Montag, 11. März 2013

Fukushima mahnt ...

Gedenkveranstaltungen in Deutschland, Österreich (Wien) und der Schweiz (Scuol)
(Karte, Quelle: .ausgestrahlt, Google Maps)

Zum Gedenken an die Opfer der zweifachen Naturkatastrophe am 11. März 2011 in Japan und zur Mahnung für die von der darauf folgenden Atomkatastrophe verschont gebliebenen Menschen in aller Welt wird heute, am zweiten Jahrestag der dreifachen Katastrophe bundesweit zu Mahnwachen aufgerufen. So auch in Bremerhaven. In der Information zum Eintrag der Bremerhavener Mahnwache in dieser Übersichtskarte und der dazugehörigen Liste heißt es zum Punkt "Veranstalter": Wir ALLE

Dann treffen wir uns also ALLE heute Abend,
  • 11. März 2013
  • um 18:00 Uhr
  • vor der "Großen Kirche"
    (Bürgermeister-Smidt-Straße 50-64)

um der Toten vom 11. März 2011 in Japan zu gedenken.

Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen und Überlebenden, den an Körper und Seele Verletzten, sowie bei den Menschen die infolge des mehrfachen Super-GAUs aus ihrer Heimat vertrieben wurden und bei denen, die mittel- und langfristig noch an den Spätfolgen der dabei freigesetzten Radioaktivität erkranken und sterben werden.


Fukushima mahnt

Fukushima mahnt ... - Propst Jürgen Bollmann (Bischof , 26.03.2011 in Hamburg)

Während der Abschlusskundgebung am 09.03.2013 auf dem Marktplatz in Minden sprach unter anderem Herr Dr. Bretschneider (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V., IPNNW) über den - vorsichtig ausgedrückt - "geschönten" Bericht 2013 der WHO. Er ging dabei auch auf die von unabhängigen Organisationen erwarteten Krebserkrankungen infolge des Super-GAUs in Fukushima Dai-ichi ein und nannte die Zahlen, auf die auch ich in meinem Artikel vom 07.03.2013 schon hingewiesen hatte.

Eine dieser - auch von offiziellen japanischen Quellen bestätigten - Zahlen sind die 57000 untersuchten japanischen Kinder: Bei 42 Prozent von ihnen - also bei rund 23940 Kindern! - wurden nach der Atomkatastrophe Knoten oder Zysten an der Schilddrüse festgestellt. Unabhängige Ärzte nennen diese Symptome "Vorstufe zum Krebs". Die japanische Gesundheitsbehörde hält dagegen 99,5 Prozent der Fälle für problemlos und will diese Kinder in den nächsten zweieinhalb Jahren nicht weiter untersuchen. Das "Atomdorf" lässt schön grüßen: Nach dem Motto: "Es ist nicht, was nicht sein darf", opfert die japanische Atom-Mafia Japans Kinder auf dem Altar ihres blinden Glaubens an die heile Welt des Atomzeitalters aus den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Im Anschluss an seine Rede habe ich Herrn Bretschneider kurz angesprochen, um ihm zu sagen, dass aus meiner Sicht bei der Nennung dieser ungeheuerlichen Zahlen immer eine Wahrheit viel zu kurz kommt:
  • Hinter jedem Einzelnen der bisherigen und der noch zu erwartenden Atomkrebsopfer verbirgt sich ein schreckliches Einzelschicksal, von dem ebenfalls immer auch alle seine Familienangehörigen, Freunde und Bekannten des Opfers unmittelbar betroffen sind.
Er antwortete mir:
  • Sie haben recht. Auch aus psyhotherapeutischer Sicht stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu!

Gegen das Vergessen
Gegen einen jederzeit möglichen Super-GAU in Deutschland

Mahnwache vor der "Großen Kirche" (Bremerhaven, 14.03.2011)
Nach der Aufkündigung des rot-grünen "Atomkonsens" aus dem Jahre 2000 folgten die schwarz-gelbe "Laufzeitverlängerung", der Super-GAU in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Dai-ichi), das schwarz-gelbe "Atommoratorium" mit der Abschaltung von acht der damals 17 in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke und letztlich die als "Atomausstieg" getarnte schwarz-gelbe Verlängerung der Betriebgenehmigungen für die neun in Deutschland noch immer betriebenen Atomkraftwerke.

Nachdem sie das schwarz-gelbe Totschlagswort "Atomausstieg" inzwischen oft genug gehört haben, wiegen sich 47 Prozent der Bundesbürger wieder in der gleichen trügerischen Sicherheit wie zu Zeiten des "Atomkonsens". Die Mehrheit der Bürger hat sich davon glücklicherweise jedoch nicht wieder einlullen lassen. 51 Prozent der Menschen im Lande fordern die Abschaltung der verbliebenen Atomkraftwerke: Und zwar deutlich vor dem Jahre 2022! Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid, die in der Zeit vom 17.01. bis zum  26.01.2013 durchgeführt wurde.

Zwei Prozent der Befragten hatten keine Meinung zu diesem Thema. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich immerhin 98 Prozent der Bundesbürger schon einmal mit der latenten, von den Atomkraftwerken ausgehenden Gefährdung auseinandergesetzt haben.

Viele Menschen verdrängen aber die Tatsache, dass für den Betrieb der Atomkraftwerke die Aufrechterhaltung einer Urankette notwendig ist, die in Deutschland den Uran-Import, die Uran-Anreicherung, die Herstellung von Brennelementen und die ungelöste "sichere Lagerung" des bei deren Einsatz in den Atomkraftwerken anfallenden Atommülls über Millionen von Jahren umfasst. Ein Glied in dieser Kette sind die Häfen an der deutschen Nordsee- und Ostseeküste.

Zu diesen Häfen gehören auch die bremischen Häfen in Bremerhaven. Nach der Änderung des Hafenbetriebsgesetzes mit der Teilentwidmung für den Umschlag radioaktiver "Brennstoffe" und des nach deren Verwendung anfallenden Atommülls sollten Atomtransporte über die Häfen in Bremerhaven zwar eigentlich der Vergangenheit angehören, aber das Gesetz lässt auch Ausnahmen zu. Die Atomkonzerne arbeiten gerade daran, das Gesetz auszuhebeln, indem sie versuchen, "Dauerausnahmen" durchzusetzen.

Das darf auf keinen Fall unwidersprochen hingenommen werden. Ähnlich sehen das auch die Veranstalter der heutigen Mahnwache, also "Wir ALLE" (Zitat):
".. Und deshalb ist eine Mahnwache in Bremerhaven sehr wichtig. Wir wollen keine Atomtranporte über Bremerhavener Häfen! Nicht über Nordenham und nirgend wo! Wir wollen einen schnellen Atomausstieg! Treffen ist jeden Montag vor der großen Kirche!"

Nachtrag

Wie die Anti-Atomkraft-Organisation ".ausgestrahlt" am 11.03.2013 auf ihrer Internetseite mitteilt, sind am Nachmittag und Abend des 11.03.2013 unter dem Motto "Fukushima ist überall"  in 201 Orten  insgesamt etwa 9200 Menschen zusammengekommen, um an die unkalkulierbaren Gefahren durch die Nutzung der Atomkraft und an das Leid der Menschen in Japan zu erinnern. Die Mahnwachen hätten hauptsächlich in kleineren Städten stattgefunden, teilweise bei starkem Schneetreiben. Die Beteiligung habe von 9 Personen in Wedel bei Hamburg, 15 in Wittenberge und 17 im badischen Wiesloch bis zu 160 Menschen in Trier, 150 in Lüneburg, 200 in Schweinfurt und 300 in Niederaichbach in der Nähe des AKW Isar gereicht. In Bremerhaven hätten es aber gerne ein paar Menschen mehr sein können ...

Sonntag, 10. März 2013

Minden nach dem Super-GAU im AKW "Grohnde"

2 Jahre nach Fukushima: Folgt der nächste Super-GAU im Atomkraftwerk "Grohnde"

Anlässlich des 2. Jahrestages des mehrfachen Super-GAUs in der Atomkraftanlage "Fukuschima-I" (Dai-ichi) vom 11. März 2011 fanden an mehreren Orten In Deutschland, sowie in vielen Ländern Gedenkveranstaltungen und Proteste gegen die Atompolitik der jeweiligen Regierungen statt.

In meinem Video sind Impressionen von den Protesten in Minden zu sehen. Die Stadt liegt an der Weser, etwa 40 km flussabwärts vom ebenfalls an der Weser gelegenen Atomkraftwerk "Grohnde". Auf einem Ring in einem Abstand von ungefährt 40 Kilometern rund um das Atomkraftwerk gab es nach einem angenommenen Super-GAU Aktionen und Demonstrationen, die denjenigen unter uns, die sich sonst weniger mit dem Thema "Katastrophenschutz nach einem Atom-Unfall" befassen, eine ungefähre Ahnung vermitteln sollten, was "im Ernstfall" auf uns alle zukommen könnte.

