Mittwoch, 4. August 2010

Sail away ...


Bremerhaven, Neuer Hafen: Alexander von Humbold (Sail 2005)

1906 lief bei der AG Weser in Bremen das Feuerschiff "Reserve Sonderburg" vom Stapel. Es wurde im Laufe seiner Dienstzeit auf wechselnden Positionen in der Nord- und Ostsee eingesetzt, bevor es 1986 außer Dienst gestellt wurde. Auf Initiative der "Deutschen Stiftung Sail Training" (DSST) entstand aus dem ehemaligen Feuerschiff innerhalb von zwei Jahren mit tatkräftiger Unterstützung vieler freiwilliger Helfer bei den Motorwerken Bremerhaven die Bark "Alexander von Humboldt". In den letzten 22 Jahren wurde das grüne Schiff mit seinen grünen Segeln - nicht zuletzt aufgrund seiner häufigen Auftritte in der Fernsehwerbung - zu einem der bekanntesten Großsegler.

Die DSST stand seit einiger Zeit vor der Entscheidung, das Schiff mit dem über 100 Jahre alten Rumpf komplett zu überholen, oder einen Neubau in Auftrag zu geben. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Neubaus. Nach dem die Finanzierung gesichert war, wurde nun gestern der Bauvertrag für eine Nachfolgerin der "Alexander von Humboldt" unterschrieben. Die neue Bark wird auf dem Gelände der ehemaligen Vulkan Werft in Bremen entstehen. Zur Ausrüstung wird die "Alexander von Humboldt II" dann im nächsten Jahr im Bremerhavener Fischereihafen erwartet.

Damit steht fest, dass die Sail Bremerhaven 2010 eine der letzten Gelegenheiten sein wird, die gute alte "Alexander von Humboldt" aus der Nähe zu sehen zu bekommen. Sobald ihre Nachfolgerin in Betrieb genommen werden kann, wird die DSST ihre grüne Berühmtheit an einen neuen Besitzer übergeben.


(Quelle: DSST)

Dienstag, 3. August 2010

Rammt eure Zähne in ihr Fleisch ...

... und lasst nicht mehr los!


FriedenstaubeDieser kanibalische Befehl*) an die ISAF-Truppen in Afghanistan stammt von keinem anderen, als dem neuen Chef der Nato-Schutztruppe, Herrn Petraeus (US-General).

Die Jagdsaison ist eröffnet: "Macht unbarmherzig Jagd auf den Feind.", und: "Sucht den Feind und eliminiert ihn. Nehmt das ganze Netzwerk ins Visier, nicht nur Einzelne.", fordert Herr Petraeus die Soldaten der ISAF-Schutztruppe - also auch unsere deutschen Aufbauhelfer in Uniform! - in seiner vier A4-Seiten umfassenden "Leitlinie" (Guidance) auf. In meinen Ohren klingen diese Worte wie die eines Barbaren, nicht aber wie die eines Menschen, der in einem zivilisierten Land aufgewachsen ist. Ob Herr Petraeus selbst schon vom Fleisch "gezielt getöteter" Taliban probiert hat, ist mir nicht bekannt, und mit dem Strafrecht der USA kenne ich mich im einzelnen nicht so gut aus. Ich weiß jedoch, dass Kanibalismus in Deutschland mit Lebenslänglich bestraft wird. Ich hoffe doch stark, unsere deutschen Aufbauhelfer in Uniform hält das davon ab, den Worten des Herrn Petraeus Folge zu leisten.

Meiner und allen anderen nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Generationen haben die Generationen unser Eltern und Großeltern immer nachsichtig das "Glück der spät geborenen" vorgehalten, wenn wir ihnen Fragen stellten, die ihren Widerstand gegen die Verbrechen der Nazis und der Kriegsverbrechen der Wehrmacht betrafen. Wenn unsere "glücklicherweise" erst nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Generationen jetzt wieder einfach nur den Mund halten, angesichts dessen was - auch im Namen und unter Mitwirkung unserer Regierung - in Afghanistan geschieht, dann werden wir uns möglicherweise eines Tages mit den gleichen Fragen unserer Kinder und Enkel konfrontiert sehen. Wie kürzlich bekannt wurde, ist schon mindestens ein afghanischer Widerstandskämpfer von US-Sondertrupps gezielt getötet worden, der auf deutschen Fahndungslisten stand: Zur Gefangennahme, wohlgemerkt! (Jedenfalls behaupten das die dafür verantwortlichen Politiker der Bundesregierung.)

