Mittwoch, 6. Januar 2010

Von Walen und Menschen


Bremerhaven, winterlicher Weserdeich

Nachdem an den beiden vergangenen Tagen die Mittagszeit gerade einmal für eine Scheibe Brot reichte, musste ich heute unbedingt einmal wieder "kurz über'n Deich gucken", nachdem ich zu Mittag gegessen hatte. Um die Mittagszeit war das Wetter heute allerdings leider nicht so toll. Dichter Dunst lag auf der Weser. Nur die dünne Schneedecke verbreitete etwas Helligkeit.



Bremerhaven, Deutsches Schiffahrtsmuseum: Walfangboot "Rau IX"

Auf dem Rückweg gehe ich meistens am Museumsbereich des Alten Hafens vorbei. Auf dem Foto ist das Walfangboot "Rau IX" des Deutschen Schiffahrtsmuseums zu sehen. Es wurde 1939 auf der Seebeckwerft in Wesermünde, dem heutigen Bremerhaven, gebaut und sollte eigentlich als eines von 10 Jagdbooten des 1937 in Hamburg gebauten Walfangmutterschiffes "Walter Rau" eingesetzt werden. Noch vor seiner Indienststellung beschlagnahmte allerdings die deutsche Kriegsmarine das Schiff und setzte es als U-Boot Jäger ein. Nach dem 2. Weltkrieg kam die "Rau IX" als als Walfangboot "Krutt" nach Norwegen. Später fuhr sie unter britischer, isländischer und faröer Flagge, bis sie 1969 zurück nach Bremerhaven kam. Seitdem gehört die "Rau IX" zur Museumsflotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums.

Von der offenen Brücke führt ein Steg an den Bug des Schiffes, wo eine Harpunenkanone montiert ist. Im Krähennest oben am Mast auf dem Vorschiff saß ein Ausguck, der nach den Atemdampfwolken der Wale Ausschau hielt. Wenn dieser einen Wal meldete, hielt das Walfangboot mit Höchstgeschwindigkeit darauf zu und der Harpunier konnte direkt von der Brücke über den Steg zu seiner Harpune laufen.



Japanische Tierquäler

Auch wenn sie vielleicht ein interessantes Schiff ist, so dokumentiert die "Rau IX" aus meiner Sicht doch ein eher dunkles Kapitel der deutschen Schifffahrtsgeschichte. Hatten schon die Ruderjagdboote der Walfangschiffe zur Zeit der Segelschifffahrt die Wale stark dezimiert, so kam es seit der Einführung der dampfgetriebenen Schlachtfabriken und ihrer Dampfjagdboote fast zur Ausrottung einiger Walarten, da die großen Meeressäuger gegen diese schnellen stählernen Jäger kaum eine Chance hatten. Seit dem Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) ist die kommerzielle Jagd auf Wale zwar eigentlich verboten, doch töteten Island und Japan weiterhin Wale zu "wissenschaftlichen" Zwecken.

Ich habe mich immer wieder gefragt, welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus tausenden getöteten Walen gewonnen werden können, wo das Innenleben der größten Säugetiere der Welt doch bereits seit hunderten von Jahren bestens bekannt ist. Letztlich landet das Fleisch der getöteten Wale weiterhin auf den Tellern selbsternannter japanischer "Feinschmecker". Vielleicht wäre es etwas besser um die Wale bestellt, wenn die 1946 gegründete IWC eine Walschutzorganisation wäre. Gründungszweck war jedoch lediglich die Festlegung von Fangquoten um den Bestand der Großwale nicht zu gefährden und den Walfang damit langfristig zu sichern. Dass der IWC das nicht gelungen ist dokumentiert am besten die Notwendigkeit des Walfangmoratoruims, sowie die Tricksereien und der Kampf innerhalb der Kommission um die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs.



