Wie contrAtom auf seiner Internetseite gestern bekannt gab, haben gestern rund 50000 Menschen an sechs Orten in Deutschland eine drastische Beschleunigung des Atomausstiegs verlangt. Am Atomkraftwerk Gundremmingen hatten sich demnach 5500 und am AKW Neckarwestheim 5000 Menschen versammelt. In Hannover seien 7000 Demonstranten gegen die Nutzung der Atomkraft auf die Straße gegangen und mehr als 4000 Atomkraftgegner hätten gegen die Urananreicherungsanlage Gronau protestiert. Etwa 24000 Menschen hatten contrAtom zufolge in der Region um die Atommülllager "Asse-II" und "Schacht Konrad" eine 75 Kilometer langen Lichterkette gebildet.
Ich habe zusammen mit etwa 3000 weiteren Menschen das Atomkraftwerk Brokdorf umzingelt. Die örtliche Initiative "Brokdorf Akut" hatte an ihrem Stand eine recht aufschlussreiche Landkarte von Norddeutschland und Dänemark ausgestellt. Um die Frage, "Was wäre, wenn sich der Super-GAU von 1986 nicht in Tschernobyl, sondern in Brokdorf ereignet hätte?", zu beantworten, hat sie eine maßstabsgetreue Karte der schwerst kontaminierten Gebiete Tschernobyls mit dem Atomkraftwerk "Tschernobyl" am Standort des Atomkraftwerks "Brokdorf" auf die Landkarte projiziert.
Vergleich: Super GAU Tschernobyl in Brokdorf
Der gesamte Nordwesten Deutschlands mit den Großstädten Hamburg und Bremen, aber auch Bremerhaven, Oldenburg, Wilhelmshaven oder Cuxhaven wäre heute eine verlassene radioaktive Wüste. Ich denke, die Frage, warum wir weiterhin gegen den Betrieb von Atomkraftwerken in unserem Land auf die Straße gehen, erübrigt sich angesichts eines solchen Horror Szenarios.
Wie es wohl immer bei derartigen Demonstrationsformen vorkommt, war die Umzingelung auch dieses Mal an einigen Stellen recht dünn, während die Leute an anderen Stellen dicht an dicht standen. Wenn man die Strecke um das Atomkraftwerk mit Google Maps ausmisst, dann kommt man auf ungefähr 4000 Meter. Das wären dann im Schnitt rund 1,30 Meter von Mensch zu Mensch. Ich denke das passt.
Ich hatte mir eine größere Lücke an der Straße ausgesucht. Nachdem ich mich dort eingerichtet hatte, kam Frau Momo auf mich zu, die ebenfalls auf der Suche nach einer passenden Lücke war. Eigentlich hatte sie am Stand von ".ausgestrahlt" aushelfen wollen und ich hatte dort zuvor auch schon Ausschau nach ihr gehalten, aber da der Stand schon ausreichend besetzt war, hatte sie die Gelegenheit für eine Fototour nutzen können. Ihre Fotos sind hier zu sehen.
Bevor die Abschlusskundgebung begonnen hatte, war ich sehr gespannt auf den Redebeitrag von Herrn Alt gewesen. Da er aber krank geworden war, musste seine Rede leider ausfallen. Unter den verbliebenen Rednern hat mich am meisten die Rede von Herrn Kruse angesprochen. Herr Kruse ist Pastor in Gartow (Lüchow Dannenberg, Wendland). Ich habe große Achtung vor den Menschen im Wendland, die zum Teil bereits in der dritten und vierten Generation gegen ein Lager für hochradioaktiven Atommüll im Salzstock bei Gorleben kämpfen. Wenn mein Video in den nächsten Tagen fertig sein wird, dann werden darin auch Ausschnitte aus dem Beitrag Herrn Kruses zur Kundgebung zu sehen sein.
Sehr erfreut war ich, als ich gestern Abend in den Nachrichten gehört habe, dass sich in Frankreich rund 60000 Atomkraftgegner zu einer Menschenkette entlang der Rhone zwischen Lyon und Avignon versammelt hatten. Vor dem Hintergrund, dass die Menschen in Frankreich der Nutzung der Atomkraft bisher eher unkritisch gegenübergestanden haben, ist das eine Sensation. Die Umweltschutzorganisation "Greenpeace" spricht auf ihrer Internetseite von einer "gigantischen Menschenkette". Wohl wahr: Wenn das keine Eintagsfliege, sondern der Auftakt für eine landesweite Anti-Atom-Bewegung in Frankreich war, dann werden die Atommeiler wohl auch dort eine kürzere Lebenserwartung haben, als Herr Sarkozy und die dortige Atomlobby es gerne hätten.
Unter erschwerten Vorbedingungen hatten bereits vorgestern im polnischen Szczecin (Stettin) rund 150 Deutsche und Polen gemeinsam an die Atomkatastrophe von Fukushima erinnert und gegen die Atompläne der polnischen Regierung demonstriert. Wie die Kölner Rundschau gestern auf ihrer Internetseite berichtete, war ein Großteil der Demonstranten aus Brandenburg angereist. Die Menschen in den Grenzregionen zu Polen stünden den Plänen der polnischen Regierung besonders kritisch gegenüber. Die Stadtverwaltung und die Polizeibehörde hätten die Versammlung erst am späten Donnerstagabend nach langem Hin und Her genehmigt. Herr Schwarze (Die Linke, Tantow in der Uckermark, stellvertretender Bürgermeister) habe daher von einem Achtungserfolg gesprochen. Aufgrund der späten Genehmigung der Demonstration sei es den Organisatoren erschwert worden, rechtzeitig Aktivisten zu mobilisieren. Nach Angaben Herrn Schwarzes sei die friedlich verlaufene Demonstration von einem Großaufgebot der Polizei begleitet worden.
