Freitag, 30. November 2012

Lehe - Galaktische Dimensionen

 Chr. Aretz: "Stardust" (Bremerhaven, Lehe, Ortsteil Goethestraße)
Nachdem das Eckgebäude Potsdamer Straße 10 abgerissen worden war, boten die beiden Giebel der Nachbarhäuser einen trostlosen Anblick. Darüberhinaus waren während des Abrisses Schäden am Nachbarhaus in der Eupener Straße zutage getreten, die dazu geführt hatten, dass es aus Sicherheitsgründen evakuiert werden musste.

Da die Eigentümerversammlung beschlossen hatte, das Gebäude nicht aufzugeben, hat sich aber wohl eine Lösung Lösung zur Rettung des 1907 errichteten Gründerzeithauses gefunden. Zur Zeit ist ein Teil der Fassade des Hauses eingerüstet.


"Stardust" (Grafik: © Christian Aretz / Foto: © J. Winkler)
Dank der Initiative des in der Nachbarschaft wohnenden Künstlers Christian Aretz und der unbürokratischen Mitwirkung des Stadtplanungsamtes hat sich der Anblick des Nachbargebäudes in der Postdamer Straße inzwischen erfreulich gewandelt. Seine giebelfüllende Weltraumszenerie "Stardust" ist ein echter "Hingucker" geworden.


"Stardust" (Grafik: © Christian Aretz / Foto: © J. Winkler)
Nachdem die Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten am Haus in der Eupener Straße abgeschlossen sein werden, soll das Kunstwerk auf der Giebelwand des Hauses in der Eupener Straße vervollständigt werden.


Die "galaktischen Dimensionen" des Gesamt Kunstwerks lassen sich bereits erahnen
Aus einem Artikel im Internetportal der Stadt Bremerhaven geht hervor, dass damit voraussichtlich im Frühjahr 2013 begonnen werden wird. Bis dahin werden zwar noch einige Monate ins Land gehen, aber vor meinem inneren Auge lassen sich die "glaktischen Dimensionen" des zukünfigen Gesamt-Kunstwerks bereits erahnen.


Zum Weiterlesen:


(Quellen: Malzeit-Design, Bremerhaven.de vom 26.10.2012)

Montag, 26. November 2012

Doha - Das Fünkchen Hoffnung

Von heute an, bis zum 07.12.2012, treffen sich erneut Delegierte aus aller Welt zur mittlerweile 18. Weltklimakonferenz (COP 18) der Vereinten Nationen. Gastgeber in diesem Jahr ist Doha (Emirat Katar).

Wenn auch zur Zeit (wie immer wieder um diese Jahreszeit) das Fünkchen Hoffnung etwas heller glimmt, so sind meine Erwartungen an den ernsthaften Willen der Regierungen, endlich verpflichtende Vereinbarungen für einen gemeinsamen, ehrgeizigen und nachhaltigen Kampf gegen die uns allen sowie allen unseren Nachkommen drohende globale Klimakatastrophe zu vereinbaren, von Jahr zu Jahr weiter gesunken.

Immerhin liest man im Entschließungsantrag des Europäischen Parlaments zur Klimakonferenz in Doha, Katar (COP 18) vom 14.11.2012, Absatz F. unter anderem auch (Zitat):
 ".., dass den vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) vorgelegten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge das 2-Grad-Ziel nur dann erreicht werden kann, wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen spätestens 2015 ihren Höchststand erreichen, bis 2050 um mindestens 50 % gegenüber dem Stand des Jahres 1990 sinken und anschließend weiter zurückgehen; .."
Die Rede ist vom Klimareport des IPCC aus dem Jahre 2007! Jetzt, nachdem fünf wertvolle Jahre mit kleinlichen Streitereien nach dem Motto "Bevor die anderen nicht damit aufhören, ihre Wälder abzuholzen, will ich auch nicht mein spritfressendes Status-Symbol verzichten" sinnlos vergeudet wurden, bleiben bis zum Jahre 2015 nur noch knapp zwei Jahre um den Anstieg der Emissionen klimarelevanter Gase in der Atmosphäre weltweit zum Stillstand zu bringen.

Je kürzer der zum Handeln verbleibende Zeitraum wird, desto schmerzhafter werden die dafür notwendigen finanziellen Belastungen und Einschnitte in unseren Lebensstandard ausfallen. Sollte es der Menschheit jedoch nicht gelingen, den Anstieg der Emissionen klimarelevanter Gase zu stoppen und dann auf Null(!) herunterzufahren, dann werden die schlimmsten Erwartungen aus den Klimasimulationen der Klimafolgenforscher voraussichtlich zur bitteren Realität werden.

