Dienstag, 21. September 2010

Ein Fest im Viertel und jede Menge Regen


Führung zu unter Denkmalschutz stehenden Gründerzeithäusern

Am Abend des letzten Freitags waren trotz des regnerischen Wetters so viele Menschen auf einmal in den Straßen des Leher Gründerzeitviertels unterwegs, wie ich es nie zuvor erlebt habe. Anlass war die Führung zu den unter Denkmalschutz stehenden Gründerzeitgebäuden entlang des zukünftigen Altstadtrundwegs. Es scheint, als hätten die Leute lange darauf gewartet, endlich einmal mehr über das Viertel zu erfahren, als sonst so in der Regenbogenpresse zu lesen ist. Wenn die Menschen auf diese Weise auch einmal die andere Seite des Leher Ortsteils Goethestraße kennen lernen, und ihr Wissen dann auch weitergeben, dann hat sich der bisherige Aufwand schon gelohnt, und die geplanten Investitionen in Installationen entlang des Altstadtrundwegs werden sicher ihr übriges tun.



Impressionen vom Auftaktfest Altstadtrundweg

Im Anschluss an die Führung begann offiziell das "Auftaktfest Altstadtrundweg". Eine eine etwas kleinere Gruppe ging - ebenfalls entlang des zukünftigen Altstadtrundwegs und geführt von einer Drehorgel - zu vier verschiedenen Lesungen. Zwei der ursprünglich eingeplanten Leser waren leider kurzfristig aufgrund einer Erkrankung ausgefallen. Sie wurden aber von ebenso kurzfristig eingesprungenen befreundeten Lesern würdig vertreten. Im Video sind unter anderem eine Lesung in spanischer Sprache unter einem Regenschirm sowie eine Autorenlesung im Gemeinschaftsraum des Wohnprojekts Goethestraße 43 zu sehen. Weitere Lesungen wurden vom Balkon der "Theo" und aus einem Fenster Ecke Gnesener-/Eupener Straße vorgetragen.



Auf dem Pausenhof Lehe


Lichtinszenierung an einer Gründerzeitfassade

Auf dem "Pausenhof Lehe" war ein Zelt mit Infoständen der ESG-Lehe aufgebaut und für das leibliche Wohl war auch gesorgt. Auf der Bühne spielten Bands des Rock Zyklus Bremerhaven und in der Umgebung des Pausenhofs Lehe setzte "Das letzte Kleinod" die Gründerzeitfassaden einiger Gebäude ins rechte Licht. Abgesehen von dem stürmischen Regenwetter war das Auftaktfest Altstadtrundweg der "Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe" (ESG-Lehe) eine gelungene Veranstaltung. Vielleicht wird den Gästen beim nächsten Fest in Viertel ja auch etwas besseres Wetter geboten ;)


Update 22.09.2010: Video


Sonntag, 19. September 2010

Atomkraft: Schluss jetzt!


Demonstration gegen die Atompolitik am 18. September 2010 in Berlin

Nicht - wie es die Bundesregierung gerne hätte - die Zustimmung zur Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke erlebt hierzulande eine Renaissance. Rund 100000 Menschen zeigten am Samstag in Berlin überdeutlich: Das, was die gelb-schwarze Bundesregierung mit ihrer Atompolitik und mit ihrer Kumpanei mit den Atomkonzernen ins Leben gerufen hat, das ist die Renaissance der Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland.

