Mittwoch, 8. Februar 2012

Eine schwimmende Kleinstadt

Die "Disney Fantasy", eine schwimmende Kleinstadt
Auch wenn es am Montag Abend leider etwas diesig war, bot das Ende letzten Jahres auf der  "Meyer Werft" in Papenburg fertiggestellte Kreuzfahrtschiff "Disney Fantasy", das zur Zeit noch zur Ausrüstung an der Bremerhavener Columbuskaje liegt, vom Turm der Pauluskirche aus betrachtet ein beeindruckendes Bild.

Aus der Höhe der Aussichtsgallerie werden die Dimensionen des für 4000 Passagiere ausgelegten Schiffes eigentlich erst richtig deutlich. Um diese Anzahl von Menschen unterbringen zu können, stehen 1250 Kabinen zur Verfügung. Auf Wohnhäuser übertragen wären ungefähr 100 bis 200 Häuser von der Größe des Altbaus notwendig, in dem ich wohne, um all diesen Menschen eine Unterkunft geben zu können - zumal noch die 1457 Menschen zählende Besatzung hinzukommt.

Die "Disney Fantasy" überragt deutlich ebenso die mehrstöckigen Wohnhäuser der Stadt, wie auch das gut sechs Stockwerke hohe Kreuzfahrtterminal, das unterhalb des hinteren Schornsteins zu sehen ist.Auf dem 340 Meter langen und 37 Meter breiten Schiff gibt es sechs Restaurants, verschiedene Bars, Sport- und Freizeitanlagen, eine riesige Wasserrutschbahn, Kinos und vieles mehr. Das Schiff ist so etwas wie eine schwimmende Kleinstadt. Einen Eindruck davon vermitteln die Bilder, die Deckpläne und eine Videoanimation von der Wasserrutschbahn auf der Internetseite der "Disney Cruise Line".

Winterliche Impressionen aus Probsteierhagen

Winterliche Impressionen aus Probsteierhagen (Schleswig-Holstein, Nähe Kiel)

Zum Abschluss des Wochenendbesuchs bei meiner Schwester habe ich mich am letzten Sonntagmorgen trotz der klirrenden Kälte noch einmal auf den Weg gemacht, um einige winterliche Impressionen mit der Kamera einzufangen.

Zu sehen sind Videoaufnahmen von der Hagener Au im Park vom Schloss Hagen, vom Schloss, aus der Ortsmitte von Probsteierhagen, sowie von der Hagener Au, wie sie neben der ehemaligen Wassermühle hinter einem erstarrten "Eisfall" als "tosender Wasserfall" über die Staustufen des Wehrs zu Tal rauscht, in dem früher einmal die Wasserräder für den Betrieb der Mühle eingebaut waren. Auf der anderen Straßenseite, gegenüber der ehemaligen Wassermühle, fließt die Au dann wieder als ruhiger Bach weiter in Richtung Ostsee.


In der Ortsmitte ist vieles aus der über siebenhundertjährigen Geschichte Probsteierhagens erhalten geblieben und auch die ehemalige Anlage des Guts Hagen ist noch gut zu erkennen. Wenn man die angrenzenden Neubauten ausgrenzt, dann könnte man den Eindruck gewinnen, vor ungefähr einhundert Jahren sei die Zeit dort stehen geblieben.

Der Betrieb der 1866 fertiggestellten Wassermühle wurde genau einhundert Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. In einem angrenzenden Gebäude betrieb das Gut Hagen in der Zeit von 1911 bis 1930 ein Elektrizitätswerk. Die Stilllegung und der spätere Abriss des kleinen Wasserkraftwerks erfolgten, nachdem die Schleswag im Jahre 1922 mit der Elektrifizierung der Probstei begonnen hatte.


Das 1649 fertiggestellte Schloss Hagen ist in den letzten Jahren aufwändig saniert worden und wird jetzt für Veranstaltungen, Tagungen etc. genutzt. Wen es interessiert, der kann sich bei einem vituellen Rundgang im Schloss umsehen.

Die im Video kurz zu sehende "St. Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen" wurde im Jahre 1259 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wird seit einiger Zeit ebenfalls umfassend saniert. Interessantes zur Geschichte der Kirche und Fotos mit Innenansichten sind auf der Internetseite der Fördervereins zu finden, der sich für den Erhalt der Kirche einsetzt.