Was die "Rechtmäßigkeit" des "gezielen Tötens" einzelner ausgewählter Personen angeht - ein treffenderer Ausruck ist meiner Ansicht nach "Hinrichten" - gibt es übrigens auch auf internationaler Ebene sehr differenzierte Ansichten. Wenn die israelische Regierung im Gaza Streifen hochrangige Persönlichkeiten der Hamas hinrichten lässt, dann ist das ein Verbrechen. Herr Gerster (CDU) nannte die "gezielten Tötungen" seitens Israels übrigens ebenfalls beim Namen, und sprach von "Hinrichtung". Herr Cohn-Bendit (Bündnis 90/Die Grünen) gebrauchte diesbezüglich den Audruck "gezielte Ermordung". Wenn aber die US-Todeskommandos in Afghanistan das gleiche tun, wie die Regierung Israels im Gaza Streifen, dann soll das plötzlich mit dem Völkerrecht in Einklang stehen, wie kürzlich ein Sprecher der Bundesregierung verkündete (Tagesschau vom 28.07.2010)? Das ist doch krank!

Da die Hinrichtung ausgewählter gegnerischer Führungspersönlichkeiten mit dem Gedanken des Rechtsstaats nicht zu vereinbaren ist, und die Opfer sich vor ihrem Tod gegen die gegen sie erhobenen Anschuldigungen nicht verteidigen können, lehnt die Mehrheit der Länder "gezielte Tötungen" ab. Herr Annan (UN, ehemaliger Generalsekretär) verurteilte die "Liquidierung" des Hamas-Führers Abd al-Aziz al-Rantisi durch Israel am 17. April 2004: Die Tat verletze internationales Recht. (Liquidierung: Auch so ein bestialischer Ausdruck, dessen Bedeutung im Armee Jargon etwas netter klingen soll. Er bedeutet in etwa "Verflüssigung"!) Arabische Staaten bezeichnen die gezielten Tötungen Israels als Form des Staatsterrorismus und vergleichen sie mit den Attentaten palästinensischer Terroristen auf israelische Zivilisten und Soldaten. Auch daran wird deutlich: Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht das selbe! Es kommt wohl immer auf den Standpunkt an.

Die sogenannten Task Forces der US-Army, töten bei sogenannten Kill-Missions seit Monaten landesweit gezielt Taliban-Kommandeure: Ohne Anklage, ohne Beweise, ohne Richter und ohne Urteil. In einem Spiegel Online Artikel von gestern ist zu lesen, die gezielten Tötungen seien mit offensichtlicher Rückendeckung durch die US-Regierung ausgeweitet worden. Der Oberste Befehlshaber der US-Streitkräfte (und Friedensnobelpreisträger! ?), Herr Obama (USA, Präsident), seine Landsleute sowie die Regierungen aller anderen am Afghanistankrieg beteiligten Länder werden sich unter diesen Umständen wohl kaum beschweren können, sollten Herr Petraeus und andere hochrangige ISAF-Kommandeure demnächst das Opfer gezielter Tötungen durch afghanische Widerstandskämpfer werden. Bezüglich der Verleihung des Friedensnobelpreises an Herrn Obama hat Emmy gestern übrigens in einem anderen Zusammenhang einige wahre Worte zu Walter gesagt: "Hör mir bloß uff mit die Amis. Und mit dem Obama erst recht.", hat sie zu ihm gesagt, "Ick hatte ja ooch mal jedacht, dass der een Friedensengel is … aber der Schwefeljeruch wird immer uffdringlicher. Und wenn eener Streubomben als kriegsnotwendig bezeichnet, denn sollte der uff Knien nach Oslo kriechen und den Nobelpreis da mitten inne Nacht … also still und heimlich … wieder ablegen." Nachlesen kann man das hier.

