Montag, 5. Dezember 2011

Polen spielt mit dem atomaren Feuer

Atomkraft? Nein Danke!Viele Gespräche auf der Fahrt zur Kundgebung und in Dannenberg am 26.11.2011 drehten sich um unser Nachbarland Polen. Während andere Länder am Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie arbeiten bzw. darüber nachdenken, wie sie das bewerkstelligen können, plant Polen die Wiedereinführung der Atomkraft.

Sollte es dort einmal zu einem Super-GAU wie in Tschernobyl oder in Fukushima kommen, dann wären wir davon ebenso direkt betroffen, wie von einem Super-GAU in Deutschland, Frankreich, Tschechien, England, der Schweiz etc. ... - Im Gegensatz zur "Atomnation Frankreich" oder einem unserer anderen Nachbarn gibt es in Polen jedoch derzeit kein Atomkraftwerk. Damit das auch so bleibt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um dagegen anzugehen.

Im Jahre 1989, nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs", hatte Polen beschlossen das Abenteuer Atomkraft ad acta zu legen und den Weiterbau von zwei im Bau befindlichen Atomkraftwerken abzubrechen. Jetzt, 23 Jahre später, und angesichts der beiden verheerenden Atomkatastrophen von "Tschernobyl" (April 1986) und "Fukushima" (März 2011) alles über den Haufen zu werfen und wieder in die Nutzung der Atomkraft einzusteigen, ist blanker politischer Irrsinn. Auf mich macht dieses erneute gefährliche Spiel mit dem atomaren Feuer den Eindruck einer Art kollektiver Todessehnsucht.

Das polnische Umweltinformationsgesetz sieht die auf Vorgaben der europäischen Gesetzgebung beruhende "strategische Umweltprüfung" (SUP) vor. Diese bietet im Zusammenhang mit weiteren internationalen Verträgen und Übereinkünften eine Möglichkeit für Menschen, die nicht im Besitz der polnischen Staatsbürgerschaft sind, gegen das neue polnische Atomprogramm Einspruch zu erheben. Das "Umweltinstitut München" hat dafür auf seiner Internetseite zwei E-Mails vorbereitet, die sich auch individuell angepassen lassen.

Die Erste ist an die Regierung Polens gerichtet und die Zweite richtet sich an Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin). Auf der Internetseite des "Umweltinstituts München" gibt es ein Formular, mit dem beide E-Mails zusammen abgeschickt werden können. Außerdem gibt es dort die Möglichkeit, Unterschriftenlisten herunterzuladen und auszudrucken, die dann ausgefüllt an das "Umweltinstitut München" geschickt werden können.

Wie bei contrAtom am 05.11.2011 zu lesen war, ist nach einem Bericht der polnischen Zeitung “Dziennik Gazeta Prawna” die finanzielle Absicherung der Atompläne in Polen durch europäische Banken nicht gesichert. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich der atomare Irrsin in Polen in Verbindung mit einem möglichst großen Druck "von unten" noch verhindern lässt.


Je mehr Menschen sich mit ihren Einwänden beteiligen, desto größer ist die Chance auf einen Erfolg.



Übrigens ...

Während der letzten Wochen habe ich oft die Frage gehört, warum man denn jetzt noch gegen die Atomkraft demonstrieren sollte.

Selbst Herr Kretschmann (Die Grünen, Baden-Würtemberg, Ministerpräsident) hat sich ja zu dieser Frage hinreißen lassen. Der Atomausstieg sei doch beschlossene Sache. Im Zusammenhang mit dem von der Rot-Grünen Bundesregierung unter Herrn Schröder (SPD, ehemaliger Bundeskanzler) ausgehandelten "Atomkonsens" aus dem Jahre 2000 hatte ich diesen Spruch schon einmal vernommen. Mit dem Projekt "Laufzeitverlängerung" der wespenfarbenen Bundesregierung ist mir der Glaube an solche Worte aus dem Munde unserer Politiker allerdings gründlich ausgetrieben worden.

Was jetzt in Polen passiert, wäre unter Umständen auch in Deutschland nicht auszuschließen. Wer weiß denn heute schon, welche politisch/wirtschaftliche Konstellationen sich zukünftig ergeben werden? Damit die Politiker hierzulande gar nicht erst versuchen, auch den zweiten Anlauf zum Ausstieg aus der Atomenergie wieder zu sabotieren, ist es wichtig, dass der Druck von unten jetzt nicht nachlässt. Solange auch nur ein einziges Atomkraftwerk noch Atommüll produziert ist absolut nichts undenkbar. Auch die letzten 9 Atomkraftwerke müssen deshalb so schnell wie möglich abgeschaltet werden und nicht erst 2022! Ich hatte bereits mehrfach auf Studien der Umweltschutzorganisationen "Greenpeace" oder dem "BUND" hingewiesen, denenzufolge das Atomzeitalter in Deutschland bereits in vier Jahren zu Ende gehen könnte.

Alle abgeschalteten Atomkraftwerke müssen zudem endgültig stillgelegt, und zeitnah zurückgebaut werden. Es ist schon schlimm genug, dass wir tausenden nachfolgender Generationen unsere strahlenden Hinterlassenschaften aufbürden. Ihnen auch noch den Rückbau unserer Atommeiler zu überlassen, wäre der Gipfel der Dreistigkeit. RWE denkt bereits allen Ernstes darüber nach sein Atomkraftwerk Biblis "sicher einzumauern", anstatt es zurückzubauen!


Update, 06.12.2011: Ungesicherte Finanzierung

(Quellen: contrAtom vom 05.12.2011, Focus vom 25.11.2011, Umweltinstitut München , SWR vom 21.11.2011)

1 Kommentar:

Frau Momo hat gesagt…

Die Frage kriege ich auch häufig gestellt und ich hab neulich ja auch mal eine Antwort darauf geschrieben. Es gibt noch viele gute Gründe, weiter zu protestieren und weiter zu kämpfen.

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