Zwei Drittel der Bundesbürger lehnen die von der Bundesregierung vorangetriebene Verlängerung der Laufzeiten für die 17 deutschen Atomkraftwerke ab.
Knapp die Hälfte von ihnen plädiert dafür, schneller aus der Atomenergie auszusteigen, als es im Atomkonsens festgelegt wurde (Emnid Umfrage vom September 2009). Zum einen sind sie nicht bereit, die Verlängerung der ohnehin schon viel zu lang anhaltenden permanenten Bedrohung durch den Betrieb der Atomkraftwerke über die im Atomkonsens vereinbarten Fristen hinaus zu akzeptieren, und zum anderen lehnen sie es ab, mit jedem einzelnen Atomtransport zu den "zentralen Zwischenlagern" in Ahaus, Gorleben und Lubmin unnötigen Sicherheitsrisiken ausgesetzt zu werden.
Solange es kein Atommüllendlager für hochradioaktiven Atommüll gibt, in dem dieser garantiert über Millionen von Jahren sicher gelagert werden kann, sollten die Castoren mit ihrem hochradioaktiven Inhalt in Lagern an den Kraftwerkstandorten der Atommüllproduzenten gelagert werden. Sobald es dort keinen Platz mehr gibt, müssen die Atommüllquellen außer Betrieb genommen werden. Machen wir uns doch nichts vor: Solange es kein sicheres "Endlager" gibt, sind die ZwischenLager bei den Atommeilern ebenso wie die zentralen ZwischenLager faktisch nichts anderes als Lager für hochradioaktiven Atommüll, für den es keinen anderen Platz gibt, an dem man ihn lagern könnte.
Soweit mir bekannt ist, hat es bisher noch kein Lebewesen gegeben, das ein Lebensalter von mehreren Millionen von Jahren erreicht hat. Zu den Lebewesen mit der höchsten Lebenserwartung zählen die Bäume. Im Vergleich mit den langen Halbwertszeiten einiger Bestandteile des hochradioaktiven Atommülls erreichen einige Bäume gerade einmal das unbedeutende Alter von einigen Tausend Jahren. Einzelne Vogel- oder Reptilarten könnn im Schnitt um die 100 Jahre alt werden. Menschen haben je nach ihren Umweltbedingungen eine mittlere Lebenserwartung, die zum Teil deutlich unter 100 Jahren liegt. Einzelne Menschen, die ihren einhundertsten Geburtstag erleben, sind die große Ausnahme.
Somit gibt es auch niemanden, der die Garantie dafür unternehmen könnte, dass es im Verlauf derart langer Zeiträume zu keinerlei Veränderungen in den geologischen Strukturen in der Umgebung und am Standort des "Endlagers" kommen kann. Wenn heute ein Mensch erklärt, er könne für eine solche Garantie die Gewährleistung übernehmen, dann ist die Garantie nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben steht.
Logisch wäre es deshalb, die Bundesregierung würde daraus endlich die Konsequenzen ziehen, und die weitere Atommüllproduktion umgehend einstellen, in dem sie die Genehmigung für den weiteren Betrieb der Atomkraftwerke widerruft. Satt dessen will sie diese aber sogar noch länger als bisher im Atomkonsens vereinbart laufen lassen, handelt unter Umgehung der Opposition und ohne die Bundesbürger darüber zu informieren Geheimverträge mit den Atomkonzernen aus und sorgt so dafür, dass der Atommüllberg auch weiterhin noch kräftig anwachsen und die tödlich strahlende Fracht noch über viele weitere Jahre hinweg sinnlos hin- und hertransportiert wird. Dabei nimmt sie billigend in Kauf, das bei möglichen Unfällen während der Transporte ganze Regionen radioaktiv verseucht werden können.
Dass diese Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist, belegt ein Interwiew, das Greenpeace mit dem Ingenieur Herrn Schlich im Jahre 1998 geführt hat. Herr Schlich lehrt ist Herausgeber des "Schwarzbuch Castor" (Öko-Institut, Freiburg 1998). Von 1977 bis 1983 arbeitete er für die Hanauer Atomfirma Nukem. Bei deren Tochterfirma Transnuklear analysierte er Anfang der 80er Jahre die Schwachstellen des Castor-Konzeptes.
Castor-Strecken-Aktionstag
Um auf die gefährlichen Castortransporte aufmerksam zu machen, findet am 23. Oktober 2010 der "Castor-Strecken-Aktionstag" statt. Im Herbst und im Frühjahr 2011 werden Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus, von La Hague nach Gorleben und von Karlsruhe nach Lubmin stattfinden. Atomkraftgegner werden entlang der in Frage kommenden Bahnstrecken auf vielfältige Weise gegen die bevorstehenden Atommülltransporte und für das Aus der Atomkraftwerke protestieren. Da der erste Atommülltransport aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague nach Gorleben nicht vor dem 5. November stattfinden wird, hat der "Castor-Strecken-Aktionstag" eine rein symbolische Bedeutung. Zahlreiche, phantasievolle Aktionen an möglichst vielen Orten entlang der Castorstrecken sollen die Transportrouten und die Proteste dagegen sichtbar machen.