Die Bundesregierung spricht von ihrer "Revolutionären Energiepolitik". Die Energiepolitik der Bundesregierung ist ein mehrere 100-Milliarden-Euro-Geschenk an die vier Atomkonzerne in Deutschland zu Lasten der erneuerbaren Energieren, das mit Steuermitteln finanziert wird ... - mit unseren Steuern und mit der gesamten Last des Risikos auf unseren Schultern. Die Revolution der Bundesregierung ist eine Revolution gegen das Volk! Was die Bundesregierung damit provoziert, das ist die Revolution der Bürger in diesem Land, die sich diese Arroganz der Macht, diese Aushebelung der Grundlagen unserer Demokratie mit Hilfe von Geheimverträgen mit den Atomkonzernen, diese Ignoranz gegenüber ihren existentiellen Sicherheitsinteressen, diesen permanenten Griff in ihre Taschen zum Wohle von EnBE, RWE, Eon und Vattenfall nicht mehr gefallen lassen werden. Die Texte auf den Transparenten im Demonstrationszug stellten das teilweise auf recht drastische Weise klar. Einen kleinen Eindruck davon vermitteln die Szenen in meinem Video, die ich im Laufe des Nachmittags in Berlin mit der Kamera festgehalten habe.









Demonstraten vor dem Reichstag

Aufgerufen zur Demonstration hatten die "Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad", "Ausgestrahlt", der "BUND", die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW)", das demokratische Netzwerk "Campact" und die "Naturfreunde". Unterstützt wurden die Organisatoren von einem breiten Bündnis unabhängiger Organisationen aus allen Teilen der Gesellschaft. Bei der Polizei angemeldet hatten die Veranstalter 30000 Teilnehmer, und im Vorfeld erklärt, sie würden jedoch mit mehr als 50000 Teilnehmern rechnen. Gekommen waren rund 100000 überwiegend aufgebrachte Bürger aller Altersschichten - von Kindern und Jugendlichen bis hin zu betagten Rentnern - die ihrem Unmut über den Umgang der schwarz-gelben Bundesregierung mit den Menschen zum Ausdruck brachten. Darunter waren auch viele ältere Menschen, die bisher noch nie an einer Demonstration teilgenommen haben - und viele, die jetzt nach 10 oder mehr Jahren erneut gegen die Nutzung der Atomkraft auf die Straße gingen.









Umzingelung des Regierungsviertels

Aufgrund der großen Menschenmenge war die Umzingelung des Regierungsviertels bereits abgeschlossen, als die meisten von uns noch auf dem Washington-Platz anstanden, um endlich über die Brücke über die Spree zum Regierungsviertel zu gelangen. Allein diese Tatsache beweist, dass sich deutlich mehr Menschen an der Demonstration beteiligten, als die Veranstalter im Vorfeld zu hoffen gewagt hatten. Wäre der Kundgebungsplatz, wie von den Veranstaltern der Demonstration gefordert, die Reichstagswiese gewesen, und nicht der Washington-Platz vor dem Hauptbahnhof, dann hätte es den Engpass an der Brücke nicht gegeben.









Kundgebung auf dem Washington-Platz

Als endlich alle Demonstranten die Brücke über die Spree passiert hatten, konnte man von einer "Umzingelung" des Regierungsviertels eigentlich gar nicht mehr sprechen: Es war flächig von Demonstranten überflutet. Als bereits die Abschlusskundgebung begonnen hatte, waren immer noch so viele Demonstrationsteilnehmer im Regierungsviertel, dass die Polizei letztlich auch den Weg für die Menschen auf die Reichstagswiese frei gab.


Da von Bremerhaven aus kein Bus nach Berlin fuhr, und es anfangs auch keinen Sonderzug aus dem Norden nach Berlin gab, hatte ich frühzeitig einen Platz in einem Bus ab Stotel, einem kleinen Ort südlich von Bremerhaven, reserviert. Von dort aus ging es morgens um halb sechs durch den Wesertunnel auf die andere Seite der Weser. Auf dem Weg am Atomkraftwerk Unterweser vorbei stiegen bis Berne, einem Ort kurz vor Bremen-Nord, die anderen Mitreisenden zu. Pünktlich um zwölf Uhr kamen wir mittags am Washington-Platz in Berlin an. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei den Busorganisatoren für die viele Arbeit und bei dem Busbegleiter für die nette Betreuung bedanken, sowie bei den beiden Fahrern dafür, dass sie uns sicher ans Ziel und wieder zurück gefahren haben.

