Mittwoch, 25. Dezember 2013

Schnucki

Als wir noch Kinder waren, spielten meine Schwester und einer unserer Onkel des öfteren ein Spiel. Es war beinahe so etwas wie ein Ritual, ein Spiel, das nur die beiden zusammen spielten.

Mein Onkel forderte meine Schwester auf: „Fass doch mal in meine Jackentasche. Ich glaub', da ist ein Mäuschen drin.“ Manchmal förderte meine Schwester dann eine Tafel Schokolade oder andere Leckereien zutage, die er für sie mitgebracht hatte. Manchmal machte unser Onkel aber auch ein knarzendes Geräusch, indem er Luft durch seinen Rachen presste, so dass meine Schwester sich erschrak. Es klang etwa wie: „Prrrck!“

Sie war natürlich darauf gefasst. Schließlich war es genau diese Variante, durch die das Spiel immer wieder spannend war. Da sie sich nie sicher sein konnte, ob eine Überraschung auf sie wartete, oder ob unserem Onkel mal wieder der Schalk im Nacken saß, war sie entsprechend vorsichtig und auf alles gefasst, bevor sie langsam die Hand in seine Tasche steckte. Eine Maus war aber natürlich nie darin.


Unser Onkel und unsere Tante hatten keine eigenen Kinder. So besuchten sie uns an jedem Heiligabend, um mit unseren Großeltern und uns zusammen Weihnachten zu feiern. Am frühen Abend gab es traditionsgemäß Kartoffelsalat mit Würstchen.

In jedem Jahr kam am Heiligen Abend, während wir zu Abend aßen, still und leise der Weihnachtsmann vorbei und legte für uns die Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Meine Schwester und ich hatten keine Ahnung, wie er überhaupt in die Wohnung kam. Einen Kamin, wie er in amerikanischen Weihnachtsgeschichten immer wieder vorkommt, gab es in unserer Mietwohnung natürlich nicht und die Wohnungstür war auch immer verschlossen.

Nach dem Essen verkündete meine Mutter dann immer, sie habe gerade noch den Stiefel des Weihnachtsmanns gesehen, bevor dieser beim Hinausgehen die Wohnungstür hinter sich zuzog. Daraufhin ging es dann zur Bescherung ins Wohnzimmer. Endlich! Für uns Kinder war das natürlich immer der Höhepunkt des Tages, den wir bereits an den vorangegangenen Tagen voller Spannung herbeigesehnt hatten. Wenn wir anschließend alle gemütlich beisammen saßen, trieb es meinen Onkel regelmäßig irgendwann nach draußen: „Ich geh' dann mal eben Zigaretten holen.“

Und, wie es der Zufall so wollte: Immer genau dann, wenn mein Onkel gerade unterwegs zum Zigarettenautomaten war, klingelte es an der Tür und der Weihnachtsmann kam ein zweites Mal zu uns, um noch das eine oder andere Geschenk nachzuliefern, das er zuvor vergessen hatte, unter den Weihnachtsbaum zu legen. Vielleicht lag es aber auch gar nicht an der Vergesslichkeit des Weihnachtsmanns, sondern daran, dass meine Mutter ihn immer bei seiner Arbeit gestört hatte, so dass er regelmäßig die Flucht ergriff, woraufhin sie - wie zuvor schon erwähnt - immer nur gerade noch einen seiner Stiefel zu sehen bekommen hatte ...

Unser Onkel hatte es anfangs immer sehr bedauert, dass der Weihnachtsmann schon wieder gegangen war, bevor er mit seinen Zigaretten zurück kam. Irgendwann musste er sich aber wohl daran gewöhnt haben, dass er regelmäßig den Weihnachtsmann verpasste und schien sein Missgeschick fortan schicksalsergeben hinzunehmen. Alternativ hätte er ja auch aufs Rauchen verzichten können. (Möglicherweise hätten wir dann allerdings auch auf den Weihnachtsmann verzichten müssen.)


Einmal kam unser Onkel sogar auffallend gut gelaunt von seinem Ausflug zum Zigarettenautomaten zurück. Vermutlich hatte sich auf dem Rückweg wieder einmal unbemerkt der Schalk in seinem Nacken eingenistet. Jedenfalls sagte er zu meiner Schwester: „Fass doch mal in meine Jackentasche. Ich glaub', da ist ein Mäuschen drin.“

Vorsichtig, wie immer, wanderte die Hand meiner Schwester langsam in die Jackentasche unseres Onkels. Aber das befürchtete „prrrck!“ blieb aus. Trotzdem zog sie ihre Hand aber schnell wieder zurück: Irgendetwas war anders als sonst. In der Tasche hatte sich etwas bewegt: Ein Mäuschen?

Noch einmal wollte meine Schwester dann aber vorsichtshalber doch nicht in die Jackentasche greifen. Das war auch gar nicht mehr nötig, denn kurz darauf kam ein kleiner Kopf mit hell braunem Fell und schwarzen Knopfaugen im Gesicht zum Vorschein und blickte über den Rand der Jackentasche neugierig in die Runde.

So kam Schnucki zu uns, ein Goldhamster, den wir spontan begeistert in unsere Familie aufnahmen. Sein Pech war nur, dass sein Adoptiv-Clan einer tagaktiven Spezies angehörte, während Goldhamster ja bekanntlich nachtaktive Tiere sind. So kam es häufig vor, dass Schnucki tagsüber um seinen Schlaf gebracht wurde, nur weil wir Kinder ihm mal wieder etwas gutes tun wollten. Meine Schwester setzte ihn beispielsweise in ihre Puppenbadewanne - Wasser war natürlich nur so „als ob“ darin - oder ich weckte ihn, damit er das jeweils neueste Modell eines gerade fertiggestellten, ergonomisch hamstergerecht konstruierten Lego-Mobils ausprobieren konnte …

Ansonsten wohnte Schnucki nicht in einem der heute üblichen Drahtkäfige, sondern in einer Art Terrarium, das an drei Seiten mit Glaswänden ausgestattet war. Die vierte Wand bestand aus einem feinmaschigen Metalldrahtgeflecht, das in etwa einem der Fliegennetze ähnelte, die man am Fensterrahmen befestigt, um die kleinen, ungebetenen Plagegeister aus der Wohnung fernzuhalten.

