Donnerstag, 29. April 2010

Eigentlich haben wir es richtig gut


Bremerhaven: Geestemündung, Nordmole

Eigentlich haben wir Bremerhavener es doch richtig gut. Wir wohnen schon genau da, wo andere Leute extra hinfahren müssen, damit sie ihren Urlaub dort verbringen können.

Von der Südmole der Geestemündung kann man die gesamte Bremerhavener Wasserkante überblicken. Ganz links "am Horizont" sieht man die Containerbrücken an der Stromkaje des Containerterminals und die Columbuskaje mit dem Passagierterminal. Dann folgen der Lohmanndeich, das rot weiß gestreifte Bremerhavener Unterfeuer an der Seebäderkaje, der Zoo am Meer, das Bremerhavener Oberfeuer und die Strandhalle.

Am augenfälligsten sind von hier aus aber die drei zentralen Gebäude im neuen Tourismus-Zentrum "Havenwelten". Im Hintergrund, links neben dem Backsteinturm des Leuchtfeuers auf der Nordmole, ist der "Sail City" Turm zu sehen. Zu ebener Erde gibt es darin ein Restaurant mit Panoramablick auf die Weser. Darüber folgt das "Atlantic Hotel Sail City" und in den oberen Etagen sind Büros untergebracht. Auf dem Dach des Turms befindet sich eine Aussichtsplattform. Von dort oben hat man bei klarem Wetter eine phantastische Fernsicht auf die Unterweser, über die weite Ebene Ostfrieslands, über die Nordsee und bis zu den Wäldern, Wiesen und Feldern im Osten der Stadt.

Auf beiden Seiten des Leuchtfeuers schaut unten jeweils ein Stück des "Klimahaus 8° Ost" hervor. Wem Bremerhaven irgendwann zu klein sein sollte, der kann dort auf eine Welteise entlang des achten Längengrades rund um die Welt durch alle Klimazonen unseres Planeten gehen. Gehen ist dabei wörtlich zu nehmen, denn das ist schließlich die klimaschonendste Art und Weise, in der man um die Welt reisen kann. Vorausschauende Weltreisende erkennt man im Klimahaus an den warmen Jacken, die sie unter dem Arm tragen. Nach der Sonne Afrikas in der trockenen Sahelzone und der feuchten Hitze des tropischen Regenwalds in Kamerun, wird es danach in der Antarktis nämlich richtig kalt.

Rechts vom Leuchtfeuer ist die gläserne Kuppel über der Piazza des "Mediterraneo" - einem mediterran dekoriertem Einkaufszentrum - zu erkennen, und dann folgen die drei Hochhäuser des Columbus-Centers, zu deren Füßen der Alte Hafen und das "Deutsche Schiffahrtsmuseum" liegen ...


Hinter mir, auf der Südmole der Geestemündung, gibt es einen Parkplatz. An schönen Tagen, so wie es heute einer ist, stehen dort jede Menge Wohnmobile mit Nummernschildern aus der gesamten Bundesrepublik. Die Urlauber sitzen dort dann entspannt in der Sonne und genießen den Blick auf die Weser und die vorüberfahrenden Schiffe.

Eigentlich haben wir Bremerhavener es doch richtig gut. Wir könnten das alles jeden Tag genießen. Leider gilt das aber für den arbeitenden Teil der Bremerhavener Bevölkerung nur für das Wochenende ... - und im Urlaub fahren wir in die Berge. Man will ja schließlich auch ab und zu einmal etwas anderes sehen.

Dienstag, 27. April 2010

Kommerzieller Walfang: Update


Nach dem Schock von heute Mittag, gibt es zum Abend noch etwas zum Entspannen: Lasst euch einfach hineinfallen in die blaue Tiefe des Ozeans, und schwimmt mit den Buckelwalen ...


Es ist 18:56 in Deutschland ...

... und soeben wurde die magische Zahl 500000 übersprungen!

Innerhalb von 4 Tagen kaben sich damit mehr als eine halbe Million Menschen gegen die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs ausgesprochen. Wenn es so weitergehen sollte, dann könnten es bis zum Ende der Woche eine Million werden. Hoffentlich reicht dieser Aufschrei gegen die Ausrottung dieser faszinierenden Mitgeschöpfe. Es wäre ein unbeschreiblicher Gewinn für unseren Planeten, wenn es den Walfang-Gegnern gelänge, die lange überalterten und nur noch künstlich mit kräftigen Subventionen am Leben gehaltenen Walfangflotten endlich aufzulegen und abzuwracken.

