Montag, 21. Februar 2011

Der offiziell inoffizielle Krieg

FriedenstaubeIn einem Kommentar zu meinem gestrigen Artikel "Die Parallelität der Ereignisse" über den "nicht gerade professionellen" Umgang des Herrn zu Guttenberg (CSU, Bundesverteidigungsminister) mit der öffenlichen Kritik an der Art und Weise, wie er zu seinem Doktortitel gekommen ist, den ich mit Parallelen zum Krisenmanagement seines Vorgängers nach dem Luftangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan eingeleitet hatte, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass der Einsatz des deutschen Militärs in Afghanistan auch heute noch offiziell kein Krieg ist. Leider hat der anonyme Kommentator (oder war es eine Kommentatorin?) keinen Namen (oder zumindest einen Nicknamen) angegeben ...

Obwohl offiziell inzwischen immerhin als "bewaffneter Konflikt" bezeichnet, wird der Krieg in Afghanistan seit dem Frühjahr 2010 inoffiziell - wenn wohl auch widerstrebend - auch in öffentlichen Reden von Politikern der Regierungskoalition als "Krieg" bezeichnet. Nachdem am 2. April 2010 bei Gefechten gegen afghanische Widerstandskämpfer drei deutsche Soldaten ums Leben gekommen und acht weitere verwundet worden waren, war endlich sogar Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) der Meinung, man könne den Konflikt "umgangssprachlich als Krieg einstufen".

Ihr Sprecher hatte bezüglich ihrer "revolutionären Wortwahl" anschließend allerdings vorsorglich darauf hingewiesen, dass es nicht geplant sei, den Auftrag der Bundeswehr zu erweitern und ausdrücklich die Bekämpfung militanter Taliban mit in das Bundestagsmandat aufzunehmen. In meinen Augen ist das jedoch nichts weiter als volksverdummendes Herumgeeiere der politisch für den Kriegseinsatz verantwortlichen Politiker. Dass der offiziell verharmlosend als "bewaffneter Konflikt" bezeichnete inoffizielle Krieg in der Wahrnehmung der Mehrheit Bürger dieses Landes schon seit vielen Jahren ein Krieg ist, können sie nicht mehr verhindern.

Mit ihren Angriffen auf die deutschen Soldaten haben die afghanischen Widerstandskämpfer den Politikern die Entscheidung darüber, ob sie "den Auftrag der Bundeswehr erweitern" wollen oder lieber doch nicht, ohnehin schon längst abgenommen. Würden die deutschen Soldaten sich nämlich nicht zur Wehr setzen, also darauf verzichten, die "militanten Taliban" zu bekämpfen, dann würden sie das mit Sicherheit mit ihrem eigenen Leben bezahlen. Ob sie es nun wollen oder nicht: Die deutschen Soldaten in Afghanistan befinden sich de facto im Krieg. Wenn sie in Gefechte verwickelt und dabei zum Krüppel geschossen oder getötet werden, dann macht es für sie wohl kaum einen Unterschied, ob es sich nach Ansicht der im mehr oder weniger friedlichen Berliner Bundestag sitzenden Politiker um einen offiziellen oder um doch vielleicht eher um einen inoffiziellen Krieg handelt.

Krieg ist Krieg und Tod ist Tod!

Meine Meinung:
Wenn die dafür verantwortlichen Politiker sich scheuen, "den Auftrag der Bundeswehr zu erweitern", dann sollen sie das deutsche Militär gefälligst umgehend aus Afghanistan zurückholen. In Afghanistan hat es ohnehin nie etwas verloren gehabt. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein. Das Ergebnis der aktuellen Umfrage des ZDF-Politbarometers zeigt, dass 59 Prozent der Befragten die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan ablehnen. Nur 37 Prozent der Befragten halten die Stationierung des deutschen Militärs in Afghanistan für richtig (ZDF-Politbarometer, Seite 14/14).


(Quellen: ARD-Tagesschau vom 07.04.2010), ZDF-Politbarometer vom 28.01.2011)

1 Kommentar:

Jouir la vie hat gesagt…

Bei offiziellen und nicht offiziellen Aussagen zum Thema Afghanistan sehe ich keinen Unterschied. Es muss wohl mittlerweile jedem klar sein, es ist dort Krieg, die Bundeswehr befindet sich in diesem Krieg, das lässt sich nicht wegschreiben. Wobei man höchstens spitzfindig heraus finden könnte, ist es ein Krieg des Angriff oder der Verteidigung.
Tatsache bleibt doch, die Bundeswehr wurde dorthin geschickt, um die Freiheit des deutschen Volkes am Hindu Kush zu verteidigen, ganz offiziell...

Servus und so long
Kvelli

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