Sonntag, 15. März 2009

Ein hohes Tier, Urlaub am Gardasee und ganz viele Lollys



Das ist der Klaus.

Der Klaus war einmal ein hohes Tier. Wenn man sagt, dass jemand ein hohes Tier ist, dann meint man, dass jemand zum Beispiel ein wichtiger Politiker oder ein mächtiger Chef von einer Firma ist.

Der Klaus war ein mächtiger Chef von der Post. Das ist die Firma, die dafür sorgt, dass die Briefe, die von den Leuten in die Briefkästen gesteckt wurden, bei den Adressen ankommen, die auf die Briefumschläge geschrieben wurden. Als Chef der Post hat der Klaus sehr viel Geld bekommen. Das hat er heimlich nach Liechtenstein auf ein Bankkonto gebracht.

Ihr fragt euch, warum er sein Geld nicht einfach auf sein Sparbuch bei der Sparkasse eingezahlt hat? Na ja, er hatte halt keine Lust, Steuern für sein Geld zu bezahlen. Jeder Mensch in Deutschland muss für alles mögliche dauernd Steuern bezahlen. "Steuern" sind das Geld, das wir alle in eine gemeinsame Kasse einzahlen und von dem unsere Bundesregierung, neue Straßen, Schulen, Kindergärten, Spielplätze und solche Sachen bezahlt. Und weil wir alle dauernd Steuern in unsere gemeinsame Kasse einzahlen, bezahlen wir alle also im Grunde genommen diese ganzen tollen Sachen selbst von unserem gemeinsamen Geld.

Wenn jemand aber keine Steuern bezahlen will, und sich deshalb irgendeinen Trick ausdenkt, mit dem er das Steuerzahlen verhindern kann, dann nennt man das Steuerhinterziehung. Steuerhinterziehung ist verboten. Wenn alle Leute in Deutschland Steuern hinterziehen würden, dann wäre ja nichts drin in unserer gemeinsamen Kasse, und unsere Bundesregierung hätte kein Geld, mit dem sie Straßen, Spielplätze und so weiter bezahlen könnte. Wenn jemand Steuern hinterzieht, und dabei erwischt wird, dann kann er dafür ins Gefängnis kommen.

Irgendwann hat jemand ganz viele Leute verpetzt, die Steuern hinterzogen haben. Ihr wisst ja sicherlich, dass man eigentlich nicht petzen soll, aber jetzt ist es eh zu spät. Der "jemand" hat's eben doch getan. Außerdem hat er nicht einfach so gepetzt, der Fiesling. Der hat nämlich ganz viel Geld für seine Petzerei bekommen.

Jedenfalls ist dabei auch herausgekommen, dass der Klaus Steuern hinterzogen hat. Ungefähr eine Million Euro hatte er auf seinem Bankkonto in Liechtenstein beiseite geschafft. Eigentlich war es wohl sogar noch mehr, aber darüber wird nicht mehr geredet. Das ist nämlich inzwischen verjährt. Verjährt bedeutet, dass jemand, der eine Straftat begangen hat, es außerdem geschafft hat, sich lange genug nicht erwischen zu lassen. Zur Belohnung dafür darf er dann für seine Straftat nicht mehr angeklagt werden.

Weil der Klaus also ungefähr eine Million Euro Steuern hinterzogen hatte, ist er zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verknackt worden, musste die hinterzogenen Steuern doch noch bezahlen, und eine Geldstrafe von ungefähr einer Million Euro haben sie ihm obendrein auch noch aufgebrummt.

Da war der Klaus ziemlich zerknirscht, und hat gesagt, das mit der Steuerhinterziehung, das sei der größte Fehler seines Lebens gewesen. Ob er das wohl auch gesagt hätte, wenn er nicht beim Steuerhinterziehen erwischt worden wäre?