Dass seit dem Herbst letzten Jahres auch im deutschen Nordsektor Taliban von US-Todeskommandos gejagt werden, und schon Dutzende Verdächtige getötet wurden, ist inzwischen nicht nur der Bundesregierung, sondern auch der Öffentlichkeit bekannt. Dass Todeskommandos aber sogar im deutschen Lager in Masar-i-Scharif - und damit im deutschen Zuständigkeitsbereich - untergebracht sind, ist zumindest mir erst seit der Veröffentlichung der US-Kriegsdokumente durch Wikileak bekannt. Politisch wird seitens der Bundesregierung jedoch weiterhin der Versuch unternommen, das Thema totzuschweigen. Spiegel Online schrieb gestern, Herrn zu Guttenberg sei zwar bewusst, dass die Bundeswehr ohne den Beistand der US-Eliteeinheiten gegen die Taliban kaum noch bestehen könne, er aber davon absehe, die gezielten Tötungen öffentlich zu loben. Dafür sei ihm das Thema in der der Öffentlichkeit wohl zu heiß. Ich hätte da einen Vorschlag zur Lösung des Problems, Herr zu Guttenberg: Ziehen sie die deutschen Soldaten umgehend aus Afghanistan ab!

Die "New York Times" berichtete am Sonntag, die militärische und politische Spitze der USA sehe in gezielten Tötungen einzelner Führungspersönlichkeiten der Widerstandskämpfer den einzigen Weg, um die Taliban in die Knie zu zwingen. Denen geht es also immer noch darum, mit ihrer US-Army einen Krieg gegen Untergrundkämpfer (oder auch Terroristen, Partisanen) zu gewinnen, der - nicht nur aus meiner Sicht! - mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen ist.


Bevor nach meiner Kritik an der Beteiligung "westlicher" Staaten am Krieg in Afghanistan jetzt der Eindruck entsteht, ich würde mit den Taliban sympatisieren, stelle ich hiermit klar dass dem nicht so ist: Was sich die Taliban-Regierung im Namen Gottes nach dem Abzug der Sowjet-Armee in Afghanistan geleistet hat, das hatte in meinen Augen eine bedrückende Nähe zu dem, was die Roten Khmer während der Jahre ihrer Schreckensherrschaft im Namen des Kommunismus in Kambodscha angerichtet haben! Trotzdem haben deutsche Soldaten in diesem Krieg nichts verloren!


*) Aus der Leitlinie (Guidance) des Herrn Petraeus zum Krieg in Afghanistan, Seite 1, letzter Absatz: "Pursue the enemy relentlessly. Togehter with our Afghan partners, get our teeth into the insurgents and don't let go."

(Quellen: Spiegel Online vom 31.07.2010 und vom 01.08.2010, Der Standard vom 31.07.2010, TAZ vom 26.07.2010, ARD-Tagesschau vom 28.07.2010, Wikipedia)

Montag, 2. August 2010

Neu im Juwiversum

Das Juwiversum

Lehe
"Goethestraße":
Die Fritz-Reuter-Straße
  • von der Lutherstraße bis zur Rickmerstraße
Die Fritz-Reuter-Straße zweigt an ihrem südlichen Ende gegenüber der "Theo" von der Lutherstraße ab und kreuzt in ihrem nördlichen Abschnitt die Rickmersstraße. Das Kerngebiet des Leher Gründerzeitviertels endet jedoch bereits vorher an der Frenssenstraße. Im Abschnitt zwischen der Rickmersstraße und der Frenssenstraße existiert allerdings noch eine Art interessantes Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, als die US-Army in Bremerhaven stationiert war.

In der Fritz-Reuter-Str. 18, ist dort seit dem Ende des zweiten Weltkriegs in einem ehemaligen US-Offizierskasino der "International Seamen’s Club" untergebracht, der ursprünglich eingerichtet wurde um die US-Amerikaner mit heimischen Speisen und Getränken zu versorgen.

Der Club ist eine Einrichtung des "United Seamen’s Service" (USS), der neben seinem Club in Bremerhaven nur sechs weitere in Casablanca (Marokko), Diego Garcia (Chagos-Archipel,Pazifik), Guam, (Mikronesien, Pazifik), Okinawa (Japan), Pusan (Korea) und Yokohama (Japan) betreibt. Man könnte also durchaus sagen, Bremerhaven sei Mitglied eines kleinen, exclusiven Kreises einer internationalen kulinarischen US-Einrichtung.