An den Standorten der Atomkraftwerke "Grohnde", "Gundremmingen" und "Neckarwestheim, sowie an der Urananreicherungsanlage "Gronau" haben am Wochenende insgesamt rund 28000 Menschen unter dem Motto "Zwei Jahre Fukushima: Atomanlagen abschalten!" gegen die Atompolitik der Bundesregierung demonstriert. 20000 davon allein rings um das Atomkraftwerk "Grohnde".

Im nahe des Atomkraftwerks "Gundremmingen" (Bayern) gelegenen Günzburg protestierten 3500 und am Atomktaftwerk "Neckarwestheim" (Baden-Württemberg) 3000 Atomkraftgegner dagegen, dass die Atomkraftwerke hierzulande noch weitere neun Jahre in Betrieb bleiben sollen. An der Urananreicherungsanlage in Gronau (Nordrhein-Westfalen) forderten 1200 Menschen die Stillegung der Rohstoffaufbereitung für die Brennelemente-Herstellung "Made in Germany".

Der Stern, die Zeit, die taz und viele weitere Medien berichteten am 09.03.2013 über Demonstrationen in Paris (Frankreich), Tokio (Japan) und Taipeh (Taiwan). In Paris beteiligten sich 20000 Atomkraftgegner an einer Menschenkette quer durch die Stadt.

In Tokio seien ungefähr 15000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Pläne der japanischen Regierung zu demonstrieren, die nicht nur den Weiterbetrieb der existierenden Atommeiler vorsehen, sondern darüberhinaus auch Neubauten. Zur Zeit sind in Japan weiterhin nur 2 der 50 Atomkraftwerke in Betrieb. Das zeigt: Es geht auch ohne! Aber der Filz aus Atomindustrie und der neuen Regierung in Japan wird wieder dichter: Das Atomdorf lässt grüßen!

In Taipeh haben 50000 Menschen gegen die Nutzung der Atomkraft demonstriert. Die Zeit vermutet, dass dort auch deshalb so viele Menschen protestiert haben, weil die Stadt erst am Donnerstag von einem Erdbeben erschüttert worden war.


Das alles zeigt zum einen, dass die Menschen in Deutschland mit dem sogenannten "Atomausstieg" der Wespenkoalition nicht einverstanden sind - "Es geht auch schneller, Frau Merkel! - und zum anderen, dass der Widerstand gegen die Nutzung der Atomkraft zwei Jahre nach dem Super-GAU in Fukushima Dai-ichi eine internationale Dimension erreicht hat, die auch von der weltweit vernetzten Atommafia nicht mehr so einfach zu ignorieren sein wird.


Atomkraftwerk Grohnde:
Die Katastrophe hat stattgefunden ...


Anti-Atom-Demos am 9.03.2013


(Quellen: Der Stern vom 09.03.2013, die Zeit vom 09.03.2013, die taz vom 09.03.2013, Regionalkonferenz Grohnde abschalten)

Samstag, 9. März 2013

Dabei spielen wir nicht mit

Atomkraft? Nein Danke!Anfang Januar berichtete die Tagesschau der ARD über die Lage in der Ruine der Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Fukushima Dai-ichi). In der 20 km Sperrzone und in der Präfektur Fukushima sei der Ausnahmezustand auch noch zwei Jahre nach Beginn des Super-GAUs weiterhin die Normalität. Die "andere Normalität", die der Atomkonzern "Tepco" (Betreiber) und die japanischen Behörden der Öffentlichkeit vorgaukeln, gebe es nicht.

Ungefähr zwanzigtausend Menschen seien noch immer rund um die Uhr damit beschäftigt, den Schutt beiseite zu räumen, die Reaktoren stabil zu halten und neue Pannen zu vermeiden. Ein weiteres großes Erdbeben würde jedoch ausreichen, um all diese Bemühungen zunichte zu machen. Nach wie vor bestünde Die Gefahr einer erneuten Zuspitzung der Lage.

Niemand kenne die genauen Lagen und den Zustand der geschmolzenen Reaktorkerne in den Atomreaktoren 1 bis 3. Die Wasserstände in den Reaktorbehältern seinen nicht messbar.

Das größte Problem seien aber wohl die Brennstäbe des zur Zeit des Bebens am 11. März 2011 aufgrund von Wartungsarbeiten heruntergefahrenen Reaktors 4, die im Abklingbecken im fünften Stockwerk des Gebäudes zwischengelagert worden waren. Das einsturzgefährdete Abklingbecken sei inzwischen mit Stahlstützen und zusätzlichen Betonmauern provisorisch stabilisiert worden. Ein erneutes, stärkeres Erdbeben würde die notdürftige Konstruktion jedoch so beschädigen können, dass das Becken leckschlagen oder sogar endgültig einstürzen könne.


Fukushima mahnt

... Die wespenfarbene Bundesregierung aber schon.
Nur indem die in Deutschland noch betriebenen Atomanlagen und Atomkraftwerke schnellstmöglich und endgültig stillgelegt werden, lässt sich verhindern, dass wir uns hierzulande eines Tages möglicherweise ebenfalls mit einer "Normalität" à la Fukushima konfrontiert sehen könnten.

Gestern wurde die Bevölkerung 40 km rund um das Atomkraftwerk Grohnde aufgerufen, das Sperrgebiet bis spätestens Samstag 11 Uhr zu verlassen. An verschiedenen Punkten am Rande der Zone werden Dekontaminationsstationen, Auffanglager, Notversorgungsstellen. Info-Zentralen und ähnliche Einrichtungen zu finden sein. Zusammen mit vielen anderen Atomkraftgegnern werde ich morgen am Rande der 40 Kilometer Zone rund um das "havarierte" Atomkraftwerk "Grohnde" die ankommenden "Atom-Flüchtlinge" aus der Sperrzone erwarten. Gemeinsam werden wir dann dafür demonstrieren, dass das Katastrophen-Szenario der Regionalkonferenz "AKW Grohnde abschalten" nicht eines Tages möglicherweise doch noch zur Realität wird.



Wer die Atomkraftwerke noch weitere neun Jahre in Betrieb halten will, der spielt auf äußerst leichtsinnige Weise mit dem atomaren Feuer.

Dabei spielen wir nicht mit:
Atomkraftwerke jetzt abschalten!



Atomkraftwerk Grohnde:
eine Katastrophe nimmt ihren Lauf ...


Anti-Atom-Demos am 9.03.2013

(Quelle: ARD-Tagesschau vom 11.01.2013, Regionalkonferenz "AKW Grohnde abschalten")

Freitag, 8. März 2013

Atomkraft: Die militärische Komponente

Atomkraft? Nein Danke!Friedenstaube
Während wir hier für das Ende der Nutzung der Atomkraft demonstrieren, weil wir einen möglichen atomaren Super-GAU in Deutschland verhindern wollen, droht Nordkorea den USA mit einem "präventiven Atomangriff" und Südkorea mit der Vernichtung.


Die gestern Abend gegen Nordkorea verhängten neuen UN-Sanktionen fielen dementsprechend schärfer aus, als es wohl der Fall gewesen wäre, wenn die Führung Nordkoreas nicht mit dem "atomaren Erstschlag" gedroht hätte. Dann wäre es nämlich "nur" um den letzten unterirdischen Atomwaffentest vom 12. Februar 2013 gegangen. Gleich nach der Verkündung der neuen UN-Sanktionen, die dieses Mal auch von Russland und China mitgetragen werden, kündigte Nordkorea den Nichtangriffspakt mit Südkorea auf

In einem Artikel der ARD-Tagesschau vom 08.03.2013 heißt es, der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA Nordkoreas zufolge habe das staatliche "Komitee zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas" alle Nichtangriffs-Übereinkommen zwischen Nord- und Südkorea für aufgehoben erklärt. Auch das "Rote Telefon" als ständige Verbindung zum Süden werde mit sofortiger Wirkung gekappt.

Wenn auch Nordkorea, wie "Experten" behauptet haben sollen, derzeit nicht die technischen Mittel hat, einen Atomkrieg gegen die USA zu führen, so könnte alles, was über die verbale Eskalation Nordkoreas gegen Südkorea hinausgehen würde, unter Umständen in eine militärische Eskalation münden, bei der Nordkorea dann zumindest einen großen Teil der Weltgemeinschaft gegen sich hätte.
  • Auf mich machen die derzeitigen Hassattacken der Machthaber in Pjöngjang den Eindruck eines militärischen Geisterfahrers, der in der Absicht Selbstmord zu begehen während der Hauptverkehrszeit in die verkehrte Richtung auf die Autobahn einbiegt, um dabei möglichst viele andere Verkehrsteilnehmer mit in den Tod zu reißen.

