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Sonntag, 23. Dezember 2018

Weihnachtsabend

Weihnacht an der Nordseeküste (Bremerhaven, Neuer Hafen)

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinder Jubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein blasses Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
erkannt ich im Vorübergehen nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War's Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh' meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß' mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm (1817 - 1888)


Wie in jedem Jahr haben auch in diesem Jahr "die Bitten der Bittenden" in der Adventszeit wieder Hochkonjunktur. Organisationen der Atomkraftgegener, der Seenotretter im Mittelmeer, der Natur- und Klimaschutz-Verbände, der Lobby-Kontrolleure, der Demokratischen Netzwerke, der Menschenrechtsorganisationen, Brot für die Welt, ... - Alle brauchen sie Geld für ihre Kampagnen. Die Nachfrage ist in dieser Zeit bedeutend größer, als das, was ich anzubieten habe. Wenn ich für alle diese Bittsteller, deren Anliegen auch mir am Herzen liegen, spenden wollte, dann bliebe für mich selbst kaum noch etwas zum Leben übrig.

Also muss ich Jahr für Jahr Prioritäten setzten. Die Arbeit dieser Organisationen ist schließlich ein wichtiger Gegenpol gegen die Aktivitäten der Klimakiller, der Ackervergifter, der industiellen Tierquäler, der Gen-Manipulateure, der Diesel-Betrüger, der Wasser-Vampiere und vielen anderen, die aus reiner Geldgier und Gewinnsucht an dem Ast sägen, auf dem wir alle sitzen: Die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen ist wichtig für unsere Zivilgesellschaft.


Und dann sind da noch die Bettler am Straßenrand. Einer sitzt, auf einer Decke. Ein Hund kuschelt sich eng an ihn. So wärmen sie sich gegenseitig. Mit dem, was in einer auf der Decke stehenden Dose landet, müssen beide zurechtkommen.

Ein anderer kniet, die Hände mit den Handflächen nach oben auf einem Kissen. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Menschen vor mir knien. Jedesmal wenn ich ihn irgendwo in der "Bürger" knien sehe, gehe ich an ihm vorbei.

Anderen gebe ich etwas - wechselweise. Wenn ich in die Stadt gehe, habe ich immer zwei bis drei "Silbermünzen" griffbereit in der Tasche. Für die Sänger, die Musikanten und für die stumm Bittenden.

Dem vor mir Knienden habe ich noch nie etwas gegeben. Ich fühle mich von ihm unter Druck gesetzt. Er vermittelt mir das Gefühl, als müsse er erst vor mir knien, bevor ich ihm etwas gebe. Er sollte besser aufstehen, damit wir einander in die Augen sehen können - auf Augenhöhe.

Und trotzdem - bei den Worten Theodor Storms hatte ich plötzlich wieder den knienden Bettler vor Augen: War's Ungeschick, war es die Scham, am Weg zu handeln mit dem Bettelkind? ... - ich denke, ich werde ihn einmal ansprechen und ihn bitten, aufzustehen.


Sicher gibt es andere Menschen, die mehr abgeben könnten als ich. Aber ich haben den Eindruck, dass die Wohl-Habenden festhalten, was sie haben. Vielleicht, weil sich sich unwohl fühlen, wenn sie etwas von ihrem Reichtum an "nichtsnutzige Zeitgenossen" verschwenden.

Ich habe damit andere Erfahrungen gemacht. Ich fühle mich gut, wenn ich dabei helfen kann, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Das muss auch nicht unbedingt Geld kosten. Eine Unterschrift unter eine Petition kann beispielsweise mithelfen, ein Leben zu retten. Gemeinsam mit vielen anderen Menschen lässt sich viel erreichen.


Abschließend komme ich noch einmal auf die oben erwähnten Seenotretter im Mittelmeer zurück. Die werden von Europas politischen Eliten inzwischen ja immer mehr in die kriminelle Ecke gedrängt. Dabei sind nicht die Seenothelfer, sondern die Schlepperbanden die Kriminellen, welche die Flüchtenden für teueres Geld mit völlig seeuntüchtigen Booten auf die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer schicken.
  • Seenotrettung ist kein Verbrechen!

Zum "Fest der Liebe" wünsche ich mir, dass mehr und mehr Menschen nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihre Mitmenschen denken.


Allen anderen wünsche ich
ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest.


Kommt gut ins neue Jahr.


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Dem Hass den Wind aus den Segeln nehmen

Der Spiegel berichtet in seiner Online-Ausgabe vom 23.12.2017, Herr Gabriel (SPD, Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler) wolle die Kommunen für die Aufnahme von Flüchtlingen entschädigen. Der Bund solle die Kosten für die Integration ersetzen und darüber hinaus den gleichen Betrag zusätzlich für kommunale Investitionen bereitstellen.

Der Vorschlag Herrn Gabriels ist nicht neu, die aktuelle Reaktion Herrn Meuthens (AfD) darauf aber prompt und heftig. Sollte die AfD das Thema in den Bundestag einbringen, dann käme bezüglich ihrer Leichenreden auf die "Zukunft des Christlichen Abendlandes" vielleicht endlich einmal Leben in den Bundestag. Insbesondere von dem, was "die christlichen Werte" (Hilfsbereitschaft, Barmherzigkeit, bedingungslose Nächstenliebe, ...) einer christlich geprägten Kultur ausmacht, ist die AfD mit ihrer Ausgrenzungspolitik weiter entfernt, als der Gottes Schöpfung und der Ursprung der Christenheit vom Ende des Universums.

Vor diesem Hintergrund ist das gelebte Weltbild Frau Merkels (CDU, Bundeskanzlerin) erheblich glaubwürdiger, als dasjenige von Herrn Seehofer (CSU, Vorsitzender) und vieler seiner Partei-Kollegen. Mir ist bewusst, dass das damalige - im wahren Sinne des Wortes - "grenzenlose" Willkommen für die Massen der Flüchtlinge Probleme verwaltungstechnischer Art verursacht hat. Aber damals war Europa mit einer außergewöhniche Situation konfrontiert worden, auf die Frau Merkel mit gelebter christlicher Nächstenliebe reagiert hat. Wer mich kennt der weiß, dass ich in einigen wesentlichen, für Deutschland, Europa und die Welt zukunftsentscheidenden Fragen gegensätzliche Standpunkte zu ihrer Politik vertrete. Aber mit ihrem pragmatischen Umgang mit der "Flüchtlingskrise" hat sie sich meine Achtung verdient. Die Politik Herr Seehofers und der ihm Gleichgesinnten in der CSU, die blind auf den Fremdenhass der AfD hereingefallen sind, hat das Gegenteil bewirkt.

Eine öffentliche Aufarbeitung der "multikulturellen" Ursprünge unserer heutigen Gesellschaft und dem daraus folgenden vielfältigen Wandel, der im Laufe der Jahrhunderte "unsere heutige Kultur" in Deutschland und Europa hervorgebracht hat, ist dringend überfällig. Nur so lässt sich den Menschen bewusst machen, dass "lebendige Kulturen" vom Austausch mit anderen Kulturen und dem daraus resultierenden Wandel profitieren. Wertvolles kulturelles Erbe zu bewahren und neue Werte in unsere Kultur zu integrieren sind die beiden Seiten der gleichen Medaille und des ständigen Wandels dem alle lebendigen Kulturen auf der Welt ausgesetzt sind - und dem auch "unsere Kultur" schon immer ausgesetzt war. Es ist richtig, dass wir von den Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung zu uns kommen, erwarten, dass sie sich in unsere Gesellschaft integrieren. Aber "Integration" kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir begreifen, dass Integration niemals eine "einseitige" Angelegenheit sein kann.

Die Integration der Geflüchteten in unsere Gesellschaft ist eine nationale Herausforderung, welche die Bundesregierung bisher weitestgehend auf die Kommunen abgeschoben hat. Der erneute Vorschlag Herrn Gabriels ist sicherlich ebenso den wiederholten Forderungen der Kommunen geschuldet, die zulasten ihrer kommunalen Aufgaben und Entwicklung mit den finanziellen Folgen der "Flüchtlingskrise" zu kämpfen haben, wie der Erkenntnis, dass sich daran dringend etwas ändern muss.

Herr Meuthen scheint ernsthaft zu befürchten, dass die Worte Herrn Gabriels nicht als ein jährlich wiederholtes Mantra im Sande verlaufen könnten: Verständlich, wenn er davor Angst hat, dass seinesgleichen damit der Wind aus den Segeln genommen werden würde - und dass selbst die CSU unter anderen Voraussetzungen bereit sein könnte, Menschen muslimischen Glaubens - wenn auch nicht ausschließlich - aus christlicher Nächsenliebe in Bayern willkommen zu heißen.

Wenn wir die Fremden in unserer Mitte aufnehmen, dann werden sie irgendwann keine Fremden mehr sein. Sie werden dann gemeinsam mit uns an einer lebenswerten Zukunft für die kommenden Generationen in unserem Land arbeiten.

Sollten jedoch die selbsternannten Bewahrer der "Kultur des christlichen Abendlandes" die Oberhand gewinnen, dann wird es früher oder später zu einem Riss quer durch unsere Gesellschaft kommen. Die Geflüchteten würden für uns immer fremd bleiben. Die Ausgrenzungspolitik der AfD ist deshalb eine Gefahr für den sozialen Frieden und eine Bremse für die kulturelle Entwicklung in unserem Land.


(Quellen: Zeit vom 23.12.2017, ntv vom 23.12.2017, Handelsblatt vom 23.12.2017, AfD vom 23.12.2017, FAZ vom 17.08.2017, Spiegel vom 26.02.2016 )

Sonntag, 24. Dezember 2017

Was wäre, wenn Jesus heute geboren wäre?

Säugling in Stall gefunden (Weihnachtsmarkt Bremerhaven 2012)
Was wäre, wenn der kleine Jesus nicht schon vor mehr als 2000 Jahren, sondern erst heute das Licht der Welt erblickt hätte?