Das Dach der Hamster-Behausung war mit den Rändern der Längsseiten in Metallschienen gelagert, die oberhalb der Glaswände angebracht waren, so dass man es zum Öffnen beiseite schieben konnte. Zusätzlich zur Bodeneinstreu, unter der er nach Hamsterart auch seine Nahrungsvorräte vergrub, war Schnuckis Unterkunft immer mit einer ausreichenden Menge Holzwolle ausgestattet. Daraus baute er sich ein Nest, in das er sich tagsüber zum Schlafen zurückzog.


Einmal wurde ich nachts von Geräuschen geweckt, die sich anhörten, als würde jemand  mein hölzernes Bettgestell mit einem kleinen Hammer traktieren. Ich stand auf, schaltete das Licht an und schaute unter mein Bett: Hinten an der Wand saß Schnucki und bearbeitete voller Eifer mein Bett mit seinen Nagezähnen.

Als er sich ertappt fühlte, machte Schnucki sich aus den Staub und verschwand zielstrebig hinter dem Kleiderschrank. Er hatte schnell herausgefunden, dass der Schrank sich ebenfalls als willkommenes Opfer für seine Nagezähne missbrauchen ließ. Bald war auch der Rest seines Adoptiv-Clans auf den Beinen. Mit vereinten Kräften gelang es uns erst nach längerer Zeit, unser kleines, pelziges Familienmitglied hinter dem Schrank hervorzulocken und zurück in sein Terrarium zu setzen, das es zuvor eigenmächtig verlassen hatte.

Schnucki hatte gelernt, mithilfe seiner Krallen am Drahtgitter seiner Unterkunft hinaufzuklettern. Irgendwann in jener Nacht, nachdem er wieder einmal am Gitter hinauf geklettert war, hatte er es geschafft, das Dach soweit beiseite zu schieben, dass er seinen Glaspalast durch den dabei zwischen dem Dach und der Drahtgitterwand entstandenen Spalt verlassen konnte. Das war die Nacht, in der Schnucki sich erfolgreich für ungezählte Schlafstörungen durch seine tagaktiven Clan-Mitglieder revanchiert hatte ...

Schnucki wurde etwa zwei Jahre alt. In der Literatur heißt es, diese possierlichen Tierchen hätten üblicherweise eine Lebenserwartung zwischen etwa 18 und 30 Monaten. Rückblickend bin ich froh, dass Schnucki trotz der häufigen Unterbrechung seiner Ruhepausen ein für Goldhamster normales Alter erreicht hat.

Nachdem er gestorben war, haben wir Schnucki in eine hölzerne Zigarrenschachtel gebettet und im Garten unseres Onkels beerdigt.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Hoffnung für die Welt

Krippe auf dem Weihnachtsmarkt an Kölner Dom (2008)

Die Menschen sind unvernünftig,
irrational und egoistisch.

Liebe diese Menschen trotzdem.
Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen,
dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben.

Tue trotzdem Gutes.
Wenn du erfolgreich bist,
gewinnst du falsche Freunde und wahre Feinde.

Sei trotzdem erfolgreich.
Das Gute, das du heute getan hast,
wird morgen schon vergessen sein.

Tue trotzdem Gutes.
Ehrlichkeit und Offenheit
machen dich verwundbar.

Sei trotzdem ehrlich und offen.
Die Menschen bemitleiden Verlierer,
doch sie folgen nur den Gewinnern.

Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern.
Woran du Jahre gebaut hast,
das mag über Nacht zerstört werden.

Baue trotzdem weiter.
Die Menschen brauchen wirklich Hilfe,
doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst.

Hilf diesen Menschen trotzdem.
Gib der Welt das Beste, was du hast,
und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten.

Gib der Welt trotzdem das Beste.
Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit
zwischen dir und Gott.
 

Sowieso war es nie eine Angelegenheit
zwischen dir und anderen.

Mutter Teresa
(Anjezë Gonxha Bojaxhiu, 26.08.1910 - 05.09.1997)


Viele Menschen - einige bekannte aber auch ungezählte unbekannte - haben sich ihr Leben lang für hilfs- und schutzbedürftige Mitmenschen, den Erhalt ihrer Umwelt und andere grundlegende Werte eingesetzt. Einige von Ihnen sind an ihren Aufgaben gescheitert, viele waren damit aber auch erfolgreich.

Ohne dieses "Trotzdem" hätten wohl die meisten dieser Menschen, von denen viele - ebenso, wie auch Mutter Teresa - sicherlich immer wieder auch von Selbstzweifeln geplagt wurden, resigniert. Ohne dieses "Trotzdem" gäbe es keine Hoffnung für die Welt, in der wir leben.


In diesen Tagen feiern die Christen die Geburt eines Kindes, das der Überlieferung zufolge vor mehr als zweitausend Jahren in einem Stall zur Welt kam. Mit der Geburt Jesu keimte die Hoffnung auf eine gerechtere, lebenswertere Welt ... - Die ist auch zwei Jahrtausende später alles andere als perfekt. Aber solange es noch Menschen gibt, die sich trotz aller Widerstände uneigennützig für eine bessere Welt einsetzen, wird auch die Hoffnung nicht verloren sein ...


Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, ruhige und besinnliche Festtage ...

Montag, 23. Dezember 2013

AKW-Gundremmingen: Antrag zurückgezogen

Atomkraft? Nein Danke!Der Antrag auf Leistungserhöhung für die
Reaktorblöcke "B" und "C" des Atomkraftwerks
"Gundremmingen" ist vom Tisch. Aufgrund des
Drucks der Öffentlichkeit zogen die Betreiber
RWE und Eon den seit 1999 vorliegenden Antrag
Mitte Dezember zurück.


