Sonntag, 11. April 2010

Pakete per E-Mail versenden


Bremerhaven (2008), damals in Lehe: Die Post in der Hafenstraße ...

Als die Absicht der Post bekannt wurde, ihre Bremerhavener Filialen in der Schifferstraße und in der Hafenstraße (Stadtteile Mitte und Lehe) zu schließen, hieß es seitens der Post beruhigend, das sei doch alles gar kein Problem. Den bisherigen Service der Post würden private Vertragspartner übernehmen. Und (noch?) gäbe es ja auch die Hauptfiliale am Hauptbahnhof.

Früher war es einmal selbstverständlich, dass die Post die Grundversorgung im Brief und Postverkehr zu gewährleisten hatte. Seit der von der EU verordneten Liberalisierung der Postdienstleistungen strebt sie in höhere Sphären. Von einer Grundversorgung kann im allgemeinen jedenfalls schon lange keine Rede mehr sein und in den Bremerhavener Stadtteilen schon gar nicht. In Lehe kommt zu den Sorgen um die Ausdünnung öffentlicher Dienstleistungen noch die Sorge um weitere verwaiste Geschäftsräume in der ohnehin von Leerständen gebeutelten Hafenstraße hinzu. Wir sind hier froh über jeden Funken Leben, der in diese bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts pulsierende Geschäftsstraße zurückkehrt. Wenn dafür "postwendend" der nächste Laden leer steht, ist den Menschen im Stadtteil damit überhaupt nicht geholfen.

In die Filiale der Post zog aber tatsächlich eine Firma ein, deren Geschäft ansonsten im wesentlichen Dienstleistungen im Zusammenhang mit Kfz-Zulassungen, Schilderservice sowie Angebote für die persönliche und betriebliche Sicherheit umfasst. Heute nun berichtete das Sonntagsjournal darüber, dass diese Firma ihren Vertrag mit der Post nicht verlängern werde. Damit entpuppt sich die verbale Beruhigungspille der Post als das, wofür sie viele Bürger Bremerhavens von Beginn an gehaltne haben: Als heiße Luft. Für die Zeit nach ab Oktober 2010 suche die Post daher nach einem neuen Partner, berichtet das Sonntagsjournal. Noch sei aber offen, ob der Standort in der Hafenstraße erhalten bleibe.

Als Grund für die Aufgabe der Zusammenarbeit mit der Post habe ein Manager der Firma eine Vielzahl von Einflussgrößen genannt. Mangel an Kundschaft kann wohl kaum eine dieser Einflussgrößen sein. Davon gibt es hier nämlich genug - meine Familie und ich gehören auch dazu. Wir haben bisher immer in einer Menschenschlange warten müssen, bis wir bedient wurden. Auch wenn es offensichtlich die Geschäftsidee der Post zu sein schein, sich selbst überflüssig zu machen, und Städte und Gemeinden in der gesamten Bundesrepublik von dem gleichen Dilemma betroffen sind: Unseren Stadtteil trifft das Hickhack der Post besonders hart, da hier um die Nutzung jedes Geschäftsraumes in der Hafenstraße und in den angrenzenden Wohngebieten gerungen wird.
  • Auch wenn das keine Lösung für die Situation in der Hafenstraße wäre, so finde ich es doch schade, dass es (noch?) nicht möglich ist, Päckchen und Pakete per E-Mail zu versenden. Das Problem "Post" und ihre aussterbenden Filialen hätte sich dann sehr schnell von selbst erledigt.

(Quelle: Sonntagsjournal vom 11.12.2010, Die Zeit vom 13.03.2010)

Samstag, 10. April 2010

Die "Welle"


April 2010: Die "Welle" an einer Kaje im Bremerhavener Fischereihafen ...

Freud und Leid liegen manchmal dicht beieinander - in diesem Falle kann man das durchaus sowohl wörtlich, als auch örtlich verstehen. Gestern hatte ich etwas über den traurigen Rest der "Wappen von Hamburg" erzählt. Einen Steinwurf vom Heck des ehemaligen Flaggschiffs der Seebäderflotte entfernt liegt an einer Kaje der 1915 vom Stapel gelaufene Dampfer "Welle", um den es vor noch nicht allzulanger Zeit noch viel schlimmer bestellt gewesen war ...