Der Anstieg der mittleren globalen Temperatur wird sich jenseits des im Klimareport benannten "Zwei-Grad-Ziels" exponential beschleunigen. Die Lebensbedingungen auf unserem Planeten, so wie wir sie noch kennengelernt haben, werden sich infolgedessen radikal verändern.

Die Gletscher in den Hochgebirgen und die Eismassen in den Polarregionen werden abschmelzen. Der Anstieg des Meeresspiegels wird sich beschleunigen und extremer ausfallen, als es im Falle der Unterschreitung der "maximal plus 2 Grad"-Marke der Fall wäre. Tiefliegende Staaten, wie beispielsweise Bangladesh oder Inselstaaten im Pazifik werden teilweise oder ganz von der Landkarte verschwinden. Küstennahe Metropolen werden im wahrsten Sinne des Wortes untergehen. Die Schäden, die der Hurrikan "Sandy" in New York und in weiten Regionen der Ostküste der USA angerichtet hat sind nichts im Vergleich zu dem, was die dort lebenden Menschen im Falle einer unkontrollierbaren Klimakatastrophe zu erwarten hätten.

Wohl nicht nur in aufgrund dieser Erfahrung hat Herr Obama (USA, Präsident) in seiner Rede nach seinem Wahlsieg gesagt:
"Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Amerika leben, das nicht durch Schulden erdrückt wird, das nicht durch Ungleichheit geschwächt wird, das nicht durch die zerstörerischen Kräfte eines sich erwärmenden Planeten bedroht ist."

Barack Obama
nach seiner Wahl zum Präsidenten der USA am 7. November 2012

Bleibt zu hoffen, dass die US-Bürger auf die Straßen gehen und den Politikern der Republikaner endlich die rote Karte zeigen werden, falls diese sich weiterhin den notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel widersetzen sollten. Ansonsten hätten die Demokraten und Herr Obama wohl auch in seiner zweiten Amtszeit kaum eine Chance, ihren Erkenntnissen auch Taten folgen zu lassen. Die Vision Herrn Obamas von einem lebenswerten Amerika, das nicht durch die zerstörerischen Kräfte eines sich erwärmenden Planeten bedroht ist, könnte sich dann schnell in Luft auflösen.

Wenn mittlere Temperatur auf unseren Planeten so weit ansteigen sollte, dass die Böden in den Permafrostregionen auftauen, dann werden sich diese Gebiete in gigantische Sumpfgebiete verwandeln, aus denen infolge von Faulprozessen große Mengen des klimaschädlichen Gases Methan in die Atmosphäre entweichen werden. Der Anstieg der globalen mittleren Temperatur wäre dann endgültig nicht mehr aufzuhalten. Selbst ein sofortiges Ende der CO2-Emissionen würde daran nichts mehr ändern.

Für unsere Kinder und Kindeskinder - für alle nachfolgenden Generationen(!) - würden die finanziellen Einbußen aufgrund lebensfeindlicher Umweltbedingungen um ein vielfaches härter ausfallen, als es die heute lebenden Generationen treffen würde, wenn sie den gemeinsamen, weltweit koordinierten Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe endlich aufnehmen würden und es ihnen noch rechtzeitig gelingen würde, die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.

  • Ich hoffe deshalb, dass die Wahl des Austragungsorts für den Klimagipfel im von Geröll- und Kieswüsten geprägten Katar sich nicht als schlechtses Ohmen erweisen wird. Es wäre der Beginn der globalen Katastrophe, wenn die Regierungen der an der Konferenz betiligten Staaten uns und ihren Bürgern zum Ende der diesjährigen Weltklimakonferenz eine Fata Morgana als Ergebnis präsentieren würden.


(Quellen: Süddeutsche Zeitung vom 26.12.2012, Tagesschau vom 26.11.2012, die Welt vom 25.12.2012, Tagesschau vom 07.11.2012, Wikipedia, EU-Parlament)

Unliebsame Begegnungen im dichten Nebel

Fähre "Nordenham" bei der Ausfahrt aus der Geestemündung auf die Weser (März 2012)
Am Samstag sah man selbst in der Stadt kaum "die Hand vor den Augen". Hätten wir beispielsweise nicht gewusst, dass die Müllverbrennungsanlage genau dort steht, wo sie auch sonst immer zu finden ist, dann wären wir wohl überrascht gewesen, den eigentlich nicht zu übersehenden Gebäudekomplex plötzlich nur zwei bis dreihundert Meter voraus aus dem Nebel auftauchen zu sehen.

