Sonntag, 15. Dezember 2013

TTIP: Vorrang für Profite gegenüber der Demokratie

Hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln die USA seit einiger Zeit über zwei großräumige Freihandelsabkommen. Dabei handelt es sich um das Transpazifische Freihandelsabkommen (TPP) und um das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP).

Das TPP ist ein streng geheimes  and weitreichendes Freihandelsankommen zwischen den USA und zwölf Pazifik Anreinerstaaten, inklusive Kanada, Mexico, Neuseeland und Australien. Durchgesickerte Texte lassen erkennen, dass das TPP Unternehmen und Konzerne dazu ermächtigen würde, auf direktem Wege vor nichtöffentlichen und intransparenten Handesltribunalen gegen Regierungen zu klagen, wenn deren Gesetze und Verordnungen  ihre Profite schmälern könnten.

Wir Europäer würden direkt von den Folgen des TTIP betroffen sein, das seit Juli zwischen der Europäischen Union und den USA verhandelt wird - wie es heißt, um "Handelshemmnisse" dies- und jenseits des Atlantiks abzubauen.

In der EU haben weder die Mitgliedsstaaten noch die nicht an den Verhandlungen beteiligten EU-Kommissare oder gar die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und der  nationalen Parlamente Einblick in die Verhandlungsdokumente.

Andererseits haben einige hundert Industrielobbyisten exklusiven Zugang und die Möglichkeit, ihre Interessen direkt in den Vertrag zu diktieren. Ziel der Verhandlungs-Elite ist es, die Verhandlungen geheim abzuschließen und den demokratisch gewählten Vertretungen der Bürger/innen dann nur noch die Wahl zwischen der Zustimmung und der Ablehnung zu lassen.

Bei den Verhandlungen um das TTIP geht es - ebenso, wie beim TPP - nicht um ein klassisches Freihandelsabkommen, das die Abschaffung von Zöllen und Handelsschranken zum Ziel hätte. Statt dessen sollen so genannte "nichttarifäre Handelshemmnisse" abgebaut werden. Als "Handelshemmnis" können die Vertragspartner alles definieren, was der freien Entfaltung der Unternehmen und Konzerne im Weg steht:
  • Verbraucherschutz
  • Kennzeichnungspflicht für genmanipulierte Lebensmittel
  • Datenschutz
  • Arbeitnehmerrechte
  • ... 

Unternehmen, Konzerne und Exporteure könnten Staaten vor Schiedsgerichten verklagen, wenn sie ihre Gewinnaussichten durch deren Gesetze und Verordnungen verletzt sehen würden. Damit hätten sie die Macht, Gesetze für den Verbraucher-, Klima- oder Umweltschutz etc. per Klage außer Kraft zu setzen. Wenn mit dem TTIP alle Schranken fallen würden. dann wäre das gleichbedeutend mit dem Ende der freiheitlichen Selbstbestimmung der demokratischen Gesellschaften Europas!

Somit lassen allein die bisher bekannt gewordenen Inhalte des Abkommens bereits das Schlimmste befürchten. Das TTIP hätte, soweit bisher bekannt, fundamentale Auswirkungen
  • auf unsere Verbraucherschutz- und Gesundheitsstandards,
  • auf unsere Klima- und Umweltschutzauflagen,
  • auf unsere Landwirtschaft,
  • sowie auf viele andere Bereiche.
Einige der Auswirkungen würden beispielsweise dazu führen, dass
  • mit Chlor desinfizierte Hühnchen, 
  • Klon- oder Hormonfleisch, 
  • Milch von genmanipulierten Turbokühen
  • oder gentechnisch veränderte Tiere und Pflanzen
völlig legal per Import aus den USA auf unseren Tellern landen würden. US-Produkte müssten nicht mehr europäische Verbraucherschutz- und Tierschutzstandards einhalten, um in der EU verkauft zu werden. Um EU-Unternehmen nicht zu benachteiligen, müssten in der Folge hierzulande die Standards gesenkt werden.

Darüberhinaus  würde
  • der durch das Abkommen ausgelöste Preiskampf bei Lebensmitteln auf beiden Seiten des Atlantiks naturschonend wirtschaftende Bauernhöfe massenweise zur Aufgabe zwingen. Dumpingpreise für landwirtschaftliche Produkte aus der industriellen Landwirtschaft in den USA würden die kleinbäuerlichen Strukturen in Europa endgültig ruinieren.
  • die durch die EU-Chemikalienverordnung REACH vorgeschriebene Gefahrenprüfung vor der Markteinführung von Substanzen umgehbar werden: Ein Konzern müsste nur ein Produkt in den USA anbieten – und schon könnte er es auch in Europa verkaufen.
  • es eine Welle an Privatisierungen geben, wenn - wie es die Pläne bisher vorsehen - öffentliche Dienstleistungen als Märkte interpretiert werden würden.
  • es im Bereich des so genannten "geistigen Eigentums" zu Verschärfungen mit weniger Rechten für Internetnutzer und zu einem lascheren Datenschutz kommen.

Im Koalitionsvertrag hat die zukünftige schwarz-rote Regierungskoalition sich ausdrücklich einen "erfolgreichen Abschluss" der transatlantischen Verhandlungen zum Ziel gesetzt. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dann würde sie unsere demokratischen Rechte der Gier der Konzerne zum Fraß vorwerfen! Das muss auf jeden Fall verhindert werden!


