Freitag, 16. November 2012

Atomschiff mit "Macken"

Transport und Einsatz plutoniumhaltiger MOX-Brennelemente verbieten!
Die Regionalkonferenz "Grohnde-Abschalten" hat dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium per E-Mail eine Mängelliste zukommen lassen, die dem Protokoll einer Sicherheitsüberprüfung der "Atlantic Osprey" durch die französische Atomaufsicht Autorité de Sureté Nucléaire (ASN) vom am 6.September 2006, welches der E-Mail als Anlage beigefügt war, zu entnehmen ist.

Die Mängelliste der ASN liest sich wie folgt:
  • Die Vorschriften des Schiffes zum Strahlenschutz sehen die tägliche Durchführung einer Kontrolle der Dosimeter der Besatzung und eine Kontrolle des Laderaums auf Strahlung vor. Die Besatzung konnte den Nachweis der Befolgung dieser Vorschrift nicht führen.
  • Das Besatzungsmitglied, das uns begleitete, wusste weder vom Vorhandensein der Strahlenmessgeräte, noch kannte es den Ort ihrer Lagerung.
  • Es fehlte der Nachweis, dass Besatzungsmitglieder eine Schulung über die Durchführung des Strahlenschutzes erhalten haben.
  • Nach dem International Code for the Safe Carriage of Packaged Irradiated Nuclear Fuel, Plutonium and High-Level Radioactive Wastes on Board Ships (INF Code) § 4.1.1 ist es vorgeschrieben, eine Ventilation oder Kühlung des abgeschlossenen Laderaums in der Art vorzuhalten, dass die mittlere Umgebungstemperatur in diesem Bereich zu keinem Zeitpunkt 55° C übersteigt.
  • Die Inspektoren haben festgestellt, dass der Laderaum mit zwei Thermometern zur Direktablesung ausgerüstet war, dass es aber weder eine Übertragung der Temperatur auf die Brücke gab, noch einen Alarm bei Überschreitung der 55 ° C. Es war für die Inspektoen nicht zu erkennen, ob der Laderaum mit einem Brandmeldesystem ausgestattet ist!
  • Die unbestrahlten Brennstäbe waren mit einer schwarzen Folie umwickelt, die die Beschriftung verdeckte und Brandlast bei einem Feuer erhöht hätte.
  • Es wurde gefordert, die Vollstänidgkeit der Notfallbox für Atomunfälle zu belegen, die sich auf dem Schiff befinden muss.


Die E-Mail war mit der Forderung verbunden, der "Atlantic Osprey" das Anlegen am RoRo-Anleger der Rhenus-Midgard zu untersagen. Aus dem BfS erhielt die Regionalkonferenz die Antwort, die in dem Protokoll der französischen Behörde vom 06.09.2006 enthaltene Darstellung biete keine Grundlage zum Zurückziehen einer Beförderungsgenehmigung aus dem Jahr 2012. Mit der Vorlage eines gültigen Zertifikats der zuständigen englischen Behörde zur Einstufung gemäß INF-Code habe die Genehmigungsinhaberin dargelegt, dass die technische Eignung der "Atlantic Osprey" vorliegt. Einer eigenständigen Prüfung dieses Sachverhalts durch das BfS stünden die internationalen Bestimmungen im Seeverkehr entgegen. Das BfS werde die für die Einstufung gemäß INF-Code zuständige englische Behörde über den Vorgang unterrichten.

Wenn das BfS stillschweigend voraussetzt, dass die vor sechs Jahren festgestellten Mangel inzwischen beseitigt wurden, dann wäre die Antwort aus dem BfS aus meiner Sicht logisch nachvollziehbar. - Allerdings ist die "Atlantic Osprey" wohl nicht nur einmal "dumm aufgefallen".

Aktuell hat der die Umweltschutzorganisation "BUND" (Gruppe Cuxhaven) Herrn Schünemann (CDU, Innenminister, Niedersachsen) mit einem Schreiben darüber in Kenntnis gesetzt, dass die "Atlantic Osprey" auch in der jüngsten Vergangenheit bei Inspektionen in Frankreich wiederholt durch Sicherheits- und Dokumentationsmängel aufgefallen ist.

