Montag, 8. Dezember 2008

UN-Klimakonferenz in Poznan (Polen)

Während die Aufmerksamkeit der Welt zur Zeit anderen Themen gilt, sind die globalen Verhandlungen zur Bekämpfung der Klimakrise auf der UN-Klimakonferenz in der polnischen Stadt Poznan (Posen) an einem kritischen Punkt angelangt. In dieser Woche treffen sich Regierungschefs aus aller Welt, um ein Abkommen zu erzielen, aber Deutschland, Italien und Polen setzen alles daran, um ihre anfangs aus eigener Überzeugung hoch gesteckten Ziele zu unterwandern und zu schwächen.

Im letzten Jahr, waren die USA, Kanada und Japan die größten Blockierer in den Klimaverhandlungen. Aber nun kommt die Zeit nach den Herren Bush, Fukuda und Harper. Auf dem letzten Streckenabschnitt der Klimaverhandlungen könnte ein Durchbruch erzielt werden ... - falls Europa nicht gerade dabei wäre seine ehrgeizigen Klimaziele zu verwerfen.

Die Lobby der Kohle- und Schwerindustrie nutzt die Finanzkrise als Vorwand, um den Prozess für den Klimaschutz zu blockieren. Italien und Polen drohen die Europäische Union von ihren, im letzten Jahr gesetzten Klimazielen, abzubringen. Die Bundesregierung, die im letzten Jahr noch eine Vorreiterrolle eingenommen hatte, hält sich jetzt zurück. Dadurch hat sich die europäische Union in Brüssel festgefahren und kann in den UN Verhandlungen nicht effiktiv genug eingreifen.

Da es um unsere Zukunft geht, müssen Frau Merkel, sowie die Herren Berlusconi und Tusk unbedingt von der Notwendigkeit zur Einhaltung der ursprünglich gesetzten Ziele überzeugt werden, bevor sich ihre Verhandlungsführer an den Tisch setzen. Wenn sie ihren Kurs in den kommenden Tagen nicht ändern, wird Europa seine globale Führungsrolle im Klimaschutz verlieren und damit auch große Einflussmöglichkeiten im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel. In dieser Woche muss ein Erfolg erzielt werden damit überhaupt die Möglichkeit besteht, dass auf dem abschließenden UN Treffen in Kopenhagen im nächsten Jahr ein Fahrplan für den Klimaschutz beschlossen werden kann!

Bevor Herr Obama in den USA sein Amt antritt, hängen die nächsten Schritte im Kampf gegen den Klimawandel von der Führungsrolle Europas ab. Die Klimapolitik der EU wird die internationalen Verhandlungen in Polen entscheidend beeinflussen. Nur hier können die Vorraussetzungen für das abschließende Treffen in Kopenhagen geschaffen werden.



AVAAZ.org ist eine globale Internetbewegung, die mit demokratischen Mitteln für eine gerechtere Welt, den Schutz der Umwelt, die Achtung von Menschenrechten und die Bekämpfung von Armut, Korruption und Krieg kämpft. Die Globalisierung schafft ein enormes demokratisches Defizit. Entscheidungen werden auf internationaler Ebene von wenigen politischen Eliten und international vernetzten, unverantwortlich handelnden, profitorientierten Konzernen getroffen. Diese widersprechen oft den Meinungen und Wertvorstellungen der Weltbevölkerung.

Mit Hilfe des Internets ist es mölglich geworden, dass sich Menschen weltweit einfach und schnell vernetzen können. Eine neue Form der Internetbasierenden Mobilisierung gibt Bürgern eine Stimme und verändert die politische Landschaft in Australien, den Philippinen und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Avaaz nutzt diese neue Form grenzüberschreitender Kommunikation, um Millionen Menschen rund um den Globus eine Stimme zu verleihen, um dadurch Entscheidungsprozesse auf internationaler Ebene zu beeinflussen.

"Avaaz" bedeutet "Stimme" in vielen Sprachen Asiens sowie des Mittleren Ostens und Osteuropas.

Heute hat AVAAZ eine Unterschriftenkampagne gestartet, mit der den Regierungen Deutschlands, Italiens und Polens klargemacht werden soll, dass ihre Bürger und die der gesamten Welt etwas anderes als ein entschlossenes Handeln für den Kimaschutz nicht akzeptieren werden!

Hier gehts zur Unterschriftenkampagne für den Schutz des Weltklimas von AVAAZ.


