Mittwoch, 2. Juli 2008

Unterirdische Kohlendioxid Endlagerung

Bekannterweise ist Kohlendioxid (CO2), das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht (Erdgas, Erdölprodukte) eines der maßgeblich am Klimawandel beteiligten Treibhausgase.

Zu den größten Emitenten zählen unter anderem der Verkehr, Kraftwerke und Hausheizungen. Damit die Industrie wie bisher mit dem Betrieb ihrer mit fossilen Energieträgern befeuerten Kraftwerke fortfahren kann, hat die RWE sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Das CO2 wird, soweit technisch möglich, zu einem großen Teil aus dem Abgas herausgefiltert und in unterirdischen Hohlräumen endgelagert. Von diesem Vorhaben habe ich das erste Mal im März 2007 etwas gehört.
  • Super Idee!
    Dann gelangt der Klimakiller, zumindest aus den Kraftwerken,
    ja nicht mehr in die Atmosphäre, und kann dort keinen Schaden
    mehr anrichten. Für Hausheizungen und den Verkehr lässt sich
    dieses Verfahren leider nicht anwenden ...
    - habe ich im ersten Moment gedacht.
Nachdem ich einige Zeit lang weiter darüber nachgedacht hatte, schrieb ich die folgende E-Mail an die RWE:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe von Ihrem Plan für den Bau eines CO2-freien Kohlekraftwerkes gehört, das Sie durch Speicherung des aus dem Abgas herausgefilterten CO2 realisieren wollen. Auf Ihrer Internetseite schreiben Sie, dass Sie das Gas in ehemaligen Gaslagerstätten oder in tiefen Aquiferen speichern wollen, und eine Erprobung in Deutschland in 700 Metern Tiefe unter Ketzin (Brandenburg) in Poren im Schilfsandstein planen.

Weiterhin schreiben Sie auf Ihrer Seite, das Gesamtspeichervolumen in Deutschland betrage rund 20 Milliarden Tonnen CO2 (±8 Milliarden Tonnen). Das heiße diese Lagerstätten könnten die CO2-Emissionen der deutschen Kraftwerke über einen Zeitraum von rd. 75 Jahren aufnehmen.

Im ersten Moment hielt ich diese Idee für genial. Nach einiger Zeit des Nachdenkens habe ich jedoch jetzt die folgenden Fragen an Sie:

1) Für welchen Zeitraum können Sie für die sichere Lagerung des CO2 garantieren, und wie können Sie das belegen? Bei den geplanten unterirdischen Lagerstätten handelt es sich um geologische Strukturen im oberen Bereich des Erdmantels. Mir ist bekannt, dass geologische Strukturen keine Konstante sind, und dass sie sich in der Vergangenheit über mehr oder weniger lange Zeiträume immer wieder verändert haben. Ich halte schon die unterirdische Endlagerung radioaktiver Abfälle aus unseren Kernkraftwerken aus o.g. Gründen für bedenklich. Radioaktives Material hat aber immerhin Halbwertszeiten, nach denen sich berechnen lässt, wann die Strahlung nahezu unbedenklich sein wird (auch wenn wir dabei über unvorstellbar lange Zeiträume reden!). CO2 hat jedoch keine Halbwertszeit, ist ein Gas, und wird daher unter Umständen irgendwann für eine unserer nachfolgenden Generationen zu einem großen Problem.

2) Was machen Sie mit Ihren Kraftwerken nach 75 Jahren wenn die unterirdischen Lagerkapazitäten erschöpft sind, und lohnt sich der Forschungsaufwand und die Entwicklung einer solchen Technologie für einen so kurzen Zeitraum?

Mit freundlichem Gruß,
Jürgen Winkler


Auf diese E-Mail erhielt ich die folgende Antwort von der RWE:

Sehr geehrter Herr Winkler,

zunächst vielen Dank für Ihr Interesse an der Technologie des CO2-freie Kohlekraftwerks.

Zu Frage 1: Sie greifen hier die Fragen auf, die für die Entwicklung dieser Technologie gestellt werden müssen. Die Antworten wird es jedoch erst in einigen Jahren geben. Wir haben das Projekt u. a. aufgesetzt, um mit den zuständigen Stellen Punkte wie Sicherheit, Genehmigung, Garantien, Standards für die CO2-Speicherung, Überwachung usw. zu erörtern. Das Projekt beinhaltet also nicht nur die Entwicklung einer Technik, sondern auch die Abklärung aller dieser begleitenden und entscheidenden Fragestellungen. Insofern ist dieses Projekt auf einen entsprechend langen Zeitraum angelegt. Das Kraftwerk und die CO2-Speicherung werden ab 2014 in Betrieb gehen, wenn vorher alle Punkte geklärt sind. Bevor dann weitere Anlagen dieser Art gebaut werden, liefert das Projekt auch Betrieberfahrungen.

Frage 2 lässt sich etwas konkreter zu beantworten. Auch wenn Prognosen über einen so langen Zeitraum sehr schwierig sind, so ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass in 75 Jahren der Anteil an regenerativen Energien (und eventuell an neuen anderen CO2-armen oder CO2-freien Energien) sehr hoch sein wird. So lange jedoch Kohle in den nächsten Jahrzehnten einen Großteil der Stromerzeugung ausmachen wird, ist es notwendig, auch für diesen Teil der Stromerzeugung die CO2-Emissioinen deutlich zu senken und hierfür alle Optionen zu nutzen. Insofern ist dies keine Entwickung für einen so kurzen Zeitraum, sondern für den entscheidenden Zeitraum der Klimafrage.