  • Vom Weltraum aus gesehen,
    ist der Planet ein blauer.
    Vom Weltraum aus gesehen,
    ist der Planet die Welt des Wals.
    Und nicht des Menschen.

    Blaue Meere bedecken sieben Zehntel der Erdoberfläche
    und sind das angestammte Reich des größten Geschöpfes,
    das je geschaffen wurde.


    Heathcote Williams
    (aus dem Buch "Kontinent der Wale")



Kommerzieller Walfang


Japan's Walfang "aus wissenschaftlichen Gründen": Endstation auf japanischen Tellern!

Aus aktuellem Anlass greife ich das Thema "Walfang" heute noch einmal auf. Weltweite Proteste gegen den industrialisierten, kommerziellen Walfang, der einige Arten bereits an den Rand der Ausrottung gebracht hatte, führten im Jahre 1986 zu einem Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC), das seit dem die Jagd auf Wale verbietet.


Am letzten Donnerstag hatte ich darüber geschrieben, dass das Walfangmoratorium der IWC jetzt aufgrund eines Vorstoßes von Japan gefährdet ist, und auf eine Petition gegen den "Kompromissvorschlag" Japans zur Legalisierung des Walfangs hingewiesen, die vom internationalen demokratischen Netzwerk AVAAZ initiiert wurde. Aktuell wurde diese Petition inzwischen von 485544 Menschen online unterzeichnet - Tendenz: Erfreulicherweise steigend.

Der Kompromiss, über den auf der IWC-Tagung im Juni abgestimmt werden soll, beinhaltet Fangquoten für Island, Japan und Norwegen von jährlich 1392 Walen. Das Walfang-Moratorium von 1986 wäre damit Geschichte!

Die Internetseite "entwicklungspolitik online (epo)" zitiert Frau Altherr (Pro Wildlife) mit den Worten: "Diese Fangquoten einen Kompromiss zu nennen, ist absurd: Für Japan und Island wären die Quoten vorerst kaum eine Einschränkung. Und die norwegischen Walfänger dürften sogar mehr Zwergwale töten als sie dies derzeit tun." Und die Süddeutsche Zeitung zitiert Herrn Junichi Sato (Greenpeace Japan) mit den Worten: "Zurzeit scheint es, dass die Wale alle Zugeständnisse machen und nicht die Walfänger". Der Vorstoß halte eine sterbende Walfangindustrie am Leben, nicht die Wale.

Die kommerziellen Fangquoten schließen ausdrücklich auch Finnwale und Seiwale ein, die beide auf der Roten Liste der IUCN stehen und sich noch immer nicht von der intensiven Bejagung in den Jahrzehnten vor 1986 erholt haben.

Der Spiegel schrieb am 23.04.2010, Japan reibe sich nach der Veröffentlichung des "Kompromissvorschlags"bereits die Hände, erachte die Einschränkungen seitens des IWC jedoch als zu drastisch. Die vorgeschlagenen kommerziellen Fangquoten liegen nämlich unterhalb der Anzahl der "zu wissenschaftlichen Zwecken" umgebrachten Tiere.

Nebenbei bemerkt:
Der Begriff "Walfang" ist - trotz der drohenden Konsequenz der Ausrottung kompletter Arten - absolut verharmlosend. Wer einmal gesehen hat, wie die Wale gequält werden, bevor sie endlich tot sind, der wird wissen, was ich damit meine. Die industrielle Jagd auf Wale ist keine "Jagd": Die Wale haben gegen die Jagdboote mit ihren elektronischen Ortungssystemen und Harpunenkanonen nicht die geringste Chance. Wal-"Fang" ist nichts weiter als ein abscheuliches, blutiges Gemetzel, das für jeden einzelnen getroffenen Wal einen langen Todeskampf unter qualvollen Schmerzen bedeutet. Bei aller Kritik an der industrialisierten Massentierthaltung: Kein Schwein wird unter dermaßen widerlichen Verhältnissen abgeschlachtet wie die großen Wale!