Es wäre keine friedliche Welt, die er zu sehen bekäme. In seinem Heimatland herrscht seit vielen Jahrzehnten Krieg zwischen den Juden und den Palästinensern. Friedlich war die Welt allerdings auch vor 2000 Jahren nicht.

Damals lebten die Juden in Palästina unter der Herrschaft des Römischen Reiches. Nach den Verfall des Römischen Reiches geriet Palästina immer wieder unter die Herrschaft anderer Länder. Vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs war Palästina ein Teil des Osmanischen Reiches.

Gegen Ende des Krieges besiegten die Briten unter General Edmund Allenby die osmanischen, deutschen und österreich-ungarischen Truppen in Palästina und besetzten Palästina und den Irak. 1916 vereinbarten Großbritannien und Frankreich, dass Großbritannien das britische Mandat Mesopotamien auf dem Gebiet des heutigen Irak sowie das Völkerbundsmandat für Palästina - dem südlichen Teil der osmanischen Provinz Syrien - zugesprochen werden würde würde (heute Syrien, Israel/Palästina und Jordanien). Mit dem Völkerbundmandat für Syrien und Libanon sollte Frankreich den Rest des osmanischen Syriens (das Staatsgebiet des heutigen Syrien, den Libanon und Hatay) kontrollieren.

Um den Überlebenden des Holocausts und den von Verfolgungen betroffenen Juden in der Diaspora eine neue Heimat zu geben, gab es in Großbritanien gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Überlegungen bezüglich einer Teilung des des Mandatsgebietes in einen arabischen und einen jüdischen Teil. Hinzu kam, dass Großbritanien infolge des Krieges finanziell nicht mehr in der Lage war, das das Mandatsgebiet zu kontrollieren, weshalb es das Mandat an die Vereinten Nationen übergab.

Am 29. November 1947 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit einer Zweidrittelmehrheit den durch die UNSCOP vorgeschlagenen Teilungsplan, der Westpalästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat teilte. Die arabischen Mitglieder der UNO und die Palästinenser stimmten dagegen. Die Teilung Palästinas, die Unterdrückung der Palästinenser, die Kriege und die bis heute andauernde Gewalt in den darauf folgenden sieben Jahrzehnten, sowie die Vertreibung vieler der Palästinenser aus ihrer Heimat haben - rückblickend betrachtet - ihren Ursprung in der Kolonialzeit und in den Folgen der beiden Weltkriege.

Von den menschlichen Schicksalen, die sich hinter meiner Kurzfassung der Geschichte der Palestinenser und der Juden im heutigen Israel verbergen, erzählt Michelle Cohen Corasanti in ihrem Buch "Der Junge, der vom Frieden träumte", das ich in diesem Jahr von meiner Tochter zum Geburtstag bekommen habe. Frieden und eine Lösung für den Wunsch der Palästinenser nach einem eigenen Staat wird es nur geben, wenn die Menschen aufeinander zugehen und lernen, sich gegenseitig Vertrauen zu schenken. Die Entscheidung Herrn Trumps (USA, Präsident), Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels anzuerkennen, wird jedoch mit Sicherheit nicht dazu beitragen, dass die Regierung Israels und die Regierung der Palästinenser im Gazastreifen sich näher kommen - und sie wird die Gewalt in Israel und Palästina nicht beenden.

In diese Welt würde der kleine Jesus hineingeboren werden, wenn er erst heute zur Welt gekommen wäre. Aber auch sonst unterscheiden sich die Gesellschaften in den heutigen von der Globalisierung geprägten Ländern wesentlich von der Welt vor 2000 Jahren. Damals - so steht es zumindest in der Bibel - haben sich die Menschen nichts dabei gedacht, dass Gott einen Engel zu ihnen schickte, der ihnen die Geburt seines Sohnes verkündete. Sie zogen vor die Tore Bethlehems, wo sie den kleinen Jesus in Windeln gewickelt in der Krippe eines Stalls vorfanden.

Was heute passieren würde, wenn die Behörden davon erfahren würden, erzählt die folgende Geschichte eines unbekannten Autors, die meine Tochter in einer Zeitung entdeckt hat:

Säugling in Stall gefunden
Polizei und Jugendamt ermitteln
Schreiner aus Nazareth und unmündige Mutter vorläufig festgenommen

BETHLEHEM, JUDÄA, dpa - In den frühen Morgenstunden wurden die Behörden von einem besorgten Bürger alarmiert. Er hatte eine junge Familie entdeckt, die in einem Stall haust. Bei Ankunft fanden die Beamten des Sozialdienstes, die durch Polizeibeamte unterstützt wurden, einen Säugling, der von seiner erst 14-jährigen Mutter, einer gewissen Maria H. aus Nazareth, in Stoffstreifen gewickelt in eine Futterkrippe gelegt worden war.

Bei der Festnahme von Mutter und Kind versuchte ein Mann, der später als Joseph H., ebenfalls aus Nazareth identifiziert wurde, die Sozialarbeiter abzuhalten. Joseph, unterstützt von anwesenden Hirten, sowie drei unidentifizierten Ausländern, wollte die Mitnahme des Kindes unterbinden, wurde aber von der Polizei daran gehindert.

Festgenommen wurden auch die drei Ausländer, die sich als "weise Männer" eines östlichen Landes bezeichneten. Sowohl das Innenministerium als auch der Zoll sind auf der Suche nach Hinweisen über die Herkunft dieser drei Männer, die sich anscheinend illegal im Land aufhalten. Ein Sprecher der Polizei teilte mit, dass sie keinerlei Identifikation bei sich trugen, aber in Besitz von Gold, sowie von einigen möglicherweise verbotenen Substanzen waren. Sie widersetzten sich der Festnahme und behaupteten, Gott habe ihnen angetragen, sofort nach Hause zu gehen und jeden Kontakt mit offiziellen Stellen zu vermeiden. Die mitgeführten Chemikalien wurden zur weiteren Untersuchung in das Kriminallabor geschickt.

Der Aufenthaltsort des Säuglings wird bis auf weiteres nicht bekannt gegeben. Eine schnelle Klärung des ganzen Falls scheint sehr zweifelhaft. Auf Rückfragen teilte eine Mitarbeiterin des Sozialamts mit: "Der Vater ist mittleren Alters und die Mutter ist definitiv noch nicht volljährig. Wir prüfen gerade mit den Behörden in Nazareth, in welcher Beziehung die beiden zueinander stehen."

Maria ist im Kreiskrankenhaus in Bethlehem zur medizinischen und psychiatrischen Untersuchungen. Sie kann mit einer Anklage rechnen. Weil sie behauptet, sie wäre noch Jungfrau und der Säugling stamme von Gott, wird ihr geistiger Zustand näher unter die Lupe genommen. ln einer offiziellen Mitteilung des Leiters der Psychiatrie steht: "Mir steht nicht zu, den Leuten zu sagen, was sie glauben sollen, aber wenn dieser Glaube dazu führt, dass - wie in diesem Fall - ein Neugeborenes gefährdet wird, muss man diese Leute als gefährlich einstufen. Die Tatsache, dass Drogen, die vermutlich von den anwesenden Ausländern verteilt wurden, vor Ort waren, trägt nicht dazu bei, Vertrauen zu erwecken. Ich bin mir jedoch sicher, dass alle Beteiligten mit der nötigen Behandlung in ein paar Jahren wieder normale Mitglieder unserer Gesellschaft werden können."

Zu guter Letzt erreicht uns noch diese lnfo: Die anwesenden Hirten behaupteten übereinstimmend, dass ihnen ein großer Mann in einem weißen Nachthemd mit Flügeln (!) auf dem Rücken befohlen hätte, den Stall aufzusuchen und das Neugeborene zu seinem Geburtstag hoch leben zu lassen. Dazu meinte ein Sprecher der Drogenfahndung: "Das ist so ziemlich die dümmste Ausrede vollgekiffter Junkies, die ich je gehört habe."

Autor: unbekannt


Vielleicht wäre es Maria und Josef gelungen, aus dem Gefängnis zu entkommen, Jesus aus den Fängen des Jugendamts zu befreien und nach Ägypten zu fliehen. Vielleicht würde Jesus an einem sicheren Ort heranwachsen - und vielleicht würde er den Menschen den Frieden bringen, der ihnen vor 2000 Jahren verkündet wurde ...

Ich wünsche allen Lesern ein Leben in Frieden
- und allen Christen ein frohes Weihnachtsfest.



(Quellen: Der Junge, der vom Frieden träumte - S. Fischer Verlag, Wikipedia )

Samstag, 31. Dezember 2016

Mein Jahresrückblick 2016

Eigentlich fing das Jahr 2016 für mich persönlich recht erfreulich an. Nachdem ich im Februar zum Grünkohlkönig gekrönt wurde, ereilte mich die gleiche Ehre nur einen Monat später erneut. Und das, wo ich mit der Monarchie eigentlich überhaupt nichts am Hut habe.

Ein herausragendes Erlebnis war ein Tag im Juni mit dem Traditionssegler "Artemis" auf der Kieler Förde. Den Segeltörn bei schönstem Sommerwetter und günstigem Wind habe ich von meiner Schwester und meinen Schwager zum Geburtstag bekommen.

Nach den positiven Ereignissen folgte Mitte September der Absturz - vom Fahrrad. Auf dem Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit, meinte ein anderer Radfahrer, der mir zuerst so entgegen kam, als wolle er ganz normal geradeaus an mir vorbeifahren, plötzlich nach links abbiegen zu müssen. Ich hatte noch versucht auf mich aufmerksam zu machen und nach rechts auszuweichen, aber da hatte er mich auch schon links von der Seite gerammt und zu Fall gebracht. So bin ich dann, anstatt mit dem Fahrrad auf meiner Arbeitsstelle, mit einem Krankenwagen in einem Krankenhaus angekommen. Die Folgen des Unfalls spüre ich heute noch. Aber langsam, sehr langsam, scheint es nun wieder bergauf zu gehen ...


