Dienstag, 7. Juli 2009

Die Vattenmärchen

Atomkraft? Nein Danke!Es war einmal ein Vatten. Der kam aus einem fernen Land in einer Gegend, die bei den Leuten hierzulande unter dem Namen Skandinavien bekannt ist. Der Vatten betrieb in Deutschland zwei wunderschöne Atomkraftwerke, die ganz viel billigen und sauberen Strom erzeugten. Anno 2007 musste der Vatten aber leider plötzlich seine tollen Atomkraftwerke abschalten, weil die bösen Herrscher im Lande Deutschland wollten, dass seine Atomkraftwerke nach einigen unbedeutenden, klitzekleinen technischen Problemchen erst einmal gründlich untersucht werden sollten, bevor sie wieder ganz viel billigen und sauberen Strom erzeugen durften. Aber schon zwei Jahre später war wieder alles in Butter. Zumindest im Krümmelkraftwerk waren alle Probleme beseitigt. Die Anlage war jetzt sicher wie noch nie ...


Nachdem es zwei Jahre lang wegen eines Tranfsformatorenbrandes abgeschaltet war, gab Vattenfall Anfang Juni bekannt, sein Atomkraftwerk Krümmel sei nach aufwändigen Sicherheitsüberprüfungen wieder betriebsbereit. Deshalb wolle man es wieder an's Netz bringen. Außerdem versprach der Betreiber des Atomkraftwerks Besserung bezüglich der Einhaltung seiner Informationspflicht gegenüber der Atomaufsichtsbehörde des Landes Schleswig-Holstein. Am Freitag dem 19. Juni 2009 war es dann soweit: Der auf sechs Tage veranschlagte Neustartprozess wurde initialisiert, und nachdem das Atomkraftwerk daraufhin ganze 16 Tage lang mit "nur einer" Unterbrechung am 1. Juli aufgrund eines "kleinen Problems" mit einem Transformator in Betrieb gewesen war, gab es am Samstag dem 4. Juli erneut einen schweren Kurzschluss in einem Transformator. Betroffen war der zweite der beiden Transformatoren, von denen der erste nach einem Kurzschluss im Sommer 2007 in Brand geraten war. Das hatte damals zur zweijährigen Abschaltung des Kraftwerks geführt. Nach dem aktuellen Kurzschluss wurde der Reaktor auch jetzt wieder wieder automatisch abgeschaltet und die Anlage vom Netz getrennt.

Außerdem wurde dieses Mal auch die Atomaufsicht einigermaßen zeitnah benachrichtigt - allerdings von der Polizei anstatt von Vattenfall. Polizisten waren beim Abräumen von Absperrungen nach einer Demonstration von Atomkraftgegnern wegen der vorangegengenen Trafo-Panne am 1. Juli 2009 zufällig auf den Vorfall im Atomkraftwerk aufmerksam geworden.

Frau Trauernicht (SPD, Sozialministerin, Schleswig-Holstein) sagte am 06.07.2009 in einer Sendung des NDR, Vattenfall habe die üblichen Meldewege nicht eingehalten und habe kein Gespür für die Situation gehabt. Sie habe erst auf Nachfrage von Vattenfall die relevanten Informationen bekommen. Das sei völlig unakzeptabel. da hat sie Recht! Das Verhalten von Vattenfall kommt mir irgendwie so seltsam bekannt vor. Das kennen wir doch alles schon vom letzten Mal vor zwei Jahren.

Und zufällig waren die Folgen auch dieses Mal wieder schlimmer als es zuerst den Anschein hatte. Und genau wie vor zwei Jahren entschuldigt man sich auch dieses Mal für die "Informationspannen" und bedauert, dass es durch die Schnellabschaltung erneut zu einer Verunsicherung der Bevölkerung gekommen ist. Klar bedauert man das. "Verunsicherte Bevölkerung" ist auf die Dauer schlecht für's Geschäft. So langsam kommt man nämlch doch in Erklärungsnot, warum man die "verunsicherte Bevölkerung" unverantwortlicherweise erneut dieser Gefahr ausgesetzt hat. Nach Informationen des Spiegel ist das Atomkraftwerk Krümmel nämlich offenbar nur knapp einem ähnlich folgenschweren Trafobrand entgangen.


Das Märchen
von der Beherrschbarkeit der Atomkraft


Für den Kurzschluss in dem 33 Jahre alten Transformator habe Vattenfall bisher keine Erklärung. Nach dem neuen Kurzschluss habe es in der Folge Schäden während der Schnellabschaltung gegeben. So sei es aufgrund eines defekten Brennelements zu erhöhter Radioaktivität im Reaktorwasser gekommen, die Kühlung des Reaktorwasser-Reinigungssystems habe Probleme verursacht und außerdem sei noch die Elektronik für die Steuerung einer Sicherungsmutter beschädigt gewesen.

