Sonntag, 23. Mai 2010

Unsichtbare, tödliche Fallen

FriedenstaubeAuch 55 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden in Deutschland bei Bauarbeiten noch sogenannte Blindgänger gefunden - Bomben, die nach dem Abwurf aus den Flugzeugen der aliierten Bomberflotten nicht explodierten. Die Waffen der Großeltern und Eltern gefährden auch heute noch das Leben und das Eigentum ihrer Kinder und Enkel.

Ungleich heimtückischer als diese zentnerschweren, tödlichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs sind jedoch Landminen. Mit ihnen wurden in den Kriegen des 20. Jahrhunderts Todeszonen geschaffen, mit denen die Soldaten ihre Feinde an der Verfolgung hinderten, oder daran, in ihre Stellungen einzudringen. Da die Verfolger oder Eindringlinge die Todeszonen nach den ersten Opfern in ihren Reihen umgingen, liegen noch heute viele dieser heimtückischen Sprengfallen versteckt in den Böden von Ländern, in denen heute Frieden herrscht, und zerstören dort Monat für Monat das Leben unzähliger Menschen. Sie machen dabei keinen Unterschied zwischen Kriegsveteranen bei der Arbeit auf ihren Feldern oder spielenden Kindern, die erst lange nach dem Ende der Kriege in Ländern wie Kambodscha oder Vietnam geboren wurden ...


1999 belegten die Vereinten Nationen Landminen mit einem Bann. Inzwischen haben weltweit 156 Staaten das Abkommen zur Ächtung der Verwendung und Produktion von Landminen ratifiziert. Dadurch, und durch die stetig voranschreitende Minenräumung in den verseuchten Gebieten der ehemaligen Kriegsgebiete, wurde bereits eine beeindruckende Reduzierung der Opferzahlen erreicht.

Auch die USA verwenden seit 1991 keine Landminen mehr. 1992 setzten sie ein Exportverbot in Kraft und seit 1997 wurden dort keine mehr produziert.

So weit, so gut.

Doch gerade die USA, China und Russland weigern sich bisher, dem Abkommen beizutreten. Das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ teilte jetzt mit, es habe in der letzten Woche endlich Anzeichen aus dem Senat der USA gegeben, dass diese der Unterzeichnung des Abkommens einen Schritt näher gekommen seien: 68 Senatoren haben in einem Brief an Herrn Obama (USA, Präsident) einen Kurswechsel in der Landminen-Politik gefordert. Damit sei ihm die zur Ratifizierung nötige Zweidrittel-Mehrheit sicher. Einflussreiche Militärberater würden unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der "Nationalen Sicherheit" jedoch alles versuchen, um die Unterzeichnung der weltweiten Konvention zum Verbot von Landminen durch die USA zu verhindern.

Ohne einen Vorstoß USA besteht jedoch kaum Hoffnung auf eine weltumspannende Beseitigung dieser willkürlichen Killer. Um gegen militärische Bedenken anzukommen, braucht Herr Obama eine weltweite, öffentliche Welle der Unterstützung. Deshalb hat AVAAZ eine Petition verfasst, die ihm verdeutlichen soll, dass die Welt die Verzögerungen und Entschuldigungen der USA nicht länger hinnehmen will. Eine große, weltweite Forderung an Herrn Obama, das Abkommen endlich zu unterzeichnen, würde ihn ja vielleicht auch noch einmal daran erinnern, dass er Träger des Friedensnobelpreises ist, und dass er seine Präsidentschaft auch mit dem Ziel angetreten hat, die Welt sicherer zu machen.

Die Petition kann auf der Internetseite von AVAAZ online unterzeichnet werden.


(Quellen: AVAAZ, Yahoo Nachrichten vom 20.05.2010, Auswärtiges Amt, Brief der US-Senatoren an Herrn Obama [englisch])

Freitag, 21. Mai 2010

Nichts Neues von Herrn Neumann

Atomkraft? Nein Danke!Ich hatte eine E-Mail an Herrn Neumann (CDU, Bundestagsabgeordneter des Landes Bremen, Staatsminister für Kultur u. Medien) geschrieben, in dem ich ihm meine Bedenken bezüglich der von der Bundesregierung angestrebten Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke geschildert habe. Ich habe ihn auch gefragt, wie er sich bezüglich der Laufzeit Verlängerung im Bundestag verhalten wird.