Heute erhielt ich erneut eine Nachricht von AVAAZ, die ich im folgenden wörtlich zitiere:


Liebe Freundinnen und Freunde,

Ein Vorschlag soll den Walfang zu kommerziellen Zwecken wieder zulassen - Die Staaten entscheiden jetzt über ihre Position und müssen von uns hören! Unterzeichnen Sie die Petition zur Beibehaltung des Walfangverbots und zum Schutz der Wale:

Die Internationale Walfangkommission hat gerade einen Vorschlag veröffentlicht und will die kommerzielle Jagd auf Wale erstmals seit 24 Jahren wieder zulassen.

Staaten entscheiden jetzt über ihre Position - und beachten dabei die Reaktion der Öffentlichkeit. Neuseeland bezeichnet die Bestimmungen, die unter anderem eine Quote für die Jagd auf gefährdete Finnwale beinhaltet, als "provozierend", "schockierend" und "inakzeptabel". Doch Gerüchten zufolge neigen einige Schlüsselstaaten dazu, den Vorschlag abzunicken. Diese müssen jetzt von uns hören!

Avaaz startet diese Petition um unseren Regierungen deutlich zu machen, dass die Wale geschützt werden müssen - nicht gejagt, getötet und verkauft. Wir werden sie an die Delegierten der Internationalen Walfangkommission senden - für alle 100 000 Stimmen aufs Neue. Unterzeichnen Sie jetzt und gewinnen Sie Freunde und Familie für diese Aktion: http://www.avaaz.org/de/whales_under_threat/?vl

Seit Jahrzehnten widersetzt sich ein starker internationaler Konsens dem Walfang - doch genauso lange haben Japan, Norwegen und Island die Jagd fortgesetzt und dabei das weltweite Verbot ignoriert. Dabei machen manche von einem Schlupfloch Gebrauch und behaupten ihre Expeditionen seien für "wissenschaftliche Zwecke". Jetzt könnte diese Haltung auch noch belohnt werden, denn ein "Kompromissvorschlag" würde den Walfang wieder legalisieren.

Schlimmer noch, der Prozess wird von einer ganzen Reihe von Ländern scharf beobachtet - von denen Viele die Absicht haben, eigene Walfang-Programme zu starten, sobald der Vorschlag angenommen ist. Wenn Japan, Norwegen und Island Wale jagen und ihr Fleisch verkaufen, werden sich andere fragen, "warum nicht wir"?

Die Wale brauchen unsere Hilfe - schon wieder. Folgen Sie dem Link und leiten Sie die Petition weiter um der Legalisierung des kommerziellen Walfangs entgegenzutreten:

http://www.avaaz.org/de/whales_under_threat/?vl

Es ist gerade einmal 40 Jahre her, dass viele Arten der großen Meeressäuger an der Schwelle zur Ausrottung standen. Dank einer weltweiten Bürgerbewegung, wurde die Jagd auf Wale im Jahr 1986 verboten. Das Erreichen dieses Entschlusses gilt noch heute als einer der größten Triumphe der Umweltschutzbewegung.

Doch noch immer sind die Tiere einer Fülle von Gefahren ausgesetzt: Neben den Harpunen der Walfänger sind es auch noch der Klimawandel, die Zerstörung der Lebensräume durch Überfischung und Verschmutzung und die Gefahr durch Netze anderer Fangflotten. Die Wiederaufnahme des gewerblichen Walfangs wäre verheerend für diese überaus intelligente und dem Menschen in vielen Dingen so ähnliche Spezies. Wir dürfen diesen Schritt in die Vergangenheit nicht machen.

Voller Hoffnung,

Ben, Ricken, Paula, Iain, David, Luis, und das gesamte Avaaz Team


Bis zur nächsten "100000" fehlen noch 15000 UnterzeichnerInnen. Wenn diese Marke erreicht wird, dann wird eine halbe Million Menschen hinter der Forderung nach dem Verbot der Jagd auf Wale stehen!

Wer mich kennt, der weiß, dass mir der Artenschutz - insbesondere aber der Schutz der Wale - sehr am Herzen liegt. Deshalb bitte ich heute alle unter euch, denen es nicht egal ist, dass eine Art nach der anderen spurlos von unserem Planeten verschwindet, die aber die Petition bisher nicht unterzeichnet haben: Schließt euch der Petition gegen die Wiederzulassung der Jagd auf Wale zu kommerziellen Zwecken an.