Das war 2016 - jenseits des Tellerrands 

Mit Atomkraft und Kohle gegen die Energiewende

Mit ihrem Beschluss zum sogenannten "Atomausstieg" ist es den politisch Verantwortlichen leider gelungen, den Großteil der Bevölkerung erneut einzulullen und in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Mit dem Beschluss ist die Gefahr einer Atomkatastrophe in Deutschland aber noch längst nicht gebannt. Zum einen sind die Atomfabriken in Gronau und Lingen vom Ausstiegsbeschluss ausgenommen, und zum anderen werden rund um Deutschland noch viele Atomreaktoren in Betrieb sein, wenn hierzulande 2022 das letzte Atomkraftwerk hoffentlich endlich seinen Betrieb einstellen wird.

Seitdem im Februar bekannt wurde dass sich Risse in sensiblen Bereichen der Atomkraftwerke "Tihange" und "Doel" (Belgien) zu einer ernsthaften radioaktiven Gefahr - auch für die Nachbarländer - entwickeln könnten, fordern die belgischen Atomkraftgegner und Gemeinden aus den benachbarten Regionen gemeinsam die Abschaltung der Schrottmeiler.

Die Städteregion Aachen hatte beschlossen, mit einer Klage vor dem höchsten belgischen Verwaltungsgericht gegen die Wiederaufnahme des Betriebs des Reaktorblocks "Tihange 2" vorzugehen. Außerdem wurde beschlossen, dass sich die Städteregion an einer Klage der belgischen Sektion der internationalen Umweltschutzorganisation "Greenpeace" gegen die Laufzeitverlängerung von "Tihange 1" beteiligt.

Anfang Februar unterstützten fünf Kreise in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, sowie fünf niederländische Kommunen die geplanten Klagen. Die Stadt Köln bekräftigte in einer Pressemitteilung ausdrücklich ihre Unterstützung für die juristischen Bemühungen der Städteregion Aachen zur Erwirkung einer besonderen Informations- und Auskunftspflicht gegenüber dem Betreiber der Anlagen und dem belgischen Staat.

Anfang März wurde bekannt, dass Europa nur knapp dem dritten Super-GAU des Atomzeitalters in der französichen Atomkraftanlage Fessenheim entgangen war. Der Vorfall lag zu diesem Zeitpunkt bereits einige Zeit zurück. Dass der GAU damals nicht als Super-GAU endete, ist nur einer spontanen Notmaßnahme des Kraftwerkspersonals und einer guten Portion Glück zu verdanken. Eigentlich hatten die Betreiber die beinahe Katastrophe möglichst geheimhalten wollen: Ein fast perfekter Vertuschungsversuch.

Außerdem jährten sich in diesem Jahr die beiden großen Super-GAUs in den Atomkraftanlagen Fukushima (Japan, 11.März 2011) und Tschernobyl (Ukraine, 26. April 1986) zum fünften und zum dreißigsten Mal.

Das Gedenken an die Atomkatastrophe von Tschernobyl nahmen Der BUND-Unterweser, die GRÜNEN Bremerhaven und die Fukushima-Mahnwache Bremerhaven zum Anlass, über Gefahren im Zusammenhang mit der Stilllegung des Atomkraftwerks "Unterweser" - in der Region besser bekannt als "AKW Esenshamm" zu informieren. Nach der Außerbetriebnahme des Atomkraftwerks im Rahmen des Atommoratoriums nach dem Super-GAU in Japan ist die Radioaktivität noch längst nicht "verschwunden".

Die Referenten Hans-Otto Meyer-Ott und Andreas Obermair (beide Arbeitskreis Wesermarsch) informierten anhand von 20 Dissens-Punkten über die aktuelle Situation und die Planungsprozesse rund um den, sowie die Plangungen für den Neubau eines "Zwischen"-Lagers für Atommüll auf dem Betriebsgelände des Atomkraftwerks.

Heute läuft die Steuer auf Brennelemente aus. Mit der unbegründeten Befristung der erst Anfang 2011 eingeführten Brennelementesteuer (Neusprech: "Kernbrennstoffsteuer") hat die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomkonzernen Steuervorteile eingeräumt, die ihnen ab 2017 erneut ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile gegenüber den Anbietern regenerativer Energieen verschaffen. Eigentlich hätten, die Erträge aus der Steuer neben der allgemeinen Haushaltskonsolidierung auch dazu beitragen sollen, die aus der notwendigen Sanierung der Schachtanlage Asse II entstehende Haushaltsbelastung des Bundes zu verringern.

Für die Bergung und sachgerechte Neudeponierung des Atommülls aus dem maroden Salzbergwerk "Asse-II" ist nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums mittlerweile mit rund zehn Milliarden Euro zu rechnen. Im Dezember 2011 waren für die Rückholung und den Verschluss des maroden Endlagerbergwerks noch "bis zu 4 Milliarden Euro" veranschlagt worden. Damit haben sich die zu erwartenden Kosten innerhalb von sechs Jahren um deutlich mehr als das doppelte erhöht. Das demokratische Netzwerk "Campact" kommentierte das einem Newsletter an seinen Verteiler mit den Worten (Zitat): "Das gescheiterte Endlager ist ein Vorgeschmack auf das, was uns die Konzerne zurücklassen: Strahlenden Abfall, der uns über Generationen belastet. .. Ginge es danach, müsste die Steuer eigentlich steigen – und nicht auslaufen."


Der Bundesregierung geht der Ausbau der Windenergie an Land zu schnell. Wenn der zügige Umbau der Energieversorgung auf Strom aus den klimaschonenden regenerativen Energiequellen Sonne, Wind und Wasser dafür sorgen würde, dass die Umsetzung der Energiewende früher zum Abschluss käme, als es der fossilen Industrie und ihrer politischen Handlanger lieb ist, dann würde es das frühere Aus der Braunkohle bedeuten, die aufgrund politischer Fehlentscheidungen der letzten Jahre gerade eine Renaissance erlebt. Mit ihrer neuen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) versuchen die politisch Verantwortlichen, nach ihren Maßnahmen gegen die Photovoltaik und dem Ausbremsen der Offshore-Windenergie nun auch die "Bürger-Windkraft" abzuwürgen.


Auch international ist aus dem ehemaligen "Vorreiter Deuschland" in Sachen Energiewende ein mittelmäßiger Mitläufer geworden. Der deutsche Klimaschutzplan, der eigentlich lange vor der Internationalen Klimaschutz-Konferenz der Vereinten Nationen in Marakesch (Marokko) hätte fertig sein sollen, wurde - in einer deutlich entschärfen Version - erst zu Beginn der zweiten Konferenz-Woche beschlossen. Zuvor wurden - insbesondere auf Betreiben Herrn Gabriels (SPD, Bundeswirtschaftminister) - Passagen zum Kohleausstieg aus dem deutschen Klimaschutzplan gestrichen. Am Ende war der ursprüngliche Klimaschutzplan zum Deutschen Kohleschutzplan mutiert. Auf der internationalen Bühne redet die Bundesregierung mit grüner Zunge. Aber anstatt die Energiewende zügig voranzutreiben handelt sie zuhause nach dem Motto "Mit Kohle und Atomkraft gegen die Energiewende".


Mit TTIP und CETA gegen die Demokratie

Zu Beginn des Jahres wurde bekannt, dass die Musiklehrerin Marianne Grimmenstein aus Lüdenscheid beabsichtigt, das demokratiefeindliche "Frei"-Handelsabkommen "CETA" (EU/Kanada) mit einer Bürgerklage vor dem Bundesverfassungsgericht zu stoppen.

Im März besuchte Herr Obama (USA, Präsident) die Hannover-Messe und warb dort gemeinsam mit Frau Merkel für das "Frei"-Handelsabkommen "TTIP" (EU/USA). Unter dem Motto "Obama und Merkel kommen: TTIP und CETA stoppen! Für einen gerechten Welthandel!" gingen zum Auftakt der Messe deshalb etwa 90.000 Menschen in Hannover auf die Straße.


Gelegentlich dauert es etwas länger, bis die notwendige Anzahl an Stimmen für die Zulassung eines Volksbegehrens erreicht ist. Im Juli kamen dagegen in Bayern bereits am Auftakt-Wochenende mehr als doppelt so viele Unterschriften für die Zulassung eines Volksbegehrens "CETA" - insbesondere gegen dessen "vorläufige Anwendung" - zusammen, wie unbedingt notwendig gewesen wären!
Ein breites gesellschaftliches Bündnisbrachte brachte im Juli eine weitere Klage vor dem Bundesverfassungsgericht auf den Weg. Am 17. September demonstrierten deutschlandweit 320.000 Menschen in sieben deutschen Landeshauptstädten gegen CETA und TTIP. Auch in anderen Städten Europas trugen die Menschen ihren Protest dagegen auf die Straße.

Im Oktober entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) gegen die Eilanträge der Kläger, der vorläufige Anwendung des Handelsabkommens mit Kanada (CETA) einen Riegel vorzuschieben. Die Bundesregierung darf damit der vorläufigen Anwendung des Abkommens im Ministerrat der EU ihre Zustimmung erteilen - unter handfesten Bedingungen, die insbesondere die demokratiefeindlichen Abschnitte des Handesabkommens betreffen.

Am 18. Oktober hätte bei einem EU-Ministertreffen auf europäischer Seite endgültig grünes Licht für das Abkommen gegeben werden sollen. Da aber das Regionalparlament der Wallonie (Belgien) zwischenzeitlich mehrheitlich beschlossen hatte, der Vorläufigen Anwendung nicht zuzustimmen, wurde daraus dann allerdings vorläufig nichts. Erst nach weiteren Verhandlungen und Zugeständnissen seitens der belgischen Regierung und der EU-Kommission erhielt die belgische Regierung die Erlaubnis, der Vorläufigen Anwendung unter Bedingungen bezüglich der Einwände der Wallonie zuzustimmen.