So habe die letzte Fahrt von Sellafield (England) nach Nordenham (Ankunft am 23.09.2012) unter Verletzung von Annex 8 (Absätze 11 und 12) des "Paris Memorandum of Understanding on Port State Control" (PMoU) stattgefunden. Die Verletzung dieser internationalen Vorschriften des PMoU ziehe eine umfassende Inspektion beim nächsten Einlaufen in einen Hafen nach sich.

Ferner sei das "Safety Management Certificate" des Schiffes am 29.09.2012 abgelaufen. Eine anschließend erfolgte Fahrt nach Antwerpen sei möglicherweise ohne gültiges Sicherheitszertifikat durchgeführt worden.

Nach einer Auskunft, die der BUND Cuxhaven vom BfS erhalten habe, obliege dem Innenministerium des Landes Niedersachsen die bundesweite Richtlinienkompetenz für Auflagen und Anforderungen an Transporte radioaktiven Materials. Der bevorstehende Transport von Plutonium Mischoxid-Brennelementen (Pu MOX-BEs) berge erhebliches Gefährdungspotential für die Bevölkerung und die Umwelt in weitem Umkreis um den Transportweg. In Anbetracht des erneuten MOX-Brennelement Transports mit der "Atlantic Osprey" fordert der BUND Cuxhaven Herrn Schünemann mit seinem Schreiben auf, zwingende internationale Vorschriften zur Anwendung zu bringen.

Na, da lassen wir und doch mal überraschen, ob das niedersächsische Innenministerium in dieser Sache tätig werden wird ...


Ach ja, ...

... zur Frage, unter welchen Umständen es einer Schiffsbesaztung erlaubt ist, das AIS (automatisches Erkennungssystem) abzuschalten, schreibt der BUND Cuxhaven in einer Stellungnahme zu einem Schreiben von Herrn Bode (CDU, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Niedersachsen), Zitat:
".. Die IMO verweist bei der Abschaltung des AIS ausdrücklich auf "piracy and armed robbers" also Piraterie und bewaffnete Räuber, die unmittelbar drohen müssen. Das AIS ist sofort nach Wegfall der Bedrohung wieder einzuschalten.

NATO und EUNAVFOR sprechen in BMP4 vom Herbst 2011 sogar die ausdrückliche Empfehlung aus, im Hochrisikogebiet am Horn von Afrika das AIS-Signal unbedingt eingeschaltet zu lassen.

Der Rechtfertigungsversuch des Ministers kann nur als Kniefall vor den Interessen der Atomindustrie gewertet werden. Er läßt Forderungen nach Überwachung und Kontrolle des Schiffes zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung völlig außer Acht. .."


(Quellen: Grohnde - Nein Danke!, Wikipedia, Aktion-Z/Arbeitskreis Wesermarsch)

Donnerstag, 15. November 2012

Plutonium MOX-Brennelemente sind unterwegs

Schlauchboote stören Anlegemanöver des Atomtransporters (Nordenham, 23.09.2011)
Die englischen Beobachter haben gemeldet, dass die "Atlantic Osprey" inzwischen mit den Plutonium Mischoxid-Brennelementen (Pu MOX-BE) für das Atomkraftwerk "Grohnde" beladen worden ist. In der Nacht vom 13. auf den 14.11.2012 gegen Mitternacht ist das Schiff aus dem Hafen von Workington (England) ausgelaufen. Die AIS Kennung ist - wie auch schon beim ersten Transport im September 2012 - außer Betrieb.

Bei einer Geschwindigkeit von 11 Knoten wird die "Atlantic Osprey" für die 900 Seemeilen von Workington bis Nordenham ungefähr 81 Stunden brauchen. Daher kann damit gerechnet werden, dass das Schiff am Samstag, ungefähr um 09:00 Uhr, auf der Weser vor Nordenham eintreffen könnte.