Vorgestern habe ich eine Antwort erhalten. Ein Überdenken des aus meiner Sicht umweltpolitisch inzwischen arg überstrapazierten Begriffs "Brückentechnologie" und der damit gerechtfertigten energiepolitischen Fehlentwicklungen, lässt Herr Neumann nicht erkennen. Atomenergie ist für ihn offenbar weiterhin fester Bestandteil eines zukünfigen Energiemixes. Wie hoch deren Anteil daran sein werde, solle aufgrund eines Energiekonzepts festgelegt werden, an dem die Bundesregierung derzeit arbeite, und das sie noch noch in diesem Jahr vorlegen werde. Dieses Energiekonzept solle "szenarienbezogene Leitlinien für eine saubere, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung formulieren".

Das hört sich zwar alles sehr schick an, ist aber überhaupt nichts neues, hat keinerlei Bezug zu meiner Kritik am von der Regierungskoalition angestrebten Weiterbetrieb der Atomkraftwerke und beantwortet auch nicht meine Frage, ob Herr Neumann von der Bundesregierung einen Verzicht auf längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke verlangen und ggf. im Bundestag dagegen stimmen wird. Satt dessen wiederholt er die schwarz-gelbe Litanei von der "Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards", die auch weiterhin Grundlage für eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke sein werde.


Im Klartext:

Es bleibt alles beim Alten!

Neu ist für mich nur, dass wir auch nach Ansicht von Herrn Neumann noch auf unbestimmte Zeit mit der Bedrohung durch die deutschen Atomkraftwerke leben werden müssen, und dass auch er damit billigend in Kauf nimmt, dass sich das damit verbundene ungelöste Atommüllproblem noch erheblich verschärfen wird.


Zum Weiterlesen:
Der Inhalt des Briefwechsels im Wortlaut

Mittwoch, 19. Mai 2010

Kalter Mai

Wenn nass im Mai der Regen fällt
vom kalten grauen Himmel,
wenn man mehr Sturm und Winde zählt
als Maikäfergewimmel,

dann ist der Mai wohl nicht so toll
wie man ihn gerne hätte,
und mancher denkt am Morgen wohl:
"Ich bliebe gern im Bette."

© Jürgen Winkler


... Aber was will man schon machen, wenn die Arbeit ruft. Ich weiß ja nicht, wie ihr darüber denkt, aber von mir aus könnte es draußen so langsam einmal wärmer werden. Außerdem "is veel to veel Wind mang de Luft".

Nachdem mir ständig die Kette vom Ritzel gesprungen war, weil das Tretlager meines Fahrrades defekt ist, die Pedalen und der Sattel hätten erneuert werden müssen und das Material des Rahmens an einer Stelle durch Korrosion aufgrund unterschiedlicher Materialien (Rahmen Aluminium, Schutzblech Stahl) in Verbindung mit dem Streusalz sehr vieler Winter schon arg dünn geworden ist, hatte ich mich nach langem Hin- und Herüberlegen zum Kauf eines neuen Fahrrades durchgerungen. Jetzt juckt es mir natürlich in den Knochen, eine Feierabendtour in der Umgebung von Bremerhaven zu unternehmen.

Bei den derzeitigen Wetterverhältnissen an der Nordseeküste macht das jedoch nicht gerade viel Freude. Aber wenigstens brauche ich jetzt schon mal nicht mehr mit dem Bus zur Arbeit fahren ...

Das neue Bremerhavener Wahlrecht - Nachtrag

Ein anonymer Schreiber hat einen Kommentar zu meinem Artikel "Das neue Bremerhavener Wahlrecht" vom 12. Mai 2010 geschrieben - leider wieder einmal ohne einen Namen anzugeben. Da viele interessierte Bremerhavener Bürger, mich eingeschlossen, möglicherweise keine Gelegenheit hatten, die Stadtteilkonferenz Lehe im "Weser TV" zu besuchen, ist der Kommentar aber vielleicht ganz interessant. Ich gebe ihn deshalb (ohne Gewähr für die Richtigkeit!) hier im Wortlaut wieder:

"Die Sendung wird vom Weser TV (Ehemals "Offener Kanal") am 29.05.2010 um 20:15 ausgestrahlt, wer nicht dabei sein konnte. Alternativ kann die Sendung auch im Internet via Stream verfolgt werden, www.radioweser.tv."


Dienstag, 18. Mai 2010

Atomausstieg von unten

Atomkraft? Nein Danke!Seit dem letzten Wochenende steht fest: Die Bundesregierung wird ihre Pläne, die Laufzeiten der Atomkraftwerke in Deutschland auf 60 Jahre und mehr zu verlängern, festhalten - nicht nur gegen den Willen der Mehrheit der Bundesbürger, sondern auch unter der Umgehung des Bundesrates, in dem sie seit der Wahl in Nordrhein-Westfahlen keine Mehrheit mehr hat.