Am Sonntag ist es genau ein Jahr her, seit Japan von der dreifachen Katastrophe heimgesucht wurde. Das Epizentrum des stärksten Erdbebens, das seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1872 gemessen wurde, lag unter dem Meeresboden, etwa 135 Kilometer vor der Nordostküste der größten und am dichtesten besiedelten der vier japanischen Hauptinseln entfernt. Es löste einen Tsunami aus, der viele Städte und Ortschaften an der Ostküste Japans zerstörte. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner der um ihr nacktes Leben kämpfenden Menschen ahnte, das war die dritte, die von Menschen verursachte Katastrophe, die sich in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" (jap.: "Fukushima Dai-ichi") anbahnte ...
Nachdem das Erdbeben zum Ausfall der Kühlung von drei der sechs Atomreaktoren geführt hatte, traf der Tsunami auch das direkt an der Pazifikküste gelegene Gelände der Atomkraftanlage. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Abend des 11. März 2011 auf ihrer Internetseite (Zitat):
".. Ein schweres Erdbeben und ein nachfolgender Tsunami haben am Freitag in Japan enorme Schäden verursacht. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo starben wahrscheinlich mehr als tausend Menschen. Das Beben der Stärke 8,9 löste Flutwellen aus. Im Atomkraftwerk Fukushima fiel das Kühlsystem aus. Die Radioaktivität im Meiler stieg auf das Tausendfache. Die Regierung rief den atomaren Notstand aus und ordnete die Evakuierung einer Zone im Umkreis von zehn Kilometern an. .."
Was wir damals schon ahnten wurde erst viele Tage später offiziell bestätigt: Das Erdbeben war der Beginn des zweiten Super-GAUs in einer Atomkraftanlage.
Gerade einmal knapp fünfundzwanzig Jahre zuvor - im April des Jahres 1986 - war es im Atomkraftwerk "Tschernobyl" zum ersten Super-GAU in der etwa jetzt etwa sechzigjährigen Geschichte der "friedlichen Nutzung der Atomenergie" gekommen. Vorher hatte es immer geheißen, mit einem Super-GAU sei vielleicht einmal in tausend Jahren zu rechnen. Neue Atomkraftwerke aus sowjetischer Produktion in Deutschlands östlichen Nachbarstaaten? Alles kein Problem. Sowjetische Atomkraftwerke sind auch nicht unsicherer als Deutsche. Anschließend waren weite Landstriche der Ukraine eine radiaktive Wüste und es hieß, die sowjettischen Atommeiler entsprächen ja auch nicht "westlichen Standards". Damit war die weltweite Atommafia wieder fein raus ... - offiziell zumindest.
Allerdings fragten sich damals viele Menschen in der damaligen BRD auch, wie es denn wohl wirklich um die Sicherheit der westdeutschen Atomkraftwerke bestellt sei, da - wie es vorher geheißen hatte - die Sowjetischen in den benachbarten Ostblockstaaten ja angeblich nicht unsicherer sein sollten, als unsere.
Die sichtbaren Folgen des Tsunamis werden igendwann beseitigt sein. Von Generation zu Generation wird die Erinnerung an den Schmerz über den Verlust so vieler Menschenleben mehr und mehr verblassen.
Die inzwischen seit einem Jahr andauernden Folgen des Super-GAUs in Japan, sowie die sonstigen strahlenden Hinterlassenschaften des Atomzeitalters - angefangen bei den radioaktiv kontaminierten Gebieten in den Uranabbaugebieten bis hin zu den Lagerstätten des über jahrmillionen gefährlich strahlenden Atommülls - werden jedoch weltweit noch sehr viele der nachfolgenden Generationen betreffen ...
Jetzt, am Ende des ersten Jahres der japanischen Atomkatastrophe, sollte wohl auch der Letzte begriffen haben, dass die vollmundigen Versprechen der Manager des Betreibers der Atomkraftanlage ("Tepco") während der ersten beiden Monaten nach dem Erdbeben, in einem Jahr werde die Anlage wieder unter Kontrolle sein, nichts als heiße Luft waren. Alles was inzwischen - oft unter Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Arbeiter - unternommen worden ist, hat gerade einmal ausgereicht, um wenigstens das Allerschlimmste zu verhindern ... - vorläufig jedenfalls. Dass die Kernschmelzen heute unter Kontrolle sind kann wohl niemand ernsthaft behaupten. Wie denn auch: Mit einem intakten Kühlkreislauf haben die improvisierten Notkühlungen nicht das Geringste gemein. Die Luft, das Land in der weiteren Umgebung der Atomruinen und das angrenzende Meer werden weiterhin kontaminiert und die Radioaktivität verbreitet sich ungehemmt über die Nahrungskette.
Die lauernde Katastrophe
Mit jedem weiteren stärkeren Erdbeben kann es jederzeit erneut zum Ausfall der provisorischen Kühlung und zum Durchschmelzen des Containments kommen. Zur Zeit des Erdbebens vor einem Jahr lagerten die Brennstäbe des Atomreaktors Nummer vier aufgrund einer Revision im Abklingbecken, das in einem der oberen Stockwerke des Reaktorgebäudes untergebracht ist. Dort liegen sie heute noch. Sollte die Kühlung des Abklingbeckens ausfallen, oder die Ruine des Gebäudes gar infolge eines Erdbens einstürzen, käme es zu einer katastrophalen Kettenreaktion: Unter freiem Himmel!
