Sonntag, 19. September 2010

Atomkraft: Schluss jetzt!


Demonstration gegen die Atompolitik am 18. September 2010 in Berlin

Nicht - wie es die Bundesregierung gerne hätte - die Zustimmung zur Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke erlebt hierzulande eine Renaissance. Rund 100000 Menschen zeigten am Samstag in Berlin überdeutlich: Das, was die gelb-schwarze Bundesregierung mit ihrer Atompolitik und mit ihrer Kumpanei mit den Atomkonzernen ins Leben gerufen hat, das ist die Renaissance der Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland.

Die Bundesregierung spricht von ihrer "Revolutionären Energiepolitik". Die Energiepolitik der Bundesregierung ist ein mehrere 100-Milliarden-Euro-Geschenk an die vier Atomkonzerne in Deutschland zu Lasten der erneuerbaren Energieren, das mit Steuermitteln finanziert wird ... - mit unseren Steuern und mit der gesamten Last des Risikos auf unseren Schultern. Die Revolution der Bundesregierung ist eine Revolution gegen das Volk! Was die Bundesregierung damit provoziert, das ist die Revolution der Bürger in diesem Land, die sich diese Arroganz der Macht, diese Aushebelung der Grundlagen unserer Demokratie mit Hilfe von Geheimverträgen mit den Atomkonzernen, diese Ignoranz gegenüber ihren existentiellen Sicherheitsinteressen, diesen permanenten Griff in ihre Taschen zum Wohle von EnBE, RWE, Eon und Vattenfall nicht mehr gefallen lassen werden. Die Texte auf den Transparenten im Demonstrationszug stellten das teilweise auf recht drastische Weise klar. Einen kleinen Eindruck davon vermitteln die Szenen in meinem Video, die ich im Laufe des Nachmittags in Berlin mit der Kamera festgehalten habe.









Demonstraten vor dem Reichstag

Aufgerufen zur Demonstration hatten die "Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad", "Ausgestrahlt", der "BUND", die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW)", das demokratische Netzwerk "Campact" und die "Naturfreunde". Unterstützt wurden die Organisatoren von einem breiten Bündnis unabhängiger Organisationen aus allen Teilen der Gesellschaft. Bei der Polizei angemeldet hatten die Veranstalter 30000 Teilnehmer, und im Vorfeld erklärt, sie würden jedoch mit mehr als 50000 Teilnehmern rechnen. Gekommen waren rund 100000 überwiegend aufgebrachte Bürger aller Altersschichten - von Kindern und Jugendlichen bis hin zu betagten Rentnern - die ihrem Unmut über den Umgang der schwarz-gelben Bundesregierung mit den Menschen zum Ausdruck brachten. Darunter waren auch viele ältere Menschen, die bisher noch nie an einer Demonstration teilgenommen haben - und viele, die jetzt nach 10 oder mehr Jahren erneut gegen die Nutzung der Atomkraft auf die Straße gingen.









Umzingelung des Regierungsviertels

Aufgrund der großen Menschenmenge war die Umzingelung des Regierungsviertels bereits abgeschlossen, als die meisten von uns noch auf dem Washington-Platz anstanden, um endlich über die Brücke über die Spree zum Regierungsviertel zu gelangen. Allein diese Tatsache beweist, dass sich deutlich mehr Menschen an der Demonstration beteiligten, als die Veranstalter im Vorfeld zu hoffen gewagt hatten. Wäre der Kundgebungsplatz, wie von den Veranstaltern der Demonstration gefordert, die Reichstagswiese gewesen, und nicht der Washington-Platz vor dem Hauptbahnhof, dann hätte es den Engpass an der Brücke nicht gegeben.









Kundgebung auf dem Washington-Platz

Als endlich alle Demonstranten die Brücke über die Spree passiert hatten, konnte man von einer "Umzingelung" des Regierungsviertels eigentlich gar nicht mehr sprechen: Es war flächig von Demonstranten überflutet. Als bereits die Abschlusskundgebung begonnen hatte, waren immer noch so viele Demonstrationsteilnehmer im Regierungsviertel, dass die Polizei letztlich auch den Weg für die Menschen auf die Reichstagswiese frei gab.


Da von Bremerhaven aus kein Bus nach Berlin fuhr, und es anfangs auch keinen Sonderzug aus dem Norden nach Berlin gab, hatte ich frühzeitig einen Platz in einem Bus ab Stotel, einem kleinen Ort südlich von Bremerhaven, reserviert. Von dort aus ging es morgens um halb sechs durch den Wesertunnel auf die andere Seite der Weser. Auf dem Weg am Atomkraftwerk Unterweser vorbei stiegen bis Berne, einem Ort kurz vor Bremen-Nord, die anderen Mitreisenden zu. Pünktlich um zwölf Uhr kamen wir mittags am Washington-Platz in Berlin an. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei den Busorganisatoren für die viele Arbeit und bei dem Busbegleiter für die nette Betreuung bedanken, sowie bei den beiden Fahrern dafür, dass sie uns sicher ans Ziel und wieder zurück gefahren haben.

Bis auf zwei, drei Regenschauer meinte es das Wetter während des Nachmittags in Berlin gut mit uns. Trotz des ernsten Anlasses herrschte eine gute Stimmung und soweit mir bekannt ist blieb es überall friedlich. Als wir in der Nacht gegen ein Uhr wieder in Stotel ankamen, waren alle erschöpft, aber zufrieden. Allerdings ist zu befürchten, dass die Demonstration vor der Haustür der Bundesregierung nur ein Meilenstein auf einem langen Weg war, der noch vor uns liegt. Bis zur nächsten größeren Demonstration - Anfang November in Gorleben - wird es diverse, dezentrale kleinere an verschiedenen Orten der Bundesrepublik geben, wie zum Beispiel am 29. September in Salzgitter, am 6. Oktober in Stuttgart und am 9. Oktober in München. Unmittelbar vor der geplanten Verabschiedung der geplanten Atomgesetz-Novelle findet am 23. Oktober mit dem Castor-Strecken-Aktionstag die nächste bundesweite Aktion statt.

Die Bürger haben der schwarz-gelben Regierungskoalition in Berlin einen "Heißen Herbst" versprochen. Es ist noch nicht zu Ende ...

www.campact.de


(Quellen: Tagesschau vom 18.09.2010, Atomkraft: Schluss jetzt!, Spiegel online vom 18.09.2010, Handelsblatt vom 18.09.2010)

1 Kommentar:

Heni hat gesagt…

Danke JuWi für deinen Berich aus deiner Sicht
Danke an dich das du dich aktiv für uns alle einsetzt
Danke an alle aktiven Mitstreiter
für euer aller Mut, Engagement und den Aufwand - zeitlich und finanziell - der uns allen zu Gute kommen wird.
Meine Gedanken haben und werden euch immer begleiten

LG

Butterfly and Dragonfly - Heni

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