Aufzeichnungen, die Aufschluss über die Umstände der Schnellabschaltung des Reaktor geben könnten liegen nicht vor, da die im Zusammenhang mit der Wiederinbetriebnahme von der Atomaufsicht des Landes Schleswig-Holstein vorgeschriebene Audio-Überwachung im Atomkraftwerk Krümmel zur Zeit des Kurzschlusses nicht in Betrieb gewesen sei. Gegen die Audio-Überwachung hatte Vattenfall beim Oberverwaltungsgericht Schleswig geklagt, hatte sich letztlich zwar zur Installation der Anlage bereit erklärt, diese dann aber zunächst nicht in Betrieb nehmen wollen - es seien vorher noch Fragen zum Datenschutz zu klären. Na ja: Das mit dem Datenschutz hat Vattenfall dann ja wirklich gut hinbekommen - jedenfalls soweit es die Geheimhaltung möglicher Fehler aufgrund der inaktiven Audio-Überwachung betrifft. Die mangelhafte Informationspolitik des Atomkraftwerkbetreibers konnte, Dank der Demonstration vor dem Kraftwerk und der Aufmerksamkeit der deswegen anwesenden Polizisten, allerdings auch nach diesem Vorfall nicht lange geheim gehalten werden.

Und - wie sollte es anders sein - auch jetzt ist Vattenfall von der Sicherheit seines Atomkraftwerks absolut überzeugt, und will es unbedingt wieder ans Netz zu bringen. Es sei noch eine Laufzeit von acht bis neun Jahren geplant. Genau wie vor dem erneuten Anfahren des Atomkraftwerks Krümmel nach der zweijährigen Abschaltung versichert Vattenfall auch dieses Mal, man werde das Atomkraftwerk erst wieder in Betrieb nehmen, wenn alle technischen und organisatorischen Fragen "eindeutig" geklärt seien. Auch diese gebetsmühlenartig immer wiederholten Beteuerungen kennen wir schon aus der Zeit nach dem Transformatorenbrand im Sommer 2007. Zumindest angesichts der "eindeutigen" Sicherheit des defekten Transformators, des defekten Brennelements, der problematischen Kühlung des Reaktorwasser-Reinigungssystems, sowie der defekten elektronischen Steuerung der Sicherungsmutter frage ich mich ernsthaft, was denn beim nächsten erneuten Anfahren des Atomkraftwerks Krümmel noch alles passieren muss, bevor es endlich abgerissen wird.


Das Märchen
von der Zuverlässigkeit


Das einzig positive an diesem erneuten haarsträubenden Vorfall im Zusammenhang mit einem Vattenfall Atomkraftwerk ist, dass die für die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein zuständige Frau Trauernicht (SPD, Sozialministerin, Schleswig-Holstein), eine erneute Zuverlässigkeitsprüfung des Betreibers Vattenfall anordnete. Nach der Zuverlässigkeitsprüfung aufgrund der Vorfälle im Jahre 2007 hatte sie die Zuverlässigkeit anhand der Kriterien des Atomgesetzes unter anderem deswegen aussprechen müssen, weil Vattenfall versichert hatte, sich künftig an seine Meldepflicht zu halten. Jetzt hat der Konzern erneut demonstriert, wie genau er es damit nimmt. Außerdem hat Vattenfall eindeutig gegen Auflage verstoßen, bei Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Krümmel auch die Audioüberwachung in Betrieb zu nehmen. Auch das zeugt nicht von Zuverlässigkeit. In die gleiche Bresche schlägt auch Frau Künast (Grüne). Diese hat Vattenfall die Eignung für das Betreiben von Atomkraftwerken aufgrund der ewigen Pannen im Atomkraftwerk Krümmel schon jetzt generell abgesprochen. Es zeuge von gefährlichem Dilettantismus, dass Vattenfall das Atomkraftwerk Krümmel in nur zwei Wochen zweimal vom Netz nehmen musste.

In der Presse und den Fernsehnachrichten wurde berichtet, dass der Kurzschluss im Atomkraftwerk Krümmel schweren Störungen im Stromnetz von Hamburg und Teilen von Schleswig-Holstein zur Folge hatte. Die meisten Ampeln in Hamburg seien ausgefallen, und im Hamburger Wasserleitungsnetz seien durch den Ausfall große Schäden entstanden, weil sich alle Pumpen nach der unerwarteten Spannungsunterbrechung plötzlich gleichzeitig wieder einschalteten. Infolge der Rohrbrüche sei es auch zu Wasserschäden in Wohnhäusern gekommen. Der Atomkraftwerksbetreiber Vattenfall habe erklärt, er habe davon keine Kenntnis, und habe lediglich eingeräumt, dass sich aufgrund des Spannungseinbruchs von weniger als einer Sekunde einzelne Kundenanlagen vom Netz getrennt hätten, und dass sich ein Einkaufszentren und Industriebetriebe beschwert hätten. Er sehe sich nicht in der Pflicht, für die durch den Kurzschluss in seinem Atomkraftwerk verursachten Schäden aufzukommen.


