur Franzosenbrücke

Auf der dritten Etappe entlang der Geeste geht es von der Autobahn A27 bis zur Franzosenbrücke in Bremerhaven.

Langsam wechselt die Umgebung jetzt vom ländlichen zu einem eher städtischen Charakter. Direkt an der Stadtgrenze steht an der Geeste die Bremerhavener Müllbeseitigungsanlage (MBA). Das für den Betrieb der Anlage notwendige Kühlwasser wird aus der Geeste entnommen. Südlich der Geeste folgt später ein Gewerbegebiet, das jedoch von dem Baum- und Buschgürtel entlang des Weges vor den Augen verborgen bleibt. Kurz vor dem Tidesperrwerk befinden sich am nördlichen Ufer die Steganlagen der ersten beiden Wassersportvereine an der Geeste auf Bremerhavener Gebiet.

Das Tidesperrwerk wurde im Sommer 1961 fertiggestellt und übernimmt seither die ehemaligen Aufgaben der Schiffdorfer Stauschleuse. Neben der erheblich kürzeren instandzuhaltenden Deichlinie entlang der Geeste, brachte die neue Anlage den Vorteil, dass sie neben den Tidesperrtoren eine richtige Kammerschleuse besitzt, die den ganztägigen Schiffsverkehr auf dem Fluss ermöglicht.

In Blickweite verläuft westlich des Tidesperrwerks die Bahnstrecke von Bremen nach Cuxhaven und von der Bahnstrecke ist auch schon die Franzosenbrücke zu sehen, an der dieser Abschnitt des Spaziergangs endet. Auf der Brücke überquert die Stresemannstraße die Geeste. Sie ist ein Abschnitt eines Straßenverlaufs, der in seinen aufeinander folgenden Abschnitten unterschiedliche Straßennamen trägt und in nord-südlicher Richtung das gesamte Stadtgebiet durchquert. Vor dem Bau der Autobahn war diese Bremerhavener Hauptverkehrsader ein Abschnitt der Bundestraße 6, die früher einmal in Cuxhaven endete.

Wenn ich sage, das Etappenziel sei dieses Mal die Franzosenbrücke, so ist das eigentlich nicht ganz richtig. Die ursprüngliche Franzosenbrücke überquerte die Geeste allerdings in etwa an der gleichen Stelle. Bremerhaven gab es damals noch nicht. Nördlich der Geeste lag der Flecken Lehe, der bis 1810 zum Kurfürstentum Hannover gehört hatte, welches im gleichen Jahr ein Teil des von Frankreich kontrollierten Königreichs Westphalen wurde. Lehe wurde Verwaltungssitz des französischen Arrondissements Bremerlehe. Im März 1813 begann in Lehe und dem am gegenüberliegenden Ufer der Weser gelegenen Blexen ein Aufstand gegen die französichen Besatzer. Die Franzosen gaben die Besetzung der Festungsanlage "Karlsstadt" an der Geestemündung auf. Den Aufstand der Leher schlugen sie jedoch in der Schlacht an der Geestebrücke nieder, die seit jener Zeit den Namen Franzosenbrücke trug. Die Zeit der französichen Besatzung endete aber schon bald darauf im November des gleichen Jahres.

Die Geeste

(Quelle "Franzosenbrücke": Wikipedia)

Die Wahrheit über Deutschlands Krieg in Afghanistan

FriedenstaubeIch hatte ihn bisher ja immer für einen besonnenen Mann gehalten. Was Herr Köhler (Bundespräsident) da aber am 21. Mai 2010 auf dem Rückflug von Afghanistan nach Berlin in einem Interview dem "Deutschlandradio" ausgeplaudert hat, das ist - salopp gesagt - "unter aller Sau"!

Die ARD-Tagesschau berichtete am 27.05.2010, es sei Herrn Köhler vor allem darum gegangen, dass eine Debatte in Deutschland angestoßen werden müsse, mit dem Ziel Respekt für die im Ausland eingesetzten Soldaten zu erzeugen. Im Gespräch mit deutschen Soldaten in Afghanistan habe er vorher über die Ziele des Einsatzes gesprochen. Dazu gehöre die Verteidigung der Sicherheit Deutschlands. In dem Radiointerview habe er anschließend eine gesellschaftliche Debatte angeregt. Wörtlich hatte er gesagt:

"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt, wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube wir sind auf einem nicht so schlechten Weg."