(Quelle: AVAAZ.org)

Ballade vom schweren Leben des Ritters Kauz vom Rabensee

Hinter dem Türchen mit der Nummer 8 im LEO-Adventskalender verbirgt sich heute schwere Lektüre:
  • Peter Hacks'
    "Ballade vom schweren Leben
     des Ritters Kauz vom Rabensee
    ".
Trotz ... - Nein: Gerade wegen ihres gewichtigen Inhalts ist diese Ballade unbedingt lesenswert.


Update:
Ich habe irgendwann festgestellt, dass der Link tot ist (eigentlich logisch: Adventskalender sind äußerst kurzlebig). Ich habe aber gesucht und bin fündig geworden: Den Text dieser gewichtigen Ballade kann man im "Nachtgesang" nachlesen.

Der Daten-Schwarzmarkt blüht

Die Nordsee-Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe darüber, dass der "Wirtschaftswoche" Bankverbindungen von 21 Millionen Bundesbürgern zum Preis von knapp zwölf Millionen Euro zum Kauf angeboten worden seien. Als Muster habe die "Wirtschaftswoche" eine CD mit 1,2 Millionen Kundendaten erhalten, die neben Angaben zur Person, wie etwa Geburtsdaten, auch die Bankverbindung mit Kontonummer und Bankleitzahl, sowie in einigen Fällen sogar detaillierte Angaben zur Vermögenslage enthielten, die sie der Staatsanwaltschaft übergeben habe.

Nach den Datenschutz-Skandalen der jüngsten Vergangenheit, kann man diese immer neuen Meldungen bald nur noch resigniert zu Kenntnis nehmen. Wenn man davon ausgeht, dass eine "Muster-CD" nicht gerade die brisantesten Daten enthalten wird, dann könnte das eigentliche Handelsobjekt noch ganz andere Daten, als nur detaillierte Angaben zur Vermögenslage enthalten. Und machen wir uns doch nichts vor: Sollte die Staatanwaltschaft irgendwann einmal einen Datenträger mit den genannten 21 Millionen Datensätzen von Bundesbürgern sicherstellen, dann würde das noch lange nichts darüber aussagen, wie viele Kopien davon inzwischen auf dem Schwarzmarkt verkauft wurden.

Der Staat, der seine Bürger eigentlich vor kriminellem Datenhandel schützen sollte, ist auch keine wirkliche Hilfe, solange er das Übel nicht bei der Wurzel anpackt. Firmen, die Daten sammeln, welche über Namen und Anschrift ihrer Kunden hinausgehen, müssten dafür zur Rechenschaft gezogen werden, wenn ihre Daten über dunkle Kanäle auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Neben der Verurteilung zu empfindlichen Geldstrafen müsste es in besonders schweren Fällen auch möglich sein, Firmen zu schließen und deren Vermögen in einen Fonds zur Entschädigung von Opfern des illegalen Datenhandels einzuzahlen. Dann würde es sich so manche Firma wahrscheinlich überlegen, ob sie noch vertrauliche Kundendaten an irgendwelche externen Callcenter weitergibt, deren Mitarbeiter es mit dem Datenschutz möglicherweise nicht so genau nehmen. Weithin müsste es eine Verpflichtung dafür geben, dass die Menschen, deren Daten auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, detailiert über Art und Umfang der Daten aufgeklärt werden, sobald dies, wie in diesem Fall, bekannt wird. Ich wäre jedenfalls sehr daran interessiert zu wissen, gegen wen ich gerichtlich vorgehen könnte, falls ich einmal zum Opfer dieser illegalen Machenschaften werden sollte.

Aber der Staat, insbesondere das Innenministerium, trägt ja selbst in erheblichem Maße dazu bei, dass die Flut der gesammelten privaten Daten mit immer mehr persönlichen Details, bis hin zu biometrischen- und genetischen Informationen, auf astronomische Größen anwächst. Dass gesammelte Daten letztlich vor Missbrauch nicht zu schützen sind, dürfte inzwischen auch im Innenministerium bekannt sein, obwohl die dafür Verantwortlichen das öffentlich nie zugeben würden.

Wenn der für die staatliche Datensammelwut politisch verantwortliche Innenminister das täte, müsste er sich ja vielleicht irgendwann einmal vorwerfen lassen, er habe es versäumt dafür zu sorgen, dass mit den im Auftrag seines Ministeriums gesammelten Daten kein Missbrauch betrieben werden kann. Da er also irgendwie selbst mit im Glashaus sitzt, wird er sich hüten mit Steinen zu werfen.