Die Häfen in der Stadt Bremen drohten Ende des vorletzten Jahrhunderts aufgrund der immer größer werdenden Schiffe und durch Veränderungen des Fahrwassers irgendwann von der Handelsschifffahrt abgeschnitten zu werden. Um das zu verhindern wurde die Weser seit dem mehrfach begradigt und vertieft. Für diese Aufgabe war das Anfang des letzten Jahrhunderts dafür geschaffene "Amt für die Weserkorrektion" zuständig, das 1914 den Bau der "Welle" als Bereisungsschiff für Fahrten auf der Weser zur Kontrolle des Fahrwassers bei den Bremer Atlas Werken in Auftrag gab.


... einen Steinwurf entfernt vom Heck der "Wappen von Hamburg"

Nachdem die "Welle" im Oktober 1915 in Dienst gestellt worden war, übernahm sie bis zu ihrer Außerdienststellung im Januar 1975 in harten Wintern zusätzlich die Aufgabe eines Hilfseisbrechers auf der Weser. Im Zweiten Weltkrieg war sie zeitweise der Kriegsmarine unterstellt. Sie arbeitete ebenso als Schlepper wie auch als Ausflugsdampfer, als zum Beispiel im März 1950 hoher Besuch an Bord zu Gast war: Die Welle machte eine Hafenrundfahrt für den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Im April 1975 wurde die "Welle" an einen Bremer Gastronomen verkauft, der sie innen völlig entkernte und die Aufbauten des ehemaligen Behördenschiffes durch solche im Stil eines Musikdampfers ersetzen ließ. So habe ich die "Welle" das erste Mal an ihrem Liegeplatz an der Schlachte in Bremen gesehen. Sie war ein kunterbuntes schwimmendes Restaurant. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, dass das Schiff vorher 60 Jahre lang als klassisches Dampfschiff im Dienste Bremer Behörden unterwegs gewesen war.

Nachdem ich meine Frau kennen gelernt hatte, musste sie einmal für einige Wochen nach Bremen, wo ich sie des öfteren nach Feierabend besuchte. Einmal führte uns der Weg während eines abendlichen Spaziergangs an die Schlachte, und wir beschlossen auf der "Welle" einen Kaffee zu trinken. Wir waren die einzigen Gäste und wurden gleich nachdem wir Platz genommen hatten nach unseren Wünschen gefragt. Wir bestellten ein Kännchen Kaffee. Ihr wisst schon was ich meine? - diese kleinen Kaffeekännchen, in die ziemlich genau zwei Tassen Kaffee hineinpassen. Eigentlich gäbe es nur Kaffee in Tassen im Angebot, erhielten wir zur Antwort, aber man wolle sehen, was sich bezüglich unseres Wunsches nach einem Kännchen machen ließe. Nach kurzer Zeit wurde uns das größte "Kännchen" Kaffee serviert, das wir jemals erhalten hatten: Es war eine ausgewachsenen Kaffeekanne, die bis an den Rand mit Kaffee gefüllt war - zum Preis eines normalen Kännchens Kaffee. Nach diesem Erlebnis war die Welle so etwas wie "unser Schiff" ...

So kam es, dass ich ziemlich traurig war, als ich hörte, es habe auf der Welle gebrannt. Der Schaden konnte damals aber behoben werden. Zwei Jahre später brannte es jedoch erneut auf der "Welle" und 1994 versank "unser Schiff" an seinem Liegeplatz an der Schlachte in Bremen.



Buten & Binnen 1994: Die spektakuläre Bergung der "Welle"

Später machte die "Welle" dann noch einmal Schlagzeilen, als sie sich - wie der "Buten & Binnen" Moderator Andreas Hoetzel es damals ausdrückte - drei Tage lang mit Bug und Heck gegen ihre Bergung wehrte. Das Bremer Regional-Fernsehmagazin berichtete damals mehrfach über die spektakuläre Bergung. Ein Zusammenschnitt davon ist in dem Video zu sehen.

Nachdem die Bergung letztlich doch gelungen war, wurde die "Welle" in den Betriebshafen des Wasser-und Schiffahrtsamts geschleppt und geriet wieder in Vergessenheit ...



