Samstag, 24. Dezember 2011

Die Heilige Nacht

Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche in Bremerhaven

So war der Herr Jesus geboren
im Stall bei der kalten Nacht.
Die Armen, die haben gefroren,
den Reichen war's warm gemacht.

Sein Vater ist Schreiner gewesen,
die Mutter war eine Magd,
Sie haben kein Geld beseßen,
sie haben sich wohl geplagt.

Kein Wirt hat ins Haus sie genommen;
sie waren von Herzen froh,
daß sie noch in Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.

Die Engel, die haben gesungen,
daß wohl ein Wunder geschehn.
Da kamen die Hirten gesprungen
und haben es angesehn.

Die Hirten, die will es erbarmen,
wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G'schicht für die Armen,
kein Reicher war nicht dabei.

Ludwig Thoma (1867-1921)


Zu Lebzeiten Ludwig Toma's lebten die Leute noch in ihrer kleinen Welt. Heute - mit Fernsehen und Internet - ist die Welt, der wir täglich begegnen, um vieles größer als die Welt, die damals im Leben der Menschen eine Rolle spielte. Wer in der heutigen Zeit von Armut und Reichtum in unserer Gesellschaft spricht, der meint etwas völlig anderes, als derjenige, der auf die ungerechte Verteilung des Wohlstands in der Welt hinweist.

Während wir, die wie in den reichen Industriestaaten leben, den Reichtum der Welt achtlos verschwenden, bleibt den Menschen in anderen Ländern nicht einmal das Nötigste zum Leben. Im Vergleich mit ihren erbärmlichen Hütten wird der Stall in Bethlehem wohl noch eine Nobelherberge gewesen sein. Ein großer Teil der Menschheit leidet Hunger - auch heute Abend, dem Abend vor der Heiligen Nacht.

Ein kleiner Mensch, der das Glück hat, seinen Weg durch das Leben in einem reichen Land der sogenannten Ersten Welt beginnen zu dürfen, wird schon allein aufgrund des Ortes seiner Geburt reich beschenkt. Viele der kleinen Menschen in den Ländern der sogenannten Dritten Welt haben keine Chance, jemals erwachsen zu werden. Sie sterben vorher - weil sie nicht genug zu Essen haben.

Wenn es wirklich Frieden werden soll auf Erden, dann werden wir alle etwas von dem zurückgeben müssen, was uns im Leben geschenkt wurde. Ein guter Anfang wäre schon gemacht, wenn wir uns nach dem Kaufrausch der vergangenen Tage und Wochen wieder daran erinnern würden, dass wir in der Heiligen Nacht die Geburt des Kindes im Stall von Bethlehem feiern ... - und nicht die üppigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.


Ich wünsche euch allen, die ihr in diesen Tagen hier vorbeischaut, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Kommentare:

Wolfgang aus Greifswald hat gesagt…

Wie sehr sprichst Du mir aus dem Herzen. Bei dem üppigen geblinke und Geklingel, bei Kilowattweise WeihnachtsBeleuchtung in den EinkaufsTempeln der reichen Welt ist das klitzekleine Licht, der kleine Stern von Betlehem kaum noch wahrnehmbar. Wir werden in den kommenden jahren weniger besitzen als es zur Zeit noch möglich ist und wir werden "unser täglich Brot" wieder mehr ehren als zur Zeit noch.
Und trotzdem wird es für uns alle irgendwie noch reichen. Laß uns also schon heute dankbar sein für die scheinbar "kleinen" Dinge, die uns täglich umgeben: daß wir nur ein Knöpfchen drehen und schon haben wir warmes Wasser! Ein unglaublicher Luxus!
In diesem Sinne Dir und den Deinen ein gesegnetes Fest - und ganz liebe Grüße aus der schönsten Hansestadt am Ryck vom Wolfgang.

Frau Momo hat gesagt…

Ich habe die letzten zwei Tage genau das versucht zu tun, etwas zurückgeben, etwas abgeben und sei es nur Zeit und Aufmerksamkeit.
Dir auch ein gesegnetes Weihnachtsfest.

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