Das japanische Walfangboot "Shonan Maru No. 2" rammt die "Ady Gil" der Sea Shepherds

Dass dieser Kampf inzwischen zu einem regelrechten Krieg eskaliert, macht ein aktueller Vorfall deutlich von dem der Spiegel heute berichtet. Nachdem die Tierschützer die Walfänger in der Antarktis zuvor mit Stinkbomben beworfen hatten, rammte ein japanisches Walfangboot ein Schiff der Umweltschutzorganisation "Sea Shepherd" und beschädigte es dabei schwer. Die "Sea Shepherds" haben allerdings in der Vergangenheit auch schon von sich reden gemacht, weil sie manchmal nicht gerade zimperlich mit den Waljägern umgegangen sind wenn es um die akute Gefährdung des Lebens von Walen ging.



Buckelwale in ihrem Element

Wer sich einmal etwas intensiver mit dem Leben der Wale beschäftigt, der wird erkennen, dass es sich bei diesen faszinierenden Tieren nicht einfach nur um einen riesigen Berg Fleisch handelt, sondern, um intelligente, fühlende Wesen. Die größten unter ihnen, die Blauwale, sind die größten Lebewesen, die je auf unserem Planeten gelebt haben. Wer neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Wale erlangen will, der wird sie in ihrem Lebensraum beobachten müssen. Das qualvolle Abschlachten hat mit Wissenschaft jedenfalls nicht das geringste zu tun.

Die einzigen Nationen, die auch heute noch legal Wale für ihre eigene Ernährung jagen dürfen, sind einige Völker in Alaska und Sibirien, deren einzige Nahrungsquelle seit jeher die Jagd auf die in ihrer Umwelt vorkommenden Tiere ist, zu denen traditionell auch Wale gehören. Diese Völker haben den Bestand der Wale mit ihrer Jagd jedoch auch nie gefährden können.


  • Vom Weltraum aus gesehen,
    ist der Planet ein blauer.
    Vom Weltraum aus gesehen,
    ist der Planet die Welt des Wals.
    Und nicht des Menschen.

    Blaue Meere bedecken sieben Zehntel der Erdoberfläche
    und sind das angestammte Reich des größten Geschöpfes,
    das je geschaffen wurde.


    Heathcote Williams
    (aus dem Buch "Kontinent der Wale")


(Quellen: Jan-Maat sien Homepage, Bremerhaven.de, Die Welt, Der Spiegel vom 06.01.2010)

Kommentare:

acice hat gesagt…

Welche gigantischen Segelyachten zeigst Du uns. Segeln im Mittelmeer war ich auch schon, aber nur auf einer kleinen Yacht
http://www.garuda-sailing.com/dasboot/dasboot_001.html und die fand ich schon groß, im Vergleich zur Jolle!
Dir ein gesundes, glückliches und zufriedenes 2010.
Liebe Grüße
Christel

juwi hat gesagt…

@Christel: Rahsegler wie die "Krusenstern", die "Dar Mlodziezy" oder die "Gorch Fock" kann man wohl kaum als Segelyacht bezeichnen. Die Traditionssegler fahren heute als Ausbildungsschiffe für den seemännischen Nachwuchs, und wurden früher als Fracht- oder Fischereischiffe gebaut. Ich habe mir die "Larus II" einmal angesehen - für eine Yacht ist das eine gängige Größe. Ich bin früher als Mittsegler auf der Fahrtenyacht eines Freundes gesegelt. 1990 hat er das Schiff nach Spanien in das Mittelmeer verlegt. Die Überführungsfahrt war mein letzter Törn auf der "Störtebeker". Da ich nicht mehr genug Zeit hatte, bin ich in Portugal in Porto ausgestiegen. Die Erlebnisse auf der Nordsee, im Kanal und auf der Biscaya gehören zu meinen eindrucksvollsten Erfahrungen. Nach meiner Rückkehr kam meine erste Tochter zur Welt. Anschließend ging die Familie vor.

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