Internationaler Widerstand gegen TPP und TTIP

In den USA gibt es bereits zunehmenden Widerstand gegen den geplanten, sogenannten "Fast Track" Prozess, mit dem der US-Administration die Genehmigung erteilt werden würde, die Verhandlungen ohne Beteiligung des Kongresses zu führen. Inzwischen ist auch der internationale Widerstand der Bürger in den vom TPP und dem TTIP betroffenen Staaten erwacht.

Das internationale Netzwerk im Kampf gegen den Klimawandel 350.org, die weltweite Bewegung für eine bessere globale Ökonomie SumOfUs, das Umweltinstitut München, das demokratische Netzwerk Campact und das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ haben Petitionen initiiert, die sich gegen die Inhalte des TTP und des TTIP wenden, welche unter anderem die Abschaffung demokratischer Grundwerte, die weltweite Freisetzung genetisch manipulierter Organismen, die Senkung der Standards für die Lebensmittelsicherheit und im Umweltschutz etc. zur Folge haben werden.


Hier sind die Inhalte der fünf Petitionen im Wortlaut:

(Die Inhalte der beiden englischen Petitionen habe ich für diejenigen unter euch, die des englischen nicht so mächtig sind, übersetzt.)

350.org:

The Trans-Pacific Partnership (TPP) will massively boost corporate power at the expense of our climate and environment, human and workers’ rights, sovereignty and democracy. We strongly urge you to publish the text of the TPP as it stands now, reject proposals that would undermine your regulatory power and oppose this corporate power-grab
Das Trans-Pazifische Partnerschaftsabkommen (TPP) wird die Macht der Konzerne auf Kosten des Klimas, unserer Umwelt, der Menschenrechte, der Arbeitnehmerrechte, die Souveränität und der Demokratie massiv ausweiten. Wir forden Sie dringend auf, den Text des TPP in der derzeitigen Fassung zu veröffentlichen, Vorschläge zurückzuweisen, die Ihre gesetzgeberische Macht unterminieren und sich dieser Machtergreifung durch die Konzerne zu widersetzen.

SumOfUs:

Promise to protect our democracies from corporate lawsuits, and stop the secret TPP and TTIP trade pacts.
Versprechen Sie uns, dass Sie unsere Demokratie vor Klagewellen durch Konzerne bewahren und die geheimen Handelsabkommen TTP und TTIP stoppen werden.

Umweltinstitut München:

Wir wollen:
  • Die mühsam erkämpften europäische Verbraucherschutz und Gesundheitsstandards erhalten
  • Eine kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaft erhalten und schützen
  • Klima- und Umweltschutzauflagen sowie das Vorsorge- und Verursacherprinzip in Europa und in Deutschland aufrechterhalten
  • Dienstleistungen der Daseinsvorsorge wie Trinkwasserversorgung oder Bildung sollen in demokratisch legitimierter öffentlicher Hand bleiben
  • Unser Grundgesetz und Rechtssystem vor intransparenten Schiedsgerichten ohne Berufung oder Revision und demokratische Kontrolle schützen.
Deshalb wollen wir diese gravierenden Eingriffe für Verbraucher und Konsumenten verhindern und fordern daher einen STOPP der Freihandels-Verhandlungen!


Campact:

TTIP: Verkauft nicht unsere Zukunft!

Das geplante Freihandels-Abkommen TTIP zwischen der EU und den USA dient den Interessen der Konzerne und nicht uns Bürger/innen:
  • TTIP höhlt Demokratie und Rechtsstaat aus: Ausländische Konzerne können Staaten künftig vor nicht öffentlich tagenden Schiedsgerichten auf hohe Schadenersatzzahlungen verklagen, wenn sie Gesetze verabschieden, die ihre Gewinne schmälern.
  • TTIP öffnet Privatisierungen Tür und Tor: Das Abkommen soll es Konzernen erleichtern, auf Kosten der Allgemeinheit Profite bei Wasserversorgung, Gesundheit und Bildung zu machen.
  • TTIP gefährdet unsere Gesundheit: Was in den USA erlaubt ist, würde auch in der EU legal – so wäre der Weg frei für Fracking, Gen-Essen und Hormonfleisch. Die bäuerliche Landwirtschaft wird geschwächt und die Agrarindustrie erhält noch mehr Macht.
  • TTIP untergräbt die Freiheit: Es droht noch umfassendere Überwachung und Gängelung von Internetnutzern. Exzessive Urheberrechte erschweren den Zugang zu Kultur, Bildung und Wissenschaft.
  • TTIP ist praktisch unumkehrbar: Einmal beschlossen, sind die Verträge für gewählte Politiker nicht mehr zu ändern. Denn bei jeder Änderung müssen alle Vertragspartner zustimmen. Deutschland allein könnte aus dem Vertrag auch nicht aussteigen, da die EU den Vertrag abschließt.
Daher fordere ich: Beenden Sie die Verhandlungen über das TTIP-Abkommen!

AVAAZ:

Als besorgte Bürger aus aller Welt fordern wir Sie auf, den Verhandlungsprozess der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) für alle transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Wir rufen Sie auf, jegliche Pläne abzulehnen, die unsere Regierungen in ihrer Fähigkeit einschränken, im öffentlichen Interesse zu walten. Die TPP ist eine Gefahr für die Demokratie, sie untergräbt die staatliche Souveränität, die Rechte der Arbeitnehmer, den Umweltschutz und die Internetfreiheit. Bitte verhindern Sie dringend, dass Unternehmen soviel Macht ergattern.



