Mittwoch, 23. März 2011

Volkes Wille


Berlin, September 2010: Volkes Wille ...

Das kommt davon, Frau Merkel: Wenn man immer nur das hören will, was die Atomkonzerne wollen, und wenn es einem nach langjährigem Training immer erfolgreicher gelingt, den Willen des Volkes zu ignorieren, dann weiß man am Ende gar nicht was das Volk will.

Wenn dann das Volk angesichts des möglicherweise zweiten Super-GAUs innerhalb von 25 Jahren sagt, dass es sofort aus der Nutzung der Aromenergie aussteigen will, man das aber aufgrund des langjährigen Trainings nicht hören will, dann hört man das Volk zwar immer lauter meckern, aber man weiß eigentlich gar nicht was es damit sagen will.
  • Und was nun?
    Da muss ganz schnell ein Dolmetscher her!


Gesagt getan: "Ethikrat" gegründet ...

 


Dannenberg, November 2010: Volkes Wille ... (Klick öffnet Foto auf neuer Seite)

... - Der soll jetzt die Risiken bewerten die von den Atomkraftwerken und ihren strahlenden Hinterlassenschaften ausgehen und sie dann in diverse Schubladen einordnen. Die werden dann wahrscheinlich wieder mit den schon bekannten Aufklebern versehen: "Weniger gefährlich", "gefährlich", "ganz gefährlich", "ganz, ganz gefährlich", "tödlich", "sofort tödlich", "das ist aber viel zu teuer", ... - und dann wird wohl darüber diskutiert werden, was das Volk möglicherweise wollen könnte ...

  • Meine Meinung:

    Wenn die angeblichen Volksvertreter anstelle der Atomkonzerne tatsächlich das Volk vertreten würden, dann wären sie schon lange darüber im Bilde, was das Volk will. Seit der Verkündung der Laufzeitverlängerungen haben Sprecher des Volkes auf tausenden von Kundgebungen, Mahnwachen etc. verkündet, was das Volk von seinen Vertretern erwartet. Im Einzelnen hätten die angeblichen Vertreter des Volkes das übrigens auch auf unzähligen Schildern und Transparenten nachlesen können. Wenn sie es denn gewollt hätten! Diese Ethik-Kommission ist deshalb so überflüssig, wie die Atomkraftwerke in unserem Land.


Diejenigen, die jetzt sagen, die Kosten für die Stromversorgung in Deutschland würden nach dem Abschalten der Atomkraftwerke steigen, die begründen das mit dem Aufbau des für die hundertprozentige Versorgung aus regenerativen Energiequellen notwendigen intelligenten Strom-Verteilernetzes. Gerne - und vielfach leider auch erfolgreich - wird in diesem Zusammenhang aber verschwiegen, dass die Instandhaltung und der Ausbau der Stromnetze seit mindestens 10 Jahren verschlampt wird. Weiterhin werden die Milliardensummen weiterer Subventionen für die Atomkonzerne unter den Tisch gekehrt, die bei einem frühzeitigen AUS für die deutschen Atomkraftwerke zukünftig entfallen und deshalb für eine schnellere Umsetzung der Energiewende zur Verfügung stehen würden.

Eine von der internationalen Umweltschutzorganisation "Greenpeace" beim "Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft" in Auftrag gegebene Studie vom 03.09.2009 beziffert die Subventionen für die Atomenergie im Zeitraum von 1950 bis 2008 mit "mindestens 165 Milliarden Euro". Da die Studie vor der Bundestagswahl im September 2009 fertig gestellt wurde, sind die aufgrund der "Laufzeitverlängerueng" zu erwartenden zusätzlichen Subventionen in der Prognose natürlich noch gar nicht berücksichtigt. Aber bereits bei den im Atomkonsens vereinbarten Betriebszeiten der deutschen Atomkraftwerke geht die Studie von mindestens 92,5 Milliarden Euro aus, die künftig noch hinzukommen. Dem gegenüber stehen nach einer Studie des "Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft" (bdew) die Kosten für den Ausbau des Stromversorgungsnetzes in Höhe von "lediglich" bis zu 13 Milliarden Euro.


Energieverbrauch in Europa und Afrika

Dieser Globus im Bremerhavener
Klimahaus 8°Ost zeigt den Blick auf die
nächtliche Erde mit ihren beleuchteten
ten Städten. Im oberen Drittel ist deutlich
das hellerleuchtete Europa vom Atlantik
bis zum Nahen Osten zu sehen. Im ge-
samten unteren Bereich kann man den
  Kontinent Afrika nur zu erahnen. Die
wenigen Lichter sind äußerst spärlich an den
Küsten dieses - im Vergleich mit Europa -
riesigen Kontinents verteilt. Dieser Globus
zeigt deutlich, wo auf der Welt die Res-
sourcen verbraucht werden, deren
"Abfallprodukt" Kohlendioxid unter ander-
em auch Afrika großen Schaden zufügt.
Aber wie auch immer: Wir haben die Pflicht, unseren Beitrag dafür zu leisten, dass unsere Kinder und Kindeskinder auch nach vielen Generationen noch einen bewohnbaren Planeten vorfinden. Fakt ist, dass die Industriegesellschaften - und dazu gehört auch Deutschland! - jahrzehntelang weit über ihre Verhältnisse gelebt haben. Es waren sowohl die Generationen unserer Großeltern und Eltern wie auch unsere eigenen, die mit ihrem Lebensstil  dafür gesorgt haben, dass die Bedingungen für das Leben auf der Erde kurz vor dem Kollaps stehen.