Der Text der Petition lautet:
"An die Mitglieder der Internationalen Walfangkommission:
Als Bürger aus der ganzen Welt fordern wir Sie auf, das Verbot kommerziellen Walfangs als zentrale politische Aufgabe der Internationalen Walfangkommission, in ihrem Streben nach der Erhaltung von Walen, beizubehalten."


Die Petition kann auf der Internetseite
von AVAAZ online unterzeichnet werden
.


(Quellen: AVAAZ, entwicklungspolitik online, Süddeutsche Zeitung vom 23.04.2010, Der Spiegel vom 23.04.2010)

Schwebende Fähren


Die Oste bei der Ortschaft Osten

Wenn man von Bremerhaven "über die Dörfer" zur Elb-Fähre Wischhafen-Glückstadt fährt, dann kommt man einige Kilometer vor Wischhafen an die "Oste", die ungefähr 25 Kilometer nördlich von dieser Stelle in die Elbe mündet. Am anderen Ufer liegt rechterhand die kleine, beinahe 800 Jahre alte Ortschaft Osten. Unübersehbar überspannt dort eine große Stahlkonstruktion die Oste.

Was dort wie eine Brücke in der Landschaft steht, bei der man beim Bau die Auf- und Abfahrrampen vergessen hat, ist die Tragekonstruktion der ältesten der beiden in Deutschland existierenden Schwebefähren, die in den Jahren 1908 bis 1909 errichtet wurde. Zu dieser Zeit war die Oste noch ein wichtiger Handelsweg, der von vielen Schiffen befahren wurde. Die Durchfahrtshöhe der Tragekonstruktion von 30 Metern über NN ermöglichte auch den damals noch gebräuchlichen Segelschiffen mit ihren hohen Masten die Durchfahrt.





Osten: Fährwagen der Schwebefähre

Auf den Fahrschienen unter der Querverbindung über dem Fluss ist ein Fahrwerk montiert, an dem ein 16 Meter langer und 4,3 Meter breiter Fährwagen aufgehängt ist. Bei einer Tragkraft von 18 Tonnen konnten damit bis zu 6 Autos oder 100 Personen in ungefähr drei Minuten vom einen Ufer der Oste an das andere befördert werden.



Osten: der "Fährkrug" ...


... mit der benachbarten "Anlegestelle" der Schwebefähre

Da ich früh unterwegs war und noch etwas Zeit hatte, bin ich nach der Überquerung der Oste kurzentschlossen von der Bundesstraße abgebogen und nach Osten hineingefahren. Wenn man dort so vor dem "Fährkrug" steht, der von der Stahlkonstruktion der Schwebefähre überragt wird, dann bekommt man erst den richtigen Eindruck von den Dimensionen dieses "historischen Wahrzeichens der Ingenieurbaukunst in Deutschland".





Osten: Der Fahrstand der Schwebefähre

Gegenüber vom "Fährkrug" steht ein Haus in dessen Erdgeschoss ein Informationszentrum untergebracht ist. Im Schaufenster sind dort Fotos aus der Geschichte der Schwebefähre, im Zuge von Wartungsarbeiten ausgewechselte Zahnräder, Schaffnerutensilien und weiteres Zubehör aus der Zeit ausgestellt, als die Schwebefähre hier noch die einzige Verbindung über die Oste war.

1974 wurde der Betrieb der Schwebefähre, die seit dem Bau der Straßenbrücke im Zuge der Bundesstraße 495 nicht mehr benötigt wird, eingestellt. Seit 1975 ist das weithin sichtbare Wahrzeichen von Osten ein technisches Baudenkmal. Die andere deutsche Schwebefähre, deren Fahrschienen unter der in den Jahren 1911 bis 1913 errichteten Stahlkonstruktion der Rendsburger Hochbrücke montiert sind, überquert zwischen Rendsburg und der Gemeinde Osterrönfeld den Nord-Ostsee-Kanal.

Neben den beiden Schwebefähren in Deutschland sind weltweit nur sechs weitere Schwebefähren bekannt. Die älteste von ihnen, die Puente de Vizcaya, wurde 1893 im spanischen Teil des Baskenlandes fertiggestellt und ist noch heute in Betrieb.


