Dienstag, 8. Dezember 2009

Ewiges Eis?


Bremerhaven, Klimahaus 8° Ost: Gletscher in der Schweiz

Die großen Landeismassen sind die größte Süßwasserreserve der
Erde. Neben dem großen, bis zu drei Kilometer starken Eisschild
von Grönland und dem nahezu völlig von ewigem Eis bedeckten
antarktischen Kontinent, gehören dazu auch die großen Gletscher
in den Hochgebirgen unseres Planeten.


Seit gestern wird in Kopenhagen über das Schicksal der Welt verhandelt. Da sitzen sie in den nächsten Tagen zusammen, und werden über die Lastenverteilung für den Kampf gegen die Klimakatastrophe streiten - Jeder gegen Jeden: Die Reichen gegen die noch reicheren Länder, die Wohlhabenden gegen die Aufstrebenden und die im Überfluss Lebenden gegen die Hungernden. In unserem Teil der Welt wird es bisher kaum wahrgenommen: Trinkwasser, das hier scheinbar in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht, ist in Wirklichkeit ein knapper Rohstoff, der in den reichen Industriestaaten jedoch ebenso hemmungslos verschwendet wird, wie die fossilen Rohstoffe, deren Verbrennung in unseren Kraftwerken, Autos und Haushalten und dem daraus folgenden CO2 Emissionen zur Klimaerwärmung geführt haben. Was knapper werdende Trinkwasserresourcen bedeuten, lässt sich im Klimahaus 8° Ost in Bremerhaven - sozusagen hautnah - nachvollziehen.

Auf der "Reise" entlang des achten Längengrades um die Welt gelangt man unter anderem auch nach Niger (Afrika, Sahelzone). Eine alte Tuareg Frau erzählt dort in einem Film von Giraffen und Antilopen, von Hyänen und Löwen und einem Fluss zwischen den Dünen - das alles habe es in ihrer Jugend dort noch gegeben. Damals hätten sie viel Wasser gehabt. Manchmal habe es eine ganze Woche lang geregnet und es habe viele Pflanzen und Bäume gegeben. "Nun, anstelle von Wasser, haben wir den Wind. Der Wind. Er kommt und bläst alles weg. Wenn Du etwas Futter für die Tiere gefunden hast, kommt der Wind und bläst es weg. Gott!" ...


Die Gletscher ernähren die Menschen

Das erste Etappenziel auf der Reise ist jedoch die Schweiz. Das erste, worauf der Blick beim Betreten dieses Teils der Ausstellung fällt, ist die Nachbildung eines Gletschers. Das Schmelzwasser der großen Gletscher ist die wichtigste Trinkwasserquelle in den Schweizer Alpen. Sie halten das Wasser zurück, dass in den Wintermonaten als Schnee in den Nährgebieten in ihren oberen Bereichen fällt. Diese Niederschläge fließen im Hochgebirge nicht sofort zu Tal sondern werden in den Gletschern gepeichert.

Auch wenn es so aussieht: Gletscher sind keine statischen Gebilde. Das ewige Eis der Hochgebirge ist in ständiger Bewegung. Langsam gleitet es zu Tal. Der untere Bereich der Gletscher, erreicht so die tiefergelegenen, wärmeren Gegenden im Gebirge. Dort, im Zehrgebiet der Gletscher, taut das Eis. Das gepeicherte Wasser wird langsam wieder freigegeben und fließt als Schmelzwasser kontinuierlich zu Tal. Das funktioniert so lange, wie die Gletscher im Gleichgewicht sind. Solange in ihren Nährgebieten höhere - oder mindestens genau so große - Mengen an Niederschlägen fallen, wie in ihren Zehrgebieten als Schmelzwasser wieder frei wird, ist dieses Gleichgewicht intakt.


Die Menschen vernichten die Gletscher

Inzwischen steht jedoch fest: Das ewige Eis in den Hochgebirgen der Erde ist keinesfalls ewig. Wir Menschen vernichten es durch die Verschmutzung der Atmosphäre mit dem in den fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas) gebundenen CO2. Infolge des Klimawandels steigen die mittleren Temperaturen auf der Erde und die Sommer beginnen früher und enden später als es in der Vergangenheit der Fall war. Der spätere Wintereinbruch lässt mehr Niederschläge aus den Nährgebieten der Gletscher auf direktem Weg zu Tal fließen. Gleichzeitig lässt der frühere Sommeranfang die Schmelze in den Zehrgebieten früher beginnen: Die Gletscher schrumpfen!

