Mittwoch, 3. September 2008

Asse-II: GAU der Atommüll Endlagerung

Versuchsergebnis: Endlagerung nicht durchführbar!

Die Nordsee-Zeitung schrieb am 01.09.2008, den Betreibern des Atommülllagers Asse-II sei das Risiko des Auslaufens radioaktiv verseuchter Salzlauge von Beginn an bekannt gewesen. Noch bis Anfang des Jahres wurde von den Betreibern des "Versuchsendlagers" verschwiegen, dann dementiert und bis jetzt heruntergespielt, dass sich tatsächlich seit Jahren radioaktiv belastete Salzlauge in dem ehemaligen Salzbergwerk ansammelt, die nach einer erst kürzlich erfolgten Untersuchung aus den Atommüllfässern in einer Lagerkammer stammt.

Wie vor kurzer Zeit ebenfalls bekannt wurde, ist die radioaktive Salzlösung teilweise in andere ehemalige Salzbergwerke transportiert worden. Die beim Salzabbau entstandenen Hohlräume in diesen Bergwerken waren nach dem Schließen der Anlagen geflutet worden. Die radioaktive Salzlösung aus Asse-II hat sich mit den zur Stabilisierung in die ehemaligen Salzbergwerke eingebrachten Flüssigkeiten vermischt. Auf die gesamte Flüssigkeitsmenge bezogen ist die Strahlung damit also "verdünnt" worden. Herr Haury (Helmholtz-Zentrum, Pressesprecher) sagte im Bayerischen Rundfunk, dass radioaktive Stoffe in Asse-II in kleinen Mengen vorhanden seien wisse man seit etwa zehn Jahren. Für die umstrittene Umlagerung radioaktiv kontaminierter Lauge gäbe es eine Genehmigung der zuständigen Behörde. Da Asse-II als Forschungsbergwerk gilt, ist formal das Bundesministerium für Forschung und nicht der Bundesumweltminister zuständig. Die Tätigkeiten im Bergwerk erfolgten primär nach den bergrechtlichen Vorgaben des Landesbergamts in Niedersachsen und nicht nach den Auflagen des Atomrechts.


Umstrittenes Schließungsverfahren

Im Februar 2008 hatte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Klage einer Anwohnerin aus formellen Gründen abgewiesen. Statt der geplanten Schließung nach Bergrecht hatte sie die Schließung der Anlage Asse-II nach dem strengeren Atomrecht erreichen wollen, die eine Beteiligung der Bürger vorschreibt. Seit 1995 werden die Stollen des Bergwerkes mit altem Salz vor allem aus der Kaligrube Ronnenberg bei Hannover verfüllt. Die verbleibenden Hohlräume sollen anschließend mit einer Magnesium-Chlorid-Lösung geflutet werden, um Einstürze zu verhindern. Gegner der Lagerung befürchten, dass dadurch radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen könnten, zumal Wasser- und Laugeneinbrüche in die alte Schachtanlage bekannt sind.


"Versuchsendlager" faktisch als Endlager genutzt

Mitarbeiter der Schachtanlage Asse-II berichteten, in den ersten Jahren seien Fässer angeliefert worden, die zum Teil bereits durchkorrodiert waren und Flüssigkeiten verloren. Im Verlauf der Stapelung seien Fässer auch zerdrückt worden. Diese von den Gegnern des Atommülllagers seit langem geäußerten Befürchtungen wurden von den Betreibern schon vor Beginn der Einlagerung der ersten Fässer ausgeschlossen und später verschwiegen und dementiert. Das 1965 offiziell zu Forschungszwecken in dem Salzbergwerk eingerichtete "Versuchsendlager" sei von Beginn an faktisch als Endlager genutzt worden.