(Quellen: Karl Gotsch's Brücke des Monats 12/2007, Wikipedia)

Montag, 26. April 2010

Die Geisterstadt

Atomkraft? Nein Danke!Heute vor 24 Jahren, einem Samstag, waren wir den ganzen Tag draußen am Alten Hafen auf der Segelyacht meines Freundes und machten sie nach der Winterpause seeklar für die bevorstehende Segelsaison. Wir genossen den sonnigen, warmen Tag und freuten uns auf warme Sommertage und die Freiheit auf dem Wasser ...

Als ich abends dann die - zuerst noch recht vagen - Meldungen über den Super-GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl hörte, zerplatzte der Traum von Sonne und Meer mit einem lautlosen Knall! Zuerst dachte ich an die betroffenen Menschen in der Ukraine. Bis an einem schwedischen Atomkraftwerk erstmals erhöhte Radioaktivität gemessen wurde, und bis es klar wurde, dass diese nicht auf einen Störfall des schwedischen Atomkraftwerks zurückzuführen war, und bis die Verantwortlichen in der damaligen Sowjetunion sich dann endlich genötigt sahen, scheibchenweise mit der Wahrheit herauszurücken, mussten die anfangs ahnungslosen Menschen in der Umgebung des Atomkraftwerks schutzlos der Strahlung ausgesetzt gewesen sein! Als bald darauf die Meldungen über die vermutete Ausbreitung der radioaktiven Wolke nach und nach zur Gewissheit wurden, da wurde mir so langsam klar, dass selbst wir nicht ganz ungeschoren davon kommen würden.


Besuche in der Todeszone

Die Umgebung Tschernobyls und weite Teile der Ukraine sind seit jenem Tag eine radioaktiv verseuchte Wüste. Bilder aus der Todeszone muten an, wie von einem anderen Planeten: Die leblose Geisterstadt Pripjat, verrottende Dörfer, strahlende Fuhrparks ... - so muss die Welt wohl nach dem Aussterben der Menschheit aussehen.

All das hat die Ukrainerin Filatova Elena Vladimirovna auf ihrer privaten Internetseite dokumentiert, die dort mit ihrer Kamera auf ihrem Motorrad unterwegs war. Aus meiner Sicht sollte ihre Internetseite Pflichtlektüre sein, für alle diejenigen, die uns jetzt gegen unseren Willen noch für weitere 30 Jahre dieser permanenten Gefahr aussetzen wollen. Und dann sollen sie jedem einzelnen von uns in die Augen blicken, und sagen, das sei doch alles gar nicht so schlimm!

Ketten(re)Aktion in Glückstadt - Abschluss-Kundgebung


Ketten(re)Aktion am 24.04,2010 in Glückstadt: Abschluss-Kundgebung

Am Samstag verband zwischen 14:30 und 15:00 Uhr eine Kette von 120000 Atomkraftgegnern auf einer Strecke von 127 Kilometern entlang der Elbe die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Brockdorf und Krümmel in Schleswig-Holstein.

Die "Ketten(re)Aktion" war eine von drei großen Demonstrationen der Anti-Atomkraft Bewegung, die zeitgleich an diesem Tage in Deutschland stattfanden. 20000 Menschen umzingelten das Atomkraftwerk Biblis und 6000 Atomkraftgegner protestierten am "Zwischenlager" Ahaus gegen den von der Schwarz-Gelben Wespen-Koalition in Berlin beabsichtigten Ausstieg aus dem Atomausstieg. Damit waren 146000 Menschen gegen die weitere Nutzung der deutschen Atomkraftwerke auf den Beinen.

Im Anschluss an die Menschenkette fanden an zentralen Stellen der Kette Abschlusskundgebungen statt. Das Video zeigt einige Szenen von der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz von Glückstadt. Leider war es mir nicht möglich, die gesamte Kundgebung mit allen Rednern aufzuzeichnen. Zu sehen sind deshalb "nur" kurze Ausschnitte aus den Reden von Christoph Bautz (Campact), Jürgen Trittin (Bündnis 90 / Die Grünen) und Jürgen Janßen (Aktion Z). Für die musikalische Unterhaltung sorgten der Gitarrist Ka'le' aus Hawai und die Samba Gruppe "Die Green Igelz" der Grünen.