Auf den ersten Blick ist das ein schönes "Weihnachtsgeschenk" für die im Gefahrenbereich des Atomkraftwerks lebenden Menschen. Allerdings kommt das "Geschenk" wohl nicht wirklich von Herzen. In einer Pressemitteilung vom 19.12.2013 zitiert die SPD dazu Frau Kohnen (SPD, Bayern, energiepolitische Sprecherin) mit den Worten (Zitat):
"Das ist ein Erfolg der Bürger und Bürgerinnen Bayerns und ein Sieg der Vernunft über den Profit. .. Die CSU beugt sich jetzt zwar dem Bürgerwillen, die Staatsregierung hat aber im dritten Jahr der Energiewende immer noch keinen Plan für eine erfolgreiche Energiewende im Freistaat und setzt damit die wirtschaftliche Zukunft Bayerns aufs Spiel." 

Weil es sich also um ein unfreiwilliges Geschenk handelt, hält sich die Freude darüber in Grenzen. In Deutschland und Österreich hatten sich zigtausende Menschen der Forderung angeschlossen, die Genehmigung für die Erhöhung der Leistung der beiden letzten Siedewasserreaktoren in Deutschland zu verweigern:
  • Ab Frühjahr 2013 ...
    Atomkraftgegner sammeln 34.000 Unterschriften.
  • 12. November 2013:
    Herr Renneberg (Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften) untermauert die Forderungen der Atomkraftgegner mit der Studie "Risiken des Betriebs des Kernkraftwerks Gundremmingen unter besonderer Berücksichtigung der beantragten Leistungserhöhung". Darin belegt er, dass der Antrag auf Genehmigung der Leistungserhöhung nach vorliegender Aktenlage nicht genehmigungsfähig ist.
  • Ab Anfang Dezember ...
    Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 sammelt bei einer Online-Aktion weitere 19.000 Unterschriften.
  • 10. Dezember 2013:
    Die Anti-Atom- und Umweltschutz Organisationen "umweltFAIRaendern" und "BUND" überreichen im bayerischen Landtag ihre Petitionen.
  • 11. Dezember 2013:
    Die bayerische Landesregierung distanziert sich offiziell von den RWE-/Eon-Plänen, die Leistung der beiden Atomreaktoren des Atomkraftwerks "Gundremmingen" zu erhöhen. Eine Leistungserhöhung für mehr Atomstrom passe nicht in die Zeit.
  • 13. Dezember 2013:
    Bürgerinitiativen fordern von den Betreibern, ihre Pläne aufzugeben und den Antrag auf Leistungserhöhung endlich zurückzuziehen.
  • 17. Dezember 2013:
    RWE und Eon kommen der Forderung nach.

Die Freude über das "Weihnachtsgeschenk" der Atomlobby hält sich vor allem auch aufgrund des Wissens um die weiterhin bestehenden Gefahren, die sich aus dem laufenden Betrieb der beiden Siedewasserreaktoren ergeben, in Grenzen. In einer Pressemitteilung der Grünen vom 19.12.2013 äußert sich Herr Stümpfig (Die Grünen, Bayerischer Landtag, energiepolitische Sprecher) dazu mit den Worten (Zitat):
".. Allerdings wurde der Antrag unter fadenscheinigen Begründungen zurückgezogen, angeblich aus ‚Respekt vor der Haltung der Staatsregierung‘. Damit sind die Betreiber womöglich einer Aufdeckung weiterer Mängel zuvorgekommen. Diese Sicherheitsmängel sind aber offenbar so dramatisch, dass es höchste Zeit wird, dass die Bayerische Atomaufsicht einschreitet und eine rasche Behebung veranlasst."

Die Vermutung Herrn Stümpfigs wird durch Aussagen Herrn Rennebergs verfestigt, der die Prüfmaßstäbe des zuständigen TÜV Süd und des bayerischen Umweltministeriums scharf kritisiert hatte. Demzufolge wurden die Auswirkungen der geplanten Leistungserhöhung auf betroffene Anlagenteile nicht nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik bewertet: Die erforderlichen Überprüfungen habe es in Gundremmingen nicht gegeben.

Bei dem selbsterstrittenen "Weihnachtsgeschenk" handelt es sich also erst einmal nur um einen "Etappensieg": Die zusätzliche Gefahr, die von einer Leistungserhöhung ausgegangen wäre, ist zwar abgewendet, aber die beiden letzten der ehemals zehn Seidewasserreaktoren auf deutschem Boden, die denen der in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima-I" (dai-ichi) havarierten Atomreaktoren entsprechen, sind weiterhin in Betrieb.

Heute wären diese Atomreaktoren hierzulande nicht mehr genehmigungsfähig. Grundsätzlich stellt Herr Renneberg in seiner Studie die Stabilität des Reaktordruckbehälters und der Einführungen für die Steuerstäbe infrage. Darüberhinaus fehlen die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven an Not- und Nachkühlsystemen.

Nach dem Willen der wespenfarbenen Bundesregierung (2009 bis 2013) werden wir Bürger der vom Atomkraftwerk "Gundremmingen" ausgehenden Gefahr eines jederzeit möglichen Super-GAUs insgesamt noch acht weitere Jahre ausgesetzt sein. Sollte es beispielsweise 2018 im Block "C" zu einer solchen Atom-Katastrophe kommen, dann würde es keine Rolle mehr spielen, wenn der Block "B" - wie im "Atomausstieg" vorgesehen - im Jahre 2017 abgeschaltet worden wäre.

Die Mehrheit der Bürger Deutschlands fordert die deutliche Beschleunigung des Atomausstiegs. Der jetzt erstrittene Etappensieg belegt, dass es sich lohnt, weiterhin darum zu kämpfen. - Und er zeigt deutlich, dass die Zeit der Atomkonzerne in Deutschland abläuft, sobald der Filz zwischen der Atomlobby und ihren politischen Handlangern - in diesem Fall denen in der Regierung des Landes Bayern - zerreißt.