Mit rechtsnationalen Parolen gegen Flüchtlinge und den Islam

"Flüchtlinge" waren auch im Jahre 2016 ein vieldiskutiertes Thema. Aus einigen politischen Lagern heißt es man müsse die Fluchtursachen beseitigen. Erstens bleibt es aber überwiegend bei  Lippenbekenntnissen, denen keine, beziehungsweise keine nachhaltigen Taten folgen, und zweites sind die Fluchtursachen zu einem nicht unwesentlichen Teil vielfach auf die deutsche und europäische Handelspolitik zurückzuführen, also "hausgemacht". Vom rechten politischen Rand der Gesellschaft kommen Forderungen, deren Ziel es ist, Menschen mit ausländischen Wurzeln generell loszuwerden.


Im April war im Deutschen Auswandererhaus der Dokumentarfilm "Wadim" zu sehen. Es ist ein beklemmender Film. Er zeigt das Schicksal eines jungen Mannes mit russischen Wurzeln, der in Deutschland aufgewachsen war. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam er 1992 mit seinen Eltern, die sich in Lettland, wo sein Vater als Polizist gearbeitet hatte, nicht mehr sicher fühlten, als Flüchtling nach Hamburg.

Der Versuch der Ausländerbehörde die Familie nach Lettland abzuschieben, endete 2005 im Desaster. Seine Mutter schnitt sich die Pulsadern auf, sein Vater kam in der Untersuchungshaft. Wadim wurde im Alter von 18 Jahren allein nach Lettland - ein ihm völlig fremdes Land - abgeschoben.

Fünf Jahre lang versuchte er ein neues Zuhause zu finden. Nach einer Odyssee von Riga, durch Frankreich, Belgien und die Schweiz, wurde er erneut nach Lettland deportiert. Bei seinem letzten, "illegalen" Besuch bei seinen Eltern in Hamburg, im Januar 2010, nahm er sich das Leben. Wadim wurde nur 23 Jahre alt.

Die AfD hat die Muslime als Ursache für deutsche Probleme ausgemacht und den Islam zur politischen Ideologie erklärt, die mit ihren politischen Vorstellungen nicht vereinbar ist. Das trifft sicher auf den Islamismus und radikale Islamisten zu, nicht aber auf die Muslime und den Islam. Der ist nämlich nach wie vor eine Religion, die den gleichen Ursprung hat, wie das Judentum und das Christentum. Juden, Muslime und Christen glauben an den einen, gleichen Gott. Und in Deutschland gilt die Religionsfreiheit.

Ähnliches, wie die von der AfD vorbereitete gesellschaftliche Ausgrenzung der Muslime in Deutschland haben meine Großeltern und Eltern in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts im damaligen Deutschen Reich erleben müssen. Es wäre fatal, wenn sich die Geschichte nach nicht einmal einhundert Jahren in ähnlicher Weise wiederholen würde.


Terror - jetzt auch in Deutschland
2016 war das Land, in dem der internationale Terror des IS endgültig in Deutschland angekommen ist. Wenn ich jeden einzelnen Terroranschlag hätte kommentieren wollen, dann hätte ich viel zu schreiben gehabt. Wenn ich nur hin und wieder über einen Anschlag schreibe, dann heißt es irgendwann womöglich, ich sei parteiisch.

Aber egal wo und mit welcher Begründung Terroristen zuschlagen: Für hinterhältige Mordanschläge gegen unschuldige Menschen gibt es keinerlei Rechtfertigung. Und in jedem Fall gilt meine Anteilnahme den Angehörigen und Freunden der Mordopfer.

Angewidert war ich von den Versuchen derer, die den Anschlag auf die Besucher des Weihnachtsmarkts in Berlin sofort für ihre Parolen gegen Flüchtlinge, Ausländer und Muslime missbrauchten.

Mein kleiner Jahresrückblick erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Angesprochen habe ich nur die Themen, die mich während der zurückliegenden zwölf Monate am meisten beschäftigt haben. Ich fürchte, daran wird sich im Großen und Ganzen auch im kommenden Jahr nicht viel ändern.
Obwohl: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
In diesem Sinne: Kommt gut rein in's neue Jahr 2017



(Quellen: Atomkraftwerke Plag, NaturFreunde Deutschlands, Wadim - Der Film )

Freitag, 23. Dezember 2016

Ein Weihnachtsgruß

Weihnachtskrippe aus Keramik mit Teelicht-Beleuchtung (J. Winkler, ca. 1975)

Ich wünsche Euch ein Frohes Weihnachtsfest.

Meine Gedanken sind in diesen Tagen bei all jenen, die unter den Folgen von Krieg und Terror zu leiden haben. Ihnen wünsche ich, dass nach der Zeit der Trauer auch für sie bald wieder frohe Tage kommen werden.

Gott hat die Welt mit einem Kind erschüttert
- nicht mit einer Bombe.

(Verfasser unbekannt)

Mittwoch, 4. Mai 2016

Deshalb: Religionsfreiheit

Während ihres Parteitags am vergangenen Wochenende hat die AfD ihr beabsichtigtes Vorgehen gegen den Islam in Deutschland in ihr neues Grundsatzprogramm aufgenommen. Herr Tillschneider (AfD, Sachsen, Mitglied des Landesvorstands) sagte während des Parteitags (Zitat): "Der Islam ist 'uns' fremd. .."

Welch eine Erkenntnis. Einem Menschen, der an das glaubt, was ihm die Religion vermittelt, der er sich zugehörig fühlt, wird das eine oder andere dessen, woran Menschen glauben, die sich einer anderen Religion oder einer anderen Weltanschauung verbunden fühlen, wohl immer etwas "fremd" vorkommen.


Deshalb?

Aus seiner wenig überraschenden Erkenntnis leitet Herr Tillschneider in seinem darauf folgenden Satz her (Zitat): ".. Deshalb kann er sich nicht in gleichem Umfang auf die Religionsfreiheit berufen wie das Christentum."

Damit spricht sich Herr Tillschneider eindeutig gegen die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerte Religionsfreiheit aus. Diese Tatsache müsste zumindest denjenigenen durchaus bekannt sein, die am vergangenen Wochenende einem ihrer Parteikollegen zugehört haben. Die "Zeit" berichtet auf ihrer Internetseite in einem Beitrag vom 01.05.2016, ein Parteivertreter habe darauf hingewiesen, dass sich die AfD mit ihren Aussagen zum Islam gegen das Grundgesetz stellt.

Möglicherweise werden die meisten Parteitagsteilnehmer diesen "nicht ganz unwichtigen Hinweis"
aber erfolgreich ignoriert haben. Jedenfalls hatten die wenigen moderaten Stimmen nicht die geringste Chance, zu ihren "Parteifreunden" durchzudringen. So wurde beispielsweise ein Delegierter, der zum Dialog mit muslimischen Gemeinden vor Ort aufrief, ausgepfiffen. Ein Antrag, der zwischen einem abzulehnenden "politischen Islam" und einem "rein religiösen" Islam unterschied, wurde mit Buhrufen beantwortet.

Die AfD hat offensichtlich überhaupt nicht die geringste Absicht, in einen Dialog mit Vertretern des Islam in Deutschland einzutreten. Stattdessen setzt sie radikal auf Konfrontation. Große Zustimmung fand daher ein Antrag, der alle Glaubensrichtungen des Islam (Charidschiten, Schiiten, Sunniten, Sufis, Aleviten, Salafisten etc.) über einen Kamm schert, indem er behauptet, dass eine Aufklärung im Islam nicht realistisch und nicht wünschenswert ist. Der vom Bundesvorstand unterstützte Leitantrag, sogenannte "Islamkritiker" bei ihren Bemühungen um Aufklärung und Reformen des Islam zu unterstützen wurde damit abgelehnt.

Im Artikel 4, Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes heißt es unmissverständlich (Zitat):
  1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
     
  2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Die Garantie der Unverletzlichkeit der Freiheit des Glaubens, des Gewissens, der Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses und des Rechts der ungestörten Religionsausübung ist einer der Grundpfeiler für das friedliche Miteinander und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.


Deshalb!

Die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit verpflichtet Angehörige aller Religionen in Deutschland zum respektvollen Umgang miteinander und zur Toleranz gegenüber Angehörigen einer jeweils anderen Religion. Nur die AfD nimmt für sich in Anspruch, gegen diesen fundamentalen Grundsatz für ein friedliches Miteinander verstoßen zu dürfen. Damit besteht die Gefahr, dass auch Andere dieses "Recht" für sich beanspruchen.

Während ihres gestern in Stuttgart zu Ende gegangenen Parteitags hat die AfD die - rechtlich wohl kaum haltbare - Ausgrenzung des Islam in ihrem Grundsatzprogramm festgeschrieben. Der Artikel 4 des Grundgesetzes gilt jedoch gleichermaßen für alle Religionen und weltanschaulichen Bekenntnisse. Jeder, der das infrage stellt und die Menschen ausgrenzt, die sich einer anderen Religion verbunden fühlen, sägt an diesem Grundpfeiler unserer Gesellschaft.
  • Deshalb sind die Herleitung Herrn Tillschneiders und das auf einem derartigen Weltbild aufbauende Grundsatzprogramm der AfD eine Gefahr für den sozialen Frieden in Deutschland.

Im Übrigen irrt Herr Tillschneider, wenn er meint, der Islam sein "uns" fremd. Da die muslimischen Gemeinden in Deutschland - im Gegensatz zu den christlichen Kirchen - keine Steuern erheben, kann die Zahl der hier lebenden Muslime zwar nur auf Grundlage anderer Quellen eingeschätzt werden, aber einer Grafik des Statistik Portals "Statistika" zufolge bekannten sich im Jahre 2010 hierzulande etwa vier Millionen Menschen zum Islam.