Wer braucht in dieser reichen Jahreszeit schon Reis, Bananen, Kiwis, Ananas, Mango oder Pampelmusen? Die Märkte quellen über mit den Früchten der heimischen Ernte des Jahres. Jetzt gibt es jede Menge frische Äpfel, Birnen, Kürbisse, Kartoffeln im Angebot.
Wer allerdings Wert darauf legt, landwirtschaftliche Produkte aus der Region zu kaufen, der sollte schon etwas genauer hinsehen, und gegebenenfalls auch einmal nachfragen, wenn die Herkunft der Ware am Verkaufsstand auf dem Wochenmarkt einmal nicht eindeutig gekennzeichnet sein sollte. Anderenfalls könnte es einem nämlich zum Beispiel passieren, dass man - im Glauben, Äpfel aus dem Alten Land eingekauft zu haben - aus dem Ausland importierte Äpfel in seiner Obstschale liegen hat. Dazu gibt es einen interessanten Beitrag des Bremer Regional-Magazins "Buten un Binnen" vom 13. Oktober 2010.
"Wasser sollte einen Marktwert haben" (Peter Brabeck, Nestlé Gruppe, Konzernchef) Filmausschnitt aus "We Feed the World - Essen Global" von Erwin Wagenhofer
Der Anspruch auf sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der UNO schätzt den Trinkwasserbedarf eines Erwachsenen auf zwei Liter und den eines Kindes auf einen Liter pro Tag.
Bei uns kommt das Trinkwasser aus der Wasserleitung. Wir sind daran gewöhnt, dass es unbegrenzt zur Verfügung steht, sobald wir den Wasserhahn aufdrehen. Kaum jemand verschwendet einen Gedanken daran, dass es vorher einen aufwändigen Aufbereitungs- und Reinigungsprozess durchlaufen hat. Aber auch wenn es so heißt: Tatsächlich getrunken wird in den Industrienationen der geringste Anteil des Trinkwassers.
Verschwendung und Mangel
Der größte Anteil unseres Trinkwasserverbrauchs geht beim Wäschewaschen oder bei der Körper-, Geschirr- oder Wohnungsreinigung drauf. Wir waschen damit unsere Autos und sprengen an heißen Tagen unseren gepflegten "englischen Rasen" - oder wir spülen es mehrmals täglich gedankenlos durch das Klo. In Deutschland verbraucht auf diese Weise jeder Bundesbürger durchschnittlich ungefähr 125 Liter Trinkwasser am Tag. Das lässt sich aber durchaus noch übertreffen. In Italien kommen die Leute im Schnitt auf einen Trinkwasserverbrauch von 800 Litern pro Tag und Einwohner.
In anderen Ländern gehen die Menschen bedeutend sorgsamer mit ihrem Trinkwasser um. Warum das so ist, kann man sehr gut nachvollziehen, wenn man einmal das "Klimahaus 8° Ost" in Bremerhaven besucht hat.
Klimahaus 8° Ost: Niger, 1:1 Ausschnitt aus der Wüste
Dort kommt man auf einer "Reise" rund um die Welt entlang des achten Längengrades auch nach Niger (Afrika). Etwa zwei Drittel der Staatsfläche Nigers besteht aus zur Sahara gehörenden Wüsten. Die südlichen und südöstlichen Landesteile liegen in der Sahelzone, dem "Ufer der Wüste", am nördlichen Rand der Trockensavanne. Seit dem Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts verwandelten mehrere Dürren das Land zunehmend in eine wüstenartige Landschaft. Das ist das Land der Tuareg, einem Nomadenvolk, das seit Jahrhunderten auf der Suche nach Nahrung für seine Tiere das Land durchstreift. Dort gibt es weder Wasserleitungen noch Wasserhähne.
Wasser ist jedoch in großen, fossilen Reservoirs unter der Sahara überall vorhanden. Man muss nur tief genug graben. Wer Wasser braucht, der geht zum Brunnen. Grundwasser findet man durchschnittlich in siebzig Metern Tiefe. Es kommt jedoch auch vor, dass man erst in einer Tiefe von 120 Metern auf Wasser stößt.
Klimahaus 8° Ost: Niger, Trinkwasserversorgung aus einem Brunnen
Wer im trocken-heißen Klima Nigers einen Brunnen gegraben und Wasser geholt hat, der hat schwere, körperliche Arbeit verrichtet. Entsprechend sorgsam wird er mit dem Wasser umgehen. Dabei würden wir bei uns in Deutschland das Brunnenwasser kaum als Trinkwasser bezeichnen. Aber die Tuareg in Niger haben kein anderes Wasser. Ein Zitat eines Tuareg-Mädchens im Klimahaus: "Manchnmal bin ich krank vor Bauchweh, weil das Wasser so schmutzig ist. Aber außer dem Wasser aus dem Brunnen haben wir keins. Also trinken wir es - auch wenn es uns krank macht."
