Dienstag, 3. März 2009

Regionalflughafen Bremerhaven - Existenzängste

Am Mittwoch hatte ich in meinem Artikel "Rien ne vas plus" über die von Politikern und der Nordsee-Zeitung in die Öffentlichkeit gebrachte Diskussion über die Überlegungen zur Aufgabe des Regional Flugha-
fens Bremerhaven zugunsten einer Gewerbefläche für Firmen aus dem Windenergiebereich geschrieben. Ich hatte unter anderem kritisiert, dass der "Flugplatz Luneort" gerade erst für viel Geld und mit großem Aufwand zum modernen "Regional Flughafen Bremerha-
ven" ausgebaut wurde, und dass im Falle einer Aufgabe des Flugha-
fens nicht nur das Geld für den Ausbau in den Sand gesetzt worden wäre, sondern dass vor allem auch real existierende Arbeitsplätze auf dem Flughafen einer nicht bekannten Zahl fiktiver neuer Arbeitsplätze im Windenergiesektor geopfert werden würden. Es würden also erst einmal Menschen arbeitslos werden, weil andere Menschen dadurch möglicherweise einen Arbeitsplatz finden könnten.
    In einem Nachtrag zu meinem Artikel "Rien ne vas plus" hatte ich am Samstag einen Beitrag im Fernseh-Regionalmagazin "Buten & Binnen" (Radio Bremen) über Interessenkonflikte und Verflechtungen zwischen "den Aufsichtsräten" vom "Regional Flughafen Bremerha-
ven", der "BIS", und des "Fischereihafens" sowie des Bremerhavener Oberbürgermeisters kommentiert.


In ihrer Ausgabe von Samstag, 28.02.2009 bestätigte die Nordsee-Zeitung meine Gedanken über die Gefährdung von Betrieben und Arbeitsplätzen auf dem Flughafen. Sie schrieb, die Umwandlung des Regional Flughafens Bremerhaven in ein Gewerbegebiet für die Windkraftbranche sei für viele nichts weiter als ein Gedankenspiel. Den Menschen die auf dem Flughafen Arbeit haben und sich einen Betrieb aufgebaut haben treibe die Diskussion jedoch den Angstschweiß auf die Stirn. Die Nordsee-Zeitung berichtete über ihre Gespräche mit den Verantwortlichen der Firmen "Weser-Bildmessflug" und "DS-Air-Service".
  • Die Firma "Weser-Bildmessflug" bearbeitet seit 1995 von ihrem Standort in Bremerhaven aus mit zwei Flugzeugen u.a. Aufträge im Bereich Landvermessung, für Bauplanungen etc. Die meisten Aufträge seien "Tagesgeschäft". "Weser-Bildmessflug" beschäftigt 7 Mitarbeiter. Herr Oswald (Weser-Bildmessflug, Geschäftsführer) sagte der Nordsee-Zeitung, Bremerhaven biete eine günstige Lage, die Bedingungen würden stimmen, und Herr Sahr (Regionalflughafen Bremerhaven, Geschäftsführer) habe stets alle Versprechungen erfüllt. Der Flughafen in Nordholz stelle aufgrund zu weiter Wege, zu langer Anfahrten für "Weser-Bildmessflug" keine Alternative dar.
  • Im Jahre 1996 gründete Herr Schulz die Flugwerft "DS-Air-Service" auf dem Regional Flughafen Bremerhaven. Er sei damals gebeten worden, eine Flugwerft in Bremerhaven aufzubauen. Herr Schulz beschäftigt 10 festangestellte und 2 freie Mitarbeiter. Im Sommer soll ein Auszubildender aus Ostdeutschland seine Ausbildung bei "DS-Air-Service" beginnen. Die Nordsee-Zeitung schreibt, Herr Schulz wisse nicht, was er diesem jetzt sagen soll. Der größte Kunde der Flugwerft sei "Weser-Bildmessflug". Vor allem weil Nordholz keine Alternative für ihren größten Kunden sei, gelte das auch für die "DS-Air-Service". Bezüglich seiner anderen Kunden bezweifle Herr Schulz, dass der Zivilbereich des Marineflughafens Nordholz für Private geeignet sei. Das Militär habe dort Vorrang. Er sei sich sicher, dass viele seiner Kunden nach Wilhelmshaven ausweichen würden.

Die Nordsee-Zeitung zitiert Herrn Schulz in ihrem Bericht mit den Worten: "Die Aufgabe des Flughafens wäre das Aus für uns. Wir fühlen uns in unserer Existenz bedroht." Die Angst sitze tief. Die Verunsicherung sei sehr groß, da die Firmen von der politischen Diskussion kalt erwischt worden seien.


Ich meine:

Es ist unverantwortlich, erfolgreiche Firmen und Arbeitsplätze auf dem Flughafen zugunsten bisher rein fiktiver Arbeitsplätze im Bereich Windenergie zu vernichten. Bei dieser Diskussion handelt es sich nicht einfach nur um Zahlen ("21 Arbeitsplätze" - die Zahl der Arbeitsplätze des Flughafens nicht mitgerechnet), sondern um die wirtschaftliche Absicherung der Zukunft von 21 Familien. Davon sind also mindestens 42 Menschen plus einer mir nicht bekannten Anzahl Kinder betroffen.

Die versprochene goldene Zukunft Bremerhavens als führenden Standort für die Windenergiebranche wird es mit der Schließung des Flughafens schon deshalb nicht geben, weil seine Fläche (80 Hektar inklusive angrenzender ungenutzter Bereiche) erstens begrenzt und zweitens viel zu klein für die massenhafte Ansiedlung von Herstellern aus dem Bereich Windenergie ist. Damit, dass der Flughafen offensichtlich von den Politikern als letzter Strohhalm angesehen wird, nach dem sie zur Ansiedlung von vielleicht ein oder zwei Windenergiefirmen noch greifen können, führen sie den Bremerhavener Bürgern auf drastische Weise vor Augen, dass die zur Verfügung stehenden Flächen für mögliche Gewerbegebiete in Bremerhaven zur Neige gehen.

Deshalb bleibt die Nutzung eines geplanten 200 Hektar großen Gewerbegebietes auf der Luneplate aus derzeitiger Sicht die einzige Option für einen erfolgreichen Ausbau Bremerhavens zum führenden Standort für die Windenergiebranche. Sollten die Verhandlungen zwischen Bremen und Niedersachsen über die Luneplate für Bremerhaven nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen, dann war es das mit dem geplanten "führenden Standort für die Windenergiebranche" in Bremerhaven. Daran würde auch eine Schließung des Regionalflughafens Bremerhaven nichts ändern!


(Quellen: Nordsee-Zeitung, Buten & Binnen)


1 Kommentar:

Rüdiger F. hat gesagt…

Mir ist gerade aufgefallen, dass die BIS auf ihrer eigenen (!!!) Website unter der Rubrik "Infrastrukur" noch nicht mal den eigenen Flughafen und/oder den CT oder das CCC nennt. das erfolgt in einer nicht-intuitiven Rubrik "Wirtschaftsstandort" und dann erst in der Unterrubrik "Verkehrsanbindungen".

Des Weiteren ist weder zum Flughafen noch zu anderen Institutionen, über die man sich informieren möchte, keinerlei Angabe/Links von Websiten erhalten - ganz schwache Leistung zur Nutzung der neuen Medien...

Es scheint so, also wenn die Herangehensweise an Projekte und Konzepte durch die BIS genauso unstrukturiert erfolgt, wie die Gestaltung der BIS-Website vermuten lässt...

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