Als verurteilter Steuerhinterzieher wäre es natürlich ein Unding gewesen, wenn er trotzdem weiterhin Chef der Post geblieben wäre. Deshalb ist er dort jetzt auch kein hohes Tier mehr. Aber ins Gefängnis musste der Klaus dann doch nicht. Weil er seine Steuerhinterziehung gleich gebeichtet hat, wurde die Gefängnisstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Wenn eine Gefängnisstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, dann bedeutet das, dass der Verurteilte nur dann ins Gefängnis muss, wenn er während der Zeit, in der er eigentlich im Knast sitzen müsste, wieder eine Straftat begeht.

Da war der Klaus schon nicht mehr ganz so zerknirscht. Statt ins Gefängnis ist er dann in seine Burg am Gardasee umgezogen. Der Gardasee ist ein großer, schöner See in Italien. Und weil es am Gardasee so schön ist, verbringen dort viele Leute in ihrem Urlaub.

Außerdem freute sich der Klaus darüber, dass die Post ihm jetzt auch noch seine Pension ausgezahlt hat. "Pension" ist für manche Leute das gleiche, wie für normale Leute, wie zum Beispiel deine Eltern, die Rente. Deine Eltern müssen aber von ihrem Geld, dass sie jeden Monat für ihre Arbeit bekommen, ziemlich viel in eine Rentenkasse einzahlen. Leute, die eine Pension bekommen, brauchen dafür nichts in eine Rentenkasse einbezahlen. Der Klaus soll so um die 20 Millionen Euro Pension von der Post bekommen haben. Wenn er seine Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro bezahlt hat, dann hat er also immer noch genug Geld übrig. Wenn ihr das einmal nachrechnet, dann werdet ihr herausbekommen, dass dem Klaus am Ende immer noch 19 Millionen Euro bleiben. Dann muss er ja wenigstens nicht verhungern.

Für andere Leute, die keine hohen Tiere sind, die immer brav ihre Steuern zahlen und die jeden Monat einen großen Teil ihres sauer verdienten Geldes in die Rentenversicherung einzahlen müssen, reicht das Geld für einen Urlaub am Gardasee in einer bescheidenen Ferienwohnung oder in einem kleinen Hotelzimmer vielleicht für zwei bis drei Wochen im Jahr. Dann müssen sie wieder Geld für den Urlaub im folgenden Jahr sparen.

Der Klaus kann mit 19 Millionen Euro in der Tasche bis an sein Lebensende seinen Urlaub in seiner Burg am Gardasee verbringen.

Da lacht der Klaus.

  • Wenn ihr aber einmal dabei erwischt werden würdet, wie ihr im Supermarkt einen Lolly klaut, dann würdet ihr wohl mindestens ein Jahr lang nichts mehr zu lachen haben. Eure Eltern würden euch nämlich die dafür fällige Geldstrafe bestimmt vom Taschengeld abziehen. Und weil sie sich in dem Laden dann nicht mehr blicken lassen dürften, würden sie euch möglicherweise auch noch ein Jahr Fernsehverbot aufbrummen oder sich eine noch schrecklichere Strafe ausdenken.

    Da müsstet ihr schon mindestens eine Million Lollys geklaut haben und sofort zerknirscht gestehen, dass das der größte Fehler eures Lebens war. Dann wären eure Eltern froh, dass ihr die Lollys klugerweise nicht schon alle aufgegessen hättet und nicht infolge einer Überdosis an Lollyvergiftung gestorben wärt. Vielleicht wären eure Eltern sogar so froh, dass sie euch das Taschengeld nur kürzen würden. Dann müsstet ihr vielleicht mit 19 Euro im Monat auskommen anstatt - wie vorher - mit 20 Euro Taschengeld im Monat.

    Wenn ihr später einmal groß seid, und euer Geld zum Beispiel an der Kasse eines Supermarktes verdienen solltet, und man euch der Unterschlagung von 1,30 Euro beschuldigt, dann könnte euch das sogar den Job kosten. Dann wäre es vorbei mit Geld verdienen. Dann müsstet ihr mit Hartz-IV auskommen, Urlaub könntet ihr euch nicht mehr leisten, und als Rentner hättet ihr eine Rente, die hinten und vorne nicht ausreichen würde. Wer kein Geld verdient, kann schließlich auch nichts in eine Rentenversicherung einzahlen.