Auch wenn es in dem Artikel der Tagesschau heißt, Nordkorea hätte die ständige Verbindung über das 1971 eingerichtete "Rote Telefon" auch in der Vergangenheit schon zweimal unterbrochen, heißt das noch lange nicht, dass die Situation in Korea sich nach der dritten Kappung des "Roten Telefons" auch wieder entschärfen wird. Die für die kommende Woche geplanten großen Militärmanöver Nord- und Südkoreas werden vorerst jedenfalls kaum zur Beruhigung der Lage beitragen.

Der KCNA zufolge habe der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un beim Besuch einer Militäreinheit an der innerkoreanischen Grenze die Bereitschaft des Landes zum Krieg betont und verkündet, im Falle einer Provokation werde er Angriffe entlang der gesamten Grenze anordnen. Die Geschichte lehrt uns, dass militärische Provokationen sich auch durch eigene Aktionen provozieren lassen und im Nachhinein konnte in den seltensten Fällen nachgewiesen werden, wer in einem Grenzkonflikt zuerst geschossen hat.

Unter Umständen könnte uns am Ende der militärische Ursprung der "friedlichen Nutzung der Atomkraft", dessen Folgen die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki auf schreckliche Weise zu spüren bekamen, infolge eines selbstmörderischen Blindflugs des nordkoreanischen staatlichen "Komitees zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas" wieder einholen.


Auch die Folgen des Super-GAUs im Atomkraftwerk "Grohnde" haben sich noch einmal verschärft. Dem Katastrophenszenario der "Regionalkonferenz Grohnde abschalten" zufolge wird die Bevölkerung 40 km rund um das Atomkraftwerk aufgerufen, dass Sperrgebiet bis spätestens Samstag 11 Uhr zu verlassen. Nach einem Unfall im Atomkraftwerk "Grohnde" gelangen seit Mittwochmorgen weiträumig radioaktive Stoffe in die Umwelt. Eine Evakuierung ist daher in folgenden Gebieten erforderlich: In den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden, Hildesheim, Northeim, Höxter, Lippe, Minden-Lübecke, Schaumburg und der Region Hannover ...

Morgen werden Bundesweit wieder tausende Atomkraftgegner dafür demonstrieren, das dieses Szenario nicht eines Tages zur Realität werden kann.


Atomkraftwerk Grohnde:
eine Katastrophe bahnt sich an ...


Anti-Atom-Demos am 9.03.2013


(Quellen: Spiegel vom 07.03.2013, Tagesschau vom 08.03.2013)

Donnerstag, 7. März 2013

Die Atomkatastrophe dauert nun schon zwei Jahre ...


Die Atomruinen von Tschernobyl und Fukushima (WDR, 26.04.2011)

... aber ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. Die früheren, vollmundigen Ankündigungen der für die Folgen des mehrfachen Super-GAUs in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima-I" Verantwortlichen sind heute Schnee von gestern.

In Japan sind die Menschen seit dem 11. März 2011 mehr an dem interessiert, was im Ausland über Fukushima berichtet wird, als an den Vertuschungsversuchen des Atomkonzerns "Tepco" und der Politiker. So finden sich beispielsweise in einem japanischen Blog Informationen über den Inhalt des ZDF "Zoom" Beitrags vom März 2012.

Der Grund dafür ist die Verflechtung zwischen den Atomkonzernen, der Regierung und den Aufsichtsbehörden in Japan. Es gibt dort einen speziellen Ausdruck für die Kumpanei: Er lautet "Das "Atomdorf". Als es in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Fukushima Dai-ichi) am 11.03.2011 zum Super-GAU kam, wurde das Atomdorf sehr schnell aktiv. Auf der östereichischen Internetseite des Fernsehsenders "3Sat" heißt es dazu (Zitat): "Nahezu reflexartig sprang die Maschinerie des Abwiegelns, der Beschwichtigung und der Verschleierung an, versuchten Betreiber, Regierung und Aufsichtsbehörden das wahre Ausmaß der Katastrophe herunterzuspielen." Gestern war bei 3Sat der Dokumentarfilm "Fukushima und die Wahrheit hinter dem Super-Gau" zu sehen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Über das Atomdorf äußerte sich vor einem Jahr auch Herr Naoto Kan (ehemaliger japanische Premierminister) in einem Interview mit dem ZDF und die Finanznachrichten zitieren ihn in ihrer Online-Ausgabe vom 05.03.2012, mit den Worten (Zitat):
"In Japan gibt es seit langem, vor allem in den letzten zehn, zwanzig Jahren, vielerlei Formen der Unterdrückung von Äußerungen in Bezug auf die Gefahren der Atomenergie."
Auch andere Politiker und Insider der japanischen Atomindustrie hätten über die gewissenlosen Machenschaften jenes "Atom-Dorfes" berichtet, das ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Bevölkerung seine eigenen Karriere- und Profitinteressen verfolgt habe und auch weiterhin verfolge.

Das bestätigt auch der Bericht eines Untersuchungsausschusses vom Juli 2012, über den der Spiegel in einem Artikel vom 23.07.2012 berichtete. Der Betreiber der Atomkraftanlage "Tepco" habe demzufolge Ermittlungen behindert und versucht, das wahre Ausmaß der Schäden in der Atomkraftanlage zu vertuschen. Der Regierung Japans werde in dem Bericht schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Sie habe das Ausmaß des Atomunfalls heruntergespielt und die Öffentlichkeit nur zeitverzögert über das informiert, was jeweils ohnehin nicht mehr zu verheimlichen war.

Da sowohl "Tepco" wie auch die Regierung die Gefahr eines möglichen Tsunamis ignoriert hätten, seien auch keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden. Das Gegenteil sei der Fall gewesen: "Tepco" habe die Regierung aufgefordert, die Wahrscheinlichkeit eines Tsunamis in einem Bericht über die Risiken von Erdbeben für den Betrieb von Atomkraftwerken in Japan zu untertreiben.

Als "Tepco" und die Regierung infolge der Ereignisse am 11.03.2011 dann mit den Folgen ihrer Fahrlässigkeit konfrontiert wurden, hätten sie mit ihren sinnlosen Versuchen, die Katastrophe herunterzuspielen, die Bevölkerung erhöhten Gesundheitsrisiken ausgesetzt.

Diese Tatsache wird auch durch den Blödsinn nicht besser, den Herrn Tatsujiro Suzuki (japanische Atomenergiekommission, Vizechef) im September 2011 von sich gegeben hat. Demzufolge muss es sich im Falle des dreifachen Super-GAUs wohl lediglich um ein bedauerliches Missgeschick handeln - weil: Eigentlich sind Atomunfälle in Japan ja per Gesetz ausgeschlossen. Der Spiegel zitierte Herrn Tatsujiro Suzuki  in einem Online-Artikel vom 27.09.2011 mit den Worten (Zitat):
  • "Das Gesetz verpflichtete die Firmen, keine Unfälle zu haben."

    Zu dumm nur, dass die Natur nicht ebenso gehorsam ist, wie die japanische Bevölkerung, und dass die Naturgesetze sich durch "menschengemachte Gesetze" nicht im mindesten beeindrucken lassen.


Das harmlose Wörtchen "nur"

Wenn ein Japaner nun aber auf der Suche nach unabhängigen Informationen zum aktuellen Stand des Super-GAUs in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" bei der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) landet, dann könnte er auf den ersten Blick den Eindruck gewinnen, plötzlich sei die Welt wieder in Ordnung. Ende Februar hieß es nämlich weltweit in den Medien, die WHO habe zwei Jahre nach Beginn des Super-GAUs festgestellt, dass aufgrund der freigesetzten Radioaktivität "nur" ein leicht erhöhtes Krebsrisiko besteht.

So ist in einem Online-Artikel der "Zeit" vom 28.02.2013 zu lesen, dass demnach die Mehrheit der rund zwei Millionen Menschen, die zum Zeitpunkt des Unglücks in Fukushima lebten, eher geringen Strahlendosen ausgesetzt gewesen wäre. Da die Stadt aber nur rund 284000 Bewohner zählt, wird wohl die Präfektur Fukushima gemeint sein.

Die Provinzhauptstadt Fukushima liegt etwa 60 Kilometer von den havarierten Atomreaktoren entfernt in einem weniger vom Fallout betroffenen Gebiet. Trotzdem gibt es dort aber auch heute noch Lokalitäten, die eine besorgniserregende Radioaktivität aufweisen. So berichtete die taz in ihrer Online-Ausgabe vom 26.02.2013 über Messungen der Umweltschutzorganisation "Greenpeace" in Fukushima. Dabei seien auf einem Kinderspielplatz 10 µSv/h (Mikrosievert pro Stunde) gemessen worden. Die taz zitiert Herrn Smital (Greenpeace) mit den Worten (Zitat): "In Deutschland, mit einem Grenzwert von einem Millisievert im Jahr, wäre der schon nach etwa vier Tagen erreicht".

