Mittwoch, 28. Dezember 2011

Das war das Jahr 2011 - Über den Tellerrand (1)

Atomkraft? Nein Danke!Schon vor Beginn ihres Amtsantritts im September 2009 hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung ja angekündigt, sie werde dafür sorgen, dass die Betriebszeiten der Atomkraftwerke verlängert werden. Auch im jetzt zu Ende gehenden Jahr bescherte mir mein Blick über den Tellerrand deshalb wieder strahlende Aussichten.

Nachdem zu Beginn des Jahres endgültig fest stand, welches zusätzliches Gefahrenpotential die Aufkündigung des "Atomkonsens" aus dem Jahre 2000 in Verbindung mit der "Laufzeitverlängerung" für die Zukunft bergen würde, stand für mich endgültig fest, dass ich auf unabsehbare Zeit weiterhin gegen den atompolitischen Irrsinn der Schwarz-Gelb-Gestreiften auf die Straße gehen würde. Von den dramatischen Ereignissen die meinen Entschluss später noch bekräftigen würden, ahnte ich zu dieser Zeit noch nichts ...


Mit dem Atomkraftwerk "Unterweser" (AKW-Esenshamm) lag auch Bremerhaven seit mehr als 30 Jahren im direkten Gefahrenbereich einer solchen unberechenbaren Atomzeitbombe. Im nächsten Jahr (2012) wäre das Atomkraftwerk entsprechend der Vereinbarung im Atomkonsens planmäßig stillgelegt worden. Nach dem Willen des Atomkraftwerksbetreibers EON und seiner politischen Handlanger in der wespenfarbenen Bundesregierung hätte die tickende Zeitbombe entsprechend der "Laufzeitverlängerung" mindestens bis 2020 noch weitere acht Jahre lang Atommüll produzieren sollen, ohne dass es einen Nachweis für den notwendigen, zigmillionen Jahre währenden sicheren Verbleib gegeben hätte. Mithilfe einer durchsichtigen Vernebelungstatik sollte die Bevölkerung im direkten Gefahrenbereich des Atomkraftwerks in trügerischer Sicherheit gewiegt werden.

In der Summe sollten die Betriebsgenehmigungen für die damals noch 17 deutschen Atomkraftwerke um 177 Jahre verlängert werden - durchschnittlich also um mehr als 10 Jahre pro Atomkraftwerk. Allein was das Thema "Atommüll" angeht war schon der "Atomkonsens" nicht mehr als ein fauler Kompromiss gewesen. In Anbetracht des abzusehenden Endes des Atomzeitalters in Deutschland war es der damaligen rot-grünen Bundesregierung aber gelungen, den Widerstand gegen die Nutzung der Atomenergie erst einmal ruhigzustellen ...


Im Februar lagerte die Bundesregierung "ihren Atommüll" aus Karlsruhe (Forschungsreaktor) gegen den erheblichen Widerstand der Atomkraftgegner und entgegen vorheriger Zusagen im Atommülllager "Nord" in der Lubminer Heide an der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste ein. Die wespenfarbene Bundesregierung nennt diese Atommülllager ja immer noch verharmlosend "Zwischenlager". Die Genehmigung zum "Zwischen"-Lagern für das "Atommülllager Nord" ist inzwischen vorausschauend schon einmal bis 2080 verlängert worden. Ich bin nicht davon überzeugt, dass es die letzte "Lagerzeitverlängerung" für eines der vielen Atommüll-"Zwischen"-Lager sein wird. Aber auch mit vielen kleinen "Zwischen"-Lagerzeitverlängerungen wird aus einem Atommülllager noch lange kein "End"-Lager - ... auch dann nicht, wenn der hochradioaktive Atommüll "Made in Germany" nach dem Ende des Atomzeitalters in Deutschland dort noch bis zum St. Nimmerleinstag vor sich hin strahlen sollte.

Ebenfalls im Februar gaben die SPD und Bündnis '90 / Die Grünen bekannt, sie würden gemeinsam eine Klageschrift gegen das Atomgesetz der Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einreichen. Auch die Atomkraftgegner bereiteten weitere Demonstrationen gegen die "Laufzeitverlängerung" vor. Schon im März sollte mit einer Menschenkette von der auf wackeligem Boden stehenden  Atomkraftanlage "Neckarwestheim" entlang des Neckars bis in die Landeshauptstadt Stuttgart des Landes Baden-Würtemberg ein weiteres Zeichen gegen die Atompolitik von CDU, CSU und FDP gesetzt werden.


Auch ich machte mich wieder einmal auf den Weg. In der Nacht vom 11. auf den 12. März ging es mit dem Sonderzug von Bremen nach Stuttgart. Bereits im Laufe des Tages vor meinem Aufbruch hatte ich von dem schweren Erdbeben, das sich am Morgen des 11. März vor der japanischen Küste ereignet hatte, und dem dadurch ausgelösten Tsunami gehört. Am Nachmittag erhielt ich über den Verteiler von "AntiAtom Oldenburg" eine E-Mail mit folgenden Inhalt (Zitat): "... Nach der Sicherheitsabschaltung wegen des Erdbebens ist im japanischen Atomkomplex Fukushima die Kühlung des Reaktorkerns seit mehreren Stunden ausgefallen. Letzten, unbestätigten Meldungen zufolge werden zur Stunde vom Militär mobile Stromaggregate herbeigeschafft, um Strom für die Kühlwasserpumpen zu liefern. Sofern es nicht gelingt, den Reaktor binnen kurzer Zeit wieder ausreichend zu kühlen, ist der Eintritt der Kernschmelze, unausweichlich. ...".

