Donnerstag, 9. Juni 2011

Getarnte Laufzeitverlängerung


Tabelle:
Gegenüberstellung "Atomausstieg à la schwarz/gelb" mit dem rot-grünen Atomkonsens vom 14. Juni 2000, der Greenpeace Studie und der Machbarkeitsanalyse des UBA


Ich habe einmal die im Atomkonsens aus dem Jahre 2000 vereinbarten Laufzeiten der Atomkraftwerke den Laufzeiten gegenübergestellt, die den neun verbleibenden Atomkraftwerken von der wespenfarbenen Bundesregierung auch nach dem "Stufenplan" noch zugebilligt werden sollen.

Im rot/grünen Atomkonsens aus dem Jahre 2000 waren einmal, 32 Jahre pro Atomkraftwerk vereinbart worden. Bei den nach der Stillegung der sieben ältesten Meiler und des Pannenrektors "Krümmel" verbleibenden neun deutschen Atomkraftwerken komme ich auf eine durchschnittliche Laufzeit von 34,7 Jahren! Das hat mit "schnellstmöglichem Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie" nicht das geringste zu tun. In meinen Augen ist das nichts anderes, als eine als "Atomausstieg" getarnte Laufzeitverlängerung!

Noch drastischer ist das Bild, das sich bei der Gegenüberstellung der Summe der Restlaufzeiten nach dem schwarz-gelben "Atomausstieg" mit denen aus der Studie ergibt, die von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde. Nach dem "Stufenplan" der Bundesregierung werden die neun Atomkraftwerke zusammen noch eine Restlaufzeit von 81 Jahren haben. Würden alle neun Atomkraftwerke im Jahre 2015 abgeschaltet werden, dann wären das zusammen 45 Jahre weniger. Da nach entsprechend der Greenpeace Studie aber bis 2015 ein Stufenplan vorgesehen ist, wäre die Differenz zum sogenannten Atomausstieg à la schwarz-gelb noch deutlicher. Der BUND - ebenso das Umweltbundesamt! (UBA) - halten einen geregelten Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie bis 2017 für machbar. Selbst wenn alle verbleibenden Atomkraftwerke erst 2017 abgeschaltet werden würden, dann würde das immernoch eine Verringerung des Risikos um insgesamt 27 Jahre bedeuten.

Die Ankündigung Frau Merkels (CDU, Bundeskanzlerin) und ihrer Bundesregierung, sie wolle so schnell wie möglich aus der Nutzung der Atomenergie aussteigen, entpuppt sich somit bei genauerem Hinsehen wieder einmal als Mogelpackung zugunsten der Atomkonzerne und als eine bewusste Täuschung der Bundesbürger.

Dass die Atomkonzerne und ihre politischen Handlanger damit nicht so einfach durchkommen werden, wurde bereits während der letzten Demonstrationen und Kundgebungen deutlich. Aufgrund der angekündigten Blockade des Atomkraftwerks Brockdorf ab Pfingsten, hat der Betreiber E.on jedoch eine Verschiebung der anstehenden Revision angekündigt. Die Anti-Atom-Organisation "x-tausendmal quer" zeigt sich diesbezüglich allerdings äußerst flexibel: Sie hat angekündigt, dass sie die angekündigte Blockade kurzerhand ebenfalls entsprechend der neuen Planungen von E.on verschieben wird.

x-tausendmal quer


(Quellen: x-tausendmal quer, Agenda 21, Greenpeace - Der Atomkonsens im Wortlaut)

Mittwoch, 8. Juni 2011

Kein Zutritt zur "Guten Stube"

Deicherhöhung: Bremerhavens "Gute Stube" ohne (Gras)-Teppich
Dort, wo wir Bremerhavener sonst im Sommer an schönen Sommertagen im Gras sitzen, auf's Wasser schauen, die vorbeifahrenden Schiffe beobachten oder einfach nur die Seele baumeln lassen, da haben wir für die (voraussichtlich) nächsten zwei Jahre keinen Zutritt. Der ist während dieser Zeit den Deichbau-Arbeitern vorbehalten.

Im Moment setzen die gerade alles daran, den Deich auf der gesamten Länge des Bauabschnitts unsicherer zu machen. Das Gras, das jetzt entfernet wurde, schützt den Deich sonst vor Erosion und davor, dass die Erde von bei Sturmflut hoch auflaufenden Wellen nicht fortgespült wird. Der Betonsockel am Deichfuß nimmt bei Sturmflut die volle Wucht der zuerst ankommenden Wellen auf. Jetzt liegen die zertrümmerten Betonstücke lose an der Wattkante herum.