Nach Einschätzung von Campact müssen das Europaparlament und die Europäischen Regierungen dem Vertrag wohl auf jeden Fall zustimmen. Außerdem müsste der Vertrag in jedem einzelnen Mitgliedsstaat "ratifiziert" werden. In der Regel wird das Parlament darüber abstimmen. Möglich wären aber auch Volksentscheide in einzelnen Mitgliedsländern. Würde der Vertrag von nur einem Mitgliedsstaat der EU nicht ratifiziert werden, so wäre er gescheitert.

Der Kampf um unsere demokratischen Rechte, den Verbraucherschutz, den Schutz unserer Umwelt und des Klimas, gegen Privatisierungen der Trinkwasserversorgung und anderer öffentlicher Dienstleistungen, gegen Fracking, genmanipulierte Lebensmittel, Hormonfleisch etc. ist also nicht aussichtslos.

Während sich die Petition von SumOfUs gegen beide Freihandelsabkommen richtet, wenden sich die Petitionen von AVAAZ und 350.org sich nur gegen das TPP, diejenigen von  Campact und des Umweltinstituts München nur gegen das TTIP. Ich finde es wichtig, beide Vorhaben zu verhindern, da sie die gleichen, Ziele verfolgen: Die Untergrabung der demokratischen Selbstbestimmung in den betroffenen Staaten!


Zum Weiterlesen:


Update: 16.12.2013, Petition AVAAZ

(Quellen: 350.org, SumOfUs, Umweltinstitut München, Campact, AVAAZ, Wikipedia)

Samstag, 14. Dezember 2013

Ein wirklich nützliches Stück Ausstattung

Inzwischen fordern auch US-amerikanische Internetfirmen wie Apple, Facebook, Microsoft, Google, Twitter, AOL, Yahoo und LinkedIn eine strenge Kontrolle und eine Beschränkung der Freiheiten der Geheimdienste. Möglicherweise fürchten sie inzwischen dass ihre Geschäfte darunter leiden könnten.

Da diese Internetfirmen allerdings bekanntermaßen selbst nicht gerade zimperlich mit dem Sammeln von Daten ihrer Kunden sind, kann man davon ja halten, was man will. Immerhin wenden sie sich aber gegen die Abstrafung von Redakteuren und Journalisten, wie es die britische Regierung gerade mit Herrn Rusbridger (Guardian, Chefredakteut) praktiziert: Wegen der Veröffentlichungen des "Guardian" über die Spionagepraktiken der Geheimdienste NSA (USA) und GCHQ (Großbritanien) wird ihm unter anderem "Förderung des Terrorismus" und "Gefährdung der nationalen Sicherheit" vorgeworfen.

Im Rahmen der Campagne der Regierung Großbritaniens gegen den Guardian und seinen Chefredakteur hat sich insbesondere Herr Cameron (Großbritanien, Premierminister) negativ hervorgetan. Wie die Süddeutsche Zeitung am 03.12.2013 anlässlich der Vorladung Herrn Rusbridgers vor das britische Parlament berichtete, lässt dieser sich jedoch davon nicht einschüchtern. Sie zitiert Herrn Davies (Investigativ-Reporter) mit den Worten (Zitat):
"Er verfügt über ein wirklich nützliches Stück Ausstattung,
das nicht viele Chefs ihr eigen nennen: ein Rückgrat."

Die vom Guardian veröffentlichten Fakten beschreiben unter anderem die Bedrohung demokratischer Grundwerte und die massenhafte Missachtung grundlegender Menschenrechte. Wir Bürger haben das Recht zu erfahren, welchen Angriffen auf unsere Privatsphäre wir durch die Geheimdienste rund um die Uhr ausgesetzt sind. Ohne Pressefreiheit wären uns diese Informationen nicht zugänglich. Und genau hier setzt die britische Regierung ihren Hebel an: Die Angriffe des britischen Staates gegen den "Guardian" sind ein massiver Angriff auf die Pressefreiheit.


Schriftsteller gegen Massenüberwachung

Unter dem Motto "Writers Against Mass Surveillance" (Schriftsteller gegen Massenüberwachung) haben 562 international anerkannte Autorinnen und Autoren eine Petition gegen die Gefahren der systematischen Massenüberwachung unterzeichnet. Innerhalb von 4 Tagen wurde die Petition bereits von 150.000 Menschen mitgezeichnet. Wer sich den Forderungen der Autoren ebenfalls anschließen möchte, hat dazu auf der Internetseite der Petitionsplattform "Change.org" Gelegenheit. Die Petition lautet (Zitat):
In den vergangenen Monaten ist ans Licht gekommen, in welch ungeheurem Ausmaß wir alle überwacht werden. Mit ein paar Maus-Klicks können Staaten unsere Mobiltelefone, unsere E-Mails, unsere sozialen Netzwerke und die von uns besuchten Internet-Seiten ausspähen. Sie haben Zugang zu unseren politischen Überzeugungen und Aktivitäten, und sie können, zusammen mit kommerziellen Internet-Anbietern, unser gesamtes Verhalten, nicht nur unser Konsumverhalten, vorhersagen.

Eine der tragenden Säulen der Demokratie ist die Unverletzlichkeit des Individuums. Doch die Würde des Menschen geht über seine Körpergrenze hinaus. Alle Menschen haben das Recht, in ihren Gedanken und Privaträumen, in ihren Briefen und Gesprächen frei und unbeobachtet zu bleiben.