Bis auf zwei, drei Regenschauer meinte es das Wetter während des Nachmittags in Berlin gut mit uns. Trotz des ernsten Anlasses herrschte eine gute Stimmung und soweit mir bekannt ist blieb es überall friedlich. Als wir in der Nacht gegen ein Uhr wieder in Stotel ankamen, waren alle erschöpft, aber zufrieden. Allerdings ist zu befürchten, dass die Demonstration vor der Haustür der Bundesregierung nur ein Meilenstein auf einem langen Weg war, der noch vor uns liegt. Bis zur nächsten größeren Demonstration - Anfang November in Gorleben - wird es diverse, dezentrale kleinere an verschiedenen Orten der Bundesrepublik geben, wie zum Beispiel am 29. September in Salzgitter, am 6. Oktober in Stuttgart und am 9. Oktober in München. Unmittelbar vor der geplanten Verabschiedung der geplanten Atomgesetz-Novelle findet am 23. Oktober mit dem Castor-Strecken-Aktionstag die nächste bundesweite Aktion statt.

Die Bürger haben der schwarz-gelben Regierungskoalition in Berlin einen "Heißen Herbst" versprochen. Es ist noch nicht zu Ende ...

www.campact.de


(Quellen: Tagesschau vom 18.09.2010, Atomkraft: Schluss jetzt!, Spiegel online vom 18.09.2010, Handelsblatt vom 18.09.2010)

Freitag, 17. September 2010

Morgen in Berlin ...

Atomkraft? Nein Danke!Allen, denen noch Argumente gegen die Atompolitik der Bundesrepublik fehlen, empfehle ich den folgenden Dokumentarfilm vom Februar dieses Jahres (Dauer insgesamt: ca. 45 Minuten). Seit dem hat die schwarz-gelbe Atompolitik durch geheimgehaltene Vertragsunterzeihnungen mit den Atomkonzernen, Pläne zur Enteignung von Grundstücksbesitzern, Beschränkungen der Rechte der Bürger bei Klagen etc. noch erheblich an Schärfe zugenommen.

Ich werde jedenfalls, morgen nach Berlin zu fahren, um der Bundesregierung, zusammen mit vielen anderen Bundesbürgern, zu sagen, dass sie mit heftigem Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen hat, wenn sie ihren undemokratischen, bis ins kleinste Detail auf die Interessen der Atomkonzerne abgestimmten und für die Sicherheit der Gesellschaft in der Bundesrepublik gefährlichen Atomkurs wie bisher beibehält.

Wer sich in der Nachbarschaft oder auch im Umkreis von 90 oder 120 Kilometern eines Atomkraftwerks bisher relativ sicher gefühlt hat, der wird am Ende der Dokumentation mit Schrecken erkennen, dass weder die Behörden, noch der Katastrophenschutz - und die Atomkraftwerksbetreiber schon gar nicht! - in der Lage sind, die Bevölkerung der Bundesrepublik vor den Folgen eines Super-GAUs zu schützen. Notfallpläne in Schulen oder Kindergärten im Einflussbereich der Atomkraftwerke gibt es für den Fall eines Brandes im Gebäude, nicht jedoch für den Fall einer Katastrophe aufgrund eines Unfalls in einem benachbarten Atomkraftwerk.

Die Großstadt Hamburg innerhalb von 3 Stunden zu evakuieren ist schlicht und einfach illusorisch. Im Film kommt eine Wissenschaftlerin zu Wort, die ihr Brot mit der Erstellung von Ausbreitungsrechnungen und Modellen verdient. Sie stellt recht anschaulich dar, was die Hamburger zu erwarten hätten, sollte es aufgrund eines Unfalls im Atomkraftwerk Krümmel einmal zu einer Atomkatastophe kommen. Etwas mehr Zeit bliebe den Menschen in der Hansestadt vielleicht bei einem Super-Gau in Brunsbüttel oder Brockdorf ... - bei günstiger Windrichtung.

Aber, seht selbst:


Die Atomlüge 1/5


Die Atomlüge 2/5


Die Atomlüge 3/5


Die Atomlüge 4/5


Die Atomlüge 5/5

Alternativ kann man den Film auch auf der Internetseite des NDR anschauen.