Die Spundwand ist neu. Sie soll den neuen Deichfuß später einmal stabilisieren. Ich hoffe mal für uns alle, dass die wichtigsten, der Sicherheit dienenden Arbeiten bis zur nächsten Sturmflutsaison abgeschlossen sein werden.

Dienstag, 7. Juni 2011

Deichkuh


Die Kuh, die grast am grünen Deich.
Mehr braucht sie nicht zum Leben.
Hat Gras soweit das das Auge reicht:
Was kann’s für Kühe schön’res geben?

© Jürgen Winkler

Sonntag, 5. Juni 2011

Jetzt doch: Stufenweiser Atomausstieg

Atomkraft? Nein Danke!Am 03.06.2010 hatten die Ministerpräsidenten der Länder Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) dazu bewegen können, von ihrem ursprünglichen Plan abzuweichen, in den Jahren 2021/22 alle verbleibenden Atomkraftwerke auf einen Schlag stillzulegen. Statt dessen soll es jetzt doch einen stufenweisen Ausstieg aus der Nuzung der Atomenergie geben. Ab 2015 sollen die Atomkraftwerke jeweils zu einem festgelegten Datum stillgelegt werden. Die drei Neuesten sollen 2022 abgeschaltet werden.

Ein "abgeschaltetes" Atomkraftwerk soll jedoch weiterhin für den Fall von Stromengpässen als sogenannte Kaltreserve in Bereitschaft gehalten werden. Nicht nur aus meiner Sicht ist das völliger Blödsinn. Es dauert mehrere Tage, bis ein Atomkraftwerk nach einem längeren Stillstand wieder Strom erzeugen kann. Um es überhaupt in Bereitschaft halten zu können, sind jährlich 50 Millionen Euro notwendig. Unter diesen Voraussetzungen wären moderne, effiziente Gas-Blockheizkraftwerke mit Sicherheit eine besser geeignete "Kaltreserve" für die Zeit während der Energiewende.

Herr Oppermann (SPD, parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion) hält den neuen Zeitplan für einen großen Erfolg der SPD und der Anti-Atom-Bewegung und sieht eine Chance für einen Energiekonsens. Ich kann schlecht ausmachen, wie groß der Anteil der SPD an dem sich abzeichnenden Teilerfolg ist. Wenn es denn tatsächlich so kommen sollte, dann ist das aus meiner Sicht zwar immer noch besser als gar nichts, aber ein "großer" Erfolg wäre es meines Erachtens nur dann gewesen, wenn als Ende für den Zeitraum des Atomausstiegs 2015/17 ins Auge gefasst worden wäre. Und so grausam die Vorstellung auch ist: Ohne den Super-GAU in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima-I" würde die schwarz-gelbe Bundesregierung wohl immer noch an der - aufgrund der massenhaften Proteste bestenfalls vielleicht etwas modifizierten - Laufzeitverlängerung festhalten.


Der "volkswirtschaftliche Nutzen"

Die ernsthafte Auseinandersetzung mit entsprechenden Studien von Umweltschutzorganisationen scheitert aber wohl wieder einmal am schnöden Mammon. Herrn Pfeiffer (wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag) jedenfalls geht das jetzt alles zu schnell. Dadurch entfalle der ursprünglich gerechnete volkswirtschaftliche Nutzen von rund 30 Milliarden Euro an vertraglichen Abschöpfungen und aus der Brennelementesteuer.

Keinen Gedanken verschwendet der Herr Pfeiffer jedoch daran, welchen volkswirtschaftlichen Schaden ein möglicher Super-GAU in einem deutschen Atomkraftwerk verursachen würde. Sein volkswirtschaftlicher Nutzen stünde dazu jedenfalls in keinem Verhältnis! Den ohnehin noch enstehenden zusätzlichen volkswirtschaftlichen Schaden durch die fortgesetzte Atommüllproduktion, sowie die Kosten für die Atommülltransporte und die Lagerung der strahlenden Hinterlassenschaften für Millionen von Jahren hat der Herr Pfeiffer in seiner Rechnung wohl ebenfalls nicht berücksichtigt. Es sind diese Leute, die auch weiterhin so skrupellos sind, unsere Heimat, unser Eigentum, unsere Gesundheit und unser Leben auf dem Altar der Atomkraft zu opfern, denen wir es zu verdanken haben würden, falls uns am Ende doch noch eines der deutschen Atomkraftwerke um die Ohren fliegen sollte.

