Samstag, 29. Dezember 2012

Das war 2012 in "juwi's welt"

Vor dem Vergnügen kam im Januar der Frust: Neben der Baumarkt-Baustelle herrschte akute Parkplatznot auf der verbliebenen Fläche auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz als am 30. Dezember 2011 in der Stadthalle eine Basketball-Begegnung zwischen den Bremerhavener "Eisbären" und den "S. Oliver Baskets" stattfand und nebenan in der Bremerhavener Eisarena die "Fishtown Pinguins" aus Bremerhaven gegen die "Bietigheim Steelers" spielten. In der Nordsee-Zeitung war daraufhin zu lesen, dass sich inzwischen selbst die Befürworter des Baumarkt-Neubaus skeptisch geäußert hätten, nachdem ihnen die "tatsächlichen Ausmaße" des 10000 Quadratmeter großen Neubaus bewusst geworden seien.

Als sie ihre Zustimmung zum Verkauf gaben können sich die inzwischen skeptischen Damen und Herren eigentlich zuvor wohl kaum ernsthaft mit den Bauplänen, dem über das Angebot eines reinen Baumarkts hinausgehenden Warensortiment und den möglichen Folgen für die bereits in unmittelbarer Nachbarschaft existierenden Baumärkte "Max Bahr" und "Bauhaus" mit seinem Gartencenter, sowie für den Einzelhandel in der benachbarten Hafenstraße und dem Wochenmarkt auf dem benachbarten Ernst-Reuter-Platz auseinandergesetzt haben.

Aber die im Januar zutage getretene Planlosigkeit der politisch Verantwortlichen aus der ehemaligen rot-schwarzen Großen Koalition ließ sich noch toppen: Im April stellte sich heraus, dass von den 1,1 Millionen Euro, die für den Grundstücksverkauf eingenommen wurden, "bereits einige Rechnungen bezahlt worden" waren: Ganze 510000 Euro seien noch übrig.

Das hätte nicht einmal gereicht, um die ursprünglich veranschlagten 650000 Euro für die Befestigung der restlichen Fläche des Platzes aufzubringen. Nur, dass nun von 1,46 Millionen Euro die Rede war. Doch damit nicht genug: Zu den finanziellen Problemen - so konnte der erstaunte Bremerhavener Bürger in der Morgenzeitung lesen - komme nun überraschenderweise auch noch die aggressiv orangefarbene Fassadenbemalung des Baumarkts hinzu. 


Anfang Januar fegte das Orkantief "Andrea" auch über Bremerhaven hinweg. Es war aber nicht ursächlich verantwortlich für den Untergang des "Atlantis", der in der zweiten Januarhälfte seinen Lauf nahm.

Im Februar hatte Bremerhaven eine schwimmende Kleinstadt zu Gast. Die kurz zuvor auf der Meyer-Werft in Papenburg fertiggestellte "Disney Fantasy" hatte zur Ausrüstung an der Bremerhavener Columbuskaje festgemacht. Vom Turm der Pauluskirche aus betrachtet bot das Kreuzfahrtschiff ein beeindruckendes Bild.

Seit März erstrahlt das ehemalige "Post- und Sparkassengebeäude" in der Hafenstraße in neuem Glanz. Nachdem die Post und die WISOAK ausgezogen waren hatte die Sparkasse Bremerhaven das Gebäude einer grundlegenden Renovierung unterzogen.


Im Mai begann der Abriss des Eckhauses Potsdamer Straße 10 im Leher Goethequartier. Wie bundesweit viele andere Häuser auch, war es Immobilienspekulanten zum Opfer gefallen. Das traurige Ende vom Lied: Verzockt und abgerissen. Während des Abrisses waren am Nachbarhaus in der Eupener Straße Schäden zutage getreten, die von den Bewohnern auf die Abrissarbeiten zurückgeführt wurden. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um eine bereits bestehende Vorschädigung handelte, die sichtbar geworden war, nachdem das abgerissenen Nachbarhaus nicht mehr als Stütze dienen konnte. Da es hieß, es bestünde Einsturzgefahr, musste das Gebäude evakuiert werden ... - Inzwischen ist der Schaden behoben worden: Die Eigentümergemeinschaft hatte im Juli beschlossen, das Gebäude nicht aufgeben zu wollen. An der Giebelwand des Nachbarhauses in der Potsdamer Straße ist inzwischen die erste Hälfte eines großflächigen Gemäldes entstanden, das dem Quartier wahrhaft "galaktische Dimensionen" verleiht. Im Frühjahr soll es auf der Giebelwand des geretteten Hauses in der Eupener Straße vollendet werden.