Es wird höchste Zeit, dass die politisch Verantwortlichen endlich ihrem geleisteten Eid nachkommen und den latent drohenden "Schaden vom deutschen Volk abzuwenden" ... - und zwar, bevor es zu spät ist! Der Schritt der bayerischen Landesregierung war diesbezüglich immerhin schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, dem aber weitere folgen müssen.


(Quellen: Bundespresseportal, Bayern, SPD, vom 19.12.2013, Bundespresseportal, Bayern, Die Grünen, vom 19.12.2013, umweltFAIRaendern vom 19.12.2013, Greenpeace vom 18.12.2012, contrAtom vom 18.12.2012, Handelsblatt vom 17.12.2013, Augsburger Allgemeine vom 14.11. und vom  13.11.2013, W. Renneberg - Studie vom 12.11.2013, TNS-Emnid - Umfrage vom Januar 2013, Global 2000)

Sonntag, 22. Dezember 2013

Solch einen kleinen Baum hatte ich noch nie

Gestern bin ich mit meiner Mutter zu ihrem inzwischen bevorzugten Weihnachtsbaumhändler in Leherheide gefahren. Im Laufe der letzten vier Jahre ist es mir mit beharrlicher Überzeugungsarbeit und unendlicher Geduld gelungen, die Weihnachtsbäume von Jahr zu Jahr immer wieder um ein weiteres, klitzekleines Stück schrumpfen zu lassen. Inzwischen sind wir bei etwa einem Meter und fünfzig Zentimetern angelangt ...

Rückblende:
In der Weihnachtsbausaison 2007 hatte sich meine Mutter nach langer Suche auf dem Verkaufsplatz ihres damals bevorzugten Weihnachtsbaumhändlers ihres Vertrauens durch das gesamte, insgesamt aber etwas dürftige Angebot gekämpft, sich dann aber letztlich doch für den ersten - ihren Traum Baum  - entschieden.

Leider war das gute Stück damals etwas zu groß ausgefallen. Der Baumständer war machtlos gegenüber der Zweigesfülle des stämmigen Traumbaums, der deshalb ständig zu kippen drohte. Ich konnte die Situation damals mit einer - meiner Meinung nach - genialen Erfindung retten: In der digitalen Welt hätte man meine Innovation wohl als Traumbaumständer-"AddOn" bezeichnet. Mit Hilfe dieses AddOn's ließ sich die Standfläche des - angesichts des massigen Traumbaums - gar nicht mehr standhaften Ständers so weit vergößern, dass das Gewicht der ausladenden Äste des Gut-2-Meter-Baums keinen Einfluss mehr hatte.


Nach gewonnenem Kampf mit dem Traumbaum war meine Mutter mit ihren Kräften völlig am Ende (und meine Nerven hatten auch etwas gelitten), so dass sie zu der Einsicht kam: "Das machen wir nächstes Jahr nicht noch einmal". Sollte heißen: Der Traumbaum ist der letzte Baum, mit dem ich mich zu Weihnachten abgequält habe.

Als der vormals traumhafte Baum gleich nach Sylvester nackt, ohne Spitze und ohne Kugeln, sowie all seines sonstigen Glitzerkrams beraubt, im Wohnzimmer auf seine Verabschiedung wartete, war meine Mutter schon wieder bedeutend besser drauf als nach der denkwürdigen Aufstellaktion. Ihr zurückgewonnenes Selbstvertrauen hatte sie damals dazu veranlasst, ihre Aussage vom Dezember etwas zu relativieren: "Beim nächsten Mal nehme ich wieder einen kleineren Baum".
Gute, wenn auch "etwas relativierte" Vorsätze, die erst nach der Sylvesternacht gefasst werden, halten offenbar leider längst nicht so lange vor, wie diejenigen, auf die sich die Leute leichtsinnigerweise während der dahinrasenden Sekunden zwischen den Jahren einlassen (ab Morgen ist Schluss mit Rauchen! Prosit Neujahr!), um sie gleich am darauffolgenden Morgen unter dem Einfluss des alljährlichen Neujahrskaters wieder zu vergessen ...

Rückblende:
Den "kleineren Baum" der Weihnachtsbaumsaison 2008 würde man in der digitalen Welt wohl am zutreffensten mit "Traumbaum 2.0" bezeichnen: Die Nordmanntanne - selbstverständlich erste Wahl - stand dem Traumbaum der vorangegangenen Saison nämlich in nichts nach. Im Gegenteil: Der Baumständer hatte selbst mit installiertem AddOn keine Chance gegen das massige Stück und protestierte so lange mit knirschenden Geräuschen, bis wir vor den Gesetzen der Physik kapitulierten.

Das Problem ließ sich nur noch mit der Investition in einen dieser neumodischen XXL-Tretpedalklemmständer aus dem Weg schaffen. Am Ende musste dann auch der Traumbaum 2.0 angesichts unserer Hartnäckigkeit klein beigeben.

Von der ohnehin sinnlosen Idee meiner Mutter mit dem "guten Vorsatz fürs nächste Jahr" war inzwischen keine Rede mehr. Angesichts dessen, dass sie
sich zwischen Weihnachten und Sylvester - passend zu den Ausmaßen der beiden Traumbäume - eine neue Lichterkette mit 30 Lampen geleistet hatte, hätte ihr das ohnehin niemand mehr abgenommen. Aufgrund des neuen Baumständers blickte ich allerdings doch schon etwas gelassener in die inzwischen vergangene Zukunft, als noch im Jahr zuvor.
Wie eingangs bereits erwähnt, war es mir im Laufe der Jahre - dank meiner geduldigen Überredungskünste - gelungen, die Weihnachtsbaumträume meiner Mutter bis zur Weihnachtsbaumsaison 2012 auf etwa einen Meter und fünfzig Zentimeter zurückzustutzen. Ihr Kommentar: "Solch einen kleinen Weihnachtsbaum hatte ich ja noch nie." Allerdings hatten meine Bemühungen die traditionell ohnehin langwierige Prozedur ihrer Entscheidungsfindung von Jahr zu Jahr weiter verkompliziert. Aber wie auch immer: Im letzten Jahr konnte meine Mutter dem kleinsten Weihnachtsbäumchen aller Zeiten immerhin auch eine gute Seite abgewinnen. Heiligabend meinte sie zu uns: ".. Dafür habe ich aber auch keine Leiter mehr gebraucht, um den Baum zu schmücken."