Herr Kelber (SPD, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion) fordert, der Atomausstieg müsse durch einen Staatsvertrag oder durch eine Klausel im Grundgesetz, um den Atomausstieg unumkehrbar gemacht werden. Nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre, wäre das auch aus meiner Sicht dringend notwendig.


Effiziente Nutzung der Energie

Herr Seehofer (CSU, Bayern, Ministerpräsident), bis vor kurzem noch eiserner Verfechter der Atomkraft, weil andernfalls in Deutschland ja die Lichter ausgehen würden, verspricht den Bürgern plötzlich, beim stufenweisen Atomausstieg seien keinerlei Versorgungsengpässe zu befürchten. Voraussetzung sei jedoch eine Verdoppelung des Anteils der Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen. Er halte das aber für absolut realisierbar. Na also: Es geht doch. Das nenne ich mal eine saubere 180 Grad Wende. Damit kommt sogar der Herr Seehofer plötzlich dem ziemlich nahe, was Umweltschutzorganisationen schon vor langer Zeit festgestellt haben.

Nicht zu unterschätzen sind aber auch die Einsparpotentiale. So sagte Herr Weiger (BUND, Gründungsmitglied) bei der Abschlusskundgebung der Demonstration am 28.05.2011 in Bremen, allein für den Stand-by-Betrieb elektrischer Geräte werde in Deutschland die Leistung von zwei Atomkraftwerken gebraucht.

Auch mit Leuchtmitteln, die nur einen Bruchteil der Energie herkömmlicher Glühlampen brauchen, lässt sich noch eine große Menge Energie einsparen. Berechnungen der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffezienz zufolge wäre es möglich, alle deutschen Atomkraftwerke bei voller Ausschöpfung der Energieeffizienz zu ersetzen.

Alle dafür notwendigen Maßnahmen würden sich bis 2020 amortisieren. Das deckt sich mit dem, was auch Herr Liese (CDU, Europaabgeordneter) in einem Interview der ZDF heute Nachrichten vom 03.06.2011 gesagt hat. In dem Interview hatte er auch darauf hingewiesen, dass in Europa mehr als 20 Prozent der Energie aufgrund schlechter Isolierung von Gebäuden verloren geht. Daher begrüße er es sehr, dass die Ethikkommission im Zusammenhang mit dem Atomausstieg auch auf diese Misstände hingewiesen habe.

Publik-Forum - Strom ohne Atom


(Quellen: ARD Tagesschau vom 04.06.2011, ZDF heute vom 03.06.2011 Bericht 1 und Bericht 2)

Samstag, 4. Juni 2011

Das Bremer Schnoor Viertel


Impressionen aus dem Schnoor

Als ich am 28. Mai anlässlich der Anti-Atom-Demonstration in Bremen war, bin ich, wie es so meine Art ist, früh morgens los gefahren, und habe die Zeit unter anderem für einen Besuch im Schnoor genutzt. Mein kleines Video ist eine Diashow mit Fotos aus diesem im Süden der Altstadt Bremens gelegenen mittelalterlichen Viertel.

Mit seinen kleinen, schmalen Häusern und den schmalen Gassen bietet der im Zweiten Weltkrieg weitgehend erhalten gebliebene Schnoor einen Einblick in das mittelalterliche Bremen, da viele Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert noch erhalten sind. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Schnoors geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Damals wurde am Rande des heutigen Schnoorviertels ein Franziskanerkloster gebaut, von dem nur die Klosterkirche erhalten geblieben ist.

Die ursprüngliche Bewohner des Schnoor waren überwiegend Flussfischer und Schiffer. Später siedelten sich Gewerbetreibende, Handwerker und Kaufleute an. Heute gibt es dort viele Kunsthandwerkbetriebe, darunter eine Glasbläserei, Galerien, Cafés, Restaurants, Antiquitätengeschäfte, kleine Museen und seit 1973 das Institut für niederdeutsche Sprache ... - kurz gesagt: Im Schnoor tobt das bunte Stadtleben und mit seinem eigenen Flair ist er ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Herren Länder.



Wenn man den Nachrichten der letzten Tage glauben schenken kann, dann werden die Tage des Atomkraftwerks "Unterweser" ja gezählt sein. Wäre es dort aber jemals zu einem GAU gekommen, der sich - außer Kontrolle geraten - zu einem Super-GAU entwickelt hätte, dann wäre bei entsprechender Windrichtung unter anderem wohl auch auch Bremen und sein mittelalterliches Schnoorviertel verloren gewesen.