In einem Artikel auf der Internetseite des "Tagesspiegels" vom 13.11.2014 wird die Anzahl der Muslime in Deutschland mit 3,8 bis 4,3 Millionen angegeben. Diese Zahl entspreche der weithin anerkannten Hochrechnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Demnach lag die Anzahl der Muslime in Deutschland im Jahre 2014 bei etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

Zumindest diesen etwa 3,8 bis 4,3 Millionen gemeinsam mit "uns" in Deutschland zusammen lebenden Menschen ist der Islam also keineswegs fremd. Darüberhinaus gibt es viele Christen, die - im Gegensatz zur AfD - den Dialog mit ihren muslimischen Mitbürgern suchen. Wenn man erst einmal miteinander ins Gespräch gekommen ist, dann ist man sich irgendwann nicht mehr fremd.

Wenn Herr Tillschneider also behauptet, der Islam sei "uns" fremd, dann spricht er vielleicht im Namen der AfD, ihrer Wähler und der Menschen, deren Ängste die AfD auszunutzen versucht, nicht aber in meinem  Namen und im Namen der Christen, die den Dialog mit ihren muslimischen Mitbürgern aufgenommen haben.


(Quellen: Die Zeit vom 01.05.2016, Frankfurter Rundschau vom 01.05.2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 01.05.2016, Tagesschau vom 01.05.2015, Tagesspiegel vom 13.11.2014, Gesetze im Internet, Statistik Portal "Statistika", Wikipedia )

Samstag, 23. April 2016

Eine politische Ideologie

Frau von Storch (AfD, stellvertretende Parteivorsitzende, Europa-Abgeordnete) meint (Zitat): "Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist".

Der Programmentwurf des Bundesvorstands der "Alternative für Deutschland" (AfD) für ein Grundsatzprogramm der Partei fordere außerdem, Minarette und Muezzins in Deutschland zu verbieten. Herr Gauland (AfD Brandenburg, stellvertretender Parteivorsitzender) versuchte die Ausführungen seiner Parteikollegin noch etwas zu präzisieren (Zitat): "Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr."

Wenn die AfD Minarette und Muezzins in Deutschland verbieten will dann müsste sie konsequenterweise auch Kirchtürme und Glocken verbieten. Die Glocken hoch oben in den Türmen der Kirchen rufen die Christen schließlich ebenso zum Gottesdienst, wie die Muezzins aus der Höhe ihrer Türme die Muslime zum Gebet in die Moschee rufen.

Bisher habe ich ich noch nichts darüber gehört, ob die AfD auch die Symbole anderer Religionen, wie beispielsweise die der Hindus, der Buddhisten oder der Anhänger des Shintō verbieten will. Wundern würde es mich nicht, denn diese haben - historisch betrachtet - mit dem Christentum deutlich weniger gemeinsam, als der Islam.

Der Islam: Eine politische Ideologie, die unvereinbar mit dem Grundgesetz ist? Da haben die Frau von Storch und der Herr Gauland wohl etwas nicht so recht verstanden. Der Islam ist nämlich eine der drei großen monotheistischen Weltreligionen und hat den gleichen Ursprung wie das Juden- und das Christentum. Und: In Deutschland hat jeder Bürger das Recht entsprechend der Tradition seiner Religion zu leben. Im Artikel 4 des Grundgesetzes heißt es dazu (Zitat):
  1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
  2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Wenn hier also eine politische Ideologie mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist, dann sind es offensichtlich die gegen die Religion "Islam" gerichteten Vorstellungen und Absichten führender Parteimitglieder der AfD und das Grundsatzprogramm, welches die Partei Ende April beschließen will.


Beklemmende Parallelen

Herr Mazyek (Zentralrat der Muslime in Deutschland, Vorsitzender) sieht Parallelen zwischen der Islamfeindlichkeit der AfD und dem Antisemitismus der Nationalsozialisten. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gebe es in Deutschland wieder eine Partei, "die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht".

Bezüglich der ungeheuerlichen Dimension des millionenfachen Mordes an Menschen jüdischen Glaubens während der Herrschaft des Hitler-Regimes sollte man mit entsprechenden Vergleichen vorsichtig umgehen. Allerdings sind aus Kreisen der AfD auch schon gegen die Religionsgemeinschaft der Juden gerichtete Pläne bekannt geworden. So soll das rituelle Beschneiden von Jungen ebenso verboten werden, wie die als Schächten bezeichnete Praxis des Schlachtens von Tieren.

Wenn man schon einmal Aufnahmen aus Schlachthöfen in Deutschland und die Panik in den Augen der Tiere oder den Todeskampf mancher Tiere gesehen hat, die beispielsweise nach einem unpräzisen Bolzenschuss aus der Betäubung erwachen, während sie schon am Haken des Fließbands hängen, dann weiß ich nicht, was daran besser sein soll, als wenn Tieren mit einem Messer die Kehle durchtrennt wird. Davon ist bei der AfD in diesem Zusammenhang allerdings nicht die Rede.

Auch bezüglich des Themas Beschneidung kann man zwar grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sein, aber seit Ende 2012 gibt es ein Gesetz, demzufolge Juden und Muslimen die rituelle Beschneidung unter Auflagen erlaubt ist.

Wenn die AfD jetzt am Recht von Muslimen und Juden auf die ungestörte Religionsausübung rüttelt, dann weckt das bei vielen Menschen beklemmende Erinnerungen an die Zeit kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten und den darauf folgenden Beginn der Repressialien des Nazi-Regimes gegen die Juden. Wie das endete, ist hinlänglich bekannt.

Ich denke, die AfD begibt sich gerade auf einen Weg, der sich zu einer ernsthaften Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in unserem Land zu entwickeln droht. Insofern teile auch ich die Befürchtungen Herrn Mazyeks.


(Quellen: Spiegel vom 18.04.2016, Süddeutsche Zeitung vom 18.04.2016, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.04.2016, Spiegel vom 17.04.2016, Die Zeit vom 17.04.2016, ARD Tagesschau vom 17.04.2016, Tagesspiegel vom 12.12.2013 )

Sonntag, 27. März 2016

Das Haus des Einen

FriedenstaubeAuf der Petitionsplattform des demokratischen Netzwerks "Campact" wenden sich ein Rabbiner, ein Pfarrer und ein Imam aus Berlin mit einem Aufruf - über alle Religionen und Grenzen hinweg - gegen den Hass. Angesichts des Blutbads in Brüssel sagen sie: "Wir wollen und dürfen nicht sprachlos bleiben. Der Terror darf nicht das letzte Wort haben."

Mit ihrem Aufruf treten sie ein für Frieden und Dialog - gegen Terror und Gewalt, gegen die Vorverurteilung und Instrumentalisierung der Religionen! (Zitat):
Wir gedenken der Opfer der schrecklichen Terroranschläge von Brüssel. Unser Platz ist an der Seite der Opfer in ihrem unfassbaren Leid – bei den Toten und Verletzten und allen, die um sie und mit ihnen trauern, in Brüssel und in der ganzen Welt.

Brüssel, Ankara, Abidjan oder Paris – es macht sprachlos, dass Terroristen in die Mitte der Gesellschaft eindringen, um Menschen im Namen einer Ideologie, die die Religion zur Unkenntlichkeit entstellt, zu ermorden.

Doch wir wollen und dürfen nicht sprachlos bleiben. Terror darf nicht das letzte Wort haben. Wir setzen dem Terror deshalb ein Zeichen des Friedens und der Verständigung zwischen den Menschen entgegen.

Gemeinsam mit allen friedliebenden Menschen fordern wir: Unterzeichnen Sie diesen Aufruf und setzen Sie damit ein Zeichen für Frieden und Dialog – gegen Terror und Gewalt – gegen die Vorverurteilung und Instrumentalisierung der Religionen.

Die drei Geistlichen haben sich einiges vorgenommen. Im Herzen Berlins soll nach ihren Vorstellungen etwas weltweit einmaliges entstehen: Juden, Christen und Muslime errichten ein gemeinsames Haus, das "House of One" - das Haus des Einen. Unter seinem Dach werden eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee vereint sein. In seiner Mitte soll ein zentraler Raum entstehen, der zur Begegnung und zum friedlichen Dialog der Religionen und Kulturen einlädt.

Finanziert wird das Projekt über eine Crowdfunding-Kampagne. Mit der ersten Bauphase kann begonnen werden, wenn 10 Millionen Euro zusammengekommen sind. Wer weiß, ob die Gründer die Vollendung des House of One noch erleben werden - aber ihre Botschaft findet bereits Gehör.


Drei Religionen, ein Gott

Die drei großen monotheistischen Religionen haben den gleichen Ursprung. Ihre Mitglieder glauben an den gleichen Gott. Sie nennen ihn Den Ewigen oder Jahwe, Gott oder Vater und Allah.

Ich bin in einem christlich geprägten Umfeld aufgewachsen. Auf den Punkt gebracht ist die Vorstellung, die mir als Kind von diesem Gott vermittelt wurde, die eines "guten Vaters aller Menschen", der selbst denen vergibt, die schwere Schuld auf sich geladen haben. Juden, Christen und Muslime sind Brüder und Schwestern, die Kinder des "guten Vaters". Es wäre fatal, wenn sie es zuließen, dass machthungrige Fanatiker einen Keil zwischen sie treiben.

Ich denke, das "House of One" ist ein Projekt, das - wenn es gelingt, es über die Grenzen Berlins hinaus wachsen zu lassen - Brücken zwischen Juden, Christen und Muslimen bauen kann. Es könnte so zum sinnbildlichen Samenkorn werden. Aus dem gemeinsam von einem Rabbiner der Juden, einem Pfarrer der Christen und einem Imam der Muslime in die Erde gelegten Samen könnte eine starke Bewegung für den Frieden in der Welt wachsen. Die Antwort auf Hass, Krieg und Gewalt sind Friede, Toleranz und die gerechte Verteilung der Güter dieser Erde, dem gemeinsamen Haus aller Menschen und ihrer Mitgeschöpfe.

In einem Newsletter des "Publik-Forums" vom 24.03.2016 heißt es (Zitat): "Auferstehen aus dem Terror, zu einem neuem Leben ohne Angst: Das wünschen sich in diesen Tagen viele Menschen, nicht nur Christen, die auf das Osterfest zugehen."