Bremerhaven, Fischereihafen: Die Welle im November 2008

... bis sie 1989 wiederentdeckt wurde. Es gründete sich ein Verein, der den noch vorhandenen Rest der Welle - im wesentlichen der leere Rumpf mit einer Ballastfüllung aus Beton im Kielraum - für den symbolischen Wert von einer D-Mark kaufte, um sie zu restaurieren und dabei in den ursprünglichen Zustand von 1915 zurückzuversetzen. Dazu ließ der Verein den Rumpf der Welle im Jahre 2000 nach Bremerhaven schleppen und gegenüber der Doppelschleuse im Fischereihafen an Land heben. Da habe ich "unser Schiff" dann wiedergesehen. Bis die "Welle" allerdings so weit wiederhergestellt war, dass sie wieder zurück in ihr eigentliches Element konnte, ging eine erheblich längere Zeit ins Land, als die Mitglieder des Vereins ursprünglich einmal erwartet hatten.

Jetzt scheint es so, als ob meine Frau und ich nach langer Zeit bald einmal wieder an Bord der "Welle" gehen könnten: "Unser Schiff" ist in der Liste der Schiffe aufgeführt, die im August zur Sail 2010 erwartet werden. Daran, dass wir dort noch einmal so ein "Kännchen" Kaffee, wie damals an der Schlachte in Bremen, serviert bekommen, habe ich allerdings ernsthafte Zweifel.


(Quellen: Verein Dampfer Welle, Werften & Stadtgeschichte Bremerhavens, Jan-Maat sien Homepage, Sail Bremerhaven 2010, Weser Kurier vom 21.07.2000, Nordsee-Zeitung vom 30.08.2000)

Freitag, 9. April 2010

Trauriges Ende des Seebäder Flagschiffes


Bremerhaven, Fischereihafen: Trauriger Rest der "Wappen von Hamburg"

Im Bremerhavener Fischereihafen liegt an einer abseits gelegenen Kaje der Torso des einstigen Stolzes der deutschen Seebäderflotte, der "Wappen von Hamburg". Zumindest viele der Helgoland-Touristen, die bis zur Saison 2006 von Hamburg und von Cuxhaven aus die Reise nach Helgoland antraten, werden sich sicher gerne an das Schiff zurückerinnern. Für die Inselfahrer ab Bremerhaven war allerdings viele Jahre lang die "Roland von Bremen" (das größte Schiff im Seebäderdienst, ein umgebauter Stückgut-Frachter) die Königin der Seebäderflotte. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Die im Februar 1965 bei den Howaldtswerken Hamburg vom Stapel gelaufene "Wappen von Hamburg" war fast 41 Jahre lang im Seebäderdienst zur deutschen Hochseeinsel Helgoland eingestetzt worden, als die "Förde Reederei Seetouristik" im Dezember 2006 beschloss, das Schiff außer Dienst zu stellen und statt dessen die kleinere "Atlantis" zu chartern. Seit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren Auslastung und Einnahmen kontinuierlich zurück gegangen, so dass das Verhältnis zu den Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung des Schiffes aus dem Gleichgewicht geriet.

Im Frühjahr 2007 verkaufte die "Förde Reederei Seetouristik" ihr ehemaliges Flaggschiff der Helgoländer Seebäderflotte an die Mercator Shipping Corporation, die das Schiff in "Mercator II" umbenannte und von Cuxhaven in den Bremerhavener Fischereihaven verlegte, um es dort umbauen zu lassen. Ab 2009 sollte die ehemalige "Wappen von Hamburg" als exklusives Kreuzfahrtschiff für ca. 36 Gäste im Mittelmeer und in der Karibik fahren.

Dieser Traum platzte im Winter 2008. Nachdem die Aufbauten nahezu komplett entfernt worden waren, hieß es, das Projekt sei gescheitert, und die Umbauarbeiten würden nicht weiter fortgeführt. Seitdem liegt der Rumpf als trauriger Rest hier bei uns im Fischereihafen. Theoretisch wäre es vielleicht möglich, darauf wieder ein fahrtüchtiges Schiff aufzubauen, aber bis jetzt sieht es eher danach aus, dass der Rest des Schiffes bei einem Abwrackunternehmen enden würde.