Im Klartext:
Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich am Krieg in diesem fernen Land am Hindukusch, um ihre Wirtschafts- und Handelsinteressen zu wahren!

Vielleicht sollte jemand Herrn Köhler einmal darüber aufklären, dass der Kriegseinsatz Deutschlands in Afghanistan von der "Breite der Gesellschaft" abgelehnt wird. Das Ergebnis der ARD-Deutschlandtrend Umfrage für den Mai 2010 zeigt, dass weiterhin 70 Prozent der Befragten fordern, die Bundeswehr schnellstmöglich aus Afghanistan zurückzuholen. Eine gesellschaftliche Mehrheit für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hat es demnach zumindest in den zurückliegenden drei Jahren nicht gegeben.

Falls wir wirklich einmal "insgesamt auf dem Wege" sein sollten, "in der Breite der Gesellschaft" Kriegseinsätze irgendwo im Ausland als geeignetes Mittel zur Wahrung unserer Wirtschafts- und Handelsinteressen zu akzeptieren, dann sind wir auf dem denkbar schlechtesten Weg, den ich mir überhaupt nur vorstellen kann!


Ob Herr Köhler sich da einfach nur verplappert und aus Versehen die Wahrheit ausgeplaudert hat, sei dahingestellt. Da er diese Gedanken aber in dem Interview geäußert hat, müssen die ja vorher schon irgendwie in seinem Kopf herumgeschwirrt sein. Das auf derartige "Unfälle" hochrangiger Persönlichkeiten hin ablaufende Schema ist ja inzwischen bestens bekannt. Nachdem die Mitglieder eines internen Krisenstabes sich fieberhaft Gedanken darüber gemacht haben, wie sie den Karren wieder aus dem Dreck ziehen können, heißt es am Ende immer, diejenige oder derjenige habe das alles ja gar nicht so gemeint. So auch dieses Mal: Herr Köhler habe natürlich nur die Piratenjagd vor der Küste Somalias gemeint. Gesagt hat er davon aber nichts. Und das "Deutschlandradio"-Interview stand eindeutig im Zusammenhang mit dem Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

Und selbst wenn Herr Köhler tatsächlich über die Schiffe der Bundesmarine in den Gewässern vor Somalia gesprochen hätte, dann wäre dort immer noch die Bundeswehr im Einsatz, um nach seiner Aussage deutsche Wirtschafts- und Handelsinteressen zu wahren, aber nicht um - wie uns bisher immer weisgemacht wurde - als Mitglied eines internationalen Polizeieinsatzes dabei zu helfen, internationale Handelswege vor kriminellen Piraten zu schützen.

Nach dem Herumgeeiere des ehemaligen Verteidigungsministers, Herrn Jung, der alles tat, um im Zusammehang mit dem Krieg in Afghanistan ja nicht den Begriff "Krieg" in den Mund nehmen zu müssen, und nachdem jetzt nach Herrn zu Guttenberg (CSU, Bundesverteidigungsminister) auch der höchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland endlich klare, ehrliche Worte gesprochen hat, sollte man die Bundeswehr auch ehrlicherweise in "Bundesarmee" und das Verteidigungsministerium in "Kriegsministerium" umbenennen. Der Bundesverteidigungsminister sollte dann aber ehrlicherweise auch den Titel "Bundeskriegsminister" führen.

Aus meiner Sicht, wäre es aber so langsam allerhöchste Zeit, kräftig zurückzurudern und das Aufgabengebiet der Bundeswehr wieder darauf zu beschränken, für das sie einmal gegründet wurde: Zur Verteidigung des Territoriums der Bundesrepublik Deutschland gegen den Angriff der Armee eines anderen Staates. Der Einsatz des Bundeswehr in einem Krieg zur Wahrung deutscher Wirtschafts- und Handelsinteressen ist nämlich, soweit mir bekannt ist, ein grober Verstoß gegen das Grundgesetz. Darin ist festgelegt, dass der Bund Streitkräfte zur Verteidigung aufstellt, und dass diese außer zur Verteidigung nur eingesetzt werden dürfen, soweit es das Grundgesetz ausdrücklich zulässt. Solche Ausnahmen sind zum Beispiel Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen oder bei besonders schweren Unglücksfällen.
  • Das gesamte Interview mit Herrn Köhler ist auf der Deutschlandradio-Internetseite zu hören.