Das Märchen
von der Kompetenz


Drei Tage nach Beginn des Neustartprozesses im Atomkraftwerk Krümmel berichtete der Spiegel, Vattenfall hoffe sein ebenfalls seit zwei Jahren abgeschaltetes Atomkraftwerk Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen noch in diesem Jahr wieder in Betrieb nehmen zu können. Es war im Juni 2007 nach einer Pannenserie ebenfalls vom Netz genommen worden. Der Spiegel zittierte Herrn Tuomo Hatakka (Vattenfall Europe, Vorstandsvorsitzender) am 22.06.2009 mit den Worten:
  • "Ich hoffe, dass die Wiederinbetriebnahme noch in diesem Jahr stattfinden wird. Wenn wir es in Krümmel schaffen, sehe ich keinen Grund, dass wir es in Brunsbüttel nicht schaffen. Wir wissen, was zu tun ist und arbeiten daran."
Das ist jetzt aber dumm gelaufen für Herrn Hatakka und seinen Vattenfall Konzern. Mit der Wiederinbetriebnahme seines Atomkraftwerks in Krümmel ist es ja nun nicht gerade so toll gelaufen. Dort wurde wieder einmal bewiesen, dass Vattenfall zumindest bezüglich der Einhaltung behördlicher Auflagen und seiner Informationspflicht gegenüber der Atomaufsichtsbehörde nicht weiß, was zu tun ist. Wie es mit seinem Wissen aus technischer und personeller Sicht aussieht, wird sich allerdings wohl nicht so leicht nachweisen lassen - nicht zu zuletzt auch wegen des Verstoßes gegen die Pflicht zur Audioüberwachung der Vorgänge im Kraftwerk.


Das Märchen
von der billigen Atomkraft


Wenn das Atomkraftwerk Krümmel vor zwei Jahren endgültig stillgelegt worden wäre, dann hätte Vattenfall 300 Millionen Euro sparen können, die für die Reparatur und die Überprüfung des Atomkraftwerks Krümmel ausgegeben wurden. Laut Vattenfall kämen noch Umsatzausfälle für nicht produzierten Atomstrom, den offensichtlich auch niemand gebraucht hat, von einer Million Euro pro Stillstandstag hinzu. Jetzt wissen wir also, warum Krümmel auf Drängen von Vattenfall unbedingt noch acht bis neun Jahre laufen soll. Allein ungefähr ein Jahr wird es dauern, bis die Reparatur des ersten Trafos bezahlt ist. Wenn der neue Kurzschluss genau so teuer werden sollte, dann werden es jetzt schon zwei Jahre sein, die der Reaktor nur zur Deckung der Reparaturkosten laufen müsste.

Ich würde so etwas als unwirtschaftlich bezeichnen, zusehen, dass ich den Pannenreaktor loswerde, und mich freuen dass ich noch einmal so glimpflich davon gekommen bin. Wenn Vattenfall ebenso vernünftig handeln würde, dann würde der Energiekonzern aber zugeben, dass die Geschichte von der billigen, sauberen und sicheren Atomkraft nichts weiter als ein schönes Märchen gewesen ist. Und das geht natürlich auf gar keinen Fall.


Das Märchen
von der Unverzichtbarkeit der Atomkraft


Der von den Atomkraftwerksbetreibern immer wieder prognostizierte Zusammenbruch der Energieversorgung ist auch nach dem gleichzeitigen zweijährigen Ausfall der beiden Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel nicht eingetreten. Statt dessen hat es lediglich einen zweijährigen finanziellen Zusammenbruch beim Umsatz des Vattenfall-Konzerns gegeben. Im Jahre 2008 lieferten Atomkraftwerke 11,6 Prozent der in Deutschland verbrauchten Primärenergie, während 7,4 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt wurden. Bezogen auf den heutigen Verbrauch soll nach dem Willen der Bundesregierung bis zum Jahr 2025 allein der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung auf 25 Prozent steigen.



"Und wenn sie nicht gestorben sind, ..."

Um sicherzustellen, dass nicht erst noch unzählige unschuldige Menschen sterben und große Teile Norddeutschlands verwüstet werden, ist es an der Zeit, das Märchenbuch jetzt zuzuklappen und zur Realität zurückzukehren.

Politiker, die bei ihrem Amtsantritt schwören,

'ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen,
seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm zu wenden',

aber gleichzeitig lautstark verkünden die Bevölkerung weiterhin der Gefahr dieser hochgefährlichen Technologie aussetzen zu wollen haben in meinen Augen jeden Anspruch auf Glaubwürdigkeit verloren. Nur dann, wenn diese Handlanger der Atomlobby nach der Bundestagswahl im September 2009 keine Möglichkeit haben, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen, besteht eine wirkliche Chance, dass es auch in den Vattenmärchen am Ende irgendwann heißen kann:

"... dann leben sie noch heute glücklich und zufrieden."


Karte: AKW Standorte und Restlaufzeiten
ARD Sondersendung: Wie betroffen ist der Norden?


Montag, 6. Juli 2009

Straßenfest in der Alten Bürger


Alte Bürger, Ecke Schleusenstraße

Wenn irgendwo ein Straßenfest stattfindet, dann treffen sich in der Regel die Anwohner der betreffenden Straße an einem Nachmittag zu einem gemütlichen Nachbarschaftfest bei Kaffee und Kuchen. Beim jährlich stattfindenden Straßenfest in der "Alten Bürger" ist das allerdings etwas völlig anderes: Dort kommen Leute aller Generationen und Anhänger ehemaliger und aktueller Jugend- und Subkulturen aus halb Bremerhaven bei Live Musik, auf der Straße oder in Straßencafés vor den zahlreichen Kneipen, Gaststätten und Restaurants zusammen, um gemeinsam eine große Fete zu feiern.



