Freitag, 18. Juni 2010

Sparpaket verschärft soziale Schieflage

Wenn "Die Welt" am 16.06.2010 einen ihrer Artikel mit dem Titel: "Fast jeder fünfte Deutsche ist wohlhabend" eröffnet, und man die Zeitungsseite nur mal so überfliegt, dann könnte schon in etwa der flüchtige Eindruck: "Was geht es uns doch gut." entstehen. Im Umkehrschluss heißt die Aussage des Titels jedoch, dass offensichtlich ja wohl mehr als 80 Prozent der Deutschen nicht wohlhabend sind.

Die Tagesschau berichtete am 15.06.2010 über eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Einkommensverteilung in Deutschland. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst. Demnach ist aber nicht nur die Anzahl der armen und reichen Haushalte in absoluten Zahlen gestiegen, sondern seit zehn Jahren werden ärmere Haushalte gleichzeitig auch immer ärmer und weniger als zwei Drittel der Gesellschaft lassen sich heute noch der schrumpfenden Mittelschicht zurechnen, die seit dem Jahre 2000 bis heute von 66,5 auf 61,5 Prozent zurückgegangen ist.

Wenn also mehr als 80 Prozent der Deutschen nicht wohlhabend sind und weniger als 60 Prozent der Mittelschicht angehören, dann heißt das , dass mehr als 20 Prozent der Bundesbürger arm sind. Aus diesen Informationen lässt sich die Verteilung des Vermögens in unserem Land nicht genau bestimmen. Wenn aber vielleicht 21 bis 22 Prozent einer Gesellschaft arm sind - Tendenz laut DIW-Studie steigend - dann nähert sich der Anteil der Armut in Deutschland langsam aber sicher der 25 Prozent Marke. Wenn ein Viertel einer Gesellschaft als arm gilt, der Anteil der Mittelschicht nur noch etwas mehr als die Hälfte beträgt und die 20 Prozent der Reichen dabei immer reicher werden, dann birgt diese Entwicklung eine große Portion gesellschaftlichen Sprengstoffs in sich.

Das hat wohl sogar der Herr Friedrich (CSU, Landesgruppenchef) erkannt. Jedenfalls nannte er die DIW-Studie immerhin besorgnis erregend. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, zu verkünden, dass die Sparvorhaben in allen Punkten umgesetzt werden würden. Da gäbe es nichts zu wackeln.

Dieser Mentalität scheint momentan die geamte Bundesregierung verfallen zu sein. Wer bis zum Jahre 2015 angesichts der sich beschleunigenden sozialen Schieflage in diesem Land 80 Milliarden Euro im wesentlichen auf dem Rücken des als arm geltenden Anteils unserer Gesellschaft einsparen will, während er den wohlhabenden Anteil der Bürger verschont und sich bisher auch durch Proteste von Sozialverbänden, von Gewerkschaften, aus der Opposition und von ersten Demonstrationen der Bürger auf der Straße nicht von diesem verhängnisvollen Kurs abbringen lässt, der handelt in meinen Augen schlicht und einfach unverantwortlich! Wenn die Bundesregierung ungehindert so weitermachen kann, dann fährt sie den sozialen Frieden in Deutschland noch sehenden Auges mit Karacho gegen die Wand.

Dafür, dass ein großer Teil der Bundesbürger ähnliche Vorbehalte gegen den Kurs der Bundesregierung hat, sprechen unter anderem auch Ergebnisse des ARD-Deutschlandtrends vom 15.06.2010. Nur noch 23 Prozent der Befragten befürworten es, dass die schwarz-gelb gestreifte Wespenkoalition bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahre 2013 weiter regiert. Den Wechsel der CDU von der Wespen- zu einer Großen Koalition mit der SPD wünschen sich 24 Prozent. Der größte Teil der Befragten, nämlich 47 Prozent, ist jedoch für Neuwahlen.


(Quellen: Tagesschau vom 12.06.2010 und vom 15.06.2010, Die Welt vom 16.06.2010, ARD-Deutschlandtrend vom 15.06.2010)

Kommentare:

Elfe hat gesagt…

Hallo Juwi

Ja da komme ich auch aus dem Staunen nicht heraus, dass sie das Geld bei denen holen wollen, die eh schon wenig bis nichts haben. Eine sonderbare Strategie, ob sie damit etwas bezwecken wollen?

Ich wünsche Dir ein schönes Wochendende und gute Erholung
Herzliche Grüsse
Elfe

juwi hat gesagt…

@Elfe: Falls die damit bezwecken sollten, den sozialen Sprengsatz, den sie gerade legen, auch noch zur Explosion zu bringen, dann wären die regierenden Wespen in Berlin gemeingefährlich. Sollten sie das "lediglich" sehenden Auges billigend in Kauf nehmen, dann wäre das grob fahrlässig. In beiden Fällen gehörten sie abgewählt! - Und zwar noch vor dem Ende der Legislaturperiode.

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