(Quellen: Info-Tafeln im Schnoor, Wikipedia)

Donnerstag, 2. Juni 2011

Die Bremer Schlachte

Die "Roland von Bremen" ...
... und das Pannkokenschipp
An dem etwa 600 Meter langen Abschnitt des östlichen Weserufers mit dem Namen Schlachte lag die Wiege der Bremer Hafenwirtschaft. Der Name "Schlachte" geht auf das niederdeutsche "Slait" zurück. Slait, das waren Pfahlbauten, die der Verstärkung des Ufers und als Schutz gegen Wellenschlag und Eisgang dienten. Die Slait wurde im Jahre 1250 das erste Mal urkundlich erwähnt. Das hölzerne Segelschiff ist die "Roland von Bremen", ein Nachbau einer Bremer Hansekogge. Auf dem Dreimaster im Vordergrund gibt es eine große Auswahl an Pfannkuchen.




Im 15. Jahrhundert wurde das befestigte Ufer verlängert und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden die hölzernen Kaianlagen durch eine steinerne Kaimauer ersetzt. Aufgrund der zunehmenden Versandung der Weser entstand 1618 ein Stück flussabwärts in Vegesack ein Vorhafen. Die weiter fortschreitende Versandung des Flusses führte dann noch einmal 200 Jahre später zum Bau eines neuen Vorhafens an der Wesermündung. Dieser Hafen wurde ab 1827 zur Keimzelle der heutigen Stadt Bremerhaven. Nachdem die Schlachte aufgrund weiterer umfangreicher Hafenneubauten in Bremen ihre Funktion als Hafen verloren hatte wurde dort im Jahre 1899 Grünanlagen und eine Promenade am Rande des Flussufers angelegt.


Löwenkopf von der alten Weserbrücke
Flohmarkt am Weserufer
Ab 1980 kam es zur Rückbesinnung auf die maritime Geschichte Bremens. Mit ihren Restaurants, Gastwirtschaften und Außengastronomie ist die grundlegend neu gestaltete Schlachte heute so etwas wie Bremens gute Stube am Wasser. Als ich am letzten Samstag die Schlachte entlang in Richtung Goetheplatz ging, fand dort gerade ein Flohmarkt statt. Der steinerne Löwenkopf war bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Teil der Verzierung einer großen Brücke, die an der Stelle der heutigen Wilhelm-Kaisen-Brücke die Weser überquerte. Bei der Zerstörung der Brücke versanken die steinernen Löwenköpfe im Fluss, wo sie 1989 bei Sanierungsarbeiten am Flussufer wiedergefunden wurden.


(Quelle: Die Schlachte, Wikipedia)

Mittwoch, 1. Juni 2011

Eine atomare Mogelpackung


Atomkraft Schluss: Demonstration in Bremen (28.05.2011)

Abschließend habe ich noch ein paar Impressionen von der Demonstration gegen die Atompolitik der Bundesregierung am letzten Samstag in Bremen. Treffpunkt war der Goetheplatz. Von dort ging es entlang der Straßen Am Wall, Herdentor und Herdentorsteinweg zum Hauptbahnhof, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Gestern hatte ich mich ja ziemlich über die verharmlosende Berichterstattung in der Nordsee-Zeitung geärgert. Aber auch in anderen Zeitungen und den Fernsehnachrichten sah es nicht viel besser aus. Die angekündigte Stillegung der aufgrund des Atommoratoriums abgeschalteten Atomkraftwerke lenkt offensichtlich den Blick davon ab, dass die wespenfarbene Bundesregierung uns erneut hinters Licht zu führen versucht..

Allerdings war in der Tagesschau der ARD gestern immerhin zu hören, dass die den neueren Atomkraftwerken zugesprochenen "Restlaufzeiten" von zwei alten Meilern, die voraussichtlich stillgelegt werden sollen, dazu führen werden, dass jedes der neun verbleibenden Atomkraftwerke noch bis 2022 in Betrieb bleiben wird. Auch die Erkenntnis, dass diese Tatsache alles andere als geeignet ist, die Atomkraftgegner in Jubel ausbrechen zu lassen, scheint den Nachrichtenredakteuren immerhin aufgefallen zu sein. Sollten auch die Restlaufzeiten der anderen dann stillzulegenden Atomkraftwerke noch auf die verbleibenden Meiler überschrieben werden können, so wäre es nicht einmal sicher, dass 2022 wirklich Schluss ist.