Zum Weiterlesen:
Das Märchen von den sicheren Daten
Neulich bei der Telekom ...
Vorratsdatenspeicherung beschlossen (Focus online)
Karlsruhe bremst Vorratsdatenspeicherung aus (Siegel online)
Berliner Richter stoppen Vorratsdatenspeicherung (Tagesschau.de)
Datenklau bei Telekom "Befremdlich und ärgerlich"(Stern online)
Betrüger missbrauchen brisante Daten(Stern online)
Alle haben meine Daten (Stern online, Artikel aus Heft 49/2008)


Sonntag, 7. Dezember 2008

Wie krank ist das denn ?!












Unbekannte
stehlen Jesus
samt der Krippe


Das berichtete die Nordsee-Zeitung
in ihrer Ausgabe von Samstag,
dem 6. Dezember 2008.


Wenn der Bremerhavener Weihnachtsmarkt neben der Rodelbahn, Licht-Installationen, Glühwein und Gaumenfreuden überhaupt etwas besonderes zu bieten hat, dann sind es jawohl die Karussells, die Häuschen mit den Märchenszenen und -Vorlesern und diverse Figurengruppen für die Kinder - und eben auch die Krippen an der großen Kirche und unter dem Weihnachtsbaum am Theodor-Heuss-Platz. Ich möchte nicht in der Haut der Eltern stecken, die mit ihren Kindern vor dem Stall stehen, und krampfhaft über eine unverfängliche Antwort auf die Frage: "Mama, wo ist den das Jesuskind geblieben?" nachdenken müssen.

Die Lichterglitzerwelt und die vielen Buden mit ihren kulinarischen Angeboten machen noch keinen Weihnachtsmarkt aus. So etwas findet man auf jedem Rummelplatz. Einzig die Dekoration aus Unmengen kleiner Fichten deutet ansonsten noch auf einen Weihnachtsmarkt hin. Wer weiß, wie viele davon schon fehlen. Bei der großen Anzahl fällt das möglicherweise gar nicht mal auf, wenn sich der eine oder andere daran bedient. Wenn schon das Kind aus der Krippe geklaut wird, dann würde mich so etwas auch nicht mehr wundern.

Dieses Kind aus der Krippe zu stehlen, ist nicht irgendein Diebstahl. Das ist nicht nur ein materieller Verlust für die Bürger Bremerhavens und ihrer Gäste. Den könnte man in diesem Fall ja sogar irgendwie ersetzen - auch wenn Herr Tietjen (Mitarbeiter der BIS, zuständig für die Betreuung des Weihnachtsmarktes) in dem Artikel der Nordsee-Zeitung mit den Worten "Eine einzelne Figur kann ich gar nicht wieder kriegen" zitiert wird - Herr Tietjen sagt die Krippe sei nur komplett zu haben. Dieser Diebstahl geht auch weit über einen "Dumme Jungen Streich" hinaus. Das Kind in der Krippe ist die zentrale Botschaft der Weihnachtsgeschichte. Dieses Symbol des christlichen Weihnachtsfestes zu stehlen, zeugt vor allen Dingen vom völligen Fehlen des Respekts vor den Mitmenschen. Das ist einfach nur krank. Wenn jemand einer anderen Religion oder Religionsgemeinschaft angehört, selbst wenn jemand an gar nichts glaubt, dann sollte es in unserer freiheitlichen Gesellschaft immer noch eine Selbstverständlichkeit sein, den Glauben anders denkender zu respektieren und zu tolerieren.

Wenn die Ereignisse um die Geburt dieses Kindes nie stattgefunden hätten, dann gäbe es es in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember nichts zu feiern. Dann gäbe es kein Weihnachten, keine Weihnachtsgeschenke und kein Weihnachtsgeschäft. Und es gäbe auch keinen Anlass für einen Weihnachtsmarkt. Ohne das Kind, für das die Futterkrippe der Tiere in dem Stall als Kinderbettchen herhalten musste, in dem es vor mehr als 2000 Jahren geboren wurde, weil in Bethlehem alle Unterkünfte belegt waren, wäre der Dezember in unseren Breitengraden nichts weiter als ein weiterer dunkler, kalter und trostloser Wintermonat.

