Freitag, 8. August 2008

Olympia: Zensiert!



Da mir die Vorgehensweise der chinesischen Autoritäten gegen die eigene Bevölkerung, die sich in unserer Gesellschaft nur mit kriminell beschreiben ließe, schon lange vor der Ent- scheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die diesjährigen Spiele in China stattfinden zu lassen, bekannt war, habe ich Peking als Austragungsort für die Olympischen Spiel 2008 von Anfang an für einen schweren Fehler gehalten. Heute wäre ich glücklich wenn ich mich damals geirrt hätte.

Die Berichte internationaler Journalisten über Vorfälle in China im Zusammenhang mit massiver Umweltzerstörung oder Korruption und Verbrechen staatlicher Stellen gegen die Menschen - die Berichte aus Tibet - Presse und Internetzensur - langjährige Freiheitsstrafen gegen chinesische Staatsbürger, die einfach nur ihre Meinung über diese Missstände öffentlich kundgetan haben: All dieses hat meine Meinung über die Vergabe der Olympischen Spiele nach China nicht gerade positiv beeinflussen können. Die Entscheidung des IOC wurde damals politisch begründet: Der chinesischen Regierung sollte ein kleiner Finger gereicht werden, "auf dass sie sich der Welt öffnen und ihren Weg in die Gemeinschaft der demokratischen Gesellschaften dieser Welt finden möge".

Die Hoffnung der für die Entscheidung Verantwortlichen, die Chinesen würden statt des kleinen Fingers gleich den ganzen Arm ergreifen, war aus meiner Sicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. China war nur daran gelegen die Welt mit einer pompösen Veranstaltung und einer international besetzten Gästeliste zu blenden. Der gereichte kleine Finger war da völlig belanglos. Diese gigantische Augenwischerei mag vielleicht innerhalb der chinesischen Staatsgrenzen funktionieren, aber nicht gegenüber der Weltöffentlichkeit, solange dieser auch andere Informationsquellen zur Verfügung stehen, als solche die der chinesischen Regierung genehm sind.

Die Regierung einer Weltmacht, welche sich nicht scheut, die eigene Bevölkerung zu misshandeln, wird sich wohl kaum durch derart lächerliche, naive Bemühungen des IOC bekehren lassen! Da die Entscheidung damals eine politische war, und sich die Spitze der derzeitigen internationalen Olympischen Bewegung heute nicht mehr dazu bekennt, hat sie in meinen Augen jede Glaubwürdigkeit verloren. Mir tun dabei nur die Sportler leid, auf deren Rücken dieses Schmierentheater ausgetragen wird.

Mit der "Olympischen Idee" hat die diesjährige Veranstaltung ebenso wenig zu tun, wie diejenige, die 1936 in Berlin stattfand. Die Nationalsozialisten missbrauchten die Olympischen Spiele erfolgreich als Propagandaforum, um das Image Deutschlands im Ausland zu verbessern. Kurzfristig wurden antisemitische Parolen entfernt und sogar die Judenverfolgung vorübergehend eingestellt. Das antisemitische Hetzblatt "Der Stürmer" durfte in Berlin für die Dauer der Spiele nicht öffentlich im Kiosk ausliegen. Offensichtlich ist aus dem Fehler von damals nichts gelernt worden.

Das Gegenteil ist der Fall. Das IOC, welches für dieses Debakel verantwortlich ist, unterstützt nach Kräften die restriktiven Bemühungen der chinesischen Staatsorgene, und versucht diese Tatsache vor der Weltöffentlichkeit mit scheinheiligen Argumenten zu verwässern. Dazu wurde für die Mitglieder Olympischer Kommitees eigens ein Handbuch mit Antworten auf mögliche Fragen der Presse aufgelegt.

Es ist nicht so, dass mich die olympischen Spiele nicht interessieren:
  • Dieses Mal werden die Spiele jedoch ohne meine Aufmerksamkeit stattfinden müssen!
Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich damit absolut nichts an den Missständen in China ändern kann. Aber
  • das ist mein ganz persönlicher Protest.


Wenn es um die TV-Übertragungsrechte geht, dann hat das schon lange nichts mehr mit der Olmpischen Idee zu tun, aber dafür eine ganze Menge mit dem schnöden Mammon. Wer immer auch für die Übertragungsrechte in Deutschland Geld ausgegeben hat: Für mich hätte er sich das Geld sparen können. Ich fehle nämlich in diesem Jahr in der Einschaltquote.

Auch einen Tag vor den Eröffnungsfeierlichkeiten berichtete u.a die Tagesschau noch über Behinderungen der internationale Presse in Peking, über die Deportation chinesischer Bürger, die in Peking lediglich nach von stattlichen Stellen verschleppten Familienangehörigen suchten oder über den Abriss großer historischer Stadtviertel in Peking, die nach Ansicht der chinesischen Regierung nicht in das Bild einer Olympiastadt passen, in denen aber bis dahin das traditionelle chinesische Leben pulsierte. Wenn China in ferner Zukunft vielleicht einmal die Menschenrechte und international anerkannte Werte achten sollte, dann würde ich gerne auch zu Olympischen Spielen nach Peking fahren. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben ...


Große Suchmaschinenbetreiber haben lt. Amnesty International übrigens in erheblichem Umfang dazu beigetragen, dass die Zensur des Internets in China möglich geworden ist und dass regierungskritische Internetnutzer in China nach wie vor inhaftiert werden. Die Gruppe Hamburg-Bergedorf von Amnesty International hat deshalb damit begonnen, eine eigene, zensurfreie Suchmaschine zu entwickeln.

Kommentare:

Lucki hat gesagt…

Hola juwi,
Du sprichst mir aus dem herzen, und ich kann nur zustimmend nicken. Olympia ist nur eine Show! Ganze Stadtviertel wurden plattgemacht, um Straßen, Sportstätten und Hotels zu errichten. Die bewohner wurden mit lächerlichen Summen abgefunden und in ihr Elend und ihre Armut geschickt.
Man muss sich mal vorstellen: Damit die Kanuwettbewerbe überhaupt stattfinden können, wurden Hunderttausenden in der Provinz einfach das Wasser abgedreht. Wer das Wort "Tibet" ausspricht wandert blitzschnell in den Kerker.
Alles eine Scheinwelt, dazu noch eine bitterböse!
LG Lucki

buchstaeblich hat gesagt…

Die Restwelt hat China die Hand hingestreckt, dies hat aber nicht nur den kleinen Finger ergriffen, sondern versucht, einen ganzen Arm zu ergattern.
Nicht, um sich in die Gegenwart ziehen zu lassen, sondern um der Restwelt diesen abzuhacken - es sind ja schließlich Proteine.
;-)

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