Atomkonzerne sind keine ehrbaren Kaufleute

Einen Aspekt aus der Rede von Herrn Rosenkranz (Deutsche Umwelt Hilfe) zum Thema "Aufkündigung des Atomkonsens" empfand ich als so fundamental wichtig, dass ich hier kurz darauf eingehe:

Über den Verfall der Werte in den Industiegesellschaften ist schon viel geschrieben worden. Einer dieser Werte war Jahrhundertelang der Ehrenkodex der Kaufleute. Jeder sollte sich darauf verlassen können, dass abgeschlossene Verträge in jedem Fall eingehalten werden. Herr Rosenkranz sagte über die Damen und Herren in den Chefetagen der Atomkraftwerksbetreiber EnBW, Eon, RWE und Vattenfall, diese seien keine ehrbaren Kaufleute.

Vor allem RWE und EnBW dürften bezüglich des angestrebten Ausstiegs aus dem Ausstieg aus der Atomkraft mächtig ins Zeug legen. Für sie ginge es um Milliardenbeträge, die sie durch eine künstliche Verlängerung der Lebensdauer ihrer alten Schrottmeiler Biblis A und B, respektive Neckarwesteim I schachern wollen. Laut Atomkonsens, dem sie selbst noch vor 10 Jahren zugestimmt hätten, sollten die museumsreifen Altmeiler demnächst und in naher Zukunft endgültig vom Netz gehen.

Jetzt würden sie jedoch alles daran setzen, um ihre Versprechen zu brechen und längere Laufzeiten selbst für die störanfälligsten unter den störanfälligen Atomkraftwerken einzufordern. Und was oft und gerne von der derzeitigen Bundesregierung vergessen würde: Dieses Versprechen hätten die Atomkonzerne damals nicht gegenüber irgendeiner ehemaligen Bundesregierung abgegeben, sondern gegenüber der gesamten Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. Es sei daher ein Unding, dass CDU, CSU und FDP jetzt hingingen, um gegen den Willen der Bundesbürger mit den Atomkraftwerksbetreibern über den Weiterbetrieb der ältesten und anfälligsten Schrottreaktoren zu verhandeln, was in dazu führe, dass wir alle für unabsehbarer Zeit weiterhin den tödlichen Gefahren dieser höchst riskanten Technologie ausgesetzt sein würden.

Um die Dimensionen dieses Skandals noch einmal zu verdeutlichen: Die Bestrebungen von CDU, CSU und FDP sowie die Atomkonzerne EnBW, Eon, RWE und Vattenfall sind ein Schlag ins Gesicht von zwei Dritteln der Bundesbürger. Laut ARD-Deutschlandtrend vom 4. März 2010 fordern 62 Prozent der Bundesbürger den Ausstieg aus der Atomkraftnutzung entsprechend des im Jahre 2000 vereinbarten Atomkonsens bis 2021!


Ketten(re)Aktion in Glückstadt:
  • Teil 1: Impressionen
  • Teil 2: Abschluss-Kundgebung

Aktions- und Menschenkette

(Quellen: ARD-Deutschlandtrend)

Sonntag, 25. April 2010

Ketten(re)Aktion in Glückstadt - Impressionen


Ketten(re)Aktion am 24.04,2010 in Glückstadt: Inpressionen

Am Samstag verband zwischen 14:30 und 15:00 Uhr eine Kette von 120000 Atomkraftgegnern auf einer Strecke von 127 Kilometern entlang der Elbe die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Brockdorf und Krümmel in Schleswig-Holstein.

Die "Ketten(re)Aktion" war eine von drei großen Demonstrationen der Anti-Atomkraft Bewegung, die zeitgleich an diesem Tage in Deutschland stattfanden. 20000 Menschen umzingelten das Atomkraftwerk Biblis und 6000 Atomkraftgegner protestierten am "Zwischenlager" Ahaus gegen den von der Schwarz-Gelben Wespen-Koalition in Berlin beabsichtigten Ausstieg aus dem Atomausstieg. Damit waren 146000 Menschen gegen die weitere Nutzung der deutschen Atomkraftwerke auf den Beinen.