Dieses existentielle Menschenrecht ist inzwischen null und nichtig, weil Staaten und Konzerne die technologischen Entwicklungen zum Zwecke der Überwachung massiv missbrauchen.

Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr. Deshalb müssen unsere demokratischen Grundrechte in der virtuellen Welt ebenso durchgesetzt werden wie in der realen.

* Überwachung verletzt die Privatsphäre sowie die Gedanken- und Meinungsfreiheit.

* Massenhafte Überwachung behandelt jeden einzelnen Bürger als Verdächtigen. Sie zerstört eine unserer historischen Errungenschaften, die Unschuldsvermutung.

* Überwachung durchleuchtet den Einzelnen, während die Staaten und Konzerne im Geheimen operieren. Wie wir gesehen haben, wird diese Macht systematisch missbraucht.

* Überwachung ist Diebstahl. Denn diese Daten sind kein öffentliches Eigentum: Sie gehören uns. Wenn sie benutzt werden, um unser Verhalten vorherzusagen, wird uns noch etwas anderes gestohlen: Der freie Wille, der unabdingbar ist für die Freiheit in der Demokratie.

WIR FORDERN DAHER, dass jeder Bürger das Recht haben muss mitzuentscheiden, in welchem Ausmaß seine persönlichen Daten gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden und von wem; dass er das Recht hat, zu erfahren, wo und zu welchem Zweck seine Daten gesammelt werden; und dass er sie löschen lassen kann, falls sie illegal gesammelt und gespeichert wurden.

WIR RUFEN ALLE STAATEN UND KONZERNE AUF, diese Rechte zu respektieren.

WIR RUFEN ALLE BÜRGER AUF, diese Rechte zu verteidigen.

WIR RUFEN DIE VEREINTEN NATIONEN AUF, die zentrale Bedeutung der Bürgerechte im digitalen Zeitalter anzuerkennen und eine verbindliche Internationale Konvention der digitalen Rechte zu verabschieden.

WIR RUFEN ALLE REGIERUNGEN AUF, diese Konvention anzuerkennen und einzuhalten.

Hier geht's zur Online-Petition ...


Der Spiegel berichtete vorgestern in seiner Online-Ausgabe über die Absicht der Grünen, einen Antrag im Parlament einzubringen, der die Abgeordneten zur Unterstützung der Petition "Writers Against Mass Surveillance"auffordert. Je mehr Menschen sich der Petition anschließen, desto größer wird der Druck auf die Regierungen und ihre Geheimdienste. Da kann es nicht schaden, wenn auch Politiker sich den Forderungen der Autoren anschließen.

So gesehen ist der Antrag der Grünen also eine gute Sache. Eigentlich wäre es allerdings bedeutend wichtiger, wenn die von uns gewählten Vertreter unserer Interessen ebenfalls mit einem solchen wirklich nützlichen Stück Ausstattung ausgestattet wären, wie Herr Rusbridger.

Rückgrat gegenüber "unseren amerikanischen Freunden" hat bisher - abgesehen von vielleicht wenigen Ausnahmen - bisher noch keiner unserer Politiker wirklich gezeigt. Anstatt sich endlich auf internationaler politischer Ebene nachdrücklich gegen die Angriffe auf die demokratischen Werte und unsere grundlegenden Menschenrechte einzusetzen, haben sie sich bisher bestenfalls lächerlich gemacht.


(Quellen: Spiegel vom 12.12.2013, Frankfurter Rundschau vom 11.12.2013, Frankfurter Allgemeine vom 09.12.2013, Heise Online vom 09.12.2013, Spiegel vom 04.12.2013, Süddeutsche Zeitung vom 03.12.2013, Spiegel vom 12.07.2013, Change org)

Freitag, 13. Dezember 2013

Vor der Eisflut

Während der vergangenen Tage habe ich eine neue Übersicht zum Themenkomplex "Atomkraft, Fossile Energieträger, Globale Erwärmung, Klimaschutz, Energiewende" erstellt, die meine bisherige Übersicht "juwi's gesammelte Atomkraft-Werke" ablösen wird.

Zugunsten der Atomkonzerne und der Betreiber fossil befeuerter Kraftwerke hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung im Zeitraum 2009 bis 2013 bereits damit begonnen, die Umsetzung der Energiewende mehr und mehr zu verzögern und der Entwicklung der Solarenergie-Branche in Deutschland die Planungsgrundlage und die wirtschaftlichen Perspektiven zu entziehen. Immer mehr Unternehmen und Konzerne wurden von der EEG-Umlage befreit.
  • Bezahlen mussten das die Bürger mit ihren von Jahr zu Jahr steigenden Stromrechnungen.

Jetzt beabsichtigen die CDU, die CSU und die SPD als Große Koalition den Ausbau der Windenergie zu begrenzen, das "Erneuere Energien Gesetz" (EEG) de facto abzuschaffen und der dezentralen Energieversorgung in Bürgerhand einen Riegel vorzuschieben.

Aufgrund der komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen sind die Angriffe der Atomkonzerne, der fossilen Industrie und deren politische Handlanger auf die Energiewende und den Klimaschutz nicht mehr voneinander zu trennen. Das wurde unter anderem auch bei der Groß-Demonstration deutlich, die am 30.11.2013 unter dem Motto "Energiewende retten" in Berlin stattfand.