Ungenehmigter Umgang mit radioaktiven Stoffen

Herr Gabriel (Bundesumweltminister) sagte gestern in der Tagesschau, der auf Anforderung seines Ministeriums vom niedersächsischen Umweltministerium vorgelegte Statusbericht habe die Befürchtungen über den Zustand des Lagers bestätigt. Er habe schwerwiegende Mängel beim Helmholtz-Zentrum, das die Anlage betreibt, und bei der Aufsicht, dem Landesbergamt in Niedersachsen, aufgedeckt. Die Sicherheit sei nirgends nachgewiesen. Asse-II sei die problematischste kerntechnische Anlage, die in Europa zu finden ist. Das Helmholtz-Zentrum München, sei seit langer Zeit ungenehmigt mit radioaktiven Stoffen umgegangen. Der Umgang mit radioaktiven Abfällen im Betrieb sei nicht sachgemäß gewesen, Dokumentationsstandards seien nicht eingehalten worden. Auch habe der Betreiber keine ausreichende Fachkunde und treffe bauliche Maßnahmen ohne ausreichende Kenntnis. Dadurch würden neue Risiken geschaffen, etwa bei der Befüllung von Kammern mit Wasser.


Unverantwortlicher Betrieb von Atomkraftwerken

Herr Gabriel nannte den Statusbericht den "psychologischen Gau für die Endlagerdebatte in Deutschland".

Damit hat er sicherlich Recht. Allerdings beschreibt er damit noch lange nicht die gesamte Tragweite des Skandals. Hätten die Verantwortlichen von Anfang an die Wahrheit gesagt, dann wäre bereits seit Anfang der 1960er Jahre klar gewesen, dass der Bau und der Betrieb von Atomkraftwerken aufgrund des dabei anfallenden radioaktiven Mülls, für dessen sichere Lagerung über sehr lange Zeiträume es keine Lösung gibt, ein unverantwortliches Spiel mit dem atomaren Feuer ist. Die "sehr langen Zeiträume" sind abhängig von den Halbwertszeiten der im Atommüll enthaltenen radioaktiven Stoffe, die zwischen 8 Tagen und 4,468 Milliarden Jahren liegen. Dabei ist zu bedenken, dass nach Ablauf der "Halbwertszeit" die radioaktive Strahlung nicht "verschwunden" ist. Sie hat nach dieser Zeit lediglich um die Hälfte abgenommen. Es braucht noch einmal die Dauer einer Halbwertszeit, bis die diese um die Hälfte verminderte Strahlung noch einmal um die Hälfte abgenommen hat, und so weiter. Nach einem Menschenleben bemessen sprechen wir hier also teilweise über unvorstellbare Lagerzeiträume, für die kein heute lebender Mensch die Sicherheit garantieren kann.


Bestandteile des Atommülls aus Atomkraftwerken

Aus dem in Atomkraftwerken als Primärenergieträger verwendeten Uran entstehen nach der Verwendung zur Energieerzeugung durch Kernspaltung und Nebenprozesse die folgenden wesentlichen Stoffgruppen:
  • Spaltprodukte, also die bei der Kernspaltung entstehenden "Bruchstücke". Diese sind zum größten Teil sehr kurzlebig (z. B. Iod-131, etc.), jedoch sind auch einige längerlebig (z. B. Cäsium-137, Strontium-90 etc.) oder langlebig (z. B. Iod-129 etc.).
  • Aktivierungsprodukte. Dies sind ursprünglich nichtradioaktive Materialien aus dem Reaktor oder dessen Umgebung, die durch Neutroneneinfang von Spalt-Neutronen in radioaktive Nuklide umgewandelt wurden (prominentestes Nuklid ist hier Cobalt-60).
  • Erbrüteter Kernbrennstoff (z. B. Plutonium-239, das durch Neutroneneinfang und zwei anschließenden Betazerfällen aus Uran-238 gebildet wird.
  • Erbrütete weitere Transurane (z. B. Americium-241, das durch mehrfachen Neutroneneinfang aus Plutonium-239 über Plutonium-240 und Plutonium-241 mit nachfolgendem Betazerfall entsteht.
  • Unverbrauchter ursprünglicher Brennstoff (Uran-235, Pu-239 und Plutonium-241), und
  • nicht in Plutonium umgewandeltes Uran-238.
Die genannten Radionuklide haben folgende Halbwertszeiten
  • Americium-241: 432,2 Jahre
  • Cäsium-137: 30,17 Jahre
  • Cobalt-60: 5,2714 Jahre
  • Iod-129: 15.7 Millionen Jahre
  • Iod-131: 8,02070 Tage
  • Plutonium-239: 24110 Jahre
  • Plutonium-241: 14,35 Jahre
  • Strontium-90: 28,78 Jahre
  • Uran-235: 703,8 Millionen Jahre
  • Uran-238: 4,468 Milliarden Jahre