Die "Aktion Z" und der "Arbeitskreis Wesermarsch" haben deshalb für Samstag, 17.11.2012, eine Mahnwache und Demonstration angemeldet. Die Organisatoren bitten diejenigen, die sich daran beteiligen wollen, bis spätestens 08:00 Uhr am Midgard RORO Anleger (Ex Asbestos) zu sein:
  • Zufahrt von Süden über die B 212 bis Höhe Nordenham-Blexen
  • Dort rechts in die Neptunstraße abbiegen bis 500 m vor Deich
  • Fahrzeuge bitte in Seitenstraße parken und weiter zu Fuß durch das Deichschaart
  • Links vom Deichschaart gibt es dann

    1. Wohnwagen mit Beobachtungsutensilien und
      Zentral-Telefonnummer (0160 / 4372374,
      erreichbar ab Donnerstag, 15.11.2012, 13:00 Uhr).
    2. Zelte mit Holzboden
    3. Feuertonnen
    4. WC-Wagen
    5. Essensangebote, Musik, Übernachtungs- bzw Ausruhmöglichkeit in 10 Minuten entfernter Wohnung ...
Einen Lageplan für Ortsunkundige zur Orientierung für die Anfahrt gibt es hier. Weitere Infos und Aktuelle Meldungen finden sich auf den Internetseiten der "Aktion-Z" und des "Arbeitskreises Wesermarsch" bei "Anti Atom Aktuell", sowie beim MOX-Ticker.



Auf Teufel komm raus!
Atommüll- und Plutonium-Produktion


Denjenigen, die noch etwas zum Motivations-Aufbau für die Teilnahme an den Protesten gegen den anstehenden Pu MOX-BE Transport benötigen, kann ich Dirk Seiferts "Verdammt in alle Ewigkeit" - Plutonium in Atomreaktoren als Lektüre empfehlen. Auf Seite 15 ist darin unter anderem zu lesen (Zitat):
".. AKW-Betreiber bringen zur Rechtfertigung des MOX-Einsatzes auch gern das Argument, daß dadurch das Plutonium vernichtet werde und daher nicht mehr endgelagert werden müßte. Das ist schlicht falsch. Lediglich ein Teil der spaltbaren Plutoniumistope (239 und 241) wird in Spaltprodukte umgewandelt. Allerdings enthält ein MOX-Brennelement nach dem Abbrand eine deutlich größere Plutoniummenge als ein herkömmliches Uran-Brennelement. Darüberhinaus ist der Anteil von Americium und Curium beim Abbrand von MOXBrennelementen wesentlich größer als beim Uran. .."
Zwei Seiten vorher erfährt man bereits, dass das Americium-241 (Halbwertzeit: ca. 450 Jahre) im Wesentlichen dafür verantwortlich ist, dass die mit der Herstellung von Pu MOX-BEs beschäftigten Menschen im Vergleich zur Uranverarbeitung einer höheren Strahlendosis ausgesetzt sind. Americium-241 ".. entsteht durch den Beta-Zerfall des Plutonium Isotops 241 (Halbwertzeit 14 Jahre) .. und wandelt sich unter Aussendung von Alphateilchen in das langlebige Neptunium-237 um. Gleichzeitig entsteht dabei die durchdringende Gammastrahlung, die für die Strahlenbelastung der Mitarbeiter verantwortlich ist. Selbst zusätzliche Strahlenschutzmaßnahmen sind nicht in der Lage, diese Gammastrahlung vollständig abzuschirmen. .." (Zitat: "Verdammt in alle Ewigkeit", Seiten 13/14).

