Sonntag, 25. April 2010

Ketten(re)Aktion in Glückstadt - Impressionen


Ketten(re)Aktion am 24.04,2010 in Glückstadt: Inpressionen

Am Samstag verband zwischen 14:30 und 15:00 Uhr eine Kette von 120000 Atomkraftgegnern auf einer Strecke von 127 Kilometern entlang der Elbe die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Brockdorf und Krümmel in Schleswig-Holstein.

Die "Ketten(re)Aktion" war eine von drei großen Demonstrationen der Anti-Atomkraft Bewegung, die zeitgleich an diesem Tage in Deutschland stattfanden. 20000 Menschen umzingelten das Atomkraftwerk Biblis und 6000 Atomkraftgegner protestierten am "Zwischenlager" Ahaus gegen den von der Schwarz-Gelben Wespen-Koalition in Berlin beabsichtigten Ausstieg aus dem Atomausstieg. Damit waren 146000 Menschen gegen die weitere Nutzung der deutschen Atomkraftwerke auf den Beinen.


Das Video zeigt Impressionen von der Überfahrt mit der Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt. In der Ferne ist flussabwärts das Atomkraftwerk Brockdorf zu sehen ...

Bisher habe ich die Fähre nur gelegentlich mit dem Auto auf dem Weg an die Ostsee benutzt. Dieses Mal habe ich das Auto auf am Fähranleger in Wischhafen stehen lassen. Als Fußgänger wird man nach der Ankunft mit der Fähre in Glückstadt von einer weiten Deichlandschaft am Ufer der Unterelbe empfangen, an der man sonst innerhalb weniger Sekunden vorbeifährt, ohne irgend etwas davon wahrzunehmen. Nur die im Takt der Ankunft und Abfahrt der Fähren vorbeifahrenden Autos stören gelegentlich das idylische Bild. Durch gepflegte Wohngebiete, und das Stadtzentrum mit sehr alten Häusern ging es weiter zum Sammelplatz auf dem Marktplatz im Zentrum von Glückstadt. In der Stadt ist von den drei nahegelegenen Atomkraftwerken nichts zu sehen.

Nicht auszudenken, was hier alles unwiederbringlich verloren wäre, wenn sich in einem der drei Atomkraftwerke an der Elbe ein Super-GAU wie derjenige in Tschernobyl ereignen würde. - Von dem finanziellen Schaden, der durch die Vernichtung des internationalen Güterumschlagplatzes und Wirtschaftszentrums Hamburg, sowie weiter Gebiete von der Nordsee- bis zur Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern und dem entsprechenden Umkreis im Hinterland entstünde, würde sich Deutschland wohl kaum wieder erhohlen ...


Weil ich vermeiden wollte in ein Verkehrschaos anreisender Demonstranten zu geraten, war ich recht früh vor Ort. Nach meiner Ankunft am Sammelpunkt füllte sich der Marktplatz nach und nach mit Menschen. Als es Zeit wurde, die Strecke zu füllen, hieß es, die meisten Demonstranten würden ostwärts des Sammelplatzes benötigt. Es hätten dort gerne noch etwas mehr Leute sein können. Dafür, dass wir die Kette mit "Kettenbändern" strecken mussten, um die Lücken zu füllen, muss bei 120000 Teilnehmern an anderen Stellen der Kette das große Gedränge geherrscht haben, das ich mir auf der gesamten 127 km langen Strecke gewünscht hätte. Wenn man zum Beispiel die Bilder aus Hamburg sieht, dann ist das wohl auch so gewesen. Aber alles in allem war die Organisation dieser Menschenkette trotzdem eine logistische Meisterleistung. Dafür danke ich auf diesem Wege allen an der Organisation beteiligten Personen.

Ich weiß, dass viele Menschen, die es am liebsten sehen würden, wenn die Atomkraftwerke bereits gestern statt erst heute abgeschaltet werden würden, sich scheuen, das auch offen kundzutun. Möglicherweise spielt dabei die Furcht vor gewalttätigen Demonstranten und darausfolgende Komplikationen mit der Polizei eine nicht unwesentliche Rolle. Wer sich aber für den Schutz des Lebens und der Gesundheit seiner Mitmenschen einsetzt, wird dafür sicher nicht zu gewalttätigen Mitteln greifen - selbst dann nicht, wenn seine Wut auf die Atomlobby und ihre politischen Handlanger noch so groß ist. Das hat auch die Stimmung unter den Teilnehmern an der Ketten(re)Aktion deutlich gezeigt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Aktionen am letzten Wochenende nur der Auftakt zu einem Aufschrei der Empörung über die Absichten der Bundesregierung waren.

Ich möchte deshalb allen zaghaften Atomkraftgegnern Mut machen, sich zukünftig ebenfalls an solchen Aktionen zu beteiligen. Wenn die Anti Atomkraftbewegung öffentlich sichtbar immer größer wird, dann werden die Politiker endlich Angst um ihre bequemen Sitze im Bundestag, in den Landesparlamenten und in den Kommunen bekommen, und die Atomlobbyisten mit ihren verlockenden Angeboten zum Teufel jagen.


Ketten(re)Aktion in Glückstadt:
  • Teil 1: Impressionen
  • Teil 2: Abschluss-Kundgebung

Aktions- und Menschenkette

1 Kommentar:

Hans Wenzel hat gesagt…

Hallo Jürgen,
froh habe ich mir deinen Beitrag und die Clips angesehen, tief durchatmen,
und DANKE,
Grüße, Hans

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