Zumindest aber der Fahrstand von Brücke der "Wappen von Hamburg" wird der Nachwelt erhalten bleiben. Er wird hier in Bremerhaven im "Deutschen Schiffahrtsmuseum" ausgestellt.


Ein Foto aus der guten Alten Zeit des Schiffes ist hier zu sehen. Die Seebäderschiffe fahren bei der Ankunft vor Helgoland nicht in den Hafen der Insel, sondern ankern auf der Helgoländer Reede. Die Gäste werden mit den sogenannten Börtebooten von den Seebäderschiffen zur Insel gefahren. Bei der Suche nach Bildmaterial mit der "Wappen von Hamburg" habe ich ein Video gefunden, in dem neben Eindrücken von der Insel auch das "Ausbooten", sowie einige kurze Sequenzen mit der "Wappen von Hamburg" zu sehen sind.

(Quelle: Wikipedia, Nordreport 2006)

Donnerstag, 8. April 2010

NRW: Eigentlich eine Regionalwahl

Eigentlich ...

... sind Landtagswahlen Regionalwahlen. Die Parteien kandidieren mit Programmen zur Lösung regionaler Probleme und Visionen für die vorteilhafte zukünftige Entwicklung er entsprechenden Region. Parteien, die auf Bundesebene eine bestimmte Politik vertreten, können daher unter Umständen auf Landesebene eine Politik mit völlig anderen Schwerpunkten verfolgen. Eigentlich ist es daher fragwürdig, aus Wahlergebnissen von Regionalwahlen Rückschlüsse auf die Politik der Bundesregierung ziehen zu wollen. Eigentlich sollten die Entscheidung der Wähler, welcher Partei sie ihre Stimme geben, daher auch nicht von der Politik der Bundesregierung beeinflusst werden.


Aber ...

... in Nordrhein-Westfahlen gelten diese eigentlich selbstverständlichen Grundsätze am 9. Mai 2010 nur noch bedingt. An diesem Tag wird in diesem Bundesland eine neue Landesregierung gewählt. Derzeit bilden hier, ebenso wie in der Bundesregierung, die CDU und die FDP die Regierungskoalition (101 Sitze). In der Opposition des Landtags sind die SPD und die Grünen vertreten (zusammen 85 Sitze).

Obwohl es sich in Nordrhein-Westfahlen am 9. Mai um eine Landtagswahl handelt, zieht die Bundesregierung alle Register, um die Wahl zugunsten der CDU und der FDP zu beeinflussen - unabhängig davon, ob sie regional die besten Ansätze für die Politik der folgenden Legislaturperiode bietet. Ihr Interesse: Sollten CDU und FDP nicht mehr in der Landesregierung vertreten sein, würde sie die Mehrheit im Bundesrat einbüßen. Bundespolitische Entscheidungen, die der Zustimmung der Bundesländer bedürfen, wären dann nicht mehr so einfach durchzusetzen.


Entscheidung über das Ende der Atomkraftwerke

Damit steht und fällt unter anderem auch der von der Bundesregierung hemmungslos gegen die Mehrheit der Bundesbürger vorangetriebene Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke. Solange es nicht regionalpolitischen Notwendigkeiten oder Interessen widerspricht, sollten sich die Bürger Nordrhein-Westfahlens deshalb auch bewusst sein, dass ihre Stimme am 9. Mai auch eine nicht zu unterschätzende bundespolitische Komponente beinhaltet.

