Sonntag, 25. Oktober 2009

Schluss mit "Großer Bahnhof"


Hauptbahnhof Bremerhaven

Früher wurden die ankommenden Gäste beim Verlassen des Hauptbahnhofs mit einem Slogan empfangen, der oben an den Häusern gegenüber des Bahnhofs angebracht war:

"Seestadt Bremerhaven: Jung, Modern, Weltoffen"


Einige Zeit nachdem der Blick auf die dem Hauptbahnhof gegenüberliegenden Häuser infolge der Umgestaltung und Bebauung des Bahnhofsvorplatzes versperrt worden war, verschwand irgendwann auch dieser Slogan von den Häusern. Dabei würde er heute nach der Fertigstellung der Havenwelten, der Umgestaltung der Fußgängerzone und der im Wachstum begriffenen Windenergiebranche in Bremerhaven besser passen als je zuvor.

Nachdem die Deutsche Bahn die Bedienung des Hinterlandes und des ländlichen Raumes im Außenbereich des Schienennetzes zugunsten der Fernverkehrsstrecken und immer schnellerer ICE-Züge immer weiter einschränkte, und immer mehr kleinere Bahnhöfe in den Dörfern geschlossen wurden, waren die Leute auf dem Land gezwungen, auf das Auto umzusteigen. Dadurch nahm die Zahl der Bahnreisenden immer mehr ab. Inzwischen ist sie so weit zurückgegangen, dass, abgesehen von Sonderzügen für Großveranstaltungen wie die Sail, nur noch Regionalzüge den Hauptbahnhof von Bremerhaven anfahren.

Nachdem die Deutsche Bahn den Hauptbahnhof jahrelang vernachlässigt hat, will sie ihn jetzt sanieren - und die Länge der Bahnsteige halbieren. Vor der Verkürzung der Bahnsteige warnte u.a. der Fahrgastverband "Pro Bahn". Bremerhaven werde damit endgültig vom Fernverkehr abgekoppelt. Andere Städte haben sich erfolgreich gegen ähnliche Pläne der Deutschen Bahn gewehrt.

Die Bremerhavener Politik lässt hingegen die Deutsche Bahn gewähren. Darüber berichtete die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe vom 24.10.2009 in einem Artikel über eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordneten seien mit den Sanierungsplänen der Deutschen Bahn für den Hauptbahnhof einverstanden. Das gelte auch für die Verkürzung der Bahnsteige von 400 auf 210 Meter. Stadtverordnetenvorsteher Arthur Beneken (SPD) habe deutlich gemacht, dass eine Verkürzung der Bahnsteige keinen Einfluss auf einen möglichen Intercityverkehr haben werde.

Dass die fünfzigprozentige Amputation der Bahnsteige keinen Einfluss auf den Fernverkehr haben soll, kann ich nicht so ganz nachvollziehen ... - es sei denn, ein 316 Meter langer Fernverkehrszug würde in Zukunft so in den Bahnhof einfahren, dass der erste Waggon am Ende des 210 Meter kurzen Bahnsteigs zum Stehen käme. Dann dürften die Fahrgäste der ersten vier Waggons aussteigen und neue Fahrgäste in diese Waggons einsteigen. Anschließend müsste der Zug so weit vorsetzen, dass das Ende des letzten Waggons am Anfang des Bahnsteigs zum Stehen käme. Dann hätten endlich auch die Fahrgäste des fünften bis achten Waggons die Möglichkeit, den Zug zu verlassen, und wenn noch genug Zeit bis zu Abfahrt bliebe, könnten sogar neue Fahrgäste noch schnell in die letzten vier Waggons einsteigen. Vielleicht denkt man ja auch daran, den Zug so halten zu lassen, dass der vierte und der fünfte Waggon auf halber Länge des Bahnsteigs zum Stehen kommen, nachdem die Fahrgäste rechtzeitig vor der Einfahrt in den Bremerhavener Hauptbahnhof vom Zugpersonal freundlich darum gebeten wurden, den Zug über diese beiden Waggons in der Mitte des Zuges zu verlassen.

Irgendwie sind wohl beide Varianten nicht wirklich praktikabel. Damit ist dann wohl endgültig Schluss mit "Großem Bahnhof" in Bremerhaven. Wer jedoch einmal das Gedränge in den Straßen der Stadt während der Sail miterlebt hat, und gesehen hat, wie selbst die unmöglichsten letzten Lücken noch zum Parkplatz umfunktioniert wurden, der würde sicher liebend gerne mit der Bahn zur "Sail 2010" anreisen. So wird der Deutschen Bahn dann wohl nichts anderes übrigbleiben, als die Regionalbahnen zwischen Bremen und Bremerhaven während der Sail im 15 Minuten Takt fahren zu lassen, damit die mit den Fernzügen in Bremen ankommenden Sail-Besucher trotzdem noch ohne allzulange Verzögerungen nach Bremerhaven weiterfahren können.


Zum Weiterlesen:


(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 26.09.2009 und vom 24.10.2009)

1 Kommentar:

gedankentheater hat gesagt…

Na das ist ja mal wieder typisch DB. Aber dass Bremerhaven das mittmacht, ist der traurigste Teil des Ganzen. Man denkt heutzutage wirklich nur noch von 12 Uhr bis Mittag... :(

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