Wenn wir jetzt die Schulden dafür zu begleichen haben, dann werden wir auch damit leben müssen. Im Übrigen sind 72 Prozent der Deutschen sogar dazu bereit, mehr Geld für Strom auszugeben, wenn dafür vollständig auf Atomstrom verzichtet werden würde.

Darauf, dass die Energieversorgung auch ohne Atomkraftwerke gesichert ist und die mittelfristige Stillegung der fossil befeuerten Kraftwerke beim gleichzeitigen Aufbau die vollständige Versorgung mit regenerativen Energiequellen erreicht werden kann, hatte die Süddeutsche Zeitung bereits vor zwei Jahren hingewiesen. Sie berief sich dabei unter anderem auf Gutachten des Prognos-Instituts und des Energiewissenschaftlichen Instituts der Universität Köln sowie auch auf eine Studie des Umweltbundesamtes. Die Berliner Polit-Marionetten der Atomkonzerne hätten also eigentlich nur einmal in ihren eigenen Unterlagen nachsehen müssen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die von ihnen ohne Not vorangetriebene "Laufzeitverlängerung" völliger Blödsinn ist.

Dass die Energiewende schnell kommen muss, gebietet allein schon die Notwendigkeit, dass die globale Klimaerwärmung unterhalb der im IPCC-Klimabericht von 2007 genannten "maximal plus 2 Grad"-Marke stabilisiert werden muss. Fossil befeuerte Kraftwerke dürfen nur noch für kurze Zeit zur Überbrückung von Engpässen eingesetzt werden und müssen analog zum wachsenden Anteil der regenerativen Energiequellen nach und nach stillgelegt werden. Der Neubau fossil befeuerter Kraftwerke ist zu verbieten. Der Ausbau der Netze und der Auf- und Ausbau zahlreicher dezentraler regenerativer Energiequellen muss daher schnellstmöglich umgesetzt werden.

Hamburg, München, Köln und Berlin - 26. März 2011: Volkes Wille!
Anti-Atom-Demo am 26.03.2011


(Quellen: ARD Tagesschau vom 22.03.2011 - "Stromnetzausbau" und "Atomgipfel", Süddeutsche Zeitung vom 11.03.2009, BMWi "Auch ohne Atomkraft bleibt es hell", BMU "Atomausstieg und Versorgungssicherheit", ARD Morgenmagazin vom 18.03.2011)

Kommentare:

Senioren-lobby hat gesagt…

Vor allem Guido ist ja in die Zwickmühle geraten, in die des Geldadels der Energie-Monopolisten, denn ohne kräftige Zuwendungen in unvorstellbarer Höhe für die Parteikasse, da wäre es sicher nicht zu diesen Laufzeiten Verlängerungen gekommen. Ich denke mal, da braucht sich niemand etwas vormachen.
Doch jetzt, sollte dieses tatsächlich scheitern, nun ja, da wird der gute Guido wohl alles zurück geben müssen, respektive bekommt er die vereinbarten Raten erst gar nicht.
Und das, so denke ich, das macht ihn im Moment so wirr bei seinen gravierenden Fehlentscheidungen und Statements, die er immer öfter mit "Und ich sage..." beginnt.
Einst sprach jemand, "Wahrlich, ich sage Euch...", bleibt nur zu hoffen, dass sich unsere politische Führung zurück besinnt, dass auch sie nur Menschen sind, auch wenn der Weg dahin ein langer ist, und Ostern nachdenklich stimmt...

Servus
Kvelli

Frau Momo hat gesagt…

Zu persönlichen Erbauung:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,752946,00.html

Aber wenn Du unter hohem Blutdruck leidest, überleg Dir lieber, wann Du das liest....

juwi hat gesagt…

@Kvelli: Dabei fällt mir ein: "Wer dem Teufel seine Seele verkauft, der landet irgendwann in der Hölle."

@Frau Momo: Das war doch schon klar. Ich hatte in der letzten Zeit ausreichend Gelegenheit, mit vielen fremden Leuten zu sprechen, und keiner von denen hätte etwas anderes vermutet. Daher hat mich das schon nicht mehr aufregen können. Dafür hatte es aber der Herr Kauder gestern Abend bei "Hart aber fair" geschafft, mich wieder einmal auf die Palme zu bringen.

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