(Quellen: Wikipedia - Hagener Au und Schloss Hagen, Internetseite Schloss Hagen, Verein für den Erhalt der St. Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen e.V., Historischer Pfad Probsteierhagen)

Zahnloser Tiger

Die Lage in Syrien gerät immer mehr außer Kontrolle. Dem anfangs friedlichen Protest großer Teile der Bevölkerung Syriens gegen das Regime des Herrn Assad begegnete dieser zuerst mit polizeilicher und bald darauf mit militärischer Gewalt. Inzwischen ist in den Medien immer öfter von bürgerkriegsähnlichen Zuständen die Rede.

Eine offizielle Berichterstattung unabhängiger Medien aus Syrien ist seitdem kaum noch möglich. Dass aber Panzer wahllos auf Wohngebiete in syrischen Städten schießen, in denen die Menschen gegen das Regime auf die Straße gehen, das ist in zahlreichen Videoaufnahmen zu sehen, die Bürger Syriens mit in Mobiltelefonen eingebauten Kameras aufgenommen haben.

Mehr als 400 Menschen wurden seit Beginn der Demonstrationen gegen das Regime Herrn Assads in Syrien umgebracht. Die Beobachter-Mission der Arabischen Liga, deren Mitglieder der Welt berichten sollten, dass das syrische Miltär seine Gewalt gegen die Opposition beendet, mussten das Gegenteil feststellen. Die Versuche der Arabischen Liga, das Syrische Regime zur Abkehr von der Gewalt zu bewegen misslangen und die Beobachter wurden konsequenterweise wieder abgezogen.


Gegen den Rest der Welt:

Eine wirksame Resolution der UNO, die das Regime in Syrien mithilfe von Sanktionen hätte empfindlich treffen können, wurde jetzt mit dem Veto von Russland und von China verhindert. Dass die "Demokratielenker" Russlands und die Diktatoren in China Verständnis dafür haben, wenn das Regime des Herrn Assad mit "Panzer-Kanonen auf Spatzen schießen lässt" und er für diese Maßnahmen imaginäre "ausländische Terroristen" verantwortlich macht, wundert mich überhaupt nicht.


Russland ...

Seit der Zeiten der Sowjetunion (UDSSR), deren Machtzentrale de facto immer in der russischen Hauptstadt Moskau angesiedelt war, gibt es dort die unschöne Tradition, zivilen Protest der Bevölkerung in einzelnen Staaten der "Union" mithilfe des Militärs niederzubomben. Daran hat sich auch nach dem Zerfall der UDSSR in der Russischen Föderation nichts geändert. Erinnert sei in diesem Zusammenhang zum Beispiel an die Trümmerwüste, die nach dem Bombardement durch die russische Armee von der tschetschenischen Hauptstadt Grosny übriggeblieben war. Versuche Tschetscheniens oder Georgiens, sich aus dem Machtbereich der "Föderation" in die Unabhängigkeit zu verabschieden wurden mit massiver militärischer Gewalt unterdrückt.

Russland geht jetzt sogar so weit, Herrn Assad direkt nach seinem Veto gegen die UN-Resolution demonstrativ mit einen Besuch Herr Lawrows (Russland, Außenminister) zu beehren. Herr Lawrow sagte gestern in Damaskus, Herr Assad sei bereit weitere Beobachter der Arabischen Liga ins Land zu lasssen. Na toll: Das ist an Zynismus ja wohl kaum noch zu überbieten. Die Beobachter können dann nämlich, weiterhin ohne den geringsten Einfluss auf ein Ende der Gewalt, über Militäreinsätze des Regimes gegen die Zivilbevölkerung berichten - sofern Herr Assad ihnen tatsächlich die Gelegenheit dazu geben sollte, diese Einsätze zu beobachten.

In den Nachrichten hieß es dazu gestern, Herr Lawrow habe der Welt mitgeteilt, Syrien werde die Gewalt gegen das Regime mit eigenen Mitteln und ohne ausländische Intervention beenden. Herr Assad sei sich seiner Verantwortung bewusst, die ein Führer für sein Land habe. (Führer, habe ich das nicht schon einmal irgendwo gehört?.) Derartige Äußerungen eines hochrangigen Vertreters Russlands zeigen deutlich, was die Regierung in Russland von Demokratie hält, seit Herr Putin (Russland, Präsident) dort das Sagen hat.

Auf welche Weise Herr Assad seiner "Verantwortung" gerecht zu werden gedenkt, ist in den bereits erwähnten Videoberichten syrischer Demonstranten inzwischen vielfach dokumentiert worden. Oder glaubt etwa irgend jemand, Herr Assad und seine Anhänger würden ihr Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung ändern, solange Russland und China deren Methoden gegen den Rest der Welt decken? Noch während Herr Lawrow sein Statement vor den Kameras des syrischen Fernsehens abgab schoss das Militär wieder einmal auf die Zivilbevölkerung in der syrischen Stadt Homs.