Im Verkehr auf dem Wasser kann es bei derartigen Sichtverhältnissen - trotz der heutigen Sicherheits- und Navigationstechnik auf Schiffen - auch schon einmal zu unliebsamen Begegnungen kommen. So kollidierte am frühen Nachmittag der weseraufwärtsfahrende Frachter "Telamon" bei Sichtweiten von weniger als 100 Metern mit dem Fahrschiff "Nordenham" der zwischen Bremerhaven und Blexen verkehrenden Weserfähre, das gerade erst vom Blexer Anleger abgelegt hatte und auf dem Weg nach Bremerhaven war.

Das unter der Flagge Antiguas fahrende Frachtschiff wurde bei dem Unfall so sehr beschädigt, dass die Wasserschutzpolizei die Weiterfahrt aus Sicherheitsgründen untersagte und die "Telamon" anwies, auf Blexen Reede vor Anker zu gehen. Beim Ankermanöver kam es dann zu einer weiteren Kollosion: Die "Telamon" rammte den dort bereits vor Anker liegenden Bagger "Taccola".

Eine Frau, die beim Sturz infolge infolge des Aufpralls der "Telamon" auf die Fähre verletzt worden war, wurde nach der Ankunft der "Nordenham" in Bremerhaven in ein Krankenhaus gebracht. Das Fährschiff kam zur Reparatur in das Dock eines Bremerhavener Reparaturbetriebes im Fischereihafen.


(Quellen: Pressemitteilung der Polizei Bremen vom 25.11.2012, Radio Bremen vom 25.12.2012, Nordwest-Zeitung vom 25.11.2012, Marinetraffic)

Samstag, 24. November 2012

Dosenspalier

Keine Wirkung auf die Lebenden? Kriegsgräber in Bremerhaven (Friedhof Lehe-III)
Es ist der Tag vor dem Totensonntag. Ich bin auf dem Weg zum Friedhofseingang, um das Herbstlaub und die gelben Nadeln der Lärchen, die der Herbst auf dem Familiengrab hinterlassen hat, durch winterlichen Grabschmuck zu ersetzen. Bevor ich damit beginnen kann, muss ich allerdings zuerst an den dosenschwenkenden Spendensammlerinnen vorbei: Links, die eine Dose standhaft ignorierend, drängt sich von rechts die andere Dose gnadenlos in mein Blickfeld: "Guten Morgen."

Höflich, wie ich nun einmal bin, grüße ich zurück und durchbreche - diesen kurzen Augenblick der Unaufmerksamkeit der Spendensammlerinnen nutzend - das klimpernde Spalier. Vorbei: Geschafft! Bald sind die klimpernden Geräusche der Dosen hinter mir verklungen ...

Ich sehe keinen Sinn darin, für die Pflege der Gräber der Toten zweier Weltkriege zu spenden, wenn der Anblick der vielen Kreuze auf den Gräberfeldern die Lebenden nicht davon abhalten kann, erneut zu den Waffen zu greifen. Es käme mir vor, als würde ich für die Gräber der Soldaten spenden, die heute in Särgen aus Afghanistan zu ihren Familien und Freunden nach Deutschland zurückkehren - oder für diejenigen, die möglicherweise morgen im türkisch/syrischen Grenzgebiet ums Leben kommen werden.

Besser wäre es, wenn es ein fester Programmpunkt im Unterricht von Schulen und Kirchen wäre, Jugendfreizeiten in der Nähe der Massengräber zu organisieren, um den Jugendlichen während der gemeinsamen Pflege der Gräber bewusst zu machen, auf welche Weise die Menschen gegeneinander aufgehetzt wurden und was die Toten auf beiden Seiten der Fronten erleiden musten, bevor sie - kaum erwachsen - in jungen Jahren auf grausame Weise aus dem Leben gerissen wurden. Daran hat sich seit 1945 leider nichts Wesentliches geändert.