Der Azvenzkranz Zyklus - 2. Akt

1. Adventein poetisches Machwerk mit vier "Z" in 4 Akten



Die verliebten Azvenzkranzkerzen
(eine romantische Tragödie)

Es entflammte einst in dunkler Nacht
vor lauter tumber Liebesschmacht
und heißer Lieb' das Herze
einer Azvenzkranzkerze:
Das hat sie letztlich umgebracht.

Sie liebte einen schmucken Kerz,
und in süßem Liebesschmerz
brannten beide nieder.
Niemand sah sie wieder.
Zurück blieb nur ein Blattgoldherz.

© 2008, Jürgen Winkler

PS:
Allen, die's nicht erwarten können, sei schon soviel kundgetan:
Am Dritten Advent geht's um 'ne ganz besondere Kerze.


Der Azvenzkranz Zyklus
- 1. Akt: Die abhanden gekommenen Azvenzkranzkerzen
- 2. Akt: Die verliebten Azvenzkranzkerzen
- 3. Akt: Die Azvenzkranzkerze, die keine war
- 4. Akt: Der Azvenzkranzkerz

Samstag, 6. Dezember 2008

Nikolaustag


Happy Nikolaus

Ich hatte weder einen Teller, noch einen Stiefel oder sonst irgend etwas vor die Tür gestellt, und trotzdem hat der Nikolaus mir etwas gebracht: Einen ganzen Sack voll Marzipan-Kartoffeln.

Danke, lieber Nikolaus :o)


Das Klima und die Nordseeküste

Am 4. Dezember 2008 fand in der Aula der Geschwister-Scholl-Schule eine öffentliche Bau-und Umweltausschuss-Sitzung statt. Zu Beginn der Ausschuss-Sitzung hielt Herr Dr. Michael Schirmer einen Vortrag über den Klimawandel und seine Folgen für unsere Küste in Bremerhaven. Dafür hatten die Grünen über den E-Mail Verteiler der Stadtteilkonferenz Lehe eine Einladung verschicken lassen. Herr Schirmer ist ehrenamtlicher Hauptmann des Bremer Deichverbandes Rechts der Weser und Professor an der Universität Bremen.

Selbst wenn ich es wollte, wäre es unmöglich hier den gesamten Vortrag wiederzugeben, da ich die für eine Veranschaulichung nötigen Diagramme hier nicht wiedergeben kann. Ich habe aber im Internet eine Präsentation gefunden, die Herr Schirmer im Rahmen der "Hamburger Klimatage 2006" gezeigt hatte. Darin sind unter anderem auch Diagramme und Abbildungen aus seinem Vortrag in der Ausschusssitzung am 4. Dezember 2008 zu sehen (siehe unten, "zum Weiterlesen": Dr. Michael Schirmer - Klimafolgen und Klimafolgenanpassung). Ich beschränke mich deshalb auf eine kurze Zusammenfassung anhand meiner Stichwort-Notizen.


Theorie und Statistik

Herr Schirmer machte anhand einiger Diagramme von IPCC Szenarien deutlich, dass der Klimawandel kein Science Fiction Märchen von Übermorgen ist, sondern das wir uns mitten darin befinden. Klimatisch befänden wir uns in einer Warmzeit, zu der aufgrund menschlicher Einflüsse noch einmal eine kräftige Warmzeit hinzukomme. Eine Klimasituation wie diese habe es in der Menscheitsgeschichte noch nicht gegeben. Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change = Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) wird im Deutschen oft als Weltklimarat bezeichnet. Hauptaufgabe des der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) beigeordneten Ausschusses ist es, Risiken der globalen Erwärmung zu beurteilen und Vermeidungsstrategien zusammenzutragen. Die Organisation wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet.

Zu den Diagrammen, die zum Teil mehrere verschiedene Kurvenverläufe enthielten, erläuterte Herr Schirmer, dass Wissenschaftler natürlich nicht in die Zukunft schauen können: Deshalb spielen sie Berechnungen, mit auf unterschiedlichen Datengrundlagen basierenden "was wäre wenn" Szenarien durch, welche die daraus resultierenden unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels aufzeigen. Diese decken ein Spektrum von der günstigsten Annahme bis hin zum "worst case scenario" (Szenario für den ungünstigsten Fall) ab.