(Quellen: ARD-Tagesschau vom 27.05.2010, Deutschlandradio vom 22.05.2010, ARD-Deutschlandtrend vom 28.04.2010)

Donnerstag, 27. Mai 2010

Die Geeste - Von der Schiffdorfer Stauschleuse zur Autobahn


Die Geeste zwischen der Schiffdorfer Stauschleuse und der Autobahn

In der zweiten Etappe meines virtuellen Pfingstspaziergangs entlang der Geeste geht es von der Schiffdorfer Stauschleuse bis zur Autobahn 27 kurz vor der östlichen Stadtgrenze Bremerhavens.

Ich hatte ja schon im ersten Teil meines Spaziergangs geschrieben, dass die Geeste mit einem Wanderweg als stadtnahes Erholungsgebiet erschlossen wurde. Dazu gehört neben viel Natur und Landschaft ungefähr auf halbem Wege zwischen der Stauschleuse und der Autobahn unter anderem auch ein öffentlicher Grillplatz.

Im Busch und Baumstreifen entlang des Weges und in den Büschen und Sträuchern am Flussufer tobt das pralle Vogelleben. Die wilden Stockenten lauern - im Gegensatz zu ihren Verwandten auf den Teichen in den städtischen Parks - nicht auf Weißbrot schleppende Spaziergänger, und wenn man Glück hat, dann kann man einen Reiher beobachten, der sich gerade seine Frühstücksportion Fische aus der Geeste fängt. Bis zu den Knien im Wasser stehend bewegt er nur ab und zu den Kopf und den Hals, um blitzschnell zuzustoßen, wenn sich einmal ein unvorsichtiger Fisch in die Reichweite seines Schnabels verirrt.

Kurz vor der Autobahn stehen zwei gigantische Windkraftanlagen. Vom Boden bis zur obersten Rotorblattspitze sind es ungefähr 190 Meter. Bei den beiden Windkraftwerken handelt es sich um Testanlagen. Solche Windkraftwerke sollen später einmal in den Offshore Windparks vor den Küsten in der Nordsee installiert werden. Zwei weitere Testanlagen eines weiteren Bremerhavener Herstellers sollen demnächst noch hinzukommen.

Nicht ganz so idyllisch ist der Anblick der Bremerhavener Müllbeseitigungsanlage, die am Ende der heutigen Etappe schon von weitem auf der anderen Seite der Autobahn zu sehen ist.

Die Geeste


Melkkühe gesucht

Das wurde auch Zeit. Mit dem angekündigten Abgang des Herrn Koch aus Hessen scheint das für die Zukunft unserer Gesellschaft schädliche Gerede vom Sparen in den Bereichen Bildung und Forschung innerhalb der Bundesregierung endlich vom Tisch zu sein. Bereiche wie Bildung, Forschung oder der Klimaschutz, die entscheidend für die Sicherung der Zukunft Deutschlands und der Erde sind, müssen als Melkkühe für Sparmaßnahmen tabu bleiben.

Beruhigenderweise berichtet die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe von gestern, Herr Kampeter (CDU, Finanz-Staatssekretär) habe gesagt, bei der Bildung werde die Regierung einen politischen Schwerpunkt setzen.

Das war's dann aber auch schon. Angesichts fast täglich neuer Hiobsbotschaften zur Lage der Weltwirtschaft fällt der schwarz-gelb gestreiften Wespenkoalition in Berlin wieder einmal nichts besseres ein, als den Rotstift genau bei denen anzusetzen, die schon für die letzten Sparmaßnahmen als Melkkühe der Nation herhalten mussten: Bei den Arbeitslosen und Hartz-IV Abhängigen. So kann man dem Artikel der Nordsee-Zeitung entnehmen, Herr Friedrich (CSU, Chef CSU-Landesgruppe im Bundestag) habe gefordert, die Zuschüsse des Bundes für die Arbeitsagentur auf null zu fahren. Auch Herr Schäuble (CDU, Bundesfinanzminister) halte den rund 143 Milliarden schweren Arbeits- und Sozialetat für eine fette Melkkuh. Die Arbeitslosen und Hartz-IV Abhängigen wird's freuen. Wenn der Staat die Sozialkassen leergesaugt hat, dann gibt es daraus kein Geld mehr zu verteilen. Die Arbeitslosen werden dann zwar mangels geeigneter Arbeitsplätze immer noch keine Arbeit haben, von der sie ihren Lebensunterhalt verdienen könnten, brauchen sich aber wenigstens nicht mehr vorwerfen zu lassen, sie lägen faul in der sozialen Hängematte. Wahrscheinlicher ist eher, dass sie dann untätig auf der Straße sitzen werden.