Herr Pofalla (CDU, Kanzleramtsminister), Herr Koch (CDU, Hessen, Ministerpräsident), Herr Mappus (CDU, Baden-Württemberg, Ministerpräsident) und andere Politiker der CDU sind der Meinung, der Atomkonsens sei ebenfalls ohne den Bundesret verabschiedet worden. Da werde man schon Mittel und Wege finden, ihn auch ohne den Bundesrat wieder zu kündigen.

Herr Mappus hat Herrn Röttgen (CDU, Bundesumweltminister), der die Zustimmung des Bundesrates zu einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten für notwändig hält, sogar den Rücktritt nahegelegt. Was die schwarzen Winkeladvokaten verschweigen: Der Atomkonsens bedeutet für die Bundesländer mittelfristig eine Kostenersparnis. Dagegen werden sich die Länder wohl kaum gewehrt haben. Eine Laufzeitverlängerung auf unbestimmte Zeit wird jedoch zusätzliche Kosten für die Bundesländer verursachen - ebenfalls auf unbestimmte Zeit - die ihnen für landespolitische Projekte an andren Stellen fehlen werden.

Wie Politiker aus Nordrhein-Westfahlen und der Bundesregierung noch am Wahlabend zugaben, ist die Niederlage der Wespankoalition in Nordrhein-Westfahlen auch auf die Politik der Bundesregierung zurückzuführen. Herr Westerwelle hatte gleich mehrmals gesagt, das Wahlergebnis sei ein Warnschuss - auch für die Bundesregierung. Dieser sei gehört worden.

Ich hatte schon in dem Moment, als er das zum ersten Mal sagte, meine Zweifel, ob er das auch tatsächlich so meinte. Durch die jetzt angekündigten neuen juristischen Winkelzüge der Bundesregierung haben sich meine Zweifel bestätigt. Diese Bundesregierung wird mit allen Mitteln weiterhin gegen die Mehrheit der Bürger regieren. Dabei ist es ihr offensichtlich völlig egal, ob sie uns alle in unverantwortlicher Weise weiterhin den - wie der Super-GAU von Tschernobyl gezeigt hat - unkalkulierbaren Gefahren dieser hochriskanten Technologie aussetzt, und unsere Nachkommen über millionen von Jahren mit einem strahlenden Erbe belastet, das - wie die Vorfälle im Salzstock des ehemaligen "Versuchsatomlagers" Asse-II zeigen - schon nach 40 Jahren nicht mehr beherrschbar ist. An diesen Tatsachen kann keine, noch so ausgeklügelte juristische Trickserei, mit dem Ziel, den Bundesrat zu umgehen, etwas ändern!

Aber daran, dass der Atomausstieg durch die von den Berliner Wespen geplante Umgehung des Bundesrates außer Kraft gesetzt wird, können wir Verbraucher sehr wohl etwas ändern. Wir können "den Atomausstieg selber machen", indem wir von Stromanbietern, die Atom- und Kohlestrom verkaufen, zu Anbietern wechseln, die CO2- neutral- und atomkraftfrei erzeugten Strom anbieten. In einem Artikel mit dem Titel "Fragen und Antworten zum Ökostrom - Wie grüner Strom die Steckdosen erobert" informiert die ARD-Tagesschau über die Möglichkeiten und Hintergründe, und darüber, wie man als Verbraucher "die Spreu (Mogelpackungen) vom Weizen (Gütesiegel) trennen" kann.


(Quellen: ARD-Tagesschau vom 16.05.2010, Die Welt vom 18.o5.2010, Süddeutsche Zeitung vom 17.05.2010, Atomaustieg selber machen, Ausgestrahlt, Hamburger Abendblatt vom 10.2009)

Montag, 17. Mai 2010

Die Schwarze Pest des 20. Jahrhunderts

In der Vorstellung der Menschen in den westlichen Industrienationen ist "Land" etwas, das einen materiellen Wert hat. Man kauft und verkauft es für Geld. Wenn man Land gekauft hat, dann besitzt man es. Die Landbesitzer bestimmen, was mit ihrem Besitz geschieht. In der Vorstellung vieler Naturvölker, die von den Menschen der sogenannten "Ersten Welt" auch heute noch oft geringschätzig "Wilde" genannt werden, ist die Erde die Mutter aller Lebewesen - auch die der Menschen. Die Vorstellung Land zu besitzen, es zu kaufen oder zu verkaufen, ist ihnen fremd. Wer käme schon auf die Idee, seine Mutter zu verkaufen?