Das "worst case scenario" tritt dann ein, wenn alles, was an fossilen Brennstoffen noch aus der Erde zu holen ist, verbrannt wird. Das jedoch sind leider immer noch genau die Vorstellungen, die in den Köpfen der Verantwortlichen in den Energiekonzernen, der Automobilhersteller und leider auch vieler politisch Verantwortlicher in der Welt, herumschwirren. Einige Politiker, wie zum Beispiel Frau Merkel, preschten - von den jüngsten IPCC-Berichten zu Beginn dieses Jahres aufgerüttelt - in der Absicht vor, so schnell wie möglich realistische Vorgaben für Rahmenbedingungen zur nachhaltigen Vermeidung weiterer Treibhausgas Emissionen festzulegen. Das wäre in Anbetracht der sich anbahnenden globalen Katastrophe auch dringend erforderlich gewesen. Sofort gingen jedoch die Energiekonzerne, die Automobilhersteller etc. auf die Barrikaden; es wurde verhandelt, und es wurden faule Kompromisse geschlossen. Diese Leute waren in der Vergangenheit vielleicht in der Lage ein Land zu regieren oder einen Konzern zu führen. Als es aber darum ging, rechtzeitig die Weichen für die Sicherung der Zukunft unserer Nachkommen auf diesem Planeten zu stellen, haben alle diese Leute bisher kläglich versagt. Egal welche Kompromisse Politiker und Konzern-Manager miteinander aushandeln:

Das Klima lässt sich auf keine Kompromisse ein!


Die Reale Welt

Aber nicht nur an den auf Berechnungen basierenden Diagrammen lässt sich der weltweite Anstieg der mittleren Temperatur erkennen. In diesem Jahr waren die Arktispassagen im Sommer komplett offen, so dass der Forschungseisbrecher "Polarstern" des Bremerhavener Alfred-Wegner-Instituts (AWI) ohne wesentliche Behinderungen durch Eis den Nordpol umrunden konnte. Das sei bisher noch nie dagewesen. Weniger in Eismassen gebundenes Wasser führt zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels. Ein wichtiger Faktor ist dabei auch das Abschmelzen des im Inland bis zu 3000 Meter starken und etwa 2 Millionen Jahre alten Grönlandeises. Dieses schmilzt schneller als bisher angenommen. Das komplette Abschmelzen des Grönlandeises hätte einen Anstieg des Meeresspiegels um ca. 7 Meter zur Folge.

Wir haben es nach Einschätzung von Herrn Schirmer jedoch bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts noch in der Hand, das Schlimmste zu verhindern. Dem letzten Klimareport des IPCC ist allerdings mit aller Deutlichkeit zu entnehmen, dass jetzt sofort die entscheidenden Maßnahmen eingeleitet werden müssen und nicht erst 2015. Dann wird es nämlich zu spät dafür sein.


Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland

Herr Schirmer präsentierte eine sogenannte phänologische Uhr. Anhand dieser Grafik ließ sich die beobachtete Auswirkung der jahreszeitlichen Einflüsse auf die Vegetation erkennen. Die alarmierendste Erkenntnis daraus ist die, dass die Winter im Mittel des 10-Jahreszeitraums 1991-2000 um drei Wochen kürzer geworden sind als diejenigen im Mittel des 30-Jahreszeitraums von 1961-1990.
  • In absehbarer Zukunft wird es im Mittel wärmere Sommer geben.
  • Die mittleren Wintertemperaturen werden dem gegenüber überproportional ansteigen.
  • 10 bis 20 oder 30% geringere Niederschlagsmengen und höhere Verdunstung im Sommer werden häufigere Trocken- und Dürreperioden zur Folge haben. Die selteneren Regenfälle im Sommer werden häufiger als Starkregen, auch mit heftigen Hagelschlägen, zu erwarten sein. Dadurch wird es auch häufiger zu Überschwemmungen kommen.
  • 10 bis 20 oder 30% höhere Niederschlagsmengen im Winter, die kaum noch als Schnee gebunden sind und sofort abfließen werden, lassen häufigere und längere Hochwasserperioden im Winter erwarten.
Auswirkungen auf die Landwirtschaft sind bereits jetzt schon zu beobachten. Während früher 3 Grasschnitte pro Jahr üblich waren, seien heute bereits bis zu 5 Grasschnitte pro Jahr möglich.