Solange weiterhin fossile Energieträger verheizt werden, wird die globale Erwärmung weiter vorangetrieben. Weltweit schmelzen die Gletscher in den Hochgebirgen. Die Eisbedeckung des arktischen Ozeans ist dramatisch zurückgegangen und auch das Inlandeis Grönlands ist längst nicht so stabil, wie man in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts noch angenommen hatte.
  • Und mit dem schmelzenden Eismassen
    steigt der weltweit der Meeresspiegel ...


"Vor der Eisflut" ist ein externes Inhaltsverzeichnis zum Themenkomplex "Atomkraft, Fossile Energieträger, Globale Erwärmung, Klimaschutz, Energiewende, ..." in "juwi's welt".

Außerdem finden sich dort Links zu Dokumenten und Medien im Internet, Internetseiten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Initiativen gegen Atomkraftwerke, Atommülllager und sonstige Atomanlagen sowie Links zu Internetseiten von Regierungstellen, Behörden etc.

Samstag, 7. Dezember 2013

Xaver


Orkantief "Xaver" (Bremerhaven, 06.12.2013)

Da auf den Fotos, die ich gestern Morgen im Dunkeln aufgenommen hatte, nicht sehr viel zu erkennen ist, war ich in der Mittagspause und nach Feierabend noch einmal an der Geeste und der Weser.

Der Orkan überraschte immer wieder mit starken Böen, bei denen man Mühe hatte, sich auf den Beinen zu halten. Schon während der Pausen zwischen den Böen war es kaum möglich die Kamera ruhig zu halten. Trotzdem hat es für ein kurzes Video und einige Fotos gereicht.

Geestemole bei Niedrigwasser: Sonst ist hier bei Ebbe der Weser-Schlick zu sehen
Leuchtfeuer Geeste-Südmole bei Hochwasser: Die Mole ist in den Fluten verschwunden
"Land unter" an der Geeste im Bereich vor dem Geestesperrwerk
Überflutetes Gelände des Tonnenhofs am rechten ...
... und Parkplätze am linken Ufer der Geeste.

Das Haus mit dem ehemaligen Restaurant hat schon viele Sturmfluten erlebt
Stürmisches Leben auf der Insel: Neubau an der Geeste.

Wilhelmshavener Straße: Links das Stumflutschott neben dem Geestesperrwerk.
Einen losgerissenen Fender hat es vor das obere Sturmflut-Schott getrieben.
Weser-Strandbad: Strand unter - heute kein schönes Strandwetter ...
Die vor der neuen Spundwand aufgeschüttete Düne liegt jetzt fein verteilt in der Weser
 Die Häuser an der Geeste im Bereich vor dem Sperrwerk sind auf Sturmfluten vorbereitet. Die älteren Häuser sind mit Schotten ausgerüstet, mit denen die Türen und Fenster während einer Stumflut gesichert werden. Bei den Neubauten liegt das Erdgeschoss oberhalb eines angenommenen maximalen Sturmflutpegels. Die Bewohner müssen nur darauf achten, dass sie ihre in den "Tiefgaragen" am Geesteufer geparkten Fahrzeuge rechtzeitig in Sicherheit bringen.


Sturmflut am 09.11.2007 (Bremerhaven, Weserdeich)
Vor der im Frühjahr fertiggestellten Deicherhöhung lag die Promenade am Deichfuß ein ganzes Stück tiefer. Am alten Deich wären die Wellen wohl etwa bis zur Mitte der Deichhöhe gekommen und bis knapp unter die Deichkrone geschwappt, so wie es bei der Sturmflut im November 2007 der Fall war.

Freitag, 6. Dezember 2013

Land unter an der Geestemündung

Hier, wo die Häuser am linken Geesteufer im Wasser stehen, parken sonst Autos
Seit gestern Vormittag wütet das Orkantief "Xaver" über Deutschland. Im Laufe des Tages drehte der Wind und kommt jetzt aus nordwestlicher Richtung. Der Orkan trifft mit seiner ganzen Kraft ungebrochen auf die Nordseeküste.

Dem Müllcontainer auf dem Parkplatz an der Geeste steht das Wasser bis zur Unterlippe
Das rechte Geesteufer hat die Flut bis hinauf auf den Tonnenhof überspült
Dabei drückt er das Wasser in die deutsche Bucht und direkt in die Mündungen von Weser und Elbe. Die Strumflutwelle setzt sich flussaufwärts bis über die Städte Bremen und Hamburg hinaus fort. Da "Xaver" länger als eine Tide andauert, und immer noch weitere Wassermassen an die Küste und die Flüsse hinauf drückt, läuft das aufgestaute Wasser nicht bis zum normalen Niedrigwasser-Pegel ab.

Fluttor neben dem Geestesperrwerk
Bei Sturmflut Überschwennungsgefahr: Zufahrt zum Geesteufer neben der Kennedybrücke
Die Fotos sind heute Morgen um etwa 05:30 entstanden, etwa 2,5 Stunden nach dem letzten Hochwasser. Bis zum nächsten Niedrigwasser um 09:41 läuft das Wasser jetzt erst einmal ab. Allerdings lag der Pegel des vorangegangenen Niedrigwassers gestern Abend bereits im Bereich des mittleren Hochwassers. Der Vorhersage des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie zufolge wird der Pegel des nächsten Niedrigwassers etwa 3 Meter über dem normalen Pegel liegen.