Die Menschen in den Hochgebirgen haben die Folgen der Klimaerwärmung bereits des öfteren schmerzhaft zu spüren bekommen. Die Gletscher und das Wasser in den gefrorenen Böden haben eine stabilisierende Funktion. Sie halten die Bodenschichten wie mit Zement zusammen. Infolge der längeren Sommerperioden, und der damit verbundenen längeren Tauzeit nimmt die stabilisierende Wirkung ab. Die Folge sind zu Tal stürzende Geröll und Schlammlawinen, die schon ganze Dörfer vernichtet haben.

Aus der Beobachtung des Schrumpfpozesses der Gletscher folgern Wissenschaftler, dass viele Gletscher in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft verschwunden sein werden:
  • Die Trinkwasserreserven
    in den Hochgebirgen sind bedroht!

Wenn die Gletscher verschwinden, verdorrt das Land

Und nicht nur dort. Der heute nur noch etwa sechs Kilometer lange Chorabari Gletscher im Himalaya schrumpft mit acht bis zehn Metern pro Jahr heute doppelt so schnell wie noch vor zehn Jahren. An seiner Zunge entspringt der Ganges. Neben dem Chorabari wird der Ganges von mehr als 6000 weiteren Gletschern gespeist - das sind ungefähr achtzig Prozent des gesamten Wassers dieses mächtigen Stromes. Bei einer weiterhin noch um bis zu zwei Grad steigenden Klimaerwärmung werden aufgrund der beschleunigten Gletscherschmelze in den nächsten Jahren ungeheuere Wassermassen den Fluss hinabfließen, die in den bewohnten Gebieten verheerende Überflutungen zur Folge haben könnten.

Prognosen zufolge könnte in etwa 340 Jahren schon kein Wasser aus den Gletschern des Himalaya mehr im Ganges fließen. Nach den Eismassen des Nord- und des Südpols liegt - bisher noch - die drittgrößte Eismasse der Welt in den Hochlagen des Himalaya. Im Unterschied zu den Eismassen an den Polen leben von den im Eis des Himalayas gebundenen Süßwassereserven jedoch mehr als zwei Millarden Menschen. Wenn eine so gewaltige Anzahl von Menschen in Zukunft ohne Wasser und natürliche Ressourcen überleben soll, dann wird die gesamte Weltgemeinschaft davon betroffen sein.


Bremerhaven, Klimahaus 8° Ost: Wüste in Niger (Afika, Sahelzone)

Eine halbe Milliarde Menschen in Indien (Stand: Dezember 2009) werden dann Hunger und Not erleiden. Ohne das Wasser des Ganges wird die Bewässerung der Felder in Indien zusammenbrechen. Mit dem Verschwinden der Gletscher werden sich die landwirtschaftlichen Flächen in Dürregebiete verwandeln. Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen des Klimawandels wird in den Ländern südlich des Himalaya beobachtet: Auch der Monsunregen ist nicht mehr so stark wie gewohnt. Die drohende Versteppung der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Indien wird nicht nicht ausschließlich fünfhundertmillionen Inder betreffen. Indien beliefert auch den Weltmarkt mit seinen landwirtschaftlichen Produkten.

Nach den Kriegen um die letzten Erdölreserven des ausgehenden zwanzigsten- und zu Beginn des einzwanzigsten Jahrhunderts könnte es irgendwann zum Kampf um die noch verfügbaren Nahrungsmittel kommen. Die Preise für Nahrungsmittel werden steigen. Das wird dann auch die Menschen bei uns betreffen, denen der Klimawandel bisher ziemlich egal ist, und denen seine bisherigen Folgen in Form einer schärfereren Umweltgesetzgebung bisher eher lästig sind. Und:
  • Milliarden von Umweltflüchtlingen werden eine
    neue Völkerwanderung gigantischen Ausmaßes
    auslösen und auch an unsere Tür klopfen!


"Die Menschen sind heute nicht glücklich.
Wie könnten wir glücklich sein?
Wir haben nicht einmal genug zu essen.
Ohne Nahrung und hungrig?
Wie können wir hier glücklich sein?"

(Klimahaus Bremerhaven, Eine alte Tuareg Frau erzählt aus ihrem Leben in Niger)




- Noch 4 Tage bis Kopenhagen -
tcktcktck - The World Wants a Real Deal




Count-Down für das Leben auf dem Planeten Erde:
  • 4 Ewiges Eis?


(Quellen: Klimahaus 8° Ost, ZDF Umwelt vom 29.11.2009)

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