Im "International Seamen’s Club" wird Englisch gesprochen und die aus den USA importierten Speisen und Getränke werden mit US-Dollar bezahlt. Wer gerade keine Dollars dabei hat (wer hat das schon?), kann in der hausinternen Wechselstube Geld umtauschen oder auch zum Tageskurs in Euro bezahlen.


Die Navigation:

Die nach rechts und links zeigenden Pfeile unter den Fotos öffnen die nächste bzw. die vorhergehende Seite. Der Kreis zwischen den beiden Pfeilen öffnet das Inhaltsverzeichnis, von dem aus man direkt zu markanten Punkten im Quartier springen kann, ohne bei weiteren Besuchen den gesamten Weg noch einmal "ablaufen" zu müssen. Neu ist auf eingen Seiten ein "X" anstelle des Kreises. Mit einem Klick darauf kommt man von einen "Seitenweg" zu der Stelle zurück, an der man auf den Seitenweg abgebogen ist.

Hier gehts zum "Juwiversum", Bremerhaven, Lehe. Direkt zum Anfang der Fritz-Reuter-Straße an der Lutherstraße gelangt man hier.


Sonntag, 1. August 2010

Ächtung von Streubomben in Kraft

FriedenstaubeManchmal gibt es unter der Rubrik "Krieg & Frieden" auch etwas positives zu berichten: Heute tritt die von 108 Staaten unterzeichnete internationale Konvention gegen Streumunition in Kraft, mit der diese Staaten den Einsatz, die Entwicklung, die Produktion, die Lagerung und die Weitergabe der Streubomben ächten.

38 der Unterzeichner-Staaten, darunter auch Deutschland, haben die Konvention bisher auch ratifizert. Österreich, Norwegen und Spanien haben darüber hinaus ihre Lagerbestände an Streumunition bereits vernichtet. Deutschland ist da nicht so schnell: Die rund 440000 Streubomben-Behälter mit insgesamt mehr als 50 Millionen kleinen Sprengkörpern werden erst 2015 restlos vernichtet worden sein.

Zum Größten Teil sind es Zivilisten, die der Streumunition zum Opfer fallen - oft noch lange, nachdem die Kriege, in denen sie abgeworfen wurde, zu Ende sind. Oft explodieren die Streubomben nicht. Die Blindgänger liegen dann irgendwo in der Landschaft herum. Oft werden sie Kindern zum Verhängnis, die sie finden und mit ihnen spielen. Die Organisation "Handicap International" schätzt, dass 98 Prozent der Menschen, die durch Streubomben verletzt wurden, Zivilisten sind.

Dass die internationale Ächtung der Streumunition heute in Kraft tritt, ist aus meiner Sicht ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber wohl noch kein endgültiger Sieg gegen diese bestialischen Waffen. Die Konvention verbietet es nämlich keinem der Unterzeichner, in Kriegen gemeinsame Sache mit jenen Staaten zu machen, die sich bisher weigern, der internationalen Konvention gegen Streumunition ebenfalls beizutreten. So kämpfen Deutsche Soldaten in Afghanistan zusammen mit den USA, die dort Streubomben abgeworfen haben, nach dem Motto: "Wir waschen unsere Hände in Unschuld. Es sind ja nicht wir, sondern nur unsere Freunde, welche die Bomben legen, die nachher unschuldige Zivilisten verstümmeln und umbringen."

Auch hält die Unterschrift der Bundesrepublik Deutschland unter der Konvention deutsche Banken und Versicherungen nicht davon ab, an der Produktion von Streumunition Geld zu verdienen. In der aktualisierten Ausgabe der der Studie "Worldwide investments in Cluster Munitions - a shared responsibility" vom April 2010 (Hyperlink s.u.) finden sich in der "Hall of Shame" neben privaten Unternehmen, wie der Deutschen Bank (Seite 45), der Allianz (Seite 35), der Commerzbank (Seite 44), der Universal Investment (Seite 68) oder der ehemaligen Landesbank WestLB (Seite 71), auf Seite 39 auch die Bayrische Landesbank auf der Liste. Das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtete am 07.06.2010 mit Bezug auf die Studie, die Fondsgesellschaft DWS, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, investiere in die US-Firma Textron, welche die gefährliche Streubombe BLU-108 herstelle. Auch die Deutsche Bank selbst verdiene kräftig an den Geschäften mit Streumunition: 2009 solle die Bank Kreditlinien in Höhe von 14,6 Millionen Dollar für Textron bereitgestellt haben. Details dazu finden sich auf den Seiten 45/46 der Studie. Ich bin froh darüber, dass ich mein Konto bei einer Bank habe, die nicht in Liste der Studie zu finden ist.

