Sonntag, 16. Januar 2011

Karlsruher Atomsuppe


ARD-Magazin Kontraste vom 13.01.2011: "Atommüll - Steuerzahler tragen Folgekosten"

In Greifswald und Umgebung rüstet man sich für den nächsten Castor-Transport mit 70000 Tonnen hochradioaktiven Müll in das Atommüll-"Zwischen"-Lager Nord in der Lubminer Heide. Nachdem dort bereits im Dezember 2010 Atommüll eingelagert wurde, der da absolut nichts zu suchen hat, soll der von der wespenfarbenen Bundesregierung zu verantwortende Atommüllskandal Mitte Februar 2011 in die zweite Runde gehen. Damit ersparen CDU, CSU und FDP der Atomindustrie erneut einen Milliardenbetrag.

Mit der Lieferung der "Karlsruher Atomsuppe" gelangt erneut hochradioaktiver Atommüll aus westdeutscher Produktion in das einzige bundeseigene Atommülllager, der dort gar nicht gelagert werden darf: Das Lager war einzig und allein für den radioaktiven Müll eingerichtet worden, der beim Rückbau der Atomkraftwerke der ehemaligen DDR anfiel.

Das betonte auch Herr Trittin (Bündnis '90 /Die Grünen, Umweltminister der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder) annlässlich der Erteilung der Betriebsgenehmigung für das Atommüll-"Zwischen"-Lager der Energiewerke Nord (EWN) im Jahre 1999. Er sagte damals, die Genehmigung für Lubmin gelte ausschließlich für die Aufbewahrung von abgebrannten Brennelementen aus den beiden stillgelegten ostdeutschen Atomkraftwerken Greifswald und Rheinsberg. "In Greifswald werden weder abgebrannte Brennelemente aus westdeutschen AKW noch Glaskokillen aus La Hague zwischengelagert werden." Nachlesen kann man das in einer Presseerklärung auf den Internetseiten des BMU.

Das ARD-Magazin "Kontraste" berichtete in seiner Sendung vom 13.01.2011 über Geheimverträge, die Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts zwischen der damaligen Bundesregierung unter Helmut Kohl und der Atomwirtschaft abgeschlossen worden waren, und die den Atomkonzernen die Entsorgung ihres Atommülls auf Kosten der Steuerzahler ermöglichen. Frau Kotting-Uhl (Bündnis '90 /Die Grünen, MdB, Atompolitische Sprecherin) sagte in der "Kontraste"-Sendung: "Die WAK ist auch ein typisches Beispiel dafür, wie das Prinzip der Atomwirtschaft funktioniert. Die Gewinne werden im Allgemeinen eingefahren, die Kosten werden auf die Gesellschaft umgelagert. Und wenn wir mit einbeziehen, wie viel Kosten die Steuerzahler für die Atomwirtschaft übernehmen, dann ist der Atomstrom bei weitem nicht billig, sondern der teuerste Strom überhaupt."

Die "Atomsuppe" ist der Atommüll, der aus der Behandlung gebrauchter Brennelemente in der ehemaligen Aufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) stammt.  Dort wurden jahrzehntelang Brennstäbe aus vorwiegend kommerziellen Atomkraftwerken behandelt. Diese aus Steuermitteln finanzierte Dienstleistung des Bundes für die Energiekonzerne wurde der Öffentlichkeit unter der irreführenden Bezeichnung "Wiederaufbereitung" als eine Art "Recycling abgebrannter Brennstäbe" verkauft. Die Betreiber der Atomkraftwerke kamen dadurch "billig" an neue Brennstäbe für ihre Atommeiler.

Bei der Behandlung der "abgebrannten" Brennstäbe entstanden 70000 Liter mit zig Tonnen Uran und Plutonium versetzter, hochradioaktiver Säure, die mit hohem technischen Aufwand verfestigt werden mussten. Der so behandelte Atommüll müsste eigentlich in den Lagern der Atomkonzerne aufbewahrt werden. Stattdessen soll er jetzt auf Kosten der Steuerzahler, die schon für die Aufbereitung der Brennelemente ungefragt zur Kasse gebeten worden waren, in das staatliche Atommülllager bei Lubmin verschoben werden ...


Wie aus dem Atommüll westdeutscher Atomkonzerne mit Hilfe der dem ARD-Magazin "Kontraste" vorliegenden Geheimverträge bundeseigener Atommüll wurde, wird im Video "Atommüll - Steuerzahler tragen Folgekosten" deutlich. Ich wünsche den dafür verantwortlichen Politikern und denen der aktuellen Bundesregierung, dass ihnen die "Karlsruher Atomsuppe" noch bis lange über die nächsten Bundestagswahlen hinaus schwer im Magen liegen wird.

Lubmin niX da!


(Quelle: Kontraste vom 13.01.2010), Presseerklärung des BMU vom 10.11.1999)

Kommentare:

Frau Momo hat gesagt…

Den Beitrag hab ich auch gesehen und auch bei uns veröffentlicht. Leider muß ich diesmal auf eine Fahrt nach Lubmin verzichten, aber so ist das nunmal, wenn Frau einen neuen Job hat. Aber dafür kann ich dann auch zukünftig unseren Öko-Strom Lieferanten bezahlen, das hat ja auch was....

Helmut hat gesagt…

Nur gut, daß es Steuerzahler gibt, denen kann man so manches aufladen. Wo kämen wir denn auch hin, wenn die Stromkonzerne auch noch für die entsorgung ihres Atommülls sorgen sollten. Da können die ihren Anteilseignern weniger aussschütten und das möchte ja Frau M nicht. Im übrigen habe ich neulich gelsen, daß die Deutsche Bank so risikoreiche Papiere in ihren Beständen hat, daß der ruf nach dem Steurzahler eines Tag soch sehr laut werden wird.

Herzliche Grüße aus dem Kraichau
Helmut

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