Etwa drei Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In vielen Entwicklungsländern ist das die Hauptursache für die meisten Krankheiten und Todesfälle.
Wasser ist Leben
Klimahaus 8° Ost: Niger, Projektion über der "Wüste"
Nur 48 Millionen Kubikkilometer (3,5 %) des auf der Erde verfügbaren Wassers ist Süßwasser. Dampfförmig steigt Wasser aus den Meeren in die Atmosphäre auf. Das Salz bleibt dabei im Meer zurück, und das Wasser umkreist als Wolken unseren Planeten. Flüssige oder gefrorene Niederschläge über den Landflächen der Erde ergänzen den Süßwasservorrat in den Seen. Über fließende Gewässer verteilt sich das Niederschlagswasser über das Land und tränkt den Boden im Bereich von Bächen und Flüssen, auf dem unsere Nahrungspflanzen wachsen. Ein Teil des Niederschlags versickert im Boden und ergänzt dort die Grundwasservorräte, die mit 68,7 Prozent den mit Abstand größten Teil des in flüssiger Form vorliegenden Süßwassers bilden. Lediglich 0,9 Prozent des Süßwassers kommen als Oberflächenwasser vor.
Die Brunnenvergifter der Neuzeit
Große Mengen des verfügbaren Süßwassers werden in den Industrienationen für industrielle Produktionsprozesse und für die Kühlung von Großkraftwerken gebraucht. Anschließend sind sie mit Schadstoffen belastet. Selbst die Landwirtschaft in den Industriestaaten trägt industrielle Züge. Um die Produktion zu steigern, wird kräftig gedüngt und mit Herbiziden und Pestiziden wird auch nicht gespart. Mit dem Regen gelangen die Schadstoffe in die Flüsse und tragen so ebenfalls zur Verunreinigung des verfügbaren Süßwassers bei.
Der Baikalsee in Sibirien (Russland) ist mit 1642 Metern der tiefste und mit mehr als 25 Millionen Jahren der älteste Süßwassersee der Erde. Sein Wasser ist ein wichtiges Trinkwasser Reservoir. Das hielt die kommunistische Regierung der Sowjet Union aber nicht davon ab, an seinem Ufer Papierfabriken zu bauen, in denen die Bäume der umliegenden Wälder verarbeitet wurden. Die giftigen Abwässer aus der Papierproduktion gelangten ungereinigt in den Baikal.
Ich könnte wahrscheinlich nahezu endlos mit der Aufzählung von Verschmutzungen potentiellen Trinkwassers im großen Maßstab fortfahren. Um zu zeigen, dass der als Trinkwasser nutzbare Anteil des Süßwassers dadurch erheblich vermindert wird, soll das hier aber erst einmal ausreichen. Die Brunnenvergifter des Industriezeitalters vermehren damit ungestraft ihren Gewinn. Die Brunnenvergifter des Mittelalters wurden gnadenlos verfolgt (wobei der Volkszorn allerdings wohl oft Unschuldige traf, wenn er sich pauschal gegen Minderheiten richtete - und auch unter den Industrieunternehmen gibt es sicherlich sowohl schwarze Schafe, wie auch positive Vorbilder).
Das Schmelzen der Gletscher
Es sind jedoch nicht nur die Wasserverschmutzer, die kräftig dazu beitragen, dass auch in den Industrienationen das Trinkwasser eines Tages möglicherweise nicht mehr unbegrenzt aus den Wasserhähnen strömt. Mit 24,4 Millionen Kubikkilometern - das sind 1,77 Prozent des gesamten auf der Erde verfügbaren Wassers - ist das meiste Süßwasser im Polareis, in Gletschern und in Permafrostböden gebunden.
Klimahaus 8° Ost: Schweiz, Gletscher
Das erste Etappenziel der "Reise" entlang des achten Längengrades im Bremerhavener "Klimahaus 8° Ost" ist Isenthal in der Schweiz. Dort erfährt man unter anderem, dass der rapide Anstieg der mittleren globalen Temperatur ein immer schnelleres Abschmelzen der Gletscher in den Hochgebirgen bewirkt. Die Gletscher haben aber eine wichtige Regelfunktion: Sie halten die Niederschläge zurück, so dass diese erst langsam und zeitverzögert als Schmelzwasser das Land bewässern anstatt sofort zu Tal zu rauschen. Gletscherwasser ist die wichtigste natürliche Süßwasserreserve in den Hochgebirgen. Das endgültige Verschwinden der Gletscher hätte verheerende Folgen für die Menschen im Gebirge und deren Umwelt.