Unterdessen gibt es Bestrebungen, die Demonstration vom Platz vor der Haustür der politischen Entscheidungsträger zu verdrängen. Die Veranstalter wollen den Protest dort sichtbar machen, wo die Entscheidungen über die Energiepolitik fallen, mitten im Berliner Regierungsviertel auf der Reichstagswiese. Aber die Berliner Genehmigungsbehörden stellen den Schutz der Grünfläche über das Recht der Versammlungsfreiheit. Gleichzeitig bieten sie als Alternative den Washingtonplatz südlich des Berliner Hauptbahnhofs an. Die Veranstalter haben dagegen gestern Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht eingereicht.

Uwe Hiksch von den Naturfreunden Deutschlands: „Wir lassen uns nicht aus dem Regierungsviertel drängen. Der Platz der Republik muss für Demonstrationen zu zentralen politische Anliegen zur Verfügung stehen. Die Alternative Washingtonplatz ist völlig verbaut und für eine solche Großdemo ungeeignet.“


Schluss jetzt!
  • Atomkraftwerke abschalten!

www.campact.de


(Quellen: NDR "45 Min" vom 23.02.2010, Aktion "Atomkraft: Schluss jetzt!", Wikipedia)

Donnerstag, 16. September 2010

Morgen in Lehe ...


Bremerhaven, Eupener Straße: "Schloss am Meer"

Morgen Abend um 18 Uhr beginnt für interessierte Gäste auf dem Ernst-Reuter-Platz neben der Pauluskirche eine Führung unter fachkundiger Leitung zum Thema "Denkmalschutz" entlang des zukünftigen Altstadtrundwegs durch das Leher Gründerzeitviertel.

Um 19 Uhr folgt dann, ebenfalls auf dem Ernst-Reuter-Platz, die offizielle Eröffnung des Auftaktfestes zur Vorstellung des Altstadtrundwegs. Entlang des Weges und auf dem "Pausenhof Lehe" bietet die Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe e.V. (ESG-Lehe) ein vielfältiges Kultur und Informationsprogramm mit Lesungen, Live Musik, Lichtinszenierungen und vielem mehr.

Mittwoch, 15. September 2010

Septembermorgen



Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike (1804-1875)


Nach der Hitzewelle und der Dürre im Juli und einem verregneten August geht der Sommer dem Ende zu. Da bleibt die Hoffnung auf ein paar sonnige Tage im September und einen goldenen Oktober.

Dienstag, 14. September 2010

Verschwiegen und verplappert

Atomkraft? Nein Danke!Während des 5. Deutschen Energiekongresses in München hielt Herr Schmitz (RWE, Vorstandsmitglied) ein Referat über das Energiekonzept der Bundesregierung. Herr Münchmeyer (Greenpeace, Sprecher) hatte Zweifel daran, dass die Atomkonzerne tatsächlich zugunsten der aufgrund der von der Bundesregierung beabsichtigten Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke auf einen Teil ihrer Zusatzgewinne verzichten würden.

Auf seine Nachfrage, wer denn garantieren könne, dass die Atomkonzerne ihre Zusatzgewinne aus den längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke auch wirklich abführen würden, erhielt er von Herrn Schmitz zur Antwort, die Vereinbarungen seien bereits in der Nacht vom 5. auf den 6. September schriftlich fixiert worden.

Ob der Herr Schmitz sich da in seiner Euphorie über den Sieg der Atomkonzerne wohl etwas vorschnell verplappert hatte? In der Pressekonferenz der Bundesregierung am 6. September wurden die Verhandlungsergebnisse jedenfalls verschwiegen: Kein Hinweis auf die Tatsache, dass bereits eine Vereinbarung mit den Atomkonzernen unterzeichnet worden war!

Wäre sein Triumph allerdings nicht dermaßen mit Herrn Schmitz durchgegangen, hätte möglicherweise wohl niemals jemand etwas über die gemeinsame Nacht- und Nebelaktion der Bundesregierung und der Atomkonzerne erfahren.