Ich kann mich noch gut an die Vertuschungsversuche und die Desinformationspolitik der damaligen Sowjetunion erinnern, nachdem der Atomreaktor des Atomkraftwerks "Tschernobyl" explodiert war. Demgegenüber hatte ich während der ersten Tage nach dem Super-GAU in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" den Eindruck, dass die Verantwortlichen in Japan offener mit der Katastrophe umgingen. Immerhin waren "Tepcos" Sprecher mit ihren "Mitteilungen zum jeweils aktuellen Stand der Probleme" von Beginn an in den Fernseehnachrichten zu sehen. Bald darauf wurde jedoch klar, dass auch "Tepco" notgedrungen immer nur gerade das bekanntgab, von dem die Manager ausgehen mussten, dass bald auch andere darauf kommen würden, was wirklich passiert war.
Zu der Tatsache, dass eine - aus welchen Grund auch immer - außer Kontrolle geratene Kettenreaktion in einem Atomkraftwerk nicht beherrschbar ist, gesellt sich die Profitgier der Atomkonzerne. Das ist in Japan nicht anders als in den USA, in Großbritanien, ... - oder in Deutschland.
Die Wärmequelle für die Erzeugung des Dampfs, der in einem Atomkraftwerk die Turbinen der Elektrogeneratoren antreibt, beruht auf den gleichen physikalischen Vorgängen, die bei der Explosion einer Atombombe ablaufen. Nur die zwischen den "Brennstäben" angebrachten "Steuerstäbe" und die ständige Kühlung der Brennstäbe halten die ungehemmte Kettenreaktion in Zaum. Infolge des Erdbebens vom 11. März 2011 wurden Kühlwasserleitungen beschädigt und der Strom für den Betrieb der Kühlwasserpumpen fiel aus. Die Brennstäbe überhitzten und verschmolzen mit den Steuerstäben zu einer einzigen strahlenden Masse. Aufgrund der zerstörten Leitungen des ehemaligen Kühlsystems der von den Kernschmelzen betroffenen Atomreaktoren ist die provisorische Kühlung der äußeren Hülle der ehemaligen Atomreaktoren alles was die endgültige Katastrophe noch aufhalten kann. Und was sagt "Tepco" dazu?: "Alles unter Kontrolle."
Das einzige, was "Tepco" schon seit langem unter Kontrolle hat, das sind die Kontrolleure, die "Tepco" eigentlich kontrollieren sollten. Wie das System funktioniert, erklärte Herr Naoto Kan (Japan, ehemaliger Premierminister) in einem Interview für das ZDF ...
Das Atomdorf
Heute, nachdem ein Jahr vergangen ist, wissen wir, dass wir auch nach dem Super-GAU im HighTech-Land Japan von Beginn an systematisch belogen worden sind. Gestern Abend widmete sich das ZDF in seiner Reihe "zoom" mit der Reportage "Die Fukushima-Lüge" diesem Thema. Darin hieß es, für den Sumpf, der es den japanischen Atomkonzernen ermöglicht, ganz nach Belieben zu schalten und zu walten, gebe es in Japan sogar einen eigenen Namen. Er lautet: "Atomdorf".
In einem Beitrag des ZDF-Magzins "Frontal 21" vom 06.03.2012 sagte Herr Naoto Kan (Zitat):
"In Japan gibt es seit langem, vor allem in den vergangenen 10, 20 Jahren, vielerlei Formen der Unterdrückung, wenn vor Gefahren der Atomenergie gewarnt wird. Wenn Experten an den Universitäten sagen, dass eine bestimmte Gefahr bestehen könnte, dann haben sie keine Karrierechance mehr. Politiker erhalten vielerlei finanzielle Unterstützung von den Energieunternehmen, aber wenn man etwas über die Gefahren der Atomenergie sagt, dann verliert man diese Unterstützung. Oder anders herum, wenn man der Atomenergie zustimmt, erhält man großzügige Spenden. Das gilt auch für die Kultur, den Sport und es schließt die Medien mit ein. Und aufgrund dieser Verflechtungen sind Verhältnisse geschaffen worden, in denen Kritik kaum geäußert werden kann. Deshalb ist das Atomdorf nicht das Problem eines kleinen Gebietes, sondern das eines ganzen Landes. Alle sind in diesem Atomdorf gefangen."
Die Grenzen zwischen den Atomkonzernen und der Regierung Japans verschwimmen. "Frontal 21" zufolge wird der Posten des TEPCO-Vizepräsidenten seit rund 50 Jahren mit ehemaligen hochrangigen Beamten aus dem Ministerium besetzt, das für die Atomaufsicht zuständig ist. Im Gegenzug würden Atommanager in die Politik wechseln. Es scheint, als würden die Atomkonzerne das Land regieren, nicht aber die demokratisch gewählten Vertreter der Bürger Japans.
Ein Stück aus dem atomaren Tollhaus
Wen wundert es da noch, wenn ein "Tepco" Mitarbeiter während einer Pressekonferenz allen Ernstes erklärt, es habe da wohl ein kleineres Problem gegeben. Etwas von dem radioaktiv kontaminierten Kühlwasser sei im Boden versickert. Die Leitungen seien von wachsendem Gras durchlöchert worden ... - HALLO?
Auf Nachfrage eines Journalisten, ob er wirklich gesagt habe, dass "Tepco" kontaminiertes Wasser durch Leitungen pumpt, die von Grashalmen zerstört werden können, versuchte sich der Mitarbeiter von "Tepco" damit herauszureden, dass es das erste Mal gewesen sei, dass sie Leitungen und Rohre über eine Wiese verlegt hätten. Er gebe zu, dass die diesbezüglichen Kenntnisse der Firma offenbar nicht ganz ausreichend gewesen waren.
