Mittwoch, 1. Dezember 2010

Castor Transport am 17.12.2010 über Bremerhaven?


Fotomontage: Campact

Nachdem die bremische Bürgerschaft Anfang November den Senat aufgefordert hatte, die Bremer Häfen für den Transport und den Umschlag von atomenergierelevanten Atomtransporten zu sperren, berichtet die Bremerhavener "Nordsee-Zeitung" heute auf ihrer Titelseite, der Stadt drohe ein Atommülltransport.

Dabei geht es um den Castortransport aus dem Atommüll-"Zwischen"-lager Ahaus nach Majak (Russland). Dazu passt auch die Meldung von "contratom", als möglichen Verschiffungshafen hätten Medien Bremerhaven angeben. Bestätigt werden die Informationen vom "Weser Kurier", der heute berichtet, ein Unternehmen für Spezialtransporte habe für den 17. Dezember einen Castor-Transport über Bremerhaven angemeldet. Herr Schiffer (Eurogate, Geschäftsführer) habe dazu gestern allerdings erklärt, "Eurogate" werde den Umschlag ablehnen.

Nach der Absage von "Eurogate" verblieben nach Einschätzung des "Weser Kurier" nur noch die "BLG" und die "NTB North Sea Terminal Bremerhaven" als Alternativen für die Castor-Transporteure. Die "BLG" lehne die Verladung nach Auskunft einer Sprecherin jedoch ebenfalls ab. Seitens "NTB" habe es gestern geheißen, man möchte dazu keine Aussage machen.

In der Sendung des ARD-Magazins "Monitor" vom 18.11.2010 hieß es aufgrund des katastrophalen Umgangs mit Atommüll gele die Region um Majak als der verseuchteste Ort der Welt. Ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll ist in Russland ebensowenig in Aussicht, wie in Deutschland - und ein "sicheres(!)" schon gar nicht. Monitor berichtete in seiner Sendung über Majak von einem Schriftstück aus dem Bundesumweltministerium, in dem es heiß (Zitat): "Die aus der Wiederaufarbeitung resultierenden radioaktiven Abfälle würden in der russischen Föderation verleiben und würden dort endgelagert werden."

Fragt sich nur: In welchem "Endlager"?


Das ganze Vorhaben ist ein weiterer Skandal in einer immer länger werdenden Kette die in den letzten Jahren so nach und nach ans Licht gekommen ist. In den nächsten Tagen wird Herr Röttgen (CDU, Bundesumweltminister) über die Ausfuhr des Atommülls nach Russland entscheiden. Das demokratische Netzwerk hat deswegen einen Eil-Appell gegen den unverantwortlichen Transport initiiert. Der Appell hat den folgenden Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,
sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen,

ich bin empört über die Pläne, deutschen Atommüll in den russischen Atomkomplex Majak zu exportieren. Auf Grund des katastrophalen Umgangs mit Strahlenmüll gilt Majak als der am stärksten radioaktiv verseuchte Ort der Welt. Menschen sterben an Leukämie und die Kinder in der Umgebung werden mit genetischen Defekten geboren.

Schaffen Sie keinen Präzedenzfall dafür, den eigenen Atommüll billig im Ausland zu entsorgen. Verweigern Sie dem unverantwortlichen Atommüll-Transport die Ausfuhrgenehmigung!

Mit freundlichen Grüßen

  • Jeder, der möchte, kann den Appell auf der
    Internetseite von Campact online unterzeichnen.


Im Vorfeld des Atomtransports findet am Sonntag, 12. Dezember 2010, um 14 Uhr eine große Demonstration am Zwischenlager Ahaus statt. Bereits einen Tag vorher gibt es um 13 Uhr eine weitere Großdemonstration in Greifswald gegen den Transport westdeutschen Atommülls aus der Aufbereitungsanlage Cadarache (Frankreich) in das Atommüll-"Zwischen"-lager in der Lubminer Heide.






(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 01.12.2010, Contratom vom 01.12.2010, Weser Kurier vom 01.12.2010, Lubmin niX da!, .ausgestrahlt "Ahaus" und "Lubnim")

Kommentare:

Der Geestendorfer hat gesagt…

Hallo Jürgen,
die Atomdiskussion überfordert mich. Ich bin für das schnelle Abschalten der deutschen Atommeiler. Da hoffe ich auf Rot-Grün als nächste Bundesregierung. Aber was machen wir mit unserem atomaren Abfall? Nach Gorleben karren und dort "sicher" einbetonieren? Endlagerung am jeweiligen Standort der Atomkraftwerke? Ich habe keine Ahnung.

Gruß Holger

Frau Momo hat gesagt…

Das hab ich heute auch noch mal verbloggt.
Diese Transporte sind unverantwortlich und menschenverachtend, auf eine Art gar zynisch ohne Ende.

Frau Momo hat gesagt…

@der Geestendorfer:
Das Zeug nach Russland karren, kann ja wohl kaum die Lösung sein. Und wenn denn die Bundesländer, die am lautesten für Atomkraft sind und zumindest über MÖGLICHE Standorte für Endlager verfügen, sich dieser Verantwortung auch mal stellen würden, wären wir schon einen Schritt weiter.
Gorleben, Asse, das alles sind politische Lösungen, aber keine, die wirklich taugen.
Aber natürlich mauert Bayern und Baden-Württemberg. St. Florians Prinzip und laut schreien, wenn jetzt die Schweizer ein Endlager direkt an der Grenze zu B.-W. planen.
Es gibt gesteinstechnisch gesehen dort durchaus denkbare Standorte, die allesamt eher taugen als Gorleben.
Aber das ist ja politisch nicht gewollt.
Da hält man auf Teufel komm raus an Gorleben fest, koste es was es wolle und sei es die Verstrahlung einer ganzen Region.
Die Krebsraten in der Nähe der Asse sprechen jetzt schon eine deutliche Sprache.

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