Zu den Staaten, die sich den Einsatz von Streubomben auch weiterhin vorbehalten, gehören die USA, Russland und China, die sich auch schon der Unterzeichnung des Ottawa-Übereinkommens über das Verbot von Antipersonenminen verweigert hatten.


Zum Weiterlesen:
  • Report Mainz
    Die fragwürdigen Geschäfte
    Deutscher Banken mit geächteten Waffen

(Quellen: Handicap International Deutschland, Deutsche Welle vom 01.08.2010, Tagesschau vom 31.07.2010 und vom 01.08.2010, Der Standard vom 28.07.2010, News.de vom 26.06.2009, Report Mainz vom 07.06.2010, Wikipedia WestLB)

Samstag, 31. Juli 2010

Ein runder Geburtstag mit zwei Nullen


Das Fährschiff "Bremerhaven" auf der Weser vor Bremerhaven

Am 1. August 1910 unterzeichneten Vertreter des Oldenburger Staats, der Städte Geestemünde, Lehe, Bremerhaven und Nordenham, des Amtsverbands Butjadingen sowie der Firmen Midgard DSAG, J. Frerichs & Cie.AG und der Norddeutschen Seekabelwerke AG den Gesellschaftsvertrag zur Gründung der "Weserschiffsgesellschaft mbH".

Das war die Geburtsstunde der Fährverbindung zwischen Bremerhaven und Nordenham, die heute genau seit 100 Jahren besteht. Während dieser Zeit beförderten die Schiffe der Weserfähre mehr als 100 Millionen Menschen und über 16 Millionen Fahrzeuge über die Weser. Bis zur Eröffnung des Wesertunnels im Jahre 2004 war die Weserfähre die wichtigste Verbindung zwischen Butjadingen und dem Elbe-Weser-Dreieck.

Da der Wesertunnel für Gefahrguttransporte, Radfahrer, Fußgänger nicht nutzbar ist, ist die Fährverbindung auch weiterhin von Bedeutung. Für Berufspendler zwischen dem nördlichen Landkreis Cuxhaven, Bremerhaven und Nordenham bleibt sie die kürzeste Verbindung über die Unterweser. Außerdem sind die Schiffe der Weserfähre in ihrer Funktion als Feuerlöschschiff in das Sicherheitskonzept auf der Weser eingebunden.

Heute Abend legt das Fährschiff "Nordenham" am Südende des Neuen Hafen bei Deutschen Auswandererhaus an. Dort wird in der Zeit von 20 Uhr bis Morgen früh um 1 Uhr mit einer Schiffsparty in den runden Geburtstag "reingefeiert". Aus Sicherheitsgründen sind allerdings nicht mehr als 450 Geburtstagsgäste auf dem Schiff zugelassen. Eintrittskarten bekommt man für 3 Euro am Hauptbahnhof und im Hanse Carré. Den Rest der Karten gibt es an der Abendkasse auf der "Nordenham".

Ich wünsche dem Gebutstagskind alles Gute für die Zukunft, und würde mich freuen, wenn unsere Enkel oder Urenkel auch den 200. Geburtstag der Weserfähre noch feiern könnten.


(Quelle: Weserfähre)

Donnerstag, 29. Juli 2010

Das Bülzenbett


Das Bülzenbett mit dem zerbrochenen mittleren Deckstein ...

In der Region zwischen Bremerhaven und Cuxhaven finden sich viele Zeugnisse der sehr frühen Besiedlung unserer Umgebung, die bis weit in die Vergangenheit zurückreichen. Eine dieser uralten Spuren ist das zwischen Sievern und Holßel am Rande der Hohen Lieth gelegene "Bülzenbett". Ein kurzer Abstecher von meiner Radtour entlang des Alten Postwegs führte mich am vorletzten Sonntag wieder einmal dort hin.