Wenn das eine Szene in einem Kabarett à la "Neues aus der Anstalt" gewesen wäre, dann hätten die Leute im Publikum sich vor Lachen wohl kaum auf den Stühlen halten können ...
Nach dem "zweiten Tschernobyl"
Vor dem 11. März 2011 wurden Atomkraftgegnern, die vor einem "zweiten Tschernobyl" warnten, gerne die Atomnationen USA, Frankreich oder Japan als Beweis für die Sicherheit der Atomkraftwerke vorgehalten. So viele Atomkraftwerke, so viel "saubere Energie", ... - Anschließend war die Welt schockiert. Ausgerechnet das "High-Tech Land" Japan war - nicht einmal 25 Jahre nach "Tschernobyl" - vom zweiten Super-GAU getroffen worden. Wie konnte das nur passieren? Die japanischen Atomkraftwerke waren doch alle so konstruiert worden, dass Erdbeben ihnen nichts anhaben können!
Nur aufgrund des anhaltenden hunderttausendfachen Protests hat die wespenfarbene Bundesregierung des "High-Tech Lands" Deutschland ihre "Laufzeitverlängerung" in eine als "Atomausstieg" kaschierte Light-Version der ursprünglich vorgesehenen Verlängerung der Betriebsgenehmigungen für neun der deutschen Atomkraftwerke umgeändert: Nach derzeitigem Stand soll das letzte Atomkraftwerk in Deutschland erst im Jahre 2022 vom Netz gehen. Daran, dass die Atomkonzerne EnBW, EON, RWE und Vattenfall aber auch weiterhin alles unternehmen werden, damit ihre Meiler unter Umständen auch noch länger laufen, besteht für mich seit der Aufkündigung des Atomkonsens aus dem Jahre 2000 jedoch kein Zweifel.
Dass die "friedliche Nutzung der Atomkraft" eine nicht beherrschbare Technologie ist, das ist im Bewusstsein der politischen Handlanger der Atomkonzerne noch nicht wirklich angekommen. Da erweist sich der Tsunami, mit dem sich die aufgrund der vom Erdbeben verursachten Schäden, die bereits zum Ausfall des Kontroll- und des Kühlsystems geführt hatten, prima kaschieren ließen, im Nachhinein noch als wahrer Segen für die deutschen Atomkonzerne.
Jetzt heißt es, keines der nach dem "Atommoratorium" noch in Betrieb befindlichen neun deutschen Atomkraftwerke stünde doch an tsunamigefährdeten Standorten. Damit sind die Atomkonzerne wieder fein raus ... - offiziell zumindest. Welch ein Segen: Die Legende vom Tsunami als Auslöser der Atomkatastrophe in Japan lebt.
Allerdings fragen sich heute viele Menschen in Deutschland, wie es denn hierzulande wohl wirklich um die Sicherheit der Atomkraftwerke bestellt ist. Vorher hatte es doch immer geheißen, die japanischen Atomkraftwerke seien noch viel sicherer als unsere. Schließlich müssten diese doch den im bekanntlich erdbebengefährdeten Japan recht häufig auftretenden Erdbeben standhalten können.
Es sieht also nicht wirklich danach aus, als hätten die Verantwortlichen in den Chefetagen der Atomkonzerne und deren politische Marionetten wirklich begriffen, was sie den Menschen überall auf der Welt antun. Denen ist nur daran gelegen, dass die Kassen ihrer Konzerne klingeln.
Solange sich daran nichts ändert, werden wir wohl weiter gegen die Nutzung der Atomenergie auf die Straße gehen müssen. - Hier, und überall in der Welt:
Anlässlich des Jahrestages der Atomkatastrophe in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima-I" hat der Verband der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V." (IPPNW) für Sonntag, 11.03.2012, weltweit zu Aktionen aufgerufen. In Deutschland werden an diesem Tag an sechs Standorten in Deutschland Großdemonstrationen stattfinden.
In Bremerhaven besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Mahnwache. In einer Pressemitteilung der Grünen, die ich heute per E-Mail erhalten habe, heißt es:
".. Da nicht jede/r daran teilnehmen kann, wollen wir aber auch denjenigen, die sich nicht an den Großdemos beteiligen können die Möglichkeit geben, ihr Mitgefühl und ihre Trauer mit den Menschen in Japan zum Ausdruck zu bringen. Deshalb haben wir für den 11. März, ab 11 Uhr eine Stille Mahnwache vor der großen Kirche angemeldet. Wir rufen alle Bremerhavener/innen zur Beteiligung auf. Gemeinsam wollen wir deutlich machen, wie wichtig es ist, mit der Abkehr von der Atomenergie weltweit ernst zu machen und die Energiewende voranzutreiben".
Ich werde allerdings am Sonntag Morgen in Richtung Brokdorf aufbrechen. Je nach Windrichtung könnte ein Super-GAU im Atomkraftwerk "Brokdorf" auch für Bremerhaven noch gefährlich werden. Nach dem Willen der wespenfarbenen Bundesregierung werden wir diesem Risiko noch für neun weitere Jahre ausgesetzt sein.
Studien der Umweltschutzorganisationen "BUND" und "Greenpeace" zeigen, dass der Ausstieg aus der Atomkraftnutzung bis zum Jahr 2015 möglich wäre. Selbst nach einer Studie des Umweltbundesamtes kann Deutschland ab 2017 vollständig auf Atomkraft verzichten. Das wäre eine drastische Verkürzung des Risikos um fünf bis sieben Jahre!
Der direkt an der Elbe gelegene Standort des Atomkraftwerks "Brokdorf" und seinem Standortzwischenlager sind sturmflutgefährdet. Außerdem ist er ebensowenig gegen den Einschlag eines abstürzenden Passagierflugzeugs geschützt, wie alle anderen acht Atomkraftwerke auch.