Völlig daneben ist allerdings die Fragestellung einer nichtrepräsentativen Umfrage auf den Internetseiten der ARD. Die Frage lautet:
  • Die Bundesregierung hat sieben Monate nach der von ihr beschlossenen Laufzeitverlängerung ihre Position geändert und neue Pläne zum Atomausstieg beschlossen. Bis 2022 soll der letzte Meiler definitiv vom Netz gehen. Wie beurteilen sie diesen Schritt?

    Die Pläne der Regierung zum Atomausstieg sind richtig.
    Die Pläne der Regierung zum Atomausstieg sind falsch.
    Dazu habe ich keine / eine andere Meinung.

Da ist man natürlich im ersten Moment bereit zu sagen: "Atomausstieg? Find ich gut!", und würde vielleicht etwas vorschnell die Antwort "Die Pläne der Regierung zum Atomausstieg sind richtig." ankreuzen. Aber Vorsicht: Fangfrage! Vorausgesetzt, es würde sich bei den Plänen der Regierung um einen wirklichen Atomausstieg handeln, dann wäre der Zeitrahmen bis 2022 immer noch unverantwortlich lang!


Atomare Mogelpackung

Die "Pläne der Regierung" sind jedoch alles andere, als ein Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie... - also die zügige, schrittweise Außerbetriebnahme der Atomkraftwerke bei gleichzeitigem Ausbau der Energieversorgung aus regenerativen, dezentralen Energiequellen. Im Klartext: Sollten diese Pläne Gesetz werden, dann wäre das die uneingeschränkte Fortsetzung des Betriebs von neun deutschen Atomkraftwerken, die dann alle auf einmal im Jahre 2022 abgeschaltet werden sollen. Einige der neun Atomkraftwerke würden deutlich länger laufen, als es im rot-grünen Atomkonsens aus dem Jahre 2000 einmal vereinbart worden war.

Selbst die Aussage, alle im Rahmen des Atommoratoriums abgeschalteten Atomkraftwerke würden nie wieder ans Netz gehen ist gelogen. Zumindest einen der Uraltmeiler wollen CSU, CDU und FDP - sozusagen als stille Reserve - betriebsbereit halten.

Toller Plan! Spätestens 2020/21 werden dann wieder die altbekannten Sprüche aus der Klamottenkiste der Atomkonzerne hervorgekramt werden, die wir bereits seit vielen Jahren immer wieder aufgetischt bekommen: "Wenn wir alle Atomkraftwerke auf einen Schlag abschalten, dann gehen in Deutschland die Lichter aus." Wetten dass? Sicher ist jedoch auf alle Fälle schon einmal, dass bis dahin noch 11 Jahre lang Atommüll produziert werden würde, und dass wir während der ganzen Zeit weiterhin der permanenten Gefahr eines Super-GAUs - mitten in Deutschland! - ausgesetzt wären.

Auch die Bundestagsfraktion der SPD hat ja signalisiert, dass ein auf 2011 verschobener Atomausstieg ihre Zustimmung finden könnte - auch wenn sie sich im Moment noch etwas ziert. "Im Prinzip ja" ist auch von den Grünen im Bundestag zu hören. Die hätten es nur gerne etwas früher. Daher habe ich meine Zweifel, ob sie den derzeitigen Plänen der schwarz-gelben Bundesregierung zustimmen werden. Immerhin haben die Grünen einen "Guten Ruf" zu verlieren.

In Anbetracht der angedeuteten Bereitschaft zu einem Kompromiss bei einem "Ausstieg zwischen 2017 und 2021" könnte der allerdings sehr schnell wieder verspielt sein. Oder glaubt etwa tatsächlich irgend jemand, dass die Atomkonzerne freiwillig bereit wären, ihre Meiler vor Ende 2017 außer Betrieb zu nehmen, wenn es auch erst 2021 sein darf? Wirklich konsequent für den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie "ohne Wenn und Aber" sprechen sich momentan offensichtlich nur noch die Linken im Bundestag aus.