Wenn aber die Herstellung von Plutonium MOX-Brennelementen eine höhere radioaktive Belastung für die in der Produktion Beschäftigten zur Folge hat und der Einsatz im Atomkraftwerk mit höheren Risiken gegenüber denen von Urandioxid-Brennelementen verbunden ist: Warum verarbeitet man den hochradioaktiven Atommüll aus Atomkraftwerken dann nicht gleich in der Weise, dass er für eine langfristige Lagerung geeignet ist? Auch dazu findet sich in "Verdammt in alle Ewigkeit" eine - mit dem gesunden Menschenverstand allerdings kaum nachvollziehbare(!) - Antwort (Seite 15, Zitat):
".. Politisch ist der MOX-Einsatz von höchster Brisanz. Ohne jede Möglichkeit einer gesicherten Entsorgung, d.h. ohne daß heute, rund 25 Jahre nach dem bundesdeutschen Eintritt ins kommerzielle Atomzeitalter, auch nur halbwegs realistische Endlagermodelle existieren, steht die Atomwirtschaft am Rande des Abgrundes. Denn würde das wiederaufgearbeitete Plutonium nicht erneut in Form von MOX in die Atomreaktoren gesteckt werden - was energiewirtschaftlich keinen Sinn macht - so wäre auch der Schritt der Wiederaufarbeitung hinfällig. Da aber die Wiederaufarbeitung als 'sogenannter Entsorgungsvorsorge-Nachweis' anerkannt ist, würde der Wegfall dieses 'Entsorgungsweges' einem Fiasko für die Atomwirtschaft gleichkommen. .."
Zu einem Fiasko für uns und für alle nachfolgenden Generationen hat allerdings bereits jetzt die hemmungslose, mehr als 25 Jahre währende Produktion hochradioaktiven Atommülls der Atomkonzerne - geführt. Auf Teufel komm raus häuften die Atomkonzerne - mit tatkräftiger Unterstützung ihrer politischen Handlanger(!) - ihre strahlenden Hinterlassenschaften an, obwohl ihnen von Beginn an bekannt war, dass es für deren sichere Lagerung - nach menschlichen Maßstäben für die Ewigkeit - niemals eine Lösung geben würde!

Deshalb ...
  • ... muss die Verarbeitung von Plutonium, sowie der Transport und der Einsatz von Pu MOX-BEs verboten werden
  • .... müssen auch die verbliebenen Atomkraftwerke schnellstmöglich stillgelegt und zurückgebaut werden
  • ... sind "Rest"-Laufzeiten bis 2022 unverantwortlich!


(Quellen: E-Mail Verteiler "Aktion-Z" und "Arbeitskreis Wesermarsch", Netzwerk Antiatom, .ausgestrahlt, ContrAtom vom 15.11.2012, Dirk Seifert - Verdammt in alle Ewigkeit)

Mittwoch, 14. November 2012

Mord am Rande des Rotlichtviertels

Leher Krimitage 2012 (Grafik: © Erpho Bell)
Am Rande des Bremerhavener Rotlichtviertels ist ein Mord geschehen. Ein toter Matrose liegt am Straßenrand. Der Körper ist noch warm ...

Kommissar Hein Bullerjan ermittelt gemeinsam mit der Gerichtsmedizinerin Inge Friedrichs direkt vor Ort. Doch wer ist der Mörder? Wie ist das Opfer gestorben? Und warum sieht die Gerichtsmedizinerin nur so verdammt gut aus? ... - Ein Theater-Spaziergang liefert die Antworten auf all diese und viele weitere Fragen. Und so ganz nebenbei stellt er schauerliche und schöne Seiten des Bremerhavener Stadtteils Lehes vor.


  • Der blaue Matrose mit der tätowierten Rose
    - Ein Theater-Spaziergang -

    • Am 16.11. und am 17.11.2012
    • Um 20:15 Uhr
    • Treffpunkt:
      Die "theo" (Luther-, Ecke Stormstraße)

      Text und Inszenierung:
      Erpho Bell

    Mitwirkende:
    - Heike Eulitz
    - Erpho Bell
    - Wolfgang Marten
    - Bernd Stey


Weitere Details zu dieser "mobilen Freilufttheater Aufführung" gibt es auf der Internetseite von Erpho Bell.