Der Demonstrationszug in Hannover vom Opernplatz über Kröpke, Georgstraße, Schillerdenkmal, Schillerstraße, Ernst-August-Platz/Hauptbahnhof, Joachimstraße, Theaterstraße, Ständehausstraße zurück zum Opernplatz wendet sich gegen den Weiterbetrieb des nahegelegenen Atomkraftwerks "Grohnde".
Auch in Grundremmingen werden zwei Demonstrationszüge von Sammelplätzen am Ortseingang zum Rathaus ziehen. Die Demonstration wendet sich gegen jede weitere Nutzung der Atomenergie - in Deutschland, in Europa und weltweit. Besonderes Augenmerk richten die Veranstalter aber auf besonderen Gefahren, die von den beiden letzten Siedewasser-Reaktoren Deutschlands ausgehen, die in der Region von RWE und EON betrieben werden. Auch die havarierten Atomreaktoren in Fukushima sind Siedewasser-Reaktoren.
In Baden-Würtemberg, wo wir im letzten März von der Nachricht über die Atomkatastrophe in Japan überrascht worden waren, wird sich in diesem Jahr ein Demonstrationszug von Kirchheim/Neckar zum Atomkraftwerk "Neckarwestheim" bewegen. Ebenso wie die Atomkraftwerke in Japan steht auch das "Neckarwestheim" auf wackeligem Boden. Sollte es einmal notwendig werden, dort nach einem Super-GAU eine Notkühlung nach dem Vorbild von "Fukushima-I" mit Wasser aus dem Neckar zu improvisieren, dann wären die flussabwärts gelegenen Bereiche entlang des Neckars, der Rhein von Ludwigshafen bis hin zur Nordsee und das dortige Wattenmeer radioaktiv kontaminiert.
Zum Gedenken an die Opfer von Fukushima und aus Protest gegen den unverantwortlichen Umgang mit Atommüll in Deutschland sollen die Atommüll-Brennpunkte im Braunschweiger Land ("Eckert & Ziegler" in Braunschweig-Thune, "Asse II", "Schacht Konrad") mit einer 80 Kilometer langen Lichterkette verbunden werden.
In Gronau werden die Demonstrationsteilnehmer nach einer Auftaktkundgebung am Bahnhof zur Kundgebung vor dem Tor der Urananreicherungsanlage "Urenco" ziehen, an der zu einem Drittel auch die beiden Atomkonzerne RWE und EON beteiligt sind.
"Urenco" betreibt dort die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage, deren Kapazität ausreicht, um weltweit jedes 10. Atomkraftwerk mit angereichertem Uran beliefern zu können. Zudem läuft im nahegelegenen Lingen in der dort ansässigen Brennelementefabrik die Produktion unbehelligt weiter.
Sobald die dorthergestellten Brennelemente oder das in Gronau angereicherte Uran Deutschland verlassen haben, hat hierzulande niemand mehr die Kontrolle darüber, was am Ende einmal damit geschehen wird. Wer weiß den heute schon, ob die ausgebrauchten Brennelemente nicht eines Tages auf der wilden Atommüllkippe im russischen Majak landen werden? Denkbar wäre unter anderem aber auch, dass Bestandteile des radioaktiven Materials irgendwann in der Produktion von Atomwaffen Verwendung finden könnten.
Bei Nacht (allerdings ohne Nebel, dafür aber mit viel Staub) ...
... geht's dem alten Haus ...
... an den Kragen.
Viel ist von dem einst prächtigen Gründerzeithaus nicht mehr übrig geblieben. Der Anbau mit dem Atlantis-Kino ist schon seit eingen Tagen verschwunden.
In meiner Erinnerung war die Fassade des Gebäudes allerdings "schon immer" hinter hässlichen Ethernitplatten verschwunden. Es gibt allerdings ein altes Foto, auf dem es in all seiner ehemaligen Pracht zu sehen ist.
Jetzt geht es Stück für Stück dem Hauptgebäude an den Kragen. Jedes Mal, bevor der Abrissbagger ein weiteres Stück der Fassade an der Hafenstraße abbricht, halten Mitarbeiter der Abrissfirma den Verkehr auf der Straße an.
Das hat auch seinen Grund. Zum einen gibt es keine Garantie dafür, dass keine Trümmer der Fassade auf der Straße landen, und zu anderen gibt es jedes Mal eine recht beeindruckende Staubwolke, die den Fahrzeugen auf der Straße die Sicht nehmen könnte. Vermutlich ist das auch der Grund, warum die Arbeiten in der Nacht stattfinden und nicht am Tage, wenn auf der Hafenstraße reges Treiben herrscht.
Diese Ecke in Bremerhaven, an der die Franziusstraße, die Rickmersstraße, die Bürgermeister-Smidt-Straße und die Barkkausenstraße aufeinandertreffen, nennt sich "Roter Sand".
Dazu, wie es zu diesem Namen kam, gibt es verschiedene Theorien. Die wohl am häufigsten genannte bezieht sich auf die Ziegeleiteiche, die von den Ton-Abbaugruben im Bereich hinter dem Haus auf der rechten Seite zurückgeblieben waren und aus denen das Rohmaterial für die Ziegel vieler der Bremerhavener Gründerzeithäuser gewonnen wurde. Demzufolge spielt der Name auf die rote Farbe der Ziegel ab.
Allerdings ist wäre dabei zu bedenken, dass die lehmartige Tonerde nicht rot ist und ihre Konsistenz nicht das geringste mit Sand zu tun hat. Die rote Farbe nehmen die Ziegel erst nach dem Brennvorgang an. Die Ziegeleiteiche sind nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet worden. An der Stelle, an denen früher einmal der Ton für den Boom im Wohnungsbau der damaligen Vorgängergemeinden der heutigen Stadt Bremerhaven abgebaut worden ist befinden sich heute Sportanlagen.