In den Industrienationen der "Ersten Welt" besitzen die Menschen nicht nur das Land, das sie gekauft haben, sondern auch die "Schätze" in der Erde darunter. Wer Land besitzt, unter dem sich wertvolle Erze oder gar Erdöl befinden, der beutet die Bodenschätze aus, verkauft sie, bekommt dafür sehr viel Geld und wird dabei sehr schnell reich. Besonders die Besitzer von Erdölquellen steigen im Verlauf des letzten Jahrhunderts zu den reichsten Menschen der Welt auf.

Die Kehrseite des Öl-Reichtums kristallisierte sich erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts langsam heraus: Verbrennungsprodukte aus dem Öl, das die Menschen aus dem Schoß der Erde saugen, heizen das Klima der Erde auf. Rohes Erdöl tötet das Leben im Meer - nicht zum erstem Mal. Als schwerste Olkatastrophe galt bisher die Havarie der "Exxon Valdez" im März 1989. Die Region und deren Bewohner haben sich bis heute nicht von den Folgen erholt. Damals war es ein Öltanker, dessen Ladung aus einem begrenzten Volumen Öl bestand, das aus einem Leck in das arktische Meer mit seinem empfindlichen Ökosystem vor der Küste Alaskas floss. Dieses Mal strömt es ohne Unterlass direkt aus einer künstlichen Quelle am Grunde der Karibik. Es gibt dort unten noch sehr viel mehr Öl, ungleich mehr, als die "Exxon Valdez" vor 21 Jahren an Bord hatte ...

Es gibt Menschen, die nennen das Erdöl "Schwarzes Gold".
Ich nenne es die "Schwarze Pest" des 20. Jahrhunderts.

Manche Menschen sagen jetzt, Mutter Erde wehre sich. Vielleicht tut sie das ja tatsächlich. Aber zu was für einen Preis! Zuerst sterben ihre Kinder im Ozean an der neuen schwarzen Pest. Der Ozean ist die Wiege des Lebens.

Die Menschen auf dem Festland werden die neue Katastrophe überleben. Es ist nicht ihr Leben, das bedroht ist - nur ihr Vermögen. Sie werden keine Fische mehr essen können, die sie bisher aus dem jetzt ölverseuchten Meer gefischt haben. Stattdessen werden sie dann eben Fische essen, die irgendwo anders aus dem Meer geholt, und mit Schiffen, mit dem Zug, mit dem Flugzeug oder mit Lkw's über weite Strecken zu ihnen hin transportiert werden. Die Fischer werden ihre Kutter verkaufen müssen, weil sie aufgrund der ausbleibenden Einnahmen aus der Fischerei die laufenden Kosten ihrer jetzt nutzlosen Fischereifahrzeuge nicht mehr bezahlen können. Sie werden sich neue Erwerbsquellen suchen müssen. Vielleicht finden sie ja irgendwo Arbeit in irgendeiner Fabrik. Zum Ruin der Existenz kommt dann noch der Verlust der Heimat hinzu. Den Menschen, die bisher von den Touristen lebten, die jeden Sommer an den jetzt ölverschmierten Stränden der Karibik und des Golfs von Mexiko ihren Urlaub verbrachten, wird es nicht anders ergehen. Sie alle werden zu Umwelt- und Wirtschaftsflüchtlingen im eigenen Land. Aber abgesehen von ein paar finanziellen Kratzern, wird auf dem Lack der Vereinigten Staaten von Nordamerika wohl kein wirklicher Schaden zurückbleiben.

Und wir? Wir füllen die Tanks unserer Autos, als sei nichts geschehen. Der Golf von Mexiko, die Karibik, das alles ist weit weg ... - bestenfalls steigende Kraftstoffpreise können uns hier in Europa gelegentlich noch etwas aus der Ruhe bringen. Aber wir fahren trotzdem wieder zur Tankstelle und füllen unsere Tanks - leise über die Preise murrend - mit der schwarzen Pest des 20. Jahrhunderts.

"Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde; was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch dem Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was der Mensch der Erde antut, tut er sich selbst an."