Ein trauriges Pfingstfest erlebten die Bewohner zweier Reihenhäuser in der Leher Geibelstraße, nachdem es am Pfingstmorgen in einem der Häuser zu einer Gasexplosion gekommen war, die das Gebäude zum Einsturz brachte. Ein Mensch wurde dabei verletzt und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Durch umherfliegende Trümmer wurden auch viele Häuser in der Umgebung beschädigt. Wie durch ein Wunder ist bei dem Vorfall aber niemand ums Leben gekommen.


Ende Juni, Anfang Juli gab es eine Neuauflage der Leher Sommer-Kulturwochen. Stellvertretend für das reichhaltige Kulturprogramm, das in diesem Jahr in allen Leher Ortsteilen stattfand, möchte ich hier nur zwei Veranstaltungen nennen. Viel zu lachen gab es in der Hafenstraße im "Capitol", als die Akteure der Improvisationstheatergruppe "Impro-Montage" mit den nicht immer fairen Regie-Vorgaben aus dem Publikum zu kämpfen hatten. Ein Highlight im Goethequartier warren die "Konzerte im Wohnzimmer". Die Bandbreite der Stilrichtungen der Musik, die es in 20 privaten Wohnungen zu hören und zu sehen gab, war einfach umwerfend.

 
Berne liegt zwar eigentlich jenseits des Bremerhavener Tellerrands, aber da es sich bei dem Eigner der "Euronaut" um einen alten Bekannten handelt, ist der Stapelhub seines U-Boot Neubaus im Juli von meinem Standpunkt aus betrachtet auf jeden Fall "meiner Welt" zuzuordnen. Im Gegensatz zu seinem ersten Eigenbau, der "Sgt. Peppers", dem er einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde verdankt, ist die "Euronaut" ein richtiges, "ausgewachsenens" U-Boot, dass er für sein zweites Hobby - die Unterwasserarchäologie - konzipiert hat.


Im November kam es auf der Weser vor Bremerhaven bei dichtem Nebel zu unliebsamen Begegnungen. Der weseraufwärtsfahrende Frachter "Telamon" kollidierte bei Sichtweiten von weniger als 100 Metern mit dem Fährschiff "Nordenham", das gerade erst vom Blexer Anleger abgelegt hatte und auf dem Weg nach Bremerhaven war. Das Frachtschiff wurde bei dem Unfall so sehr beschädigt, dass die Wasserschutzpolizei die Weiterfahrt aus Sicherheitsgründen untersagte und die "Telamon" anwies, auf Blexen Reede vor Anker zu gehen. Beim Ankermanöver kam es dann zu einer weiteren Kollosion: Die "Telamon" rammte den dort bereits vor Anker liegenden Bagger "Taccola" ...


Anfang Dezember quittierte unsere Schnittstelle zum Internet den Dienst. Bei der Gelegenheit wurde mir nach einigen Tagen bewusst, wie selbstverständlich das Internet inzwischen zu unserem Leben gehört. Wie ich im unfreiwilligen Selbstversuch feststellen konnte ist ein Leben ohne Internet zwar möglich, aber frustrierend!
Beispielsweise muss man seine E-Mails wieder auf Papier schreiben, so wie damals, und wenn man endlich damit fertig ist, dann sucht man vergeblich nach dem Knopf, mit dem man sie sonst immer abgesendet hat ;)


Bei der Beschäftigung mit den Plutoniuom Mischoxid Atomtransporten von England über Nordenham zum Atomkraftwerk Grohnde hätte ich beinahe übersehen, dass es "juwi's welt" inzwischen schon mehr fünf Jahre gibt. Am 21. November 2007 hatte ich meinen zwei oder drei ersten Lesern die Frage gestellt, ob sie schon einmal etwas von Bremerhaven gehört hätten ... - eigentlich war "juwi's welt" ursprünglich nur als Ergänzug zu meiner Homepage "Das Juwiversum" gedacht gewesen. Im Laufe der Zeit hat sich mein Blog dann allerdings zu einem eigenständigen Projekt entwickelt, wobei "Das Juwiversum" leider etwas in den Hintergrund gedrängt wurde.