Der Straßenname "Alte Bürger" ist allerdings in keinem offiziellen Bremerhavener Stadtplan verzeichnet. Früher hieß die Straße zwischen der Rickmersstraße und der Lloydstraße einmal Kaiserstraße. Im weiteren Verlauf in Richtung Süden ging sie in die Bürgermeister-Smidt-Straße über. Die Bürgermeister-Smidt-Straße wird von den Bremerhavenern seit jeher inoffiziell "die Bürger" genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die ehemalige Kaiserstraße ebenfalls den Namen "Bürgermeister-Smidt-Straße", so dass die Bürger jetzt von der Rickmersstraße im Norden bis zur Fährstraße im Süden verläuft.

Die "Alte Bürger" ist also eigentlich die Neue Bürger - oder die Alte Kaiserstraße. Ich kann allerdings nicht mit Sicherheit sagen, ob der Ausdruck "Alte Bürger" aus einer Kombination aus Alte Kaiserstraße und neue Bürger entstanden ist. Möglicherweise lässt sich die Bezeichnung "Alte Bürger" auch auf die in diesem Abschnitt der Bürgermeister-Smidt-Straße erhalten gebliebenen Gründerzeit-Häuser zurückführen. Südlich des Martin-Donandt-Platzes wurde praktisch der gesamte Gebäudebestand aus der Gründerzeit das Opfer der Bombenangriffe im Jahre 1944. Auf alle Fälle ist die "Alte Bürger" aber so etwas wie ein Markenname des Abschnitts der Bürgermeister-Smidt-Straße, in dem sich eine große Anzahl von Szene Kneipen befindet.



Viele Bremerhavener der "früheren jungen Generationen" werden sich sicher noch wehmütig an das "Wally" erinnern. Diese Eckkneipe an der Kreuzung Schleusenstraße/Alte Bürger war einmal der Treffpunkt in Bremerhaven. Hier verkehrten zusammen mit "ganz normalen Menschen" so unterschiedliche Leute wie zum Beispiel Rocker, Popper, Yippies, Punker, Hafenarbeiter, Hippies, Gymnasiasten oder Akademiker friedlich miteinander, die sich an anderen Orten auch schon einmal handgreiflich in die Quere kamen.


Alte Bürger, Ecke Am Gitter: Eine der Musik Bühnen

Da der Raum im Wally begrenzt war, stand ein großer Teil der Gäste oft in einer dichten Menge vor der Tür auf der Straße. Wenn man abends loszog und Gesellschaft suchte, dann fing man dort an, sich nach zufälligerweise immer anwesenden Bekannten und Freunden umzusehen. Drinnen standen die Gäste dicht an dicht. Jeder Quadratzentimeter wurde ausgenutzt. Für den Weg vom Eingang entlang der Theke zu der kleinen Tanzfläche im hinteren Bereich musste man schon deshalb eine gewisse Zeit einplanen. Da viele der Leute, an denen man sich vorbeiquetschte, Freunde und Bekannte waren, kamen immer auch noch diverse Stopps mit mehr oder weniger langen Unterhaltungen hinzu.

Als das Wally aufgrund von Anwohnerbeschwerden Ende der 1980er Jahre eines Tages zwangsweise schließen musste, gab es einen großen Aufschrei der Empörung in Bremerhaven. Spontane Demos fanden statt, auf denen "Ohne Wally gibt's Krawally" skandiert wurde. Na ja: Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Die Anhänger des Wally blieben trotz ihres Unmuts friedlich - so wie sie es eigentlich schon immer gewesen waren ...

Als das Wally aus dem Haus war, zog ein Lebensmitteldiscounter in die Räume ein. Aber der war bereits nach wenigen Jahren Geschichte. Das war eigentlich vorhersehbar gewesen, da es sich um eine dieser Ketten handelte, die heute eine Filiale eröffnen, um sie morgen wieder zu schließen und eine Straße weiter eine neue zu eröffnen. Seit dem steht der Laden leer. Aber die Szenemeile "Alte Bürger" ist bis heute lebendig, und beim Straßenfest trifft man immer noch die alten Bekannten von damals.

Sonntag, 5. Juli 2009

Wasserorchester


Wasserorchester

Auf dem Platz vor dem Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven waren vom 3. bis zum 5. Juli 2009 einige ziemlich kuriose Musikinstrumente im Kreis aufgestellt. Davon hatte ich in einem kurzen Beitrag der Regional-Fernsehsendung "Buten & Binnen" von Radio Bremen gehört.

Ich hatte vor einigen Jahren einmal in einem Folk Konzert ein Musikinstrument gehört und gesehen, das mit einem Geigenbogen gespielt wurde, und dessen Wasserfüllung die Töne auf- und abschwellen ließ. Daher war ich neugierig geworden, und wollte einmal sehen, was ein ganzes Wasserorchester so zu bieten hat.