Nach den Eismassen des Nord- und des Südpols liegt die drittgrößte Eismasse der Welt in den Hochlagen des Himalaya. Im Unterschied zu den Eismassen an den Polen leben von den im Eis des Himalayas gebundenen Süßwassereserven jedoch mehr als zwei Millarden Menschen. Allein der Indus, Ganges und der Brahmaputra werden zu 80% vom Schmelzwasser aus dem Himalaya gespeist. Würde deren "Quelle" versiegen, dann brächen in Indien zum Beispiel die landwirtschaftlichen Bewässerungssysteme zusammen und es käme zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung. Einem der fruchtbarsten und bevölkerungsreichsten Länder der Erde würde eine beispiellose Katastrophe drohen: Mit dem Verschwinden der Gletscher würden sich die landwirtschaftlichen Flächen in Dürregebiete verwandeln.
Das Eis in den Herzen der Menschen schmelzen
Und es sind nicht nur die Gletscher, die schmelzen: Auch die polaren Eismassen sind davon betroffen - bisher vor allem diejenigen in der Arktis. Der seit Jahren beobachtete Eisflächenverlust des Polarmeeres nimmt inzwischen besorgniserregende Ausmaße an, und auch das Festlandeis Grönlands beginnt zu schmelzen. Beim "Kirchentag am Meer" im Mai 2009 erzählte Angaangaq, ein Schamane aus Grönland, die Geschichte, wie die jungen Jäger aus seinem Volk den Beginn der Klimaveränderung bemerkten.
Die Jäger zogen zum Großen Eis - Angaangaq benutzte den Ausdruck "Big Ice" - um dort zu jagen. Wie sie es immer taten, baten sie den Schöpfer mit einer Zeremonie um eine gute Jagd, als sie an der Wand des Großen Eises angekommen waren. Bei diesem Mal war es das erste Mal, dass sie, als sie an der Wand des Großen Eises entlang nach oben schauten, Wasser daraus herausfließen sahen. Das war im Jahre 1963. Als sie mit Nahrung von der Jagd zurückgekehrt waren, erzählten sie den Ältesten von ihrer Entdeckung. Angaangaq sagte, das Dorf der Jäger läge nicht weit entfernt von der amerikanischen Millitärbasis in Grönland, und die Ältesten vermuteten, die Jäger hätten dort wohl zuviel Bier getrunken. Sie meinten, der Bericht der Jäger beruhe auf Phantasien aus ihrem Alkoholrausch und schenkten den Worten der jungen Jäger keinen Glauben.
Im Herbst des gleichen Jahres gingen die Ältesten selbst jagen. Als sie ihre Zeremonie am Fuße der Wand des Großen Eises feierten, wurden dann auch sie Zeuge davon, wie das Wasser aus dem Eis floss ...
Darin, dass der Klimawandel menschengemacht ist, besteht international spätestens seit dem IPCC Klimareport 2007 weitgehende Übereinstimmung. Nach dem Stand von Wissenschaft und Forschung besteht auch Einigkeit darüber, welche langfristigen Folgen das für die Menschheit haben wird, wenn nicht innerhalb kürzester Zeit auf die Klimaänderung reagiert wird. Aber die Einsicht in die Notwendigkeit zu handeln, und die Aufgabe liebgewonnener Bequemlichkeiten zugunsten der Erhaltung der Lebensgrundlagen für die Zukunft aller noch folgenden Generationen sind zwei Paar Schuhe. Dafür gibt es bei uns ein bekanntes Sprichwort: "Der Geist ist willig - allein, das Fleisch ist schwach." Angaangaq hat das so ausgedrückt: "Es ist leicher das Große Eis Grönlands zu schmelzen, als das Eis in den Herzen der Menschen."
Und das trifft nicht nur sinnbildlich auf den fahrlässigen Umgang der Nationen der Welt mit dem Klimawandel zu, der mit dem katastrophalen Ausgang des Weltklimagipfels in Kopenhagen deutlich wurde, sondern ebenso auch auf die großen Worte und Gesten im Zusammenhang mit der Festschreibung des Menschenrechts auf sauberes Trinkwasser einerseits, und dessen schleppende Umsetzung durch die Weltgemeinschaft andererseits.
Zwar wird schon versucht, das Problem mit Hilfe von Entwicklungsprojekten in den Griff zu bekommen. Bei mehr als zwei Dritteln der Betroffenen kommt diese Hilfe jedoch gar nicht an. Dafür gibt es viele Ursachen. Auf europäischer Ebene ist zum Beispiel die Bindung der Förderung der Entwicklungshilfe an private Wasserversorgungsunternehmen ein Grund dafür. Hilfe zur Selbsthilfe oder genossenschaftliche Lösungen werden nicht gefördert. Aus meiner Sicht müsste aber gerade hier angesetzt werden. Die bisherige Praxis wird nur zu neuen Abhängigkeiten von den Geberländern führen. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass weniger Geld für die weltweit gesicherte Wasserversorgung zur Verfügung gestellt werden, als es die großen Worte der Politiker vermuten lassen, so dass die verügbaren finanziellen Mittel nur für einige wenige Projekte ausreichen.