Die Kriegsherren haben ihre Verführungs- und Führungsmethoden weiter perfektioniert und junge Menschen folgen weiterhin bereitwillig ihren Befehlen. Sie töten und werden getötet. Die physischen Verwundungen und Verstümmelungen der Überlebenden lassen sich nicht ignorieren. An den unsichtbaren Verletzungen ihrer Seelen leiden sie ihr Leben lang, ohne dass die Öffentlichkeit davon etwas erfährt. "Über so etwas spricht man nicht." Das ist Tabu.

Unter dem direkten Eindruck des Anblicks der Totenäcker und im Zusammenhang mit der physischen Beschäftigung mit den Auswirkungen der Kriege zu Beginn des letzten Jahrhunderts dürfte wohl kaum jemand in der Lage sein, die schrecklichen Ereignisse zu verdrängen. Zumindest bestünde so die Chance für einen nachhaltigen Bewustseinswandel in unserer Gesellschaft.

Sollte der Einsatz militärischer Mittel irgendwann einmal kein Thema mehr im Bundestag sein, dann wäre ich auch bereit, für den Erhalt und die Pflege der Kriegsgräber zu spenden, um sie für zukünftige Generationen als Mahnmale gegen den Krieg zu erhalten. Bis dahin aber halte ich es für sinnvoller, die Lebenden zu unterstützen, die auf unsere Spenden angewiesen sind.


Update: 25.11.2012, Beispiele bei Weltkriegsopfer.de

(Quelle: Weltkriegsopfer.de)

Dienstag, 20. November 2012

MOX-Atomtransport, Nachtrag

"Greenpeace"-Kletterer auf dem Portal des RoRo-Anlegers
(Foto: © Andreas Conradt / PubliXviewinG)
Einige Aktionen, die abseits der Mahnwache am Deichschaart von Ativisten der Umweltschutzorganisationen "Greenpeace" und "Robin Wood" durchgeführt wurden, sind vielleicht nicht von allen Atomkraftgegnern bemerkt worden. So war mir zum Beispiel entgangen, dass Greenpeace-Kletterer auf dem Portal des RoRo-Anlegers vorübergehend dafür gesorgt hatten, dass die LKWs das Schiff nicht verlassen konnten.

Dass Aktivisten der Umweltschutzorganisation "Robin Wood" sich auf der Neptunstraße, ungefähr 200 Meter von der Mahnwache entfernt, an einem Tripod angekettet hatten, um damit die spätere Durchfahrt des Atomtransports zu blockieren, war während der Kundgebung bekannt gegeben worden. Die Polizei ließ jedoch nur die Presse durch.


"Robin Wood"-Aktivisten mit Tripod
(Foto: © Karin Behr / PubliXviewinG)

 Von weitem war lediglich eine "Wagenburg" aus Polizeifahrzeugen zu erkennen. Beide Blockaden wurden ungefähr um 16 Uhr von der Polizei geräumt. Dem CastorTicker zufolge ist das Tripod beim Versuch, es von der Straße wegzutragen, umgekippt. Dass dabei niemand verletzt wurde sei nur dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass es in letzter Sekunde noch aufgefangen werden konnte.

Als sich abzeichnete, dass der Atomtransport über das Betriebsgelände des EADS-Werks fahren würde, war ein Teil der Sitz-Blockade am Deichschaart noch zur Alternativstrecke Richtung Werksgelände verlegt worden. Erst nach der - wie der CastorTicker es ausdrückte - "unsanften Räumung", konnte der Konvoi seine Fahrt zum Atomkraftwerk "Grohnde" antreten.


Sitzblockade vor dem EADS-Werk wird geräumt
(Foto: © Andreas Conradt / PubliXviewinG)
Den Meldungen des MOX-Tickers und des CastorTickers war zu entnehmen, dass es auf der Strecke zum Atomkraftwerk und in dessen Umgebung während der ganzen Zeit diverse Blockadeversuche mit weiteren Tripods, Betonfässern etc. und daran angeketteten Aktivisten gab. Weitere Kletter hatten versucht, den Transport von Bäumen aus aufzuhalten. Außerdem seien mehrere Trecker auf Kreuzungen oder unter Brücken "liegen geblieben". Es hätten sich aber immer wieder mitfühlende Atomkraftgegner gefunden, die sich zu den liegengebliebenen Treckern gesetzt hätten, um den einsamem Treckerfahrern Gesellschaft zu leisten.