In diesem Sinne wünsche ich allen Menschen,
die in diesen Tagen hier vorbeischauen,

"Frohe Ostern"


PS: Wer möchte, kann sich dem Aufruf gegen Terror, Gewalt und gegen die Instrumentalisierung der Religionen auf der Internetseite von Campact anschließen. Der Aufruf wird die Terroristen nicht davon abhalten, weiteren Anschläge zu verüben, die weiteren unschuldigen Menschen das Leben kosten werden. Aber er setzt der sinnlosen Gewalt ein Zeichen des Friedens und der Toleranz entgegen.


(Quellen: House of One, Campact, Wikipedia, Publik-Forum )

Mittwoch, 23. März 2016

Eine Kerze ...


Nach den gestrigen Terroranschlägen auf den Flughafen und eine U-Bahn Station in Brüssel ist heute von mehr als 30 Toten und etwa 270 Verletzten aus vielen Nationen die Rede. Namenlose Zahlen, abstrakte Worte ...

Zahlen ... - wir werden damit rechnen müssen, dass weitere Anschläge der Islamisten, weitere unschuldige Menschen das Leben kosten werden - wahrscheinlich auch in Deutschland. Gegen Selbstmörder, die mit versteckt am Leib getragenen Bomben aus dem Hinterhalt inmitten vieler Menschen zuschlagen, gibt es keinen absoluten Schutz.

Worte helfen nicht, weder den Toten noch den Hinterbliebenen. Vielleicht hilft Solidarität, Anteilnahme - Solidarität insbesondere auch mit den Muslimen, die unter uns leben und mit den Kriegsflüchtlingen, die bei uns Schutz suchen. Wer diese Menschen aus unserer Gesellschaft ausgrenzt und unter Generalverdacht stellt, der spielt den islamistischen Terroristen in die Hände.

Freitag, 1. Januar 2016

2015 - Das war's ..

Mit "Prost Neujahr" stoßen die Menschen hierzulande auf das kommende Jahr an und wüschen einen "Guten Rutsch". Das Alte liegt hinter ihnen. Einige haben vielleicht Schicksalsschläge zu verkraften gehabt, andere sind besorgt wegen des Klimawandels oder wegen der zahlreichen Kriege an vielen Brennpunkten in der Welt ... - und so hoffen sie auf bessere Zeiten im neuen Jahr. So war es auch am Sylvesterabend des Jahres 2014 ...

Das Jahr 2015 war gerade einmal 7 Tage alt, als ein barbarischer Anschlag islamistischer Terroristen auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris die Hoffnungen vieler Menschen auf bessere Zeiten in Blut ertränkte. Nach dem Anschlag schrieb eine junge Französin auf dem "Place de la République" in Paris immer wieder die gleichen Worte in ein Schulheft: "Tinte muss fließen und kein Blut." Im ARD-Brennpunkt vom 08.01.2015 sagte sie: "Menschen sind gestorben, aber die Meinungsfreiheit ist nicht tot."

Zumindest was die Staaten mit freien demokratischen Gesellschaften angeht hat sie damit - bisher - Recht behalten. Allerdings nutzen auch dort die Regierungen den Terror in der Welt, indem sie mit dem allgemeinen Totschlagsargument "Terrorismusbekämpfung" versuchen, demokratische Grundrechte einzuschränken, um ihre eigene Macht zu stärken. Ein unschönes Beispiel dafür, wohin das führen kann, ist Putin's Russland, wo Demonstranten inzwischen riskieren, für mehrere Jahre im Gefängnis zu verschwinden - oder ermordet zu werden.


Der Krieg in Syrien ist bei uns angekommen

Aus dem syrischen Bürgerkrieg gegen das Assad-Regime ist längst ein Krieg der Terrormilizen des IS gegen das nach Freiheit strebende syrische Volk geworden. Es ist noch nicht allzulange her, da schien es, als seien Syrien und die Gräueltaten des IS "weit weg". Das änderte sich im Verlauf des Jahres 2015, als die Zahl der Menschen die vor dem Terror des IS in Syrien bei uns Zuflucht suchen, dramatisch zunahm.

Das wiederum machen sich die Hetzer am äußersten rechten Rand unserer Gesellschaft zunutze, um unterschwellige Ängste vor einer "Islamisierung des Abendlandes" zu schüren. Das Resultat ist eine steigende Anzahl von Anschlägen gegen Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünfte. Auf der anderen Seite gibt es jedoch glücklicherweise eine überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft, die den Menschen, die den Terroregieme des IS entkommen konnten, das Gefühl geben, in der Fremde willkommen zu sein. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer hätte die Bundesregierung der - eigentlich nicht sehr überraschenden - Flüchtlingswelle wohl ziemlich hilflos gegenübergestanden.


Für Frankreich endete das Jahr 2015, wie es begonnen hatte. Am 13. November wurden in Paris 132 Menschen ermordet und 352 weitere verletzt, als Terroristen im Namen des IS zeitgleich wahllos auf die Besucher von Cafés und eines Konzerts schießen. Zuvor gab es eine Explosion in der Nähe des Stadions "Stade de France" im Norden der Stadt, als dort gerade ein Fußballspiel mit Mannschaften aus Deutschland und Frankreich stattfand.

Nur einen Tag zuvor waren bei einem Anschlag des IS in einem überwiegend von sunnitischen Muslimen bewohnten Stadtteil der libanesischen Hauptstadt Beirut 44 Menschen getötet und 239 verletzt worden.

Am 10.10.2015 kamen bei einem Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara 102 Menschen ums Leben und mehr als 500 wurden verletzt, als sich zwei Selbstmordattentäter des IS während einer Demonstration linker und prokurdischer Gruppen in die Luft sprengten. Wie es heißt, soll einer der Attentäter kurz zuvor "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Am 31.10.2015 kamen alle 224 Menschen an Bord eines russischen Airbus 321 bei einem Bombenanschlag des IS über der Sinai-Halbinsel (Ägypten) ums Leben.


Raketen gegen Selbstmordattentäter?

Das Handelsblatt berichtet am 17. November auf seiner Internetseite über die Anschlagsserie unter dem Titel "Paris, Ankara, Sinai, Libanon - IS-Terror im Wochentakt". Immer wenn das von den Extremisten ausgerufene "Kalifat" militärisch in Bedrängnis gerate, würden die Terrormilizen des IS würden ihre Macht weit über die Grenzen ihres direkten Einflussbereichs hinaus demonstrieren. Der IS brauche militärische Erfolge und spektakuläre Terrorakte, um sich die Gefolgschaft seiner Anhänger zu sichern.

Vor diesem Hintergrund macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, eine große High-Tech Militärmaschinerie in Bewegung zu setzen, um den IS in Syrien und im Irak zu besiegen. Vielleicht kann es einer internationalen Militäroffensive gelingen, die Kontrolle in den beiden Ländern zu erlangen. - Gegen unerkannt aus dem Untergrund heraus operierende Terroristen und Selbstmordattentäter nützen jedoch weder Panzer und Kanonen noch viele milliarden Dollar teure Kampfflugzeuge, Marschflugkörper und Raketen.

Diese bittere Lehre hätten diejenigen, denen jetzt wieder nichts besseres einfällt, als sich Hals über Kopf in einen neuen Krieg zu stürzen, eigentlich aus den militärischen Debakeln im Irak und in Afghanistan ziehen sollen. Es bleibt nicht aus, dass dabei auch unbeteiligte Zivilisten zu Schaden kommen, die sich dann gegen die Angreifer wenden, die ihre Häuser zerstört und ihre Familienangehörigen, Freunde oder Nachbarn getötet haben. Das angestrebte Image des "Befreiers" ändert sich dann schnell in ein Image des "Besatzers". Das wiederum treibt letztlich viele von ihnen in die Arme ihrer Unterdrücker - und produziert möglicherweise neue Terroristen.


Irrweg "grenzenloses Wachstum"

Ich habe auch kein Patentrezept mit einer schnellen Wirkung gegen internationalen Terrorismus. Ich weiß nur, dass waffenstarrende Armeen machtlos dagegen sind und niemand davor sicher ist - auch wenn der eine oder andere Anschlag infolge glücklicher Zufälle verhindert werden kann, wird es den radikalen Fanatikern immer wieder gelingen, sich irgendwo ohne Vorwarnung inmitten vieler unschuldiger Menschen in die Luft zu sprengen.

Das einzige, was auf lange Sicht wirksam ist, wären fundamentale Verbesserungen der Lebensumstände der Menschen. Wenn es den Menschen gut geht, wenn sie genug zu essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf haben und wenn sie sich das eine oder andere leisten können, dann wird dem Terrorismus der Nährboden entzogen. Um das zu erreichen müsste aber wohl das gesamte Weltwirtschaftssystem komplett reformiert werden. Mit den knapper werdenden natürlichen Resourcen unseres Planeten kann das Prinzip des ewigen Wirtschaftswachstums in den reichen Industriestaaten nicht mehr funktionieren: Wenn etwas wachsen soll, dann muss ihm etwas hinzugefügt werden.

In der heutigen globalisierten Welt geht unser Wachstum inzwischen längst zulasten der Mehrheit der ohnehin schon ärmeren und armen Länder in der Welt. Vielleicht würde es schon helfen, das Dogma "Wachsum" gegen ein Prinip des "Teilens" auszuwechseln. Wenn der Reichtum der Welt nicht einer raffgierigen Minderheit, sondern allen Menschen zur Verfügung stünde, könnten alle Menschen überall auf unserem Planeten gut leben.

Auch deshalb sind die sogenannten "Frei"-Handeslsabkommen TTIP, CETA, TISA, TPP etc. die derzeit von Regierungen zugunsten der Profite internationaler Konzerne und zulasten grundlegender demokratischer Rechte bisher noch souveräner Staaten vorangetrieben werden, ein Weg in die Sackgasse. Dass die Regierungen damit gegen den Willen der betroffenen Bürger handeln, zeigen beispielsweise die mehr als 3 Millionen Unterschriften für die selbstorganisierte Bürgerinitiative "Stop TTIP!" und hunderttausende Menschen, die in Europa gegen TTIP, CETA, TISA und Co. auf die Straße gegangen sind.