Das war 2012 ...
  • Teil 1: ... in "juwi's welt"
  • Teil 2: Ein Rückblick über den Tellerrand
  • Teil 3: Die weite Welt im Rückspiegel

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Drei fette Tage

Weihnachtsbraten (© Foto: Ekki01 , CC: BY-SA)
Weihnachten ist vorbei. Seid ihr auch alle schön satt geworden?
Für viele unter uns ist das Ende der Weihnachtsfesttage gleich-
bedeutend mit: "Drei Tage reichhaltige Festgelage sind mehr oder
weniger unbeschadet überstanden worden." Jetzt ist erst einmal
wieder Diät angesagt.

Aber das ist nicht überall auf der Welt so und zu denen, die hungern haben, weil ihre Felder verdorren, gesellen sich mehr und mehr Menschen, die nicht genug zu essen, weil das Familien-Einkommen nicht mehr ausreicht, um die explosionsartig steigenden Preise ihrer Grundnahrungsmittel bezahlen zu können. Zumindest mitverantwortlich dafür sind Spekulanten an den globalen Finanzmärkten.

In seiner Rede im Rahmen des Festakts zum 50. Geburtstag der Welthungerhilfe ging auch Herr Gauck (Bundespräsident) am 14.12.2012 auf dieses beschämende Kapitel der Globalisierung ein ( Zitat - Rede, Absatz 12):
".. Heute treibt überschüssige Liquidität an globalen Märkten die Renditejagd selbst an den Märkten für Lebensmittel in immer gefährlicheres Terrain. Wenn dann schwankende Preise armen Menschen sprichwörtlich die Mittel zum Leben abschöpfen, ist Handeln aus politischer, sozialer und natürlich auch aus ethischer Notwendigkeit dringend geboten. .."

Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" macht auf ihrer Internetseite auf die Beratungen der europäischen Fachminister über eine Regulierung der Finanzmärkte aufmerksam, die in den nächsten Wochen stattfinden werden. Frankreich mache bereits Druck, um rechtliche Grundlagen zur Eindämmung der exzessiven Spekulation mit Nahrungsmitteln schaffen zu können. Jetzt hänge vieles von Herrn Schäuble (CDU, Bundesfinanzminister) ab. Um ihm den Rücken zu stärken, hat "Foodwatch" eine E-Mail-Aktion initiiert. Die E-Mail hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister,

die Warenterminmärkte werden inzwischen von Hedge Fonds, Banken, Investmentfonds und Versicherungen dominiert, die in völlig neuer Weise an diesen Märkten auf die Preise von Weizen, Soja oder Mais wetten. Mit fatalen Folgen: Es gibt erdrückende Belege dafür, dass diese exzessive Spekulation die Ausschläge an den Börsen auf die Spitze treibt, die Märkte destabilisiert, die Schwankungen der Lebensmittelpreise auf Rekordniveau hievt und dadurch Hungerkrisen verschärft, unter denen besonders die Ärmsten der Armen leiden.

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble, Sie haben kürzlich zur Deregulierung der Finanzmärkte gesagt: "Alle haben bei diesem Wahnsinn mitgemacht, ich auch.“ Bitte tragen Sie jetzt dazu bei, dass dieser Wahnsinn gestoppt wird! In den nächsten Wochen wird der Europäische Rat der Finanzminister darüber entscheiden, ob die Rohstoffterminmärkte so effektiv reguliert werden, dass spekulative Preissteigerungen bzw. -schwankungen bei Nahrungsmitteln und ihre katastrophalen Auswirkungen eingedämmt werden können. Bitte setzen Sie sich für eine effektive Regulierung ein.

Wir fordern:
  • Transparenz an den Rohstoffbörsen durchzusetzen (z.B. durch strenge Berichtspflichten)
  • ein Verbot von Investmentfonds an den Agrarrohstoffmärkten
  • strikte Beschränkungen für den Terminhandel mit Nahrungsmitteln (zum Beispiel durch strikte Positionslimits, die auch den außerbörslichen Schattenhandel umfassen)
  • wirksame Kontrollen durch starke Aufsichtsbehörden, die auch präventiv eingreifen können.

Mit freundlichen Grüßen

Jeder, der sich diesen Fordeungen anschließen möchte, kann die E-Mail auf der Internetseite von "Foodwatch" online ergänzen und abschicken.


Zum Weiterlesen
  • Die Hungermacher
  • Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren


(Quellen: Bundespräsident.de, Welthungerhilfe, Foodwatch)

Montag, 24. Dezember 2012

Der Stern

Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.