Auch wenn einige "Instrumente" nicht viel mehr waren als eine mit einer aufwändigen Mechanik versehene Wasserplanscherei, war ich doch überrascht, über die Vielfalt von Möglichkeiten, Wasser zur Beeinflussung von Musikinstrumenten zu verwenden. Da gab es zum Beispiel ein ein Flaschen-Xylophon, ein Platschklavier oder Ploppröhren zu sehen, die man auch nach Lust und Laune ausprobieren konnte. Mit allen diesen Instrumenten ließen sich Klänge erzeugen, die irgendwie von Wasser beeinflusst wurden, oder Wasser zur Klangerzeugung verwendeten. Es gab Orgelpfeifen, denen die für die zur Klangerzeugung notwendige Luft durch auf- und abbewegen in einem Wassereimer zugeführt wurde, oder einen Gong, der an einem Gestell mit einer Kurbel hing, mit der er in einem Wasserbad auf- und abbewegt werden konnte, wodurch sich die Tonhöhe kontinuierlich änderte. Das ganze war ein großer Spaß für die Kinder vorbeikommender Spaziergänger. Aber auch einige Erwachsene platschten, ploppten und heulten was das Zeug hielt.

Der Erfinder dieses Wasserorchesters ist Michael Bradke, der seine Instrumente auf Einladung des Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven aufbaute. Bei der Erfindung der Instrumente hat Herr Bradke sich auch von anderen Kulturen inspirieren lassen. So waren zum Beispiel schwimmende Kürbisse in Ghana Vorbild für seine Wassertrommeln. Die Idee für seine Wasserorgeln basiert auf Heulbojen, die beim auf- und abschwimmen im Wellengang den Druck einer Luftsäule verändern um mit einer Pfeife Töne zu erzeugen.

Ich habe einige der Klänge aufgenommen und mit einem Musikprogramm zu so etwas wie einem Musikarrangement zusammengestellt, das ich als "Hintergrundmusik" für die kurze Diashow verwendet habe, in der die Instrumente des Wasserorchesters zu sehen sind.

(Quellen: Michael Bradke, Buten & Binnen vom 03.07.2009)

Samstag, 4. Juli 2009

Zwergotter


Zwergotter im Bremerhavener "Zoo am Meer"

Früher waren die Gehege in den Zoos so ausgelegt, dass die Tiere ständig zu sehen waren. Privatsphäre und Quartiere, in denen sie sich auch einmal zum Ruhen zurückziehen können, gab es nicht. Nach dem Umbau des Bremerhavener Zoos am Meer entsprechend der aktuellsten Erkenntnisse bezüglich einer artgerechten Haltung, sollte man für einen Besuch schon etwas mehr Zeit einplanen, als es die Größe des kleinen Zoos auf den ersten Blick vielleicht vermuten lässt. Dafür wird man mit Erkenntnissen über die Tiere belohnt, die man bei den Zoo Konzepten früherer Zeiten, in denen die Tiere die meiste Zeit des Tages wie auf einem Präsentierteller nervös von einer Ecke des Geheges zur anderen liefen, nie erlangt hätte.

Viele Menschen, die einen Zoo besuchen, verlangen von den Tieren dort aber auch heute noch, dass diese ihnen für das teure Eintrittsgeld gefälligst ein ausgiebiges Showprogramm bieten sollen. Diese Fraktion der Zoobesucher kommt bei den Zwergottern im Zoo am Meer voll auf ihre Kosten. Den Ottern ist es vermutlich zwar völlig egal, was die Zoobesucher von ihnen erwarten, aber aufgrund ihres geselligen Umgangs untereinander bieten sie häufig einen Einblick in ihr Leben, der zufällig der Erwartungshaltung dieser Besucher entspricht.

Die freilebenden Verwandten der Bremerhavener Zwergotter leben in kleinen Familengruppen an Flüssen und Flussmündungen, hauptsächlich jedoch im nahen Küstenbereich rund um den Indischen Ozean. Am Rande der Gewässer errichten die 45 bis 60 Zentimeter langen Tiere ihre Bauten. Der Eingang liegt unter der Wasserlinie und ist über einen Gang mit dem Bau verbunden. Der Wohnbereich des Baus liegt über der Hochwasserlinie. Zwergotter gehen tagsüber gemeinsam auf Nahrungssuche. Die kleinen Raubtiere ernähren sich hauptsächlich von Weich- und Schalentieren wie Schnecken, Muscheln oder Krebsen.

An den Vorderpfoten besitzen die Zwergotter Finger, zwischen denen sich wenig ausgeprägte Schwimmhäute befinden. Daher sind die Finger relativ beweglich, so dass sie diese in ähnlicher Weise einsetzen können, wie wir Menschen. Mit den Fingern ihrer Vorderpfoten halten sie auch ihre Nahrung, die sie oft auch in ähnlicher Weise "waschen", wie man es von Waschbären kennt.


Unser kleiner Zoo am Meer

(Quellen: Zoo am Meer, Wikipedia, Tierdoku)

Donnerstag, 2. Juli 2009

Kohlendioxid ENDlager?