Das Video zeigt Impressionen von der Überfahrt mit der Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt. In der Ferne ist flussabwärts das Atomkraftwerk Brockdorf zu sehen ...

Bisher habe ich die Fähre nur gelegentlich mit dem Auto auf dem Weg an die Ostsee benutzt. Dieses Mal habe ich das Auto auf am Fähranleger in Wischhafen stehen lassen. Als Fußgänger wird man nach der Ankunft mit der Fähre in Glückstadt von einer weiten Deichlandschaft am Ufer der Unterelbe empfangen, an der man sonst innerhalb weniger Sekunden vorbeifährt, ohne irgend etwas davon wahrzunehmen. Nur die im Takt der Ankunft und Abfahrt der Fähren vorbeifahrenden Autos stören gelegentlich das idylische Bild. Durch gepflegte Wohngebiete, und das Stadtzentrum mit sehr alten Häusern ging es weiter zum Sammelplatz auf dem Marktplatz im Zentrum von Glückstadt. In der Stadt ist von den drei nahegelegenen Atomkraftwerken nichts zu sehen.

Nicht auszudenken, was hier alles unwiederbringlich verloren wäre, wenn sich in einem der drei Atomkraftwerke an der Elbe ein Super-GAU wie derjenige in Tschernobyl ereignen würde. - Von dem finanziellen Schaden, der durch die Vernichtung des internationalen Güterumschlagplatzes und Wirtschaftszentrums Hamburg, sowie weiter Gebiete von der Nordsee- bis zur Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern und dem entsprechenden Umkreis im Hinterland entstünde, würde sich Deutschland wohl kaum wieder erhohlen ...


Weil ich vermeiden wollte in ein Verkehrschaos anreisender Demonstranten zu geraten, war ich recht früh vor Ort. Nach meiner Ankunft am Sammelpunkt füllte sich der Marktplatz nach und nach mit Menschen. Als es Zeit wurde, die Strecke zu füllen, hieß es, die meisten Demonstranten würden ostwärts des Sammelplatzes benötigt. Es hätten dort gerne noch etwas mehr Leute sein können. Dafür, dass wir die Kette mit "Kettenbändern" strecken mussten, um die Lücken zu füllen, muss bei 120000 Teilnehmern an anderen Stellen der Kette das große Gedränge geherrscht haben, das ich mir auf der gesamten 127 km langen Strecke gewünscht hätte. Wenn man zum Beispiel die Bilder aus Hamburg sieht, dann ist das wohl auch so gewesen. Aber alles in allem war die Organisation dieser Menschenkette trotzdem eine logistische Meisterleistung. Dafür danke ich auf diesem Wege allen an der Organisation beteiligten Personen.

Ich weiß, dass viele Menschen, die es am liebsten sehen würden, wenn die Atomkraftwerke bereits gestern statt erst heute abgeschaltet werden würden, sich scheuen, das auch offen kundzutun. Möglicherweise spielt dabei die Furcht vor gewalttätigen Demonstranten und darausfolgende Komplikationen mit der Polizei eine nicht unwesentliche Rolle. Wer sich aber für den Schutz des Lebens und der Gesundheit seiner Mitmenschen einsetzt, wird dafür sicher nicht zu gewalttätigen Mitteln greifen - selbst dann nicht, wenn seine Wut auf die Atomlobby und ihre politischen Handlanger noch so groß ist. Das hat auch die Stimmung unter den Teilnehmern an der Ketten(re)Aktion deutlich gezeigt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Aktionen am letzten Wochenende nur der Auftakt zu einem Aufschrei der Empörung über die Absichten der Bundesregierung waren.

Ich möchte deshalb allen zaghaften Atomkraftgegnern Mut machen, sich zukünftig ebenfalls an solchen Aktionen zu beteiligen. Wenn die Anti Atomkraftbewegung öffentlich sichtbar immer größer wird, dann werden die Politiker endlich Angst um ihre bequemen Sitze im Bundestag, in den Landesparlamenten und in den Kommunen bekommen, und die Atomlobbyisten mit ihren verlockenden Angeboten zum Teufel jagen.


Ketten(re)Aktion in Glückstadt:
  • Teil 1: Impressionen
  • Teil 2: Abschluss-Kundgebung

Aktions- und Menschenkette