(Gem)einsam gegen den Klimawandel (?)

Angesichts der drohenden Klimakatastrophe geht es ohnehin nicht mehr darum, wer am Ende mehr hat. Es geht um nichts weniger, als um unser gemeinsames Überleben auf unserem gemeinsamen Planeten, dessen Lebensgrundlagen dem Wachstumswahn der "reichen" Industriestaaten zum Opfer zu fallen droht. Schon deshalb ist eine Reform der Weltwirtschaft dringend erforderlich. Wenn "wir" so weitermachen, wie bisher, wird es am Ende nur Verlierer geben.

Auch wenn es nicht die erhoffte radikale Kehrtwende im Kampf gegen den Klimawandel und die damit einhergehende globale Erwärmung gebracht hat, ist das Abkommen, das im Dezember im Rahmen der internationalen Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Paris (COP 21) zustande kam, immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Das wesentliche Hindernis war aber auch hier wieder das kleinstaatliche Denken und die Sicherung der "eignenen Resourcen" im Angesicht der uns alle betreffenden globalen Bedrohung unserer gemeinsamen Lebensgrundlagen.

Damit schließe ich meinen diesjährigen Jahresrückblick. Klar: Es gibt noch sehr viel mehr, was ich hier hätte auflisten können. Aber die Gewalt im Nahen Osten und ihre Auwirkungen hierzulande, die Auseinandersetzung mit TTIP, CETA und den zu erwartenden Folgen für unser Leben, sowie der besorgniserregend voranschreitende Klimawandel sind die Themen, die mich am meisten beschäftigt haben. Daneben gab es auch für mich persönlich einige Veränderungen während des zurückliegenden Jahres - darunter zwei Umzüge (mein eigener und der meiner Mutter), die mich über einen längeren Zeitraum hinweg in Anspruch genommen haben. Auch wenn es Themen genug gab, fehlte mit oftmals schlicht die Zeit für eine umfassende Recherche und zum Schreiben. 

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Ein Flüchtlingskind

Die kurze Zeit des Glücks in der Krippe: Auch Jesus war ein Flüchtlingskind

Heute Abend, in der heiligen Nacht, feiern die Christen die Geburt des Kindes, das vor mehr als 2000 Jahren in einem Stall bei Bethlehem zur Welt kam. Damit ist die Geschichte jedoch noch längst nicht zu Ende.

Viele derjenigen, die vorgeben die Werte des Christentums zu verteidigen, vergessen das leider allzu oft - oder sie wissen es nicht besser, weil sie die Bibel vielleicht eher vom Höhrensagen kennen:
Schon bald nach der Geburt ihres Kindes waren die Eltern mit ihrem kleinen Jesus auf der Flucht vor den Schergen des Königs Herodes, die auf dessen Befehl hin alle Kinder umbrachten, die um die gleiche Zeit herum geboren worden waren. Herodes hatte Angst vor einem kleinen Kind namens Jesus, das der christlichen Bibel zufolge den Menschen als der neu geborene König der Juden verkündet worden war ...

Wäre Jesus nicht vor mehr als zweitausend Jahren in Bethlehem, sondern in der heutigen Zeit in Homs oder in Aleppo zur Welt gekommen und wären seine Eltern mit ihm nicht vor Herodes und seiner Mörderbande nach Ägypten, sondern vor den Terrormilizen des IS zu uns nach Deutschland geflohen - wer weiß: Vielleicht wären das kleine "Jesuskind" und seine Eltern dann einem Brandanschlag rechtsextremer Fanatiker auf eine Flüchtlingsunterkunft zum Opfer gefallen - und nie hätte irgend jemand auch nur das Geringste über seine Existenz erfahren ...


Was sind uns die Werte und die Kultur des "christlichen Abendlandes" wert, wenn wir sie nicht leben? Gerade wenn es darauf ankommt, denen Hilfe zu leisten, die auf der Flucht sind vor Krieg und Verfolgung?

Welchen Stellenwert haben die christlichen Werte für diejenigen, die sie sich auf ihre Fahnen geschrieben haben - oder die sie in den Namen ihrer Parteien tragen?

Haben die Politiker in den Regierungen der östlichen Mitgliedsländer der EU schon vergessen, was sie der Solidarität der "alten" EU-Länder zu verdanken haben? Wie steht es jetzt im Gegenzug um ihre Solidarität mit den "alten" EU-Ländern, die sie um ihre Unterstützung und Hilfe bei der Unterbringung der in Not geratenen Menschen aus den Kriegsgebieten in Syrien oder dem Irak bitten? Was würde wohl der polnische Papst "Johannes Paul II." sagen, wenn er die Zurückweisung der Flüchtlinge durch die heutige Regierung Polens noch erlebt hätte?

Was verteidigen die Anhänger von Pegida und Co. wirklich, wenn sie gegen die Hilfesuchenden hetzen? Die Werte des christlichen Abendlandes jedenfalls nicht. Denn würden sie entsprechend christlicher Wertvorstellungen handeln, dann würden sie die notleidenden Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten und den anderen Krisenherden dieser Welt mit offenen Armen aufnehmen, anstatt sie zurückzuweisen.
Wenn die Aktivisten vom äußerten rechten Rand der Gesellschaft und diejenigen, die ihnen hinterherlaufen, wie in diesen Tagen in Dresden geschehen, zu Tausenden ihre ausländerfeindlichen Parolen zum besten geben, gegen die Kirchen hetzen und das dann auch noch mit dem "Absingen christlicher Weihnachtslieder" garnieren, dann wissen sie nicht, was sie tun - oder sie treten die grundlegenden christlichen Werte bewusst mit Füßen.

Trotz alledem

Ich wünsche allen, die heute und in der Zeit "zwischen den Jahren" hier vorbeischauen, ein Frohes Fest und ein friedvolles neues Jahr 2016.

Und uns allen in den Ländern des "christlichen Abendlandes" wünsche ich, dass der Friede, den der Gott der Juden, der Christen und der Muslime den Menschen mit der Geburt Jesu verkündet hat, die Kälte in den den Herzen vieler unserer Mitmenschen verdrängen wird. - Dann bestünde wirklich die Chance, dass Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) Recht behält, wenn sie sagt: "Wir schaffen das."


(Quelle: Tagesspiegel vom 22.12.2015, Wikipedia )

Sonntag, 29. November 2015

Bomben >auch< gegen den Klimaschutz

Graz, Austria
Global Climate March in Graz, Österreich, am 28.11.2015
(Foto: © Michel Normand, CC: BY-NC-SA)

Über die Mordanschläge der Islamisten in Paris, ihre weit über einhundert Todesopfer und die vielen Hundert Verletzten ist an den vergangenen Tagen viel berichtet und diskutiert worden. Darüberhinaus hat der Terror aber auch Auswirkungen auf den am Montag kommender Woche beginnenden Weltklimagipfel der Vereinten Nationen (COP21), der in diesem Jahr in Paris stattfinden wird.

Darüber, dass in der nächsten Woche die wohl letzte Gelegenheit besteht, die Grundlagen dafür zu legen, dass das Ruder doch noch in Richtung eines ambitionierten und nachhaltigen Abkommens für den internationalen Kampf gegen den die gesammte Menschheit bedrohenden Klimawandel herumgerissen werden könnte, besteht inzwischen offenbar allgemeiner Konsens. Bereits im Vorfeld der Verhandlungen hatte sich jedoch schon wieder angedeutet, dass auch in diesem Jahr erst einmal das große Schachern im Vordergrund stehen wird.

Deshalb hatte ein breites Bündnis von Nichtregierungsorganisationen (Non Government Organisations, NGOs) für den 12.12.2015 eine internationale Großdemonstration in Paris vorbereitet. Diese Demonstration, ebenso wie alle weiteren von Klimaschützern in Paris geplanten Aktionen sind infolge der Terroranschläge verboten worden. Eigentlich hatte die Pariser Stadtverwaltung bereits vor den Anschlägen versucht, die Aktionen der Klimaschützer in Paris weitgehend zu unterbinden oder zumindest einzudämmen.

Der Druck auf die verantwortlichen Politiker in Paris, der von den großen, weltumspannenden Netzwerken wie "AVAAZ" oder "350.org" mithilfe internationaler Petitionen aufgebaut worden war, hatte jedoch schon Wirkung gezeigt, so dass mit Genehmigungen für Demonstrationen zu rechnen gewesen war ... - Angesichts der vielen Todesopfer und des unermesslichen Leids, das die Mörder den Freunden und Familien der Opfer zugefügt haben, mag es vielleicht zynisch klingen,
aber denjenigen, denen daran gelegen ist, dass die Stimmen der Menschen, die unseren Nachkommen einen bewohnbaren Planeten hinterlassen wollen, nicht zu hören sind, haben die Terroristen damit ein kaum zu widerlegendes Argument für das nun verhängte Demonstrations- und Versammlungsverbot verschafft. Damit ist es ihnen gelungen, die Klimaschützer aus der Stadt herauszubomben - im Namen Gottes?


Global Climate March

Mundtot hat sich die weltweite Klimaschutzbewegung daduch aber nicht machen lassen. Heute werden viele tausend Menschen in vielen großen Städten in allen Teilen der Welt zum "Global Climate March" - zum Globalen Klima-Marsch - aufbrechen. Trotzdem werden all diese Demonstrationen so weit entfernt von Paris stattfinden, dass die Politiker und ihre Delegierten davon wohl kaum so beeindruckt sein werden, wie wenn sie während des Klimagipfels in Paris direkt mit den Forderungen der Menschen konfrontiert worden wären.

