Donnerstag, 14. April 2011

Werden und Vergehen ...


Blühender Baum über dem Abriss-Schutt und ein unheimlich vergänglicher Herr *)

... liegen oft nahe beieinander.


In der Stormstraße standen drei verwahrloste Häuser auf der Abrissliste des Stadtplanungsamts. Das "Brandhaus" und sein Nachbarhaus sind bereits verschwunden. Nur die Reste des Schutthaufens zeugen noch davon. Anstelle auf die seit vier Jahren vor sich hinbröckelnde Brandruine fällt der Blick jetzt auf die blühende Zierkirsche im Garten hinter dem Bauschutt ... - ein gutes Omen?




Pflanzlicher Überlebensküsntler: Das Leben ist hart im luftigen Balkonien (2009/2011) *)

Mit dem Abriss des dritten Hauses soll in einigen Tagen begonnen werden. Die Fenster in Erdgeschoss sind seit langer Zeit zugemauert. Auf einem Balkon wächst seit eingen Jahren ein Strauch, dessen Wurzeln in einer Mauerritze Fuß gefasst haben. Er ist ein wahrer Überlebenskünstler. Bisher jedenfalls: Den Abriss des Hauses wird er wohl kaum überleben. Neben diversen hässlichen Schmierereien an der Hauswand schaut seit ein paar Tagen auch ein etwas unheimlich anmutender Herr aus einem "Loch" in der Füllung eines zugemauerten Erdgeschossfensters heraus. Alt wird er dort jedoch wohl nicht werden. Zusammen mit dem Gebäude wird auch er bald wieder verschwunden sein.

Graffity und durcheinandergeschmierte Tags auf intakten Gebäuden, an Brücken oder Eisenbahnwaggons fallen nach meinem Verständnis klar in die Kategorie "Sachbeschädigung". Im Falle dieses "Abbruchkandidaten" ist das natürlich etwas völlig anderes, und das Gemälde auf dem zugemauerten Fenster "hat schon etwas". Es passt irgendwie perfekt zur Szenerie - und es ist außerdem auch noch gut gemacht.


*) Zum vergrößern bitte auf die Fotos klicken (wie immer)

Kommentare:

Elfe hat gesagt…

Das ist ein fantastisches Bild der blühende Baum über dem Abriss-Schutt. Wie als Aussage: die Hoffnung nie aufgeben und so gut als möglich handeln. Der Mann im Gemäuer erscheint beinahe wie ein Gespenst, ein wenig gruselig, doch gut gemacht.

Hoffentlich wird das Haus abgerissen bevor es einstürzt, der Balkon sieht in dieser Hinsicht schon sehr bedenklich aus.

Liebe Grüsse und ein erholsames Wochendende
Elfe

juwi hat gesagt…

@Elfe: Dieses Gebäude war mit seiner glatten Fassade und den vorgesetzten Balkons nie ein Schmuckstück. Aber im Gegensatz zu anderen Häusern aus der Gründerzeit mit ehemals prachtvollen Schmuckfassaden sieht es - zumindest oberflächlich von außen betrachtet - "noch gar nicht mal sooo schlecht" aus. In diesem Fall habe ich mehr Mitleid mit dem hartnäckigen Überlebenskünstler auf dem Balkon. Im Falle der alten Gründerzeithäuser tut es jedoch beinahe weh und nachdem ich inzwischen über die Hintergründe der Immobilienspekulation informiert bin, wächst mein Zorn auf diese Kriminellen mit jedem alten Haus, dass dem Abrissbagger zum Opfer fällt!

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