... in seiner Einfassung aus kleineren Findlingen

Das Bülzenbett Hünengrab mit Decksteinen aus drei sehr großen Findlingen, sowie Stützsteinen und einer eckigen Einfassung aus kleineren Findlingen. Die Länge der Einfassung beträgt ungefähr 35 Meter. Archäologen ordnen das Bülzenbett einer frühen Kultur im nördlichen Mitteleuropa aus dem Zeitraum der Jungsteinzeit zu (Trichterbecherkultur, ca. 4200–2800 v. Chr.).



In der Kammer des Bülzenbetts

Im Jahre 1970 wurde die Grabanlage, die in der Vergangenheit beschädigt worden war, soweit wie möglich wieder hergerichtet. Nicht wiederherstellen lässt sich leider jedoch der mittlere Deckstein des Bülzenbetts. Er ist in der Mitte zerbrochen und die mittleren Ränder der beiden Teile sind in den Innenraum der Grabkammer gestürzt. Eine Reihe von Bohrlöchern lässt darauf schließen, dass der Stein dem Versuch zum Opfer fiel, Baumaterial daraus zu gewinnen.



Das Bülzenbett im Jahre 1604 (Wilhelm Dilich, 1571-1655, Public Domain)

Eine Besonderheit des Bülzenbetts ist, dass es schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt archäologisch untersucht wurde. Aus zwei Werken von Forschern aus dem 17. und 18. Jahrhundert lässt sich daher der Zeitraum, in dem das Bülzenbett beschädigt wurde, ziemlich genau eingrenzen. In der Arbeit "Urbis Bremae typus et chronicon" des Grafikers und Geografen Wilhelm Dilich (1571-1655) findet sich eine Zeichnung des noch intakten Bülzenbetts. Ungefähr 100 Jahre später, fertigte der Pastor und Urgeschichtsforscher Martin M. Mushard (1699-1770) eine Darstellung des bereits beschädigten Bülzenbetts an, die in seinem 1838 veröffentlichten "Palaeogentilismus Bremensis" zu sehen ist.

Man muss sich einmal klar machen, dass den Menschen der Steinzeit keine Lkw's und keine Kräne zur Verfügung standen, um diese Felsbrocken zu transportieren und aufeinanderzutürmen. Erst dann wird einem bewusst, welche Mühen sie damals auf sich nahmen, um ihre Toten zu ehren. Wenn ich mich an diesem Ort befinde und mir dabei bewusst wird, dass 5000 Jahre oder mehr vergangen sind, seit unsere Vorfahren diese Felsbrocken dort hintranspotiert und so abgelegt haben wie ich sie heute noch vor mir sehe, dann frage ich mich manchmal, welches Erbe unsere Nachfahren in 5000 Jahren von unserem Leben vorfinden werden.


(Quelle: Wikipedia)

Mittwoch, 28. Juli 2010

Die Geier kreisen über Afghanistan

FriedenstaubeIn den schwer zugänglichen Gebirgsregionen des Hindukusch, lagern riesige Mengen an Bodenschätzen. Der "Focus" berichtete am 14.06.2010, Vertreter des US-Verteidigungsministeriums und US-Geologen seien in Afghanistan auf Rohstoffvorkommen im Wert von einer Billion Dollar gestoßen. Neben dem Bericht im "Focus" verbreitete sich Mitte Juni die "sensationelle Meldung" wie ein Lauffeuer auch über Beiträge in anderen Medien. Komisch ist nur, dass der "Spiegel" bereits am 19.12.2009 in seiner Online-Ausgabe über das Thema "Bodenschätze in Afghanistan" berichete. Haben die Spiegel Journalisten möglicherweise vielleicht hellseherische Fähigkeiten?

Vermutlich wird die Kenntnis darüber aber vorher lediglich mehr oder weniger erfolgreich vertuscht worden sein. Besser, die Menschen bleiben im Glauben, der Krieg in Afghanistan werde für den Frieden geführt. Jetzt berichtete auch der "Weltspiegel" in seiner Sendung vom 25.07.2010, allerdings aus der Perspektive der afghanischen Stammesgesellschaften, über ein breites Band aus Kupfer, Eisenerzen, Smaragden, Gold, Lithium und vielem mehr, das sich sich quer über den Hindukusch ziehe. Lithium ist der Rohstoff für die Produktion von Lithium-Akkus, die in Notebooks, Digitalkameras, Mobiltelefonen etc. zum Einsatz kommen. Der Focus schrieb in seinem Bericht, einer internen US-Ministeriumsnotiz zufolge könne Afghanistan für Lithium der Stellenwert zukommen, den Saudi-Arabien für Öl einnimmt. Die Erzvorkommen seien so riesig, dass das verarmte Land zu einem der weltgrößten Bergbauzentren aufsteigen und mit den Gewinnen aus dem Verkauf der Bodenschätze zu einem der reichsten Länder der Welt werden könnte.