Dieses Zitat wird einer Rede von Seattle, einem Häuptling des Volkes der Duwamish, das früher einmal im heutigen Bundesstaat Washington der USA lebte, zugeschrieben. Dass er diese Rede im Jahre 1855 gehalten hat ist historisch belegt. Dafür, dass er seine Worte genau so formuliert hat, gibt es jedoch keinen Beleg. Aber wenn er es auch nur sinngemäß so gesagt hat: Hätten die europäischen Einwanderer damals auf die Worte der seit Jahrtausenden mit dem Land verwurzelten "native Amerikans" gehört, und hätten sie von Seattle gelernt, dann wäre der Welt im letzten Jahrhundert viel erspart geblieben, und wir könnten heute etwas entspannter in die Zukunft blicken.

Ich weiß inzwischen: Viele Menschen lernen, und beginnen zu verstehen, dass wir unsere "Mutter Erde" schützen und pflegen müssen, wenn es noch eine Zukunft für unsere Nachkommen und unsere Mitgeschöpfe auf unserem gemeinsamen Heimatplaneten geben soll. Es müssen nur noch viel mehr werden, denen das bewusst wird. Und ihre Zahl muss schnell zunehmen, denn sonst läuft uns die Zeit davon, die der Menschheit noch zum Handeln bleibt. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben ...


Nach der Havarie der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko unternahm der Erdölkonzern BP, dem die Bohranlage gehörte zwei Versuche mit Stahlglocken, die - über die sprudelnde Ölquelle am Meeresgrund gestülpt - den unkontrollierten Austritt des Öls ins Meer weitgehend verhindern sollten. Bis zu 85 Prozent der rund 800000 Liter Eröl, die täglich unkontrolliert aus dem Bohrloch ins Meer gelangen, sollten über eine Leitung aus der Glocke abgesaugt werden.

Gestern berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), im Kampf gegen das austretende Öl habe der BP-Konzern erstmals einen Teilerfolg erzielt. Fachleuten sei es gelungen, ein Rohr in die zerstörte Steigleitung zu setzen, um das hervorsprudelnde Öl in einen Tanker abzupumpen. Bis dahin waren alle Versuche, die Katastrophe zumindest einzudämmen, kläglich gescheitert. Die (FAZ) zitiert in ihrem Bericht von gestern eine Frau Joye (Meereswissenschaftlerin) mit den Worten: "Es könnte Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich das System von der Einleitung solch großer Mengen Öl und Gas erholt." - Nach den Erfahrungen mit den Folgen der "Exxon Valdez" würde ich eher von Jahrzehnten ausgehen, als von Jahren ... - von sehr vielen Jahrzehnten.


Die Katastrophe ...

Vor der Katastrophe kündigten US-Präsident Obama und Kongressabgeordnete zusätzliche Ölbohrungen in den Küstengebieten der USA an.

Nach der Katastrophe droht den Menschen und Tieren an der Küste jetzt eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes. Erste Ausläufer des gewaltigen Ölteppichs haben die Küste der USA erreicht und verseuchen das älteste Naturschutzgebiet der USA. Aus Angst vor den Auswirkungen wollen die Behörden mit allen Mitteln verhindern, dass noch mehr Öl die Küsten erreicht. Durch Abbrennen des auf der Oberfläche treibenden Öls und mit giftigen Chemikalien, die das Öl unter Wasser auflösen sollen wollen sie die Katastrophe beherrschen ... - mit unbekannten Folgen und Risiken für das empfindliche Ökosystem im Meer.

Inzwischen fahren die Öl-Konzerne weiterhin saftige Gewinne ein. Nach Angaben des Spiegel vom 27.04.2010 verdoppelte der BP-Konzern seinen Gewinn im ersten Quartal auf 5,6 Milliarden US-Dollar.


... nach der Katastrophe

Man mag es kaum glauben:
Auch nach der Explosion und dem Untergang der "Deepwater Horizon" und der sich gerade erst anbahnenden Katastrophe, deren verheerende Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind, aber für die marine Umwelt bereits jetzt das schlimmste befürchten lassen, halten die dafür politisch Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika noch immer unbeirrt an ihren Plänen fest, die Ölbohrungen vor der Küste auszuweiten.

Und die Macht der Erdöl-Lobby scheint ungebrochen. Die FAZ berichtete am 16.05.2010 über ein Interview der BBC mit Herrn Hayward (BP-Chef). Dieser habe gesagt, trotz der Umweltkatastrophe werde es auch in Zukunft Ölbohrungen in großen Meerestiefen geben. Genauso wenig wie das Unglück von Apollo 13 zum Ende der Raumfahrt geführt habe oder schwere Flugzeugunglücke die Menschen abgehalten hätten, weiter zu fliegen, werde das Ölleck zum Ende der Suche nach Ölfeldern in tiefen Gewässern führen.

