Donnerstag, 24. Juli 2008

Atomunfall in Saint-Alban (Frankreich)

Wieder ist es zu einem Unfall in einer französischen Atomanlage gekommen. Der Vorfall ereignete sich am letzten Freitag in Saint-Alban. Anschließend wurde bei 15 Personen eine radioaktive Kontamination festgestellt. Erst eine Woche ist es her, als aus einem undichten Kanalisationsrohr in einer Brennstäbefabrik in Romans-sur-Isère (Frankreich) radioaktive Flüssigkeit austrat. Davor waren Anfang Juli in der zweitgrößten Atomanlage Frankreichs in Tricastin bei Avignon aus einem undichten Überlaufbecken etwa 18 Kubikmeter mit Uran belastete Flüssigkeit ausgelaufen und in zwei Flüsse gelangt.

In verschiedenen Online Nachrichten-Ausgaben*) ist davon die Rede, dass die 15 Wartungsfachleute nach französischen Angaben "nur leicht durch radioaktive Strahlen belastet" worden seien, die keine gesundheitlichen Folgen hätten.

Der österreichische Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz hat einmal gesagt:

Es ist einfach nicht wahr, daß es eine untere Grenze der Strahlung gibt die noch erträglich ist. Die Strahlung mit der wir es zu tun haben ist ja eine Korpuskularstrahlung; das heißt es fliegen Teilchen. Einige treffen, einige Leute kriegen Karzinom, aber die Frage "wie stark ist die erträgliche Strahlung?" ist genauso dumm, wie wenn sie fragen "welche Dichte von Infantriebeschuß ist noch erträglich".

Das hängt davon ab wie lang g´schossen wird und wieviel Leute im Weg stehen.

(Konrad Lorenz 1978 in Tulln, Österreich)

Vielleicht hat der eine oder andere der Kontaminierten Glück, dass gerade zufällig keiner der "herumfliegenden" Atomkerne oder Elektronen einen irreparablen Schaden an einer sensiblen Stelle im Zellkern einer Zelle seines Körpers verursacht hat. Vielleicht haben die Personen auch Glück gehabt, dass kein strahlendes Material in ihre Körper gelangt ist, so dass nicht auch noch weiterhin die Gefahr eines Zellschadens durch radioaktive Strahlung besteht.

Wenn aber auch in diesem Fall schon wieder verharmlosend mit vorgegaukelter Gewissheit behauptet wird, die "nur leichte Belastung durch radioaktive Strahlen" hätte keine gesundheitlichen Folgen zur Folge, dann hat das wieder einmal System.

Eine von der Nationalen Akademie der Naturwissenschaften der USA (NAS) einberufene Kommission (BEIR) mit dem Auftrag, die Gefahren radioaktiver Strahlung in kleiner Dosierung mit niedriger Energie zu untersuchen, gelangte bereits im Jahre 2005 zu der Erkenntnis,
es sei unwahrscheinlich,
dass eine Schwelle für die Erzeugung von Krebs existiere
.

Die Kommission nimmt eine lineare Dosis/Wirkungs-Beziehung an, bis hinunter in niedrige Dosisbereiche. Es gäbe außerdem reichlich Daten über durch Radioaktivität verursachte vererbliche Mutationen bei Mäusen und anderen Organismen. Daher gäbe es keinen Grund anzunehmen, dass Menschen von dieser Art Schädigung ausgenommen sein könnten. Es ist nur so, dass die Schädigungen und deren Folgen bei Mäusen aufgrund der gegenüber dem Menschen bedeutend geringeren Lebensspanne und der erheblich schnelleren Generationenfolge bei Versuchsreihen eher beobachtet werden können.

Aber das französische Wartungspersonal soll bei der Kontamination mit französischem radioaktivem Material mit Sicherheit keine gesundheitlichen Schäden erlitten haben? Wenn das die Wahrheit wäre, dann müsste Frankreich schon über eine Rohstoffquelle für Uran mit magischen Eigenschaften verfügen. Wer's glaubt, wird seelig!

*) Beispiele: Berliner Morgenpost, Tagesspiegel

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