Die Energiekonzerne treiben ihre Pläne, das bei der Verbrennung in ihren mit fossilen Energieträgern befeuerten Kraftwerken (Kohle, Erdöl, Erdgas) entstehende Kohlendioxid (CO2) aus dem Abgas abzuscheiden und unterirdisch zu lagern, mit aller Macht voran. Damit wollen sie den Weiterbetrieb, sowie den Bau neuer Kraftwerke, die Strom aus fossilen Energieträgern erzeugen, sicherstellen.

Am 01.07.2009 berichtete die Nordsee-Zeitung darüber, dass der Eon Konzern die Erlaubnis für großflächige auf fünf Jahre angelegte geologische Untersuchungen auch in insgesamt 17 Landkreisen im Wesergebiet beantragt hat. Der Konzern will das CO2 aus seinen Kraftwerken in Hohlräume in tiefliegende Buntsandsteinschichten pressen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass diese Technik den Wirkungsgrad der Energieerzeugung verschlechtern wird, stellen sich mir einige entscheidende Fragen, die mir bisher niemand schlüssig beantworten konnte.
  • Wie hoch ist der Wirkungsgrad der CO2-Abscheider nach derzeitigem Stand der Technik und welche Verbesserungen wären diesbezüglich noch zu erwarten? Was passiert mit dem nicht von den Abscheidern erfaßten CO2 im Abgas, das wie bisher in die Atmosphäre gelangen wird?
  • Was ist ein Endlager? Nach meinem Verständnis der Begriffe "End" für endgültig und "Lager" ist ein Endlager ein Aufbewahrungsort für etwas, das für immer dort bleiben soll. Da in einem solchen Endlager eingelagertes CO2 aufgrund der inzwischen hinlänglich bekannten Auswirkungen auf das Klima niemals in die Atmosphäre entweichen darf, solange es Leben auf unserem Planeten gibt, muss absolut sicher gestellt sein, dass dieses Lager bis in alle Ewigkeit absolut gasdicht ist.
  • Gibt es eigentlich irgend jemanden, der wissenschaftlich belegbar und mit absoluter Gewissheit beweisen kann, dass unterirdisch "end"-gelagertes CO2 bis in alle Ewigkeit auch dort unten bleibt?
Ich habe da ehrlich gesagt so meine Zweifel. Anscheinend teilt selbst der Befürworter der unterirdischen Lagerung von CO2, Prof. Dr. Andreas Dahmke (Professor für angewandte Geologie, Universität Kiel) meine Bedenken, denn die Nordsee-Zeitung zitiert ihn mit den Worten: "In 300, 400 Jahren könnten vielleicht einige Promille (CO2) austreten. ..." Im Zusammenhang mit dem ganzen Text des Berichts ist diese Aussage allerdings verharmlosend gemeint.

Weiterhin verwendet Herr Dahmke einige weitere Vergleiche, die Bedenken von Kritikern der unterirdischen CO2-Lagerung herunterspielen sollen. So sagt er zum Beispiel, vorhandene Gasspeicher, Gas- und Ölpipelines seien explosiver und umweltgefährdender als CO2-Pipelines und die unterirdische CO2-Speicherung.
  • Erstens sind die Gas- und Öl-Unfälle, die sich in der Vergangenheit ereigneten, schon schlimm genug gewesen und eignen sich daher in keiner Weise als Argument, um die möglichen, damit überhaupt nicht vergleichbaren Folgen der Risiken einer anderer Technologie zu verharmlosen.
  • Zweitens hatten diese Unfälle regional und zeitlich begrenzte Auswirkungen. Aus unterirdischen Lagern in die Atmosphäre entweichendes CO2-Gas würde hingegen die Lebensbedingungen auf den gesamten Planeten gefährden.
Regional begrenzte Risiken mögen - das Einverständnis von möglichen Unfällen Gefährdeter vorausgesetzt, und soweit durch Prävention beherrschbar - gerade noch hinnehmbar sein. Die Folgen einer Gasexplosion betreffen vielleicht eine Stadt, die einer undicht gewordenen Öl-Pipeline eine Küste oder den Boden und das Grundwasser einer Region in Deutschland. Selbst die Inkaufnahme derartiger Risiken, deren Folgen im Falle eines Fehlers oder Unfalls immer auch unbeteiligte Anwohner sowie die Tier- und Pflanzenwelt betreffen werden, halte ich schon für höchst fragwürdig. Es sind nämlich immer die Betreiber dieser riskanten Technologien, die damit viel Geld verdienen, während im Falle eines Unfalles Eigentum, Gesundheit und Leben unzähliger Unbeteiligter gefährdet sind. Der Einsatz von Technologien, deren Risiken grenzüberschreitend zu dauerhaften Schäden in anderen, unbeteiligten Ländern oder gar zu globalen Katastrophen führen könnten (Atomkraft-, Kohle-, Erdöl-, Erdgas-Kraftwerke), ist jedoch unter keinen Umständen zu verantworten.

Wenn "in 300, 400 Jahren", wie Herr Dahmke zugesteht, vielleicht die ersten "Promille" des eingelagerten CO2-Gases wieder an der Erdoberfläche ankommen sollten, dann wird ihm das sicher völlig egal sein. Ich bin mir auch durchaus bewusst, dass es noch weitere Zeitgenossen gibt, die lieber nach dem Motto "Nach mir die Sintflut" handeln, als dass sie bereit wären persönliche Einschränkungen hinzunehmen, welche die schlimmsten Auswirkungen der Klimaerwärmung für unsere Nachkommen noch verhindern könnten.