Auf andere landwirtschaftliche Bereiche übertragen ließe das den Schluss zu, dass die landwirtschaftliche Produktivität steigen könnte
  • wenn keine Trockenschäden eintreten
  • wenn trocken und hitzeresistente Sorten verfügbar sind


Auswirkungen des Klimawandels auf den Küstenschutz

Das der Meeresspiegel steigt ist schon länger bekannt als die dafür verantwortlichen Ursachen. In der Zeit von 1857 bis 2005 ging man von einem Anstieg des Meeresspiegels um 25 cm pro 100 Jahre aus. Aktuelle Erkenntnisse zeigen aber, dass der Meeresspiegels seit ungefähr 50 oder 60 Jahren stärker ansteigt als bisher angenommen. Die mittlere Steigung des Kurvenverlaufs wird immer größer, so dass man jetzt von einem Meeresspiegelanstieg um 72 cm pro 100 Jahre ausgehen muss. Auf diese Erkenntnisse ausgerichtete Küstenschutzmaßnahmen bieten eine ausreichende Sicherheit, solange keine weitere Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs eintritt.

In den sich verengenden Flussmündungen läuft das Hochwasser stärker auf als an den offenen Küstenlinien. Eigentlich liegen viele Küstenbereiche schon jetzt unterhalb des mittleren Tidenhochwassers. Die Besiedlung dieser Gebiete ist überhaupt nur aufgrund der vorhandenen Deiche möglich. Ohne die Deiche würden rund 85% der Bremer Stadtfläche zweimal täglich überflutet werden. Die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs lassen sich recht anschaulich anhand der Flood Map interaktiv darstellen.

Der derzeitiger Generalplan für den Küstenschutz geht für die nächsten 50 Jahre von einem Anstieg des Meeresspiegels um 40 cm aus. Hinzugerechnet werden müssen 15 cm aufgrund der angenommenen tektonischen Senkung der niedersächsischen Nordseeküste sowie ein Anstieg des mittleren Tidenhochwassers um 10 cm. Somit sind die Deiche um mindestens 65 cm zu erhöhen. Die Niederlande geben sich damit jedoch nicht zufrieden. Dort geht man lieber auf Nummer sicher und wird die Seedeiche um 1,30 Meter erhöhen.

Die dem Wasser zugewandten Seiten der Seedeiche haben eine flache Böschung, damit sich die auflaufenden Wellen daran tot laufen können. Die Deiche sind so gebaut, dass bei einer extremen Sturmflut maximal bis zu 20% der auflaufenden Wellen überschwappen dürfen. Eine Ursache für die schnelle Zerstörung vieler Deichabschnitte während der schweren Sturmflut an der deutschen Nordseeküste im Jahre 1962 waren die zu steilen Böschungen an den Rückseiten der Deiche. Überschwappendes Wasser der hoch auflaufenden Wellen floss zu schnell daran ab, riss dadurch den festigenden Grasbewuchs ab, schwemmte dann das Erdmaterial weg und trug die Deiche von hinten ab, bis sie dem Wasserdruck von vorn nicht mehr standhielten.

Eigentlich hätte Herr Schirmer noch mehr über Hintergründe und Ursachen erzählen wollen. Zum Verständnis der Zusammenhänge wäre das für Interessierte, die sich sonst noch nicht mit der Materie befasst haben, eigentlich auch notwendig gewesen. Dafür reichte die ihm zugebilligte Zeit von dreißig Minuten jedoch nicht aus, und er musste seinen eigentlich auf sechzig Minuten angelegten Vortrag aus der Situation heraus so kürzen, dass er innerhalb von dreißig Minuten zumindest einen Einblick in die Thematik geben konnte. Auch für die Beantwortung von Fragen aus dem Publikum gab es keinerlei Möglichkeit. Aus meiner Sicht wäre jedoch eine ausreichend bemessene Zeit für eine an den Vortrag von Herrn Schirmer anknüpfende Diskussion dringend notwendig gewesen.

Die Nordsee-Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 5. Dezember 2008 über die Ausschusssitzung und schrieb, dass die Grünen das genauso sehen. Sie halten Herrn Holm (CDU, Baustadtrat und Umweltdezernent) in seiner Funktion als Umweltdezernent für nicht tragbar und fordern seinen Rücktritt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich gleich so weitgehende Konsequenzen fordern würde, aber mangelndes Interesse und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der auch für Bremerhaven existentiellen Bedrohung durch den Klimawandel ließ sich daraus schon ablesen. Ich empfand die vorher offenbar nicht angekündigte Beschneidung der Vortragszeit als eine Frechheit gegenüber Herrn Schirmer. Den Äußerungen anderer Zuschauer konnte ich beim Verlassen der Aula entnehmen, dass einige von ihnen es einfach nur peinlich fanden, was der Ausschuss sich da gegenüber seinem Gastdozenten geleistet hatte.

