Dienstag, 5. April 2011

Ai Weiwei - zu gefährlich für Chinas Diktatoren


Peking, 3. April 2011: Der chinesische Künstler Ai Weiwei wurde in Peking festgenommen

Der im Jahre 1957 in China geborene Künstler Ai Weiwei begann im Jahre 1978 ein Studium an der Pekinger Filmakademie. Im Jahr darauf wurde er zum Mitbegründer der Künstlergruppe "Stars Group", die den staatlichen Leitlinien in der chinesischen Kunst ablehnend gegenüberstand. ...

Unter anderem war der international bekannte Künstler am Entwurf des unter der Bezeichnung "Vogelnest" bekannt gewordenen Stadions für die Olympischen Spiele 2008 in Peking beteiligt. Von der Propagandaschau um die Olympischen Spiele hatte er sich dann jedoch distanziert.


Die Angst der Diktatoren vor dem Volk

Am 3. April 2011 wurde Ai Weiwei auf dem Pekinger Flughafen von der Grenzpolizei festgenommen. Die Polizei durchsuchte sein Atelier in Peking und brachte acht seiner Mitarbeiter zum Verhör auf eine örtliche Polizeistation. Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die Festnahme Ai Weiweis Teil der verstärkten Verfolgung politischer Aktivisten in China. Seine Festsetzung bedeute eine neue Qualität der Einschüchterung.

Die chinesischen Behörden waren bereits seit Wochen gegen kritische Anwälte, Autoren und Menschenrechtler vorgegangen. Seit dem Februar dieses Jahres wurden viele von ihnen festgenommen. Als Grund dafür wird vermutet, dass die chinesischen Machthaber in der der "Volks"-Republik China, aufgrund der Proteste und der gesellschaftlichen Veränderungen im Norden Afrikas und im arabischen Raum Angst vor dem chinesischen Volk bekommen haben.


China und der "Rest der Welt"

In einem Filmbericht der Tagesschau sagte Frau Adelhardt (ARD, Korrespondentin) am 3. April, mit der Festnahme Ai Weiweis hätten die chinesischen Machthaber klar gemacht, dass in China niemand vor der Willkür der Einparteiendiktatur Schutz fände. Wer es wage, das Regime zu kritisieren, werde mundtot gemacht. China sei ein Polizeistaat. Damit müsse sich der Rest der Welt arrangieren.

Da die überwiegend profitorientierte Welt offenbar nicht in der Lage ist, den Machtapparat in Peking zum Einlenken in Fragen der Menschenrechte zu bewegen, werden wir uns wohl zwangsläufig damit abfinden müssen, dass die Menschen dort auch weiterhin den Repressalien des "kommunistischen" Staatsapparats und seiner Behörden ausgesetzt sein werden. Damit arrangieren darf sich die Welt - zumindest derjenige "Rest der Welt", der sich die Menschenrechte, die Demokratie und die Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat - jedoch auf gar keinen Fall.

Wer für sich Freiheit und Demokratie reklamiert, während er gleichzeitig die Maximierung der Profite seiner Wirtschaft und seiner Konzerne über die universell gültigen Menschenrechte stellt, verliert seine Glaubwürdigkeit und macht sich mitschuldig an der Unterdrückung und dem Leid der Bevölkerung in den Diktaturen dieser Welt. Das gilt insbesondere auch für die Machthaber in China, deren Regime bei all der pompösen Selbstverherrlichung vergisst, dass es eigentlich die Interessen der Republik des Volkes zu vertreten hat.

Als Bürger einer demokratischen Gesellschaft haben wir die Freiheit, unsere Volksvertreter selbst zu wählen. Damit liegt es auch in unserer Verantwortung, diejenigen Parteien zu wählen, deren Politiker nicht des schnöden Mamons willen sämtlichen Diktatoren dieser Welt gerne zu Gefallen sind.


(Quellen: Badische Zeitung vom 05.04.2011, Frankfurter Rundschau vom 04.04.2011, Spiegel vom 03.04.2011, Tagesschau vom 03.04.2011, Frankfurter Rundschau vom 02.04.2011, Tagesschau vom 10.12.2010, Wikipedia, Amnesty International)

1 Kommentar:

~DieWasserfrau~ hat gesagt…

Hallo Juwi

Über den Mut des Künstlers Ai Weiwei habe ich schon lange gestaunt. Nun haben sie ihn weg "harmonisiert" wie er es selbst nannte, als sie seine Webseite etc. ausschalteten. Danke für Deinen Kommentar, ich habe erst dadurch von seiner Verhaftung erfahren.

Viele der Chinaverherrlicher, in Blogs und so, haben ja keine Ahnung, was mit ihnen geschehen würde, wenn sie es dort wagten den Mund aufzumachen.

Ich muss sagen, die ganze Politik wird mir von Tag zu Tag unglaubwürdiger, wo auch immer.
Liebe Grüsse
Elfe

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