 Wilhelm Busch (1832-1908)


Wenn ich in diesem Jahr zu Weihnachten einen einzigen Wunsch frei hätte, dessen Erfüllung mir verprochen werden würde, dann würde ich mir wünschen, dass den Hardlinern unter den Juden in Israel, den Anhängern der Hamas und allen anderen radikalen Moslems, sowie den radikalen "Christen" (auch die gibt es!) eine großzügig bemessenene Portion des freundlichen Strahls des Wundersterns zuteil wird. Wieviel friedlicher könnte diese Welt sein, wenn Juden, Christen und Muslime, deren Religionen alle auf den gleichen, den einen Gott zurückgehen, endlich bereit wären friedlich nebeneinander - und eines Tages vielleicht sogar miteinander(?) - zu leben.

  • Ich wünsche allen Besuchern von "juwi's welt" friedliche, besinnliche Feiertage und allen unter euch, die sich dem Christentum zugehörig fühlen, ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Am vierten Advent

Schlosspark Probsteierhagen (Januar 2003)
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

"... Bei solchen Preisen gibt es eben keinen Weihnachtsbaum mehr! ..." meinte meine Frau, als ich ihr berichtete, dass ein 1,60 Meter hohes Tännchen in Leherheide 45 Euro kosten sollte. Auch wenn der Wechselkurs heute nicht mehr der gleiche ist, wie derjenige bei der Einführung des Euro: Irgendwie fängt man ja gelegentlich doch immer wieder an umzurechnen, wenn man die heutigen Preise mit denen von damals vergleicht: "... 45 Euro, das sind ja 90 DM!"

Und dabei ist es immer meine Frau gewesen, die Wert auf einen Weihnachtsbaum gelegt hat. Erst nachdem die Kinder da waren, war es auch für mich selbstverständlich, dass Weihnachten "unter dem Tannenbaum" gefeiert wird. Wäre ich allein, dann würde ich kein Geld dafür ausgeben.

Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, in denen meine Eltern höchstens bis zu 10 DM für einen ungefähr zwei Meter hohen Weihnachtsbaum ausgegeben haben. Als die Weihnachtsbaumhändler irgendwann 12 DM verlangten, schimpften sie über die unverschämte Preissteigerung um 20 Prozent ... - Solange wir an einem der Weihnachtstage bei ihr zu Besuch waren, hat meine Mutter noch jedesmal auf einem Weihnachtsbaum in ihrem Wohnzimmer bestanden; so auch in diesem Jahr.

Wir haben im Landkreis einen frisch geschlagenen Weihnachtsbaum für weit unter 40 Euro gefunden, der gerade unterhalb des Limits lag, das wir uns gesetzt hatten. Aber auch das ist noch ein vielfaches dessen, was man damals für einen Weihnachtsbaum berappen musste. Heute Nachmittag werden wir das teure Stück aufstellen und schmücken, um uns während der nächsten Tage ausgiebig an seinem Anblick zu erfreuen. - Wer weiß denn heute schon ob es später noch einmal einen Weihnachtsbaum für uns geben wird?

Ob die Leute wohl noch bereit sein werden, Geld für einen Weihnachtsbaum auszugeben, wenn sie eines Tages 90 Euro dafür ausgeben sollen? Es würde mich einmal interessieren, was die Händler in diesem Jahr in anderen Städten und Gegenden Deutschlands für ihre Weihnachtsbäume verlangt haben.


Euch allen einen ruhigen, gemütlichen Vierten Advent.

Freitag, 21. Dezember 2012

Des Weihnachtsmanns Schlittentiere

Rentiere in Norwegen (©Foto:  Arne Eide, CC BY-SA)
Wer kennt nicht Santa Claus (die amerikanische Variante des Weihnachtsmanns) der auch gestern wieder im Abendprogramm eines Privatsenders auf seinem von fliegenden Rentieren gezogenen Schlitten voller Weihnachtsgeschenke auf einer Spur aus Sternenstaub am nächtlichen Himmel vorbeiflog? Oder das amerikanische Weihnachtslied über "Rudolph, dem Rentier mit der roten Nase"? Es sind wohl im wesentlichen diese Bilder, die unsere Vorstellung von Rentieren prägen.

Wie ich seit kuzem weiß, weisen Spuren aus der Vergangenheit allerdings darauf hin, dass den Rentieren die Kunst des Fliegens schon lange vor der Erfindung des Weihnachtsmanns zugeschrieben wurde. Auf der Internetseite der Menschenrechtsorganisation "Survival International", die sich für die Rechte indigener Völker einsetzt, gibt es eine kleine aber sehenswerte Serie aus zwölf Fotos, die erstaunliches über die Rentiere und "die Menschen des Rentiers", die mit und von ihnen leben, enthüllt.