Schade nur, dass diese in "in 300, 400 Jahren" keine Gelegenheit mehr haben, Herrn Dahmke zu sagen, wie sie darüber denken. Einen kleinen Vorgeschmack darauf könnte er sich vielleicht aber schon einmal abholen, wenn er zum Beispiel den Bewohnern der Malediven seine Ansichten über das "Restrisiko infolge weiterer CO2 Emissionen" darlegen würde. Auf den Malediven ist die Sintflut aufgrund der Klimaerwärmung nämlich bereits heute Realität.

Dass die Erdkruste seit jeher ständigen Veränderungen unterworfen ist, lernen die Kinder heute bereits in der Schule. Faltungen, Einbrüche, Bildung von Rissen aufgrund auftretender Spannungen oder Erdbeben lassen es eher unwahrscheinlich erscheinen, dass sich unterirdisch gespeichertes CO2-Gas dort auf Dauer sicher unter Verschluss halten lässt. Infolge von Bergbauaktivitäten ist es auch in Deutschland schon zu Erdverwerfungen gekommen, die an der Erdoberfläche als Erdbeben wahrgenommen wurden, und bei denen es, wie im Saarland im Februar 2008, auch zu Schäden an Gebäuden kam. Sehr interessant zu lesen in Bezug auf die Folgen menschlicher Eingriffe in die Erde ist auch der Beitrag "Erdbeben der 4. Art" auf den Seiten der Eduseis-AG am Copernicus-Gymnasium in Philippsburg.

Wer von uns in Norddeutschland meint, das Saarland sei ja weit weg, der sollte sich vielleicht nicht allzu sicher fühlen. So ist auf "scinexx" im Artikel "Mensch als Erdbeben-Auslöser" zu lesen: "2004 und 2005 zitterte in Norddeutschland die Erde - offenbar als Folge der Gasförderung in Niedersachsen."

Aufgrund der Tatsache, dass sich die Strukturen der Erdkruste ständig ändern, können die sogenannten "End"-lager aus meiner Sicht bestenfalls Zwischenlager sein, mit deren Hilfe die CO2-Emissionen der fossil befeuerten Kraftwerke lediglich zeitverzögert in die Atmosphäre gelangen werden, um dann mit etwas Verspätung zur weiteren Erwärmung der mittleren Temperatur auf der Erde beizutragen. Oder hat CO2 so etwas wie eine Halbwertszeit, so dass es völlig egal ist, wenn es irgendwann aus der Erde unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen wird?

Solange mich niemand vom Gegenteil überzeugen kann, lehne ich
deshalb die sogenannte unterirdische "End"-lagerung entschie-
den ab. Dieses wird bei meiner Entscheidung am Tag der Bun-
destagswahl ganz oben auf meiner Prioritätenliste stehen.


Quelle: Nordsee-Zeitung vom 01.07.2009)

Mittwoch, 1. Juli 2009

Schoki macht glücklich



In letzter Zeit erhalte ich häufiger E-Mails mit dem Betreff:

"Schokolade essen macht dick"

"Das wird dann wohl schon so sein" war mein erster Gedanke beim lesen des Betreffs der ersten E-Mail dieser Serie, denn die Absenderin ist schließlich eine Frau Dr. Hungertuch*), und Doktoren sind ja studierte Leute. Anhand der Einträge im Feld "cc:" ließ sich unschwer erkennen, dass ich nicht der einzige vermeintlich übergewichtige Adressat war, der damit auf das schwerwiegende Problem der ihm angedichteten Schokoladensucht hingewiesen werden sollte.

Hätte mich auch gewundert, wenn die gute Frau Dr. Hungertuch Kenntnis von meiner Vorliebe für Schokolade gehabt hätte (allerdings: man weiß ja nie ...). Nachdem ich schon die erste dieser E-Mails - sowie unzählige ihrer anschließend eingetroffenen Schwestern - im Daten-Nirvana verschwinden lassen hatte, hat es mich irgendwann doch einmal gereizt zu erfahren, womit die gute Frau Dr. Hungertuch die viel zu fette Menschheit im allegemeinen - und mich im besonderen - zu kurieren gedenkt. Ich habe den Text der E-Mail also in die Zwischenablage kopiert, ohne die E-Mail dabei zu öffnen, und habe ihn dann im Text Editor gelesen. Diese hochwissenschaftliche Abhandlung möchte ich euch natürlich auf keinen Fall vorenthalten:

Sehr geehrte/r mein.name(at)mein-provider.de**),

Angenehm abnehmen kann heut zu Tage unk0mpliziert sein und genauso echt Genuss machen. Probieren Sie dieese frische Art und weise und erfahren sie, wie kinder-leicht es ist 10 Kilogram innerhalb einem M0nat abzu-nehmen.

Unter [Internetadresse] erhalten Sie sie Beratungshinweise, um problemlos viel abzunehmen ohne sich dabei einschränken zu müssen.