Einen ernsten Zwischenfall gab es dann noch kurz bevor der zweite LKW mit seiner radioaktiven Fracht auf das Gelände des Atomkraftwerks "Grohnde" fahren konnte. Laut CastorTicker hatte der Atomtransporter auf der Hauptstraße, ungefähr 600 Meter vor dem Atomkraftwerk, gehalten, weil sich darunter jemand angekettet hatte. Nachdem die Person von Sicherheitskräften unter dem Fahrzeug hervorgeholt worden sei, habe es sich bereits - von Sicherheitskräften im Laufschritt begleitet - wieder in Bewegung gesetzt, als darunter eine weitere angekettete Person entdeckt worden sei, die inzwischen ungefähr 100 Meter mitgeschleift worden war.


Atom-Konvoi auf dem Weg zum EADS-Werkstor
(Foto: © Andreas Conradt / PubliXviewinG)
Nun mag es wieder Menschen geben, die der Meinung sind, solche Aktionen seien leitsinnig und deshalb hätten die Aktivisten schließlich selbst Schuld, wenn sie dabei verletzt würden. Diese Menschen übersehen dabei jedoch, dass sich die Anti-Atom-Aktivisten mit passiven und friedlichen Mitteln dafür einsetzen, dass uns - und zwar uns allen(!) - in Deutschland ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, wie es den Menschen in der Ukraine (Super-GAU im Atomkraftwerk "Tschernobyl", 1986) oder in Japan (mehrere Super-GAUs in der Atomkraftanlage "Fukushima-I", März 2011) widerfahren ist.

Auch wenn sie durch ihre politischen Handlanger und deren Atomgesetze vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt sind: Es sind die Verantwortlichen in den Chefetagen der Atomkonzerne, die für den in Deutschland bereits angerichtete Schaden zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Sie sind es, die "des schnöden Mammons wegen" für die radioaktive Verwüstung weiter Landstriche (Uranabbaugebiete!) und für den angehäuften Atommüllberg verantwortlich sind, der für uns und alle nachfolgenden Generationen noch über Millionen von Jahren hinweg eine ernsthafte Gefahr darstellen wird. Es sind die Menschen in den Führungsebenen der Atomkraftwerksbetreiber und deren politische Handlanger in der Ukraine und in Japan, die für das Leid der Menschen, den Verlust ihrer Heimat und die vielen Strahlentoten in diesen Ländern bestraft werden müssten.

Die Geschichte lehrt uns, dass die Verantwortlichen der Atomindustrie und ihre politischen Handlanger mehr oder wenger ungeschoren davonkommen und weiter ihren atomaren Plänen nachhängen. Verfolgt werden stattdessen immer nur diejenigen, die sich dem atomaren Irrsin widersetzen. Und immer und überall in der Welt sind es die Geschädigten und deren Nachkommen, die für die von der Atomindustrie angerichteten Schäden aufzukommen haben. Das muss endlich ein Ende haben - und zwar nicht erst 2022!

Atomkraft ist keine "saubere Energie" -
Atomkraft ist tödlich!




(Quellen: MOX-Ticker, CastorTicker, Grohnde abschalten, PubliXviewinG)

Montag, 19. November 2012

Demonstration: MOX Atomtransport auf Abwegen

Impressionen vom Tag des MOX-Transports in Nordenham

Nach der Kälte am Samstag begann es in der Nacht zum Sonntag zu regnen. Den Atomkraftgegnern an der Mahnwache konnte das Wetter aber nicht die Laune verderben: Der Tag an der Mahnwache in Nordenham begann gestern Morgen mit einem gemeinsamen Frühstück.

Am späten Sonntag Nachmittag  war der Protest gegen den Atomtransport auch auf dem Wasser zu sehen gewesen: Gäste aus dem Wendland waren mit ihrem Kanu auf der Weser und schwenkten die AntiAtom Fahne und die Flagge der "Freien Republik Wendland".

Friedliche Samba Klänge auf dem Deich ...
... und davor ein etwas übertriebenes Sicherheitsaufgebot.
Die Sicherheitskräfte hatten inzwischen sowohl ihren Fuhrpark als auch ihre Mannschaftsstärke aufgestockt. Ich kann nicht für die vielen Polizisten sprechen, die wegen des Atomtransports und der dagegen angekündigten Proteste am Wochenende und bei Schietwetter Dienst hatten. Auf Seiten der Demonstranten herrschte aber weiterhin eine allgemein heitere Stimmung. Bei schottischer Musik und Sambaklängen hätte  man das ganze für ein Dorffest halten können ... - wären da nicht die das unübersehbare staatliche Sicherheitsaufgebot und diese immer wieder aufkommenden Gespräche über die Gefahren der Atomkraft gewesen, denen wir dank der Atomkonzerne - in diesem Fall Eon - und ihrer politischen Handlanger permanent ausgesetzt sind.