Das Backsteingebäude links im Bild ist das Zollamt "Roter Sand". Nachdem bei Weddewarden im Norden des bremischen Hafengebietes ein neues Hauptzolltor eingerichtet worden war, verlor das Zolltor "Roter Sand" für einige Jahre an Bedeutung. Über den Autobahnzubringer Cherbourger Straße ist das neue Hauptzolltor für die Container-Transporter erheblich bequemer zu erreichen. Im letzten Jahr wurde die Fassade des Gebäude jedoch komplett saniert. Um den Verkehrsfluss auf der Zufahrt zum Hauptzolltor zu verbessern ist schon seit vielen Jahren eine Untertunnelung der Cherbourger Straße in Planung. Der Tunnel soll wohl in den nächsten Jahren gebaut werden. Möglicherweise wird das Zolltor "Roter Sand" dann noch einmal für einige Zeit aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden.
Das Gründerzeithaus rechts im Bild ist ein freistehendes Eckgebäude, mit dem für viele Bremerhavener aus meiner Generation persönliche Erinnerungen verbunden sind. Im Erdgeschoss war früher das griechische Restaurant "Akropolis" untergebracht. Nach der Schulzeit bin ich dort mit ehemaligen Schulfreunden ab und zu zum Essen gewesen. Wir haben dort gemeinsam viele schöne Stunden verbracht. Da wir alle damals aber noch nicht viel Geld in der Tasche hatten, haben wir uns an den Wochenenden oft reihum bei einem beziehungsweise, einer aus unserer Clique getroffen und haben gemeinsam selbst etwas gekocht. Wir waren dabei sehr experimentierfreudig und haben Rezepte aus aller Herren Länder nachgekocht.
Als es Ende den siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts zum sogenannten Nachrüstungsbeschluss der NATO kam, wurde das Kriegsmaterial dafür auch über die bremischen Häfen in Bremerhaven eingeführt. Zu der Zeit war in Bremerhaven noch das Hauptquartier des "US Military Sealift Command" für Europa untergebracht. Am Roten Sand gab es damals etliche Sitzblockaden. Lautstarke und moralische Unterstützung erhielten die Demonstranten auf der Straße von den Bewohnern des Gründerzeithauses, die sich an den offenen Fenstern am Protest auf der Straße beteiligten. Auch einige der Fotos und Filmaufnahmen, die damals in der Presse und im Fernsehen zu sehen waren, wurden aus den Fenstern des Hauses heraus aufgenommen.
Die Stationierung der Kurzstreckenraketen mit ihren Atomsprengköpfen haben wir damit natürlich nicht verhindern können. Aber es gab uns zumindest das Gefühl, alles was gewaltlos und mit friedlichen Mitteln möglich war, gegen die neuerliche Eskalation des militärischen Irrsinns des Kalten Krieges unternommen zu haben. Einen größeren Einfluss auf die politischen Entscheidungen, die letztlich zu Gesprächen zwischen Vertretern der DDR und der BRD sowie zu ernthaften Abrüstungsverhandlungen und später zum Fall des Eisernen Vorhangs führten, hatte wohl die große Demonstration der Friedensbewegung im Bonner Schlossgarten ...
Das blau-weiße Gebilde geradeaus im Hintergrund des Fotos ist nicht etwa ein weiteres Gebäude, sondern ein Autotransporter, eine dieser "schwimmenden Hochgaragen", die eher Ähnlichkeit mit einem unten vorn und achtern angespitzten Schuhkarton haben, als mit einem Schiff.
Dem Gründerzeithaus drohte lange Zeit ein ähnliches Schicksal wie auch anderen Spekulationsruinen im benachbarten Stadteil Lehe. Es stand lange Zeit leer und zeigte bereits erste Spuren des Verfalls. Das Gebäude ist der zentrale Blickfang am Roten Sand. Wäre der Verfall so weit vorangeschritten, dass es hätte abgerissen werden müssen, dann wäre das ein herber Verlust für Bremerhaven gewesen.
Wenn ich richtig informiert bin, dann wurde das Haus verkauft und der neue Eigentümer hat es innen und außen gründlich saniert. Nicht nur die Fassade wurde im letzten Jahr mit frischer Farbe wieder ins rechte Licht gesetzt; auch die alten hölzernen Fenster sind in allen Etagen durch neue Fenster mit Isolierverglasung ersetzt worden. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Mieter. Wahrscheinlich ist dieses Gebäude - neben einigen Gründerzeithäusern in der "Alten Bürger" - das einzige in ganz Bremerhaven das noch etwas von dem Wohngefühl aus den Gründerjahren der "Hafenstadt" Bremerhaven mit Blick auf den Betrieb in den Kaiserhäfen vermitteln kann ...
Im letzten Winter, als Frankreichs 58 Atommeiler am oberen Leistunglimit liefen und trotzdem nicht in der Lage waren, die benötigte Energie für Millionen von Elektroheizungen in französichen Haushalten zu produzieren, da war die "Grande Nation nucléaire" in der glücklichen Lage, dass Deutschland mit Strom aus regenerativen Energiequellen aushelfen konnte.