Am Fuße einer Rutsche auf einem öffentlichen Spielplatz im nordwestlichen Fukushima City seien 13 µSv/h gemessen worden. Im Ortsteil Watari habe eine Messung bei den Waschräumen eines Spielplatzes, an dessen Eingang ein Schild darauf hinweise, dass die "Dekontamination erfolgreich beendet" wurde, 8 µSv/h ergeben. Auf einem Parkplatz am Bahnhof seien sogar 40µSv gemessen worden.

Das zeigt, dass es ein Irrtum ist, wenn man meint, der radioaktive Fallout habe sich gleichmäßig auf einer kreisförmigen Fläche rund um die zerstörte Atomkraftanlage verteilt und die Strahlung nähme mit der Entfernung von den Atomreaktoren in alle Richtungen gleichmäßig ab. Es werden sowohl in der Fläche, wie auch an einzelnen Orten innerhalb von Städten und Gemeinden immer wieder "Hotspots" mit teils sehr hoher Radioaktivität gefunden, so dass eine Verallgemeinerung der Gefahren für die Menschen, auch in Entfernungen von fünfzig Kilometern und mehr von der Atomkraftanlage "Fukushima-I", wohl eher der Desinformationspolitik des Atomdorfs geschuldet sein wird..

Einmal ganz davon abgesehen, dass jeder einzelne Mensch, der einmal das Pech haben wird, aufgrund des "nur" leicht erhöhten Krebsrisikos, jämmerlich an seiner Krebserkrankung zu Grunde gehen zu müssen, ein Atomtoter zu viel sein wird, werden den davon betroffenen Menschen angesichts ihres bevorstehenden, qualvollen Todes mit Sicherheit einmal andere Begriffe für derartige Verharmlosungsversuche einfallen, als das kleine, verharmlosende Wörtchen "nur".


Keine Gefahr außerhalb der 20 km Sperrzone?

Im Herbst 2012 war Herr Kazuhiko Kobayashi (Journalist, Atomkraftgegner) in Frankreich, Deutschland und der Schweiz unterwegs. Auf seiner Reise hatte er auf Einladung von Atomkraftgegnern auch in Winterthur (Schweiz) einen Vortrag über die Folgen des Super-GAUs in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" gehalten. Darüber berichtete "Der Landbote" (Winterthur, Schweiz) in seiner Online-Ausgabe vom 12.11.2012.

Als sich das Erdbeben ereignete, habe sich Herr Kobayashi gerade in seiner Wohnung in Tokio aufgehalten. Nachdem die Erde sich beruhigt hatte, habe er den Fernseher eingeschaltet und gesehen, wie die Verantwortlichen die Explosion in der Atomkraftanlage mit dem Erdbeben zu erklären versuchten. Es sei wütend und gleichzeitig wie gelähmt gewesen. Auch die Frankfurter Rundschau berichtete am 12.11.2012 über die Vortragsreise Herrn Kobayashis und zitiert ihn in einem Online-Artikel mit den Worten (Zitat): "Jeder kleine Junge, jedes kleine Mädchen in Japan weiß, dass dort jederzeit ein großes Erdbeben kommen kann. Ich war sehr wütend, als die Verantwortlichen von Tepco sagten, die Explosion sei durch die Naturgewalt gekommen, die weit über unsere Vorstellung hinausgegangen sei."

Auf die japanische Regierung ist Herr Kobayashi dem Winterthurer "Landboten" zufolge nicht gut zu sprechen, Einem großen Teil der Bürger Japans sei immer noch nicht bewusst, wie gefährlich die Auswirkungen des Unglücks in Fukushima wirklich seien. Den Erfolg der japanischen Vertuschungs- und Desinformationspolitik führe Herr Kobayashi auf drei, die japanische Gesellschaft stark prägende Faktoren zurück:
  1. Es herrsche die Idee vor, dass ein Land nur regiert werden könne, wenn das Volk gehorsam sei.
  2. Die amerikanische Politik beeinflusse die Forschung der japanischen Ärzte: Die Forschung an den japanischen Überlebenden des amerikanischen Atombombenabwurfs auf Hiroshimas, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Pazifkraum, sei nach wie vor nur amerikanischen Ärzten erlaubt.
  3. Ein Bündnis zwischen Beamten und Konzernen kontrolliere die den Japanern zugängliche Information und mache sie unter anderem glauben, dass die Kontamination ausserhalb eines Perimeters von 20 Kilometern rund um Fukushima nicht mehr gefährlich sei.
  • Herr Kobayashi kommentiert derartige Behauptungen der für die Atomkatastrophe Verantwortlichen mit klaren Worten (Zitat):

    "Das ist Quatsch!"

Ein Artikel des Heise Online-Magazins "Telepolis" vom 04.03.2013 bestätigt die Aussage Herrn Kobayashis. Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass außerhalb der evakuierten 20-Kilometer-Zone liegende Gebiete, in denen der radioaktive Fallout infolge von Regen- und Schneefällen schneller und damit konzentrierter zu Boden ging, am stärksten kontaminiert wurden. Dort liegen unter anderem die Stadt Namie und die Ortschaft Iitate, die erst später evakuiert worden sind, weil sie außerhalb des 20-Kilometer-Radius um die Atomkraftanlage "Fukushima-I" liegen.

Einem Bericht der Sächsischen Zeitung vom 28.02.2013 zufolge kommentiert Frau Rianne Teule (Greenpeace) den Bericht der WHO mit ebenso deutlichen Worten, wie Herr Kobayashi (Zitat):
"Die WHO spielt auf beschämende Weise die Folgen der frühen Freisetzung von Radioaktivität durch die Fukushima-Katastrophe auf jene Menschen innerhalb der 20-Kilometer-Evakuierungszone herunter, die das Gebiet nicht rasch verlassen konnten." Der WHO-Bericht sei "ein politisches Statement zum Schutz der Atomindustrie".


Biologische Wirkung der Radioaktivität

Die Frage, wie radioaktive Substanzen auf unseren Körper wirken, beantwortet ein kurzer Videoausschnitt aus der "Quarks & Co." Sendung vom 26.04.2011, der dankenswerterweise weiterhin auf der Internetseite des WDR zu sehen ist. Kurz zusammengefasst wird darin erklärt, dass die mit unseren Sinnen nicht wahrnehmbare Radioaktivität trotzdem direkt auf unseren Körper einwirkt. Eine sehr hohe Dosis beschädigt innerhalb weniger Stunden unsere Körperzellen. In der Folge kommt es zur akuten Strahlenkrankheit, die tödlich verlaufen kann.

Die Menschen aus den von den beiden Super-GAUs betroffenen Gebieten sind dagegen einer geringeren Dosis ausgesetzt, deren Wirkung auf radioaktive Substanzen zurückzuführen ist, die in der Umwelt verteilt wurden. Diese können über die Atmuung pder die Nahrung in den Körper gelangen, wo ihre Strahlung über einen sehr langen Zeitraum wirken und dabei das Erbgut beschädigen kann.

Die bei den folgenden Zellteilungen entstehenden Zellen mit dem veränderten Erbgut sind dann Mutationen einer ursprüglich "normalen" Zelle. Einige der betroffenen Zellen vermehren sich unkontrolliert weiter und werden so zu Krebszellen. Wenn die Fortpflanzungszellen von Mutationen betroffen sind, machen sich die Folgen erst bei den den Nachkommen der betroffenen Menschen bemerkbar.


Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern

Etwa um die gleiche Zeit, als Herr Kobayashi in Europa seine Vorträge über die Folgen der Atomkatastrophe in seiner Heimat hielt, wurde in den Medien über einen deutlichen Anstieg von Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern aus der Umgebung von "Fukushima-I" berichtet.

In einer Presseinformation teilten die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e. V." (IPPNW) am 06.07.2012 ihre Besorgnis bezüglich einer Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in der Präfektur Fukushima mit. Einer Ende April 2012 veröffentlichten Untersuchung der Gesundheitsbehörde der Präfektur Fukushima zufolge seinen bei 35 Prozent der 38114 untersuchten Kinder und Jugendlichen Schilddrüsenzysten und bei einem Prozent Schilddrüsenknoten festgestellt worden.

Dr. Matsuzaki Hiromichi (Allgemeines Städtischen Klinikum der Stadt Fukagawa, Leiter der Abteilung für Innere Medizin) habe sich, nachdem er die Befunde der Untersuchung mit früheren Studien verglichen hatte, dahingehend geäußert, dass diese Veränderungen darauf hinweisen würden, dass sich in der Schilddrüse etwas Außerordentliches abspielt.

Frau Caldicott (Kinderärztin und Kinderchirurgin, Australien)  zufolge hätten Kinder normalerweise keine Schilddrüsenknoten oder -zysten. Die große Zahl von Schilddrüsenveränderungen beweise, dass die Kinder in der Präfektur Fukushima hohen Dosen von Jod-131 ausgesetzt gewesen seien. Die Veränderungen müssten als Vorboten von Schilddrüsenkrebs angesehen werden. Zumindest seien engmaschige Kontrollen unabdingbar.