(Quelle: Erpho Bell)

Samstag, 10. November 2012

AKW "Grohnde": MOX-Brennelemente - Teil 2

"Atlantic Osprey" mit Greenpeace-Eskorte auf der Weser vor Nordenham (23.09.2012)
Gestern Morgen hat die "Atlantic Ospray" wieder am RORO-Anleger in Workington (Großbritanien, 20 km nördlich der Atommüllaufbereitungsanlage "Sellafield") festgemacht. Dass das AIS-Kennungssystem dort sofort nach der Ankunft des Atomfracht-Transporters abgeschaltet wurde, ist möglicherweise ein Zeichen dafür, dass der in der zweiten Hälfte dieses Monats erwartete Transport von Plutonium Mischoxid-Brennelementen (PU MOX-Brennelemente)über den Hafen von Nordenham zum Atomkraftwerk Grohnde in Vorbereitung ist.

Im September war das AIS ebenfalls abgeschaltet worden. Auf diese Weise sollte der Atomtransport und der Ankunftstermin in Nordenham geheimgehalten werden. Dank der international inzwischen recht gut organisierten Vernetzung der Atomkraftgegner konnte das Schiff bei seiner Ankunft in der Wesermündung am 23. September 2012 aber mit lautstarkem Protest in Empfang genommen werden. Die Atomkraftgegner sind weiterhin wachsam. Die Atomkonzerne und ihre Helfershelfer können auf ihre albernen Versteckspielchen, die außerdem den Sicherheitsinteressen im internationalen Seeverkehr entgegenstehen, also getrost verzichten.


(Quelle: Verteiler "Arbeitskreis Wesermarsch und Aktion-Z")

Mittwoch, 7. November 2012

Four more years

Mit ihrer stets rückwärts gewandten Blockadepolitik haben die Repblikaner in den USA nicht nur vier Jahre lang notwendige Fortschritte für die Entwicklung ihres eigenen Landes verhindert. Auf ihr Konto gehen auch Blockaden auf internationaler Ebene - sei es in der Friedens-, der Wirtschafts oder der globalen Umwelt- und Klimaschutzpolitik.

Wenn es nach Herrn Obama ginge, dann würde die erbitterte Selbstzerfleischung der USA mit dem Tage seines erneuten Wahlsiegs der Vergangenheit angehören. Er hat deshalb ebenso Herrn Romney wie auch führenden Politikern der Republikaner Gespräche angeboten, um eine Basis für eine gemeinsame Arbeit zu finden, mit der die US-amerikanischen und die drängenden globalen Herausforderungen endlich angepackt werden können.

Die Erwartungen der Amerikaner und der Welt waren hoch, nachdem Herr Obama seine erste Amtszeit angetreten hatte - auch weil er Hoffnungen auf Reformen erweckt hatte, für deren Umsetzung ihm im Repräsentantenhaus dann aber die Mehrheiten fehlten. An Ende verbleiben etliche offene Baustellen. Der an Herrn Obama verliehene Friedensnobelpreis erwies sich schnell als ungerechtfertigter Vorschuss-Lorbeerkranz. Beispielhaft dafür möchte ich hier zum Beispiel die grenzüberschreitenden, völkerrechtswidrigen Drohneneinsätze im Afghanistankrieg erwähnen. Das Gefangenenlager in Guantanamo, an dessen zügiger Auflösung Herr Obama sich hatte messen lassen wollen, ist weiterhin eine hässliche Wunde im Umgang mit den Menschenrechten, deren Verletzung die USA anderen Nationen - zu Recht(!) - immer wieder vorwerfen.

Herr Obama war vor vier Jahren unter anderem auch mit dem Versprechen angetreten, dass die USA unter seiner Führung die von seinen republikanischen Vorgängern zu verantwortende Blockade des gemeinsamen Kampfes der Menschheit gegen die globale Erwärmung beenden würden. Dabei hatte er jedoch die Rechnung ohne den permanenten, starrsinnigen Widerstand der Republikaner im Repräsentantenhaus gemacht. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Republikaner jetzt erkennen, dass sie sich damit am Ende nur selbst geschadet haben und ihrerseits auf Herrn Obama und die Demokraten zugehen werden.

