Dienstag, 9. November 2010

Die Castoren sind im "Zwischen"-Lager

Atomkraft? Nein Danke!Bis zum Morgen wurde in der letzten Nacht die Sitzblockade von "X-tausendmal quer" auf dem Weg zum Zwischenlager in Gorleben geräumt. Ungefähr 5000 Menschen wurden von der Polizei von der Straße getragen.

Nach Angaben der TAZ (Live Ticker) verhielten sich Polizei und Demonstranten bis 06:34 Uhr besonnen und friedlich. Vier Minuten später habe die Polizei jedoch begonnen, "auf der Seite zu Gorleben hin" fester zuzupacken: Der Einsatz sei ruppiger geworden. Dann habe eine kleine Polizeieinheit mit Sturmhauben, die ihre Gesichter verdeckten, Schmerzgriffe anwendet. Das sei ein Verstoß gegen den Konsens zwischen Einsatzleiter und Veranstaltern gewesen, den die weiterhin gewaltfrei auf der Straße sitzenden Blockierer mit "Keine Gewalt!" Rufen beantwortet hätten. Kurz vor 7 Uhr habe sich die Situation hat sich wieder entspannt. Ein Grund dafür sei nicht zu erkennen gewesen.


Das Motto der Wendländer: Niemals aufgeben

Um 07:15 Uhr habe eine Polizeisprecherin gegenüber der TAZ erklärt, sie sei überrascht von der vorangegangenen Tempoverschärfung durch die Bundespolizei. Durch das Megafon der Polizei seien die eigenen Einsatzkräfte zur Beruhigung aufgerufen worden. Der Polizeikontakt von "X-tausendmal quer" habe ebenfalls per Lautsprecher dazu aufgerufen, besonnener vorzugehen: "Ihr seid nicht unsere Feinde, sondern Angela Merkel und die Atommafia!"


Eine harte Nuss ...

... war für die Spezialisten der Polizei wohl ein präparierter "Getränke-Lkw" von Greenpeace. Die Räumung wurde durch zwei Aktivisten verhindert, die mit einem Arm und bis zur Hüfte in einem Betonblock steckten. Nachdem sie im Laufe der Nacht von Polizisten aus den Blöcken "befreit" worden waren, konnte der Lkw immer noch nicht von der Straße entfernt werden, da die Greenpeace Aktivisten das Fahrzeug zuvor mit Eisenstangen fest in der Straßendecke verankert hatten.

Aber Greenpeace blockierte nicht einfach nur den Atommülltranspot ins Lager im Wald bei Gorleben, sondern hat auch ein Konzept für eine Alternative: Die Castor-Behälter sollen künftig nicht mehr quer durch die Republik gefahren werden, sondern in den Zwischenlagern bei den Atomkraftwerken gelagert werden, die den Müll produziert haben.



Es gibt noch Hoffnung: Atomkraftgegner aus Bayern in Dannenberg

Der Herr Müller (CDU, Saarland,Ministerpräsident) kann dem Vorschlag von Greenpeace vorsichtshalber wenig positives abgewinnen. Gegenüber der Frankfurter Rundschau hatte er gesagt, er sehe keinen Grund, etwas daran zu ändern, den Atommüll weiterhin bei Gorleben zu deponieren. Begründet hatte er das damit, dass Deutschland seinen Atommüll aus Frankreich zurücknehmen müsse. Daran führe kein Weg vorbei.

Die Rücknahmeverpflichtung stellt nach meinem Verständnis aber noch lange keine Verpflichtung dafür dar, den hochradioaktiven Atommüll ausgerechnet im dafür ungeeigneten Salz bei Gorleben zu verbuddeln. Nichts anderes steckt aus meiner Sicht hinter den "weiter so wie bisher" Parolen der süddeutschen Landesfürsten. Wenn die Castoren erst einmal dort sind - denken die sich wohl - wird es ein leichtes sein, sie später ohne großes Aufsehen unter der Erde verschwinden zu lassen. Was dann im Dunkel des Salzstocks damit passiert, das wird schon keiner merken. Im ehemaligen Salzbergwerk Asse-II ist das schließlich auch einige Jahre lang gut gegangen.


Das strahlende Erbe


Die Atommüllkippe Deutschlands ?

Den Atommüll haben wir jetzt am Hals. Also müssen wir damit auch irgendwie umgehen. Aber der GAU im Salzbergwerk Asse-II und das einsturzgefährdete unterirdische "End"-Lager "Morsleben" stellen klar, dass es mit der angeblich für Millionen von Jahren sicheren unterirdischen Lagerung des Atommülls nicht weit her ist. Diese Seifenblase platzte schon nach wenigen Jahrzehnten. Aus meiner Sicht werden wir uns damit abfinden müssen, dass deshalb nur eine oberirdische, dezentrale Lagerung in Frage kommt.

Wenn in einem oberirdischen Lager irgendwann festgestellt wird, dass die Castoren undicht werden, dann lässt sich deren Inhalt rechtzeitig genug in neue Behälter umpacken. Das ist immer noch leichter und sicherer, als wenn der hochradioaktive Atommüll in undichten Castor-Behältern mühselig aus einem absaufenden, explosionsgefärdeten oder einsturzgefährdeten Salzstock bei Gorleben geborgen werden müsste. Anstelle der bisher üblichen Leichtbauhallen sollten entsprechend ausgelegte Betonbunker für die Castoren zusätzlichen Schutz vor Terrorangriffen mit Flugzeugen o.ä. bieten.

Mit ihrer strickten Weigerung zur Suche nach Alternativen zu Gorleben im Süden Deutschlands machen die Landesfürsten der südlichen Bundesländer Politik gegen eine Mehrheit von 65 Prozent aller Bundesbürger, die ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll im Salzstock bei Gorleben ablehnt und gegen eine Mehrheit von 80 Prozent der Bundesbürger, die Verständnis für Proteste gegen den Atommülltransport aus La Hague nach Gorleben haben.

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke werden von
  • 72 Prozent der Bundesbürger abgelehnt
  • 56 Prozent der CDU-Anhänger abgelehnt

(Oktober 2010, TNS-Emnid im Auftrag von Greenpeace)

Castor Stop!


(Quellen: TAZ Live-Ticker vom 09.11.2010, Der Spiegel vom 20.10.2008 und vom 15.01.2010, Greenpeace vom 25.10.2010 und vom 08.11.2010)

1 Kommentar:

Frau Momo hat gesagt…

Frau Merkel- Kanzlerin ohne Volk hab ich heute im Spiegel gelesen.
Und was die Damen und Herren aus der Koalition im Moment absondern, ist kaum zu ertragen. Statt sich mal mit dem Unmut der Bevölkerung auseinanderzusetzen, beschimpfen sie die Grünen, heben die paar Krawallmacher über Gebühr hervor und verunglimpfen 10 tausende friedlicher Kernkraftgegner.
Das ist an Arroganz kaum zu überbieten.

Interessant ja auch die Eilmeldung eben im NDR:

"Die Erkundungsarbeiten für das mögliche Atommüllendlager in Gorleben können wieder aufgenommen werden. Nur Stunden nach dem jüngsten Castortransport nach Gorleben hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie am Dienstag in Hannover den Sofortvollzug angeordnet."

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