Die Macht internationaler Konzerne
"Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben.
Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht.
Und da gibt es zwei verschiedene Anschauungen.
Die eine Anschauung, extrem würde ich sagen, wird von einigen von den NGOs vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heißt, als Mensch sollten sie einfach recht haben, um Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung, ja?
Und die andere, die sagt: Wasser ist ein Lebensmittel. So wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben. Ich persönlich glaube, es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, so dass wir alle bewusst sind, dass das etwas kostet, und dann anschließend versucht, dass man mehr spezifisch für diesen Teil der Bevölkerung, der keinen Zugang zu diesem Wasser hat, dass man dann dort etwas spezifischerer eingreift, und da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten - also ...!"
Peter Brabeck (Nestlé Gruppe, Konzernchef) in "We feed the World - Essen Global" (Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer aus dem Jahre 2005)
Der Nestlé Konzern ist weltweit der größte Abfüller von Trinkwasser.
In einem der vorhergehenden Abschnitte des Films wird der Anbau von genmanipuliertem Soja eines der weltgrößten Produzenten und Vertreibers genmanipulierter Nahrungsmitteln in Brasilien gezeigt, dessen Anbauflächen große Teile des Amazonas-Regenwaldes zum Opfer fielen. Im Kontrast dazu ist im gleichen Abschnitt eine mittellose Kleinbauernfamilie zu sehen, die lehmiges Wasser aus einer Regenpfütze schöpft. Diese Familie gehört dem Viertel der Bevölkerung Brasiliens an, das unter chronischem Wasser- und Nahrungsmangel leidet, während das genmanipulierte Soja nach Europa transportiert wird, um es in Österreich an Geflügel zu verfüttern.
Nachdem ich vorher diese Szene des Films gesehen hatte, die mich ahnen ließ, was der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser bedeutet, empfand ich die oben zitierte Aussage Herrn Brabecks im Schlussteil von "We feed the World" einfach nur abstoßend und abscheulich!
Klimahaus 8° Ost: Zentrale Aussage in der gesamten Ausstellung
Mit der Zulassung der genmanipulierten BASF-Kartoffelsorte "Amflora" hat die Europäische Kommission zum ersten Mal seit 12 Jahren, erneut den Anbau genmanipulierter Pflanzen bewilligt. Mit dieser Entscheidung stellte sie den Profit der Gentechnik-Lobby über das Interesse von 66 Prozent der Bürger Europas.
Nachdem Anfang September auf einem Amflora-Acker des BASF-Konzerns in Schweden nicht genehmigte, genmanipulierte BASF-Kartoffeln der Sorte "Amadea" gefunden wurden verlangte Herr Backhaus (SPD, Mecklenburg-Vorpommern, Agrar- und Umweltminister), der Anbau der bereits zugelassenen genmanipulierten Kartoffelsorte Amflora müsse in Deutschland untersagt werden. Auch in Brüssel sei man höchst beunruhigt darüber, dass zugelassene gentechnisch veränderte Kartoffelsorten mit nicht zugelassenen Sorten vermischt würden. Das dürfe nicht passieren.
Der Vorfall zeigt, wie unkontrollierbar die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen ist. Und er führt uns drastisch vor Augen, dass die Aussaat genmanipulierter Pflanzen ein unkalkulierbares Risiko ist und bleibt. Um dem einen Riegel vorzuschieben, hatte das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ im März 2010 eine Petition an die EU initiiert, mit dem Ziel, eine Europäische Bürgerinitiative gegen die Zulassung genveränderter Pflanzen zu realisieren. Dafür wären eine Million Unterschriften von Bürgern europäischer Staaten notwendig gewesen. Am 29. September 2010 wurde dieses Ziel erreicht. Inzwischen haben weitere 134000 Menschen die Petition unterzeichnet. Jeder, der sich noch an der Petition beteiligen möchte, bevor sie an Herrn Barroso übergeben wird, hat auf der Internetseite von AVAAZ die Möglichkeit dazu.
Der Wortlaut der Petition:
An den Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso: Wir fordern Sie auf, ein Moratorium für die Einführung von genmanipulierten Nutzpflanzen in Europa zu erlassen, eine ethisch und wissenschaftlich unabhängige Forschungskommission ins Leben zu rufen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln untersucht, sowie strenge Auflagen zu erlassen.
Am 15. Oktober 2010 ist "Blog Action Day": Wasser ... Alles ist aus dem Wasser entsprungen
Alles wird durch Wasser erhalten! Ozean, gönn' uns dein ewiges Walten. Wenn du nicht Wolken sendetest, Nicht reiche Bäche spendetest, Hin und her nicht Flüsse wendetest, Die Ströme nicht vollendetest, Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt? Du bist’s der das frischeste Leben erhält!