Ohne das Geestesperrwerk unter der Kennedybrücke wäre Bremerhaven auch dieses Mal "von hinten" über die Geeste überflutet worden. Seine erste Bewährungsprobe hatte das gerade fertiggestellte Sperrwerk während der schweren Sturmflut im Februar 1962 bestanden. Anderenfalls hätte es die Stadt damals wohl ähnlich schwer getroffen, wie Hamburg. Aber trotz aller Hochwasserschutz-Maßnahmen bleibt der Respekt vor den Naturgewalten.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Klimaschutz benachteiligt Braunkohle



Zusammen mit den fossilen Energieträgern
verheizen wir die Zukunft unserer Kinder
- als gäb's kein Morgen ...

Die Halbwertszeiten, nach denen die ohnehin schon fahrlässig knapp angesetzten energie- und klimapolitischen Ziele der verantwortlichen Politiker in der CDU, der CDU und der SPD verfallen, sind erschreckend kurz.

Erschreckend ist auch die Tatsache, dass die politischen Handlanger der fossilen Industrie und der Atomkonzerne tatsächlich der festen Überzeugung zu sein scheinen, die Menschen im Land würden bestimmt gar nicht merken, dass sie die Interessen der Atom- und Kohle-Lobbyisten gegen den Willen der Bürger durchzusetzen versuchen. Der Wahltermin liegt gerade etwas mehr als einen Monat zurück, eine neue Regierung ist noch nicht einmal im Amt, da haben sie schon wieder vergessen, dass sie gewählt wurden, um dem Volk zu dienen. Stattdessen bedienen in dreister Weise zuerst einmal die Interessen der Konzerne.


Klimaschutz ist schlecht für RWE und EON

Die Tagesschau setzt sich auf ihrer Internetseite in einem Artikel vom 30.11.2013 mit dem Kapitel Energie im schwarzroten Koalitionsvertrag auseinander. Dort ist ein Audiokommentar von Herrn Döschner (WDR) zu hören, in dem er den Inhalt - etwas überspitzt - auf den Punkt bringt (Zitat):
"Klimaschutz ist schön und gut, aber zu teuer. Zu viel Ökostrom ist schlecht für RWE und EON und muss deshalb gebremst werden. Das Erneuerbare Energien Gesetz benachteiligt die heimische Braunkohle und wird deshalb abgeschafft."

Diese Sätze seien so natürlich nicht im Vertrag der Großen Koalition zu finden, sagt Herr Döschner weiter. Sinngemäß und zugespitzt lasse sich das Kapitel, das sich der Energiewende und dem Klimaschutz widmet, aber durchaus so zusammenfassen. Man müsse nur genau hinsehen.

Einige derjenigen, die das schon getan haben, waren am letzten Samstag in Berlin um den Sachverhalt richtig zu darstellen: RWE, EON, Braunkohle-Kraftwerke etc. sind schlecht für den Klimaschutz!


Viel zuviel Ärger

Vorbehaltlich der Zustimmung der SPD-Basis könnte eine schwarzrote Koalition mit ihrer satten Mehrheit natürlich tun und lassen, was sie will. Der Anteil der Sitze der Opposition im Bundestag wäre dann ja kaum der Rede wert.

Da wäre es natürlich lästig, wenn es andere gäbe, die stattdessen noch etwas zu sagen hätten. Deshalb braucht man eigentlich nicht lange darüber nachdenken, warum Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) und Herr Gabriel (SPD, Parteivorsitzender) die von den Herren Friedrich (CSU, Bundesinnenminister) und Oppermann (SPD, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion) ins Gespräch gebrachte Volksabstimmung auf Bundesebene rigoros ablehnen.

Im Vorprogramm zur Abschluss-Kundgebung der großen Demonstration, die am 30.11.2013 unter dem Motto "Energiewende retten" in Berlin stattfand, trat die Berliner Band DOTA auf. Im Zwischenteil ihres Liedes "Utopie" hieß es: "Ich habe viel zu viel Ärger und viel zu wenig Wut." Immerhin hatte der viele Ärger dafür gesogt, dass sich rund 16.000 Demonstranten und Demonstrantinnen bei nasskaltem Wetter auf den Weg nach Berlin gemacht hatten.


Sie schaden nicht nur dem deutschen Volk

Es war unter anderem auch der Ärger darüber, dass einige der Politiker, die demnächst bei ihrer Vereidigung schwören werden, dass sie ihre ".. Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, .." werden, untereinander bereits das Gegenteil vereinbart haben. Diese Politiker widmen ihre Kraft der fossilen Industrie, den Atomkonzernen und mehren den Nutzen diverser industrieller Lobbys und Verbände.

Sie schaden damit nicht nur dem deutschen Volk, seinen Kindern und Kindeskindern, sondern darüber hinaus allen kommenden Generationen aller Menschen, Tiere und Pflanzen auf unserem gemeinsamen Planeten Erde, indem sie Deutschland und die Welt sehenden Auges mit Vollgas in die Klimakatastrophe steuern. Sie opfern unsere Zukunft auf dem Altar der krurzfristigen Profitmaximierung der Konzerne: Als gäb's kein Morgen ...


Was lange gärt ...

