Dienstag, 17. Mai 2011

Fukushima: Das "wahre" Ausmaß des Super-GAUs


ZDF-Heute vom 16.05.2011: Chronologie des GAUs im Block 1 des AKW  "Fukushima-I"

Das ZDF berichtete gestern in seiner Nachrichtensendung "heute", der Betreiber der havarierten Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Tepco) habe neue Details zum Außmaß der Atomkatastrophe bekannt gegeben.

Hatte es anfangs auch den Anschein, als würden die japanischen Behörden und "Tepco" überraschend offen über die Atomkatastrophe informieren, so stellt sich jetzt jedoch nach und nach heraus, dass wieder einmal jeweils nur die Informationen bekannt gegeben wurden, die sich nicht mehr verheimlichen ließen. Offenbar hat sich daran auch aktuell noch nichts geändert. Das gestern bekannt gewordene "wahre Ausmaß" der Katastrophe, wonach sich der GAU im Reaktorblock 1 der Anlage bereits direkt im Anschluss an das Erdbeben ereignete, wird also ebenfalls wieder nur ein kleiner Ausschnitt aus der Realität sein.

11. März 2011

Ein schweres Erdbeben vor der Küste Japans, gefolgt von einem gewaltigen Tsunami, verursacht schwere Schäden auf dem Festland, insbesondere aber in den Küstenregionen.

  • 14:45 Uhr
    Schwere Erdstöße beschädigen das Atomkraftwerk. Die Anlage wird sofort heruntergefahren. Aufgrund des dramatischen Kühlwasserverlustes liegen die Brennstäbe jedoch bereits fast frei.
  • 18:00 Uhr
    Die Brennstäbe überhitzen, und die Kernschmelze setzt ein


12. März 2011

In der Nacht und in den Morgenstunden des darauffolgenden Tages nimmt die Atomare Katastrophe unaufhaltsam ihren Lauf.
  • 06:50 Uhr
    Die hochradioaktive Masse hat den Reaktorbehälter durchschmolzen und der Druck steigt rasant.

Wenig später explodiert der Reaktorblock 1


Die Folgen

Durch das Leck im Reaktorbehälter gelangen ungehindert radioaktive Stoffe nach draußen. Eine Reparatur ist unmöglich. Da die geschmolzene Masse des hochradioaktiven Materials nicht mehr vom Wasser des ehemaligen Kühlkreislaufs isoliert ist, wird jetzt auch deutlich, dass die von Tepco mehrfach angekündigte "Wiederherstellung des Kühlkreislaufs" nichts als reine Augenwischerei ist.

Dazu, dass Tepco erst nach und nach mit Informationen über das wahre Ausmaß der Katastrophe herausrückt, sagt Herr Sailer (Öko-Institut e.V.) in den ZDF-Heute-Nachrichten am 16.05.2011: "Tepco hat eigentlich nach der Fachkenntnis schon nach ein paar Tagen wissen müssen, dass es so schlimm ist. Ich denke, sie wollten es nicht wahr haben, haben es deswegen nicht erzählt, aber sie wollten auch die Öffentlichkeit nicht über das wirkliche Ausmaß der Gefährdung informieren."

Darüber, ob die Situation in den anderen Reaktorblöcken möglicherweise genau so dramatisch ist, schweigt Tepco bis heute. Selbst wenn das jetzt noch nicht der Fall sein sollte, dann besteht doch die Gefahr, dass sich die Situation mit jedem kleineren Beben verschlimmern wird.

Wie die TAZ am 13.05.2011 berichtete, ist das Ausmaß der Beschädigungen an den Reaktor-Gebäuden besorgniserregend. Auf Fernsehbildern sei zu erkennen, dass sich die Struktur des Reaktor-Gebäudes 4 zur Seite neige. In Höhe des fünften Stocks oberhalb des Atom-Reaktors befinde sich das Abklingbecken für die Brennelemente, das ohnehin als beschädigt gelte und mit 1331 erst kürzlich aus dem Reaktor entfernten, noch stark strahlenden Brennelementen gefüllt sei. Das Kühlwasser im Abklingbecken mit den noch sehr heißen Brennelementen sei immer noch am Siedepunkt und man befürchte, ein weiterer Schaden am Gebäude könne massive Wasseraustritte aus dem Becken zur Folge haben.