Die "Atlantic Osprey": Protest von allen Seiten (auf der Weser die "Beluga-II")

Nachdem sich am Samstag gezeigt hatte, dass die Abschätzung der Ankunftszeit der "Atlantic Osprey" wegen des ausgeschalteten AIS (Ortungssignal) im Wesentlichen etwas mit Orakelei zu tun hat, wurden die Berechnungen dank der "Beluga II" der Umweltschutzorganisation "Greenpeace" am Sonntag präziser. Gegen 14:30 Uhr kamen die beiden Schiffe, begleitet von Wasserschutzpolizeibooten und umringt von Schlauchbooten der Polizei am Blexer Bogen in Sicht. Das Warten hatte ein Ende. Die Vorbeifahrt der "Atlantic Osprey" wurde von einem Trillerpfeifenkonzert und lautstarken Protestrufen begleitet. Die "Beluga" hatte zwischen den beiden Masten ein großes, weithin sichtbares Transparent gespannt. und auch die Gäste aus dem Wendland waren wieder mit ihrem Kanu und AntiAtom-Fahnen auf der Weser.


Demonstration und Kundgebung

Kundgebung: Ein Anwohner aus Nordenham
Während des Anlegemanövers der "Atlantic Osprey", das aufgrund der fehlenden "Greenpeace" Schlauchboote dieses Mal weniger spektakulär ablief, als bei der Ankunft des ersten Atomtransports im September, gab es im Bereich des Deichschaarts und der Zufahrt zum RoRo-Anleger der "Rhenus-Midgard" eine Kundgebung, bei der zahlreiche Sprecher aus Nordenham, dem Landkreis Wesermarsch, Delmenhorst oder Bremen zu Wort kamen. Dabei konnte man unter anderem erfahren, dass der RoRo-Anleger sich im Eigentum der Stadt Nordenham befindet. Der Anleger, der ursprünglich einmal für das seit langem geschlossene "Asbestos" Werk errichtet worden war, sei an "Rhenus-Midgard" in erster Linie für die Abwicklung des Umschlags von Flugzeugteilen aus dem südlich angrenzenden Werksgelände der "EADS" vermietet worden.

Diese Erkenntnis ist ein weiteres, nicht gerade unwesentliches Teil im Informationspuzzle bezüglich der Atomtransporte zur Aufrechterhaltung des Betriebs des Atomkraftwerks "Grohnde". Bisher hieß es seitens der politisch Verantwortlichen immer, man könne dem privaten Hafenbetreiber nicht verbieten, wofür er seine Hafen-Umschlagsanlagen verwenden will und womit er auf seinem Grund und Boden seine Geschäfte macht. Ein Sprecher übte Kritik daran, dass der "Rhenus-Midgard" - trotz der Resolution der Stadt Nordenham und des Kreises Wesermarsch(!) - der Umschlag von gefährlicher radioaktiver Fracht nicht untersagt wird. Da der private Hafenbetreiber "Rhenus-Midgard" nur Mieter sei, würde er sich an ein solches Umschlagsverbot halten müssen.


Kundgebung und Blockade der nördlichen Ausfahr am Deichschaart
Im Laufe der Kundgebung suchten Polizeibeamte zuerst das Gespräch mit den Organisationen der Mahnwache und der Demonstration, mit dem Ziel, die Kundgebung vom Platz vor der Ausfahrt des RoRo-Anlegers und im Deischschaart an einen anderen Ort zu verlegen, und als die LKWs mit den Plutonium-Mischoxid-Brennelementen (Pu MOX-BE) von Bord der "Atlantic Osprey" waren erfolgte das Ritual mit der dreimaligen Aufforderung den Platz zu räumen.


Atomtransport auf Abwegen

Der Atom-Konvoi fährt über das EADS-Betriebsgelände
Die anschließenden Drohung, die Schicherheitskräfte würden in Kürze mit der Räumung beginnen, stellte sich dann aber schnell als gelungenes Ablenkungsmanöver heraus: Die beiden Atomtransporter nahmen den Weg über die südliche Abfahrt des RoRo-Anlegers. Da der Deichsicherungsweg das Gewicht der Sattelauflieger mit den Brennelementen nicht tragen würde, war allen Beteiligten schnell klar, das der Atomtransport den Anleger über das Betriebsgelände der EADS verlassen würde.