(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 14.03.2008, Süddeutsche Zeitung vom 14.02.2008 und vom 15.02.2009, Hamburger Abendblatt vom 13.03.2009, Spiegel online vom 13.03.2009, Die Welt vom 24.02.2009)

Kommentare:

Leher Butjer/Weserkrabbe hat gesagt…

Einfach wunderbar erzählt! Ja, so ist es im richtigen Leben! Je weniger Steuern man zahlt, desto mehr Geld bleibt in der Tasche und so kann man sich schnell eine Villa am Gardasee zusammensparen. Aber da die soooo teuer ist, geht das nur, wenn man Steuern in Millionenhöhe nicht zahlt:). Das ist wahre Gerechtigkeit:). Aber wir wollen ja gar keine Villa am Gardasee oder? Wir lieben unser Bremerhaven, wo alles so gesittet und anständig zugeht, wir haben die ehrlichsten und besten Politiker, die alles tun, nur um den Bürger zufrieden zu stellen. An sich selber denken sie dabei zuletzt!
lieben Wochenendgruß
Brigitte

Ulrike/Ulinne hat gesagt…

Klasse!
Eigentlich ist alles ganz einfach zu verstehen. Zumindest für Kinder, die noch ein Gespür für Gerechtigkeit haben. Manch ein Erwachsener tut sich damit leider schon bedeutend schwerer ...

juwi hat gesagt…

Brigitte: Es geht doch nichts über einen gesunden Sarkasmus ;o)

Ulrike: Mal sehen, was bzgl. der Spitzelaffaire noch zutage kommt. Möglicherweise gibt's eines Tages ja noch eine Fortsetzung der Geschichte ...

Lucki hat gesagt…

Hola juwi,
die Geschichte gefällt mir wieder einmal. Applauso!
Die Geschichte hat leider nur einen kleinen sachlichen Fehler. Die Pensionen hat der Staat in seiner Fürsorgepflicht vom Gehalt schon runtergerechnet (Beamte müssen das Gelübde der ewigen Armut ablegen!!) und wollte diese Geld auch eigentlich gut anlegen, damit man später auch Pensionen auszahlen kann. Nur gibt der Staat meist die Rücklagen einfach aus, ohne den späteren Pensionär zu fragen, hinterzieht ihm also das Geld auf das er (steuerfrei) Anspruch hätte, und weil dieses Geld wiederum in der Kasse fehlt und man eigetlich auch gar nicht weiß wieviel man aus dieser Kasse geklaut hat, muss der Pensionär seit einiger Zeit von seiner Pension wiederum Steuern zahlen. Aus die Maus!!
Einen charmanten Sonntag nach Bremerhaven
Lucki, der hofft, dass ihr wenigstens gestern und heute frühlingshaftes Wetter wie am Freitag habt und mit Cleo toben könnt.

Ulrike/Ulinne hat gesagt…

Ja, Jürgen, darauf warte auch ich sehr gespannt. Man stelle sich vor, der gute Klaus müsste eines Tages dann doch seine schöne Burg verlassen und ab in den Knast ... ;-)

Schönes Restwochenende
Ulrike

Kommentar veröffentlichen



Eigene Meinungen, konstruktive Kritik, Anregungen etc. sind jederzeit willkommen.

Nettikette
Bitte achtet auf den »guten« Ton.
Beschimpfungen und ähnliches werden im Papierkorb veröffentlicht.


Anonyme Kommentare:
Wenn ihr "Anonym" bei "Kommentar schreiben als" auswählt, dann lasst mich und die anderen Leser bitte wissen, wer ihr seid.

Um faire Diskussionen zu gewährleisten, werde ich Kommentare ohne "Identität" in Form einer E-Mail-Adresse, einem Namen oder zumindest einem Nicknamen nicht veröffentlichen!

Zum Schutz vor Spammern müssen die Kommentare erst von mir freigeschaltet werden. Ich bitte dafür um euer Verständnis.