Vielleicht ist es aber ja auch einfach nur so, dass die bittere Wahrheit über das, was auf die Menschheit im allgemeinen, und auf uns Küstenbewohner im besonderen, noch zukommen wird, nicht wirklich gut in das Bild der schönen neuen Havenwelten passt. Durch die mit der drastischen Beschneidung des Vortrags zum Ausdruck gebrachte Scheuklappenpolitik des Bau- und Umweltausschusses wird sich der Klimawandel jedoch nicht beeindrucken lassen. Auch der Meeresspiegel wird nicht mit sich über eine vorzeitige Beendigung seines Ansteigens verhandeln lassen. Die Natur ist in diesen Dingen absolut kompromisslos. Wer die Sorgen der Bürger ignoriert, der bekommt bei der nächsten Wahl weniger Stimmen. Wer aber meint, er könne die Naturgesetze ignorieren, der wird früher oder später untergehen - die Küstenbewohner und die Bewohner der Inseln würde diese Tatsache im wahrsten Sinne des Wortes treffen.

Nachdem ich die Ausschusssitzung verlassen hatte, wartete ich zusammen mit einigen anderen Gästen, bis auch Herr Schirmer die Aula verließ. Herr Schirmer nahm sich noch etwas Zeit für uns, so dass sich nachträglich doch noch die Gelegenheit für ein kurzes Gespräch ergab.

Bezüglich der Wahrscheinlichkeit des Eintretens des in seinem Vortrag aufgezeigten "worst case scenario" zeigte sich Herr Schirmer bisher noch einigermaßen optimistisch. Mit Hinweis auf seine Ausführungen über die zu steilen Böschungen auf den Deichrückseiten habe ich ihn darauf angesprochen, dass im Rahmen des Baus der Havenwelten eine hohe Spundwand durch die Deichkrone gerammt, und das Erdreich des Deiches dahinter abgetragen wurde, um Platz für einige wenige weitere Kfz-Stellplätze im Parkhaus unterhalb der neuen Gebäude zu schaffen. Herr Schirmer hakte an dieser Stelle ein und sagte: "So etwas wäre in Bremen nie genehmigt worden".

Alternativen zu Deichen sind starke Mauern. Diese müssen dem vollen Anprall der Wellen standhalten, können aber ca. einen Meter niedriger sein, als ein Deich, da die an einer Deichböschung auslaufenden Wellen höher auflaufen. Mauern seien üblich im Zusammenhang mit Hafenanlagen (z.B. die Stromkaje mit Wellenkammern am Containerterminal in Bremerhaven oder die Sandsteinmauer an der Schlachte in Bremen). Mit Einschränkungen bezüglich der Höhe sei auch ein erweiterter Schutz durch eine Spundwand auf der Deichkrone möglich. Zu hoch auflaufende Wellen prallen dann gegen die Spundwand und es schwappt ein geringerer Anteil der auflaufenden Wellen über die Deichkrone.

Im weiteren Gesprächsverlauf kamen wir auf das Abschmelzen des Grönlandeises und die im Dokumentarfilm "eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore dargestellten Erkenntisse zu sprechen. Herr Schirmer sagte, man sei bis vor kurzem davon ausgegangen, dass das Eis an der Oberseite nicht abnehme, sondern wie bisher durch Schneefall weiter anwachse. Man habe jetzt aber erkannt, dass die Eismassen nicht nur am Sockel, sondern ebenso auch an allen Oberflächen abnehmen. Man weiß seit 2004, dass jährlich 240 km³ des Grönlandeises durch abschmelzen verloren gehen.


zum Weiterlesen:

Das Klima und "juwi's welt"
Küstenschutz - Kampf um die Deiche (Spiegel online)
Ein schwerer Klumpen (taz)
Deiche noch 50 Jahre sicher (Radio Bremen)
Deichhauptmann warnt vor Weservertiefung (Radio Bremen)
Dr. Michael Schirmer - Kurzbiographie
Dr. Michael Schirmer - Klimafolgen und Klimafolgenanpassung

Das Klima jenseits des Tellerrandes
Nordost- und Nordwestpassage erstmals gleichzeitig eisfrei (Spiegel online)
Grönland (Wikipedia)
Der Klimapräsident (Die Zeit)