Krieg um Rohstoffe

Schon die Soldaten der Sowjet-Armee starben offensichtlich nicht nicht für den Frieden in Afghanistan, sondern für die ganz gewöhnliche Gier nach dem schnellen Geld. Die "Entdeckung" der USA beruht auf Karten- und Datenmaterial sowjetischer Bergbauexperten, die, wie im Bericht des "Focus" zu lesen ist, noch aus der Zeit der sowjetischen Besatzung in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts stammen, und die beim Rückzug der Sowjetarmee afghanischen Geologen in die Hände gefallen sind.

Als nach dem Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan die bis dahin vom Westen gegen die sowjetischen Besatzer unterstützten Taliban ihre Schreckensherrschaft etablierten, und die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September auf das World-Trade-Center in New York nach Rache schrien, starben bald die Soldaten der anderen militärischen Weltmacht in Afghanistan. Anfangs angeblich, um den Drahtzieher der Terroranschläge in den USA Bin Laden aufzuspüren und zu verhaften ... - wenig später, um dem Land wieder einmal den Frieden zu bringen. Auf den Blitzkrieg aus der Luft folgten die Bodentruppen der US-Army und der "Koalition der Willigen".

Bin Laden und sein Terror-Netzwerk gibt es immer noch. Die Taliban wurden zwar in den Untergrund gedrängt, sind aber nach wie vor unbesiegt.

Die technisch hochgerüstete Armee der "Weltmacht USA", ebenso wie die inzwischen im Land stationierten, gleichfalls hochgerüsteten Armeen ihrer Verbündeten, haben keine Chance, diese aus dem Verborgenen heraus zuschlagenden Untergrundkämpfer zu besiegen. Diese schmerzhafte Lektion hatte vor ihnen schon die Sowjetunion lernen müssen, und so langsam dämmert es auch den Regierungen der westlichen Beteiligten am Afghanistankrieg, dass die Taliban mit militärischen Mitteln nicht zu besiegen sind.


Es geht um handfeste wirtschaftliche Interessen

Angeblich soll die vom Westen etablierte Regierung in Kabul ab 2014 in eigener Regie für den Frieden in Afghanistan sorgen. Das sei so beschlossen worden, berichteten die Medien in den vergangenen Tagen. Dass der regulären afghanischen Armee gelingt, woran zwei Weltmächte gescheitert sind, bezeifele ich. Sollte es ihr jedoch gelingen, dann hätte der Rest der Welt die Hände frei um sich auf die Schätze Afghanistans zu stürzen. Die Geier kreisen schon ...

Experten des US-Verteidigungsministeriums schüren derweil Hoffnungen auf mögliche billionenschwere Geschäfte mit den Schätzen Afghanistans. Das Bergbauministerium der afghanischen Regierung hält die amerikanischen Schätzungen allerdings für sehr zurückhaltend. Nach den eigenen Berechnungen betrage der Wert der afghanischen Bodenschätze das dreifache der Schätzungen der Amerikaner. Klar: Je größer der Wert, desto höher werden die Lizenzgebühren für die Schürfrechte ausfallen.

Herr Sharma (Chef der indischen Minenvereinigung) meint, es könne sein, dass nach den Sowjets auch die Amerikaner eigene Untersuchungen gemacht hätten, aber Indien müsse selbst nachforschen, um den Wert der Rohstoffvorkommen abschätzen zu können. Erst wenn man im Berg sei, und tatsächlich auf Rohstoffvorkommen stoße, kenne man den wahren Wert der Mineralien.