Die Gesundheitsbehörde halte dagegen 99,5 Prozent der Fälle für problemlos und wolle diese Kinder in den nächsten zweieinhalb Jahren nicht weiter untersuchen. Die genauen Ergebnisse, Ultraschall- Bilder und Kommentare der Ärzte würden den Patienten und ihren Familien vorenthalten. Herr Prof. Dr. Shunichi Yamashita (Fukushima Medical University, Vizepräsident und oberster Gesundheitsberater der Präfektur Fukushima) empfehle seinen Kollegen in ganz Japan, Eltern zu beruhigen und weitere Untersuchungen für unnötig zu erklären. Frau Caldicott bezeichnet es hingegen für einen großen Fehler, die betroffenen Kinder erst nach zweieinhalb Jahren erneut untersuchen zu wollen.

Mit einem Brief  hatten die IPPNW im November 2012 an die Weltgesundheitsorganisation appelliert, die medizinische Forschung über die Gesundheitsfolgen der Atomkatastrophe von Fukushima erheblich auszuweiten. In ihrem Brief hatten sie sich dagegen ausgesprochen, dass in der vom "United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation" (UNSCEAR) für 2013 geplanten Studie ausschließlich grobe Abschätzungen verschiedener japanischer und internationaler Experten berücksichtigt und die daraus zu erwartenden Gesundheitseffekte lediglich theoretisch abgeleitet werden sollen. Dringend notwendig seien jedoch unabhängige epidemiologische Studien sowie die baldige Einrichtung eines umfassenden Registers, in dem alle Menschen erfasst werden, die aufgrund der Katastrophe von Fukushima vermutlich mehr als 1 mSv Strahlung durch unterschiedliche Quellen ausgesetzt waren.

Am 18.11.2012 zeigten die "ZDF-Heute" Nachrichten einen Filmbericht, in dem die Gesundheitskommission der Präfektur Fukushima neue Zahlen über die Schilddrüsenveränderungen bei Kindern präsentierte. Jetzt war von 57000 untersuchten Kindern die Rede. Bei 42 Prozent von ihnen seien Knoten oder Zysten an der Schilddrüse festgestellt worden.


Gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophe

Wie zuvor bereits erwähnt, ist der Bericht der WHO inzwischen veröffentlicht worden. Der Appell der IPPNW in ihrem Brief vom 02.11.2012 wurde ignoriert. Die Kritik der IPPNW ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Der im Februar 2013 veröffentlichte Bericht der WHO basiere auf Schätzungen der Strahlenbelastung, die von der WHO im Mai 2012 veröffentlicht wurden. Diese seien von unabhängigen Wissenschaftlern aus verschiedenen Gründen scharf kritisiert worden:
  • Zu niedrige Schätzung der insgesamt freigesetzten radioaktiver Partikel (source term)
  • Die Belastung der Bevölkerung innerhalb der 20-km-Zone während der Evakuierungen wurde ignoriert
  • Menge und Auswahl der, für die Berechnung der Strahlungsdosen verwendeten Nahrungsmittelproben war unzureichend bzw. unausgewogen
  • Handfeste Interessenskonflikte der Autoren des Berichts
Der Bericht gehe auch nicht auf Gesundheitsrisiken für die Menschen außerhalb von Fukushima ein. In der Bewertung sei die fortgesetzte Freisetzung radioaktiver Strahlung nicht berücksichtigt worden. Die erhöhte Strahlungsempfindlichkeit ungeborener Kinder sei nicht thematisiert worden. Ebensowenig würden neuere klinische Ergebnisse berücksichtigt.

Der Bericht sei weder eine objektive Bewertung der aktuellen Gesundheitsrisiken noch eine belastbare Grundlage für zukünftige Beschlüsse und Empfehlungen. Er sei auch nicht, wie sonst üblich, vor der Veröffentlichung von unabhängigen Experten begutachtet worden.

Er sei großenteils erneut von Wissenschaftlern mit augenscheinlichem Interessenskonflikt erstellt worden. So sei für die Bewertung der Auswirkungen von Strahlung auf Säuglinge und Kinder ein Wissenschaftler verantwortlich gewesen, der lange Zeit für die britische Atomindustrie tätig war. Wissenschaftler, die eine kritischere Meinung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Radioaktivität vertreten, seien nicht befragt worden.

Zum zweiten Jahrestag der Atomkatastrophe in Japan haben die IPPNW jetzt eine eigene quantitative Abschätzung der "Gesundheitlichen Folgen von Fukushima" veröffentlicht. Darin dokumentieren sie "besorgniserregende Befunde, die schon jetzt, nur zwei Jahre nach dem Super-GAU sichtbar werden."

So sei - ganz ähnlich wie nach Tschernobyl - neun Monate nach dem Beginn der Atomkatastrophe ein Geburten-Rückgang festzustellen gewesen. Auch habe es in Japan eine erhöhte Säuglingssterblichkeit gegeben: Über die statistische Erwartung hinaus seien 75 Kinder im ersten Lebensjahr gestorben. Allein in der Präfektur Fukushima seien bei 55592 Kindern Schilddrüsenzysten bzw. -knoten festgestellt worden. Im Gegensatz zu Zysten und Knoten bei Erwachsenen müssten diese bei Kindern als Krebsvorstufen gelten. Das würden auch erste in Fukushima dokumentierte Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern zeigen.

Aufgrund der erhöhten externen Strahlenbelastung rechnen die IPPNW mit 37899 bis 82606 Krebserkrankungen und aufgrund der kontaminierten Nahrung mit 37266 Krebserkrankungen. Für die Arbeiter, die nach Angaben des Betreibers "Tepco" im Jahr 2011 in der havarierten Atomanlage tätig waren, sei auf der Grundlage der Erfahrungen von Tschernobyl mit mehr als 17000 schweren Erkrankungsfällen zu rechnen.



Der Arm des japanischen Atomdorfs reicht weit

Eigentlich hatten die Atomkraftgegner von "Anti Atom Berlin" am 11. März vor der japanischen Botschaft eine japanische Kirsche pflanzen wollen: Zum Gedenken an die Opfer der Atomkatastrophe - und als Mahnmal gegen Atomstrom. Die Antwort der Behörde auf den Antrag für die Baumpflanzung war ernüchternd: Kirsche gern, auch irgendwo im Tiergarten. Aber nicht am 11. März und nicht in der Nähe der japanischen Botschaft. Da es sich um eine private Gedenkveranstaltung handele, liege das nicht im "öffentlichen Interesse Berlins".

Herr Ehlbeck (Anti Atom Berlin, Sprecher) äußerte sich dazu in einem Artikel des "Berliner Kuriers" vom  26.02.2013 (Zitat): "Wir vermuten, dass die japanische Botschaft sich quergestellt hat. Unserer Erfahrung nach sind sie im kritischen Umgang mit Fukushima nicht besonders offen."



"Ich werde [juwi: den für die Atomkatastrophe Verantwort-
lichen in Japan]
sagen, europäische Bürger zeigen sich
solidarisch und haben gespendet, und was habt ihr bisher
für die Betroffenen getan? Nichts.

Was seid ihr für Verbrecher!"


Kazuhiko Kobayashi (Journalist, Japan) während seiner Vortragsreise durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich im Herbst 2012



Atomkraftwerk Grohnde:
eine Katastrophe bahnt sich an ...


Anti-Atom-Demos am 9.03.2013

(Quellen: Frankfurter Rundschau vom 07.03.2013, taz vom 06.03.2013, 3sat Sendung vom 06.03.2013, Heise Telepolis vom 04.03.2013, Der Spiegel vom 28.02.2013, Berliner Kurier vom 26.02.2013, Greenpeace Blog vom 24.02.2013, Die Zeit vom vom 28.02.2013 - Bericht 1 und Bericht 2, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg vom 19.11.2012, ZDF Heute Journal vom 18.11.2012, ZDF-heute vom 18.11.2012, The Intelligence vom 17.11.2012, Der Landbote vom 12.11.2012, Frankfurter Rundschau vom 12.11.2012, contrAtom vom 07.11.2012, taz vom 06.11.2012, IPPNW Presseinformation vom 05.11.2012 und vom 06.07.2012, Spiegel vom 23.07.2012, tnkmktの日記 vom 13.03.2012, Finanznachrichten vom 05.03.2012, Der Spiegel vom 04.01.2012 und vom 27.09.2011, WDR vom 26.04.2011, WHO-Report [englisch] und Kritik der IPPNW)

Mittwoch, 6. März 2013

Kein Grenzwert für sichere Strahlendosen

Atomkraft? Nein Danke!In einem Kommentar zu einem meiner Artikel im Zusammenhang mit dem Atommülltransport von der Atommüllaufbereitungsanlage La Hague (Frankreich) zum Atommülllager bei Gorleben im November 2011 macht "ein Physiker" die Rechnung auf, dass ein für die Begleitung eines Castor-Transports abgestellter Polizist, der außerdem auch noch Raucher ist, eine zusätzliche radioaktive Dosis von 10-50 mSv/a (MilliSievert pro Jahr) aufnimmt.