Wer nicht, wie ich, zufällig einmal einen Dokumentarfilm über das Volk der Samen gesehen hat, der wird wohl kaum eine Vorstellung davon haben, wie eng das Leben vieler indigener Völker des Nordens mit dem der Rentiere verwoben ist. Die Rentiere sind der Mittelpunkt ihres Lebens und ein wichtiger Bestandteil, ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Ohne ihre Rentierherden wären Völker wie die Samen, die Nenzen, die Ewenken Sibiriens, die Chanten oder die Innu zum Aussterben verurteilt.

Unglücklicherweise ist die Bedrohung des Fortbestands nordischer, indigener Völker und ihrer Rentierherden heute alles andere, als nur eine gänsehautverursachende "Endzeit-Fantasy"-Geschichte.


Einst eine der größten Rentierherden der Welt

Im Oktober 2010 wurde beispielsweise die Population der "George River"-Herde im Norden Kanadas noch mit rund 74000 Tieren angegeben. Das Ergebnis einer Zählung im Auftrag der kanadischen Regierung, die gemeinsam vom "Newfoundland and Labrador Government's Department of Environment and Conservation", dem "Institute for Environmental Monitoring and Research and the Torngat Wildlife" und dem "Plants and Fisheries Secretariat" durchgeführt wurde, ist alarmierend. Der im Juli 2012 veröffentlichten Studie zufolge ist die Zahl der Tiere der "George River"-Herde auf 27600 Tiere zurückgegegangen. Die Zählung bestätige die kontinuierliche Abnahme der "George River"-Herde während der letzten Jahre. Mit achthundert bis neunhunderttausend Tieren gehörte sie einmal zu den größten Rentierherden unseres Planeten.

Die Innu machen die anhaltende Ausweitung von Bergbau-Aktivitäten im Norden Kanadas für den Rückgang Rentier-Population verantwortlich. Sie fordern eine stärkere Kontrolle über ihre Territorien und die dortigen Ressourcen. Sie wollen gleichberechtigt behandelt werden, wenn es um Entscheidungen geht, die ihr Land und die darauf lebenden Tiere betreffen. Wer die Geschichte der indigenen Völker auf dem nordamerikanischen Kontinent kennt, der erkennt im Verhalten der Bergbau-Konzerne beängstigende Parallelen zur Vergangenheit, in der ganze Völker von den in ihr Land vordringenden Aussiedlern aus Europa an den Rand des Aussterbens getrieben wurden (wer sich dafür interessiert, dem kann ich als Einstieg in das Thema die Dokumentation "500 Nations" empfehlen).


Staatliche Willkür im Norden Russlands

Ähnlich ist es auch um das Überleben indigener Völker im Norden Russlands bestellt. Dort wurde der "Russian Association of Indigenous Peoples of the North" (RAIPON) verboten, sich für die Interressen der indigenen Völker Russlands einzusetzen. Genau das ist jedoch die Aufgabe von RAIPON.

"Survival International" schreibt, das russische Justizministerium habe das Verbot damit begründet, dass die Satzung der Organisation nicht mehr mit aktuellen Bundesgesetzen übereinstimmt. In Russland würden Vorschriften für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) häufig geändert, wodurch der Staat Organisationen mit internationalen Verbindungen zu kontrollieren versuche. RAIPON habe mehrere Versuche unternommen, seine Satzung an die "aktuellen Bundesgesetze" anzupassen. Die Regierung habe die Änderungen jedoch jedesmal abgelehnt.

Wer die restriktive Politik in "Putins Russland" gegen Andersdenkende verfolgt hat, die sich immerhin im Licht der weltweiten Medien abspielt und sich deshalb nicht so einfach verheimlichen lässt, der wird eine ungefähre Vorstellung davon entwickeln können, wieviel einfacher es für die russische Regierung sein muss die Rechte indigener Völker im fernen Sibirien zu beschneiden. So gebe es "einen Mangel an Klarheit" bezüglich ihrer Landrechte. Wenn RAIPON sich dafür einsetzt, diesen Mangel zu beheben, dann ist es schon klar, dass diese Organisation einen Dorn im Auge der Regierung in Moskau darstellt.