Die Mehrheit der US-Bürger hat jedenfalls offensichtlich die Nase voll vom Stillstand der letzen vier Jahre und erkannt, dass nicht Herr Obama und die Demokraten die Verantwortung dafür tragen. "Four more years" - Vier weitere Jahre - ich hoffe für die Welt, dass es Herrn Obama in seiner zweiten Amtszeit gelingen wird, seine Landsleute und seine politischen Gegner davon zu überzeugen, dass jetzt nicht die Zeit für kleinliches Gezänk ist, sondern für globales Denken und gemeinsames Handeln. Vielleicht könnte es der internationalen Gemeinschaft dann gerade noch rechtzeitig gelingen, die notwendigen Schritte gegen die drohende Klimakatastrophe einzuleiten.

"Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Amerika leben, das nicht durch Schulden erdrückt wird, das nicht durch Ungleichheit geschwächt wird, das nicht durch die zerstörerischen Kräfte eines sich erwärmenden Planeten bedroht ist."

Barack Obama
nach seiner Wahl zum Präsidenten der USA am 7. November 2012


(Quellen: Tagesschau vom 07.12.2012, FAZ vom 07.12.2012, Süddeutsche-Zeitung vom 07.12.2012, Die Zeit vom 07.12.2012, taz vom 07.12.2012, Handelsblatt vom 07.12.2012, Züricher Tagesanzeiger vom 07.12.2012, Der Standard vom 07.12.2012)

Montag, 5. November 2012

Laterne, Laterne ...

Laternendorf (Bremerhaven-Lehe, Speckenbütteler Park, September 2009)
... wird es morgen Abend heißen, wenn hoffentlich viele Kinder mit ihren von Kerzen erleuchteten Papier-Lampions entlang des Leher Altstadtrundwegs durch das Goethequartier ziehen werden. Treffpunkt für den von der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe (ESG-Lehe) veranstalteten Laternenumzug ist der Ernst-Reuther-Platz.

Ich kann  mich nicht erinnern, dass es solche Umzüge auch schon gegeben hat, als wir noch Kinder waren. Wenn wir "Laterne gelaufen" sind, dann waren das meine Schwester und ich und vielleicht noch einige Nachbarskinder mit unseren Eltern. Meinen ersten Laternenumzug habe ich erst erlebt, als unsere Kinder in dem Alter waren, in dem "Laterne laufen" eine weitaus spannendere Angelegenheit ist, als abends um Sieben ins Bett zu gehen.


Laternenumzug durch das Goethequartier
  • Am 06.11.2012
  • Um 17 Uhr

    Ernst-Reuther-Platz

    (Hafen-, Ecke Melchior-Schwoon-Straße)

Sonntag, 4. November 2012

Proteste gegen bevorstehenden MOX-Transport

Transport und Einsatz plutoniumhaltiger MOX-Brennelemente verbieten!
Zum Aufakt der Proteste gegen den für die zweite Häfte dieses Monats erwarteten zweiten Transport plotoniumhaltiger Mischoxid-Brennelemente (MOX-Brennelemene) gingen in Emmenthal (Atomkraftwerk "Grohnde")  und in Nordenham (Hafen für den Umschlag der MOX-Brennelemene) rund 700 Atomkraftgegener auf die Straße.

Rund 500 Demonstranten waren gestern vom Emmerthaler S-Bahnhof zum zwei Kilometer entfernt gelegenen Atomkraftwerk "Grohnde" gezogen. Da der "Tag-X" von den Atomkonzernen und den für die Genehmigung verantwortlichen Politikern und Behörden geheimgehalten wird, wollen Atomkraftgegner einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) vom 03.11.2012 zufolge dort ein Protest-Camp einrichten. Herr Ebeling (Anti-Aom-Netzwerk "contrAtom") habe angekündigt, dass entlang der 285 Kilometer langen Strecke zwischen Nordenham und Grohnde die Organisation zahlreicher Straßenblockaden in Planung ist. Bereits zur Auftaktkundgebung in Grohnde sei der örtlichen Bürgerinitiative Unterstützung seutens protest- und blockadeerfahrener Atomkraftgegner aus dem Wendland zugesichert worden. Herr Janßen (Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, Bundesgeschäftsführer und Mitglied der Bäuerlichen Notgemeinschaft im Wendland) habe bekräftigt (Zitat): "Wir stellen uns und unsere Trecker quer, weil wir uns darum sorgen, wie unsere Lebensgrundlagen zerstört werden".