Eigentlich sollten die Ereignisse dieses Winters für jeden von uns ein Ansporn sein, den Ausbau erneuerbarer Energien mit aller Macht voranzutreiben und Stromfresser zügig durch energieeffiziente Geräte zu ersetzen. Die Politiker, die ja laut Grundgesetz unseren Willen ("alle Macht geht vom Volke aus" heißt es da) umsetzen sollen, müssten schon von sich aus bereit sein, unser Land zur Nummer Eins unter den atomstromfreien und CO2-neutralen Stromexporteuren Europas zu machen - und sei es auch nur, um die Energieanlagenwirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig damit die Rahmenbedingungen für eine höhere Beschäftigung zu schaffen.
Leider ist die Energiewende für die wespenfarbene Bundesregierung scheinbar aber nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Auf fahrlässige Weise verschleppt sie das Ende des Atomzeitalters in Deutschland. Erst in 10 Jahren sollen - nach aktuellem Stand der Planungen - die meisten der neun Atomkraftwerke abgeschaltet werden. In Szenarien von Nichtregierungsorganisationen (NGO) ist vorgerechnet worden, das dieses Ziel bereits in 3 bis 5 Jahren erreichbar gewesen wäre.
Ein Geschenk an die Energiekonzerne ...
Damit die Atomkraftwerke und die fossil befeuerten Großkraftwerke noch bis mindestens 2022 ihre Daseinsberechtigung behalten, sind die politischen Handlanger der Atomkonzerne gerade dabei, die - aus ihrer Sicht offenbar überraschenderweise - erfolgreiche Energiewende auszubremsen. Drastische Kürzungen für die Förderung des Ausbaus der Solarenergie sollen den Zubau neuer Anlagen auf privaten Hausdächern möglichst zum Erliegen bringen.
Da verwundert es natürlich auch nicht, wenn der Verband der Energiewirtschaft (BDEW) die drastische Kürzung der Förderung regenerativer Energien ausdrücklich begrüßt. Das berichtet die TAZ im einem Artikel vom 29.02.2012. Dort erfährt man auch etwas über den Grund für die Freude der Betreiber der Atomkraftwerke und der fossil befeuerten Großkraftwerke. Im letzten Jahr sei die Einspeisung aus Atom-, Steinkohle- und Erdgasanlagen um 33 Terrawattstunden gesunken, während der Anteil der Einspeisung aus regenerativen Energiequellen im gleichen Zeitraum um 19 Terrawattstunden zugenommen habe.
Am Mittwoch wurden die angekündigten Einschnitte bei der Solarförderung in Höhe von bis zu 30 Prozent besiegelt. Die im "Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) neu festgelegten Regelungen für Dachanlagen und Solarparks sollen bereits ab dem 09.03.2012 gelten. Wie das "Handelsblatt" in einem Artikel 29.02.2012 auf seiner Onlineseite berichtet, sorgt außerdem eine Regelung für Ärger, mit der die Herren Röttgen (CDU, Bundesumweltminister) und Rösler (FDP, Bundeswirtschaftsminister) einvernehmlich bei allen Ökoenergie-Formen am Parlament vorbei weitere Kürzungen vornehmen könnten.
In einem Redebeitrag im Rahmen der Kundgebung im Anschluss an die Menschenkette im April 2010 entlang der Elbe zwischen den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hatte Herr Trittin (Bündnis 90 /Die Grünen) über Herrn Röttgen gesagt: ".. Manche halten ihn ja für einen verkappten Atomkraftgegner. Ich wäre da vorsichtig. Sehr vorsichtig. Vielleicht ist der Herr Röttgen nur nicht so dumm, wie Herr Mappus (CDU) und der Herr Seehofer (CSU), die einfach offen sagen, wohin die Reise gehen soll. .." (zu hören in meinem Video über die Kundgebung in Glückstadt am 24.04.2010). Auch wenn der Herr Trittin selbst schon Dinge versprochen hat, die hinterher nicht gehalten wurden (Atommülllager Nord), so war seine Warnung bezüglich der Diskrepanz zwischen dem Gerede und dem Handeln Herrn Röttgens damals sicher nicht aus der Luft gegriffen.
... zu Lasten der Energiewende
Wie das "Handelsblatt" weiter berichtet, sind die drastischen Kürzungen und die neue Regelung im EEG aus Sicht der Opposition im Bundestag ein Frontalangriff auf die Energiewende. Die Entscheidungen seien gerade in den östlichen Bundesländern eine Existenzbedrohung für viele Solarfirmen. In einem Artikel ihrer "Energie und Klima-News" vom 01.03.2012 schreibt "Heise Telepolis", eine Berliner Anwaltskanzlei habe deswegen eine Verfassungsbeschwerde gegen die geplante EEG-Novelle angekündigt. Außerdem sei zu prüfen, ob nicht auch eine zivilrechtliche Klage auf Staatshaftung möglich ist, da die Koalition den betroffenen Firmen durch gezielt verbreitete, möglicherweise aber sachlich nicht gerechtfertigte Vorab-Informationen zu geplanten Gesetzesänderungen und mit drastischen Kürzungen bereits erheblichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt habe.
Dem Handeslblatt zufolge haben mehrere ostdeutsche Landesregierungen bereits Widerstand angekündigt. Herr Noll (Unternehmensinitiative Energieeffizienz, DENEFF, Vorstand) kritisiert dem Handelsblatt zufolge, dass die Bundesregierung das Potential bei der Energieeinsparung vernachlässigt und statt dessen auf neue Netze und Kraftwerke setzt. Jedes neue Kraftwerk, jeder neue Meter Netz und jeder neue Speicher, werde sich auf den Energierechnungen von Verbrauchern und Unternehmen wiederspiegeln. Noch habe Deutschland einen Anteil von 17 Prozent am Weltmarkt für energieeffiziente Produkte. Beispielsweise habe es bei Kühl- und Gefrierschränken oder bei Dämmstoffen in den letzten Jahren große Fortschritte gegeben. Sollte die Bundesregierung diesen Unternehmen das Wasser abgraben, dann fänden sie zunehmend attraktivere Investitionsbedingungen im Ausland.