Verantwortung von Politik und Gesellschaft in Deutschland

Wer heute noch den Betrieb oder gar den Ausbau der Atomkraftwerke befürwortet, gefährdet nicht nur die heute lebenden Menschen durch die "normalen Störfälle" oder das "Restrisiko" eines atomaren GAU, sondern auch die Gesundheit und das Leben unzähliger Generationen unserer Nachfahren. Der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten bei ihrem Amtsantritt den Amtseid vor den Mitgliedern des Bundestages.

Der Amtseid lautet:
"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."
(GG, Artikel 56 und 64)

Wer im vollen Bewusstsein der Bedeutung geschworen hat, dass er seine Kraft dem "Wohle des deutschen Volkes" widmen und "Schaden von ihm wenden" will, der kann aus meiner Sicht in Kenntnis der im Laufe des Jahres bekanntgewordenen Tatsachen unmöglich den Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke befürworten. Politische Parteien und diejenigen ihrer Mitglieder, für die der Inhalt des Amtseids im täglichen politischen Geschäft ohne Bedeutung zu sein scheint, sind aus meiner Sicht als Vertretung der Interessen unserer Gesellschaft nicht tragbar !


(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 01.09.2008, Wikipedia, 20:00 Uhr Tagesschau vom 02.09.2008, NDR Nachrichten: Dossiers, Hintergrund, NDR Nachrichten: Dossiers, ARD Nachtmagazin vom 03.09.2008, Deutschlandfunk vom 02.09.2008 13:11 Uhr)

Dienstag, 2. September 2008

Algen für "grünes Kraftwerk" ?

Statt CO2 kommt Biomasse aus dem Kraftwerk

Der Energiekonzern E.on nimmt zusammen mit der Stadt Hamburg und weiteren Kooperationspartnern eine Algen-Pilotanlage in Betrieb. Das CO2 aus einem Kohle- oder Gaskraftwerk soll durch einen Reaktor mit Mikroalgen geleitet werden. Durch Photosynthese sollen die Algen das CO2 in Biomasse umwandeln. Anstatt seine klimaschädigende Wirkung in der Athmosphäre zu entfalten, soll es in Form von Biomasse gebunden werden. Diese könnte zu Bio-Treibstoff weiterverarbeitet werden, mit dem dann Autos betrieben werden könnten.
  • Tolle Idee?
  • Ganz und gar nicht!
Anstatt gleich aus dem Kraftwerk in die Atmoshäre zu gelangen, wird das CO2 lediglich verzögert aus dem Auspuff der Autos freigesetzt und trägt so nachträglich doch zur Verstärkung des Treibhauseffektes bei. Für das Klima ist damit also absolut nichts gewonnen.


Als CO2-Filter für Kraftwerke ungeeignet

Bernhard Fischer (Mitglied des E.on-Vorstandes) verkündete, die eine Million Euro teure Pilotanlage sei europaweit einzigartig. In Klötze (Sachsen-Anhalt) steht jedoch bereits seit Jahren eine Anlage, die um den Faktor 100 größer ist als die Pilotanlage in Hamburg. Diese produziert dort seit zwölf Jahren in Glasröhren, mit einer Gesamtlänge von 500 Kilometern und einem Volumen von 500 Kubikmetern, aus Mikroalgen der verwandten Art Chlorella vulgaris 50 Tonnen Biomasse pro Jahr für Lebensmittel.

Herbert Märkl, Spezialist für Bioverfahrenstechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg, der sich lange Jahre mit Algenkulturen und technischen Aspekten von Algenreaktoren beschäftigt hat, sagt, 45 Tonnen CO2 pro Jahr seien realistisch. Das reiche jedoch nicht aus, um Kohlekraftwerke CO2-frei zu bekommen.