Dass die fossile Industrie, die Atomkonzerne und ihre politischen Handlanger damit aber nicht einfach so durchkommen werden, das hat die Demonstration am 30.11.2013 in Berlin eindrucksvoll gezeigt. "Die da oben" werden uns nicht mehr los. Wir kommen wieder. Wir lassen uns nicht mehr verkohlen ... - und was lange gärt, wird endlich Wut.
  • In meinem Video sind einige Impressionen vom Demonstrationszug durch die Straßen Berlins zu sehen, der mit der Umzingelung des Kanzleramts endete. Im Hintergrund ist DOTA mit ihrem Lied "Kein Morgen" zu sehen und zu hören: Danke noch einmal für die Genehmigung, es in meinem Video verwenden zu dürfen.


"Das sind unsere Vorschläge.
Im Papier des Ministers!
Was für ein Erfolg!"


Stern online zum Jubel über den Inhalt des Koalitionsvertrags
beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)


(Quellen: Tagesschau vom 30.11.2013, Pro Windkraft Niedernhausen vom 29.11.2013, Deutsche Wirtschafts Nachrichten vom 28.11.13, LobbyControl vom 22.11.2013, AbgeordnetenWatch vom 20.11.2013, Stern vom 20.11.2013, Campact - Pressemitteilung vom 13.11.2013, Süddeutsche Zeitung vom 12.11.2013, Wikipedia )

Montag, 2. Dezember 2013

Energiewende retten: Berlin 30.11.2013

Am Samstag, 30.11.2013, trugen in Berlin 16000 Menschen aus allen Teilen der Bundesrepublik lautstark, bunt und friedlich ihren Protest auf die Straßen Berlins und umzingelten das Bundeskanzleramt.

Da wir erst in Berlin ankamen, nachdem die Auftakt-Kundgebung bereits begonnen hatte, habe ich leider nur noch die Rede von Herrn Bautz (demokratisches Netzwerk "Campact") mitbekommen. Die Abschluss-Kundgebung hätte eigentlich um sechzehn Uhr zu Ende sein sollen. Deshalb hatten wir verabredet, dass wir uns um 16:30 Uhr für die Rückfahrt am Bus treffen. Als ich nach dem zweiten Redebeitrag auf die Uhr schaute, war es bereits 16:20 Uhr - höchste Zeit, mich auf den Rückweg zu machen. Gerne hätte ich noch den Beitrag von Franz Alt gesehen. Aber dann hätte ich sehen müssen, wie ich auf anderem Wege zurück nach Bremerhaven komme ...

Hier sind die Redebeiträge von Cristoph Bautz (Campact), Luise Neumann-Cosel (.ausgestrahlt) und Michael Müller (Naturfreunde):


Das EEG muss bleiben und die alten Energien müssen gehen:
Und zwar zackig!


Cristoph Bautz, Demokratisches Netzwerk "Campact"

Machen wir uns noch einmal bewusst, um was es geht in den nächsten Wochen:

Es geht nicht nur darum, ob ein paar Windräder mehr oder ein paar Solaranlagem mehr auf Dächer geschraubt werden. Es geht auch nicht nur darum, ob die Energiewende in diesem Land Bestand hat. Sondern es geht darum, ob wir das Ruder noch rumgerissen bekommen und nicht weiter sehenden Auges in die Klimakatastrophe rasen.

Warum?
Weil die Welt auf diese Energiewende schaut. Schaut, ob wir es hinkriegen, eines der größten Industrieländer, dieser Welt umzukrempeln, von unten und mit einer ganz anderen Energie zu versorgen.
  • Genau dafür lohnt es sich zu streiten.
  • Genau deswegen müssen wir den großen Konzernen die Stirn bieten.
  • Dafür gehn wir auf die Straße.
  • Dafür laufen wir heute durchs Regierungsviertel.
Jetzt packen wir es an.
Lasst uns die Energiewende selbst in die Hand nehmen.
Los gehts!

Frau Merkel, Frau Kraft, Herr Gabriel: Wir kommen!

Cristoph Bauz
(Campact, Energiewende Demonstration, Berlin, 30.11.2013, Auftaktkundgebung)


Die Große Koalition hat sich dazu bekannt:
Wir wollen den Atomausstieg umsetzen.


Luise Neumann-Cosel (Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt)

Aber irgendwie sind immernoch 9 Atomkraftwerke am Netz. Und daran will die Große Koalition überhaupt nichts ändern. Die will jetzt in ihrer Legislaturperiode, wenn's gut geht, ein Atomkraftwerk, ein einziges AKW vom Netz nehmen und den Rest lässt sie einfach weiterlaufen.
Dabei sind die Dinger doch immernoch gefährlich. Es ist ja nicht so, dass die weniger gefährlich sind.

Im Gegenteil:
Die werden ja jeden Tag älter und baufälliger und gefährlicher.

Aber was macht die Koalition?
Anstatt sie abzuschalten, weitet sie einfach die Evakuierungszonen aus und sagt: Wir bekennen uns zum Atomausstieg. Also echt: Ihr bekennt euch zum Atomausstieg und gleichzeitig lasst ihr die AKWs laufen. Und gleichzeitig sorgt ihr dafür, dass Deutschland auch in vier Jahren immernoch der zweitgrößte Atomstrom-Produzent in der EU ist.
Und das nennt ihr Atomausstieg?!

Ehrlich:
Ihr redet doch immer nur vom Atomausstieg in eurer Koalition. Ihr redet vom Atomausstieg, um uns ruhigzustellen. Aber gleichzeitig lasst ihr die AKWs weiterlaufen und die Atommüllberge wachsen und wachsen und wachsen. Das ist kein Atomausstieg, echt nicht!.