Ein Placebo gegen den Widerstand
Angesichts all dieser einzelnen Informationen, die erst zusammen ein komplettes Bild ergeben, drängt sich förmlich der Eindruck auf, diese Bundesregierung habe sich von ihren früher einmal angekündigten Zielen bezüglich des deutschen Beitrags im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe innerlich längst verabschiedet. Anstatt die dringend notwendige Energiewende - hin zu einer dezentralen Energieversorgung auf Grundlage regenerativer Energiequellen - zielstrebig weiter zu verfolgen, fährt sie einen klimapolitischen Schlingerkurs, mit dem sie die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen aufs höchste gefährdet.
"Der Westen" berichtete gestern in seiner Online-Ausgabe, der massive Widerstand in der Bevölkerung, der regenerativen Energiewirtschaft, sowie in Teilen der Politik zeige erste Wirkungen. Der Bund sei offenbar bereit, sich bei den geplanten Kürzungen der Solarförderung zu bewegen. Die Kappung der Einspeisevergütung werde möglicherweise erst zum 01.04.2012 kommen. Darauf weise ein Positionspapier von Union und FDP hin, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliege. Eigentlich war die Kürzung bereits zum 09.03.2012 beschlossen worden. Dieses lächerliche Zugeständnis, das die Wogen des Widerstands glätten soll, gleicht einem Placebo gegen Kopfschmerzen.
Wirklich gewonnen wäre damit nämlich noch gar nichts: Aufgeschoben ist schließlich nicht aufgehoben!
Der Widerstand lässt deshalb auch in der Politik nicht nach. Die Herren Remmel (Grüne, Nordrhein-Westfahlen, Umweltminister) und Machnig (SPD, Thüringen, Wirtschaftsminister) haben bereits angekündigt, sie würden im Bundesrat gegen die Kappung der Solarvergütung vorgehen. Herr Machnig sehe 30000 der 130000 Jobs in der Solarbranche in Gefahr. Seit längerem stünden die heimischen Hersteller von Photovoltaik-Anlagen maßgeblich aufgrund der Billigkonkurrenz aus China unter Druck. Die Kürzungen könnten für diese Firmen das Aus bedeuten. Eine Kürzung der Förderung um "15 Prozent plus X" hält Herr Machnig dem "Westen" zufolge für denkbar. Ein Zurückfahren um 20 bis 30 Prozent, wie es der Bund vorsieht würden beide Minister jedoch ablehnen.
Rückendeckung erhoffe sich Herr Machnig aus den ostdeutschen Bundesländern, in denen viele Solarparks betrieben werden. Herr Haseloff (CDU, Sachsen-Anhalt, Regierungschef) möchte zum Beispiel, dass alle bereits geplanten Großprojekten noch die bisherige Vergütung erhalten. Diebezüglich könne er auf Unterstützung seiner Parteikollegin Frau Kramp-Karrenbauer (CDU, Saarland, Regierungschefin) hoffen, die eine geringere Förderung für Freiflächen-Anlagen für das "falsche Signal" halte.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass einvernehmliche Lösungsansätze oder Absichtserklärungen für freiwillige Beiträge zum Umbau der Energieversorgung in Deutschland nicht zum Erfolg führen und deshalb keine Zukunft haben. Ich hoffe deshalb, dass die wespenfarbene Regierungskoalition bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr die Quittung für ihre gefährliche Energie- und Klimapolitik bekommen wird, und dass die nächste Bundesregierung die Lobbys der Klimakiller und der Atomkonzerne endlich in ihre Schranken verweisen wird. Nur so könnte die Energiewende in unserem Land noch rechtzeitig gelingen.
In der Vergangenheit gab es ja oft genug Anlass für Kritik an Entscheidungen der Politik und der Verwaltung unserer Stadt. Deshalb ist es erfreulich, wenn es etwas auch einmal lobenswertes zu berichten gibt.
Anfang Februar hatten mehrere Initiativen aus Lehe gemeinschaftlich eine Führung durch das Leher Gründerzeitviertel unter der Leitung von Herrn Dr. Bickelmann (Stadtarchivar) mit anschließendem Grünkohlessen organisiert. Die Führung hat den Teilnehmern sehr gut gefallen. Das einzige, was allgemein negativ auffiel, war die zentimeterdicke Masse aus breitgefahrenen Feuerwerkskörpern, die dort seit der Sylvesternacht immernoch herumlag. Inzwischen hatten sich auch schon die Hinterlassenschaften diverser Hunde und andere undefinierbare Bestandteile nahtlos in den unappetitlichen Pappbrei integriert.
Normalerweise sollte es ja selbstverstänlich sein, dass man den Müll, den man verursacht, anschließend auch wieder beseitigt. Den Rest des Sylvestermülls auf den Fußwegen fegen die Bewohner der Häuser dann irgendwann zusammen. In anderen Straßen des Viertels funktioniert das eigentlich ganz gut.
Am Donnerstag erzählte mir nun ein guter Bekannter, er habe sich Anfang der Woche wegen des Mülls auf der Fahrbahn der Heinrichstraße an die "Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft" (BEG) gewandt und um die Reinigung der Straße gebeten.
Die BEG habe daraufhin prompt und unbürokratisch reagiert. Bereits am Mittwoch hätten Mitarbeiter der BEG die Fußwege per Besen gereinigt und Halteverbotsschilder für die beiden darauf folgenden Tage aufgestellt, um die Fahrbahn mit der Kehrmaschine reinigen zu können.
Dem Lob meines Bekannten schließe ich mich hiermit gerne an.