Medien hatten zudem über Konferenzschaltungen mit den Energiekonzernen während der Verhandlungen der Bundesregierung berichtet. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hatte zuvor übereinstimmend aus Regierungs- und Koalitionskreisen erfahren, dass Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) am Sonntagabend in kleiner Runde um kurz vor 23.00 Uhr mit den Konzernchefs von Eon , RWE , ENBW und Vattenfall telefoniert hatte.

Herr Müller (LobbyControl, Geschäftsführer) fordert deshalb: "Die Bundesregierung muss erklären, welchen direkten Zugang die Energiekonzerne zu den Verhandlungen hatten. Diese Art von einseitigem Zugang für vier große Konzerne ist völlig inakzeptabel. Hier verschaffen sich Unternehmen über ihre politische Macht ökonomische Vorteile."


Beschädigung der Demokratie
durch schwarz-gelbe Lobbyarbeit


Da wurde zwischen der Regierung und den Atomkonzernen an Bundestag und Öffentlichkeit vorbei eine geheim gehaltene Vereinbarung unterschrieben. Im Energiekompromiss verzichtet die Bundesregierung zugunsten der Atomkonzerne auf sicherheitrelevante Nachrüstungen an den Uralt-Atommeilern, und Vertreter der Bundesregierung versuchen, das ganze zu verschweigen, zu vertuschen und sind - nachdem das eine oder andere doch durchgesickert ist - auch noch so dreist, die Öffentlichkeit darüber zu belügen. In einem Schreiben an "Monitor" heißt es:

Der geschilderte Sachverhalt ist komplett falsch.

Die ARD-Tagesschau stellt auf ihrer Internetseite demgegenüber jedoch klar, aus internen Regierungsdokumenten, die den Journalisten des ARD-Politmagazins Monitor vorliegen, gehe hervor, dass die Verpflichtung der Atomkraftwerksbetreiber zur Nachrüstung, insbesondere auch der sogenannten Altreaktoren, faktisch weitgehend abgeschafft werden soll. Und nicht nur "Monitor" kommt zu diesem Schluss.

Auch Herr Renneberg (ehem. Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium) sieht das so: "Wenn das Wirklichkeit wird, was in diesen Dokumenten steht, dann verdienen diese Papiere nicht die Überschrift Nachrüstung."

Verschärfend hinzu kommt außerdem, dass sich der "Energiekompromiss" auf ein umstrittenes, 500000 Euro teures Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln stützt, das - laut Lobby Control - die Effekte der erneuerbaren Energien klein rechnet, und das zu großen Anteilen von den Atomkonzernen RWE und E.ON finanziert wird, die auch Einfluss auf die Personalpolitik haben.

Die SPD hat angekündigt, sie werde ein Rechtsgutachten in Auftrag geben, sobald der Gesetzentwurf der Regierung vorliege. Für eine Klage beim Verfassungsgericht benötigt die Bundestagsfraktion der SPD ein Viertel der Abgeordneten des Bundestages. Die Fraktion der Grünen im Bundestag hatte vorher bereits schon eine Klage gegen den Atomkompromiss angekündigt.


Da wird zur Zeit in Regierungskreisen nicht nur in unverantworlicher Weise mit dem atomaren Feuer gespielt, sondern - so ganz nebenbei - auch noch die Demokratie mit Füßen getreten.

Deshalb: Schluss jetzt!
  • Atomkraftwerke abschalten!

www.campact.de


(Quellen: Tagesschau vom 09.09.2010 und vom 14.09.2010, Statement und Pressemitteilung von Lobby Control, Monitor vom 09.09.2010, Handelsblatt vom 06.09.2010)

Montag, 13. September 2010

Heiliges Land, vergiftete Völker

Atomkraft? Nein Danke!Die von der Bundesregierung gegen den mehrheitlichen Willen der Bundesbürger beschlossenen Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke ist nicht nur eine Frage der unverantwortlichen Gefährdung der heute in unserem Land lebenden Menschen sowie der nachfolgenden Generationen. Mit ihrem Beschluss vom Sonntag, 5. Sptember 2010, fördert die Bundesregierung auch Menschrechtsverletzungen in den Uranabbaugebieten in vielen Ländern der Welt!