Klima Kuh

Woran aus meiner Sicht aber überhaupt nicht gespart werden darf ist der Klimaschutz. Während CDU, CSU und FDP neue Kohlekraftwerke bauen wollen, und Forschungsprojekte zur unterirdischen "Endlagerung" des bei deren Betrieb entstehenden Kohlendioxids (CO2) fördern, und aufgrund der angestrebten Laufzeitverlängerungen für die deutschen Atomkraftwerke auch dafür mit weiteren Subventionen zu rechnen ist, will die Bundesregierung bei der Förderung des Aufbaus der solaren Energieerzeugung sparen, indem sie die die Subventionierung dafür zurückfährt.

Dabei sollte auch den Berliner Wespen eigentlich so langsam dämmern, dass unser Planet, auf dessen Unversehrtheit die gesamte Menschheit einen Anspruch hat, keine geeignete Melkkuh ist. Man kann es nicht oft genug erwähnen: Wir haben nur den einen! Kraftwerke, die CO2-neutral mit nachwachsenden Rohstoffen oder Biogas, das in der Landwirtschaft eigentlich als unerwünschtes Abfallprodukt anfällt, befeuert werden, sowie Wind, Wasser und Sonne sind Energiequellen, deren Erschließung es trotz weltweiter Wirtschaftskrisen zu fördern gilt. Die Förderung der Energie-Dinosaurier Kohle, Öl und Atomkraft bindet die für die Subventionierung der erneuerbaren Energien dringend notwendigen Mittel, und gefährdet die Existenz von Firmen und deren Arbeitsplätze, die gerade dabei sind, den Energiesektor der Zukunft zu erschließen. Wenn es niemanden mehr gibt, der am Umbau der Energieversorgung der Zukunft arbeiten kann, dann war es das mit der Einhaltung des "maximal plus 2 Grad" Ziels. Außerdem ist weniger Arbeit gleichbedeutend mit mehr Arbeitslosen, die sich um den schrumpfenden Hartz-IV Trog drängeln werden.


Steuersenkungenerhöhungen

Und dann ist da ja auch noch die FDP mit ihrem Wahlversprechen, die Steuern zu senken. Dafür ist sie ja schließlich gewählt worden ... - obwohl eigentlich schon lange vor dem September 2009 klar war, dass die dafür verfügbaren Staatsfinanzen angesichts der andauernden Weltwirtschaftskrise nicht ausreichen würden. Die Lage ist seitdem nicht besser geworden. Das hat die FDP bisher nicht daran gehindert, gebetsmühlenartig auf ihrer Forderung nach Steuersenkungen zu bestehen. Mit der Neuverschuldung zu Beginn ihrer Legislaturperiode haben die Berliner Wespen den bisherigen Rekord gebrochen, und der drohende Staatsbankrott Griechenlands sowie die daraufhin beschlossenen Maßnahmen der EU waren das Sahnehäubchen auf dem sich abzeichnenden neuen Finanzdebakel.

Der Bruch des wichtigsten Wahlversprechens der FDP beginnt sich denn auch so langsam schon abzuzeichnen. Die Nordsee-Zeitung schrieb gestern, Herr Lindner (FDP, Generalsekretär) habe gesagt, die FDP habe ihre Prioritäten neu geordnet. Auch Steuererhöhungen seien nicht mehr tabu. Das wäre dann das glatte Gegenteil der verprochenen Steuersenkungen, und für die Wähler der FDP bliebe nichts als die bittere Erkenntis, dass sie den verlockenden Verprechungen dieser Partei aus reiner Geldgier auf den Leim gegangen sind, ohne die Frage zu stellen, wer dafür bluten muss.

Um noch einmal auf das oben genannte Sahnehäubchen zurückzukommen: Die finanzielle Lage Griechenlands scheint ja offensichtlich nicht das einzige Problem der EU zu sein. Die derzeitigen Nachrichten über die finanzielle Lage Spaniens lassen zum Beispiel ebenfalls nicht viel Raum für Optimismus. Immerhin will Spanien aber die Diäten seiner Parlamentarier um mindestens zehn Prozent senken. Auf Auslandsdienstreisen sollen diese künftig weitgehend verzichten. Auch bei den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden will Spanien sparen. In Deutschland sind solche Melkkühe - im Gegensatz zu den Arbeitslosen und Hartz-IV Abhängigen - bisher jedoch tabu.