Gestern griff der neuerdings bevorzugte Weihnachtsbaumhändler meiner Mutter, ohne lange zu überlegen, mitten in den an die Drahtumzäunug seines Verkaufsplatzes gelehnten Nordmanntannenwald und zog einen etwa zwei bis drei Meter hohen Baum hervor. Glücklicherweise reagierte meine Mutter spontan richtig: "Nee, der ist ja viel zu groß. Und außerdem ist der Abstand zwischen den Zweigen viel zu groß."

So ist nun mal der Lauf der Natur. Die Weihnachtsbäume können wachsen wie sie wollen: Irgendjemand hat immer etwas daran auszusetzen.

Der nächste aus dem abgeholzten Wald hervorgezauberte Weihnachtsbaum brachte es auf etwa einen Meter und fünfzig Zentimeter. Die Begutachtung meiner Mutter ließ mich hoffen: "Der ist schon besser. Die Länge ist in Ordnung und schön dicht ist er auch." Als sie nach dem Preis für einen Weihnachtsbaum in dieser Größe fragte, bekam sie zur Antwort: "45 Euro." "Nee!", sagte meine Mutter: "Das ist ja viel zu teuer."

Der Besitzer des seiner Wurzeln beraubten Nordmanntannenwalds gab sich deshalb jedoch noch längst nicht geschlagen: "Die Bäume sind aber alle frisch geschlagen und alles erste Wahl." Dafür müsse er schon 45 Euro nehmen. Damit stieß er bei meiner Mutter jedoch auf taube Ohren: "Nee: 45 Euro ist zu teuer. Das kann ich mir nicht leisten." Vermutlich wollte der erfahrene Weihnachtsbaumhändler nicht riskieren, seine Bäume wieder mit zurück nach Hause schleppen zu müssen: "Wieviel würden Sie denn ausgeben wollen?" Leider ohne lange darüber nachzudenken, sagte meine Mutter: "40 Euro ist die äußerste Grenze." Mehr würde sie auf gar keinen Fall investieren.

Daraufhin überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. In dem Moment, als der Meister des Weihnachtsbaumhandels sagte: "Ok, dann bekommen Sie ihn für 40 Euro.", war der Baum auch schon durch die Blechröhre in das Transportnetz gerauscht. Meine Mutter war von der rasenden Entwicklung des Geschäfts völlig überrumpelt, so dass sie es - ohne lange darüber nachzudenken - mit zwei zwanzig Euro Scheinen, die sie aus ihrem Portemonaie zog, abschloss. Meine hastig eingeworfene Frage, ob sie genau diesen Baum denn auch tatsächlich haben wolle, nahm sie zwar zur Kenntnis, meinte aber nur, dass wir nun mit dem Baum zurück zu ihr nach Hause fahren könnten.

Na denn ... - Auf dem Weg zurück zu ihrer Wohnung meinte meine Mutter plötzlich, nachdem sie einige Zeit lang geschwiegen hatte: "Eigentlich habe ich mir den Baum ja gar nicht richtig angesehen. Hoffentlich ist der jetzt auch in Ordnung." - Ich hatte es ja kommen sehen ...

Als der Baum sich seiner neuen Besitzerin dann frisch aufgestellt in ihrem Wohnzimmer präsentierte, kam diese zu dem Schluss: "Das ist aber ein schöner Baum. - Auch wenn er noch kleiner ist, als der vom letzten Jahr ... - Solch einen kleinen Baum habe ich ja noch nie gehabt."

Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Baum kein Stück kleiner als der vorjährige ist. Der diesjährige Baum passte nämlich gerade mal so ins Auto ... - und: Größere Bäume konnte ich damit schon im letzten Jahr nicht transportieren ...


Da ich gerade einmal in Übung bin, werde ich nachher noch schnell unseren Baum aufstellen: Auch das ist natürlich eine Nordmanntanne - und selbstverständlich erste Wahl! Meine Tochter Jana meint, den Spruch lernen die Weihnachtsbaumhändler in der Weihnachtsbaumhändlerschule, bevor sie mit ihrer kurzlebigen Ware auf die weihnachtsstimmungssüchtige Kundschaft losgelassen werden.

Der vorweihnachtliche Trubel ist vorbei. Die letzte Arbeit ist für dieses Jahr erledigt. Heute Nachmittag werden wir zusammen mit unseren Kindern, die beide über die Weihnchtstage bleiben werden, in aller Ruhe Advent feiern und uns auf die Weihnachtstage einstimmen.

Ich wünsche auch euch einen geruhsamen vierten Advent.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Soja, Glyphosat und missgebildete Kinder

Die Gewinne des US-Amerikanischen Konzerns "Monsanto", des weltgrößten Herstellers genetisch veränderten Saatguts, steigen vor allem aufgrund der Expansion seiner Geschäfte in Lateinamerika. Darüber berichtete der Deutschlandfunk am 28.03.2013 in einem Online-Beitrag.

In Argentinien und den benachbarten Ländern rege sich jedoch zunehmend Protest gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Sojapflanzen Monsantos. Siebzig Prozent der Menschen in Argentinien würden die Gen-Technik in der Landwirtschaft ablehnen.

So auch in einem Vorort der Provinzstadt Córdoba, wo der Konzern mit dem Bau einer Fabrik zur Herstellung von Saatgut für gentechnisch verändertem Mais begonnen hat. Während die Regierung das Projekt unterstützt, setzen sich Umweltschützer und die meisten Einwohner jedoch mit Nachdruck dagegen zur Wehr. Ende Februar stoppte ein Gericht den Neubau - vorerst.