Auch wenn zu Ihrer ersten Frage die konkrete Antwort noch nicht gegeben werden kann, hoffe ich, dass ich der Hintergrund des Projektes und der Technologieentwicklung etwas klarer geworden ist.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Frank Schwendig


Gestern war auf der Titelseite der Nordsee-Zeitung zu lesen, dass das erste CO2 zu Versuchszwecken in die Hohlräume unter der Erde eingeleitet worden ist. In einem zweijährigen Pilotprojekt solle mit der Einlagerung von 60000 Tonnen CO2 experimentell erkundet werden, ob sich die Hohlräume der ehemaligen Erdgaslagerstätte als dicht erweisen.

Die RWE hatte auf meine Frage bzgl. der Langzeitsicherheit und meiner Bedenken wegen der Unbeständigkeit geologischer Strukturen "über mehr oder weniger lange Zeiträume" geantwortet, dass dieses eine der Fragestellungen sei, die mit den Voruntersuchungen zu dem Projekt geklärt werden sollen, und dass man mir deshalb darauf erst in einigen Jahren antworten könne.

Jetzt frage ich mich allerdings ernsthaft, welche Schlussfolgerungen sich aus einem Versuchszeitraum von zwei Jahren bzgl. der Stabilität der geologischen Strukturen für Zeiträume über tausende oder hunderttausende von Jahren ziehen lassen.

Eine Lagerstätte für CO2, deren Sicherheit nicht für die Ewigkeit garantiert werden kann, verdient den Namen "Endlager" nicht!


Die Steinkohle, die heute in Tiefen von einigen hundert Metern unter der Erde abgebaut wird, ist vor 280 bis 345 Millionen Jahren aus Ablagerungen von Pflanzenresten an der Erdoberfläche entstanden. Einzelne Vorgänge in diesem Zeitraum lassen sich jedoch über wesentliche kürzere Zeitabschnitte betrachten.

Die Entstehung der großen Salzlagerstätten im Mittelgebirge Deutschlands spielte sich z.B. in einem Zeitraum von vor 200 bis 10 Millionen Jahren ab. Kurzzeitige geologische Vorgänge, welche die Menschen immer wieder auf drastische Weise erfahren, sind Erdbeben - äußere Anzeichen der genannten Vorgänge innerhalb der Erdkruste.

Erdbeben hat es auch in Deutschland immer wieder gegeben. Zwar waren die Folgen nie so dramatisch wie bei den großen Erdbeben in Kalifornien oder von dem, das sich kürzlich in China ereignete - ignorieren darf man sie aber trotzdem nicht.

Es gehört aus meiner Sicht nach bekanntwerden der Fakten aus dem Klimabericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2007 keine große Phantasie dazu sich vorzustellen, wie es sich auf das Klima auswirkt, wenn irgendwann durch geologische Vorgänge in der Erdkruste unvorangemeldet 20 Milliarden Tonnen unterirdisch eingelagertes CO2 (oder auch nur Bruchteile davon) in die Atmosphäre gelangen.

Und was von der Sicherheit unterirdischer Schadstoff-Endlagerung zu halten ist, wurde uns durch die Vorgänge um das niedersächsische Atommülllager "Asse II" ja gerade erst deutlich vor Augen geführt.

Kommentare:

eismaus hat gesagt…

Hallo JuWi

tja.. irgendwie hab ich das Gefühl das du ein Bild vor Augen hattest als du das gelesen hast - so wie ich eins vor Augen hab ...
ich les deinen Eintrag und kann mich der Vorstellung nicht erwehren das da irgenwann mal eine gigantische Gasblase ihren Weg nach aussen sucht und das auch tut..
und ich kann nicht anders als denken: UND DANN?????

Alles recht und schön was die vom RWE da machen und versuchen, aber das ist wieder mal so ein:
GUGGT DOCH - wir tun was! Ohne vorher genau zu forschen was das alle nachsich ziehn kann...

Na gut .. sie denken wenigstes in eine Richtung die man ganz leise als guten Willen bezeichnen kann

Alles liebe dir

Heni

Jürgen Winkler hat gesagt…

Hallo Heni,

wenn es nicht inzwischen weltweite Übereinstimmung darüber gebe, dass u.a. CO2 aus fossilen Energieträgern eine der Ursachen für die drohende Klimakatastrophe ist, dann würden die RWE sicher nicht diesen Aufwand treiben. Ich denke, denen geht es nur darum, auch noch die letzten Kohle-, Gas- und Ölreseven auszubeuten, um ihre Kraftwerke noch möglichst lange in Betrieb zu halten (und noch viele dazuzubauen). Ich erkenne aber auch an, dass die sich wenigstens Gedanken darüber machen, wie das Problem der CO2-Emissionen möglicherweise in den Griff zu bekommen wäre. Nur bin ich mir auch absolut sicher, dass das ganze irgendwann nach hinten losgehen wird.

Und bei dem genannten Volumen der möglichen "Endlager" für CO2 geht es lediglich um diejenigen unter dem Gebiet der Bundesrepublik. Den Wahnsinn in Deutschland in die Tat umzusetzen wäre schon schlimm genug. Wenn die ihr Verfahren aber auch noch in die ganze Welt expotieren würden, dann ist der Klimakollaps vorprogrammiert.

Ich werde jedenfalls nicht damit aufhören, meine Bedenken zu äußern.

Wie heißt es doch immer?
"Steter Tropfen höhlt den Stein"
"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Gruß,
juwi

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