Detailierte Informationen zur Radioaktivität im Zigarettenrauch findet man übrigens im "RauchstoppZentrum". Dass Rauchen schädlich für die Gesundheit ist und oftmals tödlich enden kann, ist aber eigentlich auch nichts neues. Darauf wird heutzutage ja auf jeder Zigarettenschachtel deutlich sichtbar hingewiesen. Aber das nur mal so nebenbei ...

Der Castor-Ticker hatte am Morgen des 24. November 2011 einen in der Nähe des Castor-Zuges gemessenen Messwert von 1,52 µSv/h (Mikrosievert pro Stunde, nach Abzug der vorher ermittelten Hintergrundstrahlung) veröffentlicht. Der "Physiker" meint, das sei nicht ganz so schlimm. Der Grenzwert zum Schutz der Bevölkerung von 1 mSv/a sei schließlich ein Jahresgrenzwert, den man nicht auf Stunden herunterrechnen könne und bei einer Achtstundenschicht sei der Polizist lediglich einer Dosis von etwa 0,012mSv ausgesetz.

Am Abend des gleichen Tages meldete der Castor-Ticker dann allerdings einen erheblich größeren Messwert von 37 µSv/h, der im Abstand von 2 Metern zum Castor  gemessen worden war. Auf Nachfrage beim Team des Castor-Tickers bekam ich die Auskunft, die am Abend veröffentlichten Messwerte seien das Ergebnis einer Messung, die eine "Organisation, die davon Ahnung hat" vor der Abfahrt des Zuges in Valognes (Frankreich) erfasst habe. Die aktualisierten Messwerte seien daher jedenfalls die "richtigeren" ...


Harmlose Radioaktivität?

Auf ein Jahr hoch gerechnet hören sich die Überlegungen des "Physikers" zu den Messwerten vom Morgen des 24. November 2011 zunächst recht harmlos an. Es ist allerdings grundsätzlich ein Unterschied, ob jemand eine gleiche "erhöhte Dosis" innerhalb einer kurzen Zeit oder über einen langen Zeitraum, wie etwa ein Jahr aufnimmt. Nicht ohne Grund lautet eine der drei Faustregeln im Strahlenschutz: "Dosis begrenzen durch Aufenthaltsdauer".

Bezüglich der Aufenthaltsdauer ist beispielsweise die "Richttabelle - Maximale Einsatzdauer im Strahlenschutz" des "Kreisfeuerwehrverbands Hochsauerlandkreis" (KFV-HSK) recht aufschlussreich. Für das im Katastrophenschutz tätige Personal gilt laut dieser Tabelle beim Schutz von Sachwerten ein Grenzwert von 15 mSv. Das heißt, in einem Bereich, in dem eine Dosisleistung von 1 mSv/h gemessen wird, ist die Dauer des Aufenthalts für das eingesetzte Personal dort auf maximal 15 Stunden begrenzt. Bei einer gemessenen Dosisleistung von 5 mSv/h wäre der Einsatz dementsprechend bereits nach 3 Stunden beendet.

Zur Abwehr von Gefahren für Menschen und zur Verhinderung einer wesentlichen Schadenausweitung wird dem Personal mit 100 mSv schon mehr als das sechsfache zugemutet - allerdings nicht mehr beliebig oft, sondern "je Einsatz und Kalenderjahr". Zum Vergleich: Für die Bevölkerung gilt ein Grenzwert von 100 mSv pro Jahr als "Eingreifwert für die langfristige Umsiedlung" - wobei in der im April 2012 veröffentlichten Studie "Analyse der Vorkehrungen für den anlagenexternen Notfallschutz für deutsche Kernkraftwerke basierend auf den Erfahrungen aus dem Unfall in Fukushima" des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) bezweifelt wird, dass der Eingreifwert tief genug angesetzt ist (Seite 32, Zitat):
.. Allerdings hat die ICRP in ihren neuesten Empfehlungen einen modifizierten Ansatz für den Strahlenschutz in einer Notfallsituation entwickelt (ICRP 2007, 2009). Dieser beinhaltet Referenzwerte (der verbleibenden Dosis) für die Planung von Schutzmaßnahmen für nukleare Notfallsituationen, die typischerweise im Bereich von 20 mSv bis 100 mSv (über ein Jahr integriert) liegen.

Nach dem Unfall in Fukushima wurde von der japanischen Regierung ein Richtwert von 20 mSv für die innerhalb eines Jahres infolge äußerer Exposition durch abgelagerte Radionuklide verursachte effektive Dosis festgelegt, um Gebiete für eine „späte Evakuierung“ (in Japan als „deliberate evacuation areas“ bezeichnet) zu identifizieren.

Es ist möglich, dass der deutsche Richtwert von 100 mSv angesichts dieser Entwicklungen zumindest für manche Unfallszenarien ebenfalls abgesenkt werden könnte. ..

Das Strahlenschutz-Katastrophenpersonal könnte "im Ernstfall" unter Umständen aber einem noch weitaus größeren Risiko ausgesetzt sein. Falls Menschenleben gerettet werden müssten, wäre für das eingesetzte Personal erst nach einem Einsatz von maximal 50 Stunden Schluss - und zwar endgültig: Hier gilt der Grenzwert von "250 mSv je Einsatz und Leben".

Angesichts dieser Dimensionen ist die morgens in der Nähe des Castors gemessene Dosisleistung von 1,52 µSv/h wirklich sehr gering. Allerdings sind die für den Einsatz im Umfeld von Castor-Transporten aufgrund möglicher Protestaktionen von Atomkraftgegnern abgestellten Polizisten auch alles andere als Katastrophenschutz-Personal.


24 bis 89 Prozent der Jahresdosis in 3 Tagen

Sollten allerdings die am Abend des 24. Novembers 2011 vom Castor-Ticker veröffentlichten Messwerte (37 µSv/h im Abstand von 2 Metern zum Castor) zutreffen, wovon ich inzwischen ausgehe, dann sähe die Rechnung des "Physikers" schon etwas anders aus. 37 µSv/h wären bei einer Achtstundenschicht eines Polizisten bereits eine Dosis von 0,296 mSv. Angenommen, der Polizist wäre an drei Tagen jeweils acht Stunden lang im Einsatz, dann wäre er insgesamt schon einer Dosis von 0,888 mSv ausgesetzt. Er hätte dann innerhalb von drei Tagen bereits 88,8 Prozent des Grenzwerts von 1 mSv pro Jahr aufgenommen, der für den Schutz der Bevölkerung gilt.

Auf der Internetseite der "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" (GRS) wurden offizielle Daten von Messungen veröffentlicht, die am 18.11.2011 von der französischen Umweltorganisation ACRO und der französischen Sachverständigenorganisation IRSN im Beisein von Greenpeace vorgenommen worden waren. Der höchste gemessene Wert lag demnach im Abstand von 2 Metern von den Castor-Behältern bei ca. 75 µSv/h. Weiter heißt es dort, im Allgemeinen würde die Dosisleistung in 10 Metern Abstand zum Castor bei etwa 10 µSv/h liegen.

Dem zufolge denke ich, dass der vom Castor-Ticker am 24.11.2011 veröffentlichte Messwert in Höhe von 37 µSv/h im Abstand von 2 Metern zum Castor als realistisch angesehen werden kann.

Nun wird der Polizist sich sicherlich nicht unbedingt 8 Stunden lang 2 Meter vom Castor entfernt aufhalten. Angenommen er würde sicherheitshalber einen Abstand von 10 Metern einhalten, dann hätte er nach drei Achtstundenschichten aber immernoch eine Dosis von 0,240 mSv aufgenommen, was 24 Prozent - also knapp einem Viertel - des Jahresgrenzwerts innerhalb von nur drei Tagen entspricht.


Es gibt keine sicheren Strahlendosen

Aber von all dieser Zahlendreherei einmal völlig abgesehen gibt es ohnehin keinen "sicheren Grenzwert" für den Schutz vor Schäden durch Radioaktivität. Grenzwerte im Strahlenschutz sind immer nur faule Kompromisse im Spannungsfeld zwischen dem "Schutz der Gesundheit und des Lebens" und den profitorientierten Interessen der Atomindustie, die immer auch ein Risiko für die Gesundheit und das Leben beinhalten.