... und China

Auch die Diktatoren in Peking können sich nur deshalb noch an der Macht halten, weil sie seit Jahrzehnten immer wieder auf militärische Gewalt gegen die eigene Bevölkerung und die der annektierten Völker (Tibeter, Uiguren, ...) am Rand des Riesenreichs zurückgreifen, weil ihr geheimpolizeilich organisierter Machtapparat bisher perfekt funktioniert und der Rest der Welt die permanenten Menschenrechtsverletzungen in China um des schnöden Mammons willen beharrlich ignoriert.

Erst kürzlich hatte auch Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) das wieder einmal zu spüren bekommen. Diese hatte in Peking zwar mit Vertretern des Regimes über Menschenrechtsverletzung sprechen wollen - ein Ansinnen, das diese sich in der Regel mit deutlichen Worten verbitten - und eigentlich hatte sie auch vorgehabt, mit chinesischen Oppositionellen zu sprechen, war daran aber von ihren chinesischen "Gastgebern" erfolgreich gehindert worden. Diese Brüskierung konnte sie und die in ihrem Gefolge mitgereisten Vertreter deutscher Unternehmen aber nicht davon abhalten, mit Chinas Machthabern erneut über profitable Geschäfte zu verhandeln. Deutlicher konnte Frau Merkel wohl kaum demonstrieren, wo die Prioritäten der Bundesregierung liegen.


Keine Sicherheit im Exil

Seitdem gestern außerdem auch noch offiziell bekannt gegeben wurde, dass Syrien mit geheimdienstlichen Methoden im Ausland gegen syrische Oppositionelle vorgeht, haben die Methoden des Herrn Assad und seines Regimes zusätzlich an Brisanz gewonnen. Zwei mutmaßliche syrische Spione seien gestern in Berlin festgenommen worden.

Der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zufolge hätten die 34 und 47 Jahre alten Männern in Deutschland jahrelang syrische Oppositionelle ausgeforscht. Wie die Tagesschau gestern berichtete, erfolgten die Festnahmen aufgrund von Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Sechs weitere Beschuldigte sollen den Festgenommenen bei den Spionagetätigkeiten behilflich gewesen sein. Herr Westerwelle (FDP, Außenminister) hatte deshalb gestern den syrischen Botschafter in Deutschland einbestellen lassen. Dem Botschafter sei mit deutlichen Worten klargemacht worden, dass die Bundesregierung ein etwaiges Vorgehen Syriens gegen in Deutschland lebende Syrer, die dem Regime in Damaskus kritisch gegenüberstehen, auf keinen Fall akzeptieren wird.

In der Tagesschau der ARD hieß es gestern, unter den mehr als 32000 in Deutschland lebenden Syrern gebe es viele Oppositionelle, die den Widerstand in ihrer Heimat aus der Ferne unterstützen. Sie seien immer wieder Schikanen ausgesetzt. So sei auch Herr Ahma, der seit 1996 in Berlin lebe, im Dezember 2011 von zwei Unbekannten in seiner Wohnung angegriffen worden. Er werte den Vorfall als einen Einschüchterungsversuch im Auftrag von Schergen des Regimes. Herr Ahma ist Mitglied der Grünen und seit Oktober des letzten Jahres Mitglied des von Syrien nicht anerkannten oppositionellen Syrischen Nationalrats.


Der große zahnlose Tiger

Es ist gut, dass die Bundesregierung und deutsche Behörden gegen die Verfolgung hier lebender Immigranten durch geheimdienstliche Organisationen der Regierungen ihrer Herkunftsländer vorgehen und dazu öffentlich Stellung beziehen. Damit hat Deutschland dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) einiges voraus. Solange dort nämlich die Vertreter einzelner Staaten den demokratischen Willen der Vertreter der Mehrheit der Menschheit mit ihrem Veto blockieren können, wird die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) immer nur ein zahnloser Tiger sein, den kein gewalttätiger Tyrann, der "sein Volk" brutal zusammenschießen lässt, zu fürchten baucht. Das macht gerade im Falle Syriens wieder einmal deutlich, dass eine Reform der Verfassung der UNO längst überfällig ist.