Im Zusammenhang mit der E.on-Anlage spreche man über 400 Tonnen CO2 pro Jahr, die mit einem Hektar Algenreaktorfläche gebunden werden sollen. Draus ließen sich etwa 160 Tonnen Biomasse gewinnen. Kohlekraftwerke emittieren aber zwischen 2 bis 27 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Millionen Tonnen - nicht Tonnen.

Herr Märkl sagt dazu, ein bescheidenes 500 Megawatt-Kohlekraftwerk verbrauche 3000 Tonnen Kohle am Tag. Um die daraus frei werdende Menge CO2 zu binden, bräuchte man einen Biomassezuwachs von 5000 Tonnen pro Tag.

Die E.on-Anlage soll 160 Tonnen Biomasse pro Jahr produzieren. Das wäre weniger als eine halbe Tonne pro Tag.


Fazit

Unter dem Aspekt, dass mit einer Algenrekator-Anlage aus einem klimaschädigenden Kohle- oder Gaskraftwerk ein "grünes Kraftwerk" werden soll, sind die eine Million Euro Forschungsgelder für die E.on "Pilotanlage" bereits jetzt zum Fenster hinausgeworfenes Geld.

Meine Meinung

Es wird endlich Zeit, dass die Verantwortlichen aller Nationen in Politik und Wirtschaft endlich einsehen, dass die Menschheit nicht auch noch den Rest der verbliebenen fossilen Energieträger verfeuern kann, ohne dass die prognostizierte Klimakatastrophe Wirklichkeit wird.

Dabei ist es unerheblich, ob die Treibhausgase sofort, oder verzögert aus wie auch immer gearteten CO2-Deponien in die Atmosphäre gelangen. Anstatt "weitermachen wie bisher" unter dem grünen Deckmantel innovativer Filter- und Deponie Techniken, sind der Ausbau regenerativer Energiekonzepte und die Entwicklung und Inbetriebnahme völlig neue Technologien gefragt - und das so schnell wie möglich.

Im Klimareport der Vereinten Nationen von 2007 kann jeder nachlesen, dass der Welt nicht mehr viel Zeit bleibt, um wenigstens das schlimmste noch zu verhindern.



Quelle: Spiegel-Online

Montag, 1. September 2008

Brodstock Festival



Meine Schwester und mein Schwager machen Musik in einer Band in der Nähe von Kiel. In dem Ort Brodersdorf, in dem der Probenraum der Band ist, gibt es eine weitere Band, deren Bandleaderin im letzten Jahr Kontakte zu einer weiteren Band aus der Gegend geknüpft hat. Die drei Bands sowie ein junger Mann, der einige Stücke selbst komponiert hat, haben am Wochenende ein kleines Festival im privaten Rahmen für Bekannte, Freunde und Familienangehörige veranstaltet.

Die Band, in der meine Schwester mitspielt, hat inzwischen einiges aus dem Bereich Rock/Pop aus der Zeit von 1970 bis heute im Repertoire und nennt sich "Drummer in the Kitchen". Im alten Probenraum war nicht genug Platz für alle Bandmitglieder, so dass der Schlagzeuger nebenan in der Küche sitzen musste - daher der Name der Band (auf deutsch: Schlagzeuger in der Küche). Inzwischen hat "Drummer in the Kitchen" einen neuen Probenraum mit Platz für alle. Den Namen haben sie aber beibehalten.

Die andere Band mit Namen "D'Accord" covert einige Stücke der französischen Musikerin Lydie Auvray, deren Instrument das französische Musette-Akkordeon ist. Das ist ein Akkordeon, auf dem es nur Knöpfe, aber keine Tasten gibt. Die Bandleaderin spielt allerdings ein normales Tasten-Akkordeon. Die Musik ist sehr vielseitig. Da gibt es Stücke mit nordafrikanischem Einfluss im 5/4 Takt, Stücke mit karibisch/creolischem Hintergund, argentischen Tango, Blues oder bretonisch geprägte Stücke. Zum Akkordeon gesellen sich Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug und Cajon. "D'Accord" spielt alles in allem eine mitreißende Musik, die sich schlecht in eine bestimmte Schublade einordnen lässt.