Plutonium ist kein "Brennstoff", sondern ein hochradioaktives, äußerst gefährliches "unerwünschtes Nebenprodukt" das bei der Kettenreaktion in der Uran-Zerfallsreihe entsteht. Am Ende der Nutzungszeit "abgebrannter Brennelemente" ist es Bestandteil des in Atomreaktoren produzierten Atommülls, das in Wiederaufbereitungsanlagen wie "Sellafield" (früher "Windscale", Großbritanien) oder "La Hague" (Frankreich) aufwändig und unter radioaktiver Belastung für die Umwelt aus dem Atommüll extrahiert wird.

Die Geschichte der jetzt geschlossenen Atommüllaufbereitungsanlage "Sellafield" ist ein strahlendes Beispiel für diesen gefährlichen Irrweg der Atomindustrie, dessen Nachwirkungen jetzt gegen den Widerstand der Bürger in deutschen Atomkraftwerken "beseitigt" werden sollen. Die Wahrheit ist jedoch, dass auch beim Einsatz der MOX-Brennelemente wieder neues Plutonium entstehen wird. Das sich im Verlauf des "Ausstiegsbeschlusses" der wespenfarbenen Bundesregierung bis 2022 ohnehin noch weiter verschärfende Atommüllproblem gewinnt damit nocheinmal zusätzlich an Brisanz.

Das Bundesamte für Strahlenschutz (BfS) versucht die Bürger zu beruhigen, indem es - aus meiner Sicht - "Äpfel mit Birnen vergleicht": In einem Bericht des NDR vom 03.11.2012 heißt es dazu, MOX-Brennelemente würden im Vergleich zu abgebrannten Brennelementen nur eine vergleichsweise geringe Strahlung abgeben. Abgebrannte Brennelemente sind jedoch Atommüll: Ein Cocktail hochradioaktiver Zerfallsprodukte. MOX-Brennelemente bestehen hingegen aus einer Urandioxid/Plutoniumdioxid-Mischung und gehören im Sprachgebrauch der Atomindustrie nicht in die Kategorie "Atommüll".

Die im Vergleich angesprochenen Plutonium-Elemente sind Alpha-Strahler, deren Strahlung sich relativ leicht und sicher  abschirmen lässt. Ein großer Anteil des hochradioaktiven Atommülls besteht jedoch aus Gamma-Strahlern, deren Strahlung selbst die Abschirmung von Castor-Behältern durchdringt. Freigesetztes Plutonium wird dann gefährlich, wenn es über die Atmung oder die Nahrungsaufnahme in den Körper gelangt und die Strahlung dort über lange Zeiträume hinweg Zellen schädigen kann.

Folgerichtig darf dem BfS zufolge deshalb das in MOX-Brennelementen enthaltene Plutonium "aber keinesfalls in die Umwelt gelangen, da das Einatmen schon kleinster Mengen Lungenkrebs hervorrufen kann". Aus Kreisen der Atomkraftgegener wird auch deshalb immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kettenreaktion beim Einsatz von MOX-Elementen leichter außer Kontrolle geraten kann, als es bei reinen Uran-Brennstäben der Fall ist, und dass Atomkraftwerke, in denen MOX-Brennelemente zum Einsatz kommen, schlechter zu kontrollieren sind. Die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Super-GAUs ist daher größer und die Folgen für die betroffene Bevölkerung wären verheerender.

Darüberhinaus wird das zur Herstellung und Auslieferung der MOX-Brennstäbe verwendete Plutonium oft über weite Strecken transportiert. Je länger die Transportwege werden, desto höher steigt das Risiko, dass es infolge von Transportunfällen zur unkontrollierten Freisetzung von Plutonium in die Umwelt kommen könnte.


(Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 03.11.2012, Emmerthaler Nachrichten vom 03.11.2012, Nordwestdeutsche-Zeitung vom 03.11.2012, NDR vom 03.11.2012, Radio Bremen vom 03.11.2012)