Johann Wolfgang Goethe (1749–1832)
Die Weltmeere bedecken 71 Prozent der Oberfläche unseres Planeten. Im Ozean liegt der Ursprung des Lebens. Ohne Wasser wäre die Erde ein toter Planet. Ohne Süßwasser gäbe es kein Leben auf dem Land.
"Alles wird durch Wasser erhalten! Ozean, gönn' uns dein ewiges Walten ..."
Wasser aus dem Gleichgewicht
71 Prozent der Oberfläche der Erde sind vom Ozean bedeckt. Das ist eine kaum fassbare Menge Wasser. Aber nur 2,6 bis 3,5 Prozent des Wassers auf der Erde sind Süßwasser - Und wie bei den meisten Dingen kommt es auch beim Wasser auf die richtige Dosierung an.
Ein "Zuviel" an Wasser kann tödlich sein. Wir alle haben noch die monatelangen Überschwemmungen in Pakistan vor Augen. Auch in Deutschland führen hohe Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeiträume immer häufiger zu gefährlich hohen Pegelständen in den Flüssen. Da, wo die Dämme nicht halten richten Überschwemmungen große Schäden an.
Ein "Zuwenig" an Wasser ist jedoch ebenso tödlich. Da, wo das Wasser verschwindet, versteppt das Land. Wüsten breiten sich aus. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen gehen verloren. Die Menschen hungern und dursten. Die Vegetation verdorrt. Die Tiere, die dazu in der Lage sind, wandern ab und suchen sich neue Lebensräume - und stören dadurch möglicherweise das Gleichgewicht bisher intakter Lebensgemeinschaften. Das gleiche gilt für diejenigen Menschen, die - wenn sie überleben wollen - ihre unbewohnbar gewordene Heimat verlassen müssen. Seit 1985 gibt es dafür einen Begriff: Neuerdings nennt man diese Menschen Umweltflüchtlinge.
Alles hängt von allem ab
Auch beim diesjährigen "Blog Action Day" dreht sich alles um das Wasser, unserem wichtigsten Rohstoff. Nahezu drei Milliarden Menschen haben derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Wird das Gleichgewicht des Wasserkreislaufs gestört, dann betrifft das nicht nur die Menschen in der Sahelzone oder diejenigen, die entlang des Indus und seiner Nebenflüsse leben. Auch das Gleichgewicht funktionierender Gesellschaftsstrukturen benachbarter Staaten verändert sich. Letztlich betrifft es die gesamte Menschheit - und alle unsere Mitgeschöpfe auf der Erde.
Der chinesische Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Liu Xiaobo wurde am 28.12.1955 in Changchun (China) geboren. Während der Kulturrevolution von 1969 bis 1973 schickte man ihn zusammen mit seinen Eltern in die Volkskommune Dashizhai (Innere Mongolei). Im November 1976 bekam er Arbeit bei einer Baufirma in Changchun.
Nachdem er von 1977 bis 1982 an der Jilin-Universität Literatur studiert hatte, wechselte er an die Pädagogische Universität Peking. Dort schloss er sein Studium 1988 mit dem Doktortitel in Literatur ab. Auf eine dreimonatige Einladung an die Universität Oslo im Jahre 1988, folgten Aufenthalte an der University of Hawaii und der Columbia University.
Studentenproteste
Im Jahr darauf beteiligte Liu Xiaobo sich an den Studentenprotesten auf dem "Platz des himmlischen Friedens" in Peking, die in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 von den chinesischen Machthabern mit dem "Tian’anmen-Massaker" blutig beendet wurden. Durch sein besonnenes Handeln bewahrte er dabei viele Studenten vor sinnloser Selbstopferung.
Im Anschluss an die Niederschlagung der Studentenproteste wurde er festgenommen und verlor seine Arbeit. Nach seiner Inhaftierung von 1989 bis 1991 beteiligte er sich an der Demokratiebewegung und schrieb. Seine Arbeiten konnte er jedoch nur noch im Ausland veröffentlichen.
Auf eine sechsmonatige Haft im Jahre 1995 folgte in den Jahren von 1996 bis 1999 der Versuch einer "Umerziehung durch Arbeit". Nach seiner Entlassung lebte er als freier Schriftsteller in Peking und wurde im November 2003 zum Präsidenten des chinesischen PEN-Clubs gewählt.
Einsatz für die Menschenrechte
Im Dezember 2008 unterstützte er zusammen mit 302 anderen Intellektuellen das im Internet veröffentlichte Bürgerrechtsmanifest "Charta 08" zum Internationalen Tag der Menschenrechte. Zwei Tage vor dem 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wurde er in seiner Wohnung in Peking wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" festgenommen und im Dezember 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua habe er gestanden, Gerüchte verbreitet und die chinesische Regierung diffamiert zu haben.