Die beiden Bands haben im letzten Sommer zum ersten Mal so ein Festival in Brodersdorf veranstaltet, das "1. Brodstock Festival - One Day in Peace and Music". Das hatte bei weitem nicht die Ausmaße des berühmten Woodstock Festivals, an dem es sich namentlich anlehnte, aber alle Musiker und Gäste hatten so viel Spaß dabei, dass die Veranstaltung in diesem Jahr als "2. Brodstock Festival" mit etwas erweitertem Umfang, aber wieder im privaten Rahmen mit persönlichen Einladungen, wiederholt wurde.

Die neu hinzugekommene Band nennt sich "The Wanderers" und spielt puren Rock'n'Roll vom feinsten. Ich versuche gar nicht erst das hier näher zu beschreiben. Das muss man einfach erlebt haben.

Der Solist, Dennis Bull, ist ein echtes Phänomen. Meine Schwester sagt, er habe sich das Gitarre spielen selbst beigebracht, ohne die geringste Ahnung von Noten oder Akkorden gehabt zu haben: Einfach so durch ausprobieren und nach Gehör. Dabei hat er auch zwei gecoverte Stücke gespielt, von denen er nur die Texte kannte. Wenn ich das nicht wüsste, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass da ein reiner Autodidakt auf der Bühne saß. Seine Musik war allerdings nicht so ganz mein Ding, da mir die Lieder alle ein wenig zu melancholisch waren. Aber der Musikgeschmack ist ja individuell verschieden.

Wenn nichts dazwischen kommt, wird es im nächsten Sommer wohl eine Fortsetzung geben. Dann werde ich auf alle Fälle wieder dort sein ...

Donnerstag, 28. August 2008

Heim in's russische Reich?

Nachdem es die Welt mit einem Vertrag über den Rückzug seines Millitärs aus Südossetien, den es unter immer neuen Vorwänden nicht erfüllt, zum Narren gehalten hat, erkennt Russland die Unabhängigkeit Südossetiens, und weil es gerade schon einmal dabei ist, gleich auch noch die Unabhängigkeit Abchasiens an. Dabei schert es die russische Regierung einen feuchten Kericht, wie der Rest der Welt darüber denkt. Der "Kölner Stadtanzeiger" meint, Georgiens Präsident Saakaschwili sei von Rusland in eine geschickt getarnte Kriegsfalle gelockt worden, die im Kreml seit Monaten vorbereitet worden sei.

Die EU verurteilt Russlands Vorgehen auf das schärfste und mahnt eine friedliche Lösung der Konflikte in Georgien an. Die staatliche Anerkennung der georgischen Provinzen stehe im Widerspruch zur Unabhängigkeit, Souverinität und territorialen Integrität Georgiens, sowie zur Charta der Vereinten Nationen, zur 1. Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und zu Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.

Auf die Frage in einer russischen Nachrichtensendung, ob er eine Verschlechterung der Beziehungen zum Westen befürchte, antwortete der russische Präsident Medwedjew man habe "schon andere Zeiten überlebt. ... Wir haben vor nichts Angst, auch nicht vor der Aussicht auf einen Kalten Krieg". Waleri Galtschenko ("Kremlpartei Geeintes Rusland", Vorstandsmitglied) wurde nach seiner Meinung darüber befragt, wie der Westen auf eine Anerkennung der von Georgien abtrünnigen Provinzen reagieren werde, und antwortete: "Der Westen wird gar nichts machen. Und sollte er es doch versuchen, bekommt er selbst Sanktionen. Zum Beispiel werden wir das Gas abdrehen."

So ist das also.
Jetzt weiß die Welt, woran sie mit Russland ist!

Damit scheinen diejenigen Recht zu behalten, die schon früher vor der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen gewarnt haben.