Nebenbei bemerkt berührt die Atompolitik der Bundesregierung durchaus auch die Interessen des Landes Nordrhein-Westfahlens - ebenso wie die Interessen aller anderen Bundesländer. Diese führen nämlich im Auftrag des Bundes die Atomaufsicht. Je länger sie diese Aufgabe wahrzunehmen haben, desto teurer wird es für die Länder, da sie dann länger für die Kosten der dafür notwendigen Gebäude, des mit der Atomaufsicht beschäftigten Personals und so weiter aufkommen müssen. Für die Bürger Nordrhein-Westfahlens würde das bedeuten, dass damit ein Teil ihrer Steuern für unabsehbare Zeit nicht für möglicherweise wichtigere Projekte zur Verfügung stünde. In diesem Zusammenhang ist es nicht uninteressant zu wissen, dass die Herren Oettinger (CDU) und Koch (CDU) auf Seite 16 ihres sogenannten "Strategie- und Schrittfolgepapiers Kernenergie" darauf hinweisen, dass man für Laufzeitverlängerungen womöglich die Zustimmung des Bundesrates brauche, "wenn das Gesetz durch die Änderung eine neue Tragweite und Bedeutung für den Vollzug durch die Länder erfahre." Weiterhin empfehlen sie, zur Klärung dieser Frage ein Rechtsgutachten einzuholen. Das sieht einmal wieder nach Arbeit für das Bundesverfassungsgericht aus, dessen Urteil möglicherweise darüber entscheiden muss, ob längere Laufzeiten der Zustimmung des Bundesrates bedürfen oder nicht.

Verlören CDU und FDP ihre Mehrheit im Bundesrat und sollte das Bundesverfassungsgericht zugunsten des Bundesrates entscheiden, dann stünde der Fortsetzung des Ausstiegs aus der Atomkraft nichts mehr im Wege.


Kettenreaktion

Aber bereits vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfahlen, 2 Tage vor dem Jahrestag des Super-GAUs im Atomkraftwerk von Tschernobyl, haben die Bürger Nordrhein-Westfahlens am 24. April 2010 die Möglichkeit, der Bundesregierung zu zeigen, was sie von deren Atompolitik halten: An diesem Tag werden sich Menschen aus der gesamten Bundesrepublik auf der Strecke zwischen den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel treffen, um mit einer 120 km langen Menschenkette gegen die Atompolitik der Bundesregierung zu demonstrieren.


Aktions- und Menschenkette


(Quelle: Die Zeit vom 30.03.2010, Strategie- und Schrittfolgepapier Kernenergie, KETTENreAKTION, Campact)

Dienstag, 6. April 2010

Maßlos übertrieben

FriedenstaubeAm Samstag, dem 03.04.2010, berichtete die
Nordsee-Zeitung über den Krieg in Afghanistan.
In stundenlangen Kämpfen mit den Taliban
seien acht deutsche Soldaten verwundet und
drei getötet worden.

  • Zitat aus der Nordsee-Zeitung:
    "Noch nie hat die Bundeswehr in einem Gefecht derart schwere Verluste hinnehmen müssen, wie am Karfreitag im Unruhedistrikt Char Darah."
Die USA hatten in vielen Kämpfen der Kriege an denen sie seit dem zweiten Weltkrieg beteiligt waren in der Regel ein vielfaches an toten Soldaten zu beklagen. Das macht den Tod der drei deutschen Soldaten in Afghanistan nicht weniger schlimm, aber wenn Angehörige der US-Armee von "schweren Verlusten" reden, dann wissen sie worüber sie sprechen.

Für mein Empfinden wird hierbei erstens maßlos übertrieben und zweitens mit zweierlei Maß gerechnet:
  • Wenn bei einem Kampf im Krieg 3 deutsche Soldaten ums Leben kommen, dann herrscht bei der Bundesregierung tiefe Betroffenheit und große Trauer.
  • Als aber bei einem von der Bundeswehr in Afghanistan angeordneten Luftangriff auf zwei Tanklaster mehr als 140 Menschen verstümmelt und verbrannt wurden - darunter ein großer Teil der Bevölkerung eines afghanischen Dorfes - leugnete die Bundesregierung, dass sie deutsche Soldaten in den Krieg geschickt hatte, und versuchte über einen sehr langen Zeitraum zu vertuschen, dass dabei überhaupt Zivilisten umgebracht worden waren, bezweifelte öffentlich Hinweise der NATO auf die Zahl von mehr als 140 Toten, und wenn es ein paar Todesopfer gegeben habe, so handele es sich dabei lediglich um afghanische Terroristen!
Ich habe den Eindruck, dass diejenigen Politiker in der Bundesregierung, welche die Verantwortung dafür tragen, dass die Bundesrepublik Deutschland am Krieg in Afghanisten beteiligt ist, sich gedanklich immer noch in der Welt der Sandkastenspiele aufhalten. In der Realität des Krieges in Afghanistan sind sie jedenfalls scheinbar noch nicht wirklich angekommen. Oh ja, sie beklagen die Toten. Möglicherweise meinen sie es in dem Moment, in dem sie davon sprechen, sogar ehrlich. Aber schnell werden sie vom Alltag wieder eingeholt, und ebenso schnell lassen sie die Toten ruhen. Wenn ich dafür verantwortlich wäre, dann würde mich jeder einzelne der Toten in jeder Nacht bis an mein Lebensende im Schlaf heimsuchen. Dessen bin ich mir absolut sicher!