In einer der vier Anlagen, die Monsanto bereits in Argentinien betreibt, wird das Allround-Herbizid Glyphosat hergestellt, das ohne Ausnahme alle Pflanzen tötet - bis auf Monsanto's gegen Glyphosat resistente, weil gentechnisch veränderte Pflanzen.
 
Im Agrarland Argentinien werden fast nur noch gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Die argentinische Regierung hat sich für dieses Agrar-Modell entschieden. Die Folge ist die Intensivierung der Landwirtschaft und eine Konzentration der Anbauflächen in den Händen weniger. Aufgrund der hohen Gewinne, die mit den Soja-Monokulturen erwirtschaftet werden, sind die Preise für Agrarland so sehr gestiegen, dass kleine und mittlere Bauern verdrängt werden. Weil mit dem Anbau von Soja immer mehr Geld verdient wird, nimmt darüberhinaus die Rodung der Wälder immer größere Ausmaße an - obwohl dem eigentlich ein Gesetzes zum Schutz der Wälder entgegensteht.

Monsanto arbeitet zielstrebig daran, mithilfe seines gentechnisch veränderten Saatguts das weltweite Monopol auf Nahrungsmittel zu bekommen. Der Konzern unterhält fruchtbare Verbindungen zur Politik und der Wissenschaft. In den USA wurde Angaben des demokratischen Netzwerks AVAAZ zufolge sogar ein Gesetz verabschiedet, das es Richtern verbietet, eine Zurücknahme von Monsantos Produkten anzuordnen, selbst wenn dies im Sinne der öffentlichen Sicherheit erfolgt!

Immer wieder versucht der Konzern, genmanipuliertes Saatgut patentieren zu lassen. Bauern werden damit in die Abhängigkeit von Monsanto getrieben. Sie müssen ihr Saatgut jedes Jahr neu kaufen. Wenn sie es selbst vermehren würden, würden sie eine Patentverletzung begehen.

Die jüngsten Proteste richten sich daher auch nicht nur gegen die geplante Fabrik, sondern gegen die Gentechnik in der argentinischen Landwirtschaft insgesamt.


Soja für den Weltmarkt
- missgebildete Kinder für die Argentinier


Die Nachfrage nach Soja in Argentinien selbst ist eher gering. Gesundheiliche Bedenken gibt es daher aus Sicht der Verbraucher kaum. China und Europa sind die Hauptabnehmer für die zu Tierfutter und Biotreibstoff verarbeitete Soja-Ernte.

Immer mehr Menschen sind jedoch aufgrund der großen Mengen Glyphosat alarmiert, das über den Monokulturen versprüht wird. Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann der Glyphosat-Einsatz mit einer Million Liter pro Jahr - heute sind es bereits 200 Millionen Liter.

Mittlerweile haben die Bauern auch mit massiven Resistenzen zu kämpfen. Schädlinge und Unkräuter breiten sich wieder verstärkt aus. Dagegen sollen dann wirkungsvollere Chemikalien ins Feld geführt werden, die Monsantos gentechnisch angepassten Nutzpflanzen nichts anhaben können. Auch diese chemische Aufrüstung auf dem Acker sorgt wieder für Monsantos Profite.

In einem Online-Artikel vom 27.05.2013 zitiert die Deutsche Welle Frau Töwe (Greenpeace) dazu mit den Worten (Zitat):  "Es hat sich gezeigt, dass der Pestizid-Einsatz in den USA in den vergangenen Jahren massiv gestiegen ist, auch in Argentinien und Brasilien, wo Gen-Soja und Gen-Mais angepflanzt werden." Deshalb würden neue gentechnisch veränderte Pflanzen entwickelt, die noch stärkere Gifte aushalten. Dieser Kreislauf sei pervers. Frau Töwe: "Solche Pflanzen müssten wie Medikamente getestet werden, mit Tierversuchen. Wir haben genügend andere Kulturpflanzen, bei denen es solcher Tests nicht bedarf."

Dem Bericht des Deutschlandfunks zufolge hatte Herr Carrasco, Arzt an der Universität Buenos Aires einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Missbildungen bei Embryonen erkannt. Er bewies, dass Glyphosat bei Wirbeltieren Geburtsschäden verursachen kann. In einem Online-Artikel vom 11.11.2013 zitiert die Deutsche Welle Herrn Carrasco mit den Worten (Zitat): "In den meisten Fällen stirbt der Fötus aufgrund der Missbildungen bereits vor der Geburt. Die Einnahme des Pflanzenschutzmittels tötet den Embryo." 

Anwohner der Plantagen mit gentechnisch veränderten Sojapflanzen, die über die Zunahme von Krankheiten bis hin zu Krebs und Fehlgeburten klagen, werden jedoch in der Regel von den argentinischen Behörden ignoriert. Die Auswirkungen des Glyphosat-Einsatzes auf die Gesundheit der Menschen und die Umwelt werden in Argentinien von offizieller Seite nicht untersucht.

Am 11.11.2013 berichtete die Deutsche Welle über die Gentechnik-Gegnerin Sofía Gatica, die mit ihrer Familie nur 50 Meter von einem Feld mit genverändertem Soja entfernt lebte, das regelmäßig mithilfe von Flugzeugen aus der Luft mit Glyphosat besprüht wurde. Im Alter von vier Jahren sei der älteste Sohn schwer krank gewurden vorübergehend gelähmt gewesen. Die Ärzte im Krankenhaus seien ratlos gewesen. Sie hätten keine Ahnung gehabt, was dem Kind fehlte.

Allmählich sei der gesamte Vorort erkrankt und Kinder seien mit Fehlbildungen geboren worden: Babys mit sechs Fingern, ohne Kieferknochen, mit einem fehlenden Schädelknochen, mit Nierenmissbildungen oder ohne After und viele ihrer Eltern seien an Krebs erkrankt.