Auch China hat Interesse an der Ausbeutung der afghanischen Bodenschätze angemeldet. In zwei Jahren wollen sie tausende Tonnen Kupfer aus der Mine Aynak südlich von Kabul holen. Um an die gewinnversprechende Lizenz zu kommen, haben die Chinesen versprochen Schulen und Straßen zu bauen. Solche Versprechen kommen mir irgendwie bekannt vor. Folgen auf die deutschen "Aufbauhelfer in Uniform" die "Aufbauhelfer des chinesischen Neokapitalismus"? Nach den Vorstellungen Chinas sollen afghanische Arbeiter Jobs im Bergbau bekommen. Das Erfolgsmodell des chinesischen Wirtschaftswunders auf dem Rücken billiger Arbeitskräfte könnte mit der Ausbeutung afghanischer Bodenschätze und afghanischer Arbeitskräfte zum Exportschlager werden - vorausgesetzt, der Gewinn des chinesischen Bergbauunternehmens würde nicht durch Terroranschläge der Taliban geschmälert.

Bisher bauen die Menschen der Stämme in den Bergen Afghanistans die Smaragde in der stickigen Luft ihrer Minen tief im Berg traditionell mit Hammer und Meißel in eigener Regie ab. Manchmal helfen sie auch mit etwas Dynamit nach, das noch aus der sowjetischen Besatzungszeit stammt. Der Erlös aus dem Verkauf der Edelsteine sichert ihre Existenz. Selbst für geringe Mengen der grünen Steine bekommen sie auf dem Markt in Kabul so viel Geld, dass ein ganzes Dorf ein Jahr davon leben kann. Weder die Regierung in Kabul noch Aufständische aus der Region haben jemals Anspruch darauf erhoben. Die Menschen der afghanischen Stammesgesellschaften wollen unter sich bleiben. Sie wollen weiterhin so leben und arbeiten wie bisher.

Sollte die afghanische Regierung die Bergbaurechte an China verkaufen, dann wäre es vorbei mit dem Reichtum der Stämme aus ihren Minen und ihrer Arbeit in Freiheit. Noch ahnen sie nicht, dass ihre Mine bald von einer Firma aus Indien oder China ausgebeutet werden könnte. Sie haben keine Vorstellung davon, was die Regierung im fernen Kabul zusammen mit den ausländischen Firmen plant. Die nächsten Konflikte sind bereits vorprogrammiert, denn irgendwann werden sie dahinter kommen.

Indiens Sorge gilt bereits heute einem zu starken Einfluss Chinas in Afghanistan. Es sieht seine Interessen gefährdet und hofft auf das Interesse der USA an den afghanischen Bodenschätzen. Die Chinesen hätten zwar durch die gemeinsame Grenze mit Afghanistan den Vorteil, dass sie die Ausbeute gleich nach Hause transportieren könnten. Aber solange die USA Truppen in Afghanistan hätten, würden diese sicher dafür sorgen, dass sie selbst nicht zu kurz kämen.


Ein Schelm der Böses dabei denkt?

Und welche Interessen - abgesehen vom Bau neuer Schulen und Straßen - verfolgen die Kriegsbefürworter des Landes, das nach Aussage seines ehemaligen Bundespräsidenten in Anbetracht seiner Außenhandelsabhängigkeit wissen muss, dass manchmal auch militärische Mittel zur Wahrung seiner wirtschaftlichen Interessen notwendig sind, wirklich in Afghanistan? Sterben und töten auch deutsche Soldaten in Wahrheit im Kampf um die Verteilung des fetten afghanischen Kuchens?

Herr Prof. Ratschbacher (Sächsische TU Bergakademie Freiberg) sagte der Tagesschau am 24.06.2010, die Vorarbeiten für die angeblich überraschenden Funde gigantischer Mengen an Bodenschätzen hätten Deutsche schon in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts geleistet. Die Kenntnis über reiche Bodenschätze in Afghanistan war in Deutschland also schon seit ungefähr 40 Jahren vorhanden.

Und: Herr Karsai (Afghanistan, Präsident) sagte, sein Land sollte zuerst den Ländern Zugriff bei der Ausbeutung der am Hindukusch vermuteten Bodenschätze gewähren, die sein Land in den vergangenen Jahren massiv unterstützt haben.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt?


(Quellen: Spiegel Online vom 19.12.2009, Focus online vom 14.06.2010, Stern online vom 14.06.2010, Der Standard vom 18.07.2010, Spiegel vom 18.07.2010, Focus vom 20.07.2010, Der Standard vom 20.07.2010, ARD-Tagesschau vom 24.06.2010, ARD-Weltspiegel vom 25.07.2010)