Der eine Gott, welcher dem Glauben der Juden, Christen und Muslime zufolge die Erde geschaffen hat, kann wohl kaum damit einverstanden sein, dass seine Welt von einigen raffgierigen und ignoranten multinationalen Konzernen auf direktem Weg in die Klimakatastrophe gesteuert wird. Wenn die Menschen, die sich für die Bewahrung der Schöpfung Gottes einsetzen, in Paris aber nicht das notwendige Gehör finden, dann könnte genau das am Ende des Klimagipfels herauskommen.
Der Klimawandel und die damit einhergehende globale Erwärmung der Erde sind der größte Feind, dem die Menschheit jemals gegenüberstand! Uns allen, die wir auf diesem Planeten leben, müsste eigentlich daran gelegen sein, den Anstieg der mittleren globalen Temperatur mit einer international koordinierten Kraftanstrengung unterhalb der "maximal Plus 2 Grad"-Marke zu stabilisieren. 
  • Gemeint ist "weit unterhalb", denn den neuesten Erkenntnissen der Klimaforscher zufolge wird die globale Katastrophe aufgrund der bislang weiterhin ansteigenden CO2-Emissionen sonst nicht mehr zu verhindern sein.

Stattdessen gibt es aber immer wieder einige machtbesessene Fanatiker, deren Priorität es ist, ihre Mitmenschen zu terrorisieren, zu unterwerfen und umzubringen. Wenn aber der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe auch nur die geringste Ausicht auf Erfolg haben soll, dann kann sich die Menschheit all diese kriegerischen Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss schlicht und einfach nicht mehr leisten.

In Deutschland findet der "Global Climate March" heute in Berlin statt. Da in der Mitfahrbörse dieses Mal kein Bus aus unserer Gegend zu finden war, werde ich aber leider nicht daran teilnehmen können - alternative Reisemöglichkeiten sprengen entweder mein Budget oder sind in meinem Fall zeitlich nicht realisierbar.

  • Für alle, die ebenso wie ich, heute keine Gelegenheit haben, ihre Forderungen für einen wirksamen Klimaschutz auf die Straße zu tragen: Auf der Internetseite von 350.org, sowie in den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook sind bereits jetzt aktuelle Meldungen, Meinungen, Kommentare und Bilder zum Global Climate March und COP21 zu finden.


(Quellen: Global Climate March, Die Klima Allianz, AVAAZ,

Sonntag, 15. November 2015

Massenmord im Namen Gottes?


"Die Zeit" schreibt am 14.11.2015 auf ihrer Internetseite über die Terror-Anschläge in Paris, die Mörder seien mit Autos vor mehreren Restaurants in der Nähe des "Place de la République" vorgefahren und hätten wahllos mit Kalaschnikows auf Gäste von Bars und Restaurants geschossen. Dann sei ein Selbstmordattentäter in ein Café eingedrungen, wo er sich in die Luft gesprengt habe.

Zeitgleich hätten andere auf Besucher eines Konzerts der amerikanischen Indie-Band Eagles of Death Metal im "Bataclan" geschossen. Dabei sollen sie den Aussagen von Augenzeugen zufolge "Allahu Akbar", Allah ist groß, gerufen haben.

Währenddessen hätten sich in der Nahe des "Stade de France", wo gerade ein Freundschaftsspiel zwischen der deutschen und der französischen Nationalmannschaft stattfand, drei weitere Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Mindestens 129 Menschen seien ermordet, 352 Menschen verletzt worden - darunter 99, die sich in kritischem Zustand befinden ...


Einige Worte sind mir dann doch noch eingefallen - an die Adresse derjenigen, die jetzt sofort wieder nach mehr Überwachung und Einschränkung weiterer Freiheiten rufen:

Die Wahrheit ist, es gibt keinen Schutz gegen Massenmörder, deren Strategie es ist, jederzeit und überall ohne Vorwarnung aus dem Hinterhalt zuzuschlagen.

Wenn wir solchen spontanen Impulsen unüberlegt nachgeben, dann haben die Mörder schon gewonnen. Dem können wir nur begegnen, indem wir unser Leben in Freiheit weiter leben. Diese - für die meisten unter uns selbstverständliche - Freiheit haben unsere Vorfahren - oftmals unter Lebensgefahr - hart erkämpft.


Massenmord im Namen Gottes?

Gott ist groß: Das sehen die Christen ebenso. Aber in ihrer Bibel gebietet Gott den Menschen:
"Du sollst nicht töten."
(2. Mose - Kapitel 20, Die Zehn Gebote).

Das war zur Zeit des "Alten Testaments" - lange bevor sich die Pfade der Juden, Christen und Muslime trennten. Nach meinem Verständnis gelten daher die Zehn Gebote Gottes für alle Menschen, die an ihn glauben. Denn sie alle glauben an den einen Gott ...


Sonntag, 28. Juni 2015

Tausend Jahre Schuld


Am Freitag berichteten die Medien rund um die Welt über drei Attentate innerhalb weniger Stunden in drei verschiedenen Ländern mit "islamistischem Hintergrund". Eines dieser Attentate galt den etwa zweitausend muslimischen Gläubigen, die sich in einer Moschee in Kuwait City zum Freitagsgebet versammelt hatten.

Bei dem Selbstmordanschlag seien Behördenangaben zufolge mindestens siebenundzwanzig Menschen ums Leben gekommen und mehr als Zweihundert verletzt worden. Zu der Tat habe sich der "islamische Staat" (IS) bekannt ...

Was sind das nur für Menschen, die sich unerkannt mit einem Sprengstoffgürtel um den Leib in ein Gotteshaus einschleichen um sich dort selbst in die Luft zu sprengen und dabei möglichst viele andere Muslime auf hinterhältige Weise mit sich in den Tod zu reißen? Glauben diese Massenmörder etwa, dass Gott sie dafür anschließend freudig an der Himmelspforte begrüßt, um sie in sein Paradies eintreten zulassen? - ... Nachdem sie unmittelbar zuvor hunderten oder gar tausenden anderen Menschen, die an ihn, an seine Weisheit und an seine Güte glauben, beziehungsweise glaubten, die Hölle auf Erden bereitet haben?

  • Ich glaube, dieser eine Gott, den gläubige Juden, Christen und Muslime als den Schöpfer der Welt und des Lebens verehren, wird unsagbar traurig sein und bittere Tränen weinen, angesichts der Unmengen Blutes friedlicher Männer, Frauen und Kinder, die in seinem Namen vergossen wurden - und wohl auch weiterhin noch vergossen werden.

"... Weißt du, Kamerad. Seit diesem Abend weiß ich, worum es unseren Obrigen und unserem geliebten Führer tatsächlich geht. Ums Töten. Sonst nichts. Die haben uns von Anfang an nur Geschichten erzählt. Nichts von alledem ist wahr. Das sind Unmenschen im Blutrausch. Schneckenfett und korrupt. Und wir haben munter mitgeholfen. Das ist unser tausendjähriges Reich! Tausend Jahre Schuld! Von dem Mist, den wir verzapft haben, werden noch viele Generationen was haben. Darauf kannste dich verlassen. ..."

(aus "Kupferbrot", Roman von Olaf Satzer,
 erschienen im Schardt Verlag, Oldenburg)


Mittwoch, 18. Februar 2015

Wer Angst schürt und gegen Fremde hetzt ...

Bremerhavener Bündnis für Toleranz: Kundgebung am 16.02.2015
Auch wenn man in Bremerhaven geboren ist und sich für die Geschichte der Stadt interessiert, lernt man doch immer noch etwas neues dazu. So war es auch Montag Abend während der Kundgebung des Bremerhavener Bündnisses für Toleranz. Herr Scheider (Große Kirche, Pastor) erzählte, dass die ersten muslimischen "Gastarbeiter", die zu Beginn der fünfziger Jahre in Bremerhaven ankamen, keine Räumlichkeiten für ihre wichtigsten religiösen Feste hatten. Die Große Kirche hatte ihnen dafür ihr Gemeindehaus zur Verfügung gestellt.

Etwa 1000 Menschen waren zur Kundgebung gekommen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für für eine tolerante, weltoffene, demokratische Gesellschaft zu setzen. Herr Granz (SPD, Oberbürgermeister) eröffnete die Kundgebung. Er stellte klar, dass unsere Stadt, deren Hafen vom weltweiten Handel lebt, auf Menschen in der gesamten Welt angewiesen ist. Außerdem seien Menschen aus Bremerhaven, die außerhalb Deutschlands arbeiten und Handel treiben, dort ebenfalls "Ausländer".

Die Forderungen des Bremer Pegida-Ablegers, der gestern ursprünglich in Bremerhaven gegen Ausländer demonstrieren wollte, sei deshalb völlig absurd. Krisen, wie der Niedergang der Hochseefischerei oder das Werftensterben seien in Bremerhaven immer von allen Bürgern - gleich welcher Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Kultur - gemeinsam durchgestanden und bewältigt worden. Niemand wäre auf die Idee gekommen, "die Ausländer" dafür verantwortlich zu machen: "Das wäre ja auch widersinnig gewesen."
Weitere Redner und Rednerinnen aus Gewerkschaften, christlichen Kirchen, der jüdischen oder den muslimischen Gemeinden, sowie ein Flüchtling aus Iran, der - wenn ich ihn richtig verstanden habe - in seiner Heimat Angehöriger einer religiösen Minderheit war, sprachen sich ebenfalls für Toleranz und ein friedliches Miteinander der Kulturen aus. Ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass diese Forderungen in unserer Stadt keine reinen Lippenbekenntnisse sind, sondern gelebt werden, ist die muslimische Gemeinde der Zentrum-Moschee in der Potsdamer Straße.

Nur wer aufeinander zugeht, kann Trennendes überwinden, Gemeinsamkeiten erkennen, zusammen feiern, Krisen überwinden und die gemeinsame Zukunft gestalten. Toleranz gegenüber der Kultur und der Religion "der anderen" ist keine Einbahnstraße.
Einer der Redner brachte es auf den Punkt:
  • Wer Angst schürt, Hass predigt und gegen Fremde hetzt, hat hier nichts zu suchen. Alle anderen sind herzlich willkommen.