1999 sei das vierte Kind der Familie Gatica, ein Mädchen, drei Tage nach der Geburt an Nierenversagen gestorben. Der Tod ihrer Tochter veranlasste Frau Gatica zum Handeln: Sie wollte herausfinden, was in ihrer Nachbarschaft los war.


Morddrohungen und Prügel für Umweltschützer

Gemeinsam mit anderen Müttern präsentierte Frau Gatica das Ergebnis ihrer Recherchen der Regierung. Die Mütter forderten eine sofortige Untersuchung. Drei Jahre später stimmte die Regierung zu. Die Untersuchung ergab, dass die Wasservorräte der Region verseucht waren und im Blut von 80 Prozent der Kinder aus dem dem Stadtteil fanden sich Pflanzenschutzmittel.

Aufgrund ihrer anhaltenden Proteste gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und die dazugehörigen Pestizide erhielt Frau Gatica Morddrohungen, die sich auch gehen ihre Familie richteten: Am Telefon drohten unbekannte Anrufer damit, dass aus drei Kindern schnell zwei werden könnten. In einem Artikel der taz vom 25.11.2013 ist zu lesen, dass Frau Gatica von zwei jungen Männern geschlagen wurde. Es gebe zwar keine Bestätigung ihrer Darstellung, aber in Südamerika komme es immer wieder zu Angriffen auf Umweltaktivisten.

Die industrielle Landwirtschaft im Verbund mit der Gentechnik setzen unsere Erde einem radikalen Wandel aus. Die Regierungen stehen unter dem übermäßigen Einfluss des amerikanischen Megakonzerns, der dabei eine zentrale Rolle spielt und der auf dem besten Weg ist, die Kontrolle über die globale Lebensmittelversorgung zu übernehmen.

In einer E-Mail an den Verteiler schreibt das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ, die Drohungen und die Prügel, unter denen  Frau Sofía und ihre Mitstreiter zu leiden hätten, seien der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Frau Kirchner (Argentinien, Präsidentin) stehe derzeit in der Kritik und könne es sich deshalb nicht leisten, die Profite von Monsanto vor die Interessen ihrer eigenen Bürger zu stellen. AVAAZ wendet sich daher mit einer Petition an Frau Kirchner, sowie an die lokale Politik und ihre Behörden. Die Petition lautet (Zitat):
An die Präsidentin Cristina Kirchner, den Bürgermeister von Malvinas und die Behörden in Córdoba:

Als besorgte Bürger aus aller Welt fordern wir Sie auf, Monsantos Pläne für den Bau eines riesigen Gensaat-Labors in Córdoba umgehend zu stoppen und sich mit der Ortsgemeinschaft zu beraten. Die Fabrik und die Pestizide, die dort zum Einsatz kommen, könnten ernste Gesundheitsrisiken für die örtliche Bevölkerung bergen und untergraben das Recht der Bürger, zu entscheiden welche Lebensmittel in ihrem Ort hergestellt und verzehrt werden. Die Regierung muss sicherstellen, dass Entscheidungen zur Gentechnik in Argentinien dem Willen der Bürger entsprechen.

Auch die Europäische Union war wiederholt das Ziel agressiver Versuche Monsantos, seine Produkte in Europa zuzulassen. Da der Konzern weltweit agiert, kann man ihm auch nur weltweit wirkungsvoll begegnen. Sollte das Handelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA Realität werden, dann wäre auch Monsanto in Europa nicht mehr aufzuhalten.


Mehr erfahren:


Zum Weiterlesen:
juwi's welt


(Quellen: taz vom 25.11.2013, Deutsche Welle vom 11.11.2013 und vom 27.05.2013, Deutschlandfunk vom 28.03.2013, AVAAZ, Wikipedia - Monsanto und Mit Gift und Genen, YouTube)

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Erstes Konzert eines interessanten Chor-Projekts

Mitglieder des "Bürgervereins Lehe e.V." betreuen seit längerer Zeit sehr erfolgreich den "Pausenhof Lehe", auf dem Gelände der ehemaligen Deichschule im Ortsteil "Goethestraße". Zusammen mit Jugendlichen, die sich dort in ihrer Freizeit treffen, haben sie den "Jugendchor Leher Pausenhof" gegründet, der morgen Abend sein erstes öffentliches Konzert gibt.

Bürgerverein Lehe e.V. lädt ein zum Chorkonzert
  • Am 19.12.2013
  • Um 19:00In der Aula der "Theo"
    (Lutherstraße 7)
- Der Eintritt ist frei -

Montag, 16. Dezember 2013

Atomangriff auf die Energiewende aus Bayern

Atomkraft? Nein Danke!Mit dem Atomkraftwerk "Grafenrheinfeld" soll in Bayern entsprechend der bisherigen Planung des wespenfarbenen "Atomausstiegs" Ende 2015 das  einzige Atomkraftwerk in der aktuellen Legislaturperiode stillgelegt werden. - Eigentlich: Denn inzwischen ist selbst das nicht mehr sicher. Darüber berichtete das Anti-Atomkraft-Netzwerk ".ausgestrahlt" in einer E-Mail an den Verteiler.

Auslöser für den wenig überraschenden Atomangriff aus Bayern sind die energiepolitischen Beschlüsse der großen Koalition, mit denen sie den Ausbau der Windkraft - insbesondere im Süden Deutschlands - ausbremsen will.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 13.11.2013, Frau Aigner (CSU, Bayern, Wirtschaftsministerin), wolle deshalb das nach dem Super-GAU in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Dai-ichi) entwickelte Energiekonzept Bayerns grundlegend überarbeiten:
  • Dabei stelle sie explizit den bisherigen Fahrplan des "Atomausstiegs" in Frage.
Prompt habe sich daraufhin Herr Gaffal (Vereinigung der bayerischen Wirtschaft - vbw, Präsident) zu Wort gemeldet, und sich öffentlich Gedanken darüber gemacht, die Betriebsgenehmigung für das Atomkraftwerk "Grafenrheinfeld" über das Jahr 2015 hinaus zu verlängern. Die geplante Stilllegung des Atomkraftwerks "Grafenrheinfeld" gefährde die bayerische Versorgungssicherheit. Da müsse man schon als Plan B eine Verlängerung der Laufzeit einkalkulieren. Der Stromverbrauch in Bayern sei schon jetzt "ziemlich an der Kante".

