Dienstag, 17. Mai 2011

Uganda: Ein großartiger Erfolg für die Menschenrechte

Eine von 1,6 Millionen Unterzeichnern unterstützte internationale Petition hat - sozusagen in letzter Minute - in Uganda ein bestialisches Gesetz, das homosexuelle Menschen mit dem Tod bedroht hätte, verhindern können: Das ist ein großartiger Erfolg! Ich gebe hier einfach einmal den Wortlaut der E-Mail wieder, den das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ über den Verteiler verbreitete:
Liebe Freundinnen und Freunde,

Frank Mugisha und mehrere Menschenrechtsaktivisten übergeben unsere Petition vor der entscheidenden Sitzung an den Parlamentspräsidenten in Uganda.
Das Anti-Homosexualitätsgesetz in Uganda ist vom Tisch! Letzte Woche schien eine Mehrheit für das Gesetz sicher, doch nachdem wir 1.6 Millionen Unterschriften direkt an den Parlamentspräsidenten überreichten, unsere Regierungen mit tausenden von Telefonanrufen überschwemmten und die Medien über die Kampagne und die weltweite Empörung berichteten, haben die Abgeordneten das Gesetz nicht mehr behandelt.

Der Ausgang blieb bis zur letzten Minute ungewiss - religiöse Extremisten versuchten das Gesetz am Mittwoch durchzudrücken, und dann wurde am Freitag eine beispiellosen Krisensitzung einberufen. Doch beide Male reagierten wir innert Stunden. Ein riesengroßes Dankeschön an alle, die Unterzeichnet, angerufen und gespendet haben. Dank unserem Einsatz können jetzt tausende aufatmen und müssen sich nicht vor einer Hinrichtung fürchten, nur weil sie jemanden lieben.

Frank Mugisha, ein mutiger Anführer der Homosexuellenbewegung in Uganda sendet uns diese Botschaft:

"Tapfere ugandische LSBT-Aktivisten und Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sind zusammengestanden und konfrontierten dieses horrende Anti-Homosexualitätsgesetz. Die Unterstützung durch des Avaaz-Netzwerks hat den Ausschlag bei der Verhinderung des Gesetzesentwurfs gegeben. Weltweite Solidarität hat einen wesentlichen Unterschied gemacht."

Das Büro des Hohen Vertreters für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU schrieb an Avaaz:

"Vielen Dank! Wie Sie wissen wurde der Gesetzesentwurf heute morgen nicht dem Parlament unterbreitet. Zu einem großen Teil dank der intensiven Lobbyarbeit und den gemeinsamen Anstrengungen von Ihnen und anderen Vertretern der Zivilgesellschaft, der EU und anderen Regierungen, sowie unserer Delegation und den Botschaftern vor Ort."

Doch wir müssen auf der Hut sein. Es ist nicht auszuschließen, dass die radikalen Extremisten hinter diesem Gesetz versuchen werden den Entwurf erneut einzubringen.

Die Transformation der tiefliegenden Gründe für Ignoranz und Hass, die der Homophobie zugrunde liegen, ist eine langfristige Aufgabe - eine der großen Anliegen unserer Generation. Uganda wurde zur Frontlinie unserer Bemühungen und bekam ein kraftvolles Symbol. Dieser Erfolg wird vor allem an den Orten widerhallen, wo die Hoffnung dringend benötigt wird. Es zeigt sich, dass Güte, Liebe, Toleranz und Respekt gegen Hass und Ignoranz die Oberhand gewinnen können. Noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgeholfen haben!

Mit enormer Dankbarkeit und Respekt für diese großartige Gemeinschaft,

Ricken, Emma, Iain, Alice, Giulia, Saloni und das ganze Avaaz-Team

Kommentare:

Elvira hat gesagt…

Was macht den Menschen solche Angst vor Homosexualität? Ich habe letztens irgendwo gelesen, dass überlebende Homosexuelle des Naziregimes nach ihrer Befreiung aus den KZs von deutschen Richtern in deutsche Gefängnisse gesteckt wurden. 1957 erging in Karlsruhe das berüchtigte Homosexuellen-Urteil. Erst 1994 wurde der §175 abgeschafft. Leider aber hat die Homophobie bei uns nur unwesentlich abgenommen. Tätliche Angriffe auf Schwule nehmen hier in Berlin zu. Kratzt man in Gesprächen mit Nachbarn und weitläufigen Bekannten etwas an der Oberfläche der nach außen getragenen Toleranz, entschlüpfen dem einen oder anderen Bemerkungen wie: Ich habe ja nichts gegen...aber normal ist das doch nicht...die Mutter hat ihn eben zu sehr verhätschelt...der ist ja auch in einem frauenhaushalt aufgewachsen...sicher findet man mal ein Heilmittel...u.s.w., u.s.w. Da ich einen schwulen Bruder habe, bin ich mit der Problematik gut vertraut. Sicher kann ich die hiesigen Verhältnisse nicht mit Uganda oder anderen Ländern vergleichen, wo das Bekanntwerden der eigenen Homosexualität das sichere Todesurteil bedeutet (in Uganda ist ja nun eine positive Wendung, zumindest die gesetzliche Seite betreffend, eingetreten), aber von einem "normalen" Umgang mit der Homosexualität sind auch wir noch sehr weit entfernt.

juwi hat gesagt…

@Elvira: Da hast du wohl leider recht. Bis hier bei uns jeder sein Leben so leben kann, wie es seinen natürlichen Anlagen enspricht, müssen wohl erst einmal die Generationen "ausgestorben" sein, die das Tabu von ihren Eltern noch kritiklos übernommen haben. | Ich denke, ich hatte das Glück, dass Homosexualität in unserer Familie nie ein Gesprächsthema war. Und dass einige Klassenkameraden damals nur das nachgeplappert haben, was sie von ihren Eltern als Voruteil vorgesetzt bekommen hatten, das hatte ich recht schnell erkannt.

Elvira hat gesagt…

Bei uns war das kein Thema, weil wir nie wirkliche Themen hatten. Es gab keine Gesprächskultur in unserer Familie. Es war dann ein zweites Mal, diesmal in positiver Hinsicht, kein Thema, als mein Bruder sich outete. Er war eben so! Keine W-Fragen. Vielleicht hat unsere Mutter sich persönlich Fragen gestellt, das könnte ich mir vorstellen.
Mit dem Nachplappern hast Du sicher Recht, wenn es jüngere Kinder betrifft. Worte wie schwul, Nutte und schlimmeres werden benutzt, ohne deren Bedeutung wirklich zu kennen. Wo immer die Kinder diese Begriffe auch aufgeschnappt haben mögen. Ältere Jahrgänge verwenden sie gezielt als Beschimpfungen. Ich habe in einem Post mal geschrieben, dass viele Dinge kein Thema mehr wären, wenn das Wort "Toleranz" nicht mehr benötigt wird, weil es einfach selbstverständlich geworden sein wird, dass es viele Formen der Lebensgemeinschaften gibt. Vielleicht müsste die katholische Kirche endlich beginnen, wahrhaftig zu werden - wobei ich wieder bei der Wahrheit/Lüge bin. Dieses Thema verfolgt mich gerade durch einige Blogs.
Ein schönes Wochenende wünscht
Elvira

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