Die scharfe Kritik der EU und der USA und die damit verbundene Aufforderung an die chinesischen Machthaber, Liu Xiaobo sofort frei zu lassen, bezeichneten diese als Einmischung in innere Angelegenheiten Chinas. Zuvor hatte der Rat der Europäischen Union China aufgefordert, Liu Xiaobo im Rahmen der in der Verfassung der Volksrepublik China garantierten Rechte zur freien Meinungsäußerung sowie des 1998 von China unterzeichneten Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte unverzüglich freizulassen und die strafrechtliche Verfolgung einzustellen.
Friedensnobelpreis
Am 8. Oktober 2010 gab das Nobelpreis-Komitee bekannt, dass Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Als Begründung wurde sein "langer und gewaltloser Kampf für fundamentale Menschenrechte in China" angegeben.
Amnesty International begrüßte die Verleihung des Friedensnobelpreises an den inhaftierten chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo. Herr Pleiter(AI Deutschland, China-Experte) sagte: "Liu Xiaobo hat den Friedensnobelpreis mehr als verdient. Er steht stellvertretend für all diejenigen, die sich in China für die Menschenrechte einsetzen."
Am 10. Oktober erhielt Liu Xiaobos Frau, Liu Xia, die Genehmigung, ihren Mann in der Haft zu besuchen. Liu Xia berichtete anschließend, ihr Mann widme den Nobelpreis den Opfern des Tian’anmen-Massakers von 1989. Seit ihrer Rückkehr nach Peking steht sie unter Hausarrest. China schreckt offenbar auch vor Sippenhaft nicht zurück.
Zensur
Chinas Machthaber versuchen alles, um die Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo zu vertuschen. So wurden zum Beispiel Internetzugänge erschwert und ausländische Fernsehsendungen über Liu Xiaobo gestört. Das staatliche chinesische Fernsehen und chinesische Zeitungen umschrieben die Tatsache, dass der Bürgerrechtler Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, mit der knappen Meldung, ein inhaftierter Krimineller habe einen Preis bekommen. Die chinesische Zensur funktioniert innerhalb der "Volksrepublik" so gut, dass der Mann, der seit Jahrzehnten für Bürgerrechte und Demokratie kämpft, und dafür nun schon zum dritten Mal im Gefängnis sitzt, für die meisten Chinesen ein Unbekannter ist. In einem Artikel der Tagesschau vom 11.10.2010 ist zu lesen, lediglich die chinesische Online-Zeitung "Business Times" habe einen ausführlichen Bericht über das Leben Liu Xiaobos gebracht. Die Webseite der Zeitung sei daraufhin umgehend von den Zensoren blockiert worden.
Die Glückwünsche an Liu Xiaobo aus dem Ausland erreichten nicht einmal Xiaobos Frau. Sowohl chinesische Bürger als auch ausländische Journalisten werden von den Bewachern abgewiesen. So auch Herr Sharp (EU, Diplomat), der ein Glückwunschschreiben von Herrn Barroso (EU, Kommissionspräsident) überbringen wollte. Herr Sharp sagte am 11.10.2010 in den "Tagesthemen" der ARD: "Wir dürfen die Wohnanlage ohne Einladung nicht betreten. Uns wurde gesagt, dass wir erst jemanden drinnen anrufen müssen, der uns dann am Tor abholt. Aber wir können Liu Xia nicht kontaktieren, weil ihr Telefon abgeschaltet wurde."
Ich glaube, man muss wohl schon mit den Eigenschaften eines guten Diplomaten ausgestattet sein, um angesichts dieses plump-dreisten Umgangs des chinesischen Überwachungsstaates mit der internationalen Weltöffentlichkeit nach außen hin einen völlig ruhigen Eindruck erwecken zu können.
Zitate:
"Wenn ein Mann zu elf Jahren Gefängnis verurteilt wird, nur weil er seine Meinung gesagt hat, ist es unmöglich für das Komitee, ihm den Preis nicht zu verleihen."
Thorbjoern Jagland, Präsident des norwegischen Nobelpreiskomitees.
"Die Verleihung des Preises an Liu Xiaobo ist Ansporn und Mahnung, die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern weltweit zu unterstützen und in unserem Eintreten für Meinungsfreiheit nicht nachzulassen."
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP).
"Die Bundesregierung wünscht sich, dass er aus der Haft freikommt und den Preis selber in Empfang nehmen kann."
Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung.
"Liu Xiaobo hat den Friedensnobelpreis mehr als verdient. Er steht stellvertretend für all diejenigen, die sich in China für die Menschenrechte einsetzen."
Amnesty International, deutsche Sektion.
"Eine schallende Ohrfeige für Chinas Machthaber."
Ulrich Delius, Asienreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker.
"Die Entscheidung des norwegischen Komitees ist von historischer Tragweite für all diejenigen, die sich für das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit in China engagieren."
Die Journalistenvereinigung „Reporter ohne Grenzen".
"Das ist ein Appell an Chinas Demokratisierung."