Auch diesbezüglich ist die "Richttabelle - Maximale Einsatzdauer im Strahlenschutz" des KFV-HSK recht aufschlussreich. Ein Katastrophenschützer, der bei der Rettung von Menschenleben einer  Dosis von vielleicht 245 mSv ausgesetzt werden würde, müsste damit rechnen, dass er selbst einmal an den Folgen seines Einsatzes erkranken und sterben wird, obwohl der Grenzwert von 250 mSv bei seinem Einsatz nicht überschritten wurde: Den in Deutschland als noch unbedenklich angenommenen Grenzwert für den Schutz der Bevölkerung hätte er immerhin um das 245-fache überschritten.

Bereits 1978 hatte Konrad Lorenz (östereichischer Verhaltensforscher) das Gefährdungspotential durch radioaktive Strahlung unterhalb irgendwelcher Grenzwerte auf allgemeinverständliche Weise dargestellt:
Es ist einfach nicht wahr, daß es eine untere Grenze der Strahlung gibt die noch erträglich ist. Die Strahlung mit der wir es zu tun haben ist ja eine Korpuskularstrahlung; das heißt es fliegen Teilchen. Einige treffen, einige Leute kriegen Karzinom, aber die Frage: "wie stark ist die erträgliche Strahlung", ist genauso dumm wie wenn sie fragen: "welche Dichte von Infantriebeschuß ist noch erträglich". Das hängt davon ab wie lang g´schossen wird und wieviel Leute im Weg stehen.

(Konrad Lorenz, 1978 in Tulln, Österreich)

Den Text der gesamten Rede von Herrn Lorenz kann man auf auf der privaten Internetseite "Factotum" nachlesen.

In einem Artikel des "Strahlentelex" (Nr. 446-447 / 19.Jahrgang, 4. August 2005) heißt es, eine von der US-amerikanischen "Nationalen Akademie der Naturwissenschaften" (U.S. National Academy of Sciences, NAS) einberufene Kommission (BEIR), die dem Auftrag hatte, die Gefahren niedrigenergetischer und niedrigdosierter ionisierender Strahlung zu untersuchen, sei in ihrem im Juni 2005 veröffentlichten Bericht VII über die biologischen Wirkungen der ionisierenden Strahlung (BEIR VII) zu dem Schluss gekommen, dass es keine sicheren Strahlendosen gibt. Es sei unwahrscheinlich, "daß eine Schwelle für die Erzeugung von Krebs existiert".

Die Kommission nehme - bis hinunter in niedrige Dosisbereiche - eine lineare Dosis/Wirkungs-Beziehung an. Ferner gebe es reichlich Daten über strahleninduzierte vererbliche Mutationen bei Mäusen und anderen Organismen. Es gebe daher keinen Grund anzunehmen, daß Menschen von dieser Art Schädigung ausgenommen sein könnten.



Auch deshalb muss schnellstens Schluss sein mit dem Betrieb von Atomkraftwerken und -anlagen in Deutschland. Anlässlich des zweiten Jahrestags der Atomkatastrophe in der japanischen Atomkraftanlage Fukushima-I (Da-ichi) werden am nächsten Samstag, 9. März 2013, tausende Atomkraftgegner auf die Straße gehen, um für einen erheblich schnelleren Atomausstieg zu demonstrieren, als es nach der Laufzeitverlängerung für die verbliebenen neun Atomkraftwerke seitens der wespenfarbenen Bundesregierung bisher vorgesehen ist.


Atomkraftwerk Grohnde:
eine Katastrophe bahnt sich an ...


Anti-Atom-Demos am 9.03.2013

(Quellen: BfS vom April 2012, GRS vom 22.11.2011, Strahlentelex vom 04.08.2005, Factotum vom 10.01.2003, Der Stern vom 04.05.2001, RauchstoppZentrum, Feuerwehr Nordhorn, KFV-HSK, Wikipedia)

Sonntag, 3. März 2013

Neue Autobahnen braucht das Land ...

Mit dem Sinnbild "Straße" und damit verwandten Begriffen lassen sich Zusammenhänge in anderen Themenbereichen oftmals recht gut erläutern. So hört man beispielsweise gelegentlich die Metapher "Wir sind auf dem richtigen Weg". Will heißen, die Entscheidung, die wir getroffen haben, wird die erhofften Verbesserungen zur Folge haben.

Auch Herr Altmaier (CDU, Bundesumweltminister) ist ein Freund dieser Metapher (Zitat):
"Ich halte mich an die Ziele unseres Energiekonzepts: Bis 2050 wollen wir 80 Prozent unseres Strombedarfs aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie decken und zugleich 80 – 95 Prozent der Treibhausemissionen gegenüber 1990 mindern. Ich bin davon überzeugt: Deutschland wird dank des technologischen Fortschritts, der konsequenten Investitionen und emissionsarme und erneuerbare Energiequellen sowie der Steigerung der Energieeffizienz schon in wenigen Jahren eine sichere, nachhaltige, klimafreundliche und zugleich bezahlbare Energieversorgung aufweisen. Wir sind auf dem richtigen Weg und wir werden ihn nicht alleine beschreiten. Aber gerne an der Spitze. Es lohnt sich."

(Peter Altmaier, in einem Interview mit der "ruhrZeit" Ausgabe 3/2012)

Sind wir klimapolitisch wirklich auf dem richtigen Weg? Geht Deutschland wirklich an der Spitze eines weltweit koordinierten Kampfes gegen die drohende Klimakatastrophe voran? Ich habe da inzwischen so meine Zweifel. Bezüglich eines immer notwendiger werdenden weltweiten Schulterschlusses der internationalen Staatengemeinschaft sind die Resultate der alljährlich im Dezember stattfindenden "Welt-Kimagipfel" jedenfalls besser dafür geeignet, das Gegenteil zu belegen.

Wenn überhaupt, dann köchelt der wichtigeste, alles entscheidende Kampf der Menschheit seit Jahren bestenfalls auf Sparflamme. Von "Kochen" kann in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht die Rede sein - eher schon mit Blick auf den beschleunigten Anstieg der mittleren globalen Temperatur infolge des ungebremsten Anstiegs der Emissionen klimaschädlicher Gase.


Sackgassen

Und Deutschland? Wir könnten inzwischen tatsächlich auf den richtigen Weg sein, wenn die wespenfarbene Bundesregierung nicht vier wertvolle Jahre mit ihrer "Laufzeitverlängerung für die sichersten Atomkraftwerke der Welt" und der lobbygesteuerten "Energiewende-Wende" verplempert hätte.

Der Bundesumweltminister

Anstatt die Kosten der Energiewende auf mehr Schultern zu verteilen, damit das ganze auch für den Einzelnen bezahlbar bleibt, hat die derzeitige Bundesregierung die politischen Weichen dafür gestellt, dass immer mehr Unternehmen, die weder "im internationalen Wettbewerb" stehen, noch "energieintensive Produktionsverfahren" vorweisen können, von der EEG-Umlage befreit worden sind.

Klar, dass die umgelegten Kosten für "Otto Normalverbraucher" dann logischerweise steigen müssen. Anstatt aber jetzt umzukehren, und den Weg hinaus aus der Sackgasse anzutreten, ist Herr Altmaier mit seinen Plänen zur erneuten Änderung des "Erneuerbare Energien Gesetzes" (EEG) gerade auf dem besten Weg, der Energiewende in Deutschland endgültig den Garaus zu machen.

Der Bundesverkehrsminister

Sein Kollege, der Herr Ramsauer (CSU, Bundesverkehrsminsiter) spart zwar wo er kann an Ortsumgehungsstraßen, mit denen in so mancher Gemeinde der innerörtliche Verkehrsinfarkt verhindert werden könnte, aber dafür ist er ein großer Fan der geplanten "Küsten"-Autobahn" A20. Zur dafür notwendigen Unterquerung der Elbe westlich von Hamburg hat er jedenfalls schon einmal "klipp und klar Ja" gesagt. In Zeiten knapper Kassen müssen eben Prioritäten gesetzt werden.

Wie in der Online-Ausgabe der Welt vom 01.02.2013 zu lesen ist, werden 70 Prozent aller bereitgestellten Mittel in den Aus- und Neubau wichtiger Autobahnen und autobahnähnlicher Bundesstraßen investiert. Angesichts des zunehmenden Güterverkehrs wolle Herr Ramsauer bevorzugt den Erhalt der Autobahnen fördern.

Bei der Berechnung der zu erwartenden Kosten für den aktuellen Verkehrswegeplan sei man für den Zeitraum 2003 bis 2015 auf die Summe von 90,5 Milliarden Euro zur Finanzierung von Verkehrsprojekten gekommen. Nachdem im Verkehrsministerium jetzt noch einmal nachgerechnet worden sei, habe man festgestellt, dass die bis 2010 eingeplanten rund 37,5 Milliarden Euro tatsächlich investiert worden sind. Leider war in der Planung wohl wie üblich vergessen worden, einen Puffer für die üblicherweise zu erwartendenden Mehrkosten einzuplanen. Daher würden für die Finanzierung der laufenden Projekte bereits jetzt 89 Milliarden Euro fehlen, von denen aber nur noch 15,7 Milliarden Euro verbaut werden könnten (!?).