Mit uns erfolgreich abnehmen!

Mit mageren***) Grüßen
Dr. Herta Hungertuch

Na ja, Frau Doktor: Pisa lässt auch schön grüßen! Außerdem sollten Sie, als Akademikerin, eigentlich davon absehen, Silben in Wörtern mit Ziffern abzukürzen. Man schreibt schließlich auch nicht "8ung" wenn man "Achtung" meint. Von Begriffen wie "unknullmpliziert" oder "Mnullnat" habe ich allerdings noch nie etwas gehört. Auch das Lexikon hilft mir diesbezüglich nicht wirklich weiter. Oder handelt es sich dabei vielleicht um medizinische Fachausdrücke?

Aber davon einmal abgesehen: Von Ihnen lasse ich mir meine Schokolade nicht vermiesen! Außerdem läge ich schlappe zehn Kilogramm unterhalb meines Idealgewichtes, wenn ich mich tatsächlich auf ihre blödsinnige Idee, 10 kg abzunehmen zu müssen, einlassen würde.

Ich bin ja auch nicht so bescheuert, auf den Link mit der Internetadresse in Ihrer E-Mail zu klicken. Am Ende habe ich wohlmöglich noch mein Idealgewicht, aber der Datenbestand auf meiner Festplatte hat dafür rapide abgenommen. Ich habe jedoch auch so Phantasie genug, um mir vorzustellen zu können, dass Sie beabsichtigen, für Ihre vermutlich wirkungslosen Zaubermittelchen ganz schön tief in die Portemonaies ihrer potentiellen Opfer zu greifen.

Da gebe ich das gesparte Geld doch lieber für weitere Schokolade aus. Je mehr ich davon esse, desto mehr von den im Kakao der Schokolade enthaltenen stimmungsaufhellenden und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen nehme ich nämlich zu mir und befinde mich somit kontinuierlich auf einem erhöhten Glückslevel. Wie Sie unschwer nachvollziehen können, prallt ihre miese Stimmungsmache daher absolut wirkungslos von mir ab.


Aber Scherz beiseite:

Ich halte Suggestionen, wie sie von derartigen Spammern verbreitet werden, für höchst bedenklich. Eigentlich wohlproportionierte junge Leuten lassen sich heute von der Werbung ohnehin oft leicht einreden, sie seien zu dick. Eine Diät, die anschließend außer Kontrolle gerät, kann für solche Menschen ein Einstieg in die Magersucht sein. Magersucht zählt zu den psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate. Etwa 15 Prozent der Erkrankten sterben daran.

Übrigens gibt es in meinem E-Mail Client einen Knopf, mit dem man derartigen Datenmüll mit einem Klick im Spamschredder verschwinden lassen kann. Eine feine Sache ist das.


*) Name geändert (juwi)
**) Ist das nicht eine grausam unhöfliche Anrede?
***) geändert (juwi)


Fischers Chamäleon


Zoo am Meer: Fischers Chamäleon

Chamäleon

Ich weiß nicht, ob es mich wohl meint,
oder mehr die fette Beute.
Chamäleons, so wie es scheint,
lieben Fliegen und auch Leute.

Mit einem Auge sieht's mich an.
Das andere dreht's hin und her ... -
ob ich das Kunststück auch wohl kann?
Ich hab's versucht: S'ist ziemlich schwer!

© Jürgen Winkler


... Ähm - also, ehrlich gesagt geht das eigentlich gar nicht! (Jedenfalls nicht mit meinen Augen.)

Das auf dem Foto abgebildete "Fischers Chamäleon" lebt im Bremerhavener "Zoo am Meer" in einem Terrarium in der Zooschule. Man hat ja vielleicht schon einmal davon gehört oder gelesen, dass Chamäleons unbeweglich, in Bäumen auf Ästen sitzen und auf vorbeifligende Insekten lauern, die sie dann mit ihrer unheimlich langen und klebrigen Zunge aus der Luft angeln. Das einzige, was sich an diesen Tieren bewegt, seien die sich unabhängig voneinander in alle Richtungen hin- und herdrehenden Augen.

Dieses Chamäleon saß nicht unbeweglich auf einem Ast. Als es mich sah, kam es sofort an die Frontscheibe seines Terrariums, um mich genauer in Augenschein zu nehmen. Es war schon merkwürdig anzusehen, als ich erkannte, dass es mit seinem einen Auge jeder meiner Bewegungen folgte, während es mit dem anderen hinter sich im Terrarium nach einer zufällig vorbeikommenden Mahlzeit Ausschau hielt.

Das Fischers Chamäleon lebt als Einzelgänger in den Buschsavannen und Bergregenwäldern Kenias und Tansanias, wo es sich von Insekten, Echsen, Schlangen etc. ernährt. Zwei bis drei mal pro Jahr legen die weiblichen Tiere 15 bis 30 Eier. Fischers Chamäleons können bis zu sechs Jahre alt werden und stehen auf der Schutzliste des Washingtoner Artenschutzabkommens.


Unser kleiner Zoo am Meer

(Quellen: u.a. Zoo am Meer, Tierdoku)