Cui Weiping, Professorin an der Pekinger Filmakademie und Mitunterzeichnerin des Demokratie-Manifests „Charta O8".
"Die Auszeichnung Liu Xiaobos ist ein Sieg für die chinesische Demokratiebewegung."
Zhang Xianling, Mitbegründerin der „Tian’anmen-Mütter", die einen Sohn bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 auf dem Tian’anmen-Platz in Peking verlor.
"Liu Xiaobo ist ein Verbrecher, der chinesische Gesetze verletzt hat. Liu die Auszeichnung zu geben, widerspricht den Prinzipien des Friedensnobelpreises."
Ma Zhaoxu, Sprecher des chinesischen Außenministeriums.
"Es ist kein Geheimnis, dass China gesagt hat, dass ein solcher Preis seine Konsequenzen haben werde. Aber wir haben die ganze Zeit betont, dass das es eine klare Trennung zwischen dem unabhängigen Nobelkomitee und der norwegischen Regierung gibt."
Jonas Gahr Stoere, norwegischer Außenminister, zu möglichen Reaktionen Chinas.
"Artikel 35 von Chinas Verfassung hält fest, dass 'die Bürger Chinas Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit sowie das Recht auf Prozessionen und Demonstrationen genießen'."
Auszug aus der Begründung für den Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo
Gestern, am 10.10.2010, trafen sich überall auf unserem Planeten Menschen zur "Gobal Work Party" um auf weiterhin dringend notwendige Maßnahmen zur Verhinderung der schlimmsten Auswirkungen der Klimakatastrope aufmerksam zu machen. Der Tag war eine weltweite Demonstration gegen die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen der Nationen dieser Welt.
Aufgerufen zu dieser internationalen Demonstration hatte die Organisation "350.org". Der Name 350.org steht für eine Kohlendioxid-Konzentration (CO2) in der Atmosphäre unseres Planeten von 350 ppm. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dies die maximale Konzentration von CO2 in der Atmosphäre ist, unterhalb der sich die globale Klimaerwärmung noch stabilisieren lassen könnte. Zur Zeit liegt die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre bei 390 ppm.
CO2, das über sehr lange Zeiträume von Pflanzen aus der Atmosphäre entnommen, und nach deren Absterben, durch geologische Prozesse unterirdisch in Kohle und Erdölvorkommen gebunden wurde, hat die Menschheit im Verlauf von nur knapp zwei Jahrhunderten mit der Verbrennung der fossilen Energieträger wieder in die Atmosphäre geblasen. Schmelzendes Eis an den Polen, das Verschwinden der Gletscher in den Hochgebirgen, sich ausbreitende Dürren, sterbende Wälder, sterbende Korallenriffe und das drohende Kippen des biologischen Gleichgewichts in den Meeren .... - für all das sind die Menschen, und allen voran diejenigen in den Industrienationen, verantwortlich. Auch das Abholzen riesiger Regenwaldgebiete trägt dazu bei, dass weniger CO2 aus der Atmosphäre in den biologischen Kreisläufen gebunden wird.
Die mittlere globale Temperatur steigt weiterhin an. Der IPCC-Klimareport von 2007 sagte, ein weiterer Anstieg über weitere 2 Grad C° hinaus, würde das Gleichgewicht kippen lassen. Der weitere Anstieg der mittleren globalen Temperatur auf unserem Planeten ließe sich dann nicht mehr aufhalten. Deshalb ist es notwendig, die CO2-Emissionen innerhalb kürzester Zeit einzustellen. Für dazu notwendige Reaktionen nennt der Klimareport einen Zeitraum von 13 Jahren im Raum. Drei dieser Jahre sind seit 2007 bereits nahezu tatenlos verstrichen. Vor knapp einem Jahr endete der Weltklimagipfel in Kopenhagen, auf dem alle Hoffnungen für eine verbindliche internationale Vereinbarung über ein weltweit koordiniertes Vorgehen gelegen hatten, in einem Desaster.
Die für den Schutz des Klimas notwendigen Ziele lassen sich nur mit einem sehr schnellen Umbau der fossilen Energieerzeugung zu einer auf erneuerbare Energiequellen basierenden Energieerzeugung erreichen. Nur wenn der Menschheit das noch gelingt, werden die Wälder und Ozeane wieder etwas von dem CO2 in der Atmosphäre aufnehmen können und die CO2 Konzentration im Verlauf eines längeren Zeitraums auf ein sicheres Niveau reduzieren.
Menschen aus 188 Ländern in allen Kontinenten der Welt haben gestern bei 7374 Aktionen wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, dass ihnen eine intakte Umwelt und eine lebenswerte Zukunft für ihre Nachkommen am Herzen liegen. Heute - im Jahre eins nach Kopenhagen - ist es jetzt an der Zeit, dass die Regierungen aller Nationen der Erde endlich die notwendigen Weichen dafür stellen!