Mittwoch, 13. August 2008

Exportschlager Atomstrom

Die Nordsee-Zeitung berichtete am 11.08.2008 in einem unscheinbaren dreiundzwanzigzeiligen Artikel ganz unten links - aber immerhin auf der Titelseite - dass die deutschen Energieversorger 2008 voraussichtlich mehr Strom ins Ausland exportieren werden als je zuvor. Der Exportüberschuss belaufe sich allein im ersten Halbjahr auf 14,4 Terawattstunden. Das entspreche ungefähr der Jahresleistung von zwei Atomkraftwerken. Hochgerechnet werde damit voraussichtlich der Rekord von 19,8 Terawattstunden im Jahre 2006 übertroffen werden, obwohl in den Jahren 2007 und 2008 mehrere Atomkraftwerke wegen technischer Probleme nicht oder nur zeitweise in Betrieb gewesen seien.


     Was können wir daraus lernen?
  1. Offensichtlich wird in Deutschland nicht zu wenig, sondern zu viel Atomstrom produziert.
  2. Damit keine Atomkraftwerke aufgrund zu geringer Auslastung außer Betrieb genommen werden müssen, wird der Atomstrom gewinnbringend im Ausland verschachert.
  3. Weil der angeblich so billige und klimafreundliche Atomstrom nicht in Deutschland verbraucht, sondern ins Ausland exportiert wird, ist der Strom in Deutschland für Otto Normalverbraucher bald nicht mehr finanzierbar, da hier auf die teueren, klimaschädigenden fossilen Brennstoffe zur Stromerzeugung zurückgegriffen wird.
  4. Weil in Deutschland zu viel Strom auf Basis der teueren, klimaschädigenden fossilen Brennstoffe produziert wird, müssen die Laufzeiten der angeblich so billigen und klimafreundlichen Atomkraftwerke mindestens noch bis zum St. Nimmerleinstag verlängert werden, damit noch möglichst viel von dem angeblich so billigen und klimafreundlichen Atomstrom in Deutschland produziert werden kann. Da es davon eh schon zu viel in Deutschland gibt, kann der ja dann wieder gewinnbringend im Ausland verschachert werden.*)
  5. Weil der angeblich so billige und klimafreundliche Atomstrom aber weiterhin nicht in Deutschland verbraucht, sondern wie bisher ins Ausland exportiert wird, ist der Strom in Deutschland für Otto Normalverbraucher nicht mehr finanzierbar, da hier auf die teueren, klimaschädigenden fossilen Brennstoffe zur Stromerzeugung zurückgegriffen wird. Deshalb müssen in Deutschland unbedingt noch ganz, ganz viele von diesen angeblich so billigen und klimafreundlichen Atomkraftwerken gebaut werden - am besten alle in Bayern. Wenn man dann noch die ganzen Täler zwischen den vielen Bergen in Bayern mit dem beim Betrieb der angeblich so billigen und klimafreundlichen Atomkraftwerke anfallenden Atommüll vollkippt, dann kann die Atomlobby sich in freudiger Erwartung einer strahlenden Zukunft schon einmal kräftig die Hände reiben. An die lästigen Probleme mit den undankbaren Bewohnern des Wendlands brauchen die dann keinen Gedanken mehr verschwenden, und auch die Geheimnisse im Dunkel der Asse werden nach und nach aus der Erinnerung gelöscht.
  6. Weil die bayrischen Befürworter der Atomkraft ja sicher nicht wollen, dass der in die ganzen Täler zwischen den vielen Bergen gekippte Atommüll bis weit über den St. Nimmerleinstag hinaus oberirdisch vor sich hinstrahlt, kommt da zum Schluss noch ein Deckel aus Muttererde oben drauf. Dann lagert das Zeugs wieder vorschriftsmäßig unter der Erde, der bayrische Wähler ist wieder schön zufrieden, und die bayrischen Befürworter der Atomkraft können weiterhin ihr strahlendes Lächeln zu Schau tragen. Die Bäume, die dann auf dem Deckel aus Muttererde wachsen, sind übrigens weder bayrische Tannen noch deutsche Eichen, sondern nur mutierte, etwas zu groß geratene Farne und Schachtelhalme.
  7. Wer bis hierher noch nicht gemerkt hat, wie die deutsche Bevölkerung von der Atomlobby verschaukelt wird, der möge sich doch bitte an die Experten der Atomkraftgegner wenden, um sich weitere Informationen zum Thema "Atommüllendlager Gorleben", "Versuchsendlager Asse-II", "Super-GAU in Tschernobyl 1986" sowie "Vertuschungsversuche von Störfällen in Atomkraftwerken und Beinahe-Katastrophen" einzuholen.
*) Vorsicht: Ab hier wird's satirisch

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