Ein Indiz für die Weltfremdheit der verantwortlichen Politiker ist die Tatsache, dass sie zwar inzwischen widerstrebend von "kriegsähnlichen" Situationen sprechen, in die deutsche Soldaten hin und wieder verwickelt seien, gleichzeitig aber den Grund für die Anwesenheit des deutschen Militärs in Afghanistan nach wie vor als "Ausbildungseinsatz" bezeichnen. Hin und wider ist auch noch einmal von Wiederaufbau, Straßen, Kindergärten oder Schulen die Rede - und dann ist die Fortführung des (Kriegs-)einsatzes wieder berechtigt, da die Taliban sonst endgültig gewonnen hätten! - Hallo?

Herr zu Guttenberg (CSU) nennt sich Bundesverteidigungsminister. Die Bundeswehr wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter Aufsicht der Besatzungsmächte zur Verteidigung des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland gegen den Angriff der Armee eines feindlichen Staates geschaffen - nicht, um irgendwo in Asien im Bürgerkrieg in eines fremden Landes mitzumischen, in dem vorher schon die Armee der östlichen Weltmacht UDSSR aufgerieben wurde, und an dem sich die Armee der westlichen Weltmacht USA bereits die Zähne ausgebissen hatte.

Die Damen und Herren in Berlin betonen ständig, Deutschland müsse bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Damit, dass sie deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt haben und deren Aufenthalt dort immer wieder verlängert haben, sind sie verantwortlich für jeden einzelnen toten Soldaten und für den Tod jedes Menschens in Afghanistan, der durch die Schuld deutscher Soldaten ums Leben kam! Wenn sie bereit wäre, sich ihrer Verantwortung zu stellen, dann würde die Bundesregierung die Soldaten umgehend aus Afghanistan abziehen. Dass in diesem Krieg nichts zu gewinnen ist, das sollte im Laufe der vergangenen Jahrzehnte eigentlich auch dem letzten Berufs-Ignoranten klar geworden sein.


Ach ja - bevor ich es vergesse ...

Das Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung erwähnte einen Tag später noch (sozusagen nebenbei), dass die Bundeswehr während der schweren Kämpfe irrtümlich fünf afghanische Soldaten getötet hat. Die Bundeswehr bedauere den "Zwischenfall" und habe eine Untersuchung angekündigt ...

Außerdem ist der Nordsee-Zeitung vom 03.04.2010 noch zu entnehmen, dass seit 2002 inzwischen 39 Soldaten in Afghanistan ums Leben kamen. Das ist ein Bruchteil der afghanischen Todesopfer, für die die Bundesrepublik Deutschland und ihre in Afghanistan stationierten Soldaten verantwortlich sind.

Wenn also schon im Zusammenhang mit der Bundeswehr in Afghanistan von "schweren Verlusten" die Rede sein kann, dann ja wohl zu allererst bezüglich der Verluste an Menschenleben unter der afghanischen Zivilbevölkerung.

Samstag, 3. April 2010

Lütt Matten

Lütt Matten, de Has',
de mok sik en Spoß,
he weer bi't Studeeren,
dat Danzen to ler'n,
un danz ganz alleen
op de achtersten Been.

Keem Reinke, de Voß
un dach: "Dat en Kost!"
Un seggt to Lütt' Matten:
"So flink oppe Padden?
Un danzt hier allen
oppe achtersten Been?

Kumm, lat uns tosam!
Ik kann as de Dam'.
De Krei, de speelt Fidel;
denn geiht dat kandidel;
denn geiht dat mol schön
op de achtersten Been!"