Da die vielen Menschen, die im Besitz eines Mobilfunktelefons waren, während des Tages am Neckar und in Stuttgart ständig die aktuellen Nachrichten weitergaben, wurde uns allen schnell bewusst, was da im fernen Japan auf die Menschen zukommen würde. Ebenso wie ich fühlten sich auch andere Atomkraftgegner irgendwie wie im falschen Film: Eigentlich hatten wir mit der Demonstration entlang des Neckars nur vor den Gefahren waren wollten, die von den Atomkraftwerken - auch von deutschen(!) - ausgehen. Damit, dass sich in Fukushima genau in diesen Stunden zum zweiten Mal ein Super-GAU anbahnen würde, hatte ja auch von uns niemand gerechnet.

Die Erschütterungen, die von der Atomkatastrophe in Japan ausgingen, brachten innerhalb kürzester Zeit auch die Pläne der vier Atomkonzerne EnBW, EON, Vattenfall und RWE ins Wanken. Die Physikerin Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) hätte es eigentlich besser wissen müssen. Jetzt versuchte "ihrem Wahlvolk" mit hilflos klingenden Formulierungen weiszumachen, dass ja niemand ernsthaft mit einer solchen Katastrophe hätte rechnen können - schon gar nicht im technisch hochentwickelten Japan. Spätestens seit dem Super-GAU vom April 1986 in Tschernobyl rechnen wir Atomkraftgegner eigentlich täglich mit derartigen Katastrophen - es ist nur so, dass man diese unvorstellbare latente Bedrohung im Alltag aus dem Bewusstsein verdrängt ...

... Am 26. November war "Fukushima" dann plötzlich ganz nah: Während der Kundgebung in Dannenberg gegen den Castor-Transport aus der Atommüllaufbereitungsanlage bei La Hague (Frankreich) in das Atommülllager bei Gorleben berichteten zwei japanische Frauen aus der Region um die zerstörte Atomkraftanlage "Fukushima-I" von ihren Erlebnissen während des Erdbebens und der Atomkatastrophe. Sie erzählten von ihrem Leben vor dem Super-GAU .. schilderten ihre Hoffnungen und Wünsche - und sie sprachen von "der Zeit danach" und davon wie ihr bisheriges Leben von einem Moment auf den Nächsten endete.

Die Bilder der Zerstörungen aus den Fernsehnachrichten, die schockierenden Zahlen in den zahlreichen Texten, die ich inzwischen gelesen habe, all dass ist nichts gegen die Gefühle, die von den Schilderungen der beiden - vielleicht 200 Meter von mir entfernt auf der Bühne stehenden - Frauen ausgelöst wurden, deren Leben nie mehr so sein wird wie es vor der Atomkatastrophe in ihrer Nachbarschaft einmal gewesen war.


Was die schwarz-gelbe Bundesregierung uns seit den Ereignissen im März und der Abschaltung von acht der siebzehn deutschen Atomreaktoren als "Atomausstieg" verkaufen will, ist bei genauerer Betrachtung nichts weiter als eine weitere Mogelpackung. In Anbetracht dessen, dass die verbliebenen neun deutschen Atomkraftwerke gegenüber dem Atomkonsens aus dem Jahre 2000 um insgesamt 30 Jahre länger in Betrieb bleiben sollen, handelt es sich bei diesem schwarz-gelb-gestreiften "Atomausstieg" in Wahrheit weiterhin um eine "Laufzeitverlängerung".

Gleichzeitig versucht die Bundesregierung mit ihrem Festhalten an "Gorleben" als Atommülllager für hochradioaktive Abfälle weiterhin den Anschein zu erwecken, sie könne einen "Entsorgungnachweis" vorlegen. Weitere während des Jahres bekanntgewordene Fakten belegen, dass der Salzstock bei Gorleben alles andere als geeignet ist. Auch durch weitere "Erkundungen" wird der "Schwarzbau Gorleben" nicht sicherer! Herr Stay (.ausgestrahlt, Sprecher) machte während der Kundgebung in Dannenberg deutlich, was von der sogenannten "ergebnisoffenen Suche" nach Alternativen zu diesem imaginären Entsorgungsnachweis zu halten ist: Im Haushalt 2012 des Herrn Röttgen (CDU, Bundesumweltminister) seien 37 Millionen Euro für den Ausbau des Atommülllagers im Salzstock bei Gorleben vorgesehen. - Dem stünde die geradezu lächerlich geringe Summe von 3 Millionen Euro für die Suche nach alternativen Standorten zur langfristigen Lagerung des deutschen Atommülls gegenüber!


Trotz ihrer atompolitischen Notmanöver ist es der Bundesregierung jedoch nicht gelungen, den Widerstand der Atomkraftgegner zu brechen.

(Fortsetzung folgt im nächsten Jahr ... - mit Sicherheit ...)

  • Mehr zum Thema Atomkraft, wie zum Beispiel die Verschiebung deutschen Atommülls ins russische Majak oder die Finanzierung neuer Atomkraftwerke im Ausland etc., habe ich in meiner Chronologie der Ereignisse des Jahres 2011 zusammengestellt. Am Ende der Seite "juwi's gesammelte Atomkraft-Werke" findet ihr außerdem eine Sammlung von Links zu Anti-Atom-Organisationen, Dokumenten mit Hintergrundinformationen über die gemeinsamen Interessen von Atomkonzernen und Politikern, zur "Sicherheit" der bisher existierenden Atommülllager, zu zahlreichen Vertuschungsversuchen inkompetenter Politiker, zu den radioaktiven Kontaminierungen und deren Auswirkungen auf das Leben der Menschen im Umfeld der Uranabbaugebiete und vielem mehr.


Das war das Jahr 2011


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