Mit den Atomkraftgegnern ist das, was die Wespen in Berlin uns da vollmundig als "Atomausstieg", und als "große Chance für kommende Generationen" (Originalton der Wespenkönigin) verkaufen wollen, jedenfalls nicht zu machen. Und die SPD täte gut daran, sich von der atomaren Mogelpackung der wespenfarbenen Bundesregierung zu distanzieren und den Willen der deutlichen Mehrheit der Bundesbürger zu respektieren. Vorausgesetzt, die Grünen bestünden auf einem wirklichen Ausstieg bis 2015, spätestens 2017, könnte es der der SPD sonst nämlich passieren, dass sie sich nach der Bundestagswahl 2013 bestenfalls noch in der Rolle des Juniorpartners in einer Grün-Roten Bundesregierung wiederfindet.


Wiederholt sich die Geschichte?

Falls die Medien die Öffentlichkeit in den nächsten Tagen nicht noch nachträglich darauf aufmerksam sollten, dass die Bundesregierung sie mit dem "Ausstiegsdatum 2022" erneut hinters Licht führen will, dann könnte das für den Kampf um das schnelle Ende des Atomzeitalters in Deutschland und die dringend notwendige, zügige Umsetzung der Energiewende zu einem großen Problem werden.

Es wird dann die schwierige Aufgabe der Atomkraftgegner sein, die Bürger innerhalb einer sehr kurzen Zeit und gegen den Meinungsstrom der Medien über den erneuten Betrugsversuch der Bundesregierung aufzuklären. Falls das nicht rechtzeitig gelingen sollte, dann könnte es geschehen, dass sich die Geschichte ein weiteres Mal wiederholt.

Mit dem Abschluss des Atomkonsens im Jahre 2000 wurden die meisten Menschen regelrecht eingelullt ... - und ich nehme mich da keineswegs aus! Ebenso wie ich, so waren auch viele andere Menschen zwar überhaupt nicht davon begeistert, dass wir noch so lange den Gefahren ausgesetzt sein würden, die vom Betrieb der Atomkraftwerke ausgehen, aber es war zumindest ein Ende abzusehen. Ich werde diesen Fehler jedenfalls nicht noch einmal machen. Ich werde erst dann Ruhe geben, wenn das letzte Atomkraftwerk in Deutschland endgültig stillgelegt worden ist.


Die Raffgier der Atomkonzerne

Nicht genug, dass sie sich jahrzehntelang die Taschen auf Kosten der Steuerzahler vollgestopft haben: Jetzt wollen die Atomkonzerne die Bundesrepublik auch noch auf Schadenersatz verklagen. Eigentlich müsste die Bundesregierung die Atomkonzerne dann im Gegenzug ebenfalls auf Schadenersatz verklagen. Allerdings ließe sich der Schaden, den diese mit dem Betrieb ihrer Atomkraftwerke und ihrer strahlenden Hinterlassenschaften wohl kaum mit Geld wieder gut machen!

Auch die "Brennelementesteuer" wollen sie nicht zahlen. Das sei eine Doppelbelastung. Was - bitteschön - ist dann zum Beispiel die Mineralölsteuer, die jeder von uns zahlen muss? Kein Autofahrer bleibt davon verschont!

Und wenn bei der Hauptuntersuchung erhebliche Mängel festgestellt werden, dann kann es jedem Autofahrer passieren, dass sein Fahrzeug stillgelegt wird. Nur bei Atomkraftwerken ist das anders. Der sogenannte "Stresstest" bescheinigt keinem der 17 deutschen Atomkraftwerken, dass es sicher vor der Gefahr des Eintretens eines Super-GAUs ist. Der Super-GAU für einen Autofahrer ist ein Unfall mit Totalschaden und Todesopfern. Auch wenn die Folgen für die davon Betroffenen noch so schrecklich sind: Ein solcher GAU betrifft jeweils nur wenige Menschen.

Ein Super-GAU in einem Atomkraftwerk hat jedoch für eine sehr große Zahl von Menschen den Verlust ihrer Heimat, ihres Eigentums, ihrer Gesundheit oder gar ihres Lebens zur Folge. Und nicht nur die zur Zeit der Katastrophe lebenden Menschen sind betroffen: Selbst viele Generationen ihrer Nachkommen haben noch unter den Folgen des atomaren Super-GAUs zu leiden.

"Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen,
deren Geld auf dem Spiel steht,
mehr zählen,
als die Menschen, deren Leben auf dem Spiel steht."

(gesehen auf dem Plakat eines Atomkraftgegners)


Zum Weiterlesen:
"Atomkraft Schluss"
  • Demonstration in Bremen
Sekt oder Selters?


Publik-Forum - Strom ohne Atom


(Quellen: Tagesschau vom 30.05. und vom 31.05.2011, .ausgestrahlt vom 31.05.2011)