Beim Unglück der Apollo 13 kamen 3 Menschen ums Leben. Bei Flugzeug-Unglücken sterben oft hunderte von Menschen. Bei einer Ölpest vom Ausmaß der von BP zu verantwortenden Katastrophe kommt es jedoch zu nachhaltigen Schäden, die für Millionen von Küstenbewohnern den Verlust der wirtschaftlichen Existenz bedeuten, und die wertvolle marine Ökosysteme vernichten. Angesichts der weltweiten Überfischung der Meere durch die Fangflotten der Industrienationen, bedeutet jeder einzelne Verlust weiterer Fischfanggebiete letztlich auch den Verlust einer wichtigen Nahrungsquelle für die Ernähung der Weltbevölkerung.

DAS sind die eigentlichen Katastrophen:

Die neue Ölpest stellt die Energiepolitik der USA jedoch erneut ernsthaft in Frage. Das erkennen inzwischen nicht nur die Küstenbewohner in den Staaten am Golf von Mexiko. Auch dem historisch größten Klimasünder der Welt müsste es jetzt so langsam eigentlich selbst dämmern, dass es dringend notwändig ist, seinen Energiehunger auf Energiequellen umzustellen, die unschädlich für das Klima sind und die keine Risiken für Zukunft seiner nachfolgenden Generationen in sich bergen. Seit Jahren fordert die Welt von den USA, dass sie den Klimaschutz endlich ernst nehmen. Doch bisher halten nicht nur die Ölkonzerne, sondern die gesamte US-amerikanische "CO2-Lobby" die Politiker in Washington fest im Griff, und anstelle von Investitionen in erneuerbare Energien, steht weiterhin die Ausweitung der Ölbohrungen auf deren Programm.


Das muss sich schnellstens ändern!

Herr Nelson (USA, Florida, Senator) hat jetzt ein neues Gesetz vorgestellt, dass den Ausbau der Bohrungen vor der Küste einschränkt. Das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ hat daraufhin eine Petition verfasst, um Herrn Nelson dabei mit einem weltweiten Proteststurm zu unterstützen.

Die Petition, die Herrn Obama (USA, Präsident) und die Abgeordneten im Kongress auffordert auf Ölbohrungen zu verzichten und stattdessen die USA und die Welt in eine saubere Zukunft zu führen, kann auf der Internetseite von AVAAZ online unterzeichnet werden.

Sobald 500000 Unterschriften zusammengekommen sind, wird AVAAZ die Petition an das Weisse Haus in Washington übergeben.


(Quellen: Frankfurter Allgemeine vom 16.05.2010, Süddeutsche Zeitung vom 03.05.2010, Die Zeit vom 06.05.2010, Der Spiegel vom 07.05.2010, vom 27.04.2010, und vom 31.03.2010)

Sonntag, 16. Mai 2010

Ein Frühlingsspaziergang in Lehe


Ein Frühlingsspaziergang im südlichen Lehe

Heute lade ich euch zu einem Sonntagsspaziergang durch mein Viertel, an das nahegelegene Ufer der Geeste und durch die aus dem Winterschlaf erwachenden Parkanlagen im Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe ein.

Nach der ungewöhnlich langen Schneeperiode der vergangenen dunklen Jahreszeit sehnte sich wohl jeder nach dem Frühling. Mit den Tagen des ersten grünen Schimmers an den Bäumen und den ersten bunten Tupfern am Boden kamen auch die ersten wärmeren Tage dieses Jahres. Überwiegend war es in Bremerhaven bisher aber immer noch so kalt, dass ich meine Winterjacke noch nicht endgültig wieder zuück in den Schrank hängen konnte.

Ich liebe den Frühling, wenn die Natur aus ihrer winterlichen Starre erwacht, wenn die Tage wieder länger werden, so dass man sich auch abends noch draußen aufhalten kann und wenn die Bäume explosionsartig ihre Blüten öffnen. Explosionsereignisse umfassen jedoch nur eine kurze Zeitspanne. Das gilt leider auch für den Farbenrausch in den Kronen der Bäume, der jedesmal so schnell wieder vorüber ist, wie er begonnen hatte.

Ich habe diese "bunten Tage" im Freien genutzt und mit der Kamera einige Frühlings-Impressionen aus dem Süden Lehes festgehalten, die ich in diesem Video zu einem kurzen "virtuellen Spaziergang" zusammengefügt habe.