Auch in Russland geht es im Kern um die industrielle Ausbeutung der letzten Resourcen in den Gebieten indigener Völker. Die nomadisch lebenden Völker sind auf eine intakte Umwelt in den Lebensräumen ihrer Rentierherden angewiesen. Die Ausbeutung fossiler Energieträger oder der Raubbau durch Holzfäller zerstören die Umwelt und vernichten damit die Lebensgrundlage dieser Völker.

Dabei sollte eigentlich gerade Russland daran gelegen sein, dass das Öl in der Erde bleibt. Gefördert und verbrannt wird es seinen Teil zum Anstieg der mittleren globalen Temperatur beitragen. Wenn dann die Permafrostböden tauen und die dadurch entstehenden gigantischen Sumpfgebiete ihr Methan in die Atmosphäre abgeben, denn wird es das geringste Problem sein, wenn der Weihnachtsmann mangels verfügbarer Rentiere gezwungen sein sollte, die Geschenke zu Fuß auszuliefern..


(Quellen: Spiegel vom 18.12.2012, Survival International, Portail Quebéc [englisch], Wikipedia)

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Weihnachtsmärkte damals und heute

Bremerhavener Weihnachtsmarkt 2012 (Platz vor der "Großen Kirche")
Alter Berliner Weihnachtsmarkt

Laß die Glocke läuten vom Dome,
Keiner hört es im Menschenstrome.
Christmarkt, Waldteufel, Trompeten, juchhei!
Wenig Wolle und viel Geschrei.

Alles besehen, wenig erstehen,
Nur zum Pläsier mal darüber gehen,
Eine Baßgeige sich kaufen wollen,
Mit einer Knarre nach Hause sich trollen, -

Für einen Sechser Schmalzkuchen schmecken,
Mumpitz machen an allen Ecken -

Mag auch der Regen vom Himmel fließen,
Das muß der wahre Berliner genießen,
Schuster und Schneider, Jüngling und Mann,
Jeder, der es sich leisten kann.

Karl Henckell (1864-1929)


So alt wie der Berliner Weihnachtsmarkt ist der Bremerhavener natürlich nicht. Aber die Atmosphäre, die Karl Henckell vor rund einhundert Jahren in seinem Gedicht beschrieb, lässt sich wohl ohne weiteres auf die heutigen Weihnachtsmärkte übertragen. Und ich denke, dass auch die Marktbesucher, die er damals beobachtet hat, zwischen denen von heute (abgesehen vielleicht von der damals üblichen Bekleidung) kaum auffallen würden.

Nur Anzahl der heute betriebenen Weihnachtsmärkte, der Aufwand für die Beleuchtung, die ständig im Hintergrund dudelnde Weihnachtsschlager-Rock-und-Pop-Musik aus der Konserve, sowie die Preise für Schmalzkuchen unterscheiden sich deutlich von den Märkten zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Ein Leben ohne Internet ist möglich, ...

... aber frustrierend!

Einer der demotivierenden Aspeke besteht beispielsweise darin, dass man seine E-Mails auf Papier schreiben muss, so wie damals, und wenn man endlich damit fertig ist, dann sucht man vergeblich nach dem Knopf, mit dem man sie sonst immer abgesendet hat.

Wenn man dann völlig frustriert vor dem Stapel beschiebenen Papiers sitzt, dann kommt man irgendwie ins grübeln: Wie funktionierte das eigentlich damals noch, als die Leute noch Briefmarken auf ihre E-Mails kleben mussten? Was werden die Leute von mir denken, die jetzt vergeblich auf meine Weihnachtsgrüße warten?

Und wenn man im Posteingang seines E-Mail Clients nachsieht, dann wird man nach einigen Tagen feststellen: Es gibt niemanden mehr, der mir eine E-Mail schickt. Nicht einmal der nette Spammer von nebenan hält es mehr für nötig, mich mindestens sechsundsiebzigmal am Tag darauf aufmerksam zu machen, dass ich zu dick bin.

Kurzum: Es ist zum heulen.

Vorgestern Abend traf dann aber das lang ersehnte, rettende Notfallpäckchen ein und seit gestern Abend klappts auch wieder mit dem netten Spammer von nebenan ...

"Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos."

Loriot (1923-2011)

Mit dem Internet verhält es sich ähnlich: Zwar ist das Leben ohne Internet alles andere als sinnlos (das kann ich jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen), aber man kann sich kaum noch vorstellen, dass es früher einmal auch "ohne" möglich war.