Lütt Matten gev Pot.
De Voß beet em dot!
Un sett sik in Schatten,
verspies' de lütt Matten.
De Kreih, de kreeg een
vun de achtersten Been.

Klaus Groth (1819-1899)


Good is dat, dat de Voß slöppt inne Nacht för Ostern - sunst giv dat keene Eier int Nest.

Dat givt ok een Melodie dor to. Tohop ist dat een Leed, dat min Moder schon fröh inne Kinnertied mit uns Kinners sungen hebbt, un een vun de leevsten Leeder vun min Onkel Hans, de een Jägersmann wör, un de nu ok schon lang dot is. De hett mit sin Flint Voß un Has dot mokt. Dat Leed is ok to hörn vun Hannes Wader op siene Schallplatte "Plattdeutsche Lieder", de he 1974 in speelt hebbt ...



So geht es einem, wenn man auf die falschen Versprechungen anderer Leute hereinfällt: Der kleine Hase Matthias (de lütten Has Matten) war gerade dabei, das Tanzen zu lernen, als Reineke, der Fuchs, vorbeikam und sich ihm als Tanz-Dame anbot. Der aber hatte dabei nur sein nächstes Frühstück im Sinn. Als die Krähe begann, mit ihrer Geige zum Tanz aufzuspielen, und "Lütt Matten" dem Fuchs die Hand reichte, biss Reineke ihn tot und verspeiste ihn im Schatten eines Baumes. Der Krähe bot er zum Dank für ihre Dienste eines der Hinterbeine von "Lütt Matten" an.

Irgendwie werde ich den dunklen Verdacht nicht los, dass in der Geschichte eine politische Botschaft versteckt sein könnte, die in erschreckender Weise die Realität im heutigen Wespenstaat widerspiegelt.

Es ist nur gut, dass der Fuchs in der Nacht vor Ostern schläft - anderenfalls gäbe es Morgen früh möglicherweise keine Eier im Osternest.

Zu den Versen von Klaus Groth gibt es auch eine Melodie. Meine Mutter sang das Lied mit uns, als wir noch Kinder waren. Es war auch ein Lieblingslied meines Onkels, einem Jäger, vor dem weder Fuchs noch Hase sicher waren. Hannes Wader hat "Lütt Matten" im Jahre 1974 auf seiner Schallplatte "Plattdeutsche Lieder" verewigt. - Das Album ist sehr empfehlenswert für Leute, die noch an "unverfälschter Volksmusik" interessiert sind, die nichts mit dem zu tun hat, was den Leuten heutzutage von den verkappten Schlagerfuzzies im Fernsehen als sogenannte Volksmusik vorgegaukelt wird.

Freitag, 2. April 2010

Meister Lampe


Meister Lampe

Das ist "Meister Lampe". Wir beide, sind sozusagen zusammen groß geworden. ich habe ihn beim Wachsen allerdings um Längen überholt. Für sein Alter sieht er eigentlich noch ganz gut aus. Nur die Ohren sind etwas schlapp, seit sich die Drähte darin gelöst haben, und und ich sie deshalb operativ entfernen musste. Das ist jetzt aber schon mindestens 40 Jahre her, und seit dem ist er nie wieder krank gewesen. Ich habe ihn ja auch immer gehegt und gepflegt.

Anfangs hatte Meister Lampe ständig einen Korb auf dem Rücken. Ich konnte irgendwann nicht mehr mit ansehen, wie er sich damit jeden Tag herumplagen musste, und habe ihn deshalb von seiner Last befreit. Leider habe ich keine Ahnung, wo der Korb abgeblieben ist. Irgendwann war er verschwunden. Aber Meister Lampe wird schon wissen wo er den gelassen hat. Schließlich ist in Übermorgen Ostern, und da braucht er ihn ja wieder für den Eiertransport.

Bis dahin darf Meister Lampe sich aber noch einmal so richtig ausruhen (siehe oben). Die Nacht von Samstag auf Sonntag wird nämlich für ihn, wie in jedem Jahr in der Nacht vor Ostern, wieder einmal richtig anstrengend.

Die Kollegen von Meister Lampe könnt ihr bei Brigitte bewundern. Aber Meister Lampe ist und bleibt mein Lieblingsosterhase.