Von einem Nordenhamer Anwohner erfuhr ich, dass der Transportweg nach dem Verlassen des Geländes durch das andere Werkstor mitten durch Nordenhamer Wohngebiete führen würde. - Einer Anwohnerin, die kurz darauf am Deichschaart eintraf, war der Ärger darüber, dass sie sich auf der Straße vor ihrem Haus plötzlich mit dem Atom-Konvoi konfrontiert gesehen hatte, mehr als deutlich anzumerken: Mit sehr lauter Stimme fand sie deutliche Worte dafür.


Nachhilfestunde zum Thema "Atomkraft und ihre Folgen" für die Bürger
Die Insassen einiger Zivil-Fahrzeuge, die den später Weg vom Anleger über die nördliche Zufahrt nahmen und von denen die Demonstranten annahmen, sie würden zu den Eon-Verantwortlichen gehören, mussten dann aber noch einige Zeit warten, bevor sie das Deichschaart passieren konnten. Während der Wartezeit hatten sie genug Zeit, um ausgiebig ein Transparent zu studieren, dass auf den Zusammenhang zwischen radioaktiver Strahlung und Leukämie bei Kindern hinwies.

Was nach diesem zweiten Pu MOX-BE Transport über Nordenham zum Atomkraftwerk "Grohnde" bleibt, ist die Frage, was den Flugzeughersteller EADS dazu veranlasst, gefährliche, für das Eon-Atomkraftwerk "Grohnde" bestimmte Atomtransporte über sein Werksgelände abwickeln zu lassen ... - und nicht zuletzt auch, wer solche Transporte mitten durch Wohngebiete genehmigt.

Samstag, 17. November 2012

Nordenham, Mahnwache

 Impressionen von der Mahnwache in Nordenham (17.11.2012)

Anhand der bekannten Abfahrt der "Atlantic Osprey" in Workington (England), der Strecke und der Geschwindigkeit des letzten Transports hatten die Organisatoren der Mahnwache in Nordenham eine Fahrtzeit von 81 Stunden errechnet. Demnach hätte der MOX-Brennelemente-Transport heute Morgen um 09:00 Uhr auf der Weser vor Nordenham eintreffen können.

Bis 17:00 Uhr ist das Schiff aber noch nicht einmal gesichtet worden. Damit ist alles weitere reine Spekulation. Die Polizei hat für die Nacht eine Anlage für die Beleuchtung des Geländes vor dem Deich installiert. Mehrheitlich gehen wir davon aus, dass die Verantwortichen für den Atomtransport ein Anlegemanöver, das möglicherweise wieder von Schlauchbooten der Umweltschutzorganisation "Greenpeace" gestört werden könnte, in der Nacht nicht riskieren werden. Daher ist wohl eher Morgen bei Tageslicht bis zum Nachmittag mit der Ankunft der "Atlantic Osprey" zu rechnen.


 Allgemeine Bastelstunde: Anti-Atomkraft-Deko

Langeweile ist bei der Mahnwache am Anleger der "Rhenus-Midgard" aber nicht aufgekommen. Unter anderem haben wir die Zeit für die Herstellung passender "Dekorationsgegenstände", die Zubereitung der Mahlzeiten und viele interessante Gespräche genutzt.


 Auch für Musik und Wärme gegen die Novemberkälte war gesorgt

Für die musikalische Unterhaltung sorgten ein Dudelsack-Spieler, ein Gitarrist sowie einige Mitglieder einer Bremer Samba-Gruppe. Hinzu kamen spontane "Chorimprovisationen" einiger Mahnwachen-Teilnehmer.

Gegen die Novemberkälte halfen die vorzüglichen Eintöpfe der Volxküche und Feuerkörbe. Einige Atomkraftgegner werden die Mahnwache auch während der Nacht aufrechterhalten. Diejenigen, die zu Haus übernachten, werden Morgen aber wieder vor Ort sein, um die "Atlantic Osprey" und ihre Plutonium-Fracht mit lautstarkem Protest in Empfang zu nehmen.


Aktuelle Neuigkeiten zum Stand des Atomtransports, zu den Aktionen in Grohnde und entlang der möglichen Transportstrecken gibt es beim MOX-Ticker oder beim Castor-Ticker.