(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 08.02.2012, Süddeutsche Zeitung vom 07.02.2012, ARD-Tagesschau vom 07.02.2012, TAZ vom 07.02.2012, Neue Züricher Zeitung vom 07.02.2012, Focus vom 06.02.2012, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04.02.2012, Spiegel vom 04.02.2012)

Dienstag, 7. Februar 2012

Kalte Sonne

Blick vom Turm der Pauluskirche (Bremerhaven, 6. Februar 2012)
Bei den derzeitigen Temperaturen scheint sogar das Licht der über der Stadt untergehenden Sonne zu gefieren. Da bekommt man Sehnsucht nach der Zeit, wenn die Sonne wieder über der Außenweser untergehen wird ... - und nach lauen Sommerabenden am Wurster Watt ...

Sonntag, 5. Februar 2012

Eisige Au

Die vereiste Au neben der ehemaligen Wassermühle in Probsteierhagen
Die Au, die hier durch Probsteierhagen (Nähe Kiel) fließt, ist ein kleines Flüsschen, dass einmal die Probsteierhagener Wassermühle angetrieben hat. Im ehemaligen Mühlengebäude befindet sich heute ein Blumengeschäft. Daneben stürzt die Au als "tosender Wasserfall" über ein Wehr, in dem früher einmal die Wasserräder eingebaut waren, mit denen die Mahlwerke der Mühle angetrieben wurden.

Nach dem anfangs warmen, verregneten Winter herrscht seit einigen Tagen Dauerfrost in Europa, dem - vor allem in den östlichen Ländern des Kontinents - schon mehr als 200 Menschen zum Opfer gefallen sind. Auch in Deutschland wurden schon eisige Temperaturen bis in den zweistelligen Minusbereich hinein gemessen.

Aber der Frost hat auch ein anderes Gesicht. Über den Wasserfällen am Mühlenwehr hat er einen teilweise schon geschlossenen Eispanzer wachsen lassen. Dieser krasse Gegensatz zwischen dem kraftvoll dahinschnellenden und dem zu Eis erstarrten Wasser darüber macht auf mich einen beinahe surrealistischen Eindruck, von dem mein Foto leider nur einen vagen Eindruck vermitteln kann.

Freitag, 3. Februar 2012

Eisbrunnen

Eisbrunnen

An diesen kalten Tagen kann man vom Frühling nur träumen. Es ist die Zeit, in der bestenfalls noch die Eisblumen gedeihen. Da ihnen seit der Einführung der Isolierverglasung allerdings der natürliche Lebensraum, herkömmliche Fenster mit Einfach-Verglasung, mehr und mehr entzogen wird, sind diese zarten, filigranen Pflänzchen leider stark vom Aussterben bedroht.

Wer heute noch das Glück hat, sich an blühenden Eisblumen erfreuen zu können, der wird diese sicher liebevoll hegen und pflegen.

Das dafür notwendige, gefrorene Wasser findet der Liebhaber der kühlen Schönheiten an diesem Brunnen. Allerdings klötert es beim Schöpfen heftig in der Gießkanne und will auch beim Versuch, die Eisblumen zu bewässern, nicht so recht durch die kleinen Löcher des Brausekopfs passen. Auf dem Foto ist der Inhalt einer Gießkanne zu sehen, den ein dadurch frustrierter Eisblumenfreund offenbar infolge eines vorübergehenden Wutanfalls neben dem Brunnen entleert hat.

Ich bin dann mal in der Nähe von Kiel. Euch allen ein schönes, sonniges Wochenende. Und solltet ihr zufälligerweise irgendwo ein Eisblümchen entdecken, dann gebt nicht gleich auf, wenn es mit dem Gießen nicht auf Anhieb klappen sollte.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Unter falschem Namen gegen Bürgerrechte



ACTA - die Abkürzung steht für "Handelsabkommen gegen Produktpiraterie" (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) - ist unter Umständen ein noch weiterreichender Angriff auf die weltweite Freiheit des Internets, als die Gesetzesvorhaben PIPA und SOPA der USA, gegen die in der letzten Woche im Rahmen einer internationalen Petition drei Millionen Menschen ihre Stimme erhoben haben.

Verheerende Auswirkungen drohen auch durch en freien Zugang zu Medikamenten in der sogenannten "Dritten Welt", sowie in vielen anderen Bereichen unseres täglichen Lebens. Sollte ACTA weltweit Gesetz werden, dann müsste sich jeder, bevor er von irgendjemandem irgendetwas annimmt, irgendetwas an jemanden weitergibt oder irgendetwas mit anderen Menschen teilt, mehr als gründlich überlegen, ob er sich damit möglicherweise strafbar machen könnte.

Die Bezeichnung "Handelsabkommen gegen Produktpiraterie" ist irreführend und täuscht über die tatsächlichen Möglichkeiten des Abkommens hinweg. ACTA geht nämlich über ein Instrument gegen Produktfälschungen weit hinaus. Das Video erklärt, warum das so ist.