Und das beste finde ich: Ihr redet vom Atomausstieg. Ihr behauptet 'Wir bekennen uns zum Atomausstieg', aber dann lasst ihr nicht nur die AKWs laufen, sondern dann subventioniert ihr auch noch die Atomkonzerne mit Milliarden, weil ihr jetzt in eurem Koalitionsvertrag die Brennelementesteuer wieder aufhebt. Das ist doch kein Atomausstieg.!

Und bitte:
Wie war das mit der Energiewende, zu der ihr euch auch bekennt, im Koalitionsvertrag?

Was ist denn das für eine Energiewende,
  • wenn ihr als allererstes mal die erneuerbaren Energien deckelt,
  • und wenn ihr als erstes mal die Windenergie an Land abwürgt,
  • und wenn ihr mit euren Kapazitätsmechanismen dafür sorgt, dass die Kohlekraftwerke noch in Jahrzehnten laufen.
Leute: Das ist doch keine Energiewende.
Das ist das absolute Gegenteil von Energiewende.

Auch Die Energiekonzerne sagen: "Wir machen Energiewende".

Ja, 'Wir machen Energiewende', aber gleichzeitig kämpfen sie mit allen Mitteln, um ihre Kohlekraftwerke zu retten. Und das nennen sie Energiewende."

Ihr behauptet, ihr Energiekonzerne, ihr wollt die Energiewende, und gleichzeitig führt ihr mit eurer Strompreiskampagne eine derart erbitterte und beispiellose Kampagne gegen die erneuerbaren Energien, und wollt uns gleichzeitig weis machen, ihr wollt die Energiewende?

Echt Leute:
Hört auf uns dauernd Sand in die Augen zu streuen.

Wir glauben euch das nicht:
Ihr wollt nicht die Energiewende, ihr macht nicht die Energiewende:
Wir machen die Energiewende!

Egal, wieviel ihr redet da, mit euren Strompreislügen. Egal, wieviel ihr auch erzählt:
  • Ihr könnt uns nicht einlullen.
  • Ihr könnt uns nicht aufhalten und ihr werdet uns nicht los.
  • Ihr werdet uns nicht los, solange, bis wir 100 Prozent Erneuerbar haben.
  • Ihr werdet uns nicht los, bis endlich Schluss ist mit der Kohlekraft, und vor allem werdet ihr uns nicht los, bis endlich das letzte AKW vom Netz ist.

Luise Neumann-Cosel
(.ausgestrahlt, Energiewende Demonstration, Berlin, 30.11.2013, Abschlusskundgebung)


Das sechste Gebot für den Frieden


Michael Müller (Naturfreunde, Vorsitzender)

Der große deutsche Philosoph Imanuel Kant hat fünf Gebote für den Frieden aufgestellt. Würde er heute leben, würde er ein sechstes Gebot aufstellen: "Die Menschheit muss so schnell als möglich aus aus dem nuklearen und dem fossilen Zeitalter aussteigen."

Das fossile und nukleare Zeitalter ist nämlich ein Krieg gegen die Menschheit.
  • Nichts anderes ist der Klimawandel.
  • Nichts anderes ist die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen.
  • Nichts anderes ist die Ausbeutung der Rohstoffe.

Deshalb ganz klar:
Es geht nicht darum, die Energiewende, die noch gar nicht richtig begonnen hat, zu verlangsamen, sondern endlich zu beginnen, und zu beschleunigen.

Als wir mit der Klimadebatte Mitte der achtziger Jahre begonnen haben, da haben wir noch von "Vorsorge" geredet. Heute geht die Debatte nur noch um "Anpassung".

Aber beispielsweise, das hat der Wirbelsturm gezeigt: Ein Inselstaat, wie die Philipinen, kann sich nicht anpassen. Es ist so, wenn wir nicht die fossilen Energien stoppen, dass wir einen Großteil, vor allem die ärmsten Menschen der Erde, dem Klimawandel opfern:
  • Wir werden mitschuldig, wenn wir nicht die Energiewende machen.

Und man muss auch wissen:
Seit 1981 liegen Konzepte für eine Energiewende vor.
Das sind mehr als dreißig Jahre.

Wie langsam denkt man überhaupt dort, wo Entscheidungen getroffen werden?

Bis heute gibt es noch kein Konzept, das tatsächlich eine Energiewende will, die sowohl Strom, Wärme, als auch Mobilität radikal verändert.
  • Das aber wollen wir!

Fangt endlich an, über das Notwendige zu reden und nicht nur über das scheinbar machbare. Redet über das Notwendige und dann wollen wir gemeinsam darüber reden, wie das Notwendige machbar wird.
Aber nicht umgekehrt!

Michael Müller
(Naturfreunde, Vorsitzender - Energiewende Demonstration, Berlin, 30.11.2013, Auftaktkundgebung)

Meine Meinung:
Diese Demonstration war dringend notwendig. Nach meiner Einschätzung wird es aber wohl nicht die letzte gewesen sein, sondern erst der Auftakt zu einer Reihe weiterer Proteste und Demonstrationen, die erst dann aufhören werden, wenn die katastrophalen, von Lobbyisten der fossilen Industrie und den Atomkonzernen in die Koalitionsvereinbarung zwischen der CDU und der SPD hinein diktierten Fehler rückgängig gemacht worden sind!


(Quellen: BMU - Pressemitteilung vom 23.11.2007, Wikipedia )