Freitag, 14. November 2008

Grüne Energie?

Ein großer Energieerzeuger und Stromanbieter in Deutschland beansprucht für sich, der grünste von allen zu sein. Frei nach "My Fair Lady" könnte man fast auf den Gedanken kommen: "Es grünt so grün wo Hmhms Atommeiler glüh'n ..."

Erinnert sei hier diesbezüglich nur an die Ereignisse in Norddeutschland und Schweden aus den Jahren 2007 und 2006. Frau Bierwirth (damals Vorsitzende des Umwelt-Bundestagsausschusses) hielt den großen Energieerzeuger und Stromanbieter "nicht mehr für einen zuverlässigen Betreiber von Atomkraftwerken".

Aber die Atomkraft soll nicht das Thema dieses Artikels sein. In Europa kämpfen die Vertreter dieses Stromanbieters dafür, dass die CO2-Emissionszertifikate weiterhin kostenlos verteilt werden. International fordern sie einen weltweit gültigen Preis für CO2-Emissionszertifikate. Es ist jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass sich alle Staaten der Welt auf einen einheitlichen Preis für die Zertifikate einigen werden, zumal die Ansichten über den Nutzen des weltweiten Emissionshandels und die Gerechtigkeit bezüglich des Ausgleichs zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern meilenweit auseinandergehen. Wenn CO2-Emissionszertifikate Geld kosten würden, dann müsste unter anderem auch dieser große, angeblich so grün gefärbte Stromanbieter nicht unerhebliche Summen an die Entwicklungsländer zahlen, die ihrerseits dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, damit sie ihren Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten können.

Weiter fordern die Vertreter des Stromanbieters die Förderung klimafreundlicher Technologien. Der Stromanbieter favorisiert die CO2-Abscheidetechnik. Das aus dem Abgas herausgefilterte CO2 will er dann unterirdisch endlagern. Da Forschung und Entwicklung dafür aber sehr teuer sind, haben die Vertreter des Stromanbieters zehn Milliarden Euro als staatliche Hilfe eingefordert. Die tolle Idee, CO2 in unterirdischen Endlagern für alle Ewigkeit aus dem Verkehr zu ziehen, hatten andere Energieerzeuger auch schon. Einige von ihnen arbeiten auch schon mit Hochdruck daran, mit Hilfe dieser Technik ihre schwarze Kohle in grüne Energie zu verwandeln. Leider bietet diese Methode jedoch absolut keine Garantie für die Ewigkeit. Es ist aus meiner Sicht sicher, dass das unterirdisch gelagerte CO2 irgendwann seinen Weg zurück an die Erdoberfläche finden wird, von wo es sich dann zeitverzögert doch noch in der Atmosphäre verteilten wird. Die Klimakatastrophe tritt dann eben nur etwas später ein. Die dafür Verantwortlichen sind dann schon tot, und können nicht mehr dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Außerdem fordern die Vertreter des Stromanbieters Klimaschutzstandards für elektrisch betriebene Produkte. Damit zieht der Stromanbieter sich aus der Affäre, indem er seine Verantwortung an die Verbraucher weitergibt. Die sollen die Welt retten, indem sie klimafreundliche elektrische Haushaltsgeräte kaufen. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass selbst das denkbar sparsamste elektrische Haushaltsgerät immer noch Strom verbraucht. Wenn dieser aber weiterhin aus Kohlekraftwerken kommt, dann wird auch weiterhin CO2 emittiert. Der Energieerzeuger hat aber den Vorteil, dass seine unterirdischen Lagerkapazitäten nicht so schnell erschöpft sein werden. Wenn der Stromanbieter nicht mehr so viel Geld einnimmt, weil die sparsamen Haushaltsgeräte weiniger Strom verbrauchen, wird er wahrscheinlich die geringere Menge Strom zu einem höheren Preis verkaufen. Das haben die Energiekonzerne in der Vergangenheit auch schon so gemacht. Somit kann der Stromanbieter seine Kraftwerke länger mit schwarzer Kohle füttern, die Verbraucher machen daraus mit ihren sparsamen Haushaltsgeräten Grüne Energie, und die Kasse des Stromanbieters wird dadurch nicht schmaler. Genial!


Bisher hat der Stromanbieter, der einer seiner Meinung nach grünsten in Deutschland ist, lediglich Forderungen gestellt. Was aber tut er nun dafür, um so ein schönes grünes Image zu bekommen?

Er hat eine Kampagne gestartet - eine Unterschriftenkampagne auf seiner Homepage. Da kann jeder mit seiner Unterschrift die Forderungen des Stromanbieters unterstützen. Damit wird zwar kein Gramm CO2 weniger emittiert, aber der Stromanbieter kann der Welt mit den Unterschriftenlisten zeigen, dass ganz viele hinters Licht geführte Menschen seine aus schwarzer Kohle erzeugte Energie für grün halten.

Böse Zungen behaupten nun, das sei nichts weiter als eine perfide Greenwashing-Aktion. Eine große, weltweit bekannte Umweltschutzorganisation vertritt diese Meinung ebenfalls und zählt einige Argumente auf, die ihre Ansicht untermauern. Im Gegensatz zur Unterschriftenliste auf der Hompage des oben genannten Stromanbieters kann man auf der Homepage dieser Umweltschutzorganisation für die Forderung nach einer wirkungsvolleren Klimaschutzpolitik unterschreiben.

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