Und wie soll es jetzt weiter gehen? Fraglich ist aus meiner Sicht, wie zwei Staaten mit einer Bevölkerung von geschätzten 150.000 bis 200.000 (Abchasien) bzw. 50.000 bis 100.000 (Südossetien) Einwohnern aus eigener Kraft wirtschaftlich in der Welt bestehen will. Fakt ist, dass Russland mit dieser Aktion zwei Happen aus dem Territorium eines Souveränen Staates herausschneidet. Jedenfalls ist das aus russischer Sicht so. Der Rest der Welt betrachtet das Territorium Georgiens weiterhin als unverändert, und sagt, Russland versuche die georgische Landkarte widerrechtlich zu verändern.

Georgien kann es als souveräner Staat eigentlich nicht hinnehmen, dass Russland zwei große Stücke aus seinem Staatsgebiet herausschneidet, kann aber auch nichts dagegen unternehmen, wenn es nicht riskieren will, selbst mit einem weiteren militärischen Handstreich in Russland eingegliedert zu werden. Wenn es so weit käme, hätte es sich wahrscheinlich mit der staatlichen Unabhängigkeit Südossetiens, und möglicherweise auch mit der Abchasiens sehr schnell wieder erledigt.

Auch der Rest der Welt kann daran nichts ändern. Sanktionen gegen Russland werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen neuen Kalten Krieg führen. Militärische Gewaltanwendung könnte die Welt in den Abgrund eines Dritten Weltkrieges manövrieren. Wenn Russland seinen Kurs nicht ändert, wird es zumindest im Kaukasus auf lange Sicht keine Aussicht auf Frieden geben.

Nach russischer Auffassung ist die staatliche Anerkennung der abtrünnigen georgischen Provinzen eine gerechte Reaktion auf die Anerkennung des Kosovos und die fortwährende Ignorierung russischer Interessen durch die NATO und die EU. Bezüglich der Aufrüstung Polens mit amerikanischen Raketen im Rahmen des sogenannten "Raketenschilds gegen Schurkenstaaten" kann ich die russische Sorge sogar nachvollziehen ... - besonders jetzt, wo es gerade auf dem besten Weg ist, sich selbst in diesen zweifelhaften Club aufzunehmen.

Die Annerkennung der Unabhängigkeit Kosovos mit derjenigen von Südossetien vergleichen zu wollen, halte ich allerdings für etwas abenteuerlich. Das ehemalige Jugoslawien gehörte einmal zum Einflussbereich der früheren Sowjetunion und war ein Gebilde aus vormals souveränen Staaten, die vom ursprünglichen Jugoslawien beherrscht wurden. Dieses Staatsgebilde ist nach dem Ende des kalten Krieges aufgrund der Unabhängigkeitsbestrebungen der vormals souveränen Staaten zerfallen, weil diese den jugoslawischen Führungsanspruch nicht mehr anerkennen wollten. Russland scheint zu vergessen, dass es nicht die Sowjetunion ist - die ist Vergangenheit -, und Kosowo ist ebensowenig ein Teil Russlands, wie die zum Staatsgebiet Georgiens gehörenden Provinzen Südossetien und Abchasien. Russlands Interessen richten sich somit in diesen Fällen gegen innere Angelegenheiten souveräner Staaten. Dass ich die Anwendung militärischer Gewalt innerhalb dieser Staaten gegen Bevölkerungsminderheiten verurteile steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Die gewalttätige Unterdrückung von Minderheiten hat bisher immer nur zu menschlichem Leid und Blutvergießen geführt. Dafür ist das ehemalige Jugoslawien ein gutes Beispiel, und ich fürchte, Georgien könnte das gleiche Schicksal bevorstehen.

Möglicherweise schneidet Russland sich mit seinem derzeitigen Vorgehen auf längere Sicht aber auch in's eigene Fleisch. Jedenfalls sieht es der georgische Justizminister Nika Gvaramia so. Er meint, Russland untergrabe durch die staatliche Anerkennung der georgischen Provinzen seine eigene Staatlichkeit, da der Separatismus auch innerhalb Russlands immer noch ein Problem sei. Aufgrund dessen sagt er Russland den totalen Kollaps voraus, "wenn nicht heute, dann sicher morgen". Damit erinnert er daran, dass - wie damals zum ehemaligen Staatengebilde "Jugoslawien" - auch zum Territorium des heutigen Russlands vormals souveräne Staaten gehören, deren Unabhängigkeitsbestrebungen Russland mit militärischen Mitteln zu unterdrücken versucht. Das bekannteste Beispiel dafür dürfte wohl der seit Jahren andauernde blutige Krieg in Tschetschenien sein.