Die Folgen einer quasi unter freiem Himmel stattfindenden Kernschmelze für die Menschen in Japan wären nicht abzusehen ...


Das Risiko

Herr Scheider (Bremerhaven, Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche, Pastor) sagte gestern Abend während der Mahnwache vor "seiner" Kirche (sinngemäß):
'Wenn ich mir beim Werkeln mit dem Hammer auf den Daumen schlage, dann betreffen die Folgen dieses Unfalls nur mich alleine. Wenn der Meister zu seinem Auszubildenen sagt: "Nimm den Hammer und hau zu", dann ist es das persönliche Risiko des Meisters, welches Ziel der Hammer des Auszubildenen trifft und ob er dabei möglicherweise selbst zu Schaden kommt. Der Schaden ist jeweils auf die handelnden Personen begrenzt und das von ihnen in Kauf genommene Risiko ist deshalb vertretbar. Wenn wir heute die mit dem Betrieb der Atomkraftwerke verbundenen Risiken in Kauf nehmen, dann betreffen die dadurch verursachten Schäden viele Generationen unserer Nachkommen. Das ist durch nichts zu rechtfertigen.'
Dem ist nichts hinzuzufügen!


Es ist völlig belanglos, zu welchem die beiden im Rahmen des Atommoratoriums der wespenfarbenen Bundesregierung eingesetzten Kommissionen kommen werden, und welche "Laufzeiten" die Politiker den Atomkonzernen für ihre Atomkraftwerke daraufhin noch zugestehen werden: Jede Entscheidung, die auf irgendeine weitere Frist für eine Betriebsgenehmigung eines Atomkraftwerks hinausläuft ist unverantwortbar. Punkt.

Zugegebenermaßen befinden wir uns damit in einem Dilemma. Aber ein sich abzeichnender Betrieb von acht oder neun der siebzehn deutschen Atomkraftwerke bis 2021 wäre keine Notwendigkeit, sondern ein weiteres Zugeständnis an die kommerziellen Interessen der Atomkonzerne. Dass ein schrittweiser Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie in Deutschland im Rahmen einer ambitioniert vorangetriebenen Energiewende innerhalb von 4 Jahren möglich ist, belegt zum Beispiel eine Studie der internationalen Umweltorganisation "Greenpeace".

Dass wir nicht bereit sind, das mit dem Betrieb der Atomkraftwerke bis 2021 in Kauf zu nehmen, werden wir den Atomkonzernen und ihren politischen Handlangern am 28. Mai 2011 noch einmal auf den Straßen von 21 deutschen Städten verdeutlichen!

Atomkraft Schluss!


(Quellen: ZDF "heute" vom 16.05.2011, TAZ vom 13.05.2011, Greenpeace)

Kommentare:

Smilla hat gesagt…

Hallo Juwi
das alles erstaunt mich überhaupt nicht!! Wie ja sicher schon einmal erwähnt, klingelt es mir immer gleich doppelt so laut in den Ohren, wenn Umweltkatastophen im ersten Anlauf einmal bagatellisiert werden.
Erfahrungen lehren auch!!!
Wûnsche dir einen guten Tag und heb's guät!
bbbbb

Smilla hat gesagt…

P.S.:
hier in Frankreich ist im Moment nur die Affaire D.S-K und die Frage, ob Carlita wohl schwanger ist oder nicht, von Bedeutung.... so scheint es mir auf jeden Fall nach dem Mittagsjournal.....
Tschüss

Frau Momo hat gesagt…

Wir werden diemsl mal wieder in Berlin dabei sein, verbunden mit einem kleinen Städtetripp und einem Kennenlernen einer Bloggerin.

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