Wenn möglicherweise bald in Brüssel der nächste Klingelbeutel für Spanien oder andere EU-Staaten herumgereicht wird, dann werden es wohl hierzulande wieder die Arbeitslosen sein, die ihre letzten Hemden dort hineinwerfen müssen. Irgendwann wird nämlich auch bei denen nichts mehr zu holen sein.


Kampfkuh tabu

Viel Geld könnte die Bundesregierung einsparen, wenn sie endlich ihr unglückseeliges Afghanistan Abenteuer beenden würde, und die Bundeswehr wieder zu der Einrichtung machen würde, als die sie einmal gegründet wurde: Eine Armee zur Verteidigung des Territoriums der Bundesrepublik Deutschland gegen den Angriff der Armee eines anderen Staates. Wenn Herr zu Guttenberg (CSU, Bundesverteidigungsminister) verkündet, er wolle angesichts der prekären deutschen Wirtschaftslage 1 Milliarde Euro einsparen, dann ist das nicht viel mehr als eine nette Geste gegenüber seinen Kollegen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ausgerechnet, dass allein der Afghanistan-Krieg den Steuerzahlern insgesamt etwa 36 Milliarden Euro kosten wird. Dabei setzt es voraus, dass die derzeitige Truppenstärke nicht erhöht und der Kriegseinsatz 2013 beendet wird. Während die Regierung von einer Milliarde Euro pro Jahr spricht hat das DIW Kosten von rund drei Milliarden Euro pro Jahr für den Krieg in Afghanistan errechnet. Für das laufende Jahr 2010 beträgt der Bundeswehretat 31,11 Milliarden Euro. Aber bevor die Kampfkuh gemolken wird, würden die Politiker Deutschland lieber zuerst einmal bankrott sparen. In diesem Punkt sind sie sich - bis auf wenige Ausnahmen - über Parteigrenzen hinweg schon immer einig gewesen.


(Nordsee-Zeitung vom 26.05.2010, Welt online vom 05.02.2010 und vom 24.05.2010, Zeit online vom 12.05.2010, N24 vom 06.05.2010, BMU: Förderung erneuerbarer Energien im Vergleich zur Förderung der Atomenergie in Deutschland vom Juli 2007, SPD: Argumente zur Atomenergie vom März 2009, Spiegel vom 20.05.2010, BMV: Bundeswehr-Etat 2009)


Mittwoch, 26. Mai 2010

Ein Blog im Fernsehen

Wie?
ein Blog im Fernsehen?
Das geht doch gar nicht!

Das geht nicht?
Klar geht das.

Fragt mal Brigitte. Die zeigt euch, wie das geht.

Irgendwann einmal haben die Leute von Radio Bremen ihren Blog "Cappuccino & Meer" in den endlosen Weiten des Internets entdeckt und Brigtte zu sich ins Studio eingeladen. Die Sendung ist hier auf der Internetseite von Radio Bremen zu sehen.

Die Geeste - An der Schiffdorfer Stauschleuse


An der Schiffdorfer Stauschleuse

Am Pfingstwochenende war ich mit der Kamera an der Geeste östlich von Bremerhaven unterwegs und bin ihrem Lauf bis zu ihrer Mündung in Bremerhaven gefolgt. Von der Schiffdorfer Stauschleuse bis zur alten Geestebrücke in Bremerhaven ist die Flusslandschaft in den letzten Jahren mit einem Wanderweg als städtisches Naherhohlungsgebiet erschlossen worden. In loser Folge lade ich euch ein, mich auf meinem Weg entlang der Geeste durch die anfangs landwirtschaftliche Umgebung auf ihrem Weg durch die städtische Flusslandschaft bis zur Mündung in die Weser zu begleiten.

Als letzter Nebenfluss der Weser, deren Wasserstand im Bereich von Bremerhaven, kurz vor der Mündung in die Nordsee, von der Tide beeinflusst wird, ist auch die Geeste tideabhängig. Das bedeutete früher einmal, dass bei Sturmflut auch das bewohnte und bewirtschaftete Hinterland der Seedeiche gefährdet war. Daher war es nötig, ebenfalls entlang der Geeste Deiche bis weit in das Hinterland hinein zu bauen. Absoluten Schutz vor Überschwemmungen war bei schweren Sturmfluten damit aber immer noch nicht gewährleistet.