Ich hoffe nur, dass Russland nicht neben Südossetien auch in anderen Staaten, die an Russlands Grenzen stoßen, noch weitere russische Landsleute entdeckt, die es heim in's Reich, bzw. zurück in den russischen Machtbereich zu holen gilt.

Lütte Sail 2008 eröffnet


Impressionen rund um die "Lütte Sail 2008"

Gestern um 15 Uhr wurde die "Lütte Sail" offiziell eröffnet. Die Gäste sind da, die Besucher auch - jetzt müsste nur das Wetter noch etwas besser werden. Gestern war es den ganzen Tag dicht bewölkt und es gab immer wieder Sprühregen.

Eigentlich ist die Bezeichnung "Lütte*) Sail" irgendwie irreführend. Die ist nämlich alles andere als klein. Die vielen Großsegler bieten jedenfalls ein imposantes Panorama im Alten Hafen.


*) Übersetzung für die Leser aus anderen Gegenden Deutschlands: lütt = klein

Mittwoch, 27. August 2008

Peking danach

Die Olympischen Spiele sind Vergangenheit.

Die Mächtigen Chinas haben erreicht was sie wollten. Sie hatten die volle Aufmerksamkeit der sportbegeisterten Menschen aller Nationen dieser Welt. Unter den Augen der kritischeren Weltöffenlichkeit hat der Hochglanzlack auf der Fassade der chinesischen Führung vielleicht einige zusätzliche Kratzer abbekommen. Mehr nicht.

Das IOC hat sich auf das Spiel der chinesischen Machthaber eingelassen - und dabei sein Gesicht verloren ... - und mir tun immer noch die vielen Sportler leid, die den wenigen Mitgliedern dieses elitären Zirkels als Vorwand für große Geschäfte dienen. Für den schnöden Mammon kann man scheinbar auch schon mal den naiven Trottel spielen, der gemeint hat, die Chinesen würden für die Ehre, die Olympischen Spiele ausrichten zu dürfen, plötzlich die Menschenrechte achten.

Ich habe es so kommen sehen und ich hätte mich gewundert, wenn es anders gekommen wäre.

Und ich fürchte, es wird noch einen großen Verlierer geben: Das chinesische Volk, die einfachen Leute, deren Häuser zusammen mit den alten Pekinger Vierteln für den schönen Glanz von Olympia beseitigt wurden. Es sind schon einfache Bürger von den chinesischen Autoritäten zu Krüppeln geschlagen worden, weil sie es gewagt hatten, um eine Entschädigung für die Zerstörung ihres Eigentums zu bitten. Die Welt blickt nicht mehr auf Peking. Die Weltöffentlichkeit wendet ihre Aufmerksamkeit wieder ihren Alltagsgeschäften zu. Aber die Mächtigen in China hatten schon immer ein gutes Gedächtnis, wenn es um chinesische Bürger ging, deren Meinungen von der offiziell vorgegebenen Linie abwich.

Ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft Journalisten geben wird, die ihren Blick nicht von China abwenden, und der Welt weiterhin vom Alltag der Bevölkerung und anderen Ereignissen in China berichten.

Lütte Sail 2008



Gestern Mittag begann sich der Neue Hafen ja schon mit Schiffen zu füllen. Bis zum Abend waren noch viele weitere Segler eingetroffen. Wenn die Stimmung der Gäste auf den Schiffen so bleibt wie gestern abend, dann wird das ein tolles Fest. Es waren gestern auch schon viele Besucher am Hafen, die wie ich die "Ruhe vor dem Sturm" schon einmal für einen ungestörten Blick auf die Szenerie genutzt haben, bevor die "Lütte Sail 2008" heute Nachmittag um 15 Uhr offiziell eröffnet wird.