Das Umweltinstitut München schrieb in einer E-Mail an den Verteiler, Herr Seehofer (CSU, Bayern, Ministerpräsident) habe sich verärgert über den Vorstoß geäußert und auch Frau Aigner habe dem umgehend widersprochen. Dabei muss sie wohl übersehen haben, dass sie den Stein mit ihren Äußerungen in der Süddeutschen Zeitung selbst ins rollen gebracht hat. Und auch Herr Seehofer ist längst nicht so unschuldig an der für die politischen Handlanger der Atomkonzerne peinlichen Situation: Schließlich war er es, der das radikale Abwürgen der Windkraft in Bayern durchgesetzt hat.

In der Öffentlichkeit sprechen Politiker allerdings nicht so gerne über ihre Unterstützung für die Atomkonzerne. Das gefährdet nur den Erfolg der heimlichen Arbeit an einer neuen "Laufzeitverlängerung".
  • Dazu passt dann auch das Beharren der bayerischen Landesregierung auf der Genehmigung für die geplante Leistungserhöhung des Atomkraftwerks "Gundremmingen",
denn die Investition in ein teures Leistungs-Tuning für einige wenige Jahre "Restlaufzeit" würde sich wirtschaftlich wohl kaum rechnen.


AKW "Gundremmingen": Besonders gefährlich
 
Die beiden Reaktorblöcke B und C des  Atomkraftwerks "Gundremmingen" sind die letzten hierzulande noch laufenden Siedewasserreaktoren. Dabei handelt es sich um den gleichen Reaktor-Typ, wie in der havarierten Atomanlage "Fukushima-I", der im Vergleich mit den heute üblichen Druckwasserreaktoren als besonders gefährlich gilt. Dessen Mängel zeigten sich auch beim Reaktorblock A des Atomkraftwerks "Gundremmingen", der seit einem schweren Unfall im Jahre 1977 außer Betrieb ist und seit 1983 - inzwischen also seit 30 Jahren(!) - zurückgebaut wird.

Aufgrund von Eisregen und Raureif waren die die Isolatoren einer Hochspannungsleitung gebrochen. Als der Reaktor daraufhin abgeschaltet werden musste, kam zu einem Kurzschluss. Obwohl die Schnellabschaltung wie geplant erfolgte, stieg der Druck im Reaktorkern. Als deswegen die Sicherheitsventile öffneten, strömten 200000 Liter radioaktiver Dampf in das Reaktorgebäude und setzen es drei Meter hoch unter Wasser. Infolge des Unfalls wurde der Reaktorkern schwer beschädigt.

Nachdem das radioaktive Wasser abgepumpt und die kontaminierten Teile gereinigt worden waren, entdeckte der TÜV feine Risse an den Rohren des Kühlkreislaufs. Die Betreiber (damals die Bayernwerke und RWE) sollten Teile des Reaktors austauschen und ein verbessertes Sicherheitskonzept vorlegen. Stattdessen enschieden sie sich jedoch dafür, den Reaktorblock A aus wirtschaftlichen Gründen stillzulegen.

Gegen die geplante Leistungserhöhung des Atomkraftwerks "Gundremmingen" gibt es nicht nur Widerstand von regionalen Atomkraftgegnern, sondern auch aus Österreich, wo die Umweltschutzorganisation "Global 2000" eine Petition initiiert hat. Diese argumentiert damit, dass die Leistungserhöhung zulasten der Sicherheitsreserven gehen würde, wodurch die Gefahr eines schweren Unfalls vervielfacht werden würde.


Billigende Inkaufnahme großer Opferzahlen

Bei einer Entfernung zum Standort des Atomkraftwerks von 110 und 155 Kilometern liegen Bregenz und Innsbruck innerhalb der 170 km Zone, innerhalb der es laut einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS)  notwendig werden könnte, die dort lebenden Menschen "permanent umzusiedeln" ("Analyse der Vorkehrungen für den anlagenexternen Notfallschutz für deutsche Kernkraftwerke basierend auf den Erfahrungen aus dem Unfall in Fukushima", Seite 33, Tabelle 6.6). Auf dieses Ergebnis der Studie verweisen auch die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) in einer Pressemitteilung vom 06.11.2013. Sie begrüßen es, "dass die Strahlenschutzkommission bereit ist, den Katastrophenschutz um Atomkraftwerke auszubauen".

Es sei jedoch inakzeptabel, dass dauerhafte Evakuierungen nur aus Gebieten durchgeführt werden sollen, in denen die Menschen nach einem Atomunfall mit einer jährlichen Strahlendosis von mindestens 50 Millisievert belastet sind. Damit nehme man billigend in Kauf, dass es nach einem Super-GAU zu großen Opferzahlen kommt.

In Japan würden Gebiete mit einer Belastung von 20 Millisievert pro Jahr als unbewohnbar gelten. Und selbst diesen Grenzwert würden viele Strahlenschützer noch als zu gefährlich ansehen.
  • Inzwischen erkenne auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, dass es keinen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen Radioaktivität medizinisch unbedenklich wäre.

Deutsche Städte wie Stuttgart, München oder Nürnberg wären von einem Super-GAU im Atomkraftwerk "Gundremmingen" ebenso betroffen, wie die genannten Städte in Österreich. Das sollte auch aus deutscher Sicht eigentlich Grund genug dafür sein, die Petition von Global 2000 zu unterstützen.


(Quellen: Main-Post vom 04.12.2013, Süddeutsche Zeitung vom 13.11.2013, IPPNW - Pressemitteilung vom 06.11.2013, Deutschlandradio vom 13.01.2012, atomkraftwerkePlag, Global 2000, BfS-Studie)