Nach Abzug von 89  fehlenden Milliarden Euro bleiben nach meiner Rechnung von den ursprünglichen 90,5 Milliarden Euro allerdings gerade noch 1,5 Milliarden Euro übrig. Wenn man davon ausgeht, dass die Verbauung der oben genannten 15,7 Milliarden Euro ebenfalls mit weiteren Kostensteigerungen verbunden sein könnte und die fehlenden 89 Milliarden Euro im nächsten Verkehrswegeplan ab 2015 zur Deckung der gestiegenen Kosten für laufende Projekte eingeplant werden müssen, dann frage ich mich, woher dann noch das Geld für neue Verkehrsprojekte kommen soll - zumal möglicherweise auch bis zum Abschluss der laufenden Projekte weitere Kostensteigerungen kaum auszuschließen sein werden.

Die vordringliche Aufgabe Herrn Ramsauers wäre eigentlich die Entwicklung und Umsetzung eines zukunftsorientierten, CO2-neutralen Verkehrskonzepts für Deutschland gewesen. Aus meiner Sicht hat es allerdings den Anschein, als hätte der Bundesverkehrsplaner auf dem Weg in die Zukunft die Orientierung verloren.


Eine neue Autobahn für vielleicht 40 Jahre?

Wenn der Bundesautobahnbauminister aber tatsächlich meint, er könne für eine neue Autobahn mit zwei Tunneln (Flussunterquerungen der Elbe und der Weser) noch ein paar Euro locker machen, dann wird er ja vielleicht noch irgendwo etwas in petto haben. Auf der Internetseite der Initiative "A22 nie" heißt es, allein bezüglich eines neuen Elbtunnels sei offiziell von 1,2 Milliarden Euro die Rede. Würde man jedoch die Kosten der letzten Elbröhre in Hamburg auf die Länge der geplanten Elbquerung bei Glückstadt hochgerechnet betrachten, dann sei sogar mit Kosten in Höhe von 4,6 Milliarden Euro zu rechnen.

Weitaus mehr als die unkalkulierbaren Kostenrisiken würde mich aber eine schlüssig nachvollziehbare Antwort auf die Frage interessieren, welcher Güterverkehr angesichts des angeblich von der Bundesregierung angestrebten Ziels, 'die Emissionen klimaschädigender Gase bis 2050 um 80 - 95 Prozent gegenüber den Emissionen im Jahre 1990 zu senken', auf der zukünftigen A20 und all den anderen Autobahnen noch unterwegs sein sollte. Und - ich sag's ja nicht gerne - auch beim Individualverkehr werden wir uns auf grundlegende Veränderungen einstellen müssen. - Auch, wenn die Automobilhersteller, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf den internationalen Automobil-Messen bisher weiterhin mit ihren tonnenschweren PS-Monstern prahlen.

Ersten Berechnungen und Schätzungen zufolge, die in einem Hintergrundpapier des Bundesumweltministeriums (UBA) veröffentlicht wurden, sind die verkehrsbedingten Emissionen im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht gesunken. Das hört sich erst einmal so an, als sei man wenigstens hier auf dem richtigen Weg. Begründet wird der Rückgang der Verkehrsemissionen allerdings mit dem gestiegenen Verbrauch von Biokraftstoffen und einer Zunahme der in den deutschen Nachbarstaaten getankten Kraftstoffmengen, die bei der Berechnung der Emissionen nicht berücksichtigt wurden. Da global gesehen derzeit von einer nachhaltigen Produktion von Bio-Kraftstoffen keine Rede sein kann, ist eine darauf zurückzuführende Minderung der CO2-Emissionen aus fossilen Energiequellen zumindest fragwürdig. Eine Trendwende in Richtung einer Emissionsminderung infolge einer drastischen Senkung der verkehrsbedingten CO2-Emissionen ist das jedenfalls noch lange nicht.

Insgesamt seien die CO2-Emissionen im Jahre 2012 gegenüber 2011 sogar um zwei Prozent gestiegen. Zurückzuführen sei das auf den deutlichen Anstieg beim Einsatz von Braunkohle aufgrund neuer Kraftwerkskapazitäten, sowie auf den gestiegenen Steinkohleverbrauch zur Stromerzeugung. Ebenfalls gestiegen sei auch die Stromerzeugung aufgrund des Ausbaus der Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Gesunken sei hingegen die Stromerzeugung mit Erdgas-Kraftwerken und in Atomkraftwerken. Insgesamt hätten diese Effekte aber zu einer merklichen Zunahme der CO2-Emissionen im Energiebereich geführt.

Wer verhindern will, dass die mittlere globale Temperatur nicht doch noch so weit ansteigt, dass der weitere Anstieg sich mit menschlichen Mitteln nicht mehr verhindern ließe, woraufhin es unweigerlich zur Klimakatastrophe käme, der muss die CO2-Emissionen zügig drastisch verringern ... - keinesfalls darf er sie aber noch weiter erhöhen!
  • Das heißt für die Stromerzeugung: Weg von Kohle, Gas und Öl und hin zu erneuerbaren Energien. Wer die Erschließung erneuerbarer Energiequellen ausbremst, und gleichzeitig auf Teufel komm raus Braunkohle und andere fossile Energieträger zur Stromerzeugung verfeuert, der wird sein Ziel nicht erreichen.
  • Bezüglich des Gütertransports auf der Straße heißt das: Den Güterverkehr konsequent von der Straße auf die Schiene verlagern. Für dieselgetriebe Lkw's gibt es keine Zukunft. Weitere CO2-Emissionen, die auf den Güterverkehr zurückzuführen sind, lassen sich durch die Vermeidung unnötiger Transporte vermeiden. In Bayern muss ebensowenig ein Joghurt aus Bremer Landen auf dem Frühstückstisch stehen, wie in Norddeutschland ein Joghurt aus dem bayerischen Wasserburg.

Wenn es aber für dieselgetriebe Lkw's offenbar keine Zukunft geben wird - die wespenfarbene Bundesregierung spricht im Zusammenhang mit ihren CO2-Zielen von einem Zeitrahmen von aktuell 37 Jahren - denn plant und baut sie die schöne neue "Küsten"-Autobahn (A20) für vielleicht gerade einmal 30 bis 40 Jahre - vorausgesetzt, sie würde heute damit anfangen können. Dafür soll viel Geld ausgegeben werden, das dann für die Investion in ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept auf Grundlage erneuerbarer Energien nicht mehr zur Verfügung steht. Aus meiner Sicht ist auch das ein Weg in die Sackgasse.


Am Scheideweg

Sollte es den Betreibern der Atommeiler und der mit fossilen Brennstoffen befeuerten Kraftwerke unter tatkräftiger Mithilfe ihrer politischen Handlanger gelingen, die Energiewende wirkungsvoll auszubremsen,
dann sollte sich der Herr Altmeier in Falle eines weiteren Anstiegs der CO2-Emissionen aus Braun- und Steinkohlekraftwerken wohl besser rechtzeitig von der Vorstellung verabschieden, es könne bis 2050 gelingen, unseren Strombedarf zu 80 Prozent aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie decken.

Eigentlich gibt es jetzt nur zwei Möglichkeiten: Entweder, wir folgen weiter dem derzeit von der wespenfarbenen Bundesregierung und dem Oligopol der Atomkonzerne und Kohlekraftwerksbetreiber vorgegebenen Weg in die Sackgasse, an deren Ende uns die Klimakatastrophe erwartet, oder wir treffen die Entscheidung, an der nächsten Ausfahrt abzubiegen und dem Weg der Energiewende in Richtung Zukunft zu folgen. Das heißt:
  • Investitionen in Klimaschutz- statt in neue neue Autobahn-Projekte.
  • Förderung der Erschließnung erneuerbarer Energiequellen
  • Stillegung und Rückbau von Aom- und Kohlekraftwerken
  • zukunftsorientierter Ausbau der Bahntrassen
  • Gütertransporte auf der Schiene statt auf der Straße
  • ÖPNV bekommt Vorrang vor Individualverkehr


Neue Autobahnen braucht das Land hingegen ...


... so nötig wie einen Kropf

Wer heute aufgrund des steigenden Güterverkehrs auf der Straße noch neue Autobahnen bauen will, anstatt dafür zu sorgen, dass der Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert wird, der muss auch sagen können, mit welchen CO2-neutralen Antrieben die Transportfahrzeuge in dreißig bis vierzig Jahren auf seinen neuen Autobahnen unterwegs sein sollen.



Zum Weiterlesen

Umweltinstitut München:


(Quellen: ruhrZeit Ausgabe 3/2012, Die Welt vom 01.02.2013, Hintergrundpapier des UBA vom Februar 2013, Umweltinstitut München - Infokampagne zur Strompreislüge, A22-nie, Wikipedia )