Deshalb wurde zwischen den Ortschaften Spaden und Schiffdorf am Ende der Deiche entlang der Geeste eine Stauschleuse gebaut, die im Jahre 1892 fertiggestellt wurde. Bei hoch auflaufenden Fluten wurden die Tore geschlossen, und das Land wurde seit dem von den Geestedeichen und der Schiffdorfer Stauschleuse geschützt. Neben dem Hochwasserschutz diente die Stauschleuse auch der Regulierung des Wasserstands der Geeste. Von Nachteil war allerdings, dass Transportkähne die kammerlose Schleuse nur bei Pegelgleichstand passieren konnten. Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden weiter flussabwärts weitere Hochwasserschutzmaßnahmen realisiert. Dadurch hat die Schiffdorfer Stauschleuse inzwischen keine Funktion mehr. Im Jahre 1967 wurde sie außer Betrieb genommen. Seit 1985 ist sie ein maritimes Baudenkmal, das aufgrund seines nahezu unveränderten Anblicks einen hohen historischen Seltenheitswert hat. Das ehemalige Betriebsgebäude der Schiffdorfer Stauschleuse ist seit vielen Jahren ein beliebtes Ausflugslokal.

Im Video ist die "freie" Geeste oberhalb der Stauschleuse - eingebettet in einer weiten Wiesenlandschaft - zu sehen. Dann folgen einige Szenen, in denen die simple, aber wirkungsvolle Technik der Tore des Sperrwerks zu sehen ist. An Land sind Kurbelvorrichtungen mit Zahnrädern verankert, die über Zahnstangen mit den Toren der Stauschleuse verbunden sind. Die genieteten Stahltore sind auf der flussabwärts gerichteten Seite des Bauwerks eingebaut, und besitzen zur Weser hin eine Wölbung damit das Material dem Druck des auflaufenden Hochwassers standhalten konnte. Der Druck des Wassers presste die Tore außerdem fest gegen das Mauerwerk der Stauschleuse. Unterhalb der Schiffdorfer Stauschleuse ist die "gebändigte" Geeste zwischen ihren Deichen zu sehen, deren Höhe sich hier allerdings noch in Grenzen hält.

Die Geeste

(Quelle: Niedersächsische Agrarstrukturverwaltung - Die Schiffdorfer Stauschleuse)

Dienstag, 25. Mai 2010

Ein Koch weniger, der den Brei verdirbt

Manchmal gibt es ja doch noch gute Nachrichten: Herr Koch (CDU, Hessen, Ministerpräsident) will zum Jahresende alle politischen Ämter niederlegen. Auch als stellvertretender Vorsitzender der CDU im Bund wird er zurücktreten.

Beim Landesparteitag der CDU in Hessen am 12. Juni wird er nicht mehr für den Landesvorsitz kandidieren und am 31. August sein Amt als Ministerpräsident abgeben. Sein Landtagsmandat wird er ebenfalls niederlegen. Aus der Bundespolitik zieht er sich im November zurück.


Die schlechte Nachricht lautet, dass es mit dem Rückzug des Hardliners Koch, der gerne auf Kosten der Schwächsten der Gesellschaft Politik machte, nicht unbeding besser werden muss in Hessen: Gegen Herrn Bouffier (CDU, Hessen, Innenminister und langjähriger loyaler Stellvertreter Herrn Kochs), der als Nachfolger Herrn Kochs für das Amt des Ministerpräsidenten im Gespräch ist, läuft derzeit ein Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags zu Vorwürfen, er habe sich bei der Berufung eines neuen Polizeipräsidenten für die Bereitschaftspolizei über ein Gerichtsurteil und das Beamtenrecht hinweggesetzt. Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang auch die Artikel der Frankfurter Rundschau vom 07. und vom 08.05.2010: Ein Innenminister, der gegen Recht und Gesetz sowie gegen gerichtliche Auflagen verstößt, und dann erklärt, das alles sei rechtmäßig, der jetzt als Nachfolger Herrn Kochs im Amt des Ministerpräsidenten gehandelt wird? Das kann ja wohl - hoffentlich! - nicht wahr sein.


(Quellen: hr online vom 25.05.2010, ARD-Tagesschau vom 25.05.2010, ZDF Heute vom 18.03.2010 und vom 25.05.2010, Frankfurter Rundschau vom 07.05.2010 und vom 08.05.2010)