Die einen Kriminellen und die anderen

Diejenigen, die über die Ratifizierung von ATCA abstimmen, sehen in den Internetnutzern oft nur Kriminelle. Dabei sind es diejenigen, die für ATCA stimmen, die damit der weitreichenden Zensur (auch des Internets!) und der totalen Überwachung aller Netzaktivitäten, dem Verlust der Netzneutralität aufgrund von Beschränkungen bei der Nutzung verschiedener Übertragungsprotokolle, der Einschränkung der freien Meinungsäußerung und dem Verlust weiterer Bürgerrechte Tür und Tor öffnen.

Das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ schreibt dazu in einer E-Mail an seinen Verteiler (Zitat): "Die repressiven Verordnungen könnten bedeuten, dass Menschen für das Teilen von Zeitungsartikeln oder das Hochladen eines Videos von einer Party, auf der urheberrechtlich geschützte Musik gespielt wird, bestraft werden. Verpackt als Handelsabkommen zum Schutz von Urheberrechten könnte ACTA darüber hinaus zum Verbot lebensrettender generischer Medikamente führen und den Zugang von Bauern zu Saatgut bedrohen. Und der Höhepunkt ist, dass der ACTA-Ausschuss eine Freikarte zum Ändern seiner eigenen Regeln hätte, ohne jegliche demokratische Kontrolle."


Konzerninteressen gegen bürgerliche Freiheiten

Diesem Frontalangriff versucht AVAAZ mit einer Petition an das Europäische Parlament etwas entgegenzusetzen. Dass wir mit einer solchen Petition etwas erreichen könnten, belegt der Erfolg der AVAAZ-Petition gegen die Gesetzesvorhaben PIPA und SOPA der USA. Herr Reid (USA, Senator) hatte die Abstimmung über die Gesetzesentwürfe gestoppt und angekündigt, einen Kompromiss zu suchen.

ACTA wurde von wenigen reichen Ländern und mächtigen Konzernen ausgehandelt und würde einen neuen, nicht gewählten, "ACTA-Ausschuss" ins Leben rufen, der es privaten Interessen erlauben würde, alles, was wir Online machen zu überwachen und drakonische Strafen gegen alle diejenigen zu erwirken, die angeblich ihren Geschäften schaden. Die Regierungen, die 80 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, waren von den Verhandlungen um ACTA ausgeschlossen und ungewählte Bürokraten arbeiteten eng mit Konzern-Lobbyisten zusammen, um die neuen Regelungen, sowie ein viel zu mächtiges Vollzugsverfahren auszuhandeln.

Ohne die Zustimmung des EU-Parlaments, das gerade mit dem Ratifizierungsprozess für ACTA begonnen hat, würde der Angriff auf die Internet-Freiheit scheitern. ACTA würde zunächst die USA, EU und 9 weitere Länder umfassen, um dann auf die ganze Welt erweitert zu werden. Wenn wir die EU jetzt zu einem Nein bewegen könnten, dann könnte das Abkommen damit ausgebremst und letztlich ganz aufgehalten werden.

Viele Parlamentarier äußern sich schon seit langem ablehnend gegenüber den ACTA-Plänen. Andere sind jedoch unentschlossen. Die Petition könnte sie dazu bewegen, dem Abkommen ihre Zustimmung zu verweigern. Die Petition im Wortlaut:
An alle Mitglieder des EU-Parlaments

Als besorgte Bürger der Welt rufen wir Sie dazu auf, für ein freies und offenes Internet einzustehen und die Ratifizierung des Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) abzulehnen. Das Internet ist ein wichtiges Mittel für den weltweiten Gedankenaustausch und die Förderung von Demokratie. Zeigen Sie echtes globales Führungsverhalten und schützen Sie unsere Rechte.



Darüber hinaus kursiert auf vielen Seiten im Internet der 11. Februar als Termin für Demonstrationen in Deutschland gegen ACTA.


"Unser Leben kommt dann an sein Ende, wenn wir still werden; Freiheit wird niemals freiwillig vom Unterdrücker gewährt, sie muss von den Unterdrückten gefordert werden."

Martin Luther King


Zum Weiterlesen:



(Quellen: ARD-Tagesschau vom 01.02.2012, Stern vom 01.02.12, Süddeutsche Zeitung vom 30.01.2012, Netzwelt vom 30.01.2012, AVAAZ vom 29.01.2012,, Spiegel vom 27.01.2012, heise online vom 24.01.2012, Spiegel vom 20.01.2012, msfaccess.org vom 19.11.2010, Wikipedia)