In einer am 29.08.2010 auf ihrem Weltkongress in Basel (Schweiz) verabschiedeten Resolution zur Ächtung des Uranabbaus und der Produktion von Yellowcake (Uranoxid) haben die "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) auf die systematische Verletzung von Menschenrechten im Zusammenhang mit dem Abbau von Uran und der Yellowcake-Produktion aufmerksam gemacht.

Das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit, auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung, auf den Schutz der Menschenwürde und auf sauberes Wasser sind nach Ansicht der Ärzte nur einige der Menschenrechte, die durch Uranabbau und seine Weiterverarbeitung verletzt werden. Beides wird in der Resolution als „unverantwortlich“ und „ernsthafte Bedrohung für Gesundheit und Umwelt“ beschrieben.


Zuvor hatten indigene Völker aus allen Kontinenten der Welt auf dem Vorkongress "Sacred Lands, Poisoned Peoples" (Heiliges Land, Vergiftete Völker) eine eigene Erklärung an den IPPNW verabschiedet, deren deutsche Übersetzung ich im folgenden im Wortlaut wiedergebe:

In der heutigen Zeit, in der die Zerstörung von Mutter Erde und der Gesundheit der Menschen durch die Erschließung nuklearer Ressourcen immer weiter zunimmt, haben sich Repräsentanten indigener Völker auf dem Vorkongress "Sacred Lands, Poisoned Peoples" getroffen und sich über ihren Widerstand gegen Uranabbau ausgetauscht. Von Kanada und den USA bis Niger, Mali, Namibia, Tansania und Malawi, von Russland und Deutschland, über Australien bis Brasilien und Indien – Völker aus der ganzen Welt, die sich mit den Folgen dieser tödlichen Industrie konfrontiert sehen, haben sich hier zusammengefunden.

Vergangene, gegenwärtige und zukünftige Generationen indigener Völker sind überdurchschnittlich betroffen von Uranabbau, Atomwaffen und der Atomindustrie. Die nukleare Produktionskette führt zu einer radioaktiven Verseuchung der Menschen, des Landes, der Luft und des Wassers. Sie bedroht unsere Existenz und die zukünftiger Generationen. Uranabbau, die Weiterentwicklung von Atomenergie und internationale Abkommen, die die nukleare Produktionskette fördern, verletzten Menschenrechte und das Recht von Mutter Erde auf eine unversehrte Natur. Sie gefährden unser Überleben und unser Recht auf eine eigene Spiritualität, die ohne eine intakte Umwelt nicht gelebt werden kann.

Die gefährlichen gesundheitlichen Auswirkungen radioaktiver Strahlung beginnen mit dem Abbau von Uran. Wir bekräftigen hiermit die Erklärung des World Uranium Hearing in Salzburg, 1992, dass Uran und seine radioaktiven Zerfallsprodukte in der Erde verbleiben müssen. Und wir erklären unsere Solidarität mit all jenen, die für ein Ende des Uranabbaus und seiner Weiterverarbeitung sowie gegen den unverantwortlichen Umgang mit radioaktivem Abfall, Atomenergie und Atomwaffen eintreten.

Wir setzen uns voll und ganz ein für eine atomfreie Zukunft für alle Völker.

In der Vorstellung vieler Naturvölker ist der Boden, in dem ihre Ahnen ruhen, heiliges Land. Sie begreifen die Erde als die gemeinsame Mutter aller Lebewesen. Dieses Bild von der Welt, in der wir leben, entspricht auch meiner Vorstellung: Alle Menschen, zusammen mit allen Tieren und Pflanzen - mit allem, was lebt - sind abhängig von einem intakten Lebensraum auf der Oberfläche, im Boden und im Wasser unseres gemeinsamen Planeten Erde. Das Gefüge des Lebens auf der Erde ist äußerts komplex. Alles hängt mit allem zusammen. Wenn wir nicht sorgsam mit der Erde umgehen, und unsere Lebensgrundlagen mit unserer egoistischen Gier nach "immer mehr" weiterhin in dem Umfang gefährden und zerstören wie in den letzten 150 Jahren, dann wird die Menschheit nicht einfach nur kollektiven Selbstmord begehen, sondern wir zerstören damit ebenfalls die Grundlage für alles Leben auf der Erde. Selbst wenn "das Leben" auf der Erde "überleben" sollte: Die Welt wäre nicht mehr die Welt, wie unsere Vorfahren und wir sie kannten.

In einer Presseerklärung der IPPNW kommen stellvertretend drei Vertreter indigener Völker zu Wort:
  • Nordamerika
    "Uranabbau hinterlässt ein giftiges Erbe, lange nachdem die Bergbauunternehmen den Betrieb einstellen und gegangen sind. Das Gift der Radioaktivität bleibt in unserem Boden und in unserem Wasser, es schadet unserer Gesundheit und es verletzt Mutter Erde. Wir solidarisieren uns mit allen, die von dieser gefährlichen Industrie konfrontiert werden, und wir sagen: Stopp! Lasst das Uran in der Erde."

    Charmaine White Face
    (Delegierte der Tetuwan Sioux Nation, USA)

  • Afrika
    "Auf unserem Land gibt es zwei Uranminen und 130 Schürfrechte zur Erkundung von potentiellen Abbaustätten. Was wird uns die Zukunft bringen? Wir wurden ohne jegliche Entschädigung von unserem Land vertrieben. Wir wollen nicht, dass diese Abbaufirmen hierher kommen, unser Land vergiften und unsere Lebensweise zerstören."

    Azara Jalawi
    (Vize-Präsidentin der Koordination für die Zivilgesellschaft in Arlit, Niger)

  • Australien
    "Mein Volk muss mit Uranabbau und Atomwaffentests in unserem eigenen Territorium leben. Wir spüren die zerstörerischen Folgen der Radioaktivität am eigenen Leib, und wir beobachten, wie unser Land langfristige Schäden davonträgt. Zusammen mit unseren indigenen Freunden und Unterstützern aus der ganzen Welt sagen wir Nein zu Uran und Radioaktivität. Laßt es in der Erde!"

    Rebecca Bear-Wingfield
    (Stellvertretende Vorsitzende der Australian Nuclear Free Alliance (ANFA), und Mitglied des Ältestenrats der Arabunna, Kokatha und Kupa Pita Kungka Tjuta, Australien)

Ich schließe mich den Forderungen dieser Menschen an

Der Super-GAU, der sich 1986 im Atomkraftwerk Tschernobyl ereignete, wurde weltweit bekannt. Auch wenn die damals Verantwortlichen alle Mühe gaben: Diese menschengemachte Umweltkatastrophe ließ sich nicht vertuschen. Dieses "Tschernobyl" war das erste, das einer Industiegesellschaft, einer Anhängerin der Nutzung der Atomkraft, zum Verhängnis wurde. Aber von den vielen weiteren "Tschernobyls" im Zusammenhang mit dem Abbau und der Weiterverarbeitung des auch für die "Laufzeitverlängerung" notwendigen Rohstoffs für die Brennstäbe erfährt kaum jemand etwas. Und es sind oft die Ureinwohner ferner Kontinente und Länder, deren Kultur in von der westlichen Zivilisation abgeschirmten Gebieten überlebte, die aber das Pech haben, zufällig über Uranlagerstätten zu wohnen, und die deshalb zu Opfern der Atombombe und der sogenannten "friedlichen Nutzung der Atomenergie" in den energiehungrigen Industriegesellschaften wurden.

Inzwischen weiß ich es besser. Ob die Atomkraft in der Atombombe oder im Atomkraftwerk zum Einsatz kommt: Die Nutzung der Atomenergie ist niemals friedlich!
  • Sie tötet Arbeiter im Uranbergbau.
  • Sie vertreibt indigene Völker aus dem Land ihrer Vorfahren und zerstört ihre Kultur.
  • Sie hinterlässt auf unabsehbare Zeit verstrahlte Landschaften.
  • Sie machte die Bewohner der Pazifikatolle Bikini oder Muroroa zu Opfern der Atombombe im kalten Krieg
  • Sie tötet noch immer Menschen aus der Umgebung Tschernobyls
  • Sie untergräbt die Demokratie in unserem Land
  • Sie bedroht den sozialen Frieden in Deutschland
  • . . .

Jeder, der den "Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft" fordert macht sich daran mitschuldig. An vielen der Millionen Euro, die Tag für Tag von einem deutschen Atomkraftwerk in die Kassen der Atomkonzerne gespült werden, klebt das Blut verstrahlter, an Krebs erkrankter Menschen in den Uranabbaugebieten Australiens, Afrikas oder Amerikas. Wer genauer wissen möchte, was ich damit meine, dem empfehle ich den Dokumentafilm "Uranium? - is it a country?" (Uran? - Ist das ein Land?), der auf der Internetseite der Initiative "Nuking the Climate - Strahlendes Klima" zu sehen ist. Der Film zeigt die gravierenden Risiken für Mensch und Umwelt, die beim Uranabbau entstehen. Die Spurensuche nach der Herkunft des Rohstoffs Uran für unsere Atomkraftwerke führt nach Australien, wo weltweit die größten Uranvorkommen lagern.

Lediglich ein kleiner Vorgeschmack darauf, was uns in unserem eigenen Land noch erwarten kann, sind die Ereignisse um das marode Atommülllager im Salzstock "Asse-II". Anstatt nach alternativen Lagerstätten für den Atommüll zu suchen, wird weiterhin ausschließlich in Gorleben "erkundet" - wiederum im Salz - und die grundlegende Erkenntnis, dass es nirgendwo auf diesem Planeten eine über Millionen von Jahren sichere Lagerstätte für hochradioaktiven Atommüll gibt, ist bis zu den verantwortlichen Politikern immer noch nicht vorgedrungen. Obwohl niemand weiß, wohin mit dem ohnehin schon angehäuften riesigen Atommüllberg, will die derzeitige Bundesregierung noch Unmengen weiteren Atommülls produzieren. Das ohnehin schon unlösbare Problem wird dadurch um keinen Deut lösbarer! Diese Bundesregierung fährt den völlig überladen Atommüllwagen sehenden Auges mit Höchstgeschwindigkeit gegen die Wand!


Wenn die Bundesregierung die Atomkraftwerke weiterhin in Betrieb halten will, um mit dem Geld der Atomkonzerne den Haushalt zu finanzieren, dann macht sie das mit schmutzigem Geld! Sie finanziert unseren Wohlstand mit der Zerstörung weiter Landstriche in fernen Ländern, mit der Vertreibung ganzer Völker aus ihren angestammten Lebensräumen und nimmt die mögliche Zerstörung unser eigenen Landes, sowie unserer eigenen Lebensgrundlagen, billigend in Kauf.

Ich werde diese Welt am Ende meiner Reise durch das Leben irgendwann wieder verlassen. Das heißt, ich persönlich werde (hoffentlich) nicht mehr von den Folgen der Fehler, die derzeit in unserem Land und weltweit begangen werden, betroffen sein. Mir ist jedoch sehr daran gelegen, dass die existenziellen Grundlagen für das Leben meiner Kinder und Kindeskinder, und das aller noch nachfolgenden Generationen aller Lebewesen auf unserem gemeinsamen Planeten, noch lange nachdem ich am Ende meines Weges angekommen sein werde, Bestand haben werden.


Deshalb: Schluss jetzt!
  • Uran in der Erde lassen!
  • Atomkraftwerke abschalten!

